{"id":42837,"date":"2018-03-09T12:51:09","date_gmt":"2018-03-09T11:51:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42837"},"modified":"2018-03-12T07:37:45","modified_gmt":"2018-03-12T06:37:45","slug":"trump-erklaert-den-handelskrieg-unsere-denkblockade-wird-immer-dramatischer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42837","title":{"rendered":"\u201eTrump erkl\u00e4rt den Handelskrieg\u201c &#8211; unsere Denkblockade wird immer dramatischer"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180309-trump-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Wussten Sie schon, dass wir uns seit heute Nacht im Krieg befinden? Im &bdquo;Handelskrieg&ldquo;, um genauer zu sein. Den hat US-Pr&auml;sident Trump n&auml;mlich nun <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article174358542\/Handelskrieg-USA-verhaengen-Einfuhrzoelle-auf-Stahl-und-Aluminium.html\">der Welt erkl&auml;rt<\/a>, wie unsere Qualit&auml;tszeitungen einhellig heute vermelden. Fortan erheben die USA Einfuhrz&ouml;lle auf Aluminium und Stahl. Ein Skandal! Und was macht die EU? Die erhebt ebenfalls Einfuhrz&ouml;lle auf Aluminium und Stahl, nennt diese Z&ouml;lle jedoch &bdquo;Antidumping-Ma&szlig;nahmen&ldquo;, was freilich ein und dasselbe ist. Und weil man die &bdquo;politisch motivierten&ldquo; Strafz&ouml;lle Trumps auch nicht hinnehmen will, pr&uuml;ft Br&uuml;ssel nun seinerseits Strafz&ouml;lle gegen amerikanische Orangen, Bourbon-Whiskey und Harley Davidsons und Kartoffeln. Warum ausgerechnet diese Produkte? Weil sie in Bundesstaaten hergestellt werden, in denen Trump besonders viele Stimmen bekam. So viel zum Thema &bdquo;politisch motiviert&ldquo;. W&auml;re es nicht so grotesk und traurig &hellip; man k&ouml;nnte herzhaft lachen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5885\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-42837-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180309_Trump_erklaert_den_Handelskrieg_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180309_Trump_erklaert_den_Handelskrieg_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180309_Trump_erklaert_den_Handelskrieg_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180309_Trump_erklaert_den_Handelskrieg_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=42837-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180309_Trump_erklaert_den_Handelskrieg_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180309_Trump_erklaert_den_Handelskrieg_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wir sind die Guten! Was man sich darunter vorstellen kann, zeigt eine &bdquo;typische&ldquo; <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/germany\/news\/20180306-eu-verlaengert-strafzoelle-auf-chinesische-stahlrohre_de\">Pressemeldung<\/a> der EU von diesem Dienstag: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Europ&auml;ische Kommission hat heute (Dienstag) ihre Antidumpingma&szlig;nahmen auf Stahlerzeugnisse aus China um f&uuml;nf Jahre verl&auml;ngert. Betroffen davon sind nahtlose Rohre aus Edelstahl, die mit erh&ouml;hten Einfuhrgeb&uuml;hren zwischen 48,3 und 71,9 Prozent belegt werden. [&hellip;] Die Pr&uuml;fung hatte ergeben, dass die chinesischen Produkte weiterhin zu Dumpingpreisen auf den Markt kamen und damit vor allem Hersteller aus Frankreich, Schweden und Spanien benachteiligten. Derzeit f&uuml;hrt die EU 53 Ma&szlig;nahmen gegen Stahl- und Eisenprodukte, davon 27 aus China, durch. <\/p>\n<p>Die EU-Kommission sch&uuml;tzt mit den Strafz&ouml;llen die europ&auml;ischen Stahlhersteller vor unfairen Handelspraktiken und schafft faire Wettbewerbsbedingungen in der Stahlbranche.