{"id":4260,"date":"2009-10-14T08:28:18","date_gmt":"2009-10-14T06:28:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4260"},"modified":"2014-01-23T12:16:17","modified_gmt":"2014-01-23T11:16:17","slug":"steinbruecks-brandrede-im-spd-vorstand-im-spiegel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4260","title":{"rendered":"Steinbr\u00fccks \u201eBrandrede im SPD-Vorstand\u201c im Spiegel"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Tagen haben wir mehrfach dargestellt, wie die Medien sich den Agenda-Politikern der SPD bedienen und die Sozialdemokratie in deren Richtung zu beeinflussen versuchen. Vor Tagen bediente sich die konservative Springer-Presse Steinmeiers und nun bietet das neoliberale Kampfblatt der <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,654535,00.html\">Spiegel<\/a> Steinbr&uuml;ck eine Plattform. Reiner Zufall?<br>\nWarum wurden eigentlich nicht die anderen Reden im SPD-Vorstand ver&ouml;ffentlicht? Steinbr&uuml;ck bleibt sich treu: Arrogant, ignorant, stur und ohne inhaltliches Konzept f&uuml;r eine erfolgreichere Sozialdemokratie. Alle anderen sind Schuld am Niedergang der SPD, nur er nicht. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Steinbr&uuml;ck will seiner Abwahl zuvor kommen<\/strong><\/p><p>Schon der Einstieg Steinbr&uuml;cks ist bezeichnend. Steinbr&uuml;ck wollte einer m&ouml;glichen Abwahl als stellvertretender Parteivorsitzender zuvor kommen und erkl&auml;rt pathetisch: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Nach 16 Jahren als Landesminister, Ministerpr&auml;sident und Bundesminister ist &ndash; auch als Konsequenz aus dem Wahlergebnis &ndash; der Zeitpunkt gekommen, wo ich Platz f&uuml;r J&uuml;ngere mache und aus der ersten Reihe der Politik ausscheiden m&ouml;chte. Mir war daran gelegen, Herr des Verfahrens in eigener Person zu bleiben.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Steinbr&uuml;ck k&auml;mpft also nicht f&uuml;r seine Wiederwahl als stellvertretender Parteivorsitzender, er k&auml;mpft nur noch f&uuml;r seine politische Position und dazu hat er ja den Spiegel. Dort kann er seine Angriffe gegen die Delegierten und Funktionstr&auml;ger der SPD in die Welt setzen: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Das waren 16 Jahre, in denen ich gelegentlich die Erfahrung machen durfte, dass meine Wirkungsm&ouml;glichkeiten sowohl an der viel zitierten Basis unserer Partei als auch insbesondere &uuml;ber die SPD hinaus gr&ouml;&szlig;er gewesen sind und ein positiveres Echo gefunden haben, als auf der Ebene von Delegierten und Funktionstr&auml;gern der SPD.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Steinbr&uuml;ck ignoriert sein politisches Scheitern<\/strong><\/p><p>Das ist eine kennzeichnende &Auml;u&szlig;erung gegen&uuml;ber der demokratischen Meinungsbildung in der SPD, mit deren Innenleben Steinbr&uuml;ck nie etwas zu tun haben wollte. Es reichte ihm, dass ihm seine Mitgliedschaft in der Partei zu &Auml;mtern verhalf. Das &bdquo;Echo &uuml;ber die SPD&ldquo; hinaus auf das er so stolz ist, nimmt sich allerdings v&ouml;llig anders aus als er sich das einbildet: dass er als Ministerpr&auml;sident die Landtagswahl 2005 grandios verloren hat und  mit 37,1 Prozent in NRW das schlechtestes Wahlergebnis der SPD seit 50 Jahren erzielt hat und dass er nun als Minister das historisch h&ouml;chste Wahlniederlage im Bund mit zu verantworten hat, dieses &bdquo;Echo&ldquo; wahrzunehmen, l&auml;sst seine Arroganz erst gar nicht zu.