{"id":42151,"date":"2018-01-30T10:46:03","date_gmt":"2018-01-30T09:46:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42151"},"modified":"2019-03-20T23:39:18","modified_gmt":"2019-03-20T22:39:18","slug":"wenn-umweltschuetzer-sich-vor-den-karren-der-transatlantiker-und-der-fracking-lobby-spannen-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42151","title":{"rendered":"Wenn Umweltsch\u00fctzer sich vor den Karren der Transatlantiker und der Fracking-Lobby spannen lassen"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180130-Umweltschuetzer-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Als US-Au&szlig;enminister Rex Tillerson Deutschland an diesem Wochenende bei seinem Staatsbesuch in Polen erneut scharf f&uuml;r dessen Engagement am Pipeline-Projekt <em>Nord Stream 2<\/em> <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/polen-usa-nord-stream-101.html\">angriff<\/a>, erhielt er Unterst&uuml;tzung aus einer Ecke, die nicht unbedingt im Verdacht steht, die aggressive transatlantische Spannungspolitik mitzutragen. Die beiden Naturschutzverb&auml;nde NABU und WWF Deutschland <a href=\"https:\/\/www.nabu.de\/landingpages\/23740.html\">rufen nun die &Ouml;ffentlichkeit auf<\/a>, das Projekt durch eine Protestmail an &bdquo;Merkel, Schulz und Seehofer&ldquo; zu verhindern. Erstaunlich ist dabei vor allem die Begr&uuml;ndung. Neben &ouml;kologischen Aspekten nennen die Verb&auml;nde als zentralen Punkt auch die &bdquo;Gef&auml;hrdung der europ&auml;ischen Idee&ldquo;. <em>Nord Stream 2<\/em> w&uuml;rde &bdquo;einen Keil durch Europa treiben&ldquo; und Deutschland &bdquo;von seinen Nachbarn isolieren&ldquo;. Das ist starker Tobak und auch im Sinne des Umweltschutzes mehr als bedenklich, denn die Alternative, die Deutschlands Nachbarn vorschwebt, ist der Import von Fracking-Gas aus den USA. Erst im November schlossen Polen und die USA <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/amerikas-aussenminister-tillerson-lehnt-nord-stream-2-pipeline-ab-15420196.html\">langfristige Vereinbarungen<\/a> zur Lieferung von Fl&uuml;ssiggas an das  LNG-Terminal im polnischen Swinem&uuml;nde. Ein &ouml;kologischer Offenbarungseid mit Unterst&uuml;tzung zweier deutscher Umweltverb&auml;nde. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9189\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-42151-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180130_Wenn_Umweltschuetzer_sich_vor_den_Karren_spannen_lassen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180130_Wenn_Umweltschuetzer_sich_vor_den_Karren_spannen_lassen_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180130_Wenn_Umweltschuetzer_sich_vor_den_Karren_spannen_lassen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180130_Wenn_Umweltschuetzer_sich_vor_den_Karren_spannen_lassen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=42151-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180130_Wenn_Umweltschuetzer_sich_vor_den_Karren_spannen_lassen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180130_Wenn_Umweltschuetzer_sich_vor_den_Karren_spannen_lassen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Zur Vorgeschichte von Nord Stream 2 lesen Sie bitte den Artikel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39374\">US-Angriff auf Nord Stream 2 &ndash; warum ist Merkel auf einmal so kleinlaut?<\/a>&ldquo; auf den NachDenkSeiten<\/em><\/p><p>Seit die NachDenkSeiten im Juli letzten Jahres &uuml;ber das Pipeline-Projekt <em>Nord Stream 2<\/em> und den Konflikt darum auf europ&auml;ischer und internationaler Ebene <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39374\">berichtet haben<\/a>, hat sich die Lage abermals versch&auml;rft. Die EU will sich offenbar durch eine &Auml;nderung der &bdquo;Gasdirektive&ldquo; ein Mitspracherecht bei der Genehmigung der Ostseepipeline einr&auml;umen und Deutschland konterte diesen Schritt einem russischen Medienbericht <a