{"id":42483,"date":"2018-02-19T08:38:01","date_gmt":"2018-02-19T07:38:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42483"},"modified":"2024-09-24T08:29:33","modified_gmt":"2024-09-24T06:29:33","slug":"poltergeister-in-pyeongchang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42483","title":{"rendered":"Poltergeist(er) in Pyeongchang"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190219-Pyeongchang-01.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Kurz vor und w&auml;hrend der Olympischen Winterspiele befinden sich beide Korea wieder auf der Suche nach neuen Freundbildern &ndash; sehr zum Verdruss Washingtons und Tokios, deren martialische T&ouml;ne als arrogant und Spielverderberei wahrgenommen werden. <strong>Rainer Werning<\/strong> zieht f&uuml;r die NachDenkSeiten eine kritische Halbzeitbilanz der Olympischen Winterspiele.<\/p><div style=\"clear:right;\"><\/div><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2817\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-42483-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180219_Poltergeister_in_Pyeongchang_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180219_Poltergeister_in_Pyeongchang_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180219_Poltergeister_in_Pyeongchang_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180219_Poltergeister_in_Pyeongchang_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=42483-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180219_Poltergeister_in_Pyeongchang_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180219_Poltergeister_in_Pyeongchang_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wie sich die Zeiten &auml;ndern! Als Ausrichter der 24. Olympischen Sommerspiele 1988 in S&uuml;dkoreas Hauptstadt Seoul f&uuml;hrten noch knallharte Milit&auml;rs um den damaligen Pr&auml;sidenten Roh Tae-Woo (1988-1993) das Zepter und sorgten in politisch turbulenten Zeiten mit ihrer Choreographie immerhin f&uuml;r reibungslose Spiele. Genau drei Jahrzehnte sp&auml;ter hatte es den Anschein, als ob die 23. Olympischen Winterspiele im s&uuml;dkoreanischen Pyeongchang aufgrund der prek&auml;ren Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel gef&auml;hrdet seien, wenngleich mit Moon Jae-In seit Sommer vergangenen Jahres ein gesitteter Zivilist in Seouls Blauem Haus (dem s&uuml;dkoreanischen Pendant zum Wei&szlig;en Haus in Washington) residiert, der eine &bdquo;Sonnenscheinpolitik&ldquo; vis-&agrave;-vis Nordkorea bef&uuml;rwortet.<\/p><p>Ungeachtet wiederholter Drohungen von US-Pr&auml;sident Donald Trump, dem Regime in Pj&ouml;ngjang mit nie dagewesenem &bdquo;Feuer und Zorn&ldquo; den Garaus zu machen und den &bdquo;Raketenmann&ldquo; Kim Jong-Un in den politischen Orkus zu bef&ouml;rdern, hielt die Regierung der Volksrepublik an ihrem ambitionierten Nuklearprogramm fest und lie&szlig; bis Anfang Dezember mehrere (darunter auch Langstrecken-)Raketen ins All feuern. Auf diese Weise unterstrich sie, dass man trotz internationaler Sanktionen und Drohgeb&auml;rden aus Washington den Status einer neunten Atommacht als &bdquo;effektive Selbstverteidigung&ldquo; anstrebt. Nur so sei gem&auml;&szlig; dem Kalk&uuml;l der Machthaber in Pj&ouml;ngjang gew&auml;hrleistet, sich angemessen gegen einen von Washington angestrebten gewaltsamen &bdquo;Regimewechsel&ldquo; &agrave; la Irak 2003 und Libyen 2011 und nukleare Erpressung zu wappnen.