{"id":42173,"date":"2018-01-31T14:32:50","date_gmt":"2018-01-31T13:32:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42173"},"modified":"2026-01-27T11:06:43","modified_gmt":"2026-01-27T10:06:43","slug":"ialana-medientagung-fundierte-medienkritik-und-medienvertreter-auf-tauchstation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42173","title":{"rendered":"IALANA-Medientagung: Fundierte Medienkritik und Medienvertreter auf Tauchstation"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180131_ialana1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Medien enthalten dem Publikum zentrale Informationen vor und stellen Zusammenh&auml;nge interessengeleitet einseitig verk&uuml;rzt und damit falsch dar. Es gibt keine &Ouml;ffentlichkeit mehr, daf&uuml;r eine Vielzahl von Teil&ouml;ffentlichkeiten. Das Publikum ist schwach organisiert. Den strukturellen Schieflagen im Mediensystem muss schleunigst entgegengewirkt werden. Das waren nur einige der Erkenntnisse, die die Teilnehmer der Konferenz &bdquo;<a href=\"http:\/\/medientagung.ialana.de\">Krieg und Frieden in den Medien<\/a>&ldquo; am vergangenen Wochenende diskutierten. Ein Beitrag von <strong><strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong><\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9983\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-42173-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180202_IALANA_Medientagung_Fundierte_Medienkritik_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180202_IALANA_Medientagung_Fundierte_Medienkritik_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180202_IALANA_Medientagung_Fundierte_Medienkritik_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180202_IALANA_Medientagung_Fundierte_Medienkritik_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=42173-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180202_IALANA_Medientagung_Fundierte_Medienkritik_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180202_IALANA_Medientagung_Fundierte_Medienkritik_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Organisiert hatte die Veranstaltung, die in der CROSS Jugendkulturkirche Kassel stattfand, die Juristenvereinigung IALANA in Kooperation u.a. mit dem Zentrum Oekumene der Ev. Kirche Hessen und Nassau sowie der Ev. Kirche von Kurhessen und Waldeck. Die Veranstaltung, an der gut 350 Personen teilnahmen, stand unter der Frage: &bdquo;Kann man ein Leitbild &sbquo;Friedensjournalismus&lsquo; f&uuml;r eine der Wahrheit verpflichtete und deeskalierende Berichterstattung etablieren?&ldquo; <\/p><p>Die Gr&auml;ben zwischen Vertretern gro&szlig;er Medien und ihren Kritikern sind offenbar tief. Das ist eine ern&uuml;chternde Beobachtung, die man am Wochenende in Kassel hat machen k&ouml;nnen. Sie ergab sich allerdings nicht daraus, dass es bei der hochkar&auml;tig besetzten Konferenz, an der auch der &bdquo;Anstalts-Kabarettist&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39339\">Max Uthoff<\/a> und die ehemalige ARD-Russland-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz teilnahmen, etwa zu wilden Wortgefechten zwischen &bdquo;etablierten&ldquo; Journalisten und Kritikern an ihrer Berichterstattung gekommen w&auml;re. Dazu konnte es n&auml;mlich gar nicht kommen. Denn: Laut Aussage der Veranstalter fanden sich trotz Einladung keine Vertreter gro&szlig;er etablierter Medien zu der Konferenz ein. Einige von ihnen, die als Referenten oder Diskussionspartner angefragt waren, seien