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Da haben wir ja den Unterschied. W&auml;hrend Trump der Welt den Handelskrieg erkl&auml;rt, sch&uuml;tzt die EU nur europ&auml;ische Stahlhersteller vor unfairen Handelspraktiken. Wir sind ja schlie&szlig;lich die Guten! Und wie sehen solche unfairen Praktiken aus? In China kriegen Stahlhersteller beispielsweise staatlich subventionierte niedrige Energiepreise. Und in Deutschland? Sind hier Stahlhersteller und andere &bdquo;energieintensive Branchen&ldquo; &uuml;ber die sogenannte &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bafa.de\/DE\/Energie\/Besondere_Ausgleichsregelung\/besondere_ausgleichsregelung_node.html\">H&auml;rtefallregelung<\/a>&ldquo; etwa nicht von der EEG-Umlage befreit und kriegen damit staatlich subventionierten Strom? Man sollte lieber nicht all zu intensiv &uuml;ber derlei doppelte Standards nachdenken, sonst kriegt man noch Kopfschmerzen. <\/p><p>Kopfschmerzen hatte sicher auch der Kollege vom Stern, als er versuchte, die doppelten Standards <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/wirtschaft\/news\/donald-trump-und-die-strafzoelle--auch-die-eu-erhebt-solche-gebuehren-7888448.html\">zu rechtfertigen und seinen Lesern zu erkl&auml;ren<\/a>, warum Hans Juncker Strafz&ouml;lle erheben darf, H&auml;nschen Trump aber nicht &hellip; <\/p><blockquote><p>\nEs gibt allerdings einen entscheidenden Unterschied: Bei den Strafz&ouml;llen der EU handelt es sich um Anti-Dumpingz&ouml;lle oder Anti-Subventionsz&ouml;lle gegen einzelne L&auml;nder, die laut den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) unter bestimmten Bedingungen ausdr&uuml;cklich erlaubt sind. Es handelt sich also eher um regulierte Handelsscharm&uuml;tzel als um Handelskriege. Trump dagegen richtet seine Strafz&ouml;lle gegen die ganze Welt und begr&uuml;ndet dies nicht mit unfairem Preiswettbewerb (Dumping), sondern mit allgemeinen Belangen der nationalen Sicherheit, etwa weil die Stahlproduktion wichtig f&uuml;r die R&uuml;stungsindustrie sei.\n<\/p><\/blockquote><p>So gesehen &hellip; die <a href=\"https:\/\/www.bmdw.gv.at\/Aussenwirtschaft\/exportkontrolle-online\/antidumping\/Documents\/Antidumping%20L%C3%A4nderliste.pdf\">&bdquo;Strafzoll-Liste&ldquo; der EU<\/a>, die offiziell nat&uuml;rlich &bdquo;Antidumping-Liste&ldquo; hei&szlig;t, ist lang und in der Tat sehr selektiv. Dort findet man beispielsweise Strafz&ouml;lle auf Fahrr&auml;der und Fahrradteile aus China, Indonesien, Kambodscha, Malaysia, Pakistan, den Philippinen, Pakistan, Sri Lanka und Tunesien. Was haben diese L&auml;nder falsch gemacht? Nun, sie exportieren Fahrr&auml;der nach Europa. Daher fehlt ein Staat wie Sierra Leone auch auf der Liste, der bekannterma&szlig;en weder Fahrr&auml;der noch Fahrradteile in die EU liefert. So erweckt die EU zumindest den Anschein, selektiv vorzugehen. Das ist der Unterschied zwischen einem &bdquo;Handelsscharm&uuml;tzel&ldquo; (gut, zielgerichtet, EU) und einem &bdquo;Handelskrieg&ldquo; (b&ouml;se, global, Trump). <\/p><p>Wie pr&auml;zise wir scharm&uuml;tzeln, zeigt das Beispiel Acesulfam, besser bekannt als S&uuml;&szlig;stoff mit der Zusatzstoffnummer E950. Dieser Stoff wurde 1967 vom deutschen Chemiegiganten Hoechst entdeckt und seitdem vom Weltmarktf&uuml;hrer Nutrinova, der aus dem Hoechst-Konzern hervorgegangen ist, in Frankfurt <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/wirtschaft\/zuckerersatz-suesses-aus-hoechst-fuer-die-welt-1576242.html\">produziert<\/a>. Als vor wenigen Jahren auch chinesische Chemiekonzerne diesen S&uuml;&szlig;stoff &ndash; und dies freilich wesentlich g&uuml;nstiger &ndash; produzierten, klagte der deutsche Hersteller bei der Europ&auml;ischen Kommission. Nun wird auf die Produkte der chinesischen Konkurrenten ein Strafzoll, der offiziell nat&uuml;rlich Antidumping-Ma&szlig;nahme hei&szlig;t, in H&ouml;he von bis zu 126% erhoben. Ein Scharm&uuml;tzel, wie es der Stern nennen w&uuml;rde. Ein Handelskrieg w&auml;re dies nur, wenn man generell alle Konkurrenten mit einem Strafzoll benachteiligen w&uuml;rde. Dass genau dies aber der Fall ist, st&ouml;rt offenbar niemanden. &bdquo;Quod licet iovi non licet bovi&ldquo;, Herr Trump.<\/p><p>Und wie sieht es beim Aluminium und den Stahlimporten aus, die Trump nun mit 25% bzw. 10% ins Visier nimmt? Die EU erhebt &bdquo;Strafz&ouml;lle&ldquo; auf Aluminium bzw. Aluminiumprodukte aus China und Russland und dies im Rahmen von 12% bis 35%. Strafz&ouml;lle auf Stahl bzw. Stahlprodukte erhebt die EU f&uuml;r Importe aus Belarus, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Iran, Japan, Korea, Marokko, den Philippinen, Russland, Sri Lanka, Taiwan, der Ukraine und &ndash; man lese und staune &ndash; <a href=\"https:\/\/www.wko.at\/service\/aussenwirtschaft\/Kornorientierte-Flacherzeugnisse-aus-Silicium-Elektrostahl.html\">den USA<\/a>. Der Strafzoll liegt &uuml;brigens meist weit oberhalb der 25%, die Trump nun in den USA eingef&uuml;hrt hat. Warum diese L&auml;nder? Ganz einfach: Weil sie Stahl in die EU exportieren. Das unterscheidet nun einmal ein Scharm&uuml;tzel von einem Krieg. Aus diesem Grund fehlt auch Aluminium aus Panama und Stahl von den Malediven auf der Strafzollliste der EU. Wir sind die Guten und nehmen es mit den WTO-Regeln ernst.<\/p><p>Genau <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/mehr-wirtschaft\/eu-droht-mit-zoellen-auf-bourbon-und-harley-davidson-15457887.html\">darum droht<\/a> die EU ja auch jetzt, als Revanche zu Trumps Vorgehen, ihrerseits Strafz&ouml;lle auf Orangen, Kartoffeln, Bourbon-Whiskey und Harley-Davidson-Motorr&auml;der aus den USA zu erheben. Hat Bauer Peterson unerlaubte Subventionen erhalten? Verst&ouml;&szlig;t Jack Daniel&rsquo;s gegen die WTO? Bedroht Harley Davidson auf unerlaubte Art und Weise BMW, Ducati und Triumph? Nicht wirklich. Man hat sich vielmehr Produkte herausgesucht, die in Bundesstaaten hergestellt werden, in denen die Republikaner besonders stark sind und kommuniziert dies auch <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2018-03-06\/eu-targets-u-s-shirts-to-motorbikes-in-tariff-retaliation-plan\">ganz offen<\/a>. Aber wir sind ja die Guten, die Schutzherren des