{"id":4255,"date":"2009-10-12T08:54:25","date_gmt":"2009-10-12T06:54:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4255"},"modified":"2014-01-23T12:19:01","modified_gmt":"2014-01-23T11:19:01","slug":"saarland-der-gruenen-new-deal-mit-cdu-und-fdp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4255","title":{"rendered":"Saarland: Der Gr\u00fcnen-New-Deal mit CDU und FDP"},"content":{"rendered":"<p>Die Gr&uuml;nen haben sich auf ihrem Parteitag in Saarlouis-Fraulautern endg&uuml;ltig geoutet. Sie bekennen sich endg&uuml;ltig als &Ouml;ko-FDP und &bdquo;Z&uuml;nglein&ldquo; an der Waage zugunsten von Schwarz-gelb. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><blockquote><p>Die mit absoluter Mehrheit regierende CDU ist verbraucht, sie bedr&uuml;ckt die Menschen durch r&uuml;cksichtslose Machtaus&uuml;bung, missachtet B&uuml;rgervoten und verh&auml;lt sich obrigkeitsstaatlich (&hellip;)<\/p>\n<p>Die Politik der Konservativen w&auml;hrend der vergangenen zehn Jahre hat die soziale Spaltung des Landes vertieft (&hellip;) <\/p>\n<p>Wir Gr&uuml;ne wollen dem Saarland eine bessere Zukunft bieten. Dazu ist es erforderlich die CDU-Regierung abzul&ouml;sen.<\/p><\/blockquote><p> So hie&szlig; es noch im <a href=\"http:\/\/fraktion.gruene-saar.de\/pdf\/Lwp2009.pdf\">Landtagswahlprogramm [PDF &ndash; 403 KB]<\/a> der Saar-Gr&uuml;nen. <\/p><p>Obwohl es sowohl in den Programmen als auch in den Sondierungsgespr&auml;chen mit der Saar-SPD und der dortigen Linken weitgehende &Uuml;bereinstimmung gab, folgten 117 der 150 Delegierten des Parteitages dem Vorschlag des Gr&uuml;nen-Landesvorsitzenden Hubert Ulrich und stimmten f&uuml;r die erste Jamaika-Koalition. Mit 5,9 % der Stimmen und gerade 3 Abgeordneten im Landtag wollen die Gr&uuml;nen den bei der Landtagswahl am 30. August 2009 mit einem Minus von 13% abgew&auml;hlten Peter M&uuml;ller als Ministerpr&auml;sidenten des Saarlandes auf seinem Amtssessel halten. <\/p><p>Vergessen ist die Hauptbotschaft im Wahlkampf: <em>&bdquo;Zeit f&uuml;r Ver&auml;nderung&ldquo;<\/em> und das Wahlversprechen: <a href=\"http:\/\/partei.gruene-saar.de\/presse\/pm\/2009\/pm0605.pdf\"><em>&bdquo;Nach zehn Jahren konservativer Regierung brauche das Saarland dringend den Wechsel.&ldquo;<\/em> [PDF &ndash; 52.9 KB]<\/a> . <\/p><p><a href=\"http:\/\/partei.gruene-saar.de\/presse\/pm\/2009\/pm01206.pdf\"><em>&bdquo;Die CDU hatte ihre Chance&ldquo;<\/em> [PDF &ndash; 51.2 KB]<\/a> hie&szlig; es vor der Wahl und sie wird sie Dank der Gr&uuml;nen auch nach der Wahl wieder bekommen. <\/p><p>In den Medien wird von Wortbruch oder gar Wahlbetrug nicht die Rede sein. Solche Vorw&uuml;rfe sind nur f&uuml;r irgendwie geartete Formen der Zusammenarbeit mit der Linkspartei bestimmt. Schon der Hinweis auf Oskar Lafontaine reicht offenbar aus, um die L&uuml;ge zur Staatsr&auml;son zu erkl&auml;ren. <em>&ldquo;Zu diesem Mann und zu dieser Partei habe ich keinerlei Vertrauen&rdquo;<\/em> sagte Ulrich. Dass die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler der Gr&uuml;nen ihm und seiner Partei nach dieser Fahnenflucht zu den Farben Jamaikas vertrauen, unterstellt er einfach als selbstverst&auml;ndlich. Der Landesvorsitzende Ulrich hatte auf dem Parteitag sogar noch die Chuzpe zu wiederholen: <em>&bdquo;Es muss im Saarland einen echten Politikwechsel geben&ldquo;<\/em>. Aus den Stimmen f&uuml;r den Wechsel werden jetzt halt Stimmen f&uuml;r die vor den Wahlen noch als &bdquo;verbraucht&ldquo; geltende Union und f&uuml;r die wirtschaftsliberale FDP. <\/p><p>Die Linke hat damit mit ihrer Attacke auf die Gr&uuml;nen vor der Wahl Recht behalten: <em>&bdquo;Wer gr&uuml;n w&auml;hlt, wird sich schwarz &auml;rgern.