<\/p><p><strong>Neuerliche Nord-S&uuml;d-Ann&auml;herung<\/strong><\/p><p>Aller schrillen Kriegsrhetorik zum Trotz l&auml;utete der Jahreswechsel dann eine bemerkenswerte &Auml;ra der Entspannung ein, die das Potenzial hat, nach 1972, 1991\/92 und 2000 den vierten Anlauf einer innerkoreanischen Ann&auml;herung zu markieren. M&ouml;glich wurde das nicht zuletzt durch den international viel geschm&auml;hten nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-Un. Der n&auml;mlich hatte &ndash; diesmal in hellem Anzug mit passender Krawatte gekleidet &ndash; mit seiner Neujahrsansprache die T&uuml;r f&uuml;r einen erneuten Nord-S&uuml;d-Dialog unerwartet weit aufgesto&szlig;en, als er u.a. verk&uuml;ndete, mit eigenen Sportlern an den Olympischen Winterspielen teilzunehmen und als Goodwill-Geste zudem Musiker und K&uuml;nstler sowie eine politisch hochrangige Delegation in den S&uuml;den zu entsenden.<\/p><p>Und siehe da &ndash; als das geschah denn auch! Trotz bestehender harscher Sanktionsma&szlig;nahmen entsandte Pj&ouml;ngjang ann&auml;hernd 500 eigene Sportler, Cheerleader, Orchestermusiker, Beobachter und Medienvertreter nach S&uuml;dkorea &ndash; darunter auch erstmalig ein Familienmitglied der Kim-Dynastie. So war es denn Kim Yo-Jong, eine Schwester des Machthabers in Pj&ouml;ngjang, die immense mediale Aufmerksamkeit erheischte und zusammen mit ihrem Gastgeber, S&uuml;dkoreas Pr&auml;sident Moon Jae-In, auf der Ehrentribune w&auml;hrend der offiziellen Er&ouml;ffnungsfeierlichkeiten in Pyeongchang Platz nahm und weitaus mehr beachtet wurde als die unweit platzierten Vertreter aus den USA und Japan, Vizepr&auml;sident Mike Pence und Ministerpr&auml;sident Shinzo Abe.<\/p><p>Begleitet wurde Frau Kim &uuml;berdies von Nordkoreas nominellem Staatsoberhaupt Kim Yong-Nam, der dem Gro&szlig;vater ihres Bruders, dem Staatsgr&uuml;nder und Staatschef Kim Il-Sung, lange Zeit treu gedient hatte. Als Kim Il-Sung im Sommer 1994 verstarb, blieb der Posten des Pr&auml;sidenten, des Staatsoberhauptes also, unbesetzt. Im Jahre 1998 entschied sodann das nordkoreanische Parlament, die Oberste Volksversammlung (OVV), im Zuge einer Verfassungs&auml;nderung, dass der Posten des Staatsoberhaupts auch k&uuml;nftig vakant bleiben und Kim Il-Sung als &bdquo;ewiger Pr&auml;sident&ldquo; Nordkoreas gelten soll. Faktisch wurde somit dieses vormals h&ouml;chste Staatsamt abgeschafft, w&auml;hrend es fortan zu den Pflichten des Vorsitzenden des Pr&auml;sidiums der OVV z&auml;hlt, bei repr&auml;sentativen Verpflichtungen und &ouml;ffentlichen Empf&auml;ngen als Staatsoberhaupt zu fungieren. Eben diesen Posten bekleidet Kim Yong-Nam, der nach langj&auml;hriger Mitarbeit in der Internationalen Abteilung des Zentralkomitees der herrschenden Partei der Arbeit Koreas (PdAK) auch Au&szlig;enminister seines Landes war.<\/p><p>Nach der R&uuml;ckkehr des Kim-Tandems in Pj&ouml;ngjang zeigte sich Kim Jong-Un hocherfreut &uuml;ber das Ergebnis dieser Stippvisite im S&uuml;den. Nach Angaben der amtlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA lobte Kim Jong-Un ausdr&uuml;cklich das &bdquo;warmherzige Klima der Vers&ouml;hnung und des Dialogs&ldquo; und betonte, dieser m&uuml;sse unbedingt fortgesetzt werden. Entsprechend hatte er seiner Schwester ein Einladungsschreiben zu einem Pj&ouml;ngjang- Besuch f&uuml;r S&uuml;dkoreas Pr&auml;sidenten mitgegeben. F&uuml;r Moon Jae-In war dies eine Steilvorlage, um innenpolitisch zu punkten und sich gr&ouml;&szlig;eren