{"id":42487,"date":"2018-02-19T09:16:06","date_gmt":"2018-02-19T08:16:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42487"},"modified":"2018-02-19T15:25:04","modified_gmt":"2018-02-19T14:25:04","slug":"wer-kontrolliert-abstimmung-und-auszaehlung-bei-der-spd-mitgliederbefragung-das-ist-inzwischen-eine-oeffentliche-und-keine-reine-partei-angelegenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42487","title":{"rendered":"Wer kontrolliert Abstimmung und Ausz\u00e4hlung bei der SPD-Mitgliederbefragung? Das ist inzwischen eine \u00f6ffentliche und keine reine Partei-Angelegenheit."},"content":{"rendered":"<p>Von der Abstimmung h&auml;ngt ab, ob und welche Regierung wir bekommen, und m&ouml;glicherweise auch, ob wir auf Neuwahlen zugehen. Das betrifft alle und nicht nur SPD-Mitglieder. Deshalb m&uuml;ssen wir Transparenz und Kontrolle verlangen. Auch deshalb, weil diejenige, die im Ergebnis die Hauptbeg&uuml;nstigte oder Betroffene der Abstimmung sein wird, ein zweifelhaftes Rechtsempfinden offenbart: Andrea Nahles. Schauen Sie sich beispielhaft einmal an, wie sich Andrea Nahles bei einer wichtigen Pressekonferenz &auml;u&szlig;ert. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=z_0MiFnSQy8\">Dort traten am 13. Februar 2018<\/a> im Anschluss an den endg&uuml;ltigen Abschied von Martin Schulz vom Parteivorsitz der SPD-Generalsekret&auml;r Klingbeil, der gerade zum kommissarischen Parteivorsitzenden ernannte Hamburger B&uuml;rgermeister Scholz und die Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles auf. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1020\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-42487-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180219_Wer_kontrolliert_die_Auszaehlung_bei_der_SPD_Mitgliederbefragung_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180219_Wer_kontrolliert_die_Auszaehlung_bei_der_SPD_Mitgliederbefragung_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180219_Wer_kontrolliert_die_Auszaehlung_bei_der_SPD_Mitgliederbefragung_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180219_Wer_kontrolliert_die_Auszaehlung_bei_der_SPD_Mitgliederbefragung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=42487-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180219_Wer_kontrolliert_die_Auszaehlung_bei_der_SPD_Mitgliederbefragung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180219_Wer_kontrolliert_die_Auszaehlung_bei_der_SPD_Mitgliederbefragung_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Kurz noch zur wichtigen Vorgeschichte:<\/strong><\/p><p>Vorangegangen war ja kurz zuvor die Empfehlung, man kann auch von einem Deal sprechen: Martin Schulz wird Au&szlig;enminister, Andrea Nahles wird von ihm, dem scheidenden Parteivorsitzenden, zur kommissarischen Parteivorsitzenden vorgeschlagen. Beides f&uuml;hrte zu einem vehementen Protest in der Mitgliedschaft der SPD, bei Ortsvereinen, Unterbezirken und Landesverb&auml;nden.<\/p><p>Die Folge: Der Deal scheiterte.<\/p><p><strong>Jetzt kommt der neue Versuch, der Kandidatin Andrea Nahles einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.<\/strong><\/p><p>Noch bevor nach anderen und hoffentlich besseren Kandidatinnen oder Kandidaten Ausschau gehalten wird, was das Naheliegendste von der Welt w&auml;re, ernennt der Parteivorstand Frau Nahles (einstimmig) zur Kandidatin f&uuml;r den Parteivorsitz.<\/p><p><strong>Und dann setzt Andrea Nahles in der von Phoenix &uuml;bertragenen Pressekonferenz nach.<\/strong><\/p><p>Wir zitieren aus der Pressekonferenz, die Phoenix am 13. Februar &uuml;bertragen hat. Wir zitieren die Originalaussagen von Frau Andrea Nahles und kommentieren zur Erl&auml;uterung. Man muss kein Jurist sein, um Andrea Nahles&rsquo; Rechtsverst&auml;ndnis mindestens als zweifelhaft zu empfinden. H&ouml;ren Sie sich <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=z_0MiFnSQy8\">folgende Ausz&uuml;ge<\/a> der Pressekonferenz an und urteilen Sie selbst, wie vertrauensw&uuml;rdig diese Passagen auf Sie wirken:<\/p><blockquote><p>\n<a href=\"https:\/\/youtu.be\/z_0MiFnSQy8?t=6m5s\">Ab Minute 06:05<\/a>: Sie bagatellisiert die parteiinterne Debatte um ihre Nominierung, indem sie sagt: &bdquo;das scheint ja jetzt wohl immer dazuzugeh&ouml;ren&ldquo;. <\/p>\n<p>Sie sagt, sie (der Parteivorstand der SPD) h&auml;tten sich entschieden, dem Parteitag ein Mitspracherecht zu geben, was&nbsp;den Parteivorsitz angeht. Da scheint Frau Nahles die Statuten der Partei, an deren Spitze sie am 22. April gew&auml;hlt werden m&ouml;chte, nicht zu kennen. Das Mitspracherecht des Parteitages gibt es nicht von des Parteivorstands Gnaden, sondern das Recht des Parteitages, die oder den Vorsitzende\/n zu w&auml;hlen, ist eindeutig festgelegt.