{"id":4265,"date":"2009-10-16T09:44:50","date_gmt":"2009-10-16T07:44:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4265"},"modified":"2014-01-23T12:13:37","modified_gmt":"2014-01-23T11:13:37","slug":"herbstgutachten-der-institute-sparen-ueber-alles","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4265","title":{"rendered":"Herbstgutachten der Institute: Sparen \u00fcber alles"},"content":{"rendered":"<p>Die deutschen Mainstream-&Ouml;konomen bleiben stur bei ihrem Motto: Die Wirklichkeit muss sich unserer Theorie anpassen und nicht die Theorie an die Wirklichkeit. Obwohl sich die deutsche Wirtschaft nur langsam aus der Krise erholt und noch hohe Risiken bestehen, wird in dem Gutachten nicht &uuml;ber zus&auml;tzliche Ma&szlig;nahmen zur weiteren St&uuml;tzung der Konjunktur und des Wachstums nachgedacht, sondern im Gegenteil der Ausstieg aus einer expansiven Wirtschaftspolitik f&uuml;r sp&auml;testens 2011 empfohlen. Ausgabenk&uuml;rzungen vor allem bei den Sozialversicherungen seien alternativlos. Die &bdquo;kleinen Leute&ldquo; sollen also die Opfer f&uuml;r die Finanzkrise erbringen. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Die Eckdaten vorweg: <\/strong><\/p><p>Alles in allem rechnen die Konjunkturforschungsinstitute in ihrem gestern vorgelegten Herbstgutachten f&uuml;r das Jahr 2010 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,2 %. Die Zahl der Arbeitslosen d&uuml;rfte im Jahresdurchschnitt um rund 800.000 Personen auf 4,1 Millionen ansteigen. <\/p><p><strong>Ein Gutachten wie das andere<\/strong><\/p><p>Im Fr&uuml;hjar 2008 empfahlen die Gutachter:<\/p><p><em>&bdquo;Im Interesse von mehr Wachstum und Besch&auml;ftigung sollte die Finanzpolitik eine Strategie der &bdquo;qualitativen Konsolidierung&ldquo; verfolgen&hellip; Bei einer Fortsetzung der Ausgabendisziplin und bei mehr Ehrgeiz bei dem Abbau von Subventionen entst&uuml;nden weitere M&ouml;glichkeiten, das Wirtschaftswachstum zu f&ouml;rdern.&ldquo; <\/em>(S. 64; <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_imk_report_28_2008.pdf\">Fr&uuml;hjahrsgutachten 2008 [PDF &ndash; 9.7 MB]<\/a>)<\/p><p>Im Herbst 2009 hei&szlig;t es:<\/p><p><em>&bdquo;Durch qualitative Konsolidierung (&Auml;nderung der Einnahmen- und Ausgabenstruktur) k&ouml;nnte die Finanzpolitik zudem &ndash; neben anderen Politikbereichen &ndash; dazu beitragen, die<br>\nWachstumskr&auml;fte zu st&auml;rken. (S. 69)&hellip; Daher sollte die Bundesregierung vorrangig auf der Ausgabenseite und an den Steuerverg&uuml;nstigungen ansetzen,um die Haushalte zu konsolidieren&rdquo;<\/em> (S. 8; <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_imk_report_42_2009.pdf\">Herbsgutachten 2009 [PDF &ndash; 5.7 MB]<\/a>)<\/p><p>Zwischen diesen beiden Zitaten aus den Konjunkturgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute liegen eineinhalb Jahre. 2008 als die Welt noch in Ordnung war und eine Zunahme des realen Bruttoinlandproduktes um 0,4 Prozentpunkte auf immerhin noch 1,8% vorhergesagt wurde und 2009 wo von einem Konjunktureinbruch um 5% ausgegangen wird.