unter anderem aus Angst vor Sanktionen innerhalb ihrer Medien nicht bereit gewesen, an der Konferenz teilzunehmen. Das ist einerseits wirklich erstaunlich. Andererseits aber auch wieder nicht. <\/p><p>Gewiss: Mit einiger Naivit&auml;t lie&szlig;e sich die Frage aufwerfen, wie es sein kann, dass Medienvertreter, die sich mit Emp&ouml;rung &uuml;ber eine manchmal arg laute und teilweise beleidigende &bdquo;Medienkritik&ldquo;, wie sie etwa in den sozialen Medien zu finden ist, aufregen, trotzdem aber nicht bereit sind, sich an einen Tagungsort zu begeben, an dem es in jeder Hinsicht zivilisiert zugeht: Kluge und wohldurchdachte Referate, Podiumsteilnehmer, denen man schnell anmerkt, dass sie wissen, wovon sie sprechen; ein Publikum, das den Eindruck macht, sehr gut informiert zu sein und das sich mit Medien und deren Berichterstattung offenkundig intensiv auseinandergesetzt hat. <\/p><p>So gesehen lag in Kassel vor der CROSS Jugendkulturkirche, sieben Gehminuten vom Kulturbahnhof entfernt, der rote Teppich f&uuml;r jene Vertreter gro&szlig;er Medien aus, die meinen, dass die aktuelle Medienkritik im Kern unberechtigt sei und &uuml;berwiegend mit falschen Annahmen und Behauptungen gef&uuml;hrt werde. Die B&uuml;hne war bereitet. Doch, wie angesprochen, es gibt noch ein &bdquo;Andererseits&ldquo;. <\/p><p>Bei Lichte betrachtet d&uuml;rfte das Interesse von so manchem Vertreter der Leitmedien an einer sachlichen Diskussion mit ihren Kritikern bei etwa null liegen. Zumindest liegt dieser Eindruck sehr nahe. Weder findet die Diskussion innerhalb der gro&szlig;en &ouml;ffentlichen Diskurspl&auml;tze der Polit-Talkshows statt, noch bisher, von wenigen Ausnahmen abgesehen, an einem anderen Ort. Der Grund liegt nahe und das hat die Veranstaltung in Kassel in aller Deutlichkeit gezeigt: Es geht bei der gegenw&auml;rtigen Medienkritik nicht um Lappalien. Es geht nicht darum, dass irgendein Journalist oder irgendein Medium hin und wieder irgendeinen Fehler macht. Die Medienkritik, die sp&auml;testens seit der Ukraine-Krise immer lauter geworden ist und auch auf der Kasseler Konferenz zu Wort kam, durchdringt die Oberfl&auml;chen-Wahrnehmung von Journalismus und Mediensystem. Genauso die Medienkritik in Kassel: Sie bot weder Platz f&uuml;r ein allgemeines Journalisten-Bashing, noch ging es ihr um eine pauschale Verurteilung oder gar um eine Verteufelung von Medien. Zugleich scheuten Referenten und Tagungsteilnehmer aber auch nicht davor zur&uuml;ck, Missst&auml;nde klar und pr&auml;zise zu benennen, Ursachen in den Blick zu nehmen und, wie der aus Genf angereiste Korrespondent der taz, Andreas Zumach, provokante Vorschl&auml;ge f&uuml;r Strukturver&auml;nderungen in den Medien zu pr&auml;sentieren (&Ouml;ffentlich-rechtliche Stiftungen f&uuml;r Zeitungen). <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180131_ialana2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180131_ialana2-small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Da war etwa der Leipziger Journalismusforscher <strong><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31990\">Uwe Kr&uuml;ger<\/a><\/strong>. Mit seiner 2013 publizierten Dissertation, die sich mit den Netzwerken von Alpha-Journalisten auseinandersetzt, hat Kr&uuml;ger f&uuml;r einigen Wirbel in der Medienwelt gesorgt. Teile seiner Arbeit hatte gar &bdquo;Die Anstalt&ldquo; &uuml;bernommen, um auf die Verflechtungen von Spitzenjournalisten mit Denkfabriken und Elitezirkeln im Bereich der Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik aufmerksam zu machen. Das Eingebundensein von Spitzenjournalisten in Elitezirkel, die etwa als Leitartikler die gro&szlig;e Weltpolitik dem Leser interessengeleitet nahebringen,&nbsp;interessiert das Publikum, das wurde aus der Resonanz auf seine Arbeit deutlich. <\/p><p>Der Vortrag Kr&uuml;gers in Kassel war dem Thema gewidmet: &bdquo;Woran man Propaganda erkennt.