&nbsp;Es geht dabei nicht nur um ein Mitspracherecht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/youtu.be\/z_0MiFnSQy8?t=10m20s\">Ab Minute 10:20<\/a>: Eine Journalistin fragt nach, warum A. Nahles nun nicht wie geplant kommissarische Parteivorsitzende werde, ob sie den Druck (der Parteibasis?) untersch&auml;tzt habe und ob es sich um eine Vertrauenskrise handle. Nahles, der an dieser Stelle das Dauerl&auml;cheln aus dem Gesicht st&uuml;rzt, antwortet ausweichend und&nbsp;erkl&auml;rt, dass der Fokus auf dem Koalitionsvertrag und dem Mitgliedervotum liege. Mit dieser L&ouml;sung habe man sich fruchtlose (!)&nbsp;Debatten erspart und k&ouml;nne sich auf die inhaltliche Auseinandersetzung konzentrieren. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/youtu.be\/z_0MiFnSQy8?t=11m40s\">Ab Minute 11:40<\/a>: &hellip;. &ldquo;fand das schon recht aufgeregt&rdquo;, das ist ihr Kommentar zu dem Widerstand gegen eine satzungswidrige Ernennung ihrer Person zur kommissarischen Parteivorsitzenden. Dazu meinte sie dann weiter: &ldquo;haben souver&auml;n darauf reagiert&rdquo;.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/youtu.be\/z_0MiFnSQy8?t=12m20s\">Ab Minute 12:20<\/a>: &ldquo;das Mitgliedervotum geht nicht in die Hose&rdquo;<\/p>\n<p>Entlarvend ist bei dieser Pressekonferenz wie bei vielen &ouml;ffentlichen &Auml;u&szlig;erungen das, was nicht gesagt wird: Die Gegenkandidaturen (mindestens eine davon war zum Zeitpunkt der Pressekonferenz offiziell bekannt) wurden nicht einmal mit einem Halbsatz erw&auml;hnt. Man mag die Gegenkandidaturen ja f&uuml;r aussichtlos halten und die Qualit&auml;t der Kandidaten und Kandidatinnen in Zweifel ziehen, der Anstand gebietet jedoch, diese mindestens zu erw&auml;hnen.\n<\/p><\/blockquote><p>Zusammenfassend bleibt zu sagen: all die Mitglieder, <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42389\">die einen Brief an die Kontrollkommission der SPD geschrieben haben<\/a>, um ein Verfahren, das den Statuten der SPD entspricht, einzufordern, m&uuml;ssen sich mit diesen Aussagen von Frau Nahles geohrfeigt f&uuml;hlen. &bdquo;Aufgeregt&ldquo; sind also Mitglieder, die die Statuten beachtet wissen wollen. Das Pochen auf das g&uuml;ltige Recht wird f&uuml;r eine fruchtlose Debatte gehalten. Respekt vor den Mitgliedern und deren berechtigten Anliegen w&uuml;rde man sicher anders ausdr&uuml;cken. Und wenn Nahles auch noch ank&uuml;ndigt, das Mitgliedervotum werde &ldquo;nicht in die Hose gehen&rdquo;, kann man das f&uuml;r den in dieser Situation notwendigerweise auszustrahlenden Zweckoptimismus halten. Kann man. Freundlich und demokratisch ist dieser Umgang mit Andersdenkenden nicht.<\/p><p><strong>Zum Schluss noch einmal die Frage:<\/strong><\/p><p><strong>Gibt es ein &ouml;ffentliches Interesse an der Korrektheit innerparteilicher Abl&auml;ufe?<\/strong><\/p><p>Meines Erachtens prinzipiell ja und im konkreten Fall sowieso. Unter den herrschenden Umst&auml;nden liegt das auch im Interesse der SPD-Mitglieder, weil die SPD-F&uuml;hrung offensichtlich einer Bunkermentalit&auml;t verfallen ist, die alles f&uuml;r m&ouml;glich erscheinen l&auml;sst &ndash; so auch Unregelm&auml;&szlig;igkeiten bei der Stimmensammlung und bei der Stimmenausz&auml;hlung an der bis zum 4. M&auml;rz stattfindenden Mitgliederbefragung. Die zuvor zitierten Passagen der &Auml;u&szlig;erungen von Andrea Nahles bei der Pressekonferenz vom 13. Februar n&auml;hren dieses Misstrauen.