{"id":42446,"date":"2018-02-16T12:00:13","date_gmt":"2018-02-16T11:00:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42446"},"modified":"2022-09-12T10:47:25","modified_gmt":"2022-09-12T08:47:25","slug":"interview-mit-dem-programmdirektor-des-deutsch-franzoesischen-senders-arte-mit-bezug-zu-die-als-fragwuerdig-betrachteten-putin-vs-usa-sendungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42446","title":{"rendered":"Interview mit dem Programmdirektor des deutsch-franz\u00f6sischen Senders ARTE \u2013 mit Bezug zu den als fragw\u00fcrdig betrachteten Putin vs. USA-Sendungen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ulrike Sumfleth<\/strong> hat mit dem Programmdirektor <strong>Bernd M&uuml;tter<\/strong> &uuml;ber die von den NachDenkSeiten verlinkten und kritisierten Sendungen &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41955\">Putin vs. USA<\/a>&ldquo; gesprochen. Das Interview ist ein Beispiel daf&uuml;r, wie innerhalb eines begrenzten Meinungsspektrums Vielfalt suggeriert wird. Man muss zur besseren Erkenntnis ein bisschen zwischen den Zeilen lesen. Am Ende des Interviews finden Sie als Nachtrag eine Vorschau auf weitere Sendungen, leider auch wieder Propagandasendungen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Welche politischen Signale sendet Arte?<\/strong><\/p><p>Mit der Doku &bdquo;Putin vs. USA&ldquo; erhitzte Arte die Gem&uuml;ter. Auch viele NachDenkSeiten-LeserInnen sahen darin Propaganda und trugen zur Untersuchung bei. Die Debatte und die Leserbriefe <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42031\">finden Sie hier<\/a>. Anl&auml;sslich der Jahrespressekonferenz in Hamburg sprach Ulrike Sumfleth mit Programmdirektor Bernd M&uuml;tter &uuml;ber den Film. <\/p><p><em>Von Ulrike Sumfleth<\/em><\/p><p>Vorweg: Worum geht es in dem Streit um die Doku &bdquo;Putin vs. USA&ldquo;?<\/p><p>&bdquo;Shame on U arte!&ldquo; Solche Kommentare fanden sich zuletzt dutzendfach auf der Arte-Internetseite, wo die zweiteilige US-Dokumentation bis 15. Februar angeschaut werden konnte. &bdquo;Bei den meisten anderen Sendern&ldquo;, schreibt der User namens Spencer Verse, &bdquo;h&auml;tte mich das gar nicht weiter gest&ouml;rt, aber dass ihr nun in dieses Horn blast, ist eine gro&szlig;e Entt&auml;uschung. Das ist N24-Niveau.&ldquo;<\/p><p>So wie Spencer Verse ergeht es vielen. Sie empfinden die vom ZDF eingekaufte US-Doku als Propagandakeule. Putin werde d&auml;monisiert. Zu sehen ist allein die amerikanische Sichtweise. Die meisten Interviewpartner sind US-Geheimdiensten, US-Regierung und US-Mainstream-Medien zuzuordnen. Regisseur Michael Kirk versuche, eine angebliche Beeinflussung der US-Pr&auml;sidentschaftswahlen 2016 durch Russland darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, dass Putin einst KGB-Agent war und pers&ouml;nlich gekr&auml;nkt w&auml;re durch das geopolitische und milit&auml;rische Handeln der USA in der Welt. Beweise bleibt er aber schuldig. Die eigene Geopolitik werde verharmlost und glorifiziert. <\/p><p>Auch der Verein &bdquo;St&auml;ndige Publikumskonferenz der &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien e.V.