{"id":42716,"date":"2018-03-02T15:48:29","date_gmt":"2018-03-02T14:48:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42716"},"modified":"2019-03-18T12:23:50","modified_gmt":"2019-03-18T11:23:50","slug":"kriegsschauplaetze-in-syrien-was-wir-ueber-die-oestliche-ghouta-afrin-und-das-euphrat-tal-wissen-sollten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42716","title":{"rendered":"Kriegsschaupl\u00e4tze in Syrien &#8211;  Was wir \u00fcber die \u00f6stliche Ghouta, Afrin und das Euphrat-Tal wissen sollten"},"content":{"rendered":"<p>Jeden Tag h&ouml;ren wir &ndash; meist schlechte &ndash; Nachrichten aus Syrien. Auch wenn wir von den NachDenkSeiten versuchen, ein wenig Licht in den Nebel zu bringen und Ihnen eine Alternative zur der meist sehr einseitigen Berichterstattung in den klassischen Medien anzubieten, so ist es nicht immer leicht, den &Uuml;berblick zu behalten. Daher haben wir die Journalistin und Nahostexpertin <strong>Karin Leukefeld<\/strong>, die zu den wenigen Quellen aus der Region geh&ouml;rt, auf deren Urteil wirklich Verlass ist, gebeten, die aktuelle Gemengelage in Syrien f&uuml;r die Leser der NachDenkSeiten in einer verst&auml;ndlichen Form aufzubereiten. Was dabei herauskam, ist ungemein lesenswert. Bitte reichen Sie diesen Artikel auch an Ihre Freunde, Bekannte, Verwandte und Kollegen weiter. Es lohnt sich. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_409\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-42716-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180302_Kriegsschauplaetze_in_Syrien_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180302_Kriegsschauplaetze_in_Syrien_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180302_Kriegsschauplaetze_in_Syrien_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180302_Kriegsschauplaetze_in_Syrien_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=42716-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180302_Kriegsschauplaetze_in_Syrien_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180302_Kriegsschauplaetze_in_Syrien_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Die Ghouta<\/strong><\/p><p>Die Ghouta war einst ein Naherholungsgebiet f&uuml;r die Einwohner von Damaskus. Ghouta bedeutet &bdquo;Oase&ldquo;, hier sprudelten die Wasser des Barada-Flusses, W&auml;lder und Wiesen luden zum Verweilen ein. Reisende, Schriftsteller, Dichter besangen das Gebiet als &bdquo;Paradies auf Erden&ldquo;. Der franz&ouml;sische Philosoph Constantin Francois de Volney schrieb Ende des 18. Jahrhunderts voller Begeisterung: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Von den Bergen str&ouml;men viele B&auml;che, die aus dem Gebiet von Damaskus den bestbew&auml;sserten und lieblichsten Ort Syriens machen. Die Araber sprechen nur mit Begeisterung von ihm; und sie werden nicht m&uuml;de, das Gr&uuml;n und die Frische der Obstg&auml;rten, die F&uuml;lle und Mannigfaltigkeit der Fr&uuml;chte, die Zahl der Quellen wie auch die Klarheit der Springbrunnen und Gew&auml;sser zu preisen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Der so &uuml;ppig beschriebene Gr&uuml;ng&uuml;rtel