Man&ouml;vrierspielraum vis-&agrave;-vis Washington zu verschaffen. Zwischenzeitlich hat Moon u.a. seinen 51-j&auml;hrigen Stabschef Im Jong-Seok damit betraut, f&uuml;r die Fortsetzung des jetzigen innerkoreanischen Dialogs zu sorgen und entsprechend das Momentum zu wahren. Eine au&szlig;ergew&ouml;hnliche Geste des Pr&auml;sidenten; Im war in den 1980er Jahren ein exponierter Studentenf&uuml;hrer, der s&uuml;dkoreanischen Sicherheitsbeh&ouml;rden als &bdquo;pro-nordkoreanisch&ldquo; galt und wegen seiner linken Gesinnung eine mehrj&auml;hrige Haftstrafe verb&uuml;&szlig;en musste.<\/p><p><strong>Vormaliger Interessenabgleich zwischen Washington und Pj&ouml;ngjang &ndash; ein notwendiger R&uuml;ckblick<\/strong><\/p><p>All das waren und sind bislang hervorragende Entwicklungen, die es doch eigentlich im Sinne der Konfliktdeeskalation auf der Halbinsel allseitig zu unterst&uuml;tzen gilt. Sie stehen auch in der Tradition einer Entspannungspolitik, die vielverhei&szlig;end h&auml;tte verlaufen k&ouml;nnen, w&auml;ren da nicht so h&auml;ufig und emsig in der Vergangenheit verlogene Apologeten in Erscheinung getreten, um einzig und allein den Interessen eines milit&auml;risch-industriellen sowie nationalen Sicherheitskomplexes zu dienen. Zumindest lohnt hier ein kurzer R&uuml;ckblick auf die Jahrtausendwende. Um zu demonstrieren, wie man schon damals all jene Probleme auf der koreanischen Halbinsel h&auml;tte politisch-diplomatisch l&ouml;sen k&ouml;nnen, mit denen man &ndash; leider &ndash; heute noch immer konfrontiert ist.<\/p><p>William J. Perry, von 1994 bis 1997 US-Verteidigungsminister, war als Sonderemiss&auml;r von US-Pr&auml;sident Bill Clinton im Rahmen einer intensiven Ostasien-Shuttle-Diplomatie damit betraut worden, gegen Ende der Clinton-&Auml;ra Richtlinien k&uuml;nftiger US-amerikanischer Nordkoreapolitik zu entwerfen. In seinem am 12. Oktober 1999 ver&ouml;ffentlichten Report gelangte Perry zu dem Ergebnis, dass entgegen fr&uuml;heren Annahmen in den USA nicht davon auszugehen sei, Nordkorea drohe kurz- bis mittelfristig der Zusammenbruch. Ausdr&uuml;cklich bef&uuml;rwortete Perry die &bdquo;Sonnenschein-&ldquo;beziehungsweise Nordpolitik Kim Dae-Jungs und erreichte immerhin Nordkoreas Verzicht auf weitere Raketentests, woraufhin Washington im Gegenzug Wirtschaftssanktionen lockerte und sich f&uuml;r die Aufstockung von Hilfslieferungen an die Volksrepublik einsetzte. [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Der an der Universit&auml;t Chicago lehrende Historiker und Koreaexperte Bruce Cumings merkte dazu an:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die sechsmonatige Arbeit (Perrys und seiner Kollegen &ndash; <em>RW<\/em>) schloss mit der Empfehlung, die Verhandlungen mit Pj&ouml;ngjang zu intensivieren. Der Neuansatz m&uuml;ndete in ein vorl&auml;ufiges Abkommen &uuml;ber die nordkoreanischen Raketen, das den Vereinigten Staaten wie der gesamten asiatisch-pazifischen Region gro&szlig;e Vorteile brachte. Damals schien Nordkorea bereit, die Produktion, Stationierung und Ausfuhr aller Raketen mit einer Reichweite von &uuml;ber 500 Kilometern einzustellen. In beiden strategischen Fragen &ndash; in der Atompolitik und bei den ballistischen Raketen &ndash; schien man einer Vereinbarung n&auml;her zu kommen.