<\/p><p><strong>Steinbr&uuml;ck hat nichts begriffen und er will nicht begreifen<\/strong><\/p><blockquote><p>&bdquo;F&uuml;r mich steht die Tatsache r&auml;tselhaft im Raum, dass mitten in der gr&ouml;&szlig;ten Wirtschafts- und Finanzkrise seit Gr&uuml;ndung der Bundesrepublik Deutschland eine Mehrheit der Bev&ouml;lkerung nicht etwa kapitalismuskritisch &ndash; um nicht &ldquo;antikapitalistisch&rdquo;, mit der Gefahr von Missverst&auml;ndnissen zu sagen &ndash; gew&auml;hlt hat, sondern eine konservativ-liberale Bundesregierung, die in Teilen stramm markttheologisch orientiert ist. Ich will sagen: In einer Zeit, in der breite Teile der Bev&ouml;lkerung Augenma&szlig;, Balance, Ma&szlig; und Mitte anmahnen und dementsprechend sozialdemokratische Antworten eigentlich willkommen sein m&uuml;ssten, entzieht uns ein breites Publikum Vertrauen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Steinbr&uuml;ck leugnet also strickt, dass er und sein Staatssekret&auml;r wesentliche Triebkr&auml;fte f&uuml;r die Deregulierung der Finanzm&auml;rkte in Deutschland und damit auch f&uuml;r die Finanzkrise gewesen sind. Mit der F&ouml;rderung des &bdquo;Finanzplatzes Deutschland&ldquo; trat er sogar noch mehr in Erscheinung als die CDU und die FDP.  Er meint also, das &bdquo;breite Publikum&ldquo; h&auml;tte v&ouml;llig vergessen, wer vor der Finanzkrise Finanzminister war und zust&auml;ndig f&uuml;r die Finanzaufsicht &uuml;ber die Banken. <\/p><p><strong>Steinbr&uuml;ck sieht nur die Verluste gegen&uuml;ber CDU\/CSU und FDP <\/strong><\/p><p>Nat&uuml;rlich reicht f&uuml;r Steinbr&uuml;ck <em>&bdquo;der Hinweis auf die Chiffren Agenda 2010, Hartz IV oder auf die Rente mit 67 oder die Mehrwertsteuererh&ouml;hung &hellip; als Erkl&auml;rung (f&uuml;r die Niederlage) nicht aus&ldquo;<\/em>.<br>\n&Uuml;ber die Inhalte von 11 Jahren sozialdemokratischer Regierungspolitik verliert Steinbr&uuml;ck kein weiteres Wort. Er kommt typischerweise sofort auf die Wahlarithmetik:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Ebenso wenig taugt der Hinweis auf die 1,1 Millionen W&auml;hlerinnen und W&auml;hler, die zur Linkspartei abgewandert sind, um diesen Einbruch zu erkl&auml;ren. Denn die Verengung des Blicks auf diese 20 Prozent W&auml;hlerverlust gegen&uuml;ber 2005 thematisiert die anderen 80 Prozent des W&auml;hlerschwundes nicht. Die sind &uuml;berwiegend ins Lager der Nichtw&auml;hler gesprungen. Aber die eigentlich alarmierende Nachricht lautet, dass fast 1,5 Millionen W&auml;hlerinnen und W&auml;hler &ndash; also mehr als zur Linkspartei gegangen sind &ndash; zur CDU\/CSU und zur FDP abgesprungen sind.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Die Abwanderungen nach links und ins Lager der Nichtw&auml;hler sind f&uuml;r ihn nicht dramatisch, alarmierend sind f&uuml;r ihn die Wanderungen zur CDU\/CSU und zur FDP. Damit will er nat&uuml;rlich suggerieren, dass die SPD sich weiter auf die Union und die Liberalen zu bewegen muss, um diese Stimmen wieder zur&uuml;ckzuholen:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Im &Uuml;brigen f&auml;llt auf, dass nach diesem desastr&ouml;sen Wahlergebnis f&uuml;r die SPD mit der Folge einer schwarz-gelben Koalitionsregierung keineswegs ein Aufschrei der Emp&ouml;rung durch das Land fegt. Im Gegenteil weisen einige Umfragen nach dem 27. September eine relativ hohe Akzeptanz f&uuml;r eine schwarz-gelbe Bundesregierung auf.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Damit will er doch nichts anderes sagen, als dass die SPD sich weiter an Schwarz-gelb anpassen muss, um wieder Erfolg zu haben.