{"id":42677,"date":"2018-03-01T15:25:36","date_gmt":"2018-03-01T14:25:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42677"},"modified":"2023-08-22T14:06:19","modified_gmt":"2023-08-22T12:06:19","slug":"ich-moechte-fotos-von-ihren-aufgespiessten-koepfen-sehen-der-moerderische-drohnen-krieg-der-usa-eine-rezension","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42677","title":{"rendered":"&#8220;Ich m\u00f6chte Fotos von ihren aufgespie\u00dften K\u00f6pfen sehen&#8221; &#8211; Der m\u00f6rderische Drohnen-Krieg der USA &#8211; eine Rezension"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180301-Drohnenkrieg-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Jeden Dienstag bekam der bei den Liberalen im Westen so hoch gesch&auml;tzte US-Pr&auml;sident und Friedensnobelpreistr&auml;ger Barack Obama eine Todesliste vorgelegt, auf der er mit seiner Unterschrift die n&auml;chsten Drohnenangriffe genehmigte. In der gro&szlig;en Mehrzahl wurden und werden durch solche Drohnenangriffe friedliche Zivilisten get&ouml;tet. Ein Vorgang, der in den westlichen Medien nur selten thematisiert wird. Deshalb empfiehlt <strong>Udo Brandes<\/strong> das Buch &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/tod-per-knopfdruck\/\">Tod per Knopfdruck. Das wahre Ausma&szlig; des US-Drohnen-Terrors <em>oder<\/em> Wie Mord zum Alltag werden konnte<\/a>&rdquo; <strong>von Emran Feroz<\/strong>. Hier sein Lekt&uuml;rebericht.<br>\n<!--more--><br>\nStellen Sie sich vor, im Nachbarhaus Ihrer Wohnung lebt jemand, der vom CIA verd&auml;chtigt wird, Terrorist zu sein. Wohlgemerkt: Der verd&auml;chtigt wird, es aber nicht bewiesenerma&szlig;en ist. Aber aufgrund des Verdachtes &ndash; ohne Haftbefehl eines Staatsanwaltes, ohne Gerichtsverfahren, ohne Gerichtsurteil &ndash; wird von einer US-amerikanischen Drohne eine Rakete auf das Wohnhaus des vermeintlichen Terroristen abgeschossen. Wie ein prominenter deutscher Kabarettist es mal mit schwarzen Humor formulierte: Der vermeintliche Terrorist bekommt Anklageschrift, Urteilsverk&uuml;ndung und Hinrichtung mit einer einzigen Postzustellung. Die Rakete trifft aber nicht das angepeilte Wohnhaus, sondern das Mietshaus daneben. Alle 20 Menschen, die sich dort gerade aufhalten, werden durch die Rakete get&ouml;tet. Stellen Sie sich weiter vor, dass Sie ununterbrochen mit solchen Angriffen rechnen m&uuml;ssen und schon etliche Mitglieder Ihrer Familie durch solche Raketenangriffe umgebracht wurden und deshalb die noch lebenden Familienmitglieder unter posttraumatischen Belastungsst&ouml;rungen, Depressionen und Angstattacken leiden. Dann haben Sie eine Vorstellung davon, wie es sich in Afghanistan lebt &ndash; ein Land, das laut Definition der deutschen Bundesregierung ein &ldquo;sicheres Herkunftsland&rdquo; ist. Und es wird Ihnen d&auml;mmern, was geschehen m&uuml;sste, damit endlich, wie schon so h&auml;ufig politisch gefordert, die Fluchtursachen bek&auml;mpft werden &ndash; und dass wir davon meilenweit entfernt sind. <\/p><p>Wer das Buch des Journalisten Emran Feroz gelesen hat, der kann es eigentlich gar nicht fassen, dass unsere Medien sich einerseits auf jeden echten oder vermeintlichen Rechtsbruch der Putin-Regierung