{"id":42738,"date":"2018-03-05T09:08:24","date_gmt":"2018-03-05T08:08:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42738"},"modified":"2026-01-27T11:28:08","modified_gmt":"2026-01-27T10:28:08","slug":"max-uthoff-ein-erwachsener-mensch-der-mit-stolz-eine-militaeruniform-traegt-ist-grundsaetzlich-ein-fall-fuer-die-couch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42738","title":{"rendered":"Max Uthoff: \u201eEin erwachsener Mensch, der mit Stolz eine Milit\u00e4runiform tr\u00e4gt, ist grunds\u00e4tzlich ein Fall f\u00fcr die Couch\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180305_uthoff.jpg\" alt=\"Max Uthoff\" title=\"Max Uthoff\"><\/div><p>Die Kabarettisten Max Uthoff und Claus von Wagner hinterfragen in der ZDF-Satire-Sendung &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40767\">Die Anstalt<\/a>&ldquo; immer wieder vor einem Millionenpublikum kritisch die gro&szlig;en politischen Themen unserer Zeit. Ob griechische Staatsschuldenkrise, Fl&uuml;chtlingskrise, Armut, Krieg und Frieden: Die &bdquo;Anstaltskabarettisten&ldquo; b&uuml;rsten von Politik und Medien eingeschliffene Erz&auml;hlungen und Erkl&auml;rungsmuster oft gegen den Strich und pr&auml;sentieren Lesarten, wie sie im Mainstream der Berichterstattung eher selten sind. Daf&uuml;r finden sie beim Publikum gro&szlig;en Anklang. Im Interview mit den NachDenkSeiten wirft <strong>Max Uthoff<\/strong> einen nachdenklichen, aber zugleich auch mit reichlich Witz und Ironie versehenen Blick auf seine Arbeit und die Berichterstattung der Medien. Ein Interview von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3115\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-42738-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180305_Interview_mit_Max_Uthoff_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180305_Interview_mit_Max_Uthoff_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180305_Interview_mit_Max_Uthoff_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180305_Interview_mit_Max_Uthoff_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=42738-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180305_Interview_mit_Max_Uthoff_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180305_Interview_mit_Max_Uthoff_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Uthoff, in einer denkw&uuml;rdigen Sendung hatten Sie 2015 Argyris Sfountouris eingeladen, der als vierj&auml;hriger Junge 30 Verwandte in der griechischen Kleinstadt Distomo durch ein Massaker verloren hat, f&uuml;r das die SS verantwortlich war. Damals ging es in der Anstalt um die griechische Staatsschuldenkrise und Reparationen f&uuml;r Anspr&uuml;che Griechenlands im Zusammenhang mit der deutschen Okkupation im Zweiten Weltkrieg.  Gew&auml;hren Sie uns bitte einen Einblick: Hat die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35292\">Auseinandersetzung mit diesem Fall<\/a> bzw. die Begegnung mit Sfountouris Sie ver&auml;ndert? Anders gefragt: Versch&auml;rft eine solche direkte Begegnung mit einem Menschen, der so etwas wie Sfountouris erlebt hat, noch einmal den eigenen kritischen Blick auf das Thema &bdquo;Krieg&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Es w&auml;re seltsam, wenn nicht. Immer ist es die pers&ouml;nliche Begegnung, die entweder Vorurteile &uuml;berwindet oder aus Zahlen und Geschichte wirkliches Leid macht und vom Leben erz&auml;hlt.  Argyris Sfountouris&rsquo; Bekanntschaft zu machen und das Privileg, mir von ihm danach noch zweimal bei Kaffee und Kuchen Europa und den Weltenlauf erkl&auml;ren zu lassen, ist einer der wunderbaren Aspekte dieser Fernseharbeit gewesen. Die Sendung rief ja auch in Griechenland ein gro&szlig;es Echo hervor, selbst in den Abendnachrichten freute man sich dar&uuml;ber, mal eine andere Stimme aus Deutschland zu h&ouml;ren als die des Rassisten und Spardiktators, der vom &bdquo;faulen Griechen&ldquo; schwafelt. Jemandem wie Argyris zuzuh&ouml;ren, wenn er von damals spricht und dem Leid, das der Krieg &uuml;ber seine Familie und ihn gebracht hat, sch&auml;rft das Bewusstsein um die Opfer. Weit weg sterben und leiden Menschen durch Krieg, die wir nicht kennen, die aber sind so wie wir.