von Damaskus teilte sich in die &ouml;stliche Ghouta, die sich entlang der Verbindungsstra&szlig;e nach Homs erstreckte, in die s&uuml;dliche und westliche Ghouta, die bis zu den Golan-H&ouml;hen reichte.1925 sammelte sich in der Ghouta der Widerstand gegen die franz&ouml;sische Mandatsherrschaft, der blutig niedergeschlagen wurde. <\/p><p>Die Ghouta besteht urspr&uuml;nglich aus vielen D&ouml;rfern, Weilern, die ihre eigene Geschichte haben. In Jobar zum Beispiel, nur knapp 3 km von der Altstadt von Damaskus entfernt, steht bis heute eine der &auml;ltesten Synagogen des Mittleren Ostens. Das Geb&auml;ude blieb erhalten, w&auml;hrend sich viele Juden von Jobar im 7. Jahrhundert und danach dem Islam ergaben und zu Muslimen wurden. Wie viele Konvertiten entwickelten sie eine Bindung an den Islam, der von Dogmatismus und Intoleranz gepr&auml;gt war. Mit Beginn der syrischen &bdquo;Revolution&ldquo; (2011) wurden in Jobar Andersgl&auml;ubige wie Christen, Ismailiten und tolerante Muslime zu &bdquo;unerw&uuml;nschten Personen&ldquo; erkl&auml;rt.<\/p><p><strong>Die Ver&auml;nderung<\/strong><\/p><p>Seit den 1980-er Jahren &ndash; w&auml;hrend der gro&szlig;en Entwicklungsphase Syriens &ndash; lie&szlig;en sich besonders in der &ouml;stlichen Ghouta Handwerks- und Industriebetriebe nieder. Es folgten Werkst&auml;tten, Labors, wissenschaftliche und medizinische Einrichtungen, die mit der Universit&auml;t von Damaskus verbunden waren, Krankenh&auml;user. Der gr&ouml;&szlig;te Busbahnhof von Damaskus lag hier, Autoh&auml;user aus aller Welt bauten Glaspal&auml;ste entlang der  Schnellstra&szlig;e, die in die Autobahn in Richtung Homs, Hama und Aleppo &uuml;bergeht. Das Al-Wafideen-Lager bot rund 25.000 Menschen Zuflucht, die selber oder deren Vorfahren 1967 von der israelischen Armee vom syrischen Golan vertrieben worden waren. <\/p><p>Landflucht und Bev&ouml;lkerungszuwachs lie&szlig;en um die kleinen D&ouml;rfer der einstigen Idylle neue Satellitenst&auml;dte entstehen. Rund 3 Millionen Menschen lebten in der &ouml;stlichen Ghouta offiziell vor Beginn des Krieges 2011, die wirkliche Zahl k&ouml;nnte h&ouml;her gewesen sein. Die meisten der Menschen flohen Ende 2011\/Anfang 2012, als bewaffnete Gruppen in der &ouml;stlichen Ghouta die Kontrolle &uuml;bernahmen. Die Zivilisten, die blieben, waren zumeist Angeh&ouml;rige der K&auml;mpfer, Personen, die keine Angeh&ouml;rigen in Damaskus Stadt hatten oder die zu krank und zu alt waren, um zu fliehen. Es waren Leute, die ihr Eigentum nicht verlassen wollten oder sie geh&ouml;rten einer nicht bewaffneten Oppositionsgruppe an, die mit Unterst&uuml;tzung aus dem Ausland auf einen Sturz der syrischen Regierung hofften. <\/p><p>Die gr&ouml;&szlig;te dieser Satellitenst&auml;dte ist Douma, etwa 10 km nord&ouml;stlich von Damaskus Stadt entfernt. Vor dem Krieg lebten dort offiziell 120.000 Einwohner. Viele m&auml;nnliche Bewohner von Douma verdienten ihr Geld in der Bau- und &Ouml;lindustrie in den Golfstaaten. Manche wurden Vermittler f&uuml;r Firmen aus dem Golf oder Subunternehmer. Neben dem Geld brachten sie auch ultrakonservatives Gedankengut aus den Golfstaaten mit nach Syrien, das in Moscheen und Koranschulen vermittelt wurde. In Douma bauten die Golfstaaten nicht nur ideell und religi&ouml;s, sondern auch wirtschaftlich eine Basis auf, die erst im Fr&uuml;hjahr 2011 richtig sichtbar wurde, als die Proteste begannen.