{"id":42284,"date":"2018-02-06T17:01:16","date_gmt":"2018-02-06T16:01:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42284"},"modified":"2018-02-07T07:33:43","modified_gmt":"2018-02-07T06:33:43","slug":"nachtrag-zum-arte-film-putin-vs-usa-eine-weitere-lesermail","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42284","title":{"rendered":"Nachtrag zum ARTE Film Putin vs. USA &#8211; Eine weitere Lesermail"},"content":{"rendered":"<p>Zu dem von Arte ausgestrahlten Film und unserem Text vom 17. Januar dazu &ndash; siehe <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41955\">hier<\/a> &ndash; erreichen uns immer wieder interessante Leser-Mails, wie die folgende von Sven Sebastian Horner. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Ein Krieg mit Russland l&auml;sst sich nur au&szlig;erhalb der Filterblase verhindern.<\/strong><\/p><p>Durch die Tageb&uuml;cher und Briefesammlungen meines Urgro&szlig;vaters Gotthold Gueinzius konnte ich eine pers&ouml;nliche Verbindung zum &raquo;Krieg gegen den Russen&laquo; herstellen. Er lebte von 1913 bis 1986 und h&auml;tte eigentlich lieber, wie der bekannte Dietrich Bonhoeffer, weiterhin als Pfarrer der bekennenden Kirche gewirkt und gegen die Nationalsozialisten gepredigt, doch wurde er zum Dienst in der Wehrmacht gezwungen.<\/p><p>Als Offizier erlitt er an der Front gegen Russland insgesamt mindestens 4 schwere Verwundungen. Vielleicht &uuml;berlebte er nur wegen der vielen Lazarettaufenthalte diesen langen, grausamen Krieg der Nazis, in dem die wahnsinnige Zahl von ungef&auml;hr 27 Millionen Russen, davon 14 Millionen Zivilisten, also auch Frauen, Kinder und alte Menschen, get&ouml;tet wurden.<\/p><p>Nach Kriegsende nannte meine Gro&szlig;mutter ihren Vater dann zuerst &bdquo;Onkel Papa&ldquo;. F&uuml;r sie waren alle M&auml;nner Onkels, denn ihren Vater hatte sie bis Kriegsende nur ein einziges Mal gesehen. Selbstverst&auml;ndlich hatte mein Urgro&szlig;vater bis zu seinem Tod im Alter von &uuml;ber 70 Jahren mit den Folgen der Verwundungen zu k&auml;mpfen. Doch immerhin war ihm ein Leben mit seiner Frau und seinen 3 Kindern verg&ouml;nnt. In den Briefen, die er meiner Urgro&szlig;mutter &uuml;ber die Jahre von der Front aus schrieb, ist die aufrichtige Liebe zwischen den Beiden deutlich zu lesen.<\/p><p>Es ist ein Wunder, dass er und auch seine Familie, diesen Krieg mit Russland &uuml;berlebten. Und ohne dieses Wunder g&auml;be es auch mich nicht. Dieses Bewusstsein bringt f&uuml;r mich einen pers&ouml;nlichen Bezug zu Krieg im Allgemeinen &mdash; und speziell zum Krieg gegen Russland. Und auch Sie k&ouml;nnten mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit einen solchen pers&ouml;nlichen Bezug dazu herstellen, wenn Sie die Geschichte Ihrer Gro&szlig;eltern und Urgro&szlig;eltern befragen. Ungef&auml;hr jeder 10. Deutsche d&uuml;rfte im Laufe des Krieges an der russischen Front gewesen sein.<\/p><p>&Uuml;ber den fortdauernden B&uuml;rgerkrieg im an Russland grenzenden Teil der Ukraine bin daher nicht nur ich h&ouml;chst besorgt. Das dumpfe Schlagen der Kriegstrommel ist f&uuml;r mich st&auml;ndig zu h&ouml;ren, wenn auch noch in gewisser Distanz. Es sind immerhin noch etwa 6 Autostunden von der deutschen bis zur ukrainischen Grenze. Das ist etwas mehr als von Berlin nach M&uuml;nchen. Doch machen wir uns um Himmels Willen bewusst und vergessen wir nicht:<\/p><p>Der Frieden ist bereits gebrochen.