<\/p><p><strong>Vor kurzem hat in Kassel eine Veranstaltung stattgefunden, bei der es um das Thema &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42173\">Krieg und Frieden in den Medien<\/a>&ldquo; gegangen ist. Was war Ihre Motivation, an der Medientagung teilzunehmen?<\/strong><\/p><p>Eine freundliche Einladung verbunden mit dem Bed&uuml;rfnis, mich mit anderen &uuml;ber den Dissens zu unterhalten, der zwischen Scharfmacherei und tats&auml;chlicher Bedrohung liegt. Nicht zu vergessen die verst&ouml;rende Sch&ouml;nheit Kassels.<\/p><p><strong>Nun leben wir in Zeiten, in denen es enorme Spannungen zwischen der Nato und Russland gibt und immer mal wieder auch das Wort &bdquo;Krieg&ldquo; in diesem Zusammenhang auftaucht. Wie nehmen Sie diese Situation wahr? Bahnt sich hier, wie schon so oft in der Geschichte, der politische Wahnsinn seinen Weg?<\/strong><\/p><p>Vergessen wir nicht, dass die, die diese Stimmung forcieren, vor allem Milit&auml;rs sind. Wir sprechen also von erwachsenen Menschen, die irgendwann den Entschluss gefasst haben, das bisschen Lebenszeit, das uns allen verg&ouml;nnt ist, mit Gehorsam, Befehlen, Strategiespielen und letztlich mit der Idee zu verbringen, L&ouml;cher in andere Menschen zu machen, um deren Leben zu beenden. Ein erwachsener Mensch, der mit Stolz eine Milit&auml;runiform tr&auml;gt, ist grunds&auml;tzlich ein Fall f&uuml;r die Couch. Wenn solche Leute dann noch auf Politiker wie Ursula von der Leyen treffen, die den Stahlhelm ihres Vaters auftr&auml;gt, dann ist die schlechte Stimmung vorprogrammiert. <\/p><p><strong>Politisch &bdquo;turbulente&ldquo; Zeiten sind sicherlich Wasser auf die M&uuml;hlen eines Satirikers. Aber bei der Veranstaltung haben Sie <a href=\"https:\/\/weltnetz.tv\/video\/1385-max-uthoff-krieg-und-frieden-den-medien\">gesagt<\/a>, dass es Ihnen &bdquo;angst und bange&ldquo; wurde, als sie die &bdquo;militaristische&ldquo; Berichterstattung von so manchem Leitmedium im Zuge der Ukraine-Krise beobachtet haben. Wie konnte es aus Ihrer Sicht zu diesem Journalismus kommen?<\/strong><\/p><p>Eines wollen wir zun&auml;chst festhalten: Russland tr&auml;gt eine gro&szlig;e Mitschuld an der Situation. Ein Land, das sich hartn&auml;ckig weigert, seine Rohstoffe und seine Industrie unter das Protektorat des Westens zu stellen und lieber einheimischen Oligarchen statt fremden Investoren den Vorzug gibt, zieht logischerweise den Zorn von Julian Reichelt auf sich. Der Wunsch, es den Russen  endlich mal zu zeigen, notfalls unter Einsatz milit&auml;rischer Mittel, war sicher das Ergebnis einer &uuml;blen Melange aus durchgeknallten Nato-Chargen wie Rasmussen, autistischen Transatlantikern in der &bdquo;Zeit&ldquo;, dem &uuml;blichen Russismus der Springer-Presse und vor allem der skrupelfreien Titelbild-Gestaltung des Spiegel, der alten Landser-Postille aus Hamburg. Was doch beeindruckt, ist, dass trotz Gruppenzwang, Auflagendruck, Machtgel&uuml;sten bei keinem der Alpha-Journalisten, die dar&uuml;ber entscheiden, was es auf die Aufmerksamkeitsb&uuml;hne schafft, hinterher irgendeine Form von Einsicht zu sehen war. Das macht sie tats&auml;chlich zu &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Die-grosse-Meinungsvielfalt-in-der-deutschen-Presse-ist-Geschichte-3373110.html?seite=all\">Unbelangbaren<\/a>&ldquo; wie <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39985\">Thomas Meyer<\/a> sie genannt hat.<\/p><p><strong>Was kann ein kritisches politisches Kabarett in Zeiten wie diesen leisten? Und: Wo liegen seine Grenzen?<\/strong><\/p><p>Tut mir leid, ich habe aufgeh&ouml;rt, mir dar&uuml;ber Gedanken zu machen. Die Bewertung der Qualit&auml;t, der Wirkung oder des Rahmens der eigenen Arbeit darf ich getrost anderen &uuml;berlassen. Das muss ich nicht auch noch machen.