href=\"https:\/\/owc.de\/2018\/01\/24\/nord-stream-2-deutschland-will-aenderung-der-gasdirektive-verhindern\/\">zufolge<\/a> durch ein Rechtsgutachten, das ein solches Mitspracherecht verneint. Die Konfliktlinie ist nicht immer transparent, aber doch eindeutig. Die USA wollen durch ein Sanktionspaket Russland (vor allem auf Kosten Deutschlands) den Erdgasexport erschweren und damit den Erl&ouml;s dringend ben&ouml;tigter Devisen unterbinden. Gleichzeitig wollen die Amerikaner ihre gigantischen Erdgas-&Uuml;berkapazit&auml;ten vermarkten, die eine Folge des &ouml;konomisch wie &ouml;kologisch katastrophalen Fracking-Booms sind. Fracking-Gas kann in verfl&uuml;ssigter Form mit riesigen Tankern nach Europa transportiert werden und dabei die russischen Gaslieferungen zu einem Teil ersetzen. &Ouml;konomisch und &ouml;kologisch w&auml;re dies jedoch Wahnsinn. Und &uuml;ber dem Ganzen schwebt auch noch der Geist der neuen Spannungspolitik und des neuen kalten Krieges der USA. <\/p><p>Der zweite wichtige Gegner einer Ausweitung der Ostseepipeline sind Polen und die baltischen Republiken, die ohnehin den USA sehr nahestehen und Russland und Deutschland skeptisch betrachten, aber auch &ouml;konomische Gr&uuml;nde haben &ndash; durch die Verlegung der Gaslieferungen vom Landweg auf die Ostsee entgehen diesen Transitstaaten milliardenschwere Transitgeb&uuml;hren. Der Widerstand gegen <em>Nord Stream 2<\/em> ist also nicht nur ideologischer Natur. &Auml;hnlich sieht es bei den S&uuml;dosteurop&auml;ern aus. Nachdem niemand anderes als Angela Merkel unter Berufung auf die europ&auml;ischen Sanktionen gegen Russland die Nord-Stream-Alternative <em>South Stream<\/em> verhindert hat, die &ndash; je nach Trassenverlauf &ndash; Staaten wie Bulgarien, Griechenland, Ungarn und Kroatien hohe Transitgeb&uuml;hren beschert h&auml;tte, erinnern diese Staaten nun Deutschland daran, dass <em>Nord Stream 2<\/em> mit der gleichen Begr&uuml;ndung ebenfalls verhindert werden m&uuml;sste. Damit liegen sie auch nicht falsch. Angela Merkels Veto gegen <em>South Stream<\/em> war ein Fehler. Es w&auml;re jedoch t&ouml;richt, den einen Fehler durch einen neuen Fehler wieder &bdquo;gutzumachen&ldquo;. Komplettiert wird der Block der Nord-Stream-Gegner seit j&uuml;ngstem durch D&auml;nemark und <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-energy-europe-usa\/biden-nord-stream-2-pipeline-is-a-bad-deal-for-europe-idUSKCN1101AP\">Schweden<\/a>, die beide vor dem <a href=\"http:\/\/cphpost.dk\/news\/us-warns-denmark-over-russian-gas-pipeline.html\">massiven Druck aus Washington<\/a> eingeknickt sind. Hinter den Kulissen k&ouml;nnte hier auch ein laufendes Gesch&auml;ft &uuml;ber den Kauf von 27 hochmodernen F-35-Kampfflugzeugen durch die d&auml;nische Luftwaffe eine Rolle gespielt haben. Es w&auml;re nicht das erste Mal, dass die USA R&uuml;stungsgesch&auml;fte als Hebel f&uuml;r die sogenannte Soft Power bei solchen Beeinflussungen genutzt h&auml;tten.<\/p><p>Wie dem auch sei &ndash; Deutschland ist in der EU tats&auml;chlich beim Thema Ostseepipeline ziemlich isoliert. Nichtsdestotrotz liegt der Bau von Nord Stream 2 aber auch ganz eindeutig im &ouml;konomischen und strategischen Interesse Deutschlands; nicht zuletzt, um die Versorgungssicherheit unabh&auml;ngiger von den Transitstaaten Ukraine, Polen und Wei&szlig;russland zu machen. <\/p><p>Bereits in diesem Punkt liegt die Erkl&auml;rung des NABU, die offenbar gemeinsam mit dem deutschen WWF verfasst wurde, also meilenweit daneben. Dass es in Polen und dem Baltikum &ouml;konomische und ideologische Interessen gibt, die denen Deutschlands zuwider laufen, ist bei dieser Debatte un&uuml;bersehbar. Wer hier T&auml;ter und wer Opfer ist, ist aber schon nicht mehr so einfach zu beantworten; vor allem dann nicht, wenn man die USA als eigentlichen Gegenspieler Deutschlands mit in die Betrachtung einbezieht. Genau das vermeidet der NABU jedoch. In der gesamten Aktionsschrift kommen die USA &uuml;berhaupt nicht vor; das ist umso erstaunlicher, da man die US-PR-Slogans von der angeblichen &bdquo;Gef&auml;hrdung der Energiesicherheit&ldquo; Europas und dem vermeintlichen Keil, den eine Ostseepipeline durch Europa treiben w&uuml;rde, nahezu 1:1 &uuml;bernimmt.