{"id":4225,"date":"2009-09-28T07:59:30","date_gmt":"2009-09-28T05:59:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4225"},"modified":"2014-01-23T12:32:18","modified_gmt":"2014-01-23T11:32:18","slug":"es-ist-alles-so-gekommen-wie-es-zu-erwarten-war-nur-noch-schlimmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4225","title":{"rendered":"Es ist alles so gekommen, wie es zu erwarten war, nur noch schlimmer"},"content":{"rendered":"<p>Schwarz-gelb wird nach der Bundestagswahl sogar ohne &Uuml;berhangmandate regieren k&ouml;nnen. Das einzig &Uuml;berraschende sind die historisch h&ouml;chsten Abweichungen von den bisherigen Ergebnissen. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><ul>\n<li>Mit etwas &uuml;ber 71 Prozent hatten wir die niedrigste Wahlbeteiligung.<\/li>\n<li>Die SPD erzielte mit 23 Prozent ihr schlechtesten Wahlergebnis (dagegen w&auml;re der bisherige Tiefstwert im Jahre 1953 mit 28,8 Prozent noch ein Erfolg gewesen).<\/li>\n<li>Noch nie hat eine Partei mit minus 11,2 % Prozentpunkten  bei einer Bundestagswahl einen so hohen Stimmenverlust hinnehmen m&uuml;ssen.<\/li>\n<li>Die CDU hat mit 33,9% und einem weiteren Minus von 1,3% ihr zweitschlechtestes Ergebnis erzielt. Nur 1949 (wo es allerdings noch eine ganze Reihe konservativer Parteien gab) hatte sie mit 29,2% schlechter abgeschnitten.<\/li>\n<li>Die CSU hat mit 42,6 Prozent der Zweitstimmen und einem Minus von 6,7% ihr schlechtestes Bundestagswahlergebnis erzielt. (Vor 11 Jahren musste Waigel mit 47,7% als Parteivorsitzender zur&uuml;cktreten und Beckstein und Huber mussten mit 43,4 Prozent gehen.) Nur zu Guttenberg hat mit 68 Prozent abger&auml;umt. Obwohl die CSU noch das beste Ergebnis f&uuml;r die Union in allen L&auml;ndern erzielt hat, hat die CSU in Bayern mehr verloren als die CDU in allen anderen L&auml;ndern. Dar&uuml;ber kann auch nicht hinwegt&auml;uschen, dass die CSU alle Direktmandate gewonnen und der SPD ihr letztverbliebenes Direktmandat in M&uuml;nchen Nord abgenommen hat. Was angesichts einer marginalisierten SPD nicht erstaunlich ist. Die SPD verlor von ihrem schwachen Ergebnis 2005 (25,5%) noch einmal deutlich um mehr als acht Prozentpunkte und kam nur noch auf 16,8 Prozent. Sie war damit nur noch um knapp 2 Prozent st&auml;rker als die FDP  mit 14,7 Prozent (2005: 9,5 Prozent). Die Gr&uuml;nen kamen in Bayern auf 10,8 Prozent (2005: 7,9 Prozent) und selbst die Linke schafft mit 6,5 Prozent die 5-Prozentmarke.<\/li>\n<li>Auch in Baden-W&uuml;rttemberg ist die CDU von 39,2 Prozent auf 34,4 Prozent heruntergesackt.<\/li>\n<li>Die FDP hat mit einem Plus von 4,8% und 14,6% ihr historisch bestes Ergebnis erzielt. In Baden-W&uuml;rttemberg stand die Partei mit 18,5 Prozent in den Hochrechnungen, in Rheinland-Pfalz mit 18 Prozent. 43 Prozent der FDP-Zweitstimmen-W&auml;hler haben allerdings mit der Erststimme einen CDU- oder CSU-Kandidaten gew&auml;hlt.<\/li>\n<li>Die Gr&uuml;nen haben mit 10,7 Prozent (+ 2,6 Prozent) gleichfalls besser abgeschnitten als je zuvor.