st&uuml;rzen, aber die offensichtlichen Rechtsbr&uuml;che und Verbrechen, die die US-Regierungen mit ihren Drohnenangriffen begehen, selten bis gar nicht thematisieren. Da dr&auml;ngt sich einem doch geradezu die Frage auf: Warum wundern sich die Mainstreammedien bis heute dar&uuml;ber, dass sie ihre Glaubw&uuml;rdigkeit verloren haben und von vielen nur noch als &ldquo;L&uuml;genpresse&rdquo; gesehen werden? <\/p><p><strong>&ldquo;Sie m&uuml;ssen erledigt werden&rdquo;<\/strong><\/p><p>Derzeit f&uuml;hren die USA laut Feroz in mindestens sieben Staaten einen Drohnenkrieg: N&auml;mlich in Afghanistan, Pakistan, Irak, Syrien, Jemen, Libyen und Somalia. Dies ist f&uuml;r die USA nur m&ouml;glich, weil sie &uuml;ber etwa 800 Milit&auml;rbasen im Ausland verf&uuml;gen, von denen mindestens 60 auch Drohnen-Basen sind. Feroz vermutet, dass dar&uuml;ber hinaus noch weitere Basen im Geheimen existieren. Interessant dabei ist, dass die Drohnenbombardierungen in Afghanistan mit den Attentaten vom 11. September 2001 begr&uuml;ndet wurden, obwohl kein einziger Afghane an den Attentaten beteiligt war. <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Die meisten Spuren der Attent&auml;ter f&uuml;hrten nach Saudi-Arabien, dem wichtigsten Verb&uuml;ndeten der USA im Nahen Osten&rdquo; (S. 40).\n<\/p><\/blockquote><p>Die politische Elite um Bush, so Feroz, wollte den Krieg sehen und dass Blut flie&szlig;t &ndash; und habe daraus auch keinen Hehl gemacht. Feroz zitiert dazu den damaligen Leiter der Anti-Terrorismus-Abteilung, Cofer Black. Quelle f&uuml;r dieses Zitat wiederum ist das Buch &ldquo;Bush at war. Amerika im Krieg&rdquo; des ber&uuml;hmten amerikanischen Journalisten Bob Woodward, der seinerzeit zusammen mit seinem Kollegen Carl Bernstein in der Washington Post die sogenannte Watergate-Aff&auml;re aufgedeckt hatte. Cofer Black sagte dieser Quelle zufolge:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Sie m&uuml;ssen erledigt werden. Ich m&ouml;chte Fotos von ihren aufgespie&szlig;ten K&ouml;pfen sehen. Ich m&ouml;chte, dass bin Ladens Kopf in einer mit Trockeneis gef&uuml;llten Kiste in die USA gebracht wird. Ich m&ouml;chte dem Pr&auml;sidenten bin Ladens Kopf zeigen. Das habe ich ihm versprochen&rdquo; (S. 41).\n<\/p><\/blockquote><p>So denkt und spricht die politische Klasse der USA, der F&uuml;hrungsmacht des &ldquo;Freien Westens&rdquo;, der f&uuml;r sich in Anspruch nimmt, das real existierende Synonym f&uuml;r Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit zu sein. Das ist die Realit&auml;t hinter S&auml;tzen wie <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird heute auch am Hindukusch verteidigt&rdquo; (Peter Struck im Februar 2002, damals Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Was w&auml;re, wenn die Bundeswehr ihre Waffensysteme &ldquo;Jude&rdquo; oder &ldquo;Zigeuner&rdquo; nennen w&uuml;rde? Die seltsame Namensgebung der US-Waffensysteme<\/strong><\/p><p>Ein auffallendes Ph&auml;nomen des US-Drohnenkrieges ist die Namensgebung der Waffensysteme, auf die Feroz zu Recht hinweist. Denn es dr&uuml;ckt sich dadurch eine Haltung aus:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Ein oftmals unbeachteter Aspekt der US-amerikanischen