&ldquo; Kr&uuml;ger wollte, wie er zum Publikum sagte, &bdquo;gleich mit der T&uuml;r ins Haus fallen&ldquo; und f&uuml;hrte eingangs &bdquo;die zehn Prinzipien der Kriegspropaganda [an], wie sie Lord Arthur Ponsonby, ein britischer Politiker, Schriftsteller und Friedensaktivist, w&auml;hrend des Ersten Weltkriegs erkannte&ldquo;: <\/p><ol>\n<li>Wir wollen den Krieg nicht.<\/li>\n<li>Das gegnerische Lager tr&auml;gt die Verantwortung.<\/li>\n<li>Der F&uuml;hrer des Gegners ist ein Teufel.<\/li>\n<li>Wir k&auml;mpfen f&uuml;r eine gute Sache.<\/li>\n<li>Der Gegner k&auml;mpft mit unerlaubten Waffen.<\/li>\n<li>Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich.<\/li>\n<li>Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm.<\/li>\n<li>K&uuml;nstler und Intellektuelle unterst&uuml;tzen unsere Sache.<\/li>\n<li>Unsere Mission ist heilig.<\/li>\n<li>Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verr&auml;ter.<\/li>\n<\/ol><p>Ponsonbys Prinzipien zirkulieren seit geraumer Zeit im Internet &ndash; insbesondere auch im Zusammenhang mit den Spannungen, die es zwischen den Nato-Staaten und Russland gibt. <\/p><p>Kr&uuml;gers Absicht wird im weiteren Verlauf des Vortrags deutlich: Ihm geht es, ganz im Sinne der Frage, die die Veranstalter f&uuml;r die Tagung aufgeworfen haben, darum, dass Mediennutzer ihre Sinne sch&auml;rfen.<\/p><p>Uwe Kr&uuml;ger verwies ferner auf das Propagandamodell des US-amerikanischen Sprachwissenschaftlers Noam Chomsky und des &Ouml;konomen Edward Herman, die sich intensiv mit den Medien in ihrem Land auseinandergesetzt haben. &bdquo;Ihre wichtigste These&ldquo;, so Kr&uuml;ger, &bdquo;lautet, dass die Medien nicht alle Opfer von staatlicher Repression und Gewalt gleichbehandeln, sondern zwischen wertvollen und wertlosen Opfern unterscheiden &ndash; je nachdem, ob die Gewalt von den USA, Kanada, anderen kapitalistischen Demokratien oder einem befreundeten Regime ausgeht oder aber von offiziellen Feindstaaten der USA.&ldquo;<\/p><p>In den von Kr&uuml;ger pr&auml;sentierten Zitaten Chomskys hei&szlig;t es auch, dass sich bei Gr&auml;ueltaten jener L&auml;nder, die mit den USA verbunden seien, in den Medien von den Journalisten ganz &uuml;berwiegend eine l&auml;nderspezifisch freundliche und damit einseitige Berichterstattung erwartet werde: &bdquo;Wir erwarten unkritische Akzeptanz von bestimmten Pr&auml;missen, wenn es um uns und unsere Freunde geht &ndash; etwa, dass wir Frieden und Demokratie wollen, Terrorismus bek&auml;mpfen und die Wahrheit sagen &ndash; Pr&auml;missen, die bei Feindstaaten nicht angenommen werden.&ldquo; <\/p><p>Nach den Erwartungen von Herman und Chomsky helfen also Medien dabei, die Schandtaten der eigenen Regierung und des Milit&auml;rs zu verdecken, w&auml;hrend sie bei Verbrechen der Feindstaaten die gesamte Klaviatur des kritischen Journalismus spielen.<\/p><p>&bdquo;Spielen bei Kriegen auch PR-Agenturen eine Rolle, die also einen Krieg &bdquo;promoten&ldquo;, sprich: Propaganda f&uuml;r Regierungen betreiben?