{"id":424,"date":"2004-12-23T08:04:04","date_gmt":"2004-12-23T07:04:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=424"},"modified":"2016-03-22T10:07:16","modified_gmt":"2016-03-22T09:07:16","slug":"die-nachdenkseiten-wunschen-ihnen-ein-frohes-fest-und-ein-erfolgreiches-neues-jahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=424","title":{"rendered":"Die NachDenkSeiten w\u00fcnschen Ihnen ein frohes Fest und ein erfolgreiches Neues Jahr!"},"content":{"rendered":"<p>Newsletter Nr. 5 vom 23. Dezember 2004<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Liebe Besucherin, lieber Besucher der NachDenkSeiten, <\/strong><\/p><p>wenn Sie unser <a href=\"?page_id=4\">Gleitwort<\/a> anklicken, so finden Sie dort als wichtigste Antwort: <strong>&ldquo;Die NachDenkSeiten sollen eine geb&uuml;ndelte Informationsquelle f&uuml;r jene B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger werden, die am Mainstream der &ouml;ffentlichen Meinungsmacher zweifeln und gegen die g&auml;ngigen Parolen Einspruch anmelden&rdquo;.<\/strong> Das war vor einem Jahr unser Motiv, warum wir die &ldquo;NachDenkSeiten&rdquo; ins Netz gestellt haben und das war im zur&uuml;ckliegenden Jahr f&uuml;r uns als Herausgeber das oberste Ziel unserer Beitr&auml;ge. <\/p><p>Wir waren uns dar&uuml;ber im klaren, dass wir bei diesem Anspruch immer nur auf dem Weg sein und das selbst gesetzte Ziel nie erreichen k&ouml;nnten &ndash; und oft war auch der Weg ziemlich beschwerlich, unbequem und unbefriedigend genug. Manches Mal haben wir uns wohl auch im Kreise gedreht. F&uuml;r alles, was Ihnen als Weggef&auml;hrten missfallen hat, bitten wir um Nachsicht. <\/p><p>Es war jedenfalls ein gro&szlig;er Brocken, den wir vor uns hatten, aber wir haben uns von den Schluss&auml;tzen aus Albert Camus` Essay &ldquo;Der Mythos des Sisyphos&rdquo; anspornen lassen: &ldquo;Der Kampf gegen Gipfel vermag Menschenherzen auszuf&uuml;llen. Wir m&uuml;ssen uns Sisyphos als einen gl&uuml;cklichen Menschen vorstellen.&rdquo; <\/p><p>Was sollte schon eine kleine kritische Homepage gegen eine neoliberale Allparteienkoalition und einen ihr weitgehend unkritisch folgenden Mainstream der Medien ausrichten? Was sollte es helfen, immer wieder Fakten und Argumente gegen den Abbau des Sozialstaates, gegen ein steuerpolitisches &ldquo;Aushungern&rdquo; des Staates oder gegen eine konjunkturpolitisch kontraproduktive Sparpolitik zu stellen? Dagegen anzuk&auml;mpfen erschien in der Tat wie das endlose Hinaufrollen eines Felsbrockens gegen einen m&auml;chtigen Berg &ndash; eine Sisyphus-Arbeit eben. <\/p><p>Aber wir nahmen uns die Freiheit und haben einfach angefangen und durchgehalten. <\/p><p>Ihre zahlreichen Besuche auf den NachDenkSeiten und Ihr Ansporn haben uns &ndash; das k&ouml;nnen wir nach einem Jahr sagen &ndash; im Sinne Albert Camus` zu &ldquo;gl&uuml;cklichen Menschen&rdquo; gemacht. Daf&uuml;r danken wir Ihnen herzlich. <\/p><p>Wir sind zusammen mit Ihnen, liebe Besucherinnen und Besucher &ndash; jedenfalls soweit Sie unseren Weg wenigstens im Grundsatz f&uuml;r richtig halten -, nat&uuml;rlich noch meilenweit vom Gipfel entfernt, aber ein St&uuml;ck weit sind wir vorangekommen. <\/p><p>Albrecht M&uuml;llers Buch &ldquo;Die Reforml&uuml;ge&rdquo; hat es in die Bestsellerliste geschafft und mit Friedhelm Hengsbachs &ldquo;Reformspektakel&rdquo; und Peter Bofingers Buch &ldquo;Wir sind besser, als wir glauben&rdquo; haben wir argumentative Begleitung bekommen. &Uuml;ber die Frankfurter Rundschau, die S&uuml;ddeutsche Zeitung oder den Freitag hinaus konnte man endlich auch in der ZEIT, im STERN, in der FTD, selbst im SPIEGEL und in vielen anderen Medien wenigsten immer mal wieder vom Mainstream abweichende Positionen lesen.<br>\nNicht mehr ganz so viele wagen heute noch unbedacht nachzuplappern, dass die Hartz-Reformen die Arbeitslosigkeit senken w&uuml;rde. Dass Steuersenkungen f&uuml;r die hohen Einkommensbezieher und f&uuml;r Kapitaleinkommen zu neuen Investitionen und Wachstum f&uuml;hren k&ouml;nnten, behaupten fast ausschlie&szlig;lich nur noch diejenigen, die davon profitieren. Die Versprechen, dass die Gesundheitsreform &ndash; genauer die Abw&auml;lzung von Gesundheitskosten auf die Patienten &ndash; die Krankenkassenbeitr&auml;ge senken w&uuml;rden, sind inzwischen sehr kleinlaut geworden.