<\/p><p>Egal, ob die Konjunktur wenigstens einigerma&szlig;en stabil ist oder ob sie dramatisch einbricht, Sparen und Ausgabenk&uuml;rzungen stehen f&uuml;r die Konjunkturforschungsinstitute immer an oberster Stelle. Zusammenfassend schlagen sie vor, j&auml;hrlich 12 Milliarden Euro, insgesamt 70 Milliarden Euro einzusparen um das &bdquo;strukturelle Defizit&ldquo; auszugleichen, um die <em>&bdquo;Regeln, die f&uuml;r die Finanzpolitik in Deutschland gelten&ldquo;<\/em> (S. 62) also vor allem die verfassungsrechtlich festgelegte Schuldenbremse zu erreichen und um den europ&auml;ischen Stabilit&auml;tspakt (3-Prozent-Grenze) einzuhalten. Eine &ouml;konomische Begr&uuml;ndung konnte man sich ersparen, man hat ja inzwischen die <em>&bdquo;Regeln&ldquo;<\/em>.<\/p><p><strong>Konjunkturprogramme in der Vergangenheit waren gut, aber jetzt nichts wie raus <\/strong><\/p><p>Nun will ich die Schuldenbelastung alles andere als besch&ouml;nigen. Ein Budgetdefizit im Jahr 2009 von 76 Milliarden Euro (3,2% in Relation zum BIP) und von 127 Milliarden Euro  (5,1 in Relation zum nominalen BIP) im Jahr 2010 ist schon dramatisch. Widerspr&uuml;chlich ist aber die Diskrepanz zwischen der im Gutachten beschriebenen heilsamen Wirkung der erh&ouml;hten Schuldenaufnahme und der jetzt schon f&uuml;r das Jahr 2011 geforderten Exit-Strategie aus einer konjunktur- und wachstumsf&ouml;rdernden Fiskalpolitik.<\/p><p>Da werden zwar &ndash; ganz entgegen der Verdammung staatlicher Ankurbelung der Konjunktur in  fr&uuml;heren Gutachten &ndash; die<em> &bdquo;zunehmend anregenden Wirkungen der staatlichen Konjunkturprogramme<\/em>&ldquo; gelobt. 1,4% des nationalen Bruttoinlandproduktes h&auml;tten die &bdquo;fiskalpolitischen Impulse&ldquo; gebracht und 1,7% sogar noch im kommenden Jahr. Und da werden nat&uuml;rlich die <em>&bdquo;Garantien sowie Kapitalspritzen&hellip;f&uuml;r private <strong>Bankguthaben<\/strong>(?)&ldquo;<\/em> (S. 35) als unerl&auml;sslich eingestuft. (40 Milliarden Euro allein an Eigenkapitalhilfen an den Bankensektor.)<\/p><p>Da wird des Weiteren aber festgestellt, das sich <em>&bdquo;die deutsche Wirtschaft&hellip;nur langsam aus der Krise bewegt&ldquo;<\/em> und dass nur mit einer<em> &bdquo;z&ouml;gerlichen Erholung&ldquo;<\/em> zu rechnen sei und dass <em>&bdquo;endogene Auftriebskr&auml;fte nur allm&auml;hlich sp&uuml;rbar (werden), so dass die Konjunktur im Prognosezeitraum auf wirtschaftspolitische Unterst&uuml;tzung angewiesen bleibt&ldquo;<\/em>. (S. 8) Im gleichen Atemzug aber halten es die Institute f&uuml;r geboten<em> &bdquo;bereits jetzt &uuml;ber Strategien (zu) entscheiden, wie die die au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Ma&szlig;nahmen, mit denen die Finanzkrise und die Rezession bek&auml;mpft wurden, beendet werden sollen, um negativen Effekten f&uuml;r die gesamtwirtschaftliche Entwicklung vorzubeugen&hellip; Beginnen sollte man mit dem Abbau des strukturellen Defizits im Jahr 2011&ldquo;<\/em>. Der Ausstieg aus der expansiven Wirtschaftspolitik m&uuml;sse auf jeden Fall schon jetzt vorbereitet werden, eine fr&uuml;he Ank&uuml;ndigung der Ausstiegsstrategien sei zwingend erforderlich. <\/p><p><strong>Aus einem konjunkturellen Defizit wird pl&ouml;tzlich ein &bdquo;strukturelles&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die Belebung der Wirtschaft wird zu einem betr&auml;chtlichen Teil auf staatliche St&uuml;tzungsma&szlig;nahmen zur&uuml;ckgef&uuml;hrt und die Europ&auml;ische Kommission veranschlagt den Bankenrettungsschirm  und die Konjunkturprogramme auf 2,7% bis 5,8% in Relation zum Bruttosozialprodukt.