<\/li>\n<li>Die LINKE ist mit 11,8 Prozent und einem Plus von 3,1 Prozent  zur viertst&auml;rksten Partei geworden. In Berlin Marzahn hat Petra Pau 47,9 Prozent und Gesine L&ouml;tsch in Lichtenberg 47,6 Prozent der Stimmen geholt, auch Gregor Gysi hat in Treptow-K&ouml;penick  44,7 Prozent geschafft.<\/li>\n<li>Die wahren Sieger sind die kleinen Parteien.<\/li>\n<li>Das erste Mal schaffen drei kleinere Parteien zweistellige Ergebnisse.<\/li>\n<li>Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik gelingt bei einer Wahl ein Regierungswechsel aus dem Kanzleramt heraus.<\/li>\n<li>Mit Schleswig-Holstein hat die Union mit der FDP wieder eine Mehrheit im Bundesrat.<\/li>\n<li>In Schleswig-Holstein hat die SPD 13 Prozent verloren und ist auf 25,4 Prozent abgesackt. (Da kann es die SPD auch nicht tr&ouml;sten, dass die CDU mit nur 31,5 Prozent gleichfalls um knapp 9 Prozent verloren hat, sie hat immerhin zusammen mit der FDP (14,9%) eine Mandatsmehrheit von 3 Sitzen.)<\/li>\n<li>Nur in Brandenburg hat die SPD mit 32,9% ein Prozent gewonnen.<\/li>\n<\/ul><p>Die SPD hat bei den unter 30-J&auml;hrigen mit minus 17 Prozentpunkten die dramatischsten Einbu&szlig;en und kam nur noch auf 17 Prozent; sie lag damit auf einem Niveau mit der FDP. Bei den 30 bis 44-J&auml;hrigen hat die SPD 12 Prozent eingeb&uuml;&szlig;t.<br>\nDie Gr&uuml;nen haben bei den unter 30-J&auml;hrigen mit 15 Prozent plus vier Prozent zugelegt.<br>\nDie Linke holt in den Altersgruppen bei den 45- bis 59-J&auml;hrigen mit 14 Prozent ihr bestes Ergebnis. Eindeutig st&auml;rkste Partei wird die Linke bei arbeitslosen W&auml;hlern mit 32 Prozent (plus sieben), die SPD kann den Status als st&auml;rkste Partei mit 35 Prozent (minus 13) nur noch bei Gewerkschaftsmitgliedern halten.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/bilder\/altersgruppen100_v-mittel16x9.jpg\" alt=\"Grafik: SPD-W&auml;hler in Altersgruppen\" title=\"\"><br>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/bilder\/berufe100_v-mittel16x9.jpg\" alt=\"Grafik: SPD-W&auml;hler nach T&auml;tigkeit\" title=\"\"><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/wahl\/aktuell\/wahlanalyse104.html\">Tagesschau.de<\/a> <\/p><p>Die SPD hat seit 2002 fast 6 Millionen Stimmen verloren und absolut nur noch knapp 10 Millionen W&auml;hler, seit 1998 hat sie somit die Zahl ihrer W&auml;hler halbiert. Nach ARD-Rechnung sind allein bei dieser Wahl 1,8 Millionen SPD-W&auml;hler zu Hause geblieben. 1,22 Millionen haben stattdessen die Linke gew&auml;hlt und jeweils knapp 890.000 die Union und die Gr&uuml;nen. Und sogar zur FDP sind 540.000 SPD-W&auml;hler abgewandert. <\/p><p>Von den 26 Wahlen seit der Regierungs&uuml;bernahme von Rot-Gr&uuml;n im Jahre 1998 hat die SPD bis zur letzten Bundestagswahl 2005 17 verloren. Seit der Gro&szlig;en Koalition hat die SPD in Banden-W&uuml;rttemberg (- 8,1 %), Bayern (- 1% auf niedrige 18,6%), Bremen (- 5,5 %), Hessen (2009) (- 13%), Mecklenburg-Vorpommern (-10,4%), Niedersachsen (-3,1%), Nordrhein-Westfalen (-5,7%), Saarland (-6,3%) weitere 8 Wahlen verloren. Nur Berlin plus 1%, Rheinland-Pfalz +0,9, Sachsen +0,6% auf gerade mal 10,4%, Sachsen-Anhalt + 1,4%, gab es kleine Zuw&auml;chse, etwas gr&ouml;&szlig;ere in Th&uuml;ringen +4% (auf m&auml;&szlig;ige 18,5%) und Hamburg + 3,6%.