<\/p><p><strong>SPD-Mitglieder und wir alle haben ein Interesse an der Erneuerung und nicht an der Zerst&ouml;rung der SPD<\/strong><\/p><p>Wenn alle Macht in den H&auml;nden einer Person mit der Mentalit&auml;t und mangelndem demokratischen Empfinden wie bei A. Nahles konzentriert wird und wenn der jetzige Parteivorstand und seine Bunkermentalit&auml;t best&auml;tigt wird, dann wird es die Erneuerung der SPD nicht geben.<\/p><p>Der Weg wird weiter nach unten f&uuml;hren. Das deutet sich schon in der ersten Umfrage nach den in der zitierten Pressekonferenz verk&uuml;ndeten Personal-Entscheidungen an. Die SPD ist auf 16 % abgesunken. Bei f&uuml;nf Umfragen h&auml;ngt sie zwischen 16 und 19 %, also unter den 20,5 % bei der Wahl vom 24. September 2017. Selbst bei Skepsis gegen&uuml;ber Umfragen ist die Tendenz ein Signal: Mit der Person Nahles an beiden Schaltstellen der SPD, im Vorsitz der Bundestagsfraktion und im Vorsitz der Partei, wird die SPD verlorenes Vertrauen nicht zur&uuml;ckgewinnen.<\/p><p>Das k&ouml;nnte dann gelingen, wenn wenigstens der Vorsitz der Partei von einer vertrauensw&uuml;rdigen und zukunftsweisenden Person &uuml;bernommen w&uuml;rde. Danach w&auml;re zu suchen. Das hat der SPD-Parteivorstand bisher unterlassen. Diese SPD-F&uuml;hrung will bisher keinen deutschen Corbyn. Sie wird die Suche noch lernen m&uuml;ssen.<\/p><p><strong>In dieser Situation bleibt Mitgliedern, die mit diesem aus Bunkermentalit&auml;t gespeisten Starrsinn nicht einverstanden sind, nichts anderes &uuml;brig, als bei der Mitgliederbefragung mit Nein zu stimmen.<\/strong><\/p><p>Sie haben also zwei Motive:<\/p><ol>\n<li>Die Verhinderung der Machtkonzentration in den H&auml;nden einer Person, die die Erneuerung der SPD nicht schaffen wird und auch nicht schaffen will &ndash; Andrea Nahles.<\/li>\n<li>Das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen. Es ist anders, als die von der Parteif&uuml;hrung gestartete und von den Medien aus durchsichtigen Gr&uuml;nden unterst&uuml;tzte Propaganda behauptet. Eine wirklich sozialdemokratische Handschrift tr&auml;gt diese Koalitionsabsprache nicht &ndash; von wenigen Ausnahmen abgesehen.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Es liegt in der Hand von Andrea Nahles, dieses Nein zum Koalitionsvertrag und die gravierenden Folgen zu verhindern:<\/strong><\/p><p>Sie muss auf die Kandidatur zur Parteivorsitzenden verzichten und auf die Arbeitsteilung mit einer zu suchenden Person setzen, die wirklich eine Erneuerung und zugleich die R&uuml;ckbesinnung auf die Werte und Tugenden der Sozialdemokratie einzuleiten bereit und willens ist.<\/p><p>In der Not frisst der Teufel Fliegen. Das gilt im &uuml;bertragenen Sinne auch hier.<\/p><p>P. S.: Damit Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht ganz ohne Vergn&uuml;gen in den Arbeitsalltag entlassen werden, hier noch <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/christophsieber.kabarettist\/videos\/1824785844198381\/\">ein einschl&auml;giger Link auf Christoph Sieber<\/a> zum Thema.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der Abstimmung h&auml;ngt ab, ob und welche Regierung wir bekommen, und m&ouml;glicherweise auch, ob wir auf Neuwahlen zugehen. Das betrifft alle und nicht nur SPD-Mitglieder. Deshalb m&uuml;ssen wir Transparenz und Kontrolle verlangen. Auch deshalb, weil diejenige, die im Ergebnis die Hauptbeg&uuml;nstigte oder Betroffene der Abstimmung sein wird, ein zweifelhaftes Rechtsempfinden offenbart: Andrea Nahles. Schauen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42487\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,191],"tags":[1152,1260,830,897],"class_list":["post-42487","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-spd","tag-basisdemokratie","tag-groko","tag-nahles-andrea","tag-transparenz"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42487","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=42487"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42487\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":42497,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42487\/revisions\/42497"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=42487"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=42487"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=42487"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}