<em> &bdquo;Die Ausgaben des Staates d&uuml;rften im Jahr 2009 um knapp 5 % und damit wesentlich rascher als im Jahr 2008 steigen. Zum gro&szlig;en Teil ist dies bedingt durch die konjunkturpolitischen Ma&szlig;nahmen&ldquo; <\/em>hei&szlig;t es w&ouml;rtlich in dem Gutachten.<\/p><p>Aber im Empfehlungsteil erkl&auml;ren die Forscher urpl&ouml;tzlich diese eindeutig konjunkturell bedingten Defizite zu einem &bdquo;strukturellen Defizit&ldquo;, das &bdquo;deutliche vermindert&ldquo; werden m&uuml;sse.<\/p><p><strong>Das Mantra des ausgeglichenen Haushalts<\/strong><\/p><p><em>&bdquo;Einem raschen Aufschwung stehen &hellip;erhebliche Bremskr&auml;fte entgegen&ldquo;<\/em>,<em> &bdquo;ein starkes exportgetriebenes Wachstum f&uuml;r Deutschland (ist) nicht erwarten. Zudem d&uuml;rfte sich die Lage am Arbeitsmarkt versch&auml;rfen, was nicht nur die Einkommen der privaten Haushalte schm&auml;lert, sondern auch ihre Unsicherheit erh&ouml;ht und so den bisher relativ robusten privaten Konsum belastet. Schlie&szlig;lich ist die Bankenkrise noch nicht &uuml;berwunden.&ldquo;<\/em><\/p><p>Trotz all dieser unerfreulichen Aussichten soll aber blo&szlig; nicht &uuml;ber zus&auml;tzliche Ma&szlig;nahmen zur weiteren St&uuml;tzung der Konjunktur und des Wachstums nachgedacht werden, sondern als Hauptziel wird das Sparen ausgegeben. Das Mantra des &bdquo;ausgeglichenen Haushalts&ldquo; steht &uuml;ber allem.<\/p><p><strong>Sparen wollen ist nicht gleich sparen k&ouml;nnen<\/strong><\/p><p>Nichts gegen sparen, aber haben die &bdquo;Forscher&ldquo; etwa aus der Zeit des <em>&bdquo;Sparkommissars&ldquo;<\/em> Eichel nicht wenigstens gelernt, dass in konjunkturell schwachen Zeiten sparen nur zu noch mehr Verschuldung f&uuml;hrt. Hat das Gutachten &uuml;berhaupt noch den Namen <em>&bdquo;Konjunktur&ldquo;<\/em>-Prognose verdient, wenn es in dieser nach wie vor rezessiven Phase keinerlei finanz- und wirtschaftpolitische Vorschl&auml;ge macht, wie man aus der Krise schneller herauskommen k&ouml;nnte, und wenn es schon beim ersten Hoffnungsschimmer wieder in das alte Schema verf&auml;llt, was da lautet: Senkung der Staatsquote, sparen und Senkung der &bdquo;Abgaben&ldquo;. F&uuml;r die Institute gibt es aber zu &bdquo;einer nachhaltigen Konsolidierung der &ouml;ffentlichen Haushalte keine Alternative.&ldquo; <\/p><p><strong>Steuererh&ouml;hungen als Tabu<\/strong><\/p><p>Von Steuererh&ouml;hungen zur Kompensation der angeblich &bdquo;strukturellen Defizite&ldquo; wird nat&uuml;rlich dringend abgeraten: <em>&bdquo;Eine gr&ouml;&szlig;ere Belastung mit Steuern und Sozialabgaben w&uuml;rde die Arbeitskosten erh&ouml;hen und die Arbeitsnachfrage d&auml;mpfen. Zudem w&uuml;rden die Anreize zu arbeiten und zu investieren verringert.