<\/p><p>Was hat den NABU da nur geritten? Dass der Umweltschutzverband Bedenken wegen des Neubaus einer Pipeline durch die Ostsee hat, ist ja verst&auml;ndlich. Die &ouml;kologischen Risiken und die Einfassung des Projekts in die gr&ouml;&szlig;ere Klimadebatte hat der NABU in einer 58seitigen <a href=\"https:\/\/www.nabu.de\/imperia\/md\/content\/180115-nabu-stellungnahme-nordstream-2-gesamt.pdf\">Stellungnahme<\/a> dargelegt. Interessanterweise kommen in dieser Stellungnahme die hier kritisierten Formulierungen &uuml;ber &bdquo;Europa&ldquo; nicht vor. Woher kommen diese Formulierungen aber dann? Hat sie der Vorstand eigenh&auml;ndig erg&auml;nzt? Stammen sie vom Partner WWF, der ja ohnehin bereits seit l&auml;ngerem aufgrund seiner <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/schwarzbuch-wwf-die-dunkle-seite-des-panda-1.1366518\">N&auml;he zur Industrie<\/a> massiv in der Kritik steht?<\/p><p>Es ist schon tragisch. Da kritisiert der NABU &ndash; wahrscheinlich sogar zu Recht &ndash; die &ouml;kologischen Probleme im Zusammenhang mit <em>Nord Stream 2<\/em>. Aber was ist die Alternative? Was, wenn sich &ndash; rein hypothetisch betrachtet &ndash; die Anh&auml;nger des NABU durchsetzen w&uuml;rden und Deutschland doch noch den Bau von <em>Nord Stream 2<\/em> verhindert? Dadurch w&uuml;rde ja nicht weniger Gas verbraucht, sondern lediglich die Transportroute gewechselt. Anstatt &ouml;kologisch vertretbar westsibirisches Erdgas &uuml;ber eine Pipeline zum deutschen Endkunden zu transportieren, w&uuml;rde dann &ouml;kologisch verheerendes Fracking-Gas aus den USA unter hohem Energieeinsatz in den USA verfl&uuml;ssigt, dann unter hohem Energieeinsatz mit riesigen Tankern nach Europa gebracht und schlie&szlig;lich am LNG-Terminal wieder verdampft, um zum Endkunden transportiert zu werden. Alleine die Vorstellung von einem regelm&auml;&szlig;igen Gasshuttle mit 300-Meter-Tankern durch den Kattegat und den Belt bis hin ins Stettiner Haff sollte doch jeden Umweltsch&uuml;tzer eigentlich zur Wei&szlig;glut bringen; von der <a href=\"http:\/\/en.polskielng.pl\/fileadmin\/pliki\/due_diligence\/NTS_de.pdf\">Vertiefung der Fahrrinne vor Swinem&uuml;nde auf 14 Meter<\/a> ganz zu schweigen.<\/p><p>Aus PR-strategischer Sicht ist das t&ouml;richte Verhalten des NABU nat&uuml;rlich ein Hauptgewinn. Wenn die aggressive US-Au&szlig;enpolitik einen deutschen Umweltverband als Partner hat, so kann sie ihre Interessen bis zu einer Klientel transportieren, die sie auf klassische Art und Weise kaum erreichen konnte. Und dass der NABU nun indirekt die Lobbyarbeit der Fracking-Konzerne betreibt, d&uuml;rfte als traurige Fu&szlig;note in die Geschichte des Umweltschutzes in Deutschland eingehen. <strong>Sollten Sie Mitglied des NABU oder des WWF sein, lassen Sie die Verbandsspitzen doch bitte wissen, was Sie von derlei fehlgeleiteter Propaganda halten<\/strong>.<\/p><p><em><strong>P.S.:<\/strong> Der Herausgeber der NachDenkSeiten beendet heute seine jahrzehntelange Mitgliedschaft im NABU.<\/em><\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/465c676c2c6b4563a2e77b819793f97c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180130-Umweltschuetzer-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Als US-Au&szlig;enminister Rex Tillerson Deutschland an diesem Wochenende bei seinem Staatsbesuch in Polen erneut scharf f&uuml;r dessen Engagement am Pipeline-Projekt <em>Nord Stream 2<\/em> <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/polen-usa-nord-stream-101.html\">angriff<\/a>, erhielt er Unterst&uuml;tzung aus einer Ecke, die nicht unbedingt im Verdacht steht, die aggressive transatlantische Spannungspolitik mitzutragen. 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