<\/p><p>Nach jeder verlorenen Wahl und schon gar bei leichten Gewinnen trat die Parteif&uuml;hrung im Willy-Brandt-Haus in Berlin auf und redete die Ergebnisse sch&ouml;n, etwa mit dem Hinweis, es sei eben nicht gelungen das W&auml;hlerpotential auszusch&ouml;pfen und das werde sich alles bis zur Bundestagswahl zum Besseren wenden, zuletzt bei der Europawahl, wo die SPD bei noch mieseren 20,8% gelandet ist. Nun ist es noch schlimmer gekommen als selbst die schlechtesten Umfragewerte vorausgesagt haben.<\/p><p>Wer nun, nachdem die SPD auf einem historischen Tiefpunkt angelangt, vermutet h&auml;tte, M&uuml;ntefering und Steinmeier w&uuml;rden endlich nach den Ursachen fragen und Konsequenzen aus ihrem totalen Scheitern ziehen, der sah sich am Wahlabend gr&uuml;ndlich get&auml;uscht. Steinmeier lie&szlig; sich grinsend wie ein Honigkuchenpferd feiern und  redete von einem &bdquo;bitteren Tag f&uuml;r die deutsche Sozialdemokratie&ldquo;, gerade so als w&auml;re auch diese Katastrophe f&uuml;r die SPD ein Betriebsunfall und das obwohl er bei einem Ergebnis unter 25 Prozent angeblich die Konsequenzen ziehen wollte. <\/p><p>Sowohl Steinmeier als auch M&uuml;ntefering bramarbasierten schon wieder, dass es &bdquo;nicht gelungen ist, alle unsere W&auml;hler an die Wahlurnen zu bekommen&ldquo; und dass viele &bdquo;Nichtw&auml;hler&ldquo; eigentlich &bdquo;Sympathisanten&ldquo; der SPD seien.<\/p><p>Die durchg&auml;ngige Sprachregelung der SPD-Spitze war: nicht M&uuml;ntefering und Steinmeier haben die Wahl verloren, sondern &bdquo;alle in der SPD&ldquo; bzw. &bdquo;die gesamte Partei&ldquo; (Wowereit). Daran lie&szlig; sich schon das Abschieben der eigenen Verantwortung der Parteispitze erkennen.<br>\nSteinmeier redete dar&uuml;ber, dass die SPD &bdquo;elf Jahre einen guten Beitrag f&uuml;r die Zukunft des Landes&ldquo; geleistet habe, man habe das Land &bdquo;modernisiert&ldquo;, es sei &bdquo;st&auml;rker&ldquo; und &bdquo;weltoffener&ldquo; geworden, man habe die Arbeitnehmerrechte verteidigt, die Mitbestimmung erhalten, Mindestl&ouml;hne angestrebt. Man sei stolz auf den Atomausstieg. Man m&uuml;sse nun in der neuen Rolle darauf achten, dass die &bdquo;soziale Balance&ldquo; erhalten bliebe.<\/p><p>Steinmeier redete nicht dar&uuml;ber, dass ein Wahlkampf durch die Absage an die Linke ohne jede Regierungsoption aussichtslos war, er sprach nicht &uuml;ber die Absurdit&auml;t mit der FDP ein B&uuml;ndnis zu schlie&szlig;en und er sagte auch nichts dar&uuml;ber, dass die Neuauflage der von der Bev&ouml;lkerung ungeliebten &bdquo;Gro&szlig;en&ldquo; Koalition sein einziges Ziel war.<\/p><p>Vor allem &uuml;ber eines redete er &uuml;berhaupt nicht, n&auml;mlich &uuml;ber die Agenda-Politik. Sie war jedoch entscheidender Ausgangspunkt und Ursache f&uuml;r das sich nun &uuml;ber Jahre hinziehende Desaster f&uuml;r die SPD. Hartz IV und die Rente mit 67 sind f&uuml;r fast zwei Drittel der angestammten SPD-W&auml;hlerklientel der Grund warum sie zu der Linken abgewandert sind <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/wahl\/aktuell\/wahlanalyse104.html\">oder gar nicht erst gew&auml;hlt hat<\/a>. <\/p><p>In der sog. Elefantenrunde darauf angesprochen, stellte sich Steinmeier in geradezu putziger Weise ignorant: &bdquo;Was meinen Sie mit Agenda 2010?