{"id":43041,"date":"2018-03-19T16:45:56","date_gmt":"2018-03-19T15:45:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43041"},"modified":"2018-03-20T07:35:52","modified_gmt":"2018-03-20T06:35:52","slug":"sprache-und-wirklichkeit-ein-schwieriges-verhaeltnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43041","title":{"rendered":"Sprache und Wirklichkeit \u2013 ein schwieriges Verh\u00e4ltnis"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180320-Schrattenholzer_.png\" alt=\"Elisabeth Schrattenholzer\" title=\"Elisabeth Schrattenholzer\"><\/div><p>Politische Meinungsbildung braucht klare Sprache, die sich genau auf Wirklichkeit bezieht. Zwei Grammatikformen werden aus diesem Blickwinkel bereits seit Jahrzehnten diskutiert: die Einzahlform mit generalisierender Bedeutung (das &bdquo;generische Maskulinum&ldquo;) und diejenigen Mehrzahlformen, in denen ausschlie&szlig;lich M&auml;nner genannt werden. <a href=\"http:\/\/orf.at\/stories\/2429997\/2430002\/\">Marlies Kr&auml;mer<\/a> zieht demn&auml;chst vor das Bundesverfassungsgericht, um das Recht zu erk&auml;mpfen, von ihrer Sparkasse als &bdquo;Kundin&ldquo; angesprochen zu werden.<\/p><p>Der BGH hat ihr dieses Recht zun&auml;chst <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2018-03\/bgh-urteil-sparkasse-gendern-formulare-gleichberechtigung\">abgesprochen<\/a>. <strong>Prof. Dr. Elisabeth Schrattenholzer<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43041#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] stellt diese Diskussion in einen umfassenderen Rahmen. Sie untersucht die Wirkung auf das Denken: Da wir Sprache, so wie sie ist, als Kinder &uuml;bernehmen m&uuml;ssen, trainieren wir von Anfang an, einen Teil der Wirklichkeit sprachlich auszublenden. <strong>Anette Sorg<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAuch die Logik wird missachtet, wenn Frauen in den Mehrzahlformen nur gemeint sind, aber nicht genannt. Das autonome Denken, so die Ausf&uuml;hrungen der Autorin, wird damit erheblich beeintr&auml;chtigt. In diesem Zusammenhang widmet sie sich auch der Verwendung von Begriffen wie &bdquo;postfaktisch&ldquo;, &bdquo;der Islam&ldquo; und &bdquo;Identit&auml;t&ldquo;. <\/p><p><strong>Die Mehrzahlformen und die Logik<\/strong><\/p><p>Zwei Autos und zwei Fahrr&auml;der sind miteinander vier Fahrr&auml;der? Nein. &ndash; Zwei Gitarren und zwei Fl&ouml;ten ergeben miteinander vier Fl&ouml;ten? Nein. &ndash; Zwei Lehrerinnen und zwei Lehrer zusammengez&auml;hlt sind vier Lehrer? Nein: Zum einen, weil diese Aussage der Wirklichkeit vor Augen nicht entspricht; zum anderen, weil damit ein Grundgesetz der Logik (und im weiteren Sinn auch der Mathematik und der Wissenschaftlichkeit) aufgek&uuml;ndigt w&auml;re. Ein Teilbegriff einer Menge (<em>Autos und Fahrr&auml;der<\/em>) kann und darf niemals gleichzeitig deren Oberbegriff sein. Der Oberbegriff w&auml;re im ersten Beispiel <em>Fortbewegungsmittel<\/em>, im zweiten <em>Musikinstrumente<\/em>, im dritten <em>Lehrkr&auml;fte<\/em>.