{"id":42295,"date":"2018-02-07T08:20:35","date_gmt":"2018-02-07T07:20:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42295"},"modified":"2019-03-02T10:18:26","modified_gmt":"2019-03-02T09:18:26","slug":"ig-metall-weder-zeit-noch-geld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42295","title":{"rendered":"IG Metall: Weder Zeit noch Geld"},"content":{"rendered":"<p>Der Abschluss in der Metallindustrie wird, wie es sich geh&ouml;rt, von den Gewerkschaften gefeiert (<a href=\"http:\/\/www.bw.igm.de\/wir\/presse\/meldung.html?id=86036\">hier<\/a> die Pressemeldung der Gewerkschaft). Der Verhandlungsf&uuml;hrer aus dem S&uuml;dwesten, Roman Zitzelsberger, gibt das folgenderma&szlig;en zum Besten: &bdquo;Die ausgezeichnete wirtschaftliche Lage hat bei den Besch&auml;ftigten hohe Erwartungen geweckt. Eine Erh&ouml;hung der Einkommen &uuml;ber 4,3 Prozent, 400 Euro Festbetrag und das tarifliche Zusatzgeld bescheren den Belegschaften real mehr Geld im Portemonnaie, beteiligen sie angemessen an den Gewinnen der Unternehmen und st&auml;rken den privaten Konsum.&ldquo; 4,3 Prozent Lohnerh&ouml;hung klingt gut, wenn man mit viel Tamtam sechs Prozent gefordert hat. Doch in Wirklichkeit sind es im besten Fall gut 3 Prozent pro Jahr, wenn man das Sammelsurium des Ergebnisses zusammenrechnet. Von <strong>Heiner Flassbeck<\/strong> und <strong>Michael Paetz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1904\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-42295-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180207_IG_Metall_Weder_Zeit_noch_Geld_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180207_IG_Metall_Weder_Zeit_noch_Geld_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180207_IG_Metall_Weder_Zeit_noch_Geld_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180207_IG_Metall_Weder_Zeit_noch_Geld_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=42295-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180207_IG_Metall_Weder_Zeit_noch_Geld_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180207_IG_Metall_Weder_Zeit_noch_Geld_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Dieser Artikel ist zuerst auf <a href=\"https:\/\/makroskop.eu\/2018\/02\/ig-metall-weder-zeit-noch-geld\/\">Makroskop<\/a> erschienen. <\/em><\/p><p><strong>4,3 Prozent mehr Geld?<\/strong><\/p><p>Das klingt auf den ersten Blick ganz gut, doch beim zweiten Blick bleibt dem au&szlig;enstehenden Betrachter leider verborgen, was man da eigentlich feiert. Das liegt auch wieder einmal daran, dass sich die Gewerkschaft anscheinend alle M&uuml;he gibt, <strong>nicht<\/strong> klar zu sagen, was der Abschluss im Vergleich zu ihrer Forderung von sechs Prozent f&uuml;r zw&ouml;lf Monate bedeutet.<\/p><p>Die 4,3 Prozent Lohnerh&ouml;hung jedenfalls, von denen hier wie in der Presse &auml;rgerlicherweise fast nur die Rede ist, relativieren sich gewaltig, wenn man sie von den vereinbarten 27 Monaten auf ein Jahr umrechnet&nbsp;&ndash; n&auml;mlich auf 1,91 Prozent. Dies reicht vermutlich nicht einmal aus, um einen konstanten Reallohn zu sichern! Doch selbst das wird noch in der konservativen Presse (wie <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/meinung\/kommentare\/kommentar-zur-metall-tarifeinigung-flexible-arbeitszeitloesung-schmerzhafte-lohnerhoehung\/20930704.html\">hier<\/a> im Handelsblatt) wegen der vier vor dem Komma als &bdquo;schmerzhafte Lohnerh&ouml;hung&ldquo; bezeichnet, wobei die Laufzeit nur in dem Sinne erw&auml;hnt wird, dass sie den Unternehmen Planungssicherheit gibt, aber nicht als Faktor, der die Lohnerh&ouml;hung dramatisch verkleinert.<\/p><p>Doch es gibt einige Nebenabreden, die schwer genau zu beziffern sind, weshalb es umso &auml;rgerlicher ist, dass die IG Metall ihren Mitgliedern nicht reinen Wein einschenkt und sagt, was das bei einem typischen Einkommen (oder verschiedenen Einkommensklassen) f&uuml;r den j&auml;hrlichen Einkommenszuwachs bedeutet.<\/p><p><strong>Kein Erfolg bei der AZV<\/strong><\/p><p>Dass die Gewerkschaft mit ihrem Arbeitszeitmodell nicht durchgedrungen ist, war zu erwarten, weil das von vorneherein so gestrickt war, dass die Arbeitgeber (und das diesmal sogar mit guten Gr&uuml;nden) nicht zustimmen konnten. Nimmt man die Verl&auml;ngerung der Arbeitszeit mit in den Blick, die nun auch m&ouml;glich ist, kann man nicht einmal mit Gewissheit sagen, ob das Ergebnis insgesamt eine Arbeitszeitverk&uuml;rzung oder eine Arbeitszeitverl&auml;ngerung in der Metall- und Elektroindustrie bringen wird.