&ldquo; legte Programmbeschwerde ein: &bdquo;Der Film entsprach mindestens acht der zehn Grunds&auml;tze der Kriegspropaganda gem&auml;&szlig; Lord Arthur Ponsonby.&ldquo; Diese kann man z.B. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Prinzipien_der_Kriegspropaganda\">hier auf Wikipedia nachlesen<\/a>.<br>\nUnd ferner:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Film lief deshalb Ihren staatsvertraglichen Verpflichtungen, unabh&auml;ngig, unparteiisch, objektiv und umfassend zu informieren, komplett zuwider.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die vollst&auml;ndige Beschwerde an ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut <a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/forum\/viewtopic.php?f=30&amp;t=2413\">finden Sie hier<\/a>.<\/p><p>Doch es gibt auch eine andere Seite. Zumindest bei den Kritiken bei Arte im Netz<\/p><p>Dort kritisiert der Kommentator &bdquo;Phonomatic&ldquo; die oft undifferenzierte Vorgehensweise: &bdquo;Die Menschen, die sich hier als Antipropagandisten gerieren, sind offenkundig sehr viel simpler gestrickt als der Filmemacher, dem sie vorwerfen, Propaganda produziert zu haben. Schlimmer noch: ihre Herangehensweise ist gerade nicht die unemotionale, sorgf&auml;ltige und differenzierte Kritik &ndash; wie man es vielleicht vermuten w&uuml;rde &ndash;, sondern nach Lekt&uuml;re von 89 Kommentaren habe ich vielmehr den Eindruck, hier soll etwas aggressiv niedergebr&uuml;llt werden.&ldquo;<\/p><p><strong>Was sagen die Programmverantwortlichen dazu? Anl&auml;sslich der Arte-Jahrespressekonferenz am 7. Februar in Hamburg gab der neue Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer und Programmdirektor Bernd M&uuml;tter ein Interview.<\/strong><\/p><p><strong>Interview: Welche politischen Signale sendet Arte?<\/strong><\/p><p><strong>Interview von Ulrike Sumfleth mit Arte-Programmdirektor Bernd M&uuml;tter<\/strong><\/p><p><strong>Herr M&uuml;tter, mit der US-Propaganda-Doku &bdquo;Putin vs. USA&ldquo; provozierte Arte sein Publikum. K&ouml;nnen Sie die Entt&auml;uschung der ZuschauerInnen nachvollziehen?<\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst: Arte ist ein Sender, der zu vielen Themen ein breites Spektrum ins Programm nimmt. Wir sind der Sender der Autoren, der Kreativen. Das entscheidende Auswahlkriterium ist, dass handwerklich sauber gearbeitet wird. Die Putin-Doku hat an keiner Stelle behauptet, &bdquo;das und das ist sicherlich so gewesen&ldquo;. Die (Anm.: Macher des Films) sagen: Experten von verschiedenen Beh&ouml;rden in verschiedenen L&auml;ndern kommen zu dem Ergebnis. Aber sie sagen nicht: <em>Wir<\/em> konnten es &uuml;berpr&uuml;fen. Ganz im Gegenteil. Sie bleiben bei allem, was sich auf Putin bezieht, im absolut korrekten journalistischen ersten Konjunktiv.<\/p><p><strong>Es ist aber trotzdem eine sehr einseitige Darstellung. Es kommen haupts&auml;chlich Vertreter der US-Leitmedien, US-Geheimdienste und der Regierung zu Wort. Die geopolitische Strategie, die Absichten der USA werden glorifiziert, so ein Vorwurf.<\/strong><\/p><p>Ich finde das interessant. Weil u.a. das Gespr&auml;ch, das wir hinterher zeigten, ja &uuml;beraus differenziert ist. Das hat ja zwei unterschiedliche Perspektiven! Da haben sie den Experten (David Herszenhorn), der sagte: Es ging denen, die da am Werk waren, nie darum, tats&auml;chlich den Ausgang (der US-Pr&auml;sidentschaftswahl 2016) zu beeinflussen. Es ging darum, den Diskurs im Vorfeld zu beeinflussen und sozusagen Zweifel zu s&auml;en.