&ldquo; fragte der Politikwissenschaftler <strong><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36428\">J&ouml;rg Becker<\/a><\/strong>. Provokant formulierte er den Titel seines Vortrages: &bdquo;Wie die Public-Relations-Industrie mitregiert&ldquo; und legte somit zugleich nahe, dass PR-Agenturen einen gro&szlig;en Einfluss bei der Politikgestaltung haben k&ouml;nnen. Einige von ihnen seien zu &bdquo;gro&szlig;m&auml;chtigen transnationalen Konzernen mutiert&ldquo;; vier dieser &bdquo;gigantischen PR-Verbundsysteme&ldquo; dominierten &bdquo;die gesamte Welt der Werbung, der Public Relations, der Medien und des Consultings&ldquo; (die US-amerikanische Omnicom-Gruppe, die englische WWP-Gruppe, die franz&ouml;sische Publicis-Gruppe und die US-amerikanische Interpublic-Gruppe). Mit einem Jahresumsatz von gesch&auml;tzten 7 bis 20 Milliarden US-Dollar &uuml;bersteige dieser gar den Staatshaushalt einzelner L&auml;nder.   <\/p><p>Sieben von ihm recherchierte Beispielsf&auml;lle f&uuml;hrt Becker an, in denen Staaten gezielt Werbeagenturen bei Kriegen um Unterst&uuml;tzung baten. Die so genannte &bdquo;Brutkastenl&uuml;ge&ldquo;, die 1990 von der PR-Agentur <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hill_%26_Knowlton\">Hill &amp; Knowlton<\/a> erfunden wurde, ist einer davon. Sie war dabei behilflich, ein emotionales und politisches Klima zu schaffen, das es den USA erlauben sollte, milit&auml;risch gegen den Irak vorzugehen und daf&uuml;r vorab eine Mehrheit im UN-Sicherheitsrat zu gewinnen. <\/p><p>Becker res&uuml;miert, dass in Kriegen heute in weitem Ma&szlig;e &bdquo;PR-Agenturen (und auch Medienanstalten) nicht nur Produzenten und Vermittler von Bildern und Texten&ldquo; seien, sondern auch &bdquo;Kriegsakteure.&ldquo; Wie etwa ein etabliertes journalistisches Medium selbst zur Kriegspartei werden kann, illustrierte Becker an dem Beispiel des TV-Senders CNN. Dieser habe rechtzeitig vor &bdquo;der Landung der US-Truppen an einem Strand in Somalia 1992 einen Vertrag mit dem Pentagon geschlossen&ldquo;, so dass &bdquo;die TV-&Uuml;bertragung dieser Truppenlandung nur bei ihm und in der Prime Time stattfinden m&uuml;sse, was dann vertragsgerecht auch geschah.&ldquo;  Die Entwicklung in Sachen PR-Industrie vollziehe sich in einer Zeit, in der die b&uuml;rgerliche &Ouml;ffentlichkeit zunehmend zerfallen sei und nur noch Teil&ouml;ffentlichkeiten vorhanden seien, so Becker.  <\/p><p>Auch <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>, Gr&uuml;nder und Herausgeber der NachDenkSeiten, widmete sich in seinem Vortrag (Anmerkung der Redaktion: Der komplette Vortrag von Albrecht M&uuml;ller wird zeitnah auf den NachDenkSeiten ver&ouml;ffentlicht) dem Thema &bdquo;Propaganda&ldquo;. &bdquo;Wie k&ouml;nnen wir uns gegen eine Manipulation unserer Einstellungen, &Uuml;berzeugungen und Meinungen sch&uuml;tzen?&ldquo;, fragte er und wies auf h&auml;ufig genutzte Methoden der Desinformation hin, die man erkennen, dokumentieren und kritisieren m&uuml;sse: zum Beispiel Weglassen und Verschweigen wichtiger Tatsachen, unzul&auml;ssige Simplifizierung und Verk&uuml;rzung historischer Zusammenh&auml;nge und Entwicklungen, einseitige Instrumentalisierung des Leidens von Opfern mit dem Ziel einer trickreichen tendenzi&ouml;sen Beeinflussung der Gef&uuml;hle der Leser und Zuschauer. &bdquo;Manipulationen&ldquo;, so M&uuml;ller, sind vielfach &bdquo;eher auf der Tagesordnung als ehrliche Aussagen.