{"id":4213,"date":"2009-09-23T15:16:06","date_gmt":"2009-09-23T13:16:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4213"},"modified":"2015-12-16T14:55:20","modified_gmt":"2015-12-16T13:55:20","slug":"steinbrueck-faehrt-weiter-entlastungsangriffe-und-die-medien-verbreiten-es-kritiklos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4213","title":{"rendered":"Steinbr\u00fcck f\u00e4hrt weiter Entlastungsangriffe &#8211; und die Medien verbreiten es kritiklos"},"content":{"rendered":"<p>In 186 Medienprodukten schl&auml;gt sich ein Angriff Steinbr&uuml;cks auf die &bdquo;britischen Reformbremser&ldquo; schon nach 2 h nieder. So wie hier in SpiegelOnline um 11.41h: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/0,1518,druck-650720,00.html\">&bdquo;Streit vor G-20-Gipfel &ndash; Steinbr&uuml;ck attackiert britische Reformbremser&ldquo;<\/a>. Die (berechtigte) Kritik an den Briten ist ein Ablenkungsman&ouml;ver. Steinbr&uuml;ck lenkt von seiner und der Bundesregierung eigener Verantwortung f&uuml;r die Finanzkrise und vom eigenen Nichtstun ab. Auch davon abgesehen offenbaren seine Spr&uuml;che die schon bekannte mangelhafte &ouml;konomische Ausbildung dieses National&ouml;konomen. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nIch zitiere zun&auml;chst den Einstieg bei SpiegelOnline:<\/p><blockquote><p>Peer Steinbr&uuml;ck geht mal wieder zum Angriff &uuml;ber, diesmal trifft es die Briten. Kurz vor dem G-20-Gipfel in Pittsburgh schimpft der SPD-Politiker &uuml;ber die Londoner Blockadehaltung beim Umbau der globalen Finanzm&auml;rkte.<br>\nHamburg &ndash; Einen Tag vor Beginn des G-20-Gipfels im amerikanischen gibt die Richtung vor. Der deutsche Finanzminister attackierte die britische Regierung in bislang unbekannter H&auml;rte &ndash; um seine Pl&auml;ne f&uuml;r strengere Vorgaben auf den internationalen Finanzm&auml;rkten noch zu retten. Der SPD-Minister warf den Briten vor, sch&auml;rfere Regeln f&uuml;r die Finanzbranche &ndash; wie sie etwa Deutschland verlangt &ndash; massiv zu blockieren. &ldquo;Da ist in London klar eine Lobby, die einen Wettbewerbsvorteil mit Z&auml;hnen und Klauen verteidigen will&rdquo;, wetterte Steinbr&uuml;ck im &ldquo;Stern&rdquo;.<br>\nAuch den Grund f&uuml;r Londons Blockade lieferte Steinbr&uuml;ck mit: Er verwies auf die hohe Bedeutung der Finanzindustrie f&uuml;r Gro&szlig;britanniens Wirtschaft. Diese erwirtschafte dort 15 Prozent am Bruttoinlandsprodukt, w&auml;hrend der vergleichbare Anteil in Deutschland bei nur sechs Prozent liege. Mit der Regulierung der tue man sich deshalb &ldquo;besonders in Gro&szlig;britannien schwer, um es h&ouml;flich zu sagen&rdquo;, erkl&auml;rte der SPD-Politiker.<\/p><\/blockquote><p><strong>Steinbr&uuml;ck tut wieder einmal so, als h&auml;tte er und die Bundesregierung mit der Entstehung der Finanzkrise nichts zu tun:<\/strong><br>\nIn seiner drastischen Sprache, die offensichtlich bei Journalisten und beim Publikum Eindruck macht, meint er, &bdquo;Damals (im vergangenen Jahr) w&auml;re uns beinahe eine Dynamitstange um die Ohren geflogen.&ldquo; Solche Spr&uuml;che lenken davon ab, dass Steinbr&uuml;ck und Angela Merkel in der Koalitionsvereinbarung von 2005 die Lockerung der Regeln auf den Finanzm&auml;rkten beschlossen haben; sie und die Vorg&auml;nger-Regierung Schr&ouml;der haben, um im Bild zu bleiben, die Dynamitstange selbst zusammengebastelt. Wir haben das schon oft berichtet: Sie haben Hedgefonds zugelassen, Verbriefungen erleichtert, der Finanzaufsicht empfohlen, nicht genau hinzuschauen, den Verkauf und Kauf von Aktienpaketen steuerlich erleichtert, und so weiter.<\/p><p><strong>Was Steinbr&uuml;ck und die Bundesregierung vorschlagen, ist offensichtlich mager<\/strong><br>\nSteinbr&uuml;ck propagiert jetzt die &bdquo;Idee einer internationalen Finanzmarktsteuer&ldquo;. &Uuml;ber diese Idee streitet er sich mit dem Briten. Offensichtlich hat diese Idee insgesamt keine Chance. Es ist reines Spielmaterial. Es ist weder gekl&auml;rt, wie diese Steuer erhoben werden soll, noch wie das Steueraufkommen verteilt werden soll. Wenn diese Idee irgendwann umgesetzt werden sollte, dann vielleicht in 20, 30 oder 50 Jahren. Oder eben gar nicht. Das ist aus meiner Sicht die nahezu hundertprozentige Erwartung.<br>\nMan kann gespannt sein darauf, was die Bundesregierung und die Europ&auml;ische Union auf dem Gipfel in Pittsburgh sonst noch aus der Tasche ziehen.<\/p><p><strong>Die Bundesregierung k&ouml;nnte selbst viel tun, hat aber noch nicht einmal die F&ouml;rderung des Casinos zur&uuml;ckgenommen<\/strong><\/p><ul>\n<li>Die Bundesregierung k&ouml;nnte die Zulassung von Hedgefonds zur&uuml;cknehmen.