<\/p><p>Krieg bedeutet immer auch Chaos und Undurchsichtigkeit. In der Ukraine herrscht nun schon seit 4 Jahren ein solches Chaos. Und aus Chaos entsteht nur allzu leicht eine Eskalation des Kriegs. Einen Tag vor Weihnachten konnte man <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/ukraine-usa-liefern-anti-panzer-raketen-an-armee-a-1184797.html\">auf &raquo;Spiegel online&laquo; lesen<\/a>, dass die US-Regierung Waffen in die Ukraine liefern wird. Darunter laut &raquo;American Press&laquo; (AP) nicht weniger als 210 Panzerabwehr-Lenkraketen vom Typ &raquo;Javelin&laquo;. Diese k&ouml;nnen von einer einzelnen Person bedient werden. Und ist das Ziel erst einmal erfasst, fliegt die Rakete mittels Infrarottechnik von selbst ins Ziel. Die Trefferquote liegt bei bis zu 94%. Selbstverst&auml;ndlich k&ouml;nnen damit nicht nur Panzer angegriffen werden. Auch LKWs oder tieffliegende Helikopter lassen sich mit diesem hochmodernen Raketenwerfer ideal angreifen, ganz zu schweigen von unbewegten Zielen. Zu suggerieren, dass diese von den ukrainischen Regierungstruppen rein defensiv verwendet werden, muss als informationstechnische Kriegsf&uuml;hrung gewertet werden. Die US-Regierung hatte dies &ouml;ffentlich behauptet und Spiegel online gibt es in diesem Artikel, ohne jede Kritik, treu an die deutschen Leser weiter. Bedenken wir nur, dass dieselbe Regierung in Kiew bereits versucht hat, die separatistischen B&uuml;rgermilizen mit Luftangriffen zu stoppen. Ja nat&uuml;rlich tr&auml;gt diese gr&ouml;&szlig;ere Waffenlieferung nur weiter zur Eskalation bei.<\/p><p>Wenn es tats&auml;chlich Russlands Interesse w&auml;re, den Osten der Ukraine um jeden Preis anzugliedern, dann w&auml;re die L&ouml;sung dieses Konflikts ganz einfach und l&auml;ge in Russlands Hand. Doch was hier zunehmend unter den Tisch f&auml;llt, ist die Tatsache, dass es Teile der ukrainischen Bev&ouml;lkerung selbst sind, die die Unabh&auml;ngigkeit wollen. Wohlbemerkt: Die Unabh&auml;ngigkeit &mdash; und nicht den Anschluss an Russland wollen sie. Der Widerstand der Ost-Ukrainer wird also nicht so leicht zu brechen sein. Ein Ende des Konflikts ist daher nicht abzusehen. Und Russland ist hier folglich eher machtlos.<\/p><p>Bedenklich ist am oben genannten &raquo;Spiegel online&laquo;-Artikel auch, dass behauptet wird:<\/p><blockquote><p>\n&raquo;Der Kreml steht im Ukraine-Konflikt auf Seiten der Rebellen, die gegen die Regierung in Kiew k&auml;mpfen. Der Konflikt war 2014 ausgebrochen, als Russland die ukrainische Halbinsel Krim annektierte. Bisher wurden mehr als 10.000 Menschen get&ouml;tet.&laquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Hierbei handelt es sich um mehr als eine starke Vereinfachung.<\/p><p>Erstens: Dass der Konflikt w&auml;hrend der &raquo;Annexion&laquo; ausgebrochen war, ist schlichtweg falsch, da sich die Krim zum Ausbruch des Konflikts bereits von der Ukraine abgespalten hatte. Nachdem der Pr&auml;sident des Parlaments der Autonomen Republik Krim, Konstantinow, nach Moskau gereist war und dort vorsorglich erkl&auml;rt hatte, dass im Falle einer weiteren Versch&auml;rfung der Lage in Kiew ein Anschluss der Krim an Russland zu erw&auml;gen sei, um diese zu retten, ereignete sich schon einen Tag sp&auml;ter das Scharfsch&uuml;tzen-Massaker am Maidanplatz. In der Folge wollte ein Teil des Krim-Parlaments schon am darauf folgenden Tag verst&auml;ndlicherweise Unterst&uuml;tzung durch Russland erbitten, was aber von au&szlig;erparlamentarisch organisierten Krimtartaren verhindert wurde, indem sie die Besetzung des Parlaments androhten. Fr&uuml;hestens zu diesem Zeitpunkt nahm wohl die teils verdeckte Intervention Russlands auf der Krim ihren Lauf.<\/p><p>Zweitens: Um den Begriff &raquo;Annexion&laquo;, also die einseitig erzwungen Angliederung, zu rechtfertigen, m&uuml;sste man also behaupten, dass Russland Teile des Krim-Parlaments unter seiner Kontrolle hatte und die Abgeordneten sich nur deshalb an Russland wenden wollten. Das aber w&auml;re eine Verschw&ouml;rungstheorie, die noch zu beweisen w&auml;re. Nichts gegen Verschw&ouml;rungstheorien &mdash; aber Theorien m&uuml;ssen schon erst einmal bewiesen werden.