&ldquo; Er habe &bdquo;keinen Grund von Dingen, die ich mit entschieden habe, Abstand zu nehmen&ldquo;. &bdquo;Ich stehe zu den Entscheidungen, die ich getroffen habe&ldquo;, die Wahl sei &bdquo;keine Abstimmung &uuml;ber die Agenda 2010&ldquo; gewesen. Er und die M&auml;nner an der Spitze h&auml;tten immer &bdquo;gestanden&ldquo; und deswegen werde er vor der &bdquo;Verantwortung nicht fliehen&ldquo; und schon am Dienstag als Fraktionsvorsitzender kandidieren und als &bdquo;Oppositionschef&ldquo; in den neuen Bundestag einziehen. Er sei zutiefst &uuml;berzeugt, dass Demokratie nicht &uuml;berleben k&ouml;nne ohne sozialen Ausgleich. Das sei die &bdquo;historische Mission&ldquo; der Sozialdemokratie. Endloser Jubel im Willy-Brandt-Haus!<\/p><p>Auch der Parteivorsitzende M&uuml;ntefering &ndash; der immer mehr zu seiner eigenen Karikatur ger&auml;t &ndash; will sich seiner Verantwortung stellen. Das Programm und die Perspektive seien richtig und er stehe als Parteivorsitzender auf dem Parteitag Mitte November zur Verf&uuml;gung. &bdquo;Was ich gesagt habe, gilt auch nach der Wahl&ldquo;. (Am sp&auml;teren Abend schw&auml;chte er seine Ank&uuml;ndigung einer erneuten Kandidatur etwas ab, aber wohl auch nur, um Steinmeier den Weg an die Parteispitze zu erm&ouml;glichen.) &bdquo;Alle miteinander&ldquo; m&uuml;ssten nun daf&uuml;r sorgen &bdquo;dass wir beieinander bleiben&ldquo;. Daf&uuml;r stehe Steinmeier und  so &ouml;ffnete M&uuml;ntefering ihm auch noch den weg zum Parteivorsitz. Doch Steinmeier braucht M&uuml;ntefering, jedenfalls noch f&uuml;r die Zeit bis sich die Wogen wieder gegl&auml;ttet haben.<\/p><p>Die gesamte SPD-Parteif&uuml;hrung tut gerade so als habe sich nach dieser Wahl f&uuml;r sie nichts ge&auml;ndert. Und wenn man den geradezu grotesken Jubel der Claqueure in der Parteizentrale als Stimmungsbild f&uuml;r die gesamte SPD n&auml;hme, so k&ouml;nnen die SPD-F&uuml;hrer ihren Weg der verbrannten Erde fortsetzen. <\/p><p>Herausforderer sind nicht in Sicht. Niemand hat an diesem Wahlabend einen Gedanken dar&uuml;ber verschwendet, warum Steinmeier selbst bei SPD-W&auml;hlern nicht gut ankam. Nur gut 20 Prozent der SPD-W&auml;hler lie&szlig;en sich durch Merkels Herausforderer motivieren. Steinmeier hat  selbst in seinem Wahlkreis in Brandenburg nur 32,6 Prozent der Stimmen geholt und seine Gegenkandidatin von der Linken gerade um 3 Prozent hinter sich gelassen.<\/p><p>M&uuml;ntefering als Spitzenkandidat im Stammland der SPD, in NRW, erzielte mit 28,5% das schlechteste Wahlergebnis in einer Bundestagswahl. Die CDU &uuml;berholte sie mit 33,1%.<\/p><p>Der ach so hoch gelobte Finanzminister und stellvertretende Parteivorsitzende Peer Steinbr&uuml;ck ist mit 33,8% der Erststimmen bei seiner Bewerbung um ein Direktmandat in Mettmann gescheitert.<\/p><p>Die angeblich linke Andrea Nahles kam als Spitzenkandidatin der rheinland-pf&auml;lzischen SPD gerade auf 24,9 Prozent und hat ihr Direktmandat nicht gewonnen.