<br>\nDas ist nat&uuml;rlich etwas ganz anderes als die andere Position, die in dem Gespr&auml;ch vertreten worden ist. Die darauf abhebt zu sagen: Nein, da war schon ein Ziel dabei, tats&auml;chlich den Wahlausgang, wie er dann auch tats&auml;chlich ausgegangen ist, zu beeinflussen.<br>\n(Anm.: Der erw&auml;hnte Experte ist Br&uuml;sseler Chef-Korrespondent von Politico EU, einem europ&auml;ischen Joint Venture des Axel-Springer-Verlags mit der US-amerikanischen Zeitung Politico. Zuvor war er u.a. in Moskau Korrespondent der New York Times. Zweiter Gast war die Journalistin und TV-Moderatorin Christine Ockrent. Die Gespr&auml;chsrunde ist im Netz nicht mehr verf&uuml;gbar.)<\/p><p><strong>Also, Sie verweisen darauf, dass man schwierigere Filme m&ouml;glichst in Themenabende einbettet, damit man Sie dann davor\/danach aus anderen Perspektiven beleuchten kann? <\/strong><\/p><p>Ich glaube daran, dass es bei allem, was l&auml;nger als 1:30-Nachrichtenformat ist, in der Realit&auml;t extrem schwierig ist, eine tats&auml;chliche Objektivit&auml;t zu erreichen. Ganz im Gegenteil. Der Konstruktivismus hat uns ja gelehrt, dass man hinter &bdquo;echter Objektivit&auml;t&ldquo; immer ein Fragezeichen setzen muss. Auch bei journalistischer Objektivit&auml;t. Wichtig ist in dem Zusammenhang, dass unsere Filme durchaus eine Haltung haben. Die dann aber auch transparent sein muss.<\/p><p><strong>Eine Arte-typische Haltung war das aber nicht in dem Film. Das kann man, glaube ich, so sagen?<\/strong><\/p><p>Nein! Aber&hellip; Ich wei&szlig; gar nicht, ob es eine Arte-typische Haltung gibt&hellip;<\/p><p><strong>Na doch, ich meine, es gibt eine Arte-typische kritische Haltung. Die die gro&szlig;en Erz&auml;hlungen hinterfragt. Zum Beispiel eher konzernkritisch, eher globalisierungskritisch&hellip;<\/strong><\/p><p>Jaa&hellip; aber&hellip; Ich sehe Arte immer als Sender in der Tradition der Aufkl&auml;rung. Unser Hauptziel ist doch, das steht im Gr&uuml;ndungsvertrag, dass wir die Verst&auml;ndigung der Europ&auml;er erm&ouml;glichen. Ich glaube, unser Hauptziel ist es, dass wir zu Debatten anregen. Dass wir auch Themen bringen, die noch nicht so auf dem Radar der &Ouml;ffentlichkeit sind.<\/p><p><strong>Absolut.<\/strong><\/p><p>Und in dem Zusammenhang ist unsere Haltung, ganz im Sinne der Aufkl&auml;rung, zu hinterfragen: Stimmt denn diese Gewissheit oder jene? In der Hinsicht war das Paket, das wir angeboten haben, ein Paket, das genau diese Gewissheiten klug hinterfragt. Und gezeigt hat: Was wissen wir? Was spekuliert wer? Was kann wer belegen? Und was sind die Schlussfolgerungen, die daraus gezogen werden?<\/p><p><strong>Es wurde <a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/forum\/viewtopic.php?f=30&amp;t=2413\">Programmbeschwerde<\/a> eingelegt, dass der Film gegen acht von zehn Prinzipien der Kriegspropaganda versto&szlig;en w&uuml;rde. Was mich interessieren w&uuml;rde: Wie kommt es zu der Ausstrahlung einer solchen Dokumentation? Ist es denn nicht klar gewesen, dass die sehr pro-amerikanische Sicht den Vorwurf erzeugen k&ouml;nnte, dass das Propaganda ist? <\/strong><\/p><p>Definieren Sie den Begriff Propaganda&hellip;<\/p><p><strong>Propaganda ist vor allem eine einseitige Darstellung. Das ist, glaube ich, das zuallererst zutreffende Kriterium. Es wird nur eine Sicht der Dinge erz&auml;hlt.