{"id":4222,"date":"2009-09-25T16:06:25","date_gmt":"2009-09-25T14:06:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4222"},"modified":"2014-01-23T12:34:00","modified_gmt":"2014-01-23T11:34:00","slug":"wer-eine-partei-so-auf-null-bringt-gehoert-in-die-wueste-geschickt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4222","title":{"rendered":"Wer eine Partei so auf Null bringt, geh\u00f6rt in die W\u00fcste geschickt."},"content":{"rendered":"<p>Man traut seinen Augen und Ohren nicht mehr: Nach neueren Meldungen (siehe unten Anlage 1) wollen die bisherigen F&uuml;hrungspersonen der SPD nach verlorener Wahl offenbar weitermachen. Es ist h&ouml;chste Zeit, dass sich in der SPD Widerstand regt. Andernfalls wird es zur endg&uuml;ltigen Zerst&ouml;rung dieser Volkspartei kommen. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nSeit Schr&ouml;ders Amtsantritt 1998 sind der SPD alle Ministerpr&auml;sidenten bis auf vier verloren gegangen; die SPD hat Landtagswahlen, Kommunalwahlen und Europawahlen reihenweise verloren; sie hat 2005 ihre Kanzlerschaft verspielt; sie l&auml;uft Gefahr, auch bei der Bundestagswahl am Sonntag unter 30 % h&auml;ngen zu bleiben. Von einer Volkspartei kann man dann nicht mehr sprechen.<br>\nAlle Menschen, die eine Alternative zum rechtskonservativen Lager wollen, muss diese Entwicklung emp&ouml;ren. Als Demokraten haben wir ein Anrecht auf eine Alternative. Bei dieser Wahl hat uns die SPD F&uuml;hrung darum betrogen. Sie hat mit dem Ausschluss der Zusammenarbeit mit der Linkspartei jede Option auf einen wirklichen Regierungswechsel aufgegeben.<\/p><p>Der Niedergang der SPD ist kein Zufall. Er ist gemacht. Diese Feststellung habe ich ausf&uuml;hrlich in meinem Beitrag vom 3.9.2009 unter dem Titel <a href=\"?p=4169\">&bdquo;R&auml;tselhafte SPD-Strategie. Des R&auml;tsels L&ouml;sung: SPD-Spitze arbeitet f&uuml;r andere.&ldquo;<\/a> begr&uuml;ndet. Diese Analyse wird immer wieder best&auml;tigt, &uuml;brigens auch von der Weigerung der SPD-Spitze, sich vor der Wahl auf eine Neuregelung der &Uuml;berhangmandate einzulassen. Siehe dazu die Kritik sogar von Gerhard Schr&ouml;der in Anlage 2.<\/p><p><strong>Wenn das so ist, wenn die SPD Spitze nicht im Interesse der Sozialdemokratie arbeitet oder wenn sie nur aus Unverm&ouml;gen diese gro&szlig;e Partei ruiniert und als f&uuml;hrende Kraft entsorgt, dann w&auml;re es bei normalen demokratischen Verh&auml;ltnissen oder auch nur in einem Unternehmen selbstverst&auml;ndlich, dass die Verantwortlichen abgel&ouml;st werden.<br>\nAber es wird anders kommen, wenn die Mehrheit der SPD-Mitglieder, der Sympathisanten und der Mandatstr&auml;ger nicht endlich aufwacht und t&auml;tig wird:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Die jetzige F&uuml;hrung wird jede Verbesserung auch der miserabelsten Umfragewerte von um die 20 % als gro&szlig;en Sieg und als Ergebnis ihrer Arbeit im Wahlkampf darstellen. Dabei wird ihnen von einem Teil der Medien geholfen werden. Auch diese werden ein Ergebnis von vielleicht 26 % als Erfolg der Gruppe Steinmeier, M&uuml;ntefering und vielleicht sogar M&uuml;nteferings feiern.