<\/p><p>Nicht nur die SPD als Partei, sondern die gesamte F&uuml;hrungsriege der SPD wurde also vom W&auml;hler abgestraft und dennoch soll es selbst in der Opposition offenbar weder eine inhaltliche noch eine personelle Erneuerung geben. Die Generation Schr&ouml;der mit Eichel, Riester, Schily ist zwar abgetreten, aber die Exekutoren der Schr&ouml;derschen Politik verteidigen z&auml;h ihre Macht. Das Zerst&ouml;rungswerk Schr&ouml;ders wird also fortgesetzt. Da mag sich Steinmeier noch so sehr als &bdquo;Vertreter des Prinzips der Volkspartei&ldquo; bekennen, er hat der SPD diese Rolle genommen und wenn es nicht zu einer inhaltlichen und personellen Erneuerung kommt, wird sich die Sozialdemokratie nach &uuml;ber 150 Jahren auch als soziale Kraft aus der Geschichte verabschieden.<br>\nF&uuml;r die SPD wird es in der Opposition nicht leichter werden sich gegen die Linkspartei abzugrenzen. <\/p><p>Auch f&uuml;r die CDU und schon gar nicht f&uuml;r die CSU war der Wahlabend mit dem zweitschlechtesten Ergebnis aller Zeiten kein Grund zum Jubel. Minus 1,3 Prozent und 33,9 Prozent insgesamt sind alles andere als ein Erfolg f&uuml;r Angela Merkel. Eine gro&szlig;e Volkspartei stellt man sich anders vor.<\/p><p>Die ehemalige Gro&szlig;e Koalition ist zwar insgesamt von fast 70 Prozent auf 57 Prozent geschrumpft, aber die Union hat eben deutlich weniger verloren, das die SPD. Merkel hat den Regierungswechsel aus einer gro&szlig;en Koalition geschafft, weil die Verluste der SPD durch die Gewinne von Gr&uuml;nen und der Linken nicht ausgeglichen werden konnten. Die bisherige &bdquo;linke&ldquo; Mehrheit im Bundestag ist verloren. Ohne und mit &Uuml;berhangsmandaten hat Schwarz-gelb eine Mehrheit im Bundestag und CDU\/CSU und FDP werden die Regierung bilden. <\/p><p>Trotz der Verluste konnte sich die Union damit tr&ouml;sten, dass Angela Merkel im Amt best&auml;tigt wurde und dass sie ihr Wahlziel, einer Koalition mit der FDP, erreicht hat. Das Potential von CDU und FDP m&uuml;sse &bdquo;zusammengerechnet&ldquo; werden, meinte Merkel. Die Rolle als &bdquo;Mutter der Nation&ldquo; wird jedoch schwieriger werden. Nach 11 Jahren kommt die FDP wieder in Regierungs&auml;mter und sie wird st&auml;rker sein als die geschw&auml;chte CSU, die mit knapp unter 7 Prozent (am Gesamtergebnis der Union) unter der H&auml;lfte der FDP liegt. Die &bdquo;Tigerente&ldquo; wird also ziemlich viel gelbe Farbe haben.<\/p><p>Der Union ist es bisher dank Merkel gelungen, die Menschen bis zur Wahl &uuml;ber die wirkliche Situation in der Krise hinweg zu t&auml;uschen und gerade angesichts der Krise mit dem Motiv von Stabilit&auml;t und Sicherheit das konservative Syndrom vieler Deutschen anzusprechen. Und die FDP &bdquo;passt&ldquo; (Wahlforscher Korte) eben auf 15 Prozent der Klientel, die ihre Privilegien auch an der Wahlurne aggressiv verteidigten. Die Union wird es mit der FDP nicht leichter haben als mit der SPD. Sie ist jetzt Gefangene der Liberalen, denn selbst Schwarz-gr&uuml;n reichte nicht f&uuml;r eine Mehrheit. F&uuml;r Merkel d&uuml;rfte es auch in der Union nicht leichter werden, denn die Verluste der Union vor allem in Bayern und Baden-W&uuml;rttemberg d&uuml;rften Seehofer und Oettinger nicht ruhiger stellen.