&ldquo; Es gehe darum, Manipulationen in den Medien zu erkennen und ein Verst&auml;ndnis daf&uuml;r zu entwickeln, dass hinter den Versuchen der Beeinflussung vielfach ausgekl&uuml;gelte Kampagnen st&uuml;nden. <\/p><p>M&uuml;ller, der den Bundestags-Wahlkampf Willy Brandts von 1972 konzipierte und bis 1982 Chef der Planungsabteilung des Bundeskanzleramtes war, geht davon aus, dass zum Beispiel hinter der tendenzi&ouml;sen, weithin negativen Berichterstattung &uuml;ber Russland und Putin eine Kampagne stecke mit dem Ziel, das Land und den Pr&auml;sidenten als Feindbild aufzubauen. Es werde das Zerrbild vermittelt: &bdquo;Putin ist schuld am neu aufgebrochenen West-Ost-Konflikt. Putin ist unangenehm. Reitet mit nacktem Oberk&ouml;rper. Putin ist der B&ouml;se&ldquo;, sagt M&uuml;ller im Stakkato. <\/p><p>Man m&uuml;sse deshalb als kritischer Zeitgenosse in diesem Zusammenhang die &bdquo;imperialen und geostrategischen und wirtschaftlichen Interessen des Westens sichtbar machen&ldquo;. Dabei k&ouml;nne man erkennen, dass, wenn von einem Regime-Change die Rede sei, es l&auml;ngst nicht immer um Menschenrechte und Demokratie gehe. Einen kritischen Blick auf die Medien-Berichterstattung zu Russland warf auch <strong>Gabriele Krone-Schmalz<\/strong>, die ehemalige Russland-Korrespondentin der ARD. Sie wurde im Zuge der Ukraine-Krise daf&uuml;r bekannt, dass sie die Berichterstattung deutscher Medien kritisierte und davor warnte, Russland als Feind darzustellen. <\/p><p>In Anlehnung an den Hamburger V&ouml;lkerrechtler Professor <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/die-krim-und-das-voelkerrecht-kuehle-ironie-der-geschichte-12884464.html\">Reinhard Merkel<\/a> legte Krone-Schmalz pr&auml;zise dar, dass &ndash; auch wenn es noch so h&auml;ufig in den Medien anders zu lesen und zu h&ouml;ren sei &ndash; Russland die Krim nicht annektiert habe. Denn es sei keine gewaltsame Landnahme gewesen &ndash; anders als etwa das milit&auml;rische Vorgehen des irakischen Diktators Saddam Hussein 1990 in Kuwait. Vielmehr habe eine Sezession, also eine Abspaltung eines Teils der Ukraine, mit Hilfe eines Referendums stattgefunden. Die Sezession habe zweifellos gegen die ukrainische Verfassung, nicht aber gegen das V&ouml;lkerrecht versto&szlig;en. Russland habe wegen dieser Verfassungswidrigkeit den Beitritt der Krim auch nicht ablehnen m&uuml;ssen. Denn die ukrainische Verfassung binde Russland nicht. Dennoch sei das Handeln Russlands, jedenfalls seine milit&auml;rische Pr&auml;senz auf der Krim au&szlig;erhalb seiner Pachtgebiete, v&ouml;lkerrechtswidrig gewesen. Daraus folge aber nicht, dass die von dieser Milit&auml;rpr&auml;senz erst m&ouml;glich gemachte Abspaltung der Krim null und nichtig sei und somit deren nachfolgender Beitritt zu Russland doch nichts anderes als eine maskierte Annexion sei.<\/p><p>Krone-Schmalz betonte, dass man von den Mediennutzern nicht erwarten k&ouml;nne, auf diese Unterscheidung von alleine zu kommen, aber von Journalisten m&uuml;ssten diese Zusammenh&auml;nge dargestellt werden. Sie schlug vor, das Verh&auml;ltnis zu Russland wieder zu verbessern und zum Beispiel vordringlich auf einen engen Jugendaustausch auf allen m&ouml;glichen Ebenen zu setzen. <\/p><p>Die als Referenten eingeladenen ehemaligen Mitarbeiter des Norddeutschen Rundfunks (NDR) <strong>Volker Br&auml;utigam und Friedrich Klinkhammer<\/strong> legten den Fokus ihrer Tagungsbeitr&auml;ge auf ein bekanntes deutsches Medium: die ARD-Tagesschau. Unter dem Titel &bdquo;K&ouml;nnen wir uns wehren? &ndash; Was n&uuml;tzen