<\/p><p><strong>Die Metamorphose der &bdquo;Freien Syrischen Armee&ldquo;<\/strong><\/p><p>Im Sommer 2011 entstand in der T&uuml;rkei die &bdquo;Freie Syrische Armee&ldquo; (FSA). Etwa zeitgleich schossen in den D&ouml;rfern und Vorst&auml;dten von Damaskus (Ghouta) bewaffnete Gruppen wie Pilze aus dem Boden. Alle nannten sich &bdquo;Freie Syrische Armee&ldquo;, niemand hatte einen politisch-organisatorischen Plan, wie ihr  Protest, den sie &bdquo;Revolution&ldquo; nannten, umgesetzt werden sollte. In dieser Zeit entstand in Douma die &bdquo;Armee des Islam&ldquo; (Jaish al Islam), die von Zahran Allousch gegr&uuml;ndet wurde. Allousch war 2011 im Rahmen einer Generalamnestie aus dem Gef&auml;ngnis freigelassen worden, wo er seit 2009 wegen salafistischer Propaganda und illegalem Waffenbesitz inhaftiert war. Im Gegensatz zu anderen bewaffneten Gruppen hatte die &bdquo;Armee des Islam&ldquo; ein klares Ziel. Die s&auml;kulare syrische Regierung sollte gest&uuml;rzt und durch eine Regierung ersetzt werden, die dem islamischen Recht, der Scharia nach salafistischer Auslegung folgen sollte. Finanziell wird die &bdquo;Armee des Islam&ldquo; von der T&uuml;rkei, Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterst&uuml;tzt, die bis heute f&uuml;r die Bewaffnung und weitere Logistik sorgen. Zahran Allousch wurde 2015 get&ouml;tet. Kurz darauf wurde sein Bruder Mohamed Alloush zum Leiter der Verhandlungsdelegation der syrischen oppositionellen Nationalen Koalition nach Genf entsandt. Nachdem die milit&auml;rischen Erfolge der syrischen Armee und ihrer Verb&uuml;ndeten die Kampfverb&auml;nde landesweit immer mehr zur&uuml;ckdr&auml;ngten,  wurde Alloush bei einem von Saudi Arabien ausgerichteten Treffen gegen oppositionelle Zivilisten ausgetauscht. An  den Gespr&auml;chen in Astana, bei denen bewaffnete Gruppen mit der syrischen Regierung zusammengebracht werden, um Waffenstillst&auml;nde und Deeskalationsgebiete zu vereinbaren, nimmt Allousch teil. <\/p><p><strong>Im Kalifat der &ouml;stlichen Ghouta<\/strong><\/p><p>Aus der &bdquo;Freien Syrischen Armee&ldquo; (FSA) entstanden nach UN-Angaben landesweit mehr als 2000 Kampfverb&auml;nde, die sich im Laufe der Jahre immer wieder zerstritten und aus Mangel an Geld und Waffen entweder aufl&ouml;sten oder den dschihadistischen Gruppen anschlossen. Lokale syrische Kampfgruppen, auf die die Bezeichnung &bdquo;Rebellen&ldquo; zutreffen k&ouml;nnte, vereinbarten durch russische Vermittlung Waffenstillst&auml;nde mit der syrischen Regierung, legten ihre Waffen nieder und wurden in ein staatliches Amnestieprogramm aufgenommen. Zur&uuml;ck blieben neben der &bdquo;Armee des Islam&ldquo; weitere extremistische Kampfgruppen, in denen der Anteil ausl&auml;ndischer K&auml;mpfer sehr hoch war und weiterhin ist.