&ldquo;<\/em> Der &Auml;rger d&uuml;rfte sich jetzt bei Vielen sogar in schwarz-gelb f&auml;rben. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/wer_gruen_waehlt.jpg\" alt=\"Wer Gr&uuml;n w&auml;hlt wird sich Schwarz &auml;rgern\"><\/p><p>Der Verdacht, dass die Gr&uuml;nen umfallen w&uuml;rden, war offenbar nicht unbegr&uuml;ndet. Umso heftiger muss Ulrich nat&uuml;rlich gegen diejenigen polemisieren, die schon vor der Wahl den Wortbruch vorhergesagt haben. Hubert Ulrich war schlie&szlig;lich kein unbeschriebenes Blatt, er hat Erfahrungen mit Schwarz-Gr&uuml;n: Schon 1994 lie&szlig; er sich in Saarlouis von der CDU zum Stellvertreter des Landrats w&auml;hlen.<\/p><p>Was f&uuml;r die Gr&uuml;nen im Saarland gilt, trifft auch f&uuml;r die Bundespartei zu. Wenn man die Entwicklung der Gr&uuml;nen in den letzten Jahren etwas genauer beobachtete, haben sie ihre Zuneigung zu den Konservativen und zum <em>&bdquo;b&uuml;rgerlichen&ldquo;<\/em> Lager nur noch versch&auml;mt unter der Decke gehalten. Jetzt haben Sie sich nach Hamburg endlich vollends geoutet. Und die &uuml;berwiegende Mehrheit der Delegierten in Saarlouis-Fraulautern sagte dazu,<em> &bdquo;das ist auch gut so!&ldquo;<\/em> Die Gr&uuml;nen haben sich l&auml;ngst zur &Ouml;ko-FDP gewandelt, die Unterschiede zu den Liberalen bestehen nur noch darin, dass die Gr&uuml;nen den Tierschutz und die Bio-Nahrung statt der B&uuml;rgerrechte als Spezifikum ein wenig mehr nach vorne stellen. Die Saarl&auml;ndischen Gr&uuml;nen vollziehen nur nach, was ihre Anh&auml;nger laut Umfragen schon l&auml;ngst signalisieren: Anh&auml;nger der Gr&uuml;nen bevorzugten es zu 87 Prozent, lieber mit Angela Merkel die Macht zu teilen, als gegen eine Regierung Merkel-Westerwelle <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/article4162874\/Schwarz-Gruen-ist-die-Koalition-der-Zukunft.html.\">Opposition machen zu m&uuml;ssen, berichtete die Welt<\/a> Dass nun auch noch das Tabu gegen&uuml;ber der FDP gebrochen wurde, ist nur konsequent, haben sich die Bundesgr&uuml;nen doch auch nicht gegen das Buhlen des SPD-Kandidaten Steinmeier um die FDP f&uuml;r ein Ampelb&uuml;ndnis gewehrt. <\/p><p>Den drei in den Landtag eingezogenen Abgeordneten sind von der CDU  angeblich schon zwei Ministerposten versprochen, der zu kurz gekommene dritte Mandatstr&auml;ger wird mit Sicherheit Landtagsvizepr&auml;sident mit Dienstwagen. Eine bessere Ausbeute konnte selbst die kleine FDP in ihre besten Zeiten kaum zu erzielen.<\/p><p>Die schon erzielten, angeblich schriftlich best&auml;tigten Zugest&auml;ndnisse der ausschlie&szlig;lich am Machterhalt interessierten CDU werden sich &ndash; wie in Hamburg &ndash; schon bald als <em>&bdquo;vergiftete Geschenke&ldquo;<\/em> entpuppen: Zusammenfassung von Real- und Hauptschulen, dort wo sich Hauptschulen eben ohnehin nicht mehr halten lassen und vielleicht 6 Jahre gemeinsamer Unterricht und daf&uuml;r die F&ouml;rderung von Privatschulen, wie die FDP das w&uuml;nscht und es der Gr&uuml;nen Klientel nicht unrecht ist. Die allgemeine Studiengeb&uuml;hr als nachgelagerte Geb&uuml;hr, wie bei Schwarz-Gr&uuml;n an der Elbe. &Uuml;ber den Atomausstieg wird ohnehin in Berlin und nicht im Saarland