<\/p><p>Allerdings fordert ein Grammatikgesetz, Logik und Realit&auml;t zu umgehen, sobald es sich um weibliche und m&auml;nnliche Menschen und ihre Darstellung in Mehrzahlformen handelt. In so einem Fall darf der maskuline Teilbegriff (<em>Lehrer<\/em>) gleichzeitig Oberbegriff (<em>Lehrer<\/em>) sein. Die Frauen d&uuml;rfen sich mitgemeint f&uuml;hlen. Und nicht wenige Menschen wollen bei dieser Regelung bleiben. Das ist f&uuml;rs Erste verst&auml;ndlich. Es braucht ein geh&ouml;riges Ma&szlig; an Aufwand, um Verhaltensweisen zu &auml;ndern, die uns in Kindertagen beigebracht worden sind. Der Arzt und Wissenschaftler Joachim Bauer formuliert das aus der Sicht der Neurobiologie so: &bdquo;Lebensgewohnheiten und Verhaltensmuster sind in Netzwerken unseres Gehirns festgeschrieben und lassen sich nur im Laufe eines l&auml;ngeren Lern- und &Uuml;bungsprozesses ver&auml;ndern.&ldquo;<\/p><p>Doch dieser Aufwand, so meine ich, lohnt sich. Warum, das m&ouml;chte ich hier begr&uuml;nden.<\/p><p><strong>Verletzung der Eigenst&auml;ndigkeit des Denkens<\/strong><\/p><p>Versetzen wir uns als Gedankenexperiment in ein &ndash; sagen wir siebenj&auml;hriges &ndash; Kind. Es befindet sich mit allen anderen Kindern seiner Schule in einer Schulversammlung. Vor dem Kind stehen zwei Lehrerinnen und zwei Lehrer. Eine Autorit&auml;t beginnt eine Rede mit den Worten: &bdquo;Diese vier Lehrer hier &hellip;&ldquo;<\/p><p>Das Kind ist jetzt mit zwei Wirklichkeiten konfrontiert: mit einer gesagten und mit einer gesehenen. Diese beiden widersprechen einander. Das Kind in unserem Gedankenexperiment ist zu jung, um die Autorit&auml;t zu hinterfragen, und es hat schon Jahre mit ungez&auml;hlten &auml;hnlichen Falschmeldungen hinter sich. Immer wieder sagt die Autorit&auml;t etwas anderes, als vor Augen steht, wenn es um M&auml;nner und Frauen geht. Das Kind lernt daher, Anschauung und &ndash; wie wir als Erwachsene hinzuf&uuml;gen k&ouml;nnen &ndash; auch die Logik gelten offenbar nicht immer. Das ist sehr verwirrend. Das Kind muss eine Denk-Doppelgleisigkeit entwickeln. Manchmal muss die Wirklichkeit vor Augen genau gesagt werden (<em>zwei Meter und zwei Kilometer sind <strong>nicht<\/strong> vier Kilometer<\/em>); manchmal darf sie nicht gesagt werden, sondern wird nach zun&auml;chst undurchschaubaren Gesetzen verbogen.<\/p><p>Wir, die Deutsch Sprechenden, haben diese Doppelgleisigkeit alle verinnerlicht. Wir k&ouml;nnen uns sprachlich in einem Raum bewegen, in dem weder Logik noch die Wirklichkeit vor Augen G&uuml;ltigkeit haben. Manche kommen von dort leider nie wieder zum Vertrauen in die eigene Wahrnehmung zur&uuml;ck. Sie brauchen ihr Leben lang eine Gruppe, in der alle das Gleiche sagen. Oder sie orientieren sich an einer Autorit&auml;t, um zu wissen, was von der Wirklichkeit gesagt werden darf. Das nennt man Unm&uuml;ndigkeit.