<\/p><p>Die &bdquo;Rahman-Legion&ldquo; (Faylaq al-Rahman) war ebenfalls 2011 gegr&uuml;ndet worden und verb&uuml;ndete sich zun&auml;chst mit der &bdquo;Freien Syrischen Armee&ldquo;. Inzwischen ist die Legion Partner der &bdquo;Front zur Befreiung der Levante&ldquo; (Hay&rsquo;at Tahrir al-Sham, HTS) einem B&uuml;ndnis um die Nusra Front, einer Al Khaida-Gruppe. Die Ideologie basiert auf dem Salafismus, die Rahman-Legion bezeichnet die &ouml;stlichen Vororte von Damaskus als &bdquo;&Ouml;stliches Khalifat&ldquo;. Unterst&uuml;tzt und bewaffnet wird die Gruppe von Katar und von der T&uuml;rkei. Seit 2015 liefert sich die &bdquo;Rahman-Legion&ldquo; immer wieder blutige Machtk&auml;mpfe mit der &bdquo;Armee des Islam&ldquo;. Milit&auml;rbeobachter in der Region f&uuml;hren das auf den Konflikt zur&uuml;ck, der unter den jeweiligen Sponsoren Saudi Arabien\/VAE einerseits gegen Katar andererseits besteht. Katar wird seit Sommer 2017 von Saudi Arabien und den VAE als Gegner eingestuft, weil das Emirat mit Iran kooperiert. Beobachter vermuteten bereits, dass die Rahman-Legion auf Druck von Katar zu einem Waffenstillstand bereit sein k&ouml;nnte. Doch ein am 18. Februar von EMN-News ver&ouml;ffentlichter  Werbefilm der Gruppe spricht eine andere Sprache. Zu sehen sind  Scharfsch&uuml;tzen, die ihre modernen Gewehre im Einsatz pr&auml;sentieren. Durch ihr Zielfernrohr nehmen sie Soldaten und einfache Leute ins Visier, die sich jenseits der Frontlinie in Damaskus befinden. Nach jedem Schuss ist zu sehen, wie das Opfer f&auml;llt, w&auml;hrend die Sch&uuml;tzen Allah preisen. Die Organisation verf&uuml;gt auch &uuml;ber Anti-Panzer-Raketen TOW aus den USA. Diese f&uuml;hrten sie ebenfalls in einem Videoclip vor. Einen Tag nachdem der UN-Sicherheitsrat die Resolution 2401 verabschiedet hatte, die einen 30-t&auml;gigen landesweiten Waffenstillstand fordert, zeigte die Rahman-Legion einen K&auml;mpfer, der eine Panzerabwehrlenkwaffe (TOW) abfeuert. Der Blick folgt dem roten Feuerball der Rakete durch das Zielfernrohr, bis sie kurz darauf ihr Ziel in einer gewaltigen Explosion verschwinden l&auml;sst. Wieder wird Gott gepriesen, bevor das n&auml;chste Ziel ins Visier genommen wird.<\/p><p>Die &bdquo;Islamische Bewegung der Freien M&auml;nner der Levante&ldquo; (Ahrar al-Sham) wurde ebenfalls 2011 gegr&uuml;ndet und hat sich k&uuml;rzlich mit einer anderen islamistischen Gruppe, &bdquo;Nour al Din al Zenki&ldquo; zusammengeschlossen. Der Name geht auf einen Herrscher der t&uuml;rkischen Zengiden im 12. Jahrhundert zur&uuml;ck.  Die durch den Zusammenschluss entstandene  &bdquo;Syrische Befreiungsfront&ldquo; will die &bdquo;syrische Revolution&ldquo; verteidigen, um ebenfalls einen &bdquo;Islamischen Staat&ldquo; zu errichten. Beide Gruppen wurden und werden von den USA, den Golfstaaten und der T&uuml;rkei unterst&uuml;tzt und haben Hinrichtungen nach Scharia-Urteilen vorgenommen. &bdquo;Nour al Din al Zenki&ldquo; schnitt einem 15-j&auml;hrigen pal&auml;stinensischen Jungen vor laufender Kamera die Kehle durch. In der &ouml;stlichen Ghouta kooperieren beide Organisationen mit dem B&uuml;ndnis der Nusra Front &bdquo;Hay&rsquo;at al Tahrir al Sham&ldquo; (HTS). In Idlib, wo alle genannten Gruppen ebenfalls k&auml;mpfen, liefern sie sich mit HTS einen blutigen Machtkampf.