<\/strong><\/p><p>Und das w&uuml;rde ich bei dem Film und bei dem Gesamtpaket bestreiten.<\/p><p><strong>Sie verweisen also auf das Gesamtpaket?<\/strong><\/p><p>Selbst der Film ist ja diffferenziert. Er ist nicht &bdquo;Bouf, das ist die <em>eine<\/em> Linie! Wir k&ouml;nnen es zwar nicht beweisen, aber wir behaupten es.&ldquo; Ich glaube, ein entscheidendes Kriterium f&uuml;r Propaganda ist letztlich, nicht zu unterscheiden zwischen dem, was belegbar ist, und dem, was vermutet wird.<\/p><p><strong>Spekuliert wird aber schon: Putin w&auml;re pers&ouml;nlich gekr&auml;nkt durch das milit&auml;risch-geopolitische Handeln der USA in der Welt nach dem Mauerfall. Das kann man doch nicht beweisen, Gekr&auml;nktheit ist was Gef&uuml;hltes. Ich w&uuml;rde jetzt nicht auf Details rumreiten wollen&hellip;<\/strong><\/p><p>Die Frage ist schon interessant. Reinhart Koselleck, der gro&szlig;e Historiker, redete ja schon vom Veto-Recht der Quellen. Ich glaube, das ist auch f&uuml;r den Journalismus ein gutes Kriterium, was man anlegen sollte. F&uuml;r was habe ich Quellen? F&uuml;r was Quellen, die das Gegenteil belegen? Und was sind dazwischen Plausibilit&auml;tsschlussfolgerungen? Was sind Vermutungen, die zitiert sind von anderen?<br>\nIch kann mir vorstellen, dass man sich bei dem Ansehen der Doku gefragt hat: H&auml;tten da nicht auch noch ein paar mehr Europ&auml;er drin sein k&ouml;nnen? Das ist durchaus ein Aspekt, den w&uuml;rde ich auf der handwerklichen Ebene teilen k&ouml;nnen. Aber ohne dass ich damit jetzt sagen w&uuml;rde, da hat es eine echte Einseitigkeit gegeben.<br>\nDer Film hat, glaube ich, eine Haltung, die macht er auch klar und transparent. Er unterscheidet aber sehr pr&auml;zise zwischen dem, was Putin und der russischen Regierung vorgeworfen wird &ndash; von amerikanischer Seite, das wird dann so benannt &ndash;, und dem, was als Tatsachenbehauptung sozusagen vom Film selbst kommt.<\/p><p><strong>Ich m&ouml;chte das als &Uuml;berleitung nehmen, was Sie als n&auml;chstes zum Thema Russland machen. Am 18. M&auml;rz sind Pr&auml;sidentschaftswahlen. Arte zeigt am 13. M&auml;rz einen Schwerpunkt. K&ouml;nnen Sie dazu schon etwas sagen?<\/strong><\/p><p>Es wird ein St&uuml;ck &uuml;ber die russische Opposition, &uuml;ber Alexej Nawalny geben. Und ein St&uuml;ck &uuml;ber Russia Today, &uuml;ber die weltweiten Bem&uuml;hungen, die Sicht der russischen Regierung zu vermarkten. In dem Magazin &bdquo;Re:&ldquo; geht es um die russische Jugend. Ein klassisches Arte-Thema ist auch am 14. M&auml;rz der russische K&uuml;nstler Pawlenski.<\/p><p><strong>Abseits von Russland: Wie sehen Sie das Thema Medienkritik allgemein? Seit der Ukraine-Krise gibt es einen anhaltenden Boom. Wie beeinflusst das Ihre Arbeit? Beim Einkauf, bei der Produktion, beim Schreiben der Pressetexte, Sie haben auf Facebook irre viele Fans&hellip;<\/strong><\/p><p>F&uuml;nf Millionen.