<\/p><p>Und Drittens: Es ist eindeutig irref&uuml;hrend, den B&uuml;rgerkrieg im &ouml;stlichen Festland der Ukraine und die Abspaltung der Krim in einen Topf zu werfen, wie das der stellvertretende Leiter des Resorts Politik Johannes Korge hier tut. Dabei entsteht n&auml;mlich der Eindruck, es g&auml;be einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen dem Anschluss der Krim und dem Eskalieren des Konflikts im Osten des Festlandes. Doch diesen kausalen Zusammenhang gibt es nicht: Der Konflikt im Osten  eskalierte, weil die Bev&ouml;lkerung dort an ihrem Unabh&auml;ngigkeitsbestreben festhielt, dieses weiterhin auch mit Waffengewalt durchsetzen will und gewaltsame Erwiderung durch Kiew erfuhr. Durch die Anti-Panzerrakten-Lieferung der USA wird der Konflikt weiter eskalieren. Umgekehrt gibt es bislang jedoch keinerlei Beweise, dass Russland seinerseits Waffen an die ukrainischen Separatisten geliefert h&auml;tte.<\/p><p>Allein die Angliederung der Krim an Russland wird noch Jahre unter Historiker umstritten sein, bis man sich auf einen Konsens einigen kann. Genauso wird der Sturz des fr&uuml;heren, ukrainischischen Pr&auml;sidenten Wiktor Janukowytsch durch die Scharfsch&uuml;tzen am Maidanplatz noch Jahre lang debattiert werden. Die Tatsache, dass dieselben Scharfsch&uuml;tzen offenbar sowohl auf die Demonstranten, als auch die Polizisten schossen, erfordert eine akribische, kriminalistische Nachforschung und Aufarbeitung, bevor dieser Teil der ukrainischen Geschichte geschrieben werden kann.<\/p><p>Darauf zu warten aber, k&ouml;nnen wir uns nicht leisten. Unsere Massenmedien sind alles andere als neutral. F&uuml;r sie ist die Geschichte l&auml;ngst geschrieben. Seit Jahren entsteht Artikel f&uuml;r Artikel, Kommentar f&uuml;r Kommentar, Bild f&uuml;r Bild und Nachricht f&uuml;r Nachricht ein Feindbild: Putin. Sicherlich hat es einen Grund, dass hierbei der Fokus st&auml;ndig auf Wladimir Putin steht. Eine einzelne Person eignet sich besser als Projektionsfl&auml;che f&uuml;r ein Feindbild, als ein ganzes Land. Nach Hussein, Gaddafi und Assad: Soll Putin wohl der n&auml;chste B&ouml;sewicht sein? Es sieht so aus.<\/p><p>Russland ist dabei der US-Regierung bei deren &raquo;Geostrategieprojekt&laquo; Syrien einen gewaltigen Strich durch die Rechnung zu machen. Der IS gilt offiziell als besiegt. Nun will sich China am Wiederaufbau beteiligen.<\/p><p>Innerstaatlich verlieren die USA zunehmend an Stabilit&auml;t. Die US-Eliten sehen ihre Vormachtstellung sicherlich bedroht. Weltweit agierende, amerikanische Banken und Gro&szlig;konzerne, ja der gesamte westliche Kapitalismus steht auf dem Spiel.<\/p><p>Doch das US-Imperium verf&uuml;gt bis dato noch immer &uuml;ber eine historisch einmalige und un&uuml;bertroffene Macht. Nicht nur milit&auml;risch &mdash; auch informationstechnisch. Neben den klassischen, westlichen Massenmedien Fernsehen, Film, Radio und Zeitung kontrolliert das Imperium auch die gro&szlig;en sozialen Medienplattformen: Facebook, Twitter, Google und YouTube. Wer noch einigerma&szlig;en aufgewacht ist, d&uuml;rfte l&auml;ngst die verdeckte Zensur auch hierzulande erkannt haben.<\/p><p>Solange also das Geld nicht ausgeht, und davon ist bis auf Weiteres auszugehen, vermag das US-Imperium im Zweifelsfall jeden Krieg zu gewinnen. Denn, wie Dr. Daniele Ganser sagt: Die wichtigste Macht ist das Milit&auml;r. Und die zweit wichtigste Macht ist die &ouml;ffentliche Meinung. Auch letztere scheint fest unter Kontrolle des Imperiums zu sein. Auf welch hochkomplexe Weise dies gelingt, konnte in vielen B&uuml;chern und anderen Publikationen zu diesem Thema bereits in gro&szlig;en Teilen offengelegt werden. Die Frage ist nun also:<\/p><p>Was zum Himmel k&ouml;nnen wir tun?