<\/p><p>Die Autonomie eines Kindes wird untergraben, wenn die Wirklichkeit vor Augen sprachlich falsch wiedergegeben werden muss. Das eigenst&auml;ndige Denken wird verunsichert. Der Psychotherapeut Alexander Mitscherlich nannte das Individuum ein &bdquo;von Anfang an sozial vergewaltigtes Wesen&ldquo;. Michel Foucault, der untersuchte, &bdquo;entlang welcher Diskurse die Macht es schafft, bis in die winzigsten und individuellsten Verhaltensweisen vorzudringen&ldquo;, kam zu dem Schluss, dieser Zugriff der Macht &bdquo;vollzieht sich in der Sprache&ldquo;. <\/p><p>Ein Machtwort kann gebieten, Realit&auml;t aus der Wahrnehmung auszublenden. Der Inhalt autorit&auml;rer Aussagen kann Vorrang vor Realit&auml;t erzwingen, sei es auf subtile Art, sei es durch Androhung von Gewalt. Die Kirche hatte Anfang des 17. Jahrhunderts noch die Macht, die Aussage zu verbieten, dass sich die Erde um die Sonne bewegt. Galileo Galilei musste das ihm damals bereits Offensichtliche leugnen.<\/p><p><strong>Ignaz Semmelweis<\/strong><\/p><p>Ein besonders tragisches Beispiel f&uuml;r das Beharren auf &uuml;berlieferten Lehrmeinungen ist das Leben des Arztes und Gyn&auml;kologen Ignaz Semmelweis. Seit Generationen hatten angehende &Auml;rzte gelernt, es w&auml;ren Kleinstlebewesen, die als Folge von Wunden selbstt&auml;tig entstehen, die dann den Tod einer Person herbeif&uuml;hren k&ouml;nnen. Deswegen seien die Mediziner machtlos gegen das, was die Medizin heute Sepsis nennt. Nach langem Beobachten und &Uuml;berlegen steigerte Semmelweis durch simple Hygienevorschriften die &Uuml;berlebensrate der Frauen an der geburtshilflichen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses in Wien von unter 80 auf &uuml;ber 98 Prozent. Dieser Erfolg war statistisch verb&uuml;rgt, aber in der Fachwelt nicht akzeptabel. Wieder einmal wurde so Offensichtliches geleugnet wie die Tatsache, dass sich die Erde um die Sonne bewegt. Semmelweis wurde mit Schimpf und Schande entlassen. Nach weiteren beruflichen Odysseen und einem Zusammenbruch starb er verkannt, verfemt und verzweifelt, nur 47-j&auml;hrig, in einer psychiatrischen Klinik. Erst Jahrzehnte sp&auml;ter wurde er rehabilitiert und wird seither als &bdquo;Retter der M&uuml;tter&ldquo; gepriesen.<\/p><p><strong>Das generische Maskulinum<\/strong><\/p><p>Eine zweite Sprachgewohnheit schneidet in &auml;hnlicher Weise wie die unlogischen Mehrzahlformen die Sprache von der erlebbaren Wirklichkeit ab, n&auml;mlich das generische Maskulinum: Eine Einzahl darf da eine Mehrzahl meinen, ein m&auml;nnliches Individuum kann sprachlich auch s&auml;mtliche Frauen, eine ganze Gruppe von Individuen, ja eine ganze Bev&ouml;lkerung vertreten. Die genannten Inhalte und Eigenschaften gelten angeblich f&uuml;r alle. Daher ist das generische Maskulinum Meuchelmord am Realit&auml;tssinn. Ung&uuml;ltige Verallgemeinerungen und haltlose Vorurteile werden damit transportiert. Im Nationalsozialismus war es eine gern verwendete Ausdrucksform: &bdquo;Der Deutsche ist &hellip;&ldquo;, &bdquo;der Russe wird &hellip;&ldquo;, &bdquo;der Jude hat &hellip;&ldquo; etc. <\/p><p><strong>Werkzeuge zur &Uuml;berpr&uuml;fung, ob Worte und Begriffe realit&auml;ts<em>ent<\/em>sprechend sind<\/strong><\/p><p>Wer &uuml;ber Pl&auml;ne, Lebensgestaltung oder gesellschaftliche Ver&auml;nderungen redet, muss sich die &Uuml;berpr&uuml;fung