<br>\nDass die SPD hat seit 2002 fast 6 Millionen Stimmen verloren und seit 1998 die Zahl ihrer W&auml;hler halbiert hat, l&auml;sst Steinbr&uuml;ck bei seinen Kalk&uuml;len allerdings au&szlig;en vor.<\/p><p><strong>Auch Steinbr&uuml;ck vertritt die Legende von der &bdquo;Sozialdemokratisierung&ldquo; der CDU<\/strong><\/p><p>Auch Steinbr&uuml;ck redet von der <em>&bdquo;Sozialdemokratisierung der christdemokratischen Parteien&ldquo;<\/em> und will damit die Tatsache bestreiten, dass sich im Gegenteil die SPD &bdquo;christdemokratisiert&ldquo; hat. Ja noch mehr, dass sie einen Kurs des Abbaus der &bdquo;sozialen Marktwirtschaft&ldquo; eingeschlagen hat, den der konservative Christdemokrat Kohl nie gewagt h&auml;tte.<\/p><p><strong>Steinbr&uuml;ck strickt sich seine Legende<\/strong><\/p><blockquote><p>&bdquo;Die sozialpolitische Kompetenz der SPD ist eine notwendige Bedingung, um eine Wahl zu gewinnen, aber keineswegs eine hinreichende. Die Kompetenzdefizite im Bereich Wirtschaft und Finanzen, die uns die Demoskopie ungeschminkt best&auml;tigt, waren von ausschlaggebender Bedeutung.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>F&uuml;r diese Kompetenzdefizite ist nat&uuml;rlich nicht der &bdquo;Super&ldquo;-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement oder der gr&ouml;&szlig;te Finanzminister aller Zeiten, Peer Steinbr&uuml;ck selbst, verantwortlich, nein daf&uuml;r sind nat&uuml;rlich nur die Partei und die Fraktion verantwortlich:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Es geht hier um eine inhaltliche und personelle Kompetenz. Und es reicht nicht, eine Person ins Schaufenster zu stellen <em>(damit meint sich Steinbr&uuml;ck nat&uuml;rlich selbst, WL)<\/em>, wenn diese in der Breite von Fraktion und Partei nicht begleitet wird oder sogar gelegentlich f&uuml;r Ausfl&uuml;ge gema&szlig;regelt wird, die angeblich einer parteipolitischen R&auml;son (wer definiert die eigentlich?) widersprechen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Steinbr&uuml;ck strickt damit &ndash; schon fast gr&ouml;&szlig;enwahnsinnig &ndash; an seiner eignen &bdquo;Helmut Schmidt-Legende&ldquo;: Der richtige Mann, aber leider in der falschen Partei.<br>\nWer hat ihm eigentlich als Finanzminister in der Fraktion widersprochen? Wo hat ihm die Partei seine Rolle als Finanzminister madig gemacht?<br>\nH&auml;tte die SPD eine Wirtschafts- und Finanzpolitik verlangt, die eine wirkliche Alternative zur angebotsorientierten, der Unternehmerlogik folgenden Politik von Clement und Steinbr&uuml;ck und Clement dargestellt h&auml;tte, dann h&auml;tten die Kompetenzwerte bei Wirtschaft und Finanzen sicherlich besser ausgesehen. Wo hat sich denn da die SPD von der Union unterschieden. Es gilt immer noch der Satz: Bei der Wahl zwischen Kopie und Original, entscheidet sich der W&auml;hler f&uuml;r das Original.<\/p><p><strong>Steinbr&uuml;ck sieht die Mehrheitsinteressen am politischen Rand<\/strong><br>\nSteinbr&uuml;ck: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Es mag sein, dass sich die SPD nach links &ouml;ffnen muss &ndash; ich w&uuml;rde eher davon sprechen, dass sich die SPD in alle gesellschaftlichen Richtungen &ouml;ffnen sollte. Aber wie dem auch sei, sie darf dabei um keinen Preis inhaltlich die Mitte aufgeben. Ich wei&szlig;, dass die &ldquo;Mitte der Gesellschaft&rdquo; ein sehr diffuser Begriff ist, &uuml;ber den man trefflich streiten kann. Aber dies &auml;ndert nichts an der nach wie vor richtigen Einsch&auml;tzung, dass genau in dieser Mitte unserer Gesellschaft Wahlen gewonnen oder auch verloren werden. Die Addition von Minderheitsinteressen f&uuml;hrt keineswegs arithmetisch zu einer politischen Mehrheit in Deutschland.