&ldquo;<\/em><\/p><p>Und: <\/p><p><em>&bdquo;Ein erhebliches Mehraufkommen k&ouml;nnte nur erzielt werden, wenn dieser Spitzensteuersatz schon bei deutlich niedrigeren Einkommen, z.B. 52882 Euro (Ledige) 105764 Euro (Verheiratete) greifen w&uuml;rde. Dies d&uuml;rfte aber infolge geringerer Leistungsanreize negativ auf Wachstum und Besch&auml;ftigung wirken.&ldquo;<\/em> (S. 71)  An eine deutliche Anhebung des Spitzensteuersatzes bei h&ouml;heren Einkommensgrenzen wird allerdings nicht gedacht.<\/p><p>Und nat&uuml;rlich wird nur die Einkommens- und die Mehrwertsteuer ins Auge gefasst und nicht etwa auch die Verm&ouml;gens- oder Erbschaftssteuer. Im Gegenteil bei der Unternehmensbesteuerung und bei der Erbschaftssteuer sehen die Gutachter einen dringenden Korrekturbedarf. Vor allem die sog. <em>&bdquo;Zinsschranke&ldquo;<\/em>, mit der verhindert werden sollte, dass Verluste von neu gekauften Firmen mit den eigenen Gewinnen zu verrechnet werden konnten, also die B&auml;ndigung der <em>&bdquo;Heuschrecken-Plage&ldquo;<\/em> soll wieder abgeschafft werden. Von einer Anhebung der Verm&ouml;genssteuer oder einer Verm&ouml;gensabgabe ist gar nicht erst die Rede.<\/p><p>Aber immerhin lehnen die Gutachter eine Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer ab. <\/p><p>Nur an einer Stelle wird angerissen, den Finanzsektor, der die Finanzkrise ausgel&ouml;st habe, st&auml;rker zu besteuern. Ein konkreter Vorschlag dazu fehlt allerdings.<\/p><p>Es wird also wieder die alte Leier gespielt: Staatsquote senken, Unternehmenssteuern senken, niedrige Abgaben (&bdquo;Lohnnebenkosten), das erh&ouml;ht die Investitionsbereitschaft (Wo war die eigentlich in Zeiten des Unternehmenssteuer-Senkungswahn?) und das schafft Anreize f&uuml;r die Leistungstr&auml;ger.<\/p><p><strong>Gegen Steuersenkungen auf Pump<\/strong><\/p><p>Immerhin einen kleinen D&auml;mpfer bekommen die Steuersenkungsenthusiasten ab. Zwar werden Steuersenkungen f&uuml;r m&ouml;glich gehalten, sie seien aber &bdquo;<em>nur dann m&ouml;glich, wenn auf der Aufgabenseite noch mehr gespart wird, als bei gegebener Abgabenquote zum Abbau des strukturellen Defizits n&ouml;tig ist&ldquo;<\/em>. Steuersenkungen auf Pump werden von den Gutachtern abgelehnt:<em> &bdquo;Durch Kredite finanzierte Steuersenkungen w&uuml;rden sich auf Dauer als sehr teuer erweisen, da aufgrund des gestiegenen Schuldenstandes die Zinszahlungen zunehmen w&uuml;rden und wom&ouml;glich die Zinsen steigen. Steuersenkungen m&uuml;ssten also finanziert werden.&ldquo;<\/em><\/p><p>Wie Wirtschaftsminister zu Guttenberg aus diesen Gutachten &bdquo;<em>Handlungsspielr&auml;ume<\/em>&ldquo; f&uuml;r Steuersenkungen herausgelesen hat, bleibt sein Geheimnis. <\/p><p><strong>Die Sparopfer<\/strong><\/p><p>Wo sollen aber die Milliarden eingespart werden. Auch da bleiben sich die Konjunkturforschungsinstitute treu: nat&uuml;rlich bei den <strong>Sozialversicherungen<\/strong>. <em>&bdquo;Der Sparkurs ist auf die sog. konsumtiven Ausgaben zu konzentrieren&ldquo;<\/em><\/p><p>Im <strong>Gesundheitssystem<\/strong> sehen sie Effizienzreserven zwischen 5 und 10 Milliarden. (Leider sagen sie nicht wo.)