{"id":42316,"date":"2018-02-08T09:23:05","date_gmt":"2018-02-08T08:23:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42316"},"modified":"2018-02-09T07:33:47","modified_gmt":"2018-02-09T06:33:47","slug":"junge-menschen-koennen-sich-kein-eigenheim-mehr-leisten-spiegel-online-stochert-mal-wieder-im-nebel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42316","title":{"rendered":"Junge Menschen k\u00f6nnen sich kein Eigenheim mehr leisten? SPIEGEL Online stochert mal wieder im Nebel"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180208_spon.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>SPIEGEL Online hat sein Herz f&uuml;r &bdquo;junge Menschen&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/immobilien-warum-wohnungen-und-haeuser-so-teuer-sind-a-1189118.html\">entdeckt<\/a> &ndash; zumindest f&uuml;r diejenigen, die sich gerne ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung anschaffen w&uuml;rden. Passend zum aktuellen SPIEGEL-Titel &ndash; so viel Cross-Promotion muss wohl sein &ndash; er&ouml;rtert SPIEGEL Online nun die Gr&uuml;nde, warum es vor allem jungen Menschen immer schwerer f&auml;llt, die eigenen vier W&auml;nde zu finanzieren. Dabei kommt man von zu niedrigen Zinsen &ndash; alleine das ist schon erstaunlich &ndash; &uuml;ber ausl&auml;ndische Investoren, verschwenderische Bautr&auml;ger bis zum Umwelt- und Tierschutz. Ein Artikel &uuml;ber die Probleme beim Immobilienerwerb, in dem die prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnisse und die lahmende Lohnentwicklung noch nicht einmal vorkommen? Das muss man auch erst mal schaffen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_342\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-42316-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180208_Junge_Menschen_Eigenheim_und_SPIEGEL_Online_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180208_Junge_Menschen_Eigenheim_und_SPIEGEL_Online_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180208_Junge_Menschen_Eigenheim_und_SPIEGEL_Online_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180208_Junge_Menschen_Eigenheim_und_SPIEGEL_Online_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=42316-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180208_Junge_Menschen_Eigenheim_und_SPIEGEL_Online_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180208_Junge_Menschen_Eigenheim_und_SPIEGEL_Online_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Zumindest hier im Harz wurde meines Wissens noch kein &Ouml;lscheich und noch nicht einmal ein russischer Oligarch gesichtet, der den Immobilienmarkt leergekauft h&auml;tte. Mir ist auch nicht bekannt, dass Umwelt- oder Tiersch&uuml;tzer hier irgendwann einmal die Ausweisung dringend ben&ouml;tigter Neubaugebiete verhindert h&auml;tten. Warum auch? Neubaugebiete werden in Regionen, in denen die Bev&ouml;lkerungszahlen stetig zur&uuml;ckgehen, nicht wirklich gebraucht. Und dass dies kein regionaler Effekt ist, sondern die Regel, hatte sogar SPIEGEL Online <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/deutschland-in-fuenfzehn-jahren-so-entwickeln-sich-die-regionen-a-1020269.html\">schon mal erkannt<\/a>.  