<\/li>\n<li>Die F&uuml;hrungsriege wird insbesondere dann, wenn wieder eine gro&szlig;e Koalition ins Haus steht, dies als besonderen Erfolg verbuchen, obwohl Steinmeier eigentlich als Kanzlerkandidat angetreten ist und insbesondere M&uuml;ntefering immer so getan hat, als w&auml;re die Wahl Steinmeiers zum Bundeskanzler eine sichere Nummer. &ndash; Auch bei der Meinungsmache zum angeblichen Erfolg &bdquo;gro&szlig;e Koalition&ldquo; werden viele Medien und sogar Teile der CDU, jedenfalls Angela Merkel, mithelfen.<\/li>\n<li>Das ist schon angelegt in der Demonstration guter Zusammenarbeit von Merkel und Steinbr&uuml;ck, zuletzt beim Gipfel in Pittsburgh. Allein dies wird schon reichen, Steinbr&uuml;cks Rolle als segensreich auch f&uuml;r die SPD darzustellen, obwohl er, seine Verfilzung mit der Finanzindustrie, seine Unf&auml;higkeit und sein Unwille zu einer expansiven Besch&auml;ftigungspolitik wie auch seine Politik der Verarmung des Staates und der Privatisierung wesentlich zum weiteren Niedergang der SPD nach 2005 beigetragen hat.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Wegen der zu erwartenden Meinungsmache und der Umdeutung der Niederlage zum Erfolg wird es nicht einfach sein, diese SPD F&uuml;hrung loszuwerden.<br>\nDas hat viel zu tun mit der oben zitierten Analyse (3.9.2009) der Fremdbestimmung der SPD durch Kr&auml;fte von au&szlig;erhalb. Dennoch: wann wenn nicht jetzt muss von den Sozialdemokraten in der SPD der Versuch gemacht werden, die F&uuml;hrungsgruppe loszuwerden?<\/strong> <\/p><p>Ich spreche dieses Thema vor der Wahl an, um Sozialdemokraten, die wie ich unter der Entwicklung der letzten 10 oder gar 20 Jahre leiden, aufzur&uuml;tteln. Wenn es jetzt nicht gelingt, die Steinmeiers, die M&uuml;nteferings vor allem, die Steinbr&uuml;cks, die Scholzens, die Gabriels, die Seeheimer und Netzwerker zu entzaubern, dann wird die SPD weiter ruiniert und es wird auf unabsehbare Zeit keine Alternative zum rechtskonservativen Lager geben.<\/p><p>Die Erneuerung der SPD darf sich nicht auf ein paar Personen beschr&auml;nken. Es ist insgesamt eine Re-Sozialdemokratisierung notwendig &ndash; eine Besinnung auf ihre Werte.<br>\nEs wird notwendig sein, wieder die Breite einer Volkspartei zu gewinnen. Das verlangt, die Macht der Seeheimer und Netzwerker zu beschneiden. Zu diesem Zweck muss offen &uuml;ber deren Strukturen und Charaktere gesprochen werden. Die Seeheimer zum Beispiel sind heute in weitem Ma&szlig;e ein Lobbyverein, eine parteiliche Gruppierung, die Interessen von au&szlig;erhalb das Tor der SPD &ouml;ffnet. Das war in Ans&auml;tzen auch fr&uuml;her so. Aber es gab auch unter den Konservativen in der SPD aufrechte Typen. An die Zusammenarbeit mit einem aus dieser Gruppe, mit Holger B&ouml;rner, erinnere ich mich auch pers&ouml;nlich gerne. Aber was hat der Lobbyist und Seeheimer Kahrs mit Holger B&ouml;rner oder mit Hans Jochen Vogel gemein?<br>\nEs wird auch notwendig sein, dass sich die Linke in der SPD anders verh&auml;lt, als wir das von Andrea Nahles und ihren Kreis kennen. Diese so genannte Linke hat nicht einmal die Kurskorrektur der Agenda 2010 verlangt. Sie hat die Privatisierung der Altersversorgung, die Privatisierung &ouml;ffentlicher Unternehmen und den Milit&auml;reinsatz in Afghanistan und im Kosovo Krieg mitgemacht. &ndash; Die in der SPD notwendige Kulturrevolution m&uuml;sste auch diese Partei-Linke erfassen.