<\/p><p>Bei der <strong>Arbeitslosenversicherung<\/strong> k&ouml;nnten K&uuml;rzungen bei arbeitsmarktpolitischen Ma&szlig;nahmen vorgenommen werden. <em>&bdquo;Dar&uuml;ber hinaus k&ouml;nnte der Zeitraum, f&uuml;r den maximal Arbeitslosengeld bezogen werden kann, auf einheitlich 12 Monate festgesetzt werden. Alles in allem w&auml;ren Einsparungen in einer Gr&ouml;&szlig;enordnung von 3,0 Mrd. Euro realisierbar.&ldquo;<\/em><\/p><p>Und die (Wieder-) Anhebung des Beitragssatzes f&uuml;r die Arbeitslosenversicherung ab 2011 statt auf 3% auf 3,3% br&auml;chte Mehreinnahmen von 2,5 Milliarden Euro.<\/p><p>Bei den <strong>Renten<\/strong> sollen die <em>&bdquo;unterbliebenen K&uuml;rzungen in den Jahren 2012 und 2013 nachgeholt werden&hellip; Zudem sollte eine Rentenk&uuml;rzung im Juli 2010 dann nicht unterbleiben, wenn der Durchschnittslohn im Jahr 2009 sinkt.&ldquo;<\/em><\/p><p>Au&szlig;erdem soll die &Ouml;ffentliche Hand bei den <strong>Personal- und Sachausgaben<\/strong> sparen: <em>&bdquo;Stiegen die Personalausgaben um einen Prozentpunkt schw&auml;cher als in der Basisprojektion unterstellt, sei es aufgrund niedrigerer Lohnzuw&auml;chse, sei es aufgrund eines Personalabbaus, so l&auml;gen die Personalausgaben im Jahr 2016 rund 12 Mrd. Euro niedriger als hier unterstellt.&ldquo;<\/em><\/p><p><strong>Mit den K&uuml;rzungen bei den Sozialversicherungen k&ouml;nnten 30 Milliarden eingespart werden.<\/strong><\/p><p>Weitere 33 Milliarden k&ouml;nnten durch <strong>Subventionsk&uuml;rzungen<\/strong>, wie sie damals in der ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigten Koch-Steinbr&uuml;ck-Liste vorgeschlagen wurden, gespart werden. <\/p><p>Sie erinnern sich vielleicht u.a. haben Ministerpr&auml;sident Koch und Finanzminister Steinbr&uuml;ck schon 2003 etwa die Abschaffung der Eigenheimzulage, die Arbeitnehmersparzulage oder die <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,267849,00.html\">Pendlerpauschale vorgeschlagen<\/a>. Subventionsk&uuml;rzungen h&ouml;ren sich immer sehr gut an, da ist jeder daf&uuml;r. Nur, meistens sind da nicht die Subventionen gemeint, die bei Unternehmen landen und zu Wettbewerbsverzerrungen f&uuml;hren, sondern dahinter verstecken sich meist Eingriffe in die Taschen der kleinen Leute.<\/p><p>An die 40 Milliarden Euro &bdquo;Subventionen&ldquo;, die etwa an die Banken allein als Eigenkapitalhilfen bekommen haben, ist dabei nat&uuml;rlich nicht gedacht. <\/p><p>Dasselbe gilt auch f&uuml;r die Forderung der Forschungsinstitute nach einem Abbau der <strong>Steuerverg&uuml;nstigungen<\/strong> in H&ouml;he von 30 Milliarden Euro. Auch die steuerliche Beg&uuml;nstigung von Nacht- und Feiertagszuschl&auml;gen z&auml;hlen etwa dazu und viele andere Dinge mit denen der &bdquo;kleine Mann&ldquo; wenigstens ein paar Euro Steuerr&uuml;ckerstattung vom Finanzamt erh&auml;lt.