&ldquo; [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Architekt der erw&auml;hnten &bdquo;Sonnenscheinpolitik&ldquo; war S&uuml;dkoreas fr&uuml;herer Staatschef Kim Dae-Jung (1998-2003), der daf&uuml;r im Dezember 2000 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Am 13. Juni 2000 war eben dieser Kim Dae-Jung zum ersten innerkoreanischen Gipfel seit der Gr&uuml;ndung beider L&auml;nder im Jahre 1948 von Kim Jong-Il (dem Vater des jetzigen Machthabers Kim Jong-Un) in Nordkoreas Hauptstadt Pj&ouml;ngjang per Handschlag freundschaftlich empfangen worden. Beide Staatschefs unterzeichneten zwei Tage sp&auml;ter eine historische &bdquo;Nord-S&uuml;d-Erkl&auml;rung&ldquo;, wodurch u.a. Familienzusammenf&uuml;hrungen, der Ausbau bilateraler Wirtschaftsbeziehungen sowie regelm&auml;&szlig;ige Treffen der Verteidigungsminister und schlie&szlig;lich die gemeinsame Teilnahme ihrer Sportteams an den bevorstehenden Olympischen Sommerspielen in Sydney vereinbart wurden. Ein veritabler Durchbruch, der seinerzeit auch seitens der EU und Washingtons ausdr&uuml;cklich begr&uuml;&szlig;t wurde. [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>Die Fr&uuml;chte dieser weitgehenden Avancen und Arrangements schienen im Folgejahr voll aufzugehen. F&uuml;r Pj&ouml;ngjang war es zweifellos ein H&ouml;hepunkt seiner Au&szlig;enpolitik und Diplomatie, als Vizemarschall Jo Myong-Rok (damals die Nummer 2 der nordkoreanischen Nomenklatur) am Morgen des 11. Oktober 2000 im Oval Office des Wei&szlig;en Hauses von einem gutgelaunten US-Pr&auml;sidenten Bill Clinton per Handschlag als Gast willkommen gehei&szlig;en wurde. [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Kurz darauf, am 23.\/24. Oktober 2000, weilte im Gegenzug US-Au&szlig;enministerin Madeleine Albright in Pj&ouml;ngjang. Es waren dies wahrlich historisch zu nennende Begegnungen; niemals zuvor hatten sich solch hochrangige Vertreter beider Regierungen getroffen! Ja, unmittelbar nach Albrights Stippvisite in Pj&ouml;ngjang liefen dort die protokollarischen Vorbereitungen auf Hochtouren, um zum Jahreswechsel 2000\/2001 Pr&auml;sident Clinton h&ouml;chstpers&ouml;nlich in der Volksrepublik zu empfangen. <\/p><p><strong>Backlash unter Bush<\/strong><\/p><p>Was also zu Beginn des Jahres 2001 vielversprechend auf einen behutsamen, kontinuierlichen Entspannungsprozess auf der koreanischen Halbinsel hindeutete, wurde mit dem Amtsantritt George W. Bushs abrupt beiseite geschoben. Selten ist ein Staatsgast, dazu noch ein gerade erst mit dem Friedensnobelpreis geehrtes Staatsoberhaupt, derma&szlig;en br&uuml;skiert worden, wie das Anfang M&auml;rz 2001 Kim Dae-Jung widerfuhr. Anl&auml;sslich dieses ersten Staatsbesuchs eines asiatischen Regierungschefs beim neuen republikanischen Chef im Wei&szlig;en Haus nannte Pr&auml;sident Bush Nordkorea am 7. M&auml;rz 2001 ohne Umschweife einen &bdquo;Bedrohungsfaktor in Ostasien&ldquo;, mit dem weitere Gespr&auml;che ausgesetzt und erst nach einer kompletten Neubestimmung der US-amerikanischen Asienpolitik wieder aufgenommen w&uuml;rden. [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p>Als Bush &uuml;berdies den innerkoreanischen Dialog in Zweifel zog und signalisierte, die USA w&uuml;rden dessen Unterst&uuml;tzung einstellen, lie&szlig; das den s&uuml;dkoreanischen Staatsgast als naiven Eiferer und seine Entourage wie begossene Pudel dastehen. Noch einen Tag zuvor (am 6. M&auml;rz) hatte der neue Au&szlig;enminister Colin Powell den noch zuversichtlichen G&auml;sten aus Seoul versichert, sein Land werde die &bdquo;vielversprechenden Elemente&ldquo; der Nordkorea-Politik seines Vorg&auml;ngers weiterf&uuml;hren und da ankn&uuml;pfen, wo die Clinton-Administration aufgeh&ouml;rt habe. Stattdessen schlug die US-Regierung mit Blick auf Nordkorea eine T&uuml;r zu, f&uuml;r deren &Ouml;ffnung es eines sensiblen und stetigen politisch-diplomatischen Engagements bedurft hatte. Schlimmer noch: Gerade ein Jahr im Amt, brandmarkte der US-Pr&auml;sident die Volksrepublik nebst Irak und Iran international als Teil (s)einer omin&ouml;sen &bdquo;Achse des B&ouml;sen&ldquo;, die es zu zertr&uuml;mmern galt.