Umso erstaunlicher ist, dass dieser Hintergrund immer vergessen wird, wenn SPIEGEL Online und Co. &uuml;ber die Immobilienpreise sprechen. Dann ist pl&ouml;tzlich ganz Deutschland die M&uuml;nchner Maxvorstadt oder der Prenzlauer Berg in Berlin. <\/p><p>Dabei sollte man gerade bei Themen wie dem Immobilienmarkt Verallgemeinerungen vermeiden. Zweifelsohne steigen in den Metropolregionen die Preise f&uuml;r Wohneigentum seit Jahren in einem Ma&szlig;, das man kaum mehr als vern&uuml;nftig bezeichnen kann. Wenn beispielsweise in M&uuml;nchen ein Mehrfamilienhaus mit vier Wohneinheiten in gew&ouml;hnlicher Bausubstanz und Kaltmieteinnahmen von 90.000 Euro pro Jahr f&uuml;r 10 Millionen Euro gehandelt wird, so entspricht dies vor Kosten einer Amortisation von 111 Jahren. Um auf eine branchen&uuml;bliche Kennzahl zu kommen, m&uuml;sste man die Kaltmiete schon verf&uuml;nffachen. Aber in diesem Beispiel ist die Monatsmiete von 1.875 Euro pro Wohneinheit schon heute das Maximum. Ja, in einigen St&auml;dten kann man durchaus von einer Immobilienblase sprechen.<\/p><p>Auf der anderen Seite d&uuml;mpeln die Preise in den l&auml;ndlichen Regionen jedoch seit Ewigkeiten vor sich hin und in strukturschwachen Regionen, in denen es eine starke Abwanderung gibt, sind die Preise sogar im freien Fall. So ist es in der Fl&auml;che in Sachsen-Anhalt gar kein Problem, ein nicht all zu renovierungsbed&uuml;rftiges Einfamilienhaus f&uuml;r 50.000 Euro zu bekommen, w&auml;hrend dieses Geld in besseren M&uuml;nchner Vierteln noch nicht einmal f&uuml;r die Anzahlung des zum Appartement geh&ouml;renden Parkplatzes in der Tiefgarage reicht. <\/p><p>Beide Beispiele sind Extremf&auml;lle und sicher nicht repr&auml;sentativ. Hier geht es ganz banal um Angebot und Nachfrage. W&auml;hrend sehr viele finanziell gut ausgestattete Menschen in der Maxvorstadt leben, ist Wohnraum in der Gemeinde Klein Wanzleben vor den Toren Magdeburgs nun einmal nicht sonderlich gefragt. Marktmechanismen erledigen den Rest und man sollte auch nicht glauben, dass der Markt von sich aus Grenzen finden w&uuml;rde. Wohnraum ist nun einmal im weitesten Sinne nat&uuml;rlich begrenzt. Wenn 250.000 junge Menschen in einem bestimmten Berliner Szeneviertel leben wollen, in dem es allerdings nur Wohnraum f&uuml;r 20.000 Menschen gibt, so muss es einen Mechanismus zur Zuteilung geben, bei dem zwangsl&auml;ufig die gro&szlig;e Masse leer ausgeht. Heute wird die &bdquo;Zuteilung&ldquo; meist &uuml;ber den Markt vorgenommen. Wer am meisten zahlen will und kann, bekommt den Zuschlag, wer finanziell da nicht mithalten will oder kann, muss gehen. Aber Berlin und sogar M&uuml;nchen sind auch da der Beginn einer m&ouml;glichen Entwicklung, die andere Metropolen schon kennen. Wichtig w&auml;re es da &bdquo;nur noch&ldquo;, dies den Bewohnern auch einmal diplomatisch zu vermitteln. <\/p><p>Im Moloch Hong Kong sind f&uuml;r eine 70-Quadratmeter-Wohnung schon einmal Preise von 1,8 Millionen Euro v&ouml;llig normal, wobei das generelle Preisniveau rund dreimal so hoch wie M&uuml;nchen liegt. Als Folge dieser Preise leben ganze Gro&szlig;familien in Wohnungen, die man in Deutschland gerade mal als Studentenbude anbieten k&ouml;nnte und wer alleine leben will, muss oft mit einem 6-Quadratmeter-&bdquo;K&auml;figzimmer&ldquo; vorlieb nehmen, f&uuml;r das dann 450 Euro Kaltmiete f&auml;llig werden. Sollte der Strom in die Metropolen in Deutschland anhalten, sind solche Szenarien auch hierzulande nicht nur nicht auszuschlie&szlig;en, sondern sogar sehr wahrscheinlich.