<br>\nObwohl die Institute ansonsten gegen Steuererh&ouml;hungen sind, darf die <strong>Steuerbelastung<\/strong> an dieser Stelle durchaus um 30 Milliarden zunehmen. (Das ist &uuml;brigens fast soviel, wie die FDP durch ihr Stufenmodell als Steuererleichterung an die Leistungstr&auml;ger vergeben will.) <\/p><p><strong>Hoffnung auf die schwarz-gelbe Koalition<\/strong><\/p><p>Wohin die Vorstellungen der Gutachter gehen, wird auch dadurch belegt, wor&uuml;ber sich die Gutachter &ndash; an die Adresse der alten Bundesregierung gerichtet &ndash; beklagen:<br>\nDa sei der Grund- und der Kinderfreibetrag angehoben worden, da sei Einkommensteuer r&uuml;ckerstattet worden, da sei die alte Regelung bei der Pendlerpauschale wieder hergestellt worden, da seien die Renten und die Regels&auml;tze beim Arbeitslosengeld, bei der Grundsicherung im Alter sowie bei Sozialhilfeleistungen angehoben worden usw.<br>\nAlle Hoffnungen setzen die Forschungsinstitute auf die neue Bundesregierung: <em>&bdquo;Es sollte einer neuen Bundesregierung m&ouml;glich sein, Fehler zu korrigieren, die in den vergangenen Jahren gemacht wurden, welche die Aussichten f&uuml;r Wachstum und Besch&auml;ftigung oder die Tragf&auml;higkeit der &ouml;ffentlichen Finanzen beeintr&auml;chtigen. Beispiele f&uuml;r solche Fehler sind die R&uuml;cknahme einiger Arbeitsmarktreformen, die Einf&uuml;hrung von Mindestl&ouml;hnen, die Eingriffe in die Rentenformel und die Einf&uuml;hrung neuer Steuerverg&uuml;nstigungen.&ldquo; <\/em>(S. 62)<\/p><p><strong>Wer zahlt f&uuml;r die Krise?<\/strong><\/p><p>Die Linie der Gutachter ist also hinter viel Wortgeklingele ziemlich klar: F&uuml;r die Verschuldung f&uuml;r Bankenrettung und f&uuml;r die Konjunkturprogramme zur Rettung aus der dadurch ausgel&ouml;sten Wirtschaftskrise zahlen die Kleinen, die Schichtarbeiter, die Pendler, die kleinen Sparer und vor allem auch diejenigen, die auf Leistungen aus den Sozialversicherungen angewiesen sind, also die &Auml;rmsten der Armen.<\/p><p>In einem Anfall von R&uuml;hrseligkeit schreiben die Gutachter: &bdquo;Es mag schwierig sein, dies zu vermitteln. Denn es bedeutet letztlich, dass die B&uuml;rger bereit sein m&uuml;ssen, ihre Anspr&uuml;che an den Staat zumindest nicht zu erh&ouml;hen. Sind sie es nicht, gibt es keinen anderen Weg, als die Steuern zu erh&ouml;hen.&ldquo; (S.62)<\/p><p>Kein Wunder, dass die Unternehmerverb&auml;nde das Gutachten bejubeln: &bdquo;Das Gutachten sei eine Handlungsempfehlung f&uuml;r die Koalitionsverhandlungen, erkl&auml;rten der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverb&auml;nde (BDA). Arbeit und Wirtschaft d&uuml;rften nicht zus&auml;tzlich belastet werden. Deutschland m&uuml;sse seine &ouml;ffentlichen Haushalte auf der Ausgabenseite konsolidieren und krisenversch&auml;rfende Elemente der <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article4857662\/Jetzt-sieht-Guttenberg-mehr-finanziellen-Spielraum.html\">Unternehmenssteuerreform beseitigen<\/a>.&ldquo; Besser kann man das Herbstgutachten nicht zusammenfassen.<\/p><p><strong>Was angesichts von Schwarz-gelb im Gutachten fehlen kann<\/strong><\/p><p>Interessant ist vielleicht noch, was im diesj&auml;hrigen Gutachten im Vergleich zu den vorausgegangenen fehlt:<br>\nDie obligatorische Ablehnung eines allgemeinen Mindestlohns konnten sich die Gutachter ersparen, da konnten sie davon ausgehen, dass dieser mit der neuen Regierung ohnehin nicht kommt.