der Sprache auf ihren Bezug zur Wirklichkeit gefallen lassen. Weder die realit&auml;tswidrigen Mehrzahlformen noch Aussagen mittels des generischen Maskulinums halten so einer Pr&uuml;fung stand. Dass diese Sprachformen dazu beitragen, politische Verf&uuml;hrbarkeit zu erleichtern, weil wir durch sie gew&ouml;hnt sind, vernebelte, ungenaue Aussagen hinzunehmen, l&auml;sst sich zwar vermuten, aber nicht ohne Weiteres belegen. M&ouml;glichkeiten, den Realit&auml;tsbezug der Sprache zu &uuml;berpr&uuml;fen, sind in jedem Fall zu begr&uuml;&szlig;en. <\/p><p>Zur &Uuml;berpr&uuml;fung, ob eine Aussage &uuml;berhaupt ein m&ouml;gliches Gegenst&uuml;ck in der Wirklichkeit haben kann, gibt es mehrere Strategien. Zwei davon m&ouml;chte ich hier &ndash; in aller K&uuml;rze &ndash; vorstellen und empfehlen:<\/p><ol>\n<li>Ein &bdquo;Bebildern&ldquo; erhellt bereits oftmals sehr rasch, ob mit einer Phantomsprache blo&szlig; eine Fata Morgana beschworen wird oder ob sich die Worte auf konkret vorhandene oder m&ouml;gliche Wirklichkeitsanteile beziehen;<\/li>\n<li>Das &Uuml;berpr&uuml;fen der Zust&auml;ndigkeit von Sprache anhand des Drei-Bereiche-Modells kl&auml;rt, ob das Gesagte allgemeine oder nur individuelle G&uuml;ltigkeit beanspruchen kann und darf.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Bebildern<\/strong><\/p><p>Bebildern wir zum Beispiel die Aussage, dass Gef&uuml;hle nicht verletzt werden d&uuml;rfen, anhand der Semmelweis-Geschichte. Wir drehen in Gedanken den Film &bdquo;Semmelweis und seine Vorgesetzten&ldquo;. Nun, das Gef&uuml;hl der Eitelkeit seiner Vorgesetzten war durch Semmelweis&rsquo; Erkenntnisse offenbar schwer gef&auml;hrdet, ihr Selbstgef&uuml;hl &ndash; im weitesten Sinn als <em>Heiler und Wohlt&auml;ter der Menschheit<\/em> &ndash; war angegriffen. Ihre Macht und ihr Prestige standen auf dem Pr&uuml;fstand. Nichtsdestotrotz war es richtig und notwendig, Hygiene einzuf&uuml;hren. Die Gef&uuml;hle der damaligen Professoren durften aufgrund des h&ouml;heren Gutes <em>Leben erhalten<\/em> also verletzt werden.<\/p><p>Und wenn ein erzkonservativer Vater &ndash; um ein literarisches Beispiel zu nennen: wie Edoardo Galotti in Lessings St&uuml;ck &bdquo;Emilia Galotti&ldquo; &ndash; seine Tochter lieber tot sieht als verf&uuml;hrt, weil Letzteres seine Gef&uuml;hle mehr verletzen w&uuml;rde, so sch&auml;tzen wir hierzulande und heute den Mord an der Tochter als ein erheblich schwerwiegenderes Verbrechen ein als die Verletzung von Edoardos Wertvorstellungen und Gef&uuml;hlen. <\/p><p>Ein ganz anderes Beispiel: <em>postfaktisch<\/em>.<\/p><p>Die lateinische Silbe <em>post<\/em> hei&szlig;t <em>nach<\/em>. Die deutsche Sprache kennt den Begriff posthum oder die Stilrichtung der <em>Postmoderne<\/em>, ein <em>postkapitalistisches<\/em> Zeitalter etc. Wenn wir ein <em>postfaktisches Zeitalter<\/em> bebildern wollten, was zeigen wir da? Ein Zeitalter <em>nach<\/em> den Fakten? Das l&auml;sst sich als Bild nicht herstellen. Wenn daher jemand von einem <em>postfaktischen<\/em> Zeitalter spricht, ist der angeblich