<\/p><p>Mit Beginn der neuerlichen K&auml;mpfe in den &ouml;stlichen Vororten von Damaskus (Douma, Harasta, Arbin, Jobar u.a.) haben diese Gruppen &ndash; Armee des Islam, Rahman-Legion, Ahrar al Sham, Nour al Din al Zenki und die Nusra Front &ndash; sich nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums zu einem gemeinsamen Hauptkommando zusammengeschlossen. <\/p><p><strong>Zivilgesellschaftliche Gruppen kaum noch pr&auml;sent<\/strong><\/p><p>Zivile oppositionelle Gruppen sind in den &ouml;stlichen Vororten von Damaskus kaum noch pr&auml;sent. Die in Medien h&auml;ufig zitierten &bdquo;Wei&szlig;helme&ldquo;, auch &bdquo;Syrischer Zivilschutz&ldquo; genannt, sind ebenso wie die &bdquo;Syrisch-Amerikanische Medizinische Gesellschaft&ldquo; (SAMS) aus syrischen Oppositionsgruppen entstanden und werden von den USA, Gro&szlig;britannien, Frankreich, Deutschland, T&uuml;rkei und den Golfstaaten finanziell unterst&uuml;tzt. Allein f&uuml;r die &bdquo;Wei&szlig;helme&ldquo; hat die Bundesregierung seit deren Gr&uuml;ndung 2014 sieben (7) Millionen Euro bezahlt.  <\/p><p>Das Schicksal anderer Oppositioneller zeigt, dass heute nur noch die in den Kampfzonen operieren k&ouml;nnen, die von den milit&auml;rischen Akteuren &ndash; den Dschihadisten &ndash; geduldet werden. Die Anw&auml;ltin und Menschenrechtsaktivistin Razan Zeitouneh, die 2011 mit Gleichgesinnten in Douma ein Dokumentationszentrum f&uuml;r Menschenrechtsverletzungen gr&uuml;ndete, verschwand im Dezember 2013 und ist seitdem unauffindbar. Ihre Familie, die sich wenige Tage sp&auml;ter an die &Ouml;ffentlichkeit wandte, sprach von einer Entf&uuml;hrung. Auch ihr Ehemann Wael Hamada und die Aktivisten Samira Al-Khalil und Nazim Al-Hamadi sind seitdem verschwunden. Im September 2013 berichtete die Anw&auml;ltin, dass sie und ihr Zentrum von lokalen bewaffneten Gruppen in Douma bedroht worden seien. Drei Monate sp&auml;ter verschwand sie. Im April 2014 machte die Familie von Razan Zeitouneh die &bdquo;Armee des Islam&ldquo; und ihren Anf&uuml;hrer Zahran Alloush f&uuml;r das Wohlergehen der vier Entf&uuml;hrten verantwortlich. Eine Antwort gab es nicht, die vier Menschenrechtsaktivisten kehrten nie zur&uuml;ck. <\/p><p>W&auml;hrend Nahrungsmittel und Medikamente knapp sind in den &ouml;stlichen Vororten von Damaskus, gelangen modernste Waffen und Munition, Kommunikationsger&auml;te, Kameras und Drohnen weiter zu den K&auml;mpfern. Ein Nachschubweg f&uuml;hrt durch Tunnelsysteme, die die Vororte miteinander verbinden. Die meisten wurden inzwischen allerdings von der syrischen Armee und ihren Verb&uuml;ndeten gekappt. Die Tunnel geh&ouml;rten urspr&uuml;nglich zu einem weitverzweigten unterirdischen Wasserversorgungssystem des Barada-Flusses, der die &ouml;stliche Ghouta bew&auml;ssert. Basierend auf Berichten von Bewohnern, deren Ehem&auml;nner und\/oder S&ouml;hne verschwanden oder von den Kampfverb&auml;nden entf&uuml;hrt wurden, mussten Gefangene und Geiseln die unterirdischen Tunnelanlagen ausbauen und befestigten, so dass man heute von einer unterirdischen Stadt in Teilen der &ouml;stlichen Ghouta spricht. Die Tunnelsysteme dienen als &bdquo;Schutzr&auml;ume&ldquo; vor Angriffen der syrischen Armee, gleichzeitig wurden durch die Tunnel einige der schwersten Anschl&auml;ge auf die syrischen Streitkr&auml;fte ver&uuml;bt.