<\/p><p><strong>Sie haben bei Ihrem Auftritt in Kassel gesagt, dass Sie sich als Kabarettist sehr gerne auch mit einzelnen Personen auseinandersetzen. Manchmal &ndash; also gerade dann, wenn es um Verantwortlichkeiten auf der &bdquo;eigenen&ldquo; Seite geht &ndash; entsteht in der Berichterstattung der Eindruck, dass der Fokus lieber weg von konkret handelnden Akteuren gelenkt wird. Lieber redet man von, zum Beispiel, &bdquo;der Globalisierung&ldquo; und schreibt diesem abstrakten Begriff alles M&ouml;gliche zu, als dass die Verantwortlichen f&uuml;r Missst&auml;nde konkret benannt werden. Ist das auch Ihr Eindruck?<\/strong><\/p><p><strong>Und: Ist das vielleicht auch einer der Gr&uuml;nde, warum Sie in Ihrem Solo-Programm gerne auch mal auf einzelne Personen den Fokus setzen?<\/strong><\/p><p>Ja, das ist auch Wirkung des Neoliberalismus. Akteure gibt es nicht, alles ist angeblich ein Naturprozess, der schon alles richten wird. Auch Begriffe sollen &uuml;berwunden werden. Wer zum Beispiel die SPD heute noch als links bezeichnet, entfernt sich ja von der Politik, der Begriff Armut wird bei uns langsam wegdefiniert und auch &bdquo;links&ldquo;\/&bdquo;rechts&ldquo; soll ein Begriffspaar aus dem vorigen Jahrhundert sein. Und auch bei den Verantwortlichen werden Akteure kaum noch benannt, weil es eben den Zigarre rauchenden Unternehmer, der als Gegner identifizierbar ist, kaum noch gibt. Sondern &bdquo;die Investoren&ldquo;, &bdquo;die Interessen&ldquo; &bdquo;des shareholder- value&ldquo; oder &bdquo;die Globalisierung&ldquo;, alles immer gerechtfertigt durch das Mantra &bdquo;Wettbewerbsf&auml;higkeit&ldquo;.  Deutlich wird das dann, wenn die Profitgier dann doch mal ein Gesicht bekommt, wie beim K&auml;ser-Sepp, der sich, um Weltl&auml;ufigkeit zu simulieren, von aller Welt Jo nennen l&auml;sst. <\/p><p><strong>Zum Abschluss noch ein Gedankenspiel: Sie wachen morgen fr&uuml;h auf und Medien berichten durchgehend pl&ouml;tzlich so, wie sie es im Sinne eines kritischen Journalismus eigentlich sollten. Was w&uuml;rden Sie dann sehen? Was w&uuml;rde sich &auml;ndern?<\/strong><\/p><p>Das ist mir zu pauschal. &bdquo;Die Medien&ldquo;, die unabl&auml;ssig tendenzi&ouml;s und einseitig berichten, gibt es nicht. Ich w&uuml;rde mich freuen, wenn ich aufwache und es dann von dem guten, genau recherchierten, kritischen Journalismus, den es heute schon gibt, einfach noch viel, viel mehr gibt. Wenn mehr Leute, die als junge idealistische Journalisten begonnen haben, sich gegen die Vorgaben der Alpha-M&auml;nnchen in den Redaktionen zur Wehr setzen. Daf&uuml;r schicken wir Josef Joffe zum Stirn&ouml;lguss nach S&uuml;dtirol und &uuml;bertragen Mely Kiyak die Chefredaktion der &bdquo;Zeit&ldquo;. I have a dream!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180305_uthoff.jpg\" alt=\"Max Uthoff\" title=\"Max Uthoff\"\/><\/div>\n<p>Die Kabarettisten Max Uthoff und Claus von Wagner hinterfragen in der ZDF-Satire-Sendung &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40767\">Die Anstalt<\/a>&ldquo; immer wieder vor einem Millionenpublikum kritisch die gro&szlig;en politischen Themen unserer Zeit. Ob griechische Staatsschuldenkrise, Fl&uuml;chtlingskrise, Armut, Krieg und Frieden: Die &bdquo;Anstaltskabarettisten&ldquo; b&uuml;rsten von Politik und Medien<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42738\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,170,209,917,183],"tags":[1555,369,466,690,259,260,1525],"class_list":["post-42738","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-friedenspolitik","category-interviews","category-kultur-und-kulturpolitik","category-medienkritik","tag-griechenland","tag-kabarett","tag-nato","tag-neusprech","tag-russland","tag-ukraine","tag-uthoff-max"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42738","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=42738"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42738\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":87946,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42738\/revisions\/87946"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=42738"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=42738"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=42738"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}