<\/p><p>Auch wenn solche Extremf&auml;lle nat&uuml;rlich immer spannend sind, sollte man aber lieber die Normalf&auml;lle betrachten. Warum k&ouml;nnen &bdquo;junge Menschen&ldquo; sich in den normalen Wohngegenden Deutschlands kaum mehr ihr Eigenheim leisten? Liegt es &ndash; wie SPIEGEL Online unter Berufung auf das DIW in den Raum stellt &ndash; an der Geldpolitik der EZB? Wohl kaum. Es ist ja richtig, dass der arabische &Ouml;lscheich, der russische Oligarch, der amerikanische Fondsmanager oder der deutsche Industrielle noch nie so preiswert auf Pump Immobilien in der Eurozone erwerben konnten. &Ouml;lscheichs, Oligarchen, Fondsmanager und Industrielle haben aber eher das &bdquo;Problem&ldquo;, dass sie ihre liquiden Mittel m&ouml;glichst rentabel anlegen wollen. Der g&uuml;nstige Zugang zu Fremdkapital d&uuml;rfte da nicht die oberste Priorit&auml;t sein; anders als bei ganz normalen H&auml;uslebauern, die von den niedrigen Zinsen massiv profitieren. Aber darum geht es im SPON-Artikel ja nicht, sondern darum, dass der Erwerb von Immobilien generell immer teurer wird und da passen die Vorteile niedriger Hypothekenzinsen nat&uuml;rlich nicht ins Bild.<\/p><p>Die grunds&auml;tzliche Frage ist eher die, die ich bereits in meinem &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41978\">subjektiven R&uuml;ckblick<\/a>&ldquo; angerissen habe. Welcher 30j&auml;hrige hat sich denn heutzutage das n&ouml;tige Eigenkapital angespart, um einen Kredit f&uuml;r eine eigene Wohnung oder gar ein Haus zu bekommen? Wer hat in diesem Alter gen&uuml;gend verf&uuml;gbares Einkommen, um die Tilgung und den Zinsdienst zu bedienen? Und generell &ndash; wer erf&uuml;llt in diesem Alter denn &uuml;berhaupt die Bedingungen, die als Sicherheit f&uuml;r einen Hypothekenkredit verlangt werden? Die &Uuml;bersch&uuml;sse von Freiberuflern und Selbstst&auml;ndigen werden von den Banken f&uuml;r hohe Immobilienkredite nicht akzeptiert &hellip; zu unsicher. Zeitvertr&auml;ge ohne Garantie auf &Uuml;bernahme machen sich auf dem Antragsbogen ebenfalls nicht sonderlich gut. SPIEGEL Online titelt &bdquo;Wer nicht erbt, hat es schwer&ldquo; &hellip; das ist freilich Unsinn, da auch Eltern oder Gro&szlig;eltern, die sich allerbester Gesundheit erfreuen, die n&ouml;tigen Garantien und B&uuml;rgschaften geben k&ouml;nnen. Aber im Kern l&auml;uft es beim Immobilienwunsch der j&uuml;ngeren Generation genau darauf hinaus: Wer hat, dem wird gegeben. Wer keine Verwandte hat, die  Garantien und B&uuml;rgschaften geben k&ouml;nnen oder wollen, der schaut in die R&ouml;hre.<\/p><p>Die Verbesserungsvorschl&auml;ge der SPON-Experten (Verbesserung der Infrastruktur, Bodenwertsteuer, niedrigere Energie- und Umweltanforderungen) sind da bestenfalls ein Tropfen auf dem hei&szlig;en Stein. Ohne eine R&uuml;ckabwicklung der neoliberalen Reformen auf dem Arbeitsmarkt und eine deutliche Verbesserung der Einkommen wird sich die Situation nicht verbessern, sondern weiter verschlechtern. Dies l&auml;sst sich recht einfach an einem Zahlenbeispiel aus dem SPON-Artikel verdeutlichen. Dort wird der Immobilienpreisanstieg von 30% innerhalb von sechs Jahren als au&szlig;erordentliches Problem dargestellt. Das zeigt aber letztlich nur, dass die Journalisten offenbar vergessen haben, dass