<\/p><p>Man fragt sich, wie die Gewerkschaft etwas fordern konnte (wie die tempor&auml;re Verk&uuml;rzung der Arbeitszeit mit teilweisem Lohnausgleich), was dazu gef&uuml;hrt h&auml;tte, dass die Arbeitgeber h&auml;tten pr&uuml;fen m&uuml;ssen, ob die Begr&uuml;ndung f&uuml;r diese Auszeit wirklich stichhaltig ist. Wie h&auml;tte man das bewerkstelligen sollen, ohne gewaltige Ungerechtigkeiten zu schaffen. Sozialpolitik muss Aufgabe des Staates bleiben und da sollten die Gewerkschaften Druck machen, damit mehr Absicherung durchgesetzt, anstatt sich an der falschen Stelle zu verk&auml;mpfen.<\/p><p><strong>Pro Jahr gerechnet sieht es anders aus<\/strong><\/p><p>Wir haben mit einem Durchschnittseinkommen aus der Metallbranche gerechnet und den Anstieg &uuml;ber die 27 Monate ermittelt. Bei etwa 3400 Euro Gehalt im Jahr 2017 h&auml;tte der Arbeitnehmer mit diversen Zulagen in den n&auml;chsten 27 Monaten ohne Lohnerh&ouml;hung etwa 100 000 Euro verdient (die genauen Angaben finden sich in der Tabelle).<\/p><p>Mit den jetzt vereinbarten Erh&ouml;hungen kommt man unter Hinzurechnung der 400 Euro (die nur dann bezahlt werden m&uuml;ssen, wenn die wirtschaftliche Lage des Unternehmens das zul&auml;sst) und einem &bdquo;tariflichen Zusatzgeld&ldquo; von 27,5 Prozent eines Monatseinkommens auf 106 000 Euro f&uuml;r die 27 Monate. Ab 2020 werden Zusatzgeld und die 400 gegeneinander verrechnet und gehen in die Tarifeinkommen ein. Das beg&uuml;nstigt untere Einkommen, bei denen die 27,5 Prozent weniger als 400 Euro bedeuten.<\/p><p>Das Paket bedeutet einen Anstieg um 5,3 Prozent (mit den 400 Euro) f&uuml;r die gesamte Zeit und 4,9 Prozent ohne die 400 Euro. H&auml;tte&nbsp;man einen &bdquo;normalen&ldquo; Tarifvertrag ausgehandelt, bei dem die Tarife jeweils im Januar um einen gewissen Prozentsatz steigen, dann w&uuml;rde man &uuml;ber die 27 Monate auf denselben Gesamtverdienst kommen bei einer j&auml;hrlichen Erh&ouml;hung um etwa 3,17 % (etwa 3% ohne die 400 Euro Einmalzahlung). Dies entspr&auml;che 3526 Euro ab Januar 2018, 3638 Euro ab Januar 2019 und 3753 Euro ab Januar 2020.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/20180207_HF_Abb01_v4.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/20180207_HF_Abb01_v4-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><br>\n<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/20180207_HF_Abb03_v4.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/20180207_HF_Abb03_v4-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Das, liebe IG Metall, ist zu wenig. Bei einem Inflationsziel von 1,9 Prozent liegt die zu erwartende Reallohnerh&ouml;hung nur wenig &uuml;ber einem Prozent und das ist weniger, als es dem mittelfristig in Deutschland zu erzielenden Produktivit&auml;tszuwachs entspricht. Was nichts anderes bedeutet, als dass die sehr gute Lage der Unternehmen in dieser Branche nicht einmal dazu f&uuml;hrt, dass die extrem schwache Verteilungsposition verbessert wird. In anderen Branchen, die neu abschlie&szlig;en, d&uuml;rften die Ergebnisse folglich auch in diesem Jahr unter drei Prozent bleiben, von den L&ouml;hnen in Bereichen, wo die Gewerkschaften kaum pr&auml;sent sind, ganz zu schweigen. F&uuml;r die Beseitigung der europ&auml;ischen Ungleichgewichte ist damit f&uuml;r volle zwei Jahre praktisch nichts gewonnen. Das ist ein sehr hoher Preis, den die Gewerkschaften, die Arbeitnehmer insgesamt und die Europ&auml;ische W&auml;hrungsunion f&uuml;r den letztlich gescheiterten Versuch bezahlen, eine flexible Arbeitszeitverk&uuml;rzung mit einem gewissen Lohnausgleich durchzusetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Abschluss in der Metallindustrie wird, wie es sich geh&ouml;rt, von den Gewerkschaften gefeiert (<a href=\"http:\/\/www.bw.igm.de\/wir\/presse\/meldung.html?id=86036\">hier<\/a> die Pressemeldung der Gewerkschaft). Der Verhandlungsf&uuml;hrer aus dem S&uuml;dwesten, Roman Zitzelsberger, gibt das folgenderma&szlig;en zum Besten: &bdquo;Die ausgezeichnete wirtschaftliche Lage hat bei den Besch&auml;ftigten hohe Erwartungen geweckt. 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