<br>\nDie Miesmacherei im Lande und die &ldquo;Reform&rdquo; &ndash; Euphorie haben nachgelassen &ndash; etwas mehr N&uuml;chternheit ist eingekehrt. <\/p><p>Es w&auml;re nat&uuml;rlich ziemlich Gr&ouml;&szlig;enwahnsinnig, diesen &ndash; wenn auch zaghaften &ndash; Meinungsumschwung den NachDenkSeiten zuzuschreiben, aber wir sehen uns ein wenig best&auml;tigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, und vor allem, dass sich die &ouml;ffentliche Meinung &auml;ndern l&auml;sst, wenn viele daran mitwirken und ihre Meinung offen vertreten. Wichtig ist, dass das Netzwerk einer Gegen&ouml;ffentlichkeit immer dichter wird. <\/p><p>Deshalb wollen wir, zusammen mit Ihnen auch im n&auml;chsten Jahr den Felsbrocken weiter bergauf rollen. Denn wenn Kritik und Aufkl&auml;rung gegen einen falschen politischen Weg nachlassen, geht es rasch abw&auml;rts. Wenn nicht endlich, statt an Symptomen zu kurieren, eine vern&uuml;nftige Wirtschaftspolitik gemacht wird, k&ouml;nnte die Konjunktur noch weiter absacken.<br>\nWas falsch ist, wird nicht richtiger, wenn &ouml;ffentlich nicht mehr dar&uuml;ber gestritten wird. Die Zeit kann keine Wunden heilen, wenn eine falsche Therapie fortgef&uuml;hrt oder gar intensiviert wird. Und lassen wir uns nicht t&auml;uschen, auch wenn zur&uuml;ckliegende politische Entscheidungen nicht mehr so sehr im Lichte der &Ouml;ffentlichkeit stehen, die Wirkungen einer falschen und &ndash; wie wir meinen &ndash; f&uuml;r unsere Gesellschaft insgesamt sch&auml;dlichen Politik treten schleichend ein. <\/p><p>Wenn etwa im neuen, noch unver&ouml;ffentlichten (in der SZ vom 18.\/19.12.04 aber zitierten) Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung festgestellt wird, dass &ldquo;die Armutsrisikoquote&hellip;bei den meisten Gruppen zwischen 1998 und 2003 zugenommen hat&rdquo; oder dass die &auml;rmere H&auml;lfte der Haushalte &uuml;ber nicht einmal 4 Prozent des gesamten Nettoverm&ouml;gens verf&uuml;gt, w&auml;hrend das reichste Zehntel innerhalb der letzten f&uuml;nf Jahre seinen Anteil um 2% auf fast die H&auml;lfte, n&auml;mlich auf 47% steigern konnte, wenn also die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht und Armut und Verschuldung &ldquo;chronisch&rdquo; werden, so stehen dahinter nicht nur, aber immer auch politische Entscheidungen in der Vergangenheit. <\/p><p>Wenn die Regels&auml;tze der Sozialhilfe vom &ldquo;sozio&ouml;konomischen&rdquo; auf das &ldquo;physische&rdquo; Existenzminimum (so hei&szlig;t das im Amtsdeutsch der Sozialb&uuml;rokratie) gesenkt werden (vgl. den Eintrag in den NachDenkSeiten vom <a href=\"?p=155\">20.12.04<\/a>), so ist das politisch gewollt und nicht h&ouml;here Gewalt. Sch&ouml;nrederei &auml;ndert an den Tatsachen nichts. <\/p><p>Die &ldquo;Fliehkr&auml;fte&rdquo; innerhalb unseres Gemeinwesens werden eher st&auml;rker werden und es wird deshalb eher noch mehr Anstrengungen kosten, f&uuml;r eine Politik des sozialen Ausgleichs und Zusammenhalts einzutreten. Der Felsbrocken, den wir gemeinsam weiter den Berg hinauf rollen wollen, nimmt eher an Volumen zu, als dass er erodieren w&uuml;rde. Aber da halten wir es einfach mit dem ungarischen Schriftsteller Imre Kert&eacute;sz, der in seiner Dankesrede f&uuml;r den Literaturnobelpreis sinngem&auml;&szlig; gesagt hat, dass sich Sisyphus ziemlich gelangweilt f&uuml;hlen w&uuml;rde, wenn der Felsblock vom vielen Hochrollen auf den Berg so abgeschliffen w&auml;re, dass er ihn ohne M&uuml;he den Berg hoch tragen k&ouml;nnte. <\/p><p>Liebe Besucherin und lieber Besucher der NachDenkSeiten, in diesem Sinne w&uuml;nschen wir Ihnen ein gl&uuml;ckliches und erfolgreiches Neues Jahr und zun&auml;chst ein fr&ouml;hliches Weihnachtsfest. <\/p><p>(Weil wir es selbst aus Anlass der Festtage nicht ganz lassen k&ouml;nnen, gegen die Behauptungen unserer politischen Gegner zu witzeln, noch eine ironische Anmerkung: Weihnachten k&ouml;nnen Sie in diesem Jahr wirklich ohne schlechtes Gewissen feiern. Es liegt kalendarisch so, dass kein einziger Arbeitstag geopfert werden muss. Das bringt nach Meinung unserer Wirtschaftsexperten immerhin 0,1 bis 0,2% Wirtschaftswachstum. Weihnachten bringt uns also diesmal sogar &ouml;konomisch voran.) <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en <\/p><p>Ihr Albrecht M&uuml;ller, Ihr Wolfgang Lieb, Ihr Webmaster <a href=\"http:\/\/www.medienpalast.de\/\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.medienpalast.de\/\">Lars Bauer<\/a>.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Newsletter Nr. 5 vom 23. 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