{"id":430,"date":"2004-12-31T17:24:08","date_gmt":"2004-12-31T16:24:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=430"},"modified":"2016-03-21T16:35:11","modified_gmt":"2016-03-21T15:35:11","slug":"herzliche-wunsche-fur-ein-friedliches-gesundes-und-gutes-neues-jahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=430","title":{"rendered":"Herzliche W\u00fcnsche f\u00fcr ein friedliches, gesundes und gutes Neues Jahr!"},"content":{"rendered":"<p>Newsletter Nr. 6 vom 31. Dezember 2004<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Liebe Besucherin, lieber Besucher der NachDenkSeiten, <\/strong><\/p><p>wir wissen nicht, welche Gef&uuml;hle Sie bewegen, aber angesichts der erschreckenden Nachrichten &uuml;ber Tod und Leid aus den Anrainerstaaten des Indischen Ozeans, der Andamanischen See und des Golfes von Bengalen war es f&uuml;r uns ziemlich beklemmend, solche Themen abzuhandeln, die bei uns im Lande anstehen. So erschien uns eine Kritik an Wirtschaftsminister Clements Ank&uuml;ndigung, allein durch die &ldquo;Arbeitsmarktreformen&rdquo; die Arbeitslosigkeit bis 2010 um mehr als die H&auml;lfte senken zu wollen, wie ein Davonstehlen vor der Trauer unz&auml;hliger Menschen. Selbst die Emp&ouml;rung &uuml;ber einen neuen H&ouml;chststand der Arbeitslosigkeit von 4,43 Millionen Menschen im Dezember oder &uuml;ber die Tatsache, dass es mit Inkrafttreten von Hartz IV &ndash; entgegen aller besch&ouml;nigenden Anzeigen &ndash; mehr als der H&auml;lfte der Betroffenen von heute auf morgen schlechter gehen wird, will einem angesichts der viel gr&ouml;&szlig;eren Not, der von der Katastrophe Betroffenen, nur schwer &uuml;ber die Lippen gehen. <\/p><p>Das moralische Verdikt Theodor W. Adornos, dass es nach Auschwitz barbarisch sei, ein Gedicht zu schreiben, betrifft das schreckliche Ereignis in S&uuml;dasien nicht unmittelbar. Das Seebeben vor der K&uuml;ste Sumatras war eine Naturkatastrophe und eben keine gewollte und geplante massenhafte T&ouml;tung von Menschen durch Menschen wie bei V&ouml;lkermorden oder Kriegen. Dennoch, auch fahrl&auml;ssig unterlassene Hilfeleistung ist eine Schande f&uuml;r die V&ouml;lkergemeinschaft. <\/p><p>Man wusste doch schon lange, dass solche Katastrophen jederzeit passieren k&ouml;nnten. Deshalb haben ja auch die reichen Anrainerstaaten des pazifischen Ozeans, also etwa die USA oder Australien seit langem ein Meeresbeben-Fr&uuml;hwarnsystem aufgebaut. Mit einer solchen Ma&szlig;nahme rund um den indischen Ozean h&auml;tte das Leben von Tausenden Menschen an den K&uuml;stengebieten S&uuml;dasiens gerettet werden k&ouml;nnen. Thailand, Indonesien, Indien und vor allem Sri Lanka oder die Malediven waren jedoch zu arm, um sich ein solches System leisten zu k&ouml;nnen. <\/p><p>Da setzen die Welthandelsorganisation und der Internationale W&auml;hrungsfond Milliarden ein, um dem freien Welthandel, dem freien Kapitalverkehr und der Globalisierung der Wirtschaft gerade auch in die flutwellenbedrohten Gebiete der &ldquo;einen Welt&rdquo; ihren Weg zu bahnen, aber daf&uuml;r, die Folgen von permanent drohenden Flutkatastrophen einzud&auml;mmen, war offenbar kein Geld da. <\/p><p>Da