Programmbeschwerden, Durchsetzung von Gegendarstellungen, gerichtliche einstweilige Anordnungen pp&ldquo; trugen beide mit trockenem Humor ihre Kritik an dem Medium vor. Seit der Ukraine-Krise haben Br&auml;utigam und Klinkhammer nach eigenen Angaben &uuml;ber 400 Programmbeschwerden wegen unzureichender Berichterstattung in der Tagesschau eingereicht. Nicht einer habe der NDR-Rundfunkrat stattgegeben. Eigentlich, so Br&auml;utigam, obl&auml;ge es dem Rat, dass er einer seiner wichtigsten Aufgaben, die ihm der Rundfunkstaatsvertrag zuschreibe, nachkomme, sprich: &bdquo;die Einhaltung der Programmrichtlinien zu &uuml;berwachen.&ldquo; Im Programm m&uuml;sse umfassend informiert werden, die Berichterstattung habe sachlich und wahrheitsgem&auml;&szlig; zu sein, die V&ouml;lkerverst&auml;ndigung m&uuml;sse gef&ouml;rdert werden und sie m&uuml;sse die B&uuml;rger zum selbst&auml;ndigen Urteilen bef&auml;higen. <\/p><p>F&uuml;r beide Referenten steht nach ihren Erfahrungen fest: &bdquo;De facto&hellip; bedient der Rat&hellip;nur die Partikular-Interessen von CDU und SPD, mit allen sch&auml;ndlichen Konsequenzen f&uuml;rs Programm.&ldquo; Die Mitglieder des Rates tagten hinter verschlossenen T&uuml;ren. &bdquo;Ihre Sitzungen und deren Ergebnisse lassen sie vom Management desselben Hauses organisieren und realisieren, dessen Produktqualit&auml;t und Programmpolitik sie eigentlich &uuml;berwachen sollten.&ldquo;<\/p><p>Sichtlich schockiert war das Publikum, als Br&auml;utigam am Beispiel einer mangelhaften Recherche darlegte, was die Motivation der beiden gef&ouml;rdert hat, so unerm&uuml;dlich Programmbeschwerden an den Sender zu schicken. <\/p><p>Br&auml;utigam, der 21 Jahre beim NDR angestellt war, las die folgenden Zeilen vor:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Nahe bei Aleppo griffen al-Qaida-Milizion&auml;re einen pal&auml;stinensischen Jungen auf. Er war zw&ouml;lf Jahre alt. Die M&auml;nner ernannten ihn zum &sbquo;Kindersoldaten Assads&lsquo;, fesselten ihn und warfen ihn auf einen Kleinlaster. Unter dem Gegr&ouml;le der Kumpanei riss einer dem Kind den Kopf zur&uuml;ck und s&auml;belte ihm den Hals durch. Das ging nicht glatt, es dauerte etwas. Den Kopf, nachdem der endlich abgeschnitten war, warf der Mann achtlos beiseite. Den Kopf eines zw&ouml;lfj&auml;hrigen Kindes.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Nach dieser Schilderung f&uuml;gte Br&auml;utigam zum Publikum gewandt hinzu, um die Recherche-Defizite deutlich zu machen: &bdquo;Sie werden es nicht glauben: Von solchen Leuten bezog Volker Schwenck, Chef des ARD-B&uuml;ros in Kairo, regelm&auml;&szlig;ig das Material f&uuml;r seine &sbquo;aktuellen&lsquo; Berichte &uuml;ber die K&auml;mpfe im 1000 Kilometer entfernten Aleppo.&ldquo; Und Br&auml;utigam weiter: &bdquo;Eigenrecherche in Aleppo, so hie&szlig; es verst&auml;ndnisheischend seitens der ARD, sei oft unm&ouml;glich, weil zu gef&auml;hrlich. Das Fremdmaterial habe Schwenck jedoch immer &auml;u&szlig;erst sorgf&auml;ltig gepr&uuml;ft. Ja freilich.&ldquo;<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180131_ialana3.