Freihandels, die jeden politischen Missbrauch von Z&ouml;llen &hellip; <\/p><p>Vor nicht einmal vier Jahren weigerte sich Kenia, seine Schutzz&ouml;lle auf Dumping-Produkte aus der EU (z.B. staatlich subventionierte Agrarprodukte) abzubauen und seine Bauern so einem unfairen Wettbewerb auszusetzen. Was tat die EU? Sie f&uuml;hrte ihrerseits Strafz&ouml;lle auf kenianische Importe (z.B. Tee, Kaffee, Kakao, Schnittblumen) ein. Dies war eine reine politische Erpressung, die sich mit nichts rechtfertigen lie&szlig; &ndash; schlie&szlig;lich steht Kenia nicht im Wettbewerb mit niederl&auml;ndischen Kaffeebauern, schwedischen Kakaoproduzenten oder deutschen Teepfl&uuml;ckern. Kenia musste nachgeben und knickte vor der geballten Wirtschaftsmacht der EU ein und musste dann mit ansehen, wie preiswerte EU-Importe lokale Produkte vom Markt verdr&auml;ngen. Aber wir sind ja die Guten und f&uuml;hren keine Handelskriege, sondern nur kleinere Scharm&uuml;tzel. <\/p><p>Halten wir also fest: Die EU hat eine offene Liste mit Strafz&ouml;llen, die bei &auml;gyptischen Stahllegierungen anf&auml;ngt, chinesische B&uuml;gelbretter, vietnamesische Fahrradklingeln, indische Eisenrohre, kanadischen Biodiesel, malaysische Zitronens&auml;ure, russische Alufolie, thail&auml;ndischen Mais beinhaltet und bei vietnamesischen Ringbuchmechaniken aufh&ouml;rt, sieht sich selbst aber als Opfer von ungerechten Strafz&ouml;llen. Das ist schon dreist. Geradezu tolldreist ist indes die Argumentation, ausgerechnet die EU w&uuml;rde Z&ouml;lle als politisches Druckmittel ablehnen.<\/p><p>Um nicht falsch verstanden zu werden: Die USA h&auml;tten schon gute Gr&uuml;nde, Schutzz&ouml;lle vor allem gegen Deutschland zu verh&auml;ngen und die EU sollte daher lieber &bdquo;einfach mal die Klappe halten&ldquo;, wie Heiner Flassbeck es j&uuml;ngst so trefflich in einem <a href=\"https:\/\/makroskop.eu\/2018\/03\/die-eu-sollte-jetzt-einfach-mal-die-klappe-halten\/\">Interview mit dem Deutschlandfunk<\/a> formuliert hat. Trumps Schutzz&ouml;lle auf Aluminium und Stahl sind aber nicht gegen die EU gerichtet und wahrscheinlich werden die EU-Staaten auch schon bald von der Liste genommen. Es geht Trump um die dauerhaften Defizite im Handel mit China und Ostasien. Aber darum soll es hier an dieser Stelle nicht gehen, sondern um das Get&ouml;se der EU. Die sollte &ndash; und da bin ich ganz bei Flassbeck &ndash; lieber einfach mal die Klappe halten. Und vielleicht k&ouml;nnten sich einige Kollegen der schreibenden Zunft dem ja mal anschlie&szlig;en? Das w&auml;re doch erholsam.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/71926e05b30547d99e6257d00f7bed91\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180309-trump-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Wussten Sie schon, dass wir uns seit heute Nacht im Krieg befinden? Im &bdquo;Handelskrieg&ldquo;, um genauer zu sein. Den hat US-Pr&auml;sident Trump n&auml;mlich nun <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article174358542\/Handelskrieg-USA-verhaengen-Einfuhrzoelle-auf-Stahl-und-Aluminium.html\">der Welt erkl&auml;rt<\/a>, wie unsere Qualit&auml;tszeitungen einhellig heute vermelden. Fortan erheben die USA Einfuhrz&ouml;lle auf Aluminium und Stahl. 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