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Steinbr&uuml;ck tut also gerade so, als ob die Kritik an Hartz IV, an der Rente mit 67, an der Bahnprivatisierung, an der Frage nach der sozialen Gerechtigkeit, wo es &uuml;berall Kritik von nahezu zwei Dritteln der Bev&ouml;lkerung gibt, nur Ausdruck von &bdquo;Minderheiteninteressen&ldquo; sei. Er kommt gar nicht auf die Idee die Mehrheitsinteressen in die Mitte zu r&uuml;cken, sondern er f&auml;llt auf den plumpen Trick von Union und Liberalen herein, ihre interessensbezogene, ja sogar Klientelpolitik, als Politik der Mitte und des &bdquo;b&uuml;rgerlichen Lagers&ldquo; zu besetzen.<br>\nDas kann nat&uuml;rlich so lange gelingen, so lange die SPD selbst politische Positionen, die von einer Mehrheit getragen werden, wie Steinbr&uuml;ck als <em>&bdquo;Ann&auml;herung an die politischen R&auml;nder&ldquo;<\/em> denunziert.<\/p><p><strong>Steinbr&uuml;ck verwechselt Ursache und Wirkung<\/strong><\/p><p>Steinbr&uuml;ck sieht als einen Hauptgrund der <em>&bdquo;Glaubw&uuml;rdigkeitskrise&ldquo;<\/em> der SPD den <em>&bdquo;Verfall der F&uuml;hrungskultur&ldquo;<\/em>. Dass Bundeskanzler Schr&ouml;der als Parteivorsitzender und nach ihm Franz M&uuml;ntefering als sein getreuer Unteroffizier mit ihrer &bdquo;Basta-Methode&ldquo; die F&uuml;hrungskultur in der SPD zerst&ouml;rt haben, meint er nat&uuml;rlich nicht. Nein, er spricht vom <em>&bdquo;mangelnden Stolz auf Leistungen und Errungenschaften&ldquo;<\/em> die in der Bev&ouml;lkerung <em>&bdquo;kein Bild der Verl&auml;sslichkeit und Best&auml;ndigkeit&ldquo;<\/em> geliefert h&auml;tten. Da hat die Partei also auf vielen Parteitagen alles geschluckt und zu allem applaudiert, was ihr von Schr&ouml;der und M&uuml;ntefering von oben aufgezw&auml;ngt worden ist und jetzt ist die SPD daran schuld, das kein &bdquo;Bild der Verl&auml;sslichkeit und Best&auml;ndigkeit&ldquo; entstehen konnte. Mehr kann man Ursache und Wirkung wohl kaum verkehren.<\/p><p><strong>Steinbr&uuml;ck verteidigt den Agenda-Kurs mit rhetorischen Tricks<\/strong><\/p><p>Diese Schuldverlagerung setzt Steinbr&uuml;ck als rhetorischen Trick ein, um den Agenda-Kurs zu legitimieren: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Wer glaubt, dass die SPD ein Teil an Glaubw&uuml;rdigkeit dadurch zur&uuml;ckgewinnt, dass die meisten Schilder unserer Regierungspolitik der vergangenen Jahre flugs abmontiert werden, der irrt. Die eigene Politik der vergangenen Regierungsjahre quasi zu dementieren, w&uuml;rde das Bild mangelnder Best&auml;ndigkeit und Kalkulierbarkeit der SPD noch viel st&auml;rker pr&auml;gen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Und um die Demagogie zur Spitze zu treiben f&uuml;gt er zur Verteidigung des Agendakurses noch hinzu: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Wer will nach den Erfahrungen aus vielen Gespr&auml;chen und Veranstaltungen stillschweigend dar&uuml;ber hinweggehen, dass die Vorg&auml;nge in Hessen einen Anteil an der Glaubw&uuml;rdigkeitskrise der SPD haben?&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Steinbr&uuml;ck will also vergessen machen, dass gerade der agenda-kritische Kurs von Andrea Ypsilanti bei der regul&auml;ren Landtagswahl dazu gef&uuml;hrt hat, dass die SPD mit 36,7 % nicht nur 7,8% hinzugewonnen, sondern sogar bis auf eine Stelle hinter dem Komma auf Koch aufschlie&szlig;en konnte.<br>\nHat nicht gerade auch Steinbr&uuml;ck mit seinen Quersch&uuml;ssen etwa bei Maybritt Illner gegen Ypsilanti zu den &bdquo;Vorg&auml;ngen in Hessen&ldquo; beigetragen, hat er nicht &ndash; wie man aus manchen Runden &uuml;ber die Unternehmenssteuerreformen erleben konnte &ndash; aller Welt signalisiert, dass er mit Koch besser kann als mit Ypsilanti?