<br>\nAuch der Appell f&uuml;r &bdquo;moderate&ldquo; Lohnabschl&uuml;sse fehlte diesmal. Die Forschungsinstitute gingen einfach davon aus, dass &bdquo;der Lohnanstieg deutlich geringer ausfallen&ldquo; wird, ein R&uuml;ckgang von 0,6% wird vorhergesagt. <\/p><p><strong>Das &ouml;konomische Dogma verdr&auml;ngt die Erfahrung<\/strong><\/p><p>Auch hier zeigt sich wieder der gedankliche Bruch, der sich durch das gesamte Gutachten zieht:<br>\nZwar wird r&uuml;ckblickend festgestellt, dass <em>&bdquo;ma&szlig;gebliche Impulse&ldquo;<\/em> f&uuml;r die leichte Erholung <em>&bdquo;von der privaten Konsumnachfrage, sinkenden Energiepreisen, den hohen Lohnabschl&uuml;ssen des vergangenen Jahres, Steuersenkungen, erh&ouml;hten Transfers und wohl auch die Abwrackpr&auml;mie&hellip;bewirkt&ldquo;<\/em> h&auml;tten und zudem<em> &bdquo;die im Rahmen der beiden Konjunkturpakete bereitgestellten Mittel f&uuml;r &ouml;ffentliche Bauinvestitionen nur produktionswirksam geworden&ldquo;<\/em> seien, aber f&uuml;r die Empfehlungen f&uuml;r die Zukunft gilt das alles nicht mehr. Da soll die Wirklichkeit wieder durch das &ouml;konomische Dogma ersetzt werden und das lautet: Niedrig Staatsquote, niedrige L&ouml;hne, niedrige Transfers und blo&szlig; keine weiteren konjunkturst&uuml;tzenden Ma&szlig;nahmen.<\/p><p>Die deutschen Mainstream-&Ouml;konomen bleiben stur bei ihrem Motto: Die Wirklichkeit muss sich unserer Theorie anpassen und nicht unsere Theorie an die Wirklichkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutschen Mainstream-&Ouml;konomen bleiben stur bei ihrem Motto: Die Wirklichkeit muss sich unserer Theorie anpassen und nicht die Theorie an die Wirklichkeit. Obwohl sich die deutsche Wirtschaft nur langsam aus der Krise erholt und noch hohe Risiken bestehen, wird in dem Gutachten nicht &uuml;ber zus&auml;tzliche Ma&szlig;nahmen zur weiteren St&uuml;tzung der Konjunktur und des Wachstums nachgedacht,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4265\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[1,205,133,30],"tags":[423,453,299,392,454,455],"class_list":["post-4265","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-das-kritische-tagebuch","category-neoliberalismus-und-monetarismus","category-wichtige-wirtschaftsdaten","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-austeritaetspolitik","tag-hans-boeckler-stiftung","tag-konjunkturprogramme","tag-schuldenbremse","tag-stabilitaetspakt","tag-wirtschaftsweise"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4265","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4265"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4265\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20150,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4265\/revisions\/20150"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4265"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4265"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4265"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}