<\/p><p>Die K&auml;mpfer der beschriebenen Gruppen bilden gemeinsam ein Heer von mehreren Tausend Gotteskriegern. Wiederholte Verhandlungen &uuml;ber deren Abzug blieben erfolglos. Ein im Sommer 2017 vereinbarter Waffenstillstand und die Einstufung der &ouml;stlichen Vororte von Damaskus als &bdquo;Deeskalationsgebiet&ldquo; scheiterten, nachdem von den o.g. Gruppen im September und im Dezember 2017 &ndash; durch die Tunnelsysteme &ndash; zwei schwere Anschl&auml;ge auf die syrischen Streitkr&auml;fte mit weit &uuml;ber 100 Toten ver&uuml;bt worden waren. Der an den Verhandlungen um das &bdquo;Deeskalationsgebiet&ldquo; und den Waffenstillstand beteiligte syrische Minister f&uuml;r nationale Vers&ouml;hnung, Ali Haidar, erkl&auml;rte nach den Anschl&auml;gen, die Kampfverb&auml;nde h&auml;tten offensichtlich kein Interesse an einem Waffenstillstand. Man bleibe daf&uuml;r offen, sehe allerdings wenig Chancen f&uuml;r ernsthafte Vereinbarungen. Hunderte syrische Soldaten, Regierungsbeamte und deren Angeh&ouml;rige werden von den o.g. Gruppen als Geiseln gehalten. In den vergangenen sieben Wochen wurden aus den Gebieten der &ouml;stlichen Ghouta mehr als 1500 Granaten und Raketen auf Wohnviertel in Damaskus gefeuert. Dutzende Menschen starben, Hunderte wurden verletzt.<\/p><p>Die T&uuml;rkei, westliche und Golfstaaten haben seit 2011 den bewaffneten Aufstand in den &ouml;stlichen Vororten von Damaskus unterst&uuml;tzt. Bei einem Putschversuch im Sommer 2012 drangen Kampfverb&auml;nde weit ins Zentrum von Damaskus ein, wurden aber wieder zur&uuml;ckgeschlagen. Das Ziel war urspr&uuml;nglich, die Aufst&auml;ndischen aus der &ouml;stlichen Ghouta nach Damaskus einmarschieren zu lassen, um die Regierung zu st&uuml;rzen. Heute kontrollieren die Kampfgruppen noch ein Gebiet von ca. 100km&sup2;. Das gesamte Gebiet von Damaskus und Umland (Rif) umfasst  18.000 km&sup2;.<\/p><p><strong>Der Kampf um Afrin und das Euphrat-Tal<\/strong><\/p><p>Die Lage im Norden Syriens wird aktuell von zwei Fronten bestimmt. Im Westen von Aleppo, in und um die Kleinstadt Afrin, haben die t&uuml;rkischen Streitkr&auml;fte mit dschihadistischen Verb&uuml;ndeten eine Offensive gegen die kurdische Selbstverwaltung der angestrebten &bdquo;Demokratischen F&ouml;deration Nordsyrien&ldquo; gestartet. Die T&uuml;rkei gibt an, sich gegen kurdische Terroristen verteidigen zu m&uuml;ssen. Der vom UN-Sicherheitsrat geforderte Waffenstillstand wird von Ankara ignoriert. <\/p><p>Bereits im Sommer 2016 waren t&uuml;rkische Truppen mit dschihadistischen Verb&uuml;ndeten n&ouml;rdlich von Aleppo nach Syrien einmarschiert und hatten dort zwischen den St&auml;dten Azaz, Al Bab und Jarabulus eine &bdquo;Sicherheitszone&ldquo; gegen das Vordr&auml;ngen der kurdisch gef&uuml;hrten &bdquo;Syrischen Demokratischen Kr&auml;fte&ldquo; (SDK)  markiert. Besonders