<\/p><p><strong>Wie stellen Sie sich auf zunehmende Medienkritik ein? Also vorher, weil man sie vorauszukalkulieren versucht, bzw. hinterher, wenn man sie bearbeiten muss.<\/strong><\/p><p>Ich glaube, das gemahnt uns alle, wirklich sehr, sehr pr&auml;zise zu arbeiten. Alle Rechercheergebnisse sauber zu dokumentieren. Aber das halte ich f&uuml;r relativ normal. Es gab ja nie eine Zeit, in der es keine Medienkritik gegeben hat. Man nimmt sie jetzt m&ouml;glicherweise st&auml;rker wahr, weil sie &uuml;ber Facebook oder Twitter sofort &ouml;ffentlich ist.<br>\nWas, glaube ich, ein echter Punkt ist &ndash; aber auch den hat es immer gegeben, nur wahrscheinlich nicht in der Quantit&auml;t: Dass wir konfrontiert sind mit einer Gegenbehauptung. &bdquo;Nee, das ist nicht so!&ldquo;<br>\nDa muss man nat&uuml;rlich immer fragen: Ist das tats&auml;chlich belegbare Medienkritik? Oder gibt es auch eine Tendenz in den ber&uuml;hmten Filterbubbles, die dazu f&uuml;hrt, dass man Dinge kritisiert, ohne die Belege fundiert hinterfragen zu k&ouml;nnen. Das S&auml;en von Zweifeln ist das eine, darauf basieren ja auch die g&auml;ngigen Verschw&ouml;rungstheorien. Dass man Zweifel s&auml;t &ndash; aber man kann letztlich die belegbaren Fakten oft nicht entkr&auml;ften. Da ist dann der Zweifel immer schw&auml;cher als ein belegbares Faktum.<\/p><p><strong>Einer der gro&szlig;en Vorw&uuml;rfe der Medienkritik lautet, dass in den &ouml;ffentlich-rechtlichen, aber auch in den privaten Leitmedien h&auml;ufig zu regierungsnah berichtet wird, zu konform, dass die Journalisten nicht kritisch nachfragen. Und wenn man das dann noch einmal r&uuml;ckw&auml;rts denkt, wird den Regierungen bereits vorgeworfen, dass sie zu sehr von der US-Politik beeinflusst sind. Kurz, im Endergebnis ist die Berichterstattung zu USA-nah, zu einseitig, zu transatlantisch. Und zu wenig friedensorientiert. Nehmen wir das Thema Deutschland &ndash; Frankreich. Viele bef&uuml;rchten, dass Macrons Arbeitsmarktreformen eine Art Export des umstrittenen Hartz-IV-Modells bedeuten. Und sie w&uuml;nschen sich, dass dar&uuml;ber nicht regierungskonform berichtet wird, sondern kritisch. Ich kann mir vorstellen, dass da auch Hoffnungen auf Arte liegen.<\/strong><\/p><p>Bei dem Thema gilt, wie bei allen, f&uuml;r unsere Berichterstattung wieder die europ&auml;ische Perspektive. Ich wei&szlig; auch nicht, ob das stimmt, dass zu regierungsnah berichtet wird.<\/p><p><strong>Die TV-Kritik gilt vor allem ARD- und ZDF-Nachrichten.<\/strong><\/p><p>Aber auch da w&uuml;rde ich mal ein Fragezeichen dran machen. Nach meinem Erleben wird da doch relativ fundiert gearbeitet, und es werden Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven dargestellt.<\/p><p><strong>Ich habe versucht, zu formulieren, worauf sich die aktuelle Medienkritik immer wieder zur&uuml;ckf&uuml;hren l&auml;sst. Meiner Erfahrung nach ist das einer der h&auml;ufigsten Vorw&uuml;rfe.<\/strong><\/p><p>Aber ich glaube, wichtig ist letztlich, dass alle &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien &ndash; das gilt f&uuml;r Arte genauso wie f&uuml;r France 2, ZDF, ARD &ndash; pluralistisch organisierte Medien sind. Es ist ja schon wichtig zu sagen: Die Gesamtschau muss pluralistisch sein.