<\/p><p>Klar ist: Wenn wir eine milit&auml;rische Eskalation auf europ&auml;ischem Boden unter Beteiligung der NATO verhindern wollen, m&uuml;ssen wir die &ouml;ffentliche Meinung von der imperialistischen Gedanken- und Informationskontrolle weitestgehend befreien.<\/p><p>Es muss einleuchten, dass diese Befreiung keinesfalls mithilfe von US-amerikanischen Medienplattformen wie Facebook, Google und YouTube geschehen kann. Deren Algorithmen sorgen ja schon heute daf&uuml;r, dass nur die ohnehin schon &raquo;Erwachten&laquo; noch aufkl&auml;rerische Inhalte gezeigt bekommen. Der Rest wird weiterhin in seiner sogenannten Filterblase belassen. Zur Not wird im Namen von &raquo;Fake-News&laquo; zensiert, dank Heiko Maas&lsquo;s &raquo;Netzwerkdurchsetzungsgesetz&laquo; nun auch ganz ungeniert. Dass diese Zensur mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist, wird lieber nicht thematisiert.<\/p><p>Solange die wenigstens die sogenannte Netzneutralit&auml;t noch herrscht, ist das Internet an sich eine n&uuml;tzliche Waffe im gewaltfreien Kampf gegen das Imperium. Wir k&ouml;nnen hier ohne gro&szlig;e finanzielle Mittel aufkl&auml;rerisch t&auml;tig sein. Hier liegt also aktuell nicht das Problem.<\/p><p>Der springende Punkt ist aber die Verbreitung dieser Information.<\/p><p>Das hei&szlig;t: Wenn wir die Filterblasen und zunehmend auch die direkte Zensur auf Facebook, YouTube und Google durchbrechen wollen, dann m&uuml;ssen wir Wege suchen und finden, die notfalls g&auml;nzlich ohne Facebook, YouTube und Google auskommen.<\/p><p>Das hei&szlig;t konkret: Die Informationen k&ouml;nnen durchaus im Internet zur Verf&uuml;gung gestellt werden, jedoch bleibt uns nichts anderes &uuml;brig, als den Zugang zu diesen Informationen au&szlig;erhalb des Internets zu erm&ouml;glichen. Hierbei gibt es viele m&ouml;gliche Wege:<\/p><ul>\n<li>Entweder im direkten Kontakt zu Menschen &uuml;ber das Internet, also in privaten Nachrichten und &auml;hnlichem &mdash; denn nur so k&ouml;nnen Algorithmen und Zensur sicher umgangen werden.<\/li>\n<li>Oder aber jenseits des Internets: In der Familie, dem Freundeskreis, in den Klassenzimmern und den H&ouml;rs&auml;len, den Firmen und Beh&ouml;rden, den H&auml;usern und den Stra&szlig;en, den Einkaufsorten und den &ouml;ffentlichen Pl&auml;tzen. In Sportvereinen und an Stammtischen, bei Veranstaltungen und Demonstrationen. Durch Musik, Theater, politische Aktionen und &ouml;ffentlichen Reden. Beim Verteilen von Flugbl&auml;ttern, Aufklebern, dem Anbringen von Schriftz&uuml;gen und Symboliken. In pers&ouml;nlichen Gespr&auml;chen oder offenen Briefen. Mit der &ouml;ffentlichen Auff&uuml;hrung von Videos oder bei der Lesung von B&uuml;chern. Und so weiter und so fort.<\/li>\n<\/ul><p>Suchen Sie sich etwas aus. Der Kreativit&auml;t sind hier keine Grenzen gesetzt. Wir m&uuml;ssen es nur tun. Denn ein Krieg mit Russland l&auml;sst sich nur au&szlig;erhalb der Filterblase verhindern. Wer dar&uuml;ber noch im Zweifel ist, muss dringend aus seiner Filterblase befreit werden.<\/p><p>Wir sind nicht viele, aber wir k&ouml;nnen gro&szlig;e Macht entfalten und die &ouml;ffentliche Meinung beeinflussen. Jede Beteiligung z&auml;hlt. Auch Ihre!<\/p><p>Also packen wir&lsquo;s an. Sonst packt uns mit Wahrscheinlichkeit bald der Krieg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu dem von Arte ausgestrahlten Film und unserem Text vom 17. 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