entschieden, genauso wie &uuml;ber den Steinkohlebergbau. Die Schulden des Saarlandes in H&ouml;he von 813 Millionen bei einem Haushaltsvolumen von 3,46 Milliarden Euro k&ouml;nnen mit der Steuersenkungspartei FDP sicherlich auch nicht abgebaut werden. Doch wen werden solche Kehrtwendungen noch aufregen? Von der Bedingung eines Vetos des Saarlandes im Bundesrat gegen einen sozialen Kahlschlag durch Schwarz-Gelb im Bund hat man bisher nichts geh&ouml;rt. Das w&auml;re auch &uuml;berraschend, ist doch Ulrich ein &uuml;berzeugter Verfechter der Agenda-Politik seit eh und je.<\/p><p>Der erste Test mit <em>&bdquo;Jamaika&ldquo;<\/em> zeigt, dass alle Hoffnung auf eine Mehrheit links des <em>&bdquo;b&uuml;rgerlichen&ldquo;<\/em> Lagers aufgegeben werden m&uuml;ssen. Die SPD darf nur noch die sitzengelassene Braut spielen. Dass nun die Gr&uuml;nen auch noch die letzte H&uuml;rde zur FDP &uuml;bersprungen haben, ist nur aber konsequent, hat sich die Bundespartei auch nicht gegen das Buhlen von Steinmeier um die FDP f&uuml;r ein Ampelb&uuml;ndnis gewehrt. Wer wollte sich also in der SPD &uuml;ber ein Zusammengehen der Gr&uuml;nen mit den<em> &bdquo;Liberalen&ldquo;<\/em> beschweren? <\/p><p>Der SPD-Landesvorsitzende Heiko Maas kann sich seine Ambitionen auf das Ministerpr&auml;sidentenamt nun abschminken. Beklagen kann er sich allerdings noch nicht einmal richtig,  hat doch gerade sein Parteifreund Matschie in Th&uuml;ringen vorgemacht, wie man sich gegen einen Politikwechsel und f&uuml;r die Unterst&uuml;tzung einer vom W&auml;hler abgestraften Regierung von der CDU entscheiden kann. Was die SPD in Th&uuml;ringen kann, k&ouml;nnen die Gr&uuml;nen im Saarland schon lange: Sie k&ouml;nnen nicht nur mit Schwarz, sie k&ouml;nnen sogar mit Schwarz-gelb.<\/p><p>Fehlt eigentlich nur noch, dass Platzeck in Brandenburg auch mit der CDU zusammengeht.<\/p><p>Die Methode von CDU, FDP, SPD und Gr&uuml;nen f&uuml;r eine Politik des <em>&bdquo;Weiter-so&ldquo;<\/em> (man nennt das jetzt besch&ouml;nigend <em>&bdquo;Stabilit&auml;t&ldquo;<\/em>) ist in Deutschland ziemlich einfach gestrickt: Man erkl&auml;re die Linkspartei zum leibhaftigen Teufel und Lafontaine zum Beelzebub und schon darf man jedes politische Versprechen brechen und alle Prinzipien &uuml;ber Bord werfen. Und man kann sogar sicher sein, dass die ver&ouml;ffentlichte Meinung diesen Betrug am W&auml;hler in den Himmel hebt. (So sogar die <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/politik\/deutschland\/artikel\/1\/gruene-fuer-koalition-mit-cdu-und-fdp\">taz<\/a>) <\/p><p>Man wird jetzt zwar von ganz neuen <em>&bdquo;Bewegung in den politischen Lagern&ldquo;<\/em> reden, doch in Wahrheit bewegt sich politisch gar nichts oder es gibt allenfalls kosmetische Korrekturen. Diese Methode wird so lange funktionieren, so lange man den W&auml;hlerinnen und W&auml;hlern immer noch einreden kann, es handle sich bei CDU, FDP, SPD und Gr&uuml;nen um Parteien, die wirklich unterschiedliche Konzepte vertreten.<\/p><p>Den Gr&uuml;nen k&ouml;nnte es ab jetzt so gehen, wie der SPD. Sie d&uuml;rften kleiner werden, haben aber weniger zuzusetzen als die SPD.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gr&uuml;nen haben sich auf ihrem Parteitag in Saarlouis-Fraulautern endg&uuml;ltig geoutet. Sie bekennen sich endg&uuml;ltig als &Ouml;ko-FDP und &bdquo;Z&uuml;nglein&ldquo; an der Waage zugunsten von Schwarz-gelb. 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