<br>\nNochmal, der Konstruktivismus lehrt uns, und das gilt auch f&uuml;r die journalistische Praxis: Bis 1:30 oder 2:30 kriegt man journalistische Objektivit&auml;t hin, aber &bdquo;echte Objektivit&auml;t&ldquo; im philosophischen Sinne ist schwierig. Von daher: Die Regeln m&uuml;ssen klar sein. Wie beleuchtet man ein Thema?<br>\nUnd die Regeln werden eingehalten. F&uuml;r uns ist eine der ganz wichtigen Regeln der europ&auml;ische Aspekt. Das gilt ja f&uuml;r ganz vieles, auch was Gesellschaftspolitik, Bildungspolitik oder Steuerpolitik angeht, dass Europa ein relativ breites Spektrum an politischen M&ouml;glichkeiten darstellt.<\/p><p><strong>Im Mai gibt es den Staat Israel seit 70 Jahren. Wie sieht der Arte-Schwerpunkt dazu aus?<\/strong><\/p><p>Wir haben im April einen dokumentarischen Zweiteiler von William Karrell (&bdquo;Kubrick, Nixon und der Mann im Mond&ldquo;), der selber im Kibbuz gelebt hat. &Uuml;brigens auch ein Beispiel f&uuml;r ein Programm, das eine Haltung haben wird. Jemand, der einen Teil dieser Geschichte hautnah miterlebt hat, macht dar&uuml;ber nat&uuml;rlich einen anderen Film als ein sp&auml;ter Geborener oder einer, der noch nie in Israel war. Fokussiert ist der Film auf die ersten 20 Jahre nach der Staatsgr&uuml;ndung, 1948 bis 1968.<br>\nWir haben au&szlig;erdem die sehr hervorhebenswerte internationale Koproduktion &uuml;ber die Tageb&uuml;cher von Oslo. Wo es Unterh&auml;ndler f&uuml;r die verschiedenen Seiten gab, die tats&auml;chlich den Frieden erreichen wollten. Bis zur letzten Sekunde stand alles auf Messers Schneide. Dazu die Frage, was ist sp&auml;ter draus geworden? Der Film zeigt, dass es Momente in der Geschichte gibt, wo tats&auml;chlich die einzelnen handelnden Personen &ndash; sonst redet man ja gerne davon, dass die Strukturen und Prozesse entscheiden &ndash; den Lauf beeinflussen.<\/p><p><strong>Ihr pers&ouml;nliches Highlight 2018?<\/strong><\/p><p>Die Serie &bdquo;18 &ndash; Krieg der Tr&auml;ume&ldquo; ist schon ein Top-Highlight. (Anm.: Anhand von Tageb&uuml;chern erz&auml;hlt die im September startende Serie von Schicksalen nach dem Ersten Weltkrieg.) In dieser Zwischenkriegszeit waren alle Gewissheiten unterbrochen. Durch den massiven Zusammenbruch auf deutscher Seite und durch den massiven Gewaltexzess des Ersten Weltkriegs. F&uuml;r die Zeitzeugen bedeutete das eine wahnsinnige Fragmentierung, Beschleunigung der Gesellschaft. Einerseits kulturelle Vielfalt und andererseits politische Radikalisierung. Das ist ein Stoff, der extrem spannend ist. Und er hat durchaus Aspekte, die interessant sind, sie sich mit dem Blick von heute noch einmal vor Augen zu f&uuml;hren.<\/p><p><strong>Danke f&uuml;r das Gespr&auml;ch!<\/strong><\/p><p><strong>Nachtrag zum Arte-Programm:<\/strong><\/p><p>Die n&auml;chste Propaganda gegen Russland droht schon, kritische LeserInnen m&ouml;gen sie aufmerksam verfolgen: Am 13. M&auml;rz zeigt Arte um 20.15 Uhr den Film &bdquo;Propaganda 3.0 &ndash; Putin und der Westen&ldquo;. Der franz&ouml;sische Film untersucht, wie die russische Regierung versucht, mit Medienbeitr&auml;gen weltweit politischen Einfluss zu nehmen. Eingebettet ist der Film wieder in einen Themenabend. Doch anstatt die Gelegenheit zu nutzen und anschlie&szlig;end eine gebotene Gegendarstellung &uuml;ber westliche Propaganda gegen Russland zu zeigen, folgt nur ein St&uuml;ck &uuml;ber Putins Gegner, den Oppositionspolitiker Nawalny. Der n&auml;chste Aufreger ist damit programmiert.