kommunizierte Inhalt eine diffuse Nicht-Wirklichkeit. W&ouml;rter wie <em>postfaktisch<\/em> und das englische Pendant <em>post truth<\/em> haben, wie die &ouml;sterreichische Autorin und Journalistin Anne-Catherine Simon so treffend formuliert, &bdquo;wenig Nutzen, im Gegenteil. Erstens vernebeln sie Dinge, wo genaues Benennen dringend gebraucht ist: Wer verbreitet wie L&uuml;gen? Und wie unterscheidet man zwischen L&uuml;gen und ideologisch unerw&uuml;nschter Interpretation von Fakten?&ldquo;<\/p><p>In &auml;hnlicher Weise verhindern Aussagen im generischen Maskulinum und Aussagen mit ausschlie&szlig;lich maskulinen Mehrzahlformen einen direkten Bezug von Sprache zu Wirklichkeit. Das ist gef&auml;hrlich. Nicht zuletzt bei Vertr&auml;gen, Gesetzen und Vereinbarungen. Sprachformen, die etwas vage &bdquo;anderes&ldquo; meinen, als sie tats&auml;chlich sagen, erzeugen Unsicherheit und M&ouml;glichkeit zu Willk&uuml;r.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus gibt es allerdings Bereiche von Wirklichkeit, in denen Einigkeit &uuml;ber die Allgemeing&uuml;ltigkeit von Aussagen gar nicht eingefordert werden darf. Das zu kl&auml;ren, hilft das Drei-Bereiche-Modell.<\/p><p><strong>Das &bdquo;Drei-Bereiche-Modell&ldquo;<\/strong> (adaptiert nach Rupert Lay)<\/p><p>Sprache verb&uuml;rgt &ndash; je nach Referenzbereich &ndash; wesenhaft unterschiedliche Verbindlichkeit f&uuml;r die Sprechenden und H&ouml;renden. Die Allgemeing&uuml;ltigkeit von Aussagen ist nicht in jedem Fall gleicherma&szlig;en gew&auml;hrleistet.<\/p><p>Im Folgenden wird &bdquo;Welt-und-Wirklichkeitsbereich&ldquo; mit &bdquo;W&ldquo; wiedergegeben.<\/p><p><strong>Bereich W1: Sprache mit der Verl&auml;sslichkeit einer guten Landkarte<\/strong><\/p><p>Jener Bereich der Welt, der an uns alle gleicherma&szlig;en von au&szlig;en herantritt, also das sinnlich Wahrnehmbare und was unmittelbar daraus abgeleitet werden kann, wird im Drei-Bereiche-Modell <strong>W1<\/strong> genannt. Sprache bezieht sich hier auf ein Au&szlig;en, das f&uuml;r alle gleich ist. Wer sich mit dem Inhalt des Gesagten besch&auml;ftigen will, kann das mithilfe der eigenen Sprachkompetenz ohne Weiteres tun. In W1 funktioniert Sprache bei korrekter Verwendung als <strong>Landkarte der Wirklichkeit<\/strong>. Sie beruft sich, wie die Kartographie, auf &Uuml;bereink&uuml;nfte des Abbildens der Welt. Exakt abbildende Sprache erm&ouml;glicht es &ndash; wie eine gute Landkarte &ndash;, dass wir erfolgreich von A nach B gelangen. Wir k&ouml;nnen von einem bestimmten Begriff &ndash; z. B. <em>Baum, Haus, Stra&szlig;enverkehrsordnung<\/em> &ndash; zu dem so bezeichneten Wirklichkeitsanteil gelangen; beziehungsweise kommen wir von einem bestimmten Wirklichkeitsanteil meist zum selben Wort wie andere Deutsch Sprechende. Genau diese Konvertierbarkeit Sprache\/Wirklichkeitsanteil verb&uuml;rgt Verl&auml;sslichkeit des Gesagten. Diese wird aber durch falsche Mehrzahlbildungen gest&ouml;rt. Besteht beispielsweise eine K&uuml;nstlerkolonie ausschlie&szlig;lich aus M&auml;nnern oder gibt es dort auch Frauen? &ndash; Die Verl&auml;sslichkeit der Information ist ein h&ouml;heres Gut als ein Grammatikgesetz.