<br>\nHat er als stellvertretender Parteivorsitzender nicht mit dazu beigetragen, dass es in Hessen nicht zu einem Machtwechsel kommen konnte?<br>\nAber, f&uuml;r Steinbr&uuml;ck gilt: Schuld sind immer die Anderen.<\/p><p><strong>Steinbr&uuml;ck sieht die Ursachen der Organisationskrise der SPD nicht<\/strong><\/p><p>Steinbr&uuml;ck sieht jedenfalls <em>&bdquo;keine Notwendigkeit, jetzt in einen neuen programmatischen Entwurf einzusteigen. Die Krise der SPD ist zuallererst in meinen Augen eine F&uuml;hrungskrise und eine Krise der Organisation &hellip; Die ehrliche Bestandsaufnahme zur Parteiorganisation lautet, dass von den Landes- und Bezirksverb&auml;nden wahrscheinlich nur drei oder vier als intakt und schlagkr&auml;ftig beurteilt werden k&ouml;nnen.&ldquo;<\/em><br>\nAuch bei dieser richtigen Bestandsaufnahme bel&auml;sst es Steinbr&uuml;ck bei einer Schuldzuweisung. Auf die Frage, warum die Landes- und Bezirksverb&auml;nde nicht mehr intakt und schlagkr&auml;ftig sind, gibt er wiederum keine Antwort. Dabei h&auml;tte er n&auml;mlich genauso ehrlich sagen m&uuml;ssen, dass mit der seit 11 Jahren autorit&auml;ren F&uuml;hrungsstruktur innerhalb der SPD die Untergliederungen der SDP nichts mehr zu sagen hatten und vor allem dass die SPD in einem Land nach dem anderen die Regierungsmacht verloren hat und damit auch die Landesverb&auml;nde ihre Bedeutung eingeb&uuml;&szlig;t haben.<\/p><p><strong>Stenbr&uuml;ck sonnt sich in Umfragewerten<\/strong><\/p><p>Dass Steinbr&uuml;ck die Summe seiner F&auml;higkeiten minus seiner Eitelkeit ist, und dass dann im Ergebnis nicht viel Positives bleibt, macht folgende Passage seiner &bdquo;Brandrede&ldquo; deutlich:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Ich sprach vorhin von der eilfertigen Abrechnung mit M&uuml;ntefering, Steinmeier und mir in der Sitzung des Berliner Landesverbandes. Ich kann mir nicht ganz verkneifen &ndash; wohl wissend um das Risiko, als eitel missverstanden zu werden &ndash; darauf hinzuweisen, dass es exakt diese drei Personen sind, die bei Umfragen zur Wertsch&auml;tzung von Politikern die f&uuml;hrenden Positionen f&uuml;r die SPD einnehmen. Das ber&uuml;hrt einen schon merkw&uuml;rdig, wenn man selbst in Umfragen f&uuml;r die SPD offensichtlich eine gewisse Wirkungsm&ouml;glichkeit oder Anerkennung findet, und dies in den eigenen Gremien offenbar v&ouml;llig irrelevant f&uuml;r eine erfolgreiche Aufstellung der SPD ist. Dies war und bleibt mir ein R&auml;tsel.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Lieber Peer Steinbr&uuml;ck, dieses R&auml;tsel ist leicht zu l&ouml;sen: Bei nahezu allen Umfragen, wird zuerst danach gefragt, wer von den meist vorgegebenen Personen als politisch &bdquo;wichtig&ldquo; eingesch&auml;tzt wird und danach wird deren Beliebtheit bewertet. Dass da au&szlig;er den von Steinbr&uuml;ck Aufgez&auml;hlten nicht mehr viele andere vorgegeben werden, versteht sich von selbst. Man schaue sich nur einmal im Politbarometer an, wer da aufgef&uuml;hrt wird: Es sind die Minister und die Parteivorsitzenden. Steinbr&uuml;ck h&auml;tte besser einmal danach gefragt, warum Steinmeier, Steinbr&uuml;ck und M&uuml;ntefering gegen&uuml;ber Merkel oder zu Guttenberg so schlecht abgeschnitten haben.