<\/p><p><strong>Anlage 1:<br>\nDas Fell des B&auml;ren wird von den Verlierern schon verteilt<\/strong><\/p><p><strong>SPD-Pl&auml;ne f&uuml;r die gro&szlig;e Koalition<\/strong><br>\nSteinmeiers freundliche &Uuml;bernahme<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/politik\/aktuell\/1971711_SPD-Plaene-fuer-die-grosse-Koalition-Steinmeiers-freundliche-uebernahme.html\">FR<\/a><\/p><p><strong>Steinmeier soll Fraktionsvorsitz &uuml;bernehmen<\/strong><br>\nIn der SPD haben die Personalplanungen f&uuml;r die Zeit nach der Bundestagswahl begonnen. Sollte es nach der Bundestagswahl zu einer Neuauflage der gro&szlig;en Koalition kommen, soll SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier offenbar die Leitung der SPD-Fraktion &uuml;bernehmen. &hellip;<br>\n<strong>Zweikampf zwischen Gabriel und Scholz im Falle einer Wahlniederlage<\/strong><br>\nVoraussetzung f&uuml;r eine Wahl Steinmeiers w&auml;re allerdings ein Verbleiben der SPD in der gro&szlig;en Koalition. Sollte das Ergebnis nicht &bdquo;desastr&ouml;s&ldquo; ausfallen, w&uuml;rde die Wahl Steinmeiers zum Fraktionschef auch die Verhandlungen mit der CDU &uuml;ber eine Wiederauflage der gro&szlig;en Koalition erleichtern, hei&szlig;t es in SPD-Kreisen. Der Eindruck in der Partei sei, dass Steinmeier seine Sache w&auml;hrend des Wahlkampfes gut gemacht habe. &hellip;<br>\n<strong>Nahles soll Ministerin werden<\/strong><br>\nDie &bdquo;Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung&ldquo; hatte schon am Wochenende von weiteren m&ouml;glichen Personalentscheidungen in der SPD berichtet, sollte es zu einer Fortsetzung der gro&szlig;en Koalition kommen. So soll Nahles Ministerin werden. Auch die Schweriner Sozialministerin Manuela Schwesig w&uuml;rde Steinmeier gern im Kabinett sehen. ..<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub4D6E6242947140018FC1DA8D5E0008C5\/Doc~ECF7AA83624F747FCB726276B9636F040~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">FAZ<\/a><\/p><p><strong>Anlage 2<br>\n25. September 2009, 12:25&nbsp;Uhr<br>\nBundestagswahl<br>\nSchr&ouml;der wirft SPD-Spitze Fehler bei &Uuml;berhangmandaten vor<\/strong><br>\nDie SPD rechnet nach Informationen des SPIEGEL mit einer Klagewelle gegen das Ergebnis der Bundestagswahl, wenn Schwarz-Gelb eine Mehrheit nur wegen ihrer &Uuml;berhangmandate hat. Viele Sozialdemokraten kritisieren die Parteispitze: Sie habe das Thema verschlafen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,druck-651060,00.html\">SPIEGEL Online<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man traut seinen Augen und Ohren nicht mehr: Nach neueren Meldungen (siehe unten Anlage 1) wollen die bisherigen F&uuml;hrungspersonen der SPD nach verlorener Wahl offenbar weitermachen. Es ist h&ouml;chste Zeit, dass sich in der SPD Widerstand regt. Andernfalls wird es zur endg&uuml;ltigen Zerst&ouml;rung dieser Volkspartei kommen. 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