irritiert zeigte sich Ankara &uuml;ber die Haltung des NATO-Verb&uuml;ndeten USA, dessen Streitkr&auml;fte seit 2014 (seit dem Kampf um Kobane\/Ain al Arab) mit den kurdischen Volksverteidigungskr&auml;ften YPG\/YPJ im Nordosten Syriens kooperieren. Washington bewaffnet die kurdischen Einheiten und bildet sie aus und bezeichnet sie als &bdquo;Partner der Anti-IS-Koalition&ldquo; im Kampf gegen den &bdquo;Islamischen Staat&ldquo; (IS). Da der IS weitgehend zerschlagen ist, k&ouml;nnte die USA sich aus Syrien zur&uuml;ckziehen, doch US-Au&szlig;enminister Rex Tillerson verk&uuml;ndete Mitte Januar 2018 die neue US-Strategie f&uuml;r Syrien. Danach werden die US-Streitkr&auml;fte in den Gebieten nord&ouml;stlich des Euphrat in Syrien bleiben, um a) ein Wiederauferstehen des IS zu verhindern, b) den Einfluss des Iran zur&uuml;ckzudr&auml;ngen und c) die syrische Zivilgesellschaft zu unterst&uuml;tzen, um das Land, nach dem Sturz von Pr&auml;sident Assad, neu aufzubauen. Um diesen Plan umzusetzen, soll eine 30.000 Mann (und Frau) starke Grenzschutztruppe aufgebaut werden, wof&uuml;r das Wei&szlig;e Haus bereits 4 Milliarden US-Dollar pro Jahr bewilligt hat. Programme f&uuml;r die St&auml;rkung der syrischen Zivilgesellschaft sind darin ebenso enthalten wie weitere Bewaffnung und Ausbildung. Die USA und ihre Partner kontrollierten nord&ouml;stlich des Euphrats 30 Prozent des syrischen Territoriums, so Tillerson vor Journalisten in Kuwait. Man kontrolliere die darin lebende Bev&ouml;lkerung ebenso wie einen Gro&szlig;teil der syrischen &Ouml;l- und Gasvorkommen. Das sei ausreichend, um auf die Genfer Gespr&auml;che &uuml;ber die Zukunft Syriens Einfluss zu nehmen. Um diesem Plan Nachdruck zu verleihen, wurden wiederholt syrische Truppen und verb&uuml;ndete paramilit&auml;rische Kr&auml;fte aus Russland und Iran von Kampfflugzeugen der US-gef&uuml;hrten Anti-IS-Allianz angegriffen, sobald sie versuchten, den Euphrat zu &uuml;berqueren und die staatliche syrische Kontrolle syrischer Gas- oder &Ouml;lf&ouml;rderanlagen zu sichern.<\/p><p>Die USA und ihre Verb&uuml;ndeten &ndash; Gro&szlig;britannien, Frankreich, Deutschland inklusive &ndash; wollen Syrien entlang des Euphrat-Tals zerteilen. 20 US-Milit&auml;rbasen und &ndash;flugh&auml;fen wurden in den Gebieten &ouml;stlich des Euphrats errichtet, um die auf lange Zeit angelegte Besatzung (Tillerson: Wir haben Zeit) durchzusetzen. Die kurdischen Volksverteidigungskr&auml;fte  werden weiterhin milit&auml;risch und finanziell unterst&uuml;tzt. Die syrischen nationalen Gas- und &Ouml;lressourcen werden besetzt, die syrische Bev&ouml;lkerung de facto als Geiseln genommen.<\/p><p>F&uuml;r Ankara ist das Vorgehen der USA unakzeptabel, daher die Invasion gegen Afrin und die Drohung, weitere Gebiete im Nordosten von Aleppo &ndash; allerdings nur westlich des Euphrat &ndash; zu besetzen Euphrat  &ndash; zu besetzen. Die Unterst&uuml;tzung kurdischer Kr&auml;fte, die Ankara als Staatsfeind Nummer Eins ansieht, wird als massiver Affront des NATO-Partners USA angesehen. Ein milit&auml;rischer Konflikt zwischen den beiden NATO-Staaten auf syrischem Territorium