<\/p><p>Und noch ein Hinweis: Im Netz streamt Arte aktuell die 2. Staffel der Serie &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.arte.tv\/de\/videos\/RC-015133\/occupied-die-besatzung\/\">Occupied &ndash; Die Besatzung<\/a>&ldquo;.<br>\nDarin erlebt ein braver norwegischer Ministerpr&auml;sident, der die Erd&ouml;l- und Gasproduktion auf angeblich &bdquo;alternative Energien&ldquo; umstellen will, dass sein Land auf Veranlassung der EU von &bdquo;den Russen&ldquo; besetzt wird. Nicht nur ist das ein komplett absurdes Szenario, bei dem in den K&ouml;pfen h&auml;ngen bleibt: &bdquo;Oh, Gott, russische Invasion!&ldquo; Dar&uuml;ber hinaus ist die Serie auch noch eine gigantische Werbekampagne f&uuml;r Atomkraft. Denn bei den hier als &bdquo;&ouml;kologisch&ldquo; gepriesenen &bdquo;alternativen Energien&ldquo; handelt es sich um Thorium-Kraftwerke. Diese sind eine Hochrisikotechnologie, die dank weltweiter PR-Ma&szlig;nahmen als &bdquo;umweltfreundliche, risikolose Atomkraft&ldquo; verharmlost wird. Was den jubelnden Leitmedien einfach mal wieder nicht aufgefallen ist&hellip;? Eine geharnischte Kritik dieser Greenwashing-Kampagne, eingebettet in eine Serie im &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk, <a href=\"http:\/\/www.bund-rvso.de\/thorium-reaktor-fluessigsalz-klein.html\">finden Sie hier<\/a> von Axel Mayer, BUND-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer und Vizepr&auml;sident Atomschutzverband TRAS.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Ulrike Sumfleth<\/strong> hat mit dem Programmdirektor <strong>Bernd M&uuml;tter<\/strong> &uuml;ber die von den NachDenkSeiten verlinkten und kritisierten Sendungen &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41955\">Putin vs. USA<\/a>&ldquo; gesprochen. Das Interview ist ein Beispiel daf&uuml;r, wie innerhalb eines begrenzten Meinungsspektrums Vielfalt suggeriert wird. Man muss zur besseren Erkenntnis ein bisschen zwischen den Zeilen lesen. Am Ende des Interviews finden Sie als Nachtrag<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42446\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[209,123,183],"tags":[1070,313,1544,1283,915,259,1556,244],"class_list":["post-42446","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","tag-arte","tag-oerr","tag-kampagnenjournalismus","tag-nawalny-alexej","tag-putin-wladimir","tag-russland","tag-usa","tag-vierte-gewalt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42446","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=42446"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42446\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":87949,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42446\/revisions\/87949"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=42446"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=42446"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=42446"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}