geben die reichen L&auml;nder der Welt unvorstellbare Summen f&uuml;r ihren inneren und &auml;u&szlig;eren Schutz vor dem Terrorismus aus, f&uuml;r den Schutz der Menschen vor Naturkatastrophen in den &auml;rmeren L&auml;ndern bleibt da nichts mehr &uuml;brig. <\/p><p>Allein die USA gaben im zur&uuml;ckliegenden Jahr &uuml;ber 400 Milliarden Dollar f&uuml;r ihr Milit&auml;r aus, 60 Milliarden sind f&uuml;r ein Raketenabwehrprogramm (National Missile Defense) geplant und mindestens 80 Milliarden kostet der Irak-Krieg. Irrsinnige Geldsummen f&uuml;r den Schutz der reichen B&uuml;rger der &ldquo;freien&rdquo; Welt. Schon die Portokasse des Pentagon h&auml;tte gereicht, um Tausende Menschen in den K&uuml;stenzonen besser zu sch&uuml;tzen und um dabei gleichzeitig mehr gegen die Armut als Wurzel des Unfriedens in der Welt zu tun. <\/p><p>Nicht einmal das kaum fassbare Ausma&szlig; der Katastrophe ist Anlass genug f&uuml;r ein Umdenken. Kaum ein Staat der Welt kommt offenbar auf die Idee, einen Teil des Geldes f&uuml;r den eigenen Schutz, wenigstens nachtr&auml;glich f&uuml;r den Schutz und jetzt vor allem auch f&uuml;r die Hilfe in die betroffenen Regionen umzulenken. Der UN-Koordinator f&uuml;r Katastrophenhilfe, Jan Egeland, hat Recht, wenn er die Hilfszusagen der USA mit 35 Millionen Dollar oder der EU mit 30 Millionen Euro als &ldquo;knauserig&rdquo; kritisiert. Die Bundesregierung denkt wenigstens &uuml;ber ein Schuldenmoratorium gegen&uuml;ber den betroffenen Staaten und &uuml;ber Hilfen beim Aufbau eines Erdbebenfr&uuml;hwarnsystems nach. Das soll nicht unerw&auml;hnt bleiben. <\/p><p>Es stockte einem schon der Atem, wenn man in den Medien etwa bei der B&ouml;rsenberichterstattung h&ouml;ren konnte, wie geradezu erleichtert aufatmende Vertreter der Versicherungswirtschaft darauf hinwiesen, dass die Flutopfer kaum Versicherungsschutz genie&szlig;en und deshalb die Gewinnprognosen der R&uuml;ckversicherer nicht nach unten korrigiert werden m&uuml;ssten. Anders als bei den Sch&auml;den f&uuml;r Hurrikane in den USA sei die &ldquo;Versicherungsdurchdringung in den K&uuml;stenregionen der betroffenen L&auml;nder und die dortige Wertkonzentration vergleichsweise gering&rdquo; (so der weltweit zweitgr&ouml;&szlig;te R&uuml;ckversicherer Swiss Re). <\/p><p>Es ist halt immer das alte, traurige Lied, wenn die (internationale) Politik versagt, wenn Solidarsysteme nicht funktionieren, wenn die Wirtschaft nur auf ihre Bilanzen schaut, dann hilft nur noch Mitmenschlichkeit und Barmherzigkeit. So wie die Dinge liegen, bleibt uns also auch &uuml;ber die NachDenkSeiten nicht viel anderes &uuml;brig, als an Ihre pers&ouml;nliche Hilfsbereitschaft gegen&uuml;ber den betroffenen Menschen zu appellieren. <\/p><p>Mit herzlichen W&uuml;nschen f&uuml;r ein friedliches, gesundes und gutes Neues Jahr <\/p><p>Ihr Albrecht M&uuml;ller, Ihr Wolfgang Lieb, Ihr Webmaster &ndash; <a href=\"http:\/\/www.medienpalast.de\/\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.medienpalast.de\/\">Lars Bauer<\/a>. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Newsletter Nr. 6 vom 31. 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