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180131_ialana3-small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>&bdquo;Uns wurde angst und bange&ldquo;, das sagte der Polit-Satiriker <strong>Max Uthoff<\/strong>, der ebenfalls bei der Veranstaltung auftrat, im Hinblick auf die Berichterstattung zur Ukraine-Krise. <\/p><p>Der Anstalts-Kabarettist, der zusammen mit Claus von Wagner Monat f&uuml;r Monat ein Millionenpublikum an die Bildschirme lockt, sprach unter anderem mit den <strong>Moderatoren Daniela Dahn und Peter Becker<\/strong> dar&uuml;ber, wie er und von Wagner die Berichterstattung f&uuml;hrender Leitmedien erlebt haben. Dies sei auch der Grund gewesen, dass sie in ihrer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=LSDitudiGR4\">Nummer<\/a>&ldquo; das Verhalten der Leitmedien aus einem Sch&uuml;tzengraben dargestellt h&auml;tten.  Dies sei zu dem Zeitpunkt notwendig gewesen &bdquo;und zwar in der Dramatik, auch in der Hektik, die sie vermittelt&ldquo;, so Uthoff.<\/p><p>&bdquo;Es sollte aussehen wie ein Kriegsfilm&hellip;, weil damals &ndash; das haben wir uns ja nicht ausgedacht, tats&auml;chlich auch Der Spiegel, Die Zeit und andere unfassbar militaristisch zu Werke gegangen sind. Der Spiegel vor allem &ndash; die alte Landserpostille aus Hamburg &ndash; und auch Die Zeit, war da ganz vorne dabei&hellip;&ldquo; Fast m&uuml;sse er der Springer-Presse Respekt zollen &bdquo;vor der Phantasie und der M&uuml;hsal&ldquo;, die Welt und Bild an den Tag legten, &bdquo;um m&ouml;glichst irgendwann dann doch mal einen Kriegsgrund gegen Putin zusammenzuzimmern.&ldquo; <\/p><p>Uthoff zeigte aber auch Grund zur Freude auf, denn: Schon &ouml;fter sei es vorgekommen, dass Lehrer ihm und seinem Kabarett-Kollegen Claus von Wagner er&ouml;ffnet h&auml;tten, sie zeigten komplette Folgen der Anstalt auch in ihren Klassenzimmern und diskutierten dar&uuml;ber mit ihren Sch&uuml;lern &ndash;  &bdquo;was uns freut wie Bolle, weil ich nicht glaube, dass wir subversiver wirken k&ouml;nnten als auf diese Art und Weise.&ldquo;<\/p><p>Mit dem Begriff &bdquo;subversiv&ldquo; lieferte Uthoff vielleicht auch ein gutes Stichwort, um zu erkl&auml;ren, warum die Kassler Medientagung der IALANA in der Berichterstattung augenscheinlich nicht vorgekommen ist. Eine Medienkritik, die, wie in der Veranstaltung gezeigt, mit Fachkenntnis in die Tiefe bohrt und auch nicht davor zur&uuml;ckscheut, herrschaftsnahe Wirklichkeitskonstruktionen in der Berichterstattung zu hinterfragen, verabscheut so mancher Alphajournalist. &bdquo;Subversion&ldquo;, hier verstanden als eine, im demokratischen Sinne, wahrlich kritische (und nicht pseudokritische) Hinterfragung von Politik und Gesellschaft: das scheint f&uuml;r so manches Medium nicht notwendig. Das zeigt die Berichterstattung zu oft. Dort herrscht der Tenor vor: &bdquo;Uns&ldquo; geht es doch &bdquo;gut&ldquo;. <\/p><p><em>Bilder: &copy; Marcus Kl&ouml;ckner<\/em><\/p><p><em>Anmerkung: In dem Beitrag war auch eine Passage des Vortrages von Uwe Kr&uuml;ger angef&uuml;hrt, die sich mit einem Buch von Ulrich Wickert auseinandersetzt. Diese Passage war aber nur in der schriftlichen Fassung des Vortrages enthalten, die dem Autor vorliegt, wurde jedoch nicht auf der Konferenz vorgetragen. Deshalb haben wir diese Passage aus dem Text entfernt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180131_ialana1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Medien enthalten dem Publikum zentrale Informationen vor und stellen Zusammenh&auml;nge interessengeleitet einseitig verk&uuml;rzt und damit falsch dar. Es gibt keine &Ouml;ffentlichkeit mehr, daf&uuml;r eine Vielzahl von Teil&ouml;ffentlichkeiten. Das Publikum ist schwach organisiert. Den strukturellen Schieflagen im Mediensystem muss schleunigst entgegengewirkt werden. 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