Kriegsf&uuml;hrung ist die Namensgebung der Waffensysteme. Milit&auml;r und Waffenindustrie greifen oftmals auf sehr merkw&uuml;rdige oder zumindest extravagante Namen zur&uuml;ck, wenn sie ihre Kampfhelikopter und -flugzeuge oder ihre Drohnen und Raketen taufen. Pr&auml;gnant ist etwa der (&hellip;) Name der Predator-Drohne (Predator = Raubtier; U. B. ). Das unbemannte Flugger&auml;t wird mit Raubtieren, wie sie es in der Natur gibt, gleichgesetzt. Raubtiere auf Beutezug sind Teil der Natur. Jagen und gejagt werden, das &Uuml;berleben des St&auml;rkeren sind Kategorien aus dem Tierreich der Natur. Eine Drohne, ein technologisch hochentwickeltes, von Menschenhand erschaffenes Objekt, ist jedoch etwas v&ouml;llig anderes. Es gibt hier keinen Naturkreislauf, der die Drohne oder jene, die sie lenken, dazu berechtigt, ein menschliches Individuum zur Beute zu machen, zu jagen und zu t&ouml;ten. Allerdings geschieht genau das &ndash; und deshalb ist die Namensgebung auch kein Zufall. Jene, die diese Drohnen gebaut haben und benutzen, sprich, die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, verwendet der Natur entnommene Begriffe zur Rechtfertigung von Zerst&ouml;rung und Kriegsverbrechen in fremden L&auml;ndern. Dies wird noch deutlicher, wenn man sich die andere bedeutende Drohne von CIA und Co. n&auml;her betrachtet. (&hellip;.) Sie gilt als die Jagd- und T&ouml;tungsmaschine schlechthin, weshalb sich der Name &sbquo;Reaper&rsquo;, &uuml;bersetzt &sbquo;Sensenmann&rsquo;, durchgesetzt hat (S. 34)&rdquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Feroz kritisiert in diesem Zusammenhang au&szlig;erdem, dass die US-Army f&uuml;r ihre Waffensysteme oder Eins&auml;tze Begriffe benutzt, die auf die urspr&uuml;ngliche indianische Bev&ouml;lkerung Amerikas verweisen, wenn sie beispielsweise Kampfhubschraubertypen als &ldquo;Apache&rdquo; oder &ldquo;Black Hawk&rdquo; bezeichnet, oder ein Raketensystem &ldquo;Tomahawk-Rakete&rdquo; nennt. <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;All diese Namen sind mit den Indianern, den urspr&uuml;nglichen Einwohnern des nordamerikanischen Kontinents verbunden. Die  absolute Mehrzahl der indianischen St&auml;mme wurde von wei&szlig;h&auml;utigen, europ&auml;ischen Kolonialisten ausgel&ouml;scht. Zahlreiche Verbrechen, die in der vermeintlich glorreichen Zeit des &sbquo;Wilden Westens&rsquo; stattgefunden haben, darunter ethnische S&auml;uberungen, Massenmord und Genozid, wurden in den Vereinigten Staaten bis heute nicht aufgearbeitet. (&hellip;) Der ehemalige MIT-Professor und Philosoph Noam Chomsky meinte diesbez&uuml;glich einmal, wie die Reaktion wohl ausfallen w&uuml;rde, wenn die Luftwaffe der deutschen Bundeswehr ihren heutigen Waffen Namen wie &sbquo;Jude&rsquo; oder &sbquo;Zigeuner&rsquo; geben w&uuml;rde. Dieser Aussage ist im Grunde genommen nichts hinzuzuf&uuml;gen&rdquo; (S. 35).