<\/p><p><strong>Bereich W2: Reaktionen auf &Auml;u&szlig;eres, Deutungen der Welt und innere Befindlichkeiten<\/strong><\/p><p>Die Reaktionen auf die Ph&auml;nomene in W1 beinhalten Gef&uuml;hle, pers&ouml;nliche Befindlichkeiten, Meinungen, Geschm&auml;cker und Deutungen der Welt. Sie werden im Drei-Bereiche-Modell <strong>W2<\/strong> genannt. Der Beweis f&uuml;r das Vorhandensein eines genannten Wirklichkeitsanteils liegt dabei im Inneren eines Menschen. Das ist ein f&uuml;r alle Menschen au&szlig;erordentlich wichtiger Bereich. Im Austausch des Erz&auml;hlens dar&uuml;ber wird Anerkennung des individuellen menschlichen Daseins gew&uuml;rdigt, gef&ouml;rdert und best&auml;tigt. Wir lernen einander damit als menschliche Individuen n&auml;her kennen.<\/p><p>Das alles kann und soll Sprache leisten. Sie st&auml;rkt dann Selbstgef&uuml;hl, Autonomie, Empathie und die Wertsch&auml;tzung der Vielfalt des Lebendigen. Mit den Inhalten auf diesem Gebiet ist es allerdings wie mit Tr&auml;umen: Niemand kann beweisen, was er oder sie getr&auml;umt hat; der Wahrhaftigkeit einer Traum-Schilderung k&ouml;nnen wir nur vertrauen oder nicht vertrauen. Daher w&auml;re es Fundamentalismus oder ungerechtfertigter Machtanspruch, Erkenntnisse aus W2 als verpflichtend f&uuml;r alle Menschen vorzuschreiben. Dass ein Fachgremium die Bibel oder Karl Marx&rsquo; Buch &bdquo;Das Kapital&ldquo; <em>so und so<\/em> auslegt, kann und darf nicht hei&szlig;en, dass diese Auslegung f&uuml;r alle Menschen ebenso verbindlich w&auml;re wie die Tatsache, dass der Regen von oben nach unten f&auml;llt und die Erde sich um die Sonne bewegt.<\/p><p><strong>Bereich W3: Das Unnennbare<\/strong><\/p><p>Bei W3, dem dritten Bereich des Drei-Bereiche-Modells der Zust&auml;ndigkeit von Sprache, handelt es sich um einen von vielen Menschen f&uuml;r wahr erachteten Bereich, der &uuml;ber das sinnlich Erfahrbare hinausginge. Dieser w&auml;re dann gegebenenfalls unbenennbar und unbeschreibbar, da alle vorhandenen W&ouml;rter und Begriffe, und seien sie noch so abstrakt, jeweils einen <em>Anteil<\/em> des Erfahrbaren benennen. F&uuml;r ein allumfassendes Dar&uuml;ber-Hinaus ist die Sprache nicht das geeignete Darstellungsinstrument.<\/p><p><strong>Die G&uuml;ltigkeit von sprachlichen Abbildungen der Wirklichkeit<\/strong><\/p><p>Mittels des Drei-Bereiche-Modells ergeben sich daher folgende G&uuml;ltigkeitsbereiche von sprachlichen Aussagen:<\/p><p>In <strong>W1<\/strong> kann Einigung erzielt werden, k&ouml;nnen funktionierende Gesetze beschlossen und verl&auml;ssliche Vertr&auml;ge vereinbart werden,<\/p><p>in <strong>W2<\/strong> k&ouml;nnen Sprechende oder Schreibende Anteilnahme erwarten, Kunst aus&uuml;ben, Welt deuten, Visionen &auml;u&szlig;ern, Utopien, Dystopien &hellip; &ndash; und wir k&ouml;nnen uns gut und gerne &uuml;ber Widerspr&uuml;chliches unterhalten, denn Widerspr&uuml;chliches darf per definitionem gelten, solange es nicht die W1-Tatsachen verzerrt, verdreht oder leugnet. &ndash; Die Behauptung, dass die Sonne um die Erde kreist, musste revidiert werden. W1-Realit&auml;t hatte letztlich mehr Beweiskraft als die autorit&auml;r verordnete Sicht der Dinge.