<\/li>\n<li>Die Bundesregierung k&ouml;nnte und m&uuml;sste die zum 1.1.2002 eingef&uuml;hrte Steuerbefreiung der Gewinne beim Verkauf von Unternehmen und Unternehmensteilen zur&uuml;cknehmen. Warum tut sie das nicht? Sie w&auml;re auf die Zustimmung der Briten und anderer Regierungen nicht angewiesen.<\/li>\n<li>Sie k&ouml;nnte Verbriefungen erschweren.<\/li>\n<li>Sie k&ouml;nnte Banken und Bankenteile insolvent gehen lassen und damit die Belohnung der Spekulation stoppen.<\/li>\n<li>Sie k&ouml;nnte ihre Privatisierungspolitik stoppen und auch die L&auml;nder und Kommunen ermuntern, mit dieser &bdquo;F&uuml;tterung&ldquo; der Finanzm&auml;rkte aufzuh&ouml;ren.<\/li>\n<li>Wo bleiben die Ma&szlig;nahmen gegen Steueroasen? Ich meine nicht nur Spr&uuml;che.<\/li>\n<li>Sie k&ouml;nnte eine Verm&ouml;genssteuer erheben. <\/li>\n<li>Sie k&ouml;nnte die Kapitaleink&uuml;nfte wieder so besteuern wie andere Einkommen auch.<\/li>\n<li>Sie k&ouml;nnte eine Wertzuwachssteuer bei Spekulationsgewinnen jeglicher Art pr&uuml;fen und nach sorgf&auml;ltiger Pr&uuml;fung einf&uuml;hren.<\/li>\n<li>Sie k&ouml;nnte den Spitzensteuersatz wieder erh&ouml;hen auf das Niveau von Helmut Kohls Zeiten: 53 %<\/li>\n<\/ul><p>Die zuletzt genannten Ma&szlig;nahmen w&auml;ren alle geeignet, jene st&auml;rker zur Kasse zu bitten, die von den bisherigen Spekulationen und damit den Ursachen der Finanzkrise profitiert haben. Damit k&ouml;nnte Steinbr&uuml;ck zumindest im Ansatz vermeiden, dass &bdquo;B&uuml;rger die Kosten schultern m&uuml;ssen, obwohl sie an der Krise nicht schuld waren&ldquo;.<br>\nAber Steinbr&uuml;ck tut nichts. Er macht Spr&uuml;che.<\/p><p><strong>Steinbr&uuml;cks &ouml;konomische Analysen sind wie immer h&ouml;chst fragw&uuml;rdig<\/strong><br>\nEr spricht von der hohen Bedeutung der Finanzindustrie f&uuml;r Gro&szlig;britannien und meint, diese erwirtschafte dort 15 % am Bruttoinlandsprodukt, w&auml;hrend der vergleichbare Anteil in Deutschland bei nur 6 % liege. Bisher war mir f&uuml;r Gro&szlig;britannien ein Anteil von 10 % bekannt. Aber es kann ja sein, dass Steinbr&uuml;ck aktuellere Zahlen hat. Meine Kritik zielt auf etwas anderes: Steinbr&uuml;ck hat offenbar nicht verstanden, dass hinter den 15 % keine Wertsch&ouml;pfung steckt, sondern eine Ressourcenvergeudung gr&ouml;&szlig;ten Ausma&szlig;es. Und schon gar nicht kommt diese Wertsch&ouml;pfung dem britischen Volk zugute. Die Investmentbanker und die City profitieren.<br>\nSteinbr&uuml;ck hat offenbar immer noch nicht verstanden, dass der Finanzsektor weit &uuml;berdehnt ist. Dar&uuml;ber und &uuml;ber die notwendige Konversion, also die Umwandlung von Arbeitspl&auml;tzen in der Finanzindustrie in andere Sektoren, sollte man in Pittsburgh endlich einmal sprechen. (Siehe dazu den ersten Beitrag in der Serie Finanzkrise vom 7.1.2009: <a href=\"?p=3689\">&bdquo;Den Kapitalmarkt effizienter organisieren &ndash; Konversion ist angesagt (Teil I)&ldquo;<\/a>.<br>\nEs ist wichtig, das Casino zu schlie&szlig;en, statt um Wettbewerbsvorteile zur weiteren ma&szlig;losen Vergeudung von Ressourcen zu streiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In 186 Medienprodukten schl&auml;gt sich ein Angriff Steinbr&uuml;cks auf die &bdquo;britischen Reformbremser&ldquo; schon nach 2 h nieder. So wie hier in SpiegelOnline um 11.41h: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/0,1518,druck-650720,00.html\">&bdquo;Streit vor G-20-Gipfel &ndash; Steinbr&uuml;ck attackiert britische Reformbremser&ldquo;<\/a>. Die (berechtigte) Kritik an den Briten ist ein Ablenkungsman&ouml;ver. Steinbr&uuml;ck lenkt von seiner und der Bundesregierung eigener Verantwortung f&uuml;r die Finanzkrise und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4213\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,50,11],"tags":[284,293,593,469,285,420,253],"class_list":["post-4213","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-finanzkrise","category-strategien-der-meinungsmache","tag-deregulierung","tag-finanzwirtschaft","tag-g7820","tag-grossbritannien","tag-hedgefonds","tag-spiegel","tag-steinbrueck-peer"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4213","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4213"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4213\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20182,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4213\/revisions\/20182"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4213"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4213"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4213"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}