\n<\/p><\/blockquote><p>In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass die Milit&auml;roperation zur T&ouml;tung Osama bin Ladens den Codenamen &ldquo;Geronimo&rdquo; hatte. <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Geronimo war ein H&auml;uptling der Bedonkohe-Apachen, der bis heute aufgrund seines erfolgreichen Widerstandes gegen die Kavallerie-Truppen &ndash; in seinen Augen lediglich europ&auml;ische Besatzer &ndash; als Held gefeiert wird. Jahrelang hatten ihn Tausende Soldaten und Apachen-Scouts vergeblich gesucht, bis er sich schlie&szlig;lich freiwillig ergab. (&hellip;) Dass die US-Regierung Osama bin Laden ausgerechnet mit ihrem Helden gleichsetzte, empfanden viele Indianer als gro&szlig;e Respektlosigkeit. Harlyn Gironomo, der Urenkel des Indianer-H&auml;uptlings, &uuml;bte scharfe Kritik: &sbquo;Es ist egal, ob mit der Namensgebung die Milit&auml;roperation zur T&ouml;tung Osama bin Ladens gemeint war oder ob Osama bin Laden selbst diesen Codenamen erhielt. Es war eine abscheuliche Beleidigung und ein Fehler&rsquo;, sagte er in einem Interview. Er betonte weiter, dass der Missbrauch des Namens eine extreme Verzerrung der Geschichte sei und dass damit ein bedeutender Indianerh&auml;uptling diffamiert werde. Tats&auml;chlich ist es jedoch so, dass der Held oder Freiheitsk&auml;mpfer des einen des anderen Feind, Extremist oder Terrorist ist. Und genau das war und ist Geronimo f&uuml;r die wei&szlig;en Amerikaner &ndash; ein Terrorist, genauso wie bin Laden, nachdem er den USA den Krieg erkl&auml;rt hatte&rdquo; (S. 37).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Das Protokoll eines Mordes an 21 Menschen<\/strong><\/p><p>Sehr aufschlussreich ist das (bislang einzige ver&ouml;ffentlichte) Protokoll eines Drohnenangriffes, bei dem 21 Menschen get&ouml;tet wurden. Es wurde 2011 von der Los Angeles Times publiziert, nachdem die US-Regierung gezwungen worden war, es aufgrund der Bestimmungen des Freedom of Information Acts (Gesetz zur Informationsfreiheit) freizugeben. Zun&auml;chst ein paar Zitate aus dem Protokoll. Interessant finde ich, dass die beteiligten Soldaten anfangs oft von &ldquo;Individuen&rdquo; sprechen. Meines Erachtens ein unbewusster sprachlicher Versuch der Abstraktion. Protokollauszug:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;00.45 (Pilot): Alle Player; Kirk 97, ein St&uuml;ck weit &ouml;stlich von unserem Fahrzeug haben wir eine Gruppe von acht Individuen, ein St&uuml;ck weit &ouml;stlich von diesen Individuen haben wir, was nach zwei Ausguckern aussieht, verstanden? (S. 140).&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Etwas sp&auml;ter bemerken die Soldaten, dass sich in der Gruppe, die sie beobachten, auch mindestens ein Kind befindet. Aber dies ist kein Grund, auf einen Angriff zu verzichten. Protokollauszug:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;1:07 (MC): Laut Aufkl&auml;rer ist mindestens ein Kind in der N&auml;he der SUVs.<\/p>\n<p>1:07 (Sensor): Erz&auml;hl kein *Schimpfwort gel&ouml;scht* &hellip;wo?<\/p>\n<p>1.07: (Sensor): Sende mir eine ver*Schimpfwort gel&ouml;scht* Aufnahme, ich glaube nicht, dass sie um diese Uhrzeit Kinder mit sich haben, ich wei&szlig;, das sind Schurken, aber ich bitte euch.<\/p>\n<p>1.07: (Pilot): Mindestens ein Kind &hellip;wirklich? Eingeordnet als MAM (military-aged-male {d. h. m&auml;nnlich im wehrf&auml;higen Alter; UB}) &ndash; das bedeutet, dass er schuldig ist&rdquo; (S. 142).