<br>\n&#65279;<br>\n<strong>Alles nur &bdquo;Propagandabluff&ldquo; und &bdquo;Charmeoffensive&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Kurz bevor sich US-Vizepr&auml;sident Mike Pence und Japans Ministerpr&auml;sident Shinzo Abe auf den Weg gen Pyeongchang machten, um dort auch an der Er&ouml;ffnungsfeier der Olympischen Winterspiele teilzunehmen, hatte Pence w&auml;hrend einer Pressekonferenz am 7. Februar in Tokio erkl&auml;rt, dass die Trump-Regierung bald &bdquo;die h&auml;rteste und aggressivste Runde wirtschaftlicher Sanktionen gegen Nordkorea&rdquo; einl&auml;uten w&uuml;rde, um die Volksrepublik dazu zu zwingen, &bdquo;total abzur&uuml;sten, ihre Nuklearwaffen zu verschrotten sowie ihr ballistisches Raketenprogramm einzufrieren.&rdquo; Um dann noch hinzuzuf&uuml;gen, er werde der nordkoreanischen Propaganda nicht erlauben, die Botschaft und Bilder der Olympischen Spiele zu kapern. Ins selbe Horn stie&szlig; auch Abe, der Pj&ouml;ngjang seinerseits vorwarf, die Spiele lediglich als &bdquo;Charmeoffensive&rdquo; zu missbrauchen.<\/p><p>In der koreanischen &Ouml;ffentlichkeit kamen diese Attacken &uuml;berwiegend gar nicht gut an. Vor allem Vizepr&auml;sident Pence habe sich, so zahlreiche s&uuml;dkoreanische Kommentatoren, als &bdquo;Spielverderber&ldquo; erwiesen und wenig staatsm&auml;nnische Gr&ouml;&szlig;e demonstriert, als er anl&auml;sslich von Festbanketts vorzeitig aufbrach und es tunlichst vermied, die nordkoreanischen Staatsg&auml;ste wenigstens mit einem kurzen Handschlag zu begr&uuml;&szlig;en. Ein schlechter Stil eines so hochrangigen Vertreters der selbsterkl&auml;rten &bdquo;Schutzmacht&ldquo; S&uuml;dkoreas, hie&szlig; es denn auch in einem Kommentar in einer der beiden gro&szlig;en englischsprachigen Tageszeitungen des Landes. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p>Was den Gr&uuml;nder und Pr&auml;sidenten der US-amerikanischen <em>Future of Freedom Foundation<\/em>, Jacob G. Hornberger, dazu verleitete, zwei Tage vor Beginn der offiziellen Er&ouml;ffnung der Olympischen Winterspiele in seinem Blog sec anzumerken:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das Beste, was dem amerikanischen Volk und der Bev&ouml;lkerung in Korea, sowohl im Norden als auch im S&uuml;den, passieren k&ouml;nnte, best&uuml;nde darin, dass hochrangige US-Politiker, einschlie&szlig;lich (Vizepr&auml;sident Mike &ndash; RW) Pence, w&auml;hrend der Winterspiele zuhause blieben, die in S&uuml;dkorea stationierten (ann&auml;hernd 30.000 GIs z&auml;hlenden &ndash; RW) US-Truppen nach Hause holten und sie ausmusterten. Es ist der US-Interventionismus in Korea, der die eigentliche Ursache der Probleme im dortigen Teil der Welt bildet.&rdquo; [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Dr. Rainer Werning<\/strong>, Politikwissenschaftler &amp; Publizist mit den Schwerpunkten Ost- und S&uuml;dostasien, befasst sich seit Ende der 1960er Jahre intensiv mit den Regionen. Er ist u.a. Koautor des in diesen Tagen in der <em>Edition Berolina<\/em> (Berlin) erscheinenden Buches &bdquo;<em>Brennpunkt Nordkorea<\/em>&ldquo;.