Einkommenssteigerungen keinen Ausnahmen, sondern die Regel sein sollten. W&auml;ren die Einkommen in diesen Jahren n&auml;mlich nominal um f&uuml;nf Prozent pro Jahr gestiegen, was bei einer normalen Inflation von zwei Prozent einem nicht eben ungew&ouml;hnlichen Reallohnplus von drei Prozent entspr&auml;che, w&uuml;rden die &bdquo;au&szlig;erordentlichen&ldquo; Preissteigerungen auf dem Immobilienmarkt voll von den Einkommenssteigerungen ausgeglichen. Sicher &ndash; f&uuml;nf Prozent pro Jahr sind schon recht viel, aber das &bdquo;au&szlig;erordentlichere&ldquo; Problem sind nicht die Immobilienpreise, sondern die stagnierenden L&ouml;hne. Aber diese Erkl&auml;rung scheint beim SPIEGEL offenbar verp&ouml;nt zu sein. Anstatt den Finger in die Wunde zu legen, stochert man lieber im Nebel. <\/p><p>Dabei ist wohl kaum ein anderes Thema f&uuml;r die Verteilungsfrage so wichtig wie die Frage des Immobilienbesitzes. Der stetige Abfluss von Mietzins aus den Kassen der Unter- und Mittelschicht in die Kassen der oberen Mittelschicht und der Oberschicht, denen ein Gro&szlig;teil der vermieteten Wohnimmobilien geh&ouml;ren, ist eine andauernde Umverteilung von unten nach oben. Je h&ouml;her &ndash; in Relation &ndash; die Mieten, desto gr&ouml;&szlig;er die Umverteilung. Daher sollte es auch oberste politische Priorit&auml;t sein, den Erwerb von Wohneigentum zu f&ouml;rdern. Gerade auf diesem Feld passiert jedoch viel zu wenig. Die von der Politik immer wieder angebotenen Sonderabschreibungen sind f&uuml;r j&uuml;ngere &bdquo;Normalverdiener&ldquo; vollkommen uninteressant und nutzen vor allem einkommensstarken Familien, die jedoch nicht auf staatliche Hilfen angewiesen sind. <\/p><p>Ohnehin scheint sich die Politik zu weigern, &uuml;ber Zusch&uuml;sse eine aktive Raumplanung zu betreiben. So ver&ouml;den im l&auml;ndlichen Raum die Innenst&auml;dte mit ihrer ohnehin schon meist schlechten Bausubstanz, w&auml;hrend vor den Stadttoren Neubaugebiete mit uniformen Fertigh&auml;usern von der Stange auf Mini-Grundst&uuml;cken in seelenlosen modernen Trabantenst&auml;dten f&uuml;r die neue Mittelschicht aus dem Boden sprie&szlig;en. Dies ist ein Paradebeispiel von verfehlter Raumplanung. Warum legt der Staat nicht einmal eine gro&szlig;z&uuml;gige Sonderf&ouml;rderung f&uuml;r junge Familien auf, die Wohnraum in den l&auml;ndlichen St&auml;dten und D&ouml;rfern erwerben, modernisieren und damit die brachliegenden Gemeinden aufwerten? Damit w&auml;ren doch gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Aber nein. Wenn es um den Immobilienwunsch junger Familien geht, f&uuml;hrt die Debatte offenbar immer mit Scheuklappen in die &uuml;berteuerten und &uuml;berbev&ouml;lkerten Szeneviertel der Metropolen. Schade eigentlich.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/680761fccef649ccbef650a378e0c273\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180208_spon.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>SPIEGEL Online hat sein Herz f&uuml;r &bdquo;junge Menschen&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/immobilien-warum-wohnungen-und-haeuser-so-teuer-sind-a-1189118.html\">entdeckt<\/a> &ndash; zumindest f&uuml;r diejenigen, die sich gerne ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung anschaffen w&uuml;rden. 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