\n<\/p><\/blockquote><p>Die Sprache der Soldaten zeigt, wie verroht sie bereits sind. Aber wie sollte es auch anders sein? Man muss verrohen, um so einer &ldquo;Arbeit&rdquo; nachzugehen. Protokollauszug: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;04.05 (Pilot): Yeah. Der Plan ist also, Mann, &auml;hm, dass wir zusehen, was da abgeht, die Helis werden so viel wie m&ouml;glich abknallen und wenn die winchestern (ihnen die Munition ausgeht), spielen wir den Putztrupp?&rdquo; (S. 143).\n<\/p><\/blockquote><p>Es folgen weitere Dialoge, die ich ausgelassen habe (UB). Dann geht es wie folgt weiter: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;04:07 (Pilot): Solange ihr jemanden im Sichtfeld behaltet, den wir abknallen k&ouml;nnen, bin ich gl&uuml;cklich&rdquo; (S. 144).\n<\/p><\/blockquote><p>Wie ging dieser Angriff aus? Es wurden 21 Menschen get&ouml;tet, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Feroz fasst wie folgt zusammen, was man aus dem Protokoll erkennen kann: <\/p><ol>\n<li>Der Pilot, der per Knopfdruck t&ouml;tet, ist kein isolierter T&auml;ter, sondern Teil eines ganzen T&ouml;tungssystems bzw. -teams, welches aus mehreren Personen besteht, die an der Operation beteiligt sind. <\/li>\n<li>Die gesammelten Informationen erwiesen sich nicht nur in dem beschriebenen Fall als falsch, sondern sind regelm&auml;&szlig;ig derma&szlig;en fehlerhaft, dass etwa Beerdigungen oder Hochzeiten bombardiert wurden.<\/li>\n<li>Die Ziele sind nicht erkennbar. Piloten und Operatoren k&ouml;nnen oftmals nicht einmal zwischen M&auml;nnern und Frauen unterscheiden. <\/li>\n<li>Eine wichtige Rolle spielt die Entmenschlichung beobachteter Ziele, die im Transkript deutlich wird. So wurde zum Beispiel versucht, f&uuml;r ein Kind die ungenaue Definition MAM (m&auml;nnliche Person im wehrf&auml;higen Alter)  durchzusetzen, um den Angriff zu legitimieren.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Deutschlands Beteiligung am Drohnenkrieg<\/strong><\/p><p>Unser Land ist in dreifacher Hinsicht in den Drohnenkrieg der USA verwickelt: <em>Erstens<\/em> ist in Deutschland seit Ende 2007 &ndash; in Stuttgart-M&ouml;hringen &ndash; das AFRICOM (United States Africa Command) stationiert. <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Konkret bedeutet dies, dass von Baden-W&uuml;rttemberg aus alle amerikanischen Milit&auml;raktionen auf dem afrikanischen Kontinent koordiniert werden mit Ausnahme von &Auml;gypten, das weiterhin zum US Central Command geh&ouml;rt. Dies betrifft vor allem den Schattenkrieg der USA, der mittels Drohnen und geheimen Eliteeinheiten in Dutzenden von afrikanischen Staaten gef&uuml;hrt wird&rdquo; (S. 164).\n<\/p><\/blockquote><p><em>Zweitens<\/em> spielt die US-Milit&auml;rbasis in Ramstein eine zentrale Rolle im US-Drohnenkrieg. <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Auf der Milit&auml;rbasis befindet sich n&auml;mlich eine Satelliten-Relaisstation, ohne die eine Kommunikation mit den unbemannten Flugzeugen in Afghanistan, Pakistan, Jemen und in allen anderen L&auml;ndern, in denen Drohneneins&auml;tze stattfinden, f&uuml;r die Drohnen-Crew unm&ouml;glich w&auml;re. (&hellip;) Die Signale der Drohnenoperatoren in den USA, die sich in Nevada, Georgia oder New Mexiko befinden, k&ouml;nnen nur &uuml;ber