<\/p><p>In <strong>W3<\/strong> hat Sprache im g&uuml;nstigsten Fall die Funktion von Musik und kann Gleichgestimmtheit und atmosph&auml;risches Einverst&auml;ndnis erzeugen &ndash; vergleichbare kulturelle Konditionierungen vorausgesetzt.<\/p><p><strong>Zwei Beispiele einer Begriffskl&auml;rung anhand des Drei-Bereiche-Modells<\/strong><\/p><ol type=\"a\">\n<li><strong><em>Der<\/em> Islam? Welcher?<\/strong>\n<p>Kaum ein Gespr&auml;ch &uuml;ber &ouml;ffentliche und politische Angelegenheiten kommt heute ohne Reflexion &uuml;ber <em>den<\/em> Islam aus. Sei es, dass die Angst vor <em>dem<\/em> Islam thematisiert wird, sei es die Frage, was denn <em>der<\/em> Islam sei, sei es die Suche nach Verst&auml;ndnis f&uuml;r <em>den<\/em> Islam oder &Auml;hnliches. Was an diesen Fragen und Aussagen bezieht sich auf W1, wor&uuml;ber Einigung erzielt werden kann? Und was ist W2?<\/p>\n<p>W1-Tatsache ist, dass es vielerlei islamische Glaubensrichtungen gibt. In einigen L&auml;ndern der Erde haben einzelne dieser unterschiedlichen Glaubensformen Einfluss auf die Gesetzgebung oder pr&auml;genden Einfluss auf die politische Gestaltung des Landes und auf private Lebensformen. Bem&uuml;hungen, allgemeing&uuml;ltig festzulegen, was &bdquo;der&ldquo; Islam denn sei, m&uuml;ssen ins Leere gehen. Dasselbe gilt f&uuml;r Christentum, Judentum und andere Religionen: Es existieren zahlreiche Deutungen und Str&ouml;mungen, die einander teilweise diametral widersprechen. Es gibt also weder &bdquo;<em>den<\/em>&ldquo; Islam noch &bdquo;<em>das<\/em>&ldquo; Christentum. Solche irref&uuml;hrenden Benennungen entsprechen der Verwirrung, die das generische Maskulinum erzeugt. Extrem unterschiedliche Ph&auml;nomene sollen mit einer einzigen Bezeichnung korrekt kommunizierbar benannt werden. Das kann nicht funktionieren. <\/p>\n<p>Guter Wille vorausgesetzt, lassen sich jedoch die gesetzlichen Rahmenbedingungen f&uuml;r Glaubensfreiheit, Meinungsfreiheit und Gleichheit vor dem Gesetz diskutieren und in W1 verl&auml;sslich und verbindlich festlegen. Aber es l&auml;sst sich nicht herausfinden, was der Islam oder das Christentum zu bestimmten Inhalten sagen. In jeder gr&ouml;&szlig;eren Gruppe von Menschen gibt es unterschiedliche Meinungen zu welchem Thema auch immer.<\/p><\/li>\n<li><strong>Identit&auml;t<\/strong>\n<p><em>Identit&auml;t<\/em> ist in j&uuml;ngster Zeit ein politisch hochbrisanter Begriff geworden. Von <em>Identit&auml;tspolitik<\/em> wird geredet.<\/p>\n<p>Um es ausdr&uuml;cklich festzuhalten: Leider sind auch viele moralisch, ethisch und demokratisch untadelige Menschen in die Begriffsverwirrung um <em>Identit&auml;t<\/em> eingestiegen. Wie gesagt, das Wort <em>Identit&auml;tspolitik<\/em> macht die Runde. Und nicht nur Paul Watzlawick hat festgestellt, dass dort, wo es ein konkretes Wort gibt, auch ein konkreter Inhalt angenommen wird. Das kann ein