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] &bdquo;Review of United States Policy Toward North Korea: Findings and Recommendations&rdquo;. Unclassified Report by Dr. William J. Perry, U.S. North Korea Policy Coordinator and Special Advisor to the President and the Secretary of State, Washington, DC, October 12, 1999, 11 S.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Bruce Cumings: &bdquo;Kehrtwende in den USA: Washingtons Spannungspolitik in Ostasien&ldquo;, in: Le Monde diplomatique (dtsch. Ausg.), Berlin\/Z&uuml;rich: Mai 2001, S. 5.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] &bdquo;Unterst&uuml;tzung von allen Seiten f&uuml;r Kim Dae-jung&ldquo; in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21. Oktober 2000. &ndash; Siehe auch: Hanns W. Maull &amp; Dirk Nabers (Hg.): &bdquo;Multilateralismus in Ostasien-Pazifik: Probleme und Herausforderungen im neuen Jahrhundert&ldquo;, Hamburg: Institut f&uuml;r Asienkunde, 2001<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Mike Chinoy: &bdquo;Meltdown: The Inside Story of the North Korean Nuclear Crisis&rdquo;, New York: St. Martin&rsquo;s Press, 2009<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Brian Knowlton: &bdquo;Bush Tells Korean He Distrusts North&ldquo; in: International Herald Tribune (Washington\/Paris) v. 8. M&auml;rz 2001<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Lyman McLallen: &bdquo;Pence could have done better&rdquo;, in: The Korea Times (Seoul) v. 10. Februar 2018<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Jacob G. Hornberger: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.fff.org\/2018\/02\/07\/hating-north-korean-reds\/\">Hating the North Korean Reds<\/a>&rdquo;, 7. Februar 2018<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190219-Pyeongchang-01.png\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Kurz vor und w&auml;hrend der Olympischen Winterspiele befinden sich beide Korea wieder auf der Suche nach neuen Freundbildern &ndash; sehr zum Verdruss Washingtons und Tokios, deren martialische T&ouml;ne als arrogant und Spielverderberei wahrgenommen werden. <strong>Rainer Werning<\/strong> zieht f&uuml;r die NachDenkSeiten eine kritische Halbzeitbilanz der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42483\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,20],"tags":[1498,1519,368,1093,2013,2143,2274,1485,1373,1995,1983,1800,1556,1019],"class_list":["post-42483","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-landerberichte","tag-abe-shinzo","tag-atomwaffen","tag-bush-george-w","tag-clinton-bill","tag-entspannungspolitik","tag-kim-jong-un","tag-moon-jae-in","tag-nordkorea","tag-olympia","tag-pence-mike","tag-suedkorea","tag-trump-donald","tag-usa","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42483","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=42483"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42483\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":121808,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42483\/revisions\/121808"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=42483"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=42483"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=42483"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}