die Relaisstation in Ramstein die Predator- und Reaper-Drohnen erreichen und umgekehrt. Die Bilder der Drohnenkameras werden zuerst an Ramstein &uuml;bermittelt und von dort aus an die Crew weitergeleitet. (&hellip;) Einfach ausgedr&uuml;ckt: Ohne die Bilder aus Ramstein w&auml;ren die Drohnenpiloten in Nevada im Blindflug unterwegs. Obwohl in Ramstein selbst keine Drohnen-Crews sitzen, w&auml;re ohne diese Milit&auml;rbasis kein einziger Mord per Knopfdruck in den derzeitigen Einsatzgebieten m&ouml;glich&rdquo; (S. 168-169).\n<\/p><\/blockquote><p>Und <em>drittens<\/em> liefert allem Anschein nach der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) den US-Geheimdiensten Informationen &uuml;ber aus Deutschland stammende Extremisten. Feroz f&uuml;hrt dazu einige Beispiele auf und stellt fest:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Offiziell behauptet der Geheimdienst, die Drohnenangriffe der CIA nicht zu unterst&uuml;tzen, was nicht verwunderlich ist, da nach den Gesetzen beider Staaten der Drohnenkrieg der USA ganz klar rechtswidrig ist&rdquo; (S. 171).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Das Ausma&szlig; des Drohnen-Krieges<\/strong><\/p><p>Genaue Zahlen &uuml;ber die Opfer des US-Drohnenkrieges gibt es nicht. Auf der R&uuml;ckseite des Buches werden unterschiedliche Quellen dazu angegeben: Nach Auskunft der US-Regierung hat es 116 zivile Drohnentote  gegeben. Laut dem &ldquo;Bureau of Investigative Journalism&rdquo; waren es 1427 zivile Drohnentote. Ehemalige US-Milit&auml;rs sprechen von 6000 und mehr Drohnentoten, die unrechtm&auml;&szlig;ig get&ouml;tet worden seien. <\/p><p><strong>Wie wird es weitergehen?<\/strong><\/p><p>Feroz beschreibt eine Szene aus dem franz&ouml;sischen Film &ldquo;Babylon A. D.&rdquo;, in dem Drohnen vollst&auml;ndig automatisch Krieg gegen Menschen f&uuml;hren. Algorithmen entscheiden, wer get&ouml;tet wird und wer leben darf. Er h&auml;lt dies f&uuml;r ein durchaus realistisches Szenario:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Menschen in Afghanistan, in Jemen, in Somalia und in all den anderen L&auml;ndern, in denen die USA Krieg f&uuml;hren, schon bald von vollautomatischen Robotern gejagt werden&rdquo; (S. 233).\n<\/p><\/blockquote><p>Und dies sei sehr gef&auml;hrlich. Denn:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Durch die mechanisierte Kriegsf&uuml;hrung ist die Schwelle f&uuml;r einen Kriegseinsatz erheblich gesunken. Man setzt immer weniger auf Diplomatie, w&auml;hrend man vermeintlich pr&auml;zise Angriffe mit Drohnen vorzieht&rdquo; (S. 239).\n<\/p><\/blockquote><p>Genau diese Militarisierung von Au&szlig;enpolitik k&ouml;nnen wir nahezu tagt&auml;glich in den Nachrichten beobachten. Allerdings h&auml;ufig mit einem Tenor, bei dem die Rolle der USA als Kriegstreiber entweder nicht thematisiert oder verharmlost wird, wohingegen Russland bei jeder Gelegenheit d&auml;monisiert wird. <\/p><p><strong>Mein Fazit:<\/strong><\/p><p>Emran Feroz hat mit seinem Buch eine h&ouml;chst beachtenswerte, akribische journalistische Recherche aus der Perspektive der Opfer vorgelegt, mit der man umfassend &uuml;ber das Thema &ldquo;US-Drohnenkrieg&rdquo; informiert wird. Ich kann dieses Buch jedem politisch Interessierten nur empfehlen.<\/p><p>F&uuml;r alle, die neugierig auf das Buch von Emran Feroz geworden sind, hier noch das ausf&uuml;hrliche Inhaltsverzeichnis:<\/p><p><strong>Inhalt<\/strong><\/p><ul>\n<li><strong>Vorwort<\/strong><\/li>\n<li><strong>Vom Aufstieg der Todesengel<\/strong><br>\nAls der Todesengel Aishas Gesicht raubte<br>\nWie die allererste Drohne zum Einsatz kam<br>\nDie Todeskonstruktion<br>\nDie perverse Namensgebung der Waffensysteme<\/li>\n<li><strong>Wo Drohnen t&ouml;ten<\/strong><br>\nSchaupl&auml;tze und Tatorte<br>\nDrohnenterror in Maidan Wardak in Afghanistan: Offizielle Zahlen beschreiben nicht das Ausma&szlig; der Katastrophe<br>\nAfghanistan: Schattenkrieg in Khost<br>\nEin Massaker an Nomaden<br>\nBrutal und skrupellos: Die Schergen der CIA<br>\nPakistan: Von Malala und Nabila<br>\nPakistan: Wie die CIA einen Anti-Drohnenaktivisten t&ouml;tete<br>\nJemen: Wie der Schattenkrieg begann<br>\nDie Katastrophe, von der keiner spricht<br>\nDas tragische Schicksal der Familie al-Alwaki<br>\nPal&auml;stina: Ein ignorierter Schauplatz des Drohnenkrieges<br>\nDer US-Geheimkrieg auf dem afrikanischen Kontinent<br>\nSomalia: Piraten, Drohnen und Extremisten<br>\nVom Horror in Syrien<\/li>\n<li><strong>Die T&auml;ter<\/strong><br>\nProtokoll des Todes<br>\nDer Drohnenpilot jenseits von Hollywood<br>\nDie Todesliste<br>\nJournalisten auf der Kill List<\/li>\n<li><strong>Komplizen<\/strong><br>\nAFRICOM: Koordination des Drohnenterrors in Stuttgart<br>\nRamstein, das Herz des Drohnenkrieges<br>\nDie Mitt&auml;terschaft westlicher Geheimdienste<br>\nMitt&auml;ter Medien<br>\nEin Liveticker f&uuml;r die Drohnenangriffe ist nicht erw&uuml;nscht<\/li>\n<li><strong>Radikalisierung und Propaganda<\/strong><br>\nFolgen des Drohnenterrors: Radikalisierung<br>\nMilitanz und Drohnenterror vor Ort<br>\nGlobale Radikalisierung<br>\n&ldquo;Wenn ich ein junger Muslim w&auml;re &hellip;&rdquo;<br>\nDie L&uuml;gen des Pentagons: null Transparenz und kein Vertrauen<\/li>\n<li><strong>Blick in die Zukunft<\/strong><br>\nDer Mord per Knopfdruck findet Nachahmer<br>\nWie der Feind den Terror imitiert<br>\nDer erste Widerstand<br>\nSymbolischer Widerstand und verlorene Werte<br>\nWiderstand gegen die Mitt&auml;ter: Wie der Versuch, gegen Ramstein zu klagen, scheiterte<br>\nDer blinde Fleck namens Kunduz<br>\nWiderstand von innen<br>\nDystopie pur<br>\nAusblick<\/li>\n<li><strong>Dank<\/strong><\/li>\n<li><strong>Quellen<\/strong><\/li>\n<\/ul><p><strong>Emran Feroz: Tod per Knopfdruck. Das wahre Ausma&szlig; des US-Drohnen-Terrors <em>oder<\/em> Wie Mord zum Alltag werden konnte, Westend-Verlag, 254 Seiten, 18,00 Euro<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180301-Drohnenkrieg-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Jeden Dienstag bekam der bei den Liberalen im Westen so hoch gesch&auml;tzte US-Pr&auml;sident und Friedensnobelpreistr&auml;ger Barack Obama eine Todesliste vorgelegt, auf der er mit seiner Unterschrift die n&auml;chsten Drohnenangriffe genehmigte. In der gro&szlig;en Mehrzahl wurden und werden durch solche Drohnenangriffe friedliche Zivilisten get&ouml;tet. 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