ist nicht ausgeschlossen. <\/p><p>Die direkten Nachbarl&auml;nder Syriens, der Libanon, T&uuml;rkei und Irak wollen eine Aufteilung Syriens verhindern, ebenso Russland und der Iran, die mit der syrischen Regierung und Armee verb&uuml;ndet sind. Die Syrer haben mit mehr als 2500  lokalen Waffenstillst&auml;nden ihren Wunsch nach Frieden und Wiederaufbau ihres verw&uuml;steten Landes deutlich manifestiert. Die USA allerdings verfolgt andere Pl&auml;ne und Washington hat seine Partner entsprechend informiert und instruiert. <\/p><p>Syrien soll zerschlagen werden, um dessen B&uuml;ndnispartner Russland und Iran ebenso wie  die libanesische Hisbollah zu schw&auml;chen. Dem Protokoll eines Treffens der &bdquo;Kleinen Syriengruppe&ldquo;, zu der die USA Anfang Januar 2018 zun&auml;chst Gro&szlig;britannien, Frankreich, Jordanien und Saudi Arabien nach Washington eingeladen hatte, ist zu entnehmen, dass der Druck auf Russland aufrechterhalten oder auch erh&ouml;ht werden soll, um den US-Plan umzusetzen (libanesische Tageszeitung Al Akhbar, 22.2.2018). Daf&uuml;r sollen UNO-Einrichtungen, auch der UN-Sonderbeauftragte f&uuml;r Syrien, Staffan De Mistura angewiesen werden. Sollte Moskau sich weigern, den US-Forderungen &bdquo;an das syrische Regime&ldquo; nachzugeben, werde man weitermachen, wie man bereits begonnen habe (Druck auf Moskau auszu&uuml;ben): &bdquo;Die humanit&auml;re Lage in Syrien und die russische Komplizenschaft bei den Luftangriffen&ldquo; sollen angeprangert werden. Bis zu den Pr&auml;sidentschaftswahlen in Russland habe man noch viele M&ouml;glichkeiten, den Druck auf Russland und den Kreml zu erh&ouml;hen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeden Tag h&ouml;ren wir &ndash; meist schlechte &ndash; Nachrichten aus Syrien. Auch wenn wir von den NachDenkSeiten versuchen, ein wenig Licht in den Nebel zu bringen und Ihnen eine Alternative zur der meist sehr einseitigen Berichterstattung in den klassischen Medien anzubieten, so ist es nicht immer leicht, den &Uuml;berblick zu behalten. Daher haben wir die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42716\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,20,171],"tags":[1035,947,912,1334,877,951,1479,2104,1529,2069,663,259,1054,1553,950,1556,2068],"class_list":["post-42716","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-al-kaida","tag-arabellion","tag-buergerkrieg","tag-erdoel","tag-erdgas","tag-iran","tag-katar","tag-kriegsopfer","tag-kurden","tag-militaerstuetzpunkte","tag-putsch","tag-russland","tag-saudi-arabien","tag-syrien","tag-tuerkei","tag-usa","tag-vae"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42716","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=42716"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42716\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":50272,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42716\/revisions\/50272"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=42716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=42716"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=42716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}