<\/p><p>Es war schon auff&auml;llig, wie sowohl Merkel als auch Westerwelle schon am Wahlabend alles versucht haben, um vom Schreckbild Schwarz-gelb abzulenken. Sie wolle das gesamte Volk vertreten, beschwor Merkel den Regierungswechsel &uuml;ber den gesamten Wahlabend: &bdquo;Ich bin keine Andere geworden.&ldquo; Und Westerwelle wollte auch nur noch &bdquo;Schritt f&uuml;r Schritt&ldquo; seine Wahlversprechen umsetzen und zun&auml;chst einmal nur Steuererleichterungen f&uuml;r Familien mit 2 Kindern und einem Einkommen bis 40.000 Euro erreichen. &bdquo;Vielleicht sind wir gar nicht so schlimm, wie Sie mich machen&ldquo;. Das Sch&uuml;ren von &Auml;ngsten sei verantwortungslos, meinte Westerwelle. Schlie&szlig;lich h&auml;tten die Deutschen so entschieden: &bdquo;Die W&auml;hler haben es gewollt&ldquo;.<\/p><p>Es war schon eine merkw&uuml;rdige Wahl: 60 Prozent der Befragten sind er Meinung, man wisse nicht genau was die CDU vorhabe. Und nicht viel weniger wissen das von der FDP. 60% glauben nicht, dass die Steuern gesenkt werden sondern eher erh&ouml;ht. 68 Prozent meinen, dass die CDU nicht ehrlich sei und gegen&uuml;ber der FDP ist das Vertrauen nicht gr&ouml;&szlig;er. Merkel wird weder zugetraut, dass sie die Wirtschaft in Schwung bringt (nur 34% meinen das) noch dass sie f&uuml;r mehr soziale Gerechtigkeit sorgt (nur 20% glauben das). Und dennoch haben die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler f&uuml;r eine Mehrheit derjenigen Parteienkonstellation gesorgt, die diametral gegen die politischen Ziele steht, f&uuml;r die eine Mehrheit in der Sache eintritt, angefangen vom Atomausstieg, &uuml;ber die Erhaltung des Sozialstaats bis zum Abzug aus Afghanistan. Weil die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger keine Alternative gesehen haben und deshalb zum Teil gar nicht mehr zur Wahl gingen und damit die politischen Kr&auml;fte nicht stark genug gemacht haben, die dem selbsternannten &bdquo;b&uuml;rgerlichen Lager&ldquo; etwas entgegensetzen h&auml;tten k&ouml;nnen, ist es zu Schwarz-gelb gekommen. Ein rot-gr&uuml;nes Lager hat wegen der dramatischen Verluste auf absehbare Zeit keine Perspektive mehr und eine linke Mehrheit liegt, solange es in der SPD keine Palastrevolution gibt, in den Sternen. <\/p><p>Bemerkenswert war, wie pfleglich am Wahlabend Gregor Gysi und Oskar Lafontaine mit der SPD umgingen. &bdquo;Wir wollten eine linke Mehrheit und keine Schw&auml;chung der SPD&ldquo; (Lafontaine).<\/p><p>Das Hauptanliegen der Kommentatoren am Wahlabend war, ob sich nun die SPD nach links wenden w&uuml;rde und gar irgendwann mit der Linken paktieren w&uuml;rde. Die Medienkampagne gegen eine Alternative zu Schwarz-gelb geht also auch nach der Wahl weiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwarz-gelb wird nach der Bundestagswahl sogar ohne &Uuml;berhangmandate regieren k&ouml;nnen. Das einzig &Uuml;berraschende sind die historisch h&ouml;chsten Abweichungen von den bisherigen Ergebnissen. 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