<br>\nDiese Argumentation von Steinbr&uuml;ck belegt eigentlich nur, wie sehr sich Politiker von solchen Umfragen in ihrer Eitelkeit best&auml;tigen wollen. Der Beweis, wie wenig solche Umfragen etwas mit der &bdquo;Anerkennung&ldquo; der Leistung von Politikern zu tun hat, wird im sp&auml;testens bei n&auml;chsten Politbarometer geliefert werden: Da wird er n&auml;mlich gar nicht mehr auftauchen.<\/p><p><strong>Steinbr&uuml;cks &bdquo;Brandrede&ldquo; im Spiegel endet als Armutszeugnis<\/strong><\/p><p>Das Fazit, das Steinbr&uuml;ck in seiner Rede zieht, ist &ndash; wieder typisch f&uuml;r ihn &ndash; rein technischer Natur: Verfall der F&uuml;hrungsautorit&auml;t stoppen, Verj&uuml;ngung, &Ouml;ffnung, Mitte erreichen, Organisationsreform, gro&szlig;es Bewegungsthema finden.<\/p><p>Zu einer inhaltlichen Bestimmung der SPD sagt er nichts, au&szlig;er dass <em>&bdquo;mit dem R&uuml;ckfall auf ein blo&szlig; alimentierendes Verst&auml;ndnis von Sozialpolitik (nach dem Motto &ldquo;viel hilft viel&rdquo;) &hellip; die SPD keine Kompetenz zur&uuml;ckgewinnen&ldquo;<\/em> wird.<br>\nDiese Abwertung der Sozialpolitik als blo&szlig;e &bdquo;Alimentierung&ldquo; macht deutlich, dass Steinbr&uuml;ck bis heute nicht verstanden hat, was den Sozialstaat eigentlich ausmacht, n&auml;mlich einen Staat der nicht alimentiert, sondern  der in seinem Handeln soziale Sicherheit und soziale Gerechtigkeit anstrebt, um die Teilnahme aller an den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen zu gew&auml;hrleisten.<\/p><p>Steinbr&uuml;ck ist sich eben in seiner Grundhaltung treu geblieben. Schon vor Jahren hat er in der <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2003\/47\/Steinbr_9fck\">Zeit<\/a> bekannt: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Soziale Gerechtigkeit muss k&uuml;nftig hei&szlig;en, eine Politik f&uuml;r jene zu machen, die etwas f&uuml;r die Zukunft unseres Landes tun: die lernen und sich qualifizieren, die arbeiten, die Kinder bekommen und erziehen, die etwas unternehmen und Arbeitspl&auml;tze schaffen, kurzum, die Leistung f&uuml;r sich und unsere Gesellschaft erbringen. Um die &ndash; und nur um sie &ndash; muss sich Politik k&uuml;mmern.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Und genau diese Einstellung hat dazu beigetragen, dass er und die SPD dort gelandet sind, wo sie heute stehen.<\/p><p>Der Abdruck dieser so genannte &bdquo;Brandrede&ldquo; war vom Spiegel sicherlich gedacht als ein hoch zu lobendes politisches Verm&auml;chtnis des Peer Steinbr&uuml;ck, die Rede lenkt die Kritik von der Person Steinbr&uuml;ck auf die SPD als Partei und sie soll dazu dienen, die Sozialdemokraten davon abzuhalten, dass sie den Kurs ihrer Regierungszeit &uuml;berdenken und inhaltlich aufarbeiten.<br>\nBei n&auml;herem Hinsehen belegt die Rede Steinbr&uuml;cks nur, dass er borniert an seinem Kurs festh&auml;lt, dass er Fehler ausschlie&szlig;lich bei anderen sucht, dass er eitel ist und ausschlie&szlig;lich sich selbst und sein vorausgegangenes Tun verteidigt, dass er offenbar ausschlie&szlig;lich instrumentell und in organisatorischen Kategorien denken kann und dass er nicht in der Lage ist, einen konkreten inhaltlichen Beitrag f&uuml;r ein Zukunftskonzept einer erfolgreichen Sozialdemokratie zu leisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Tagen haben wir mehrfach dargestellt, wie die Medien sich den Agenda-Politikern der SPD bedienen und die Sozialdemokratie in deren Richtung zu beeinflussen versuchen. Vor Tagen bediente sich die konservative Springer-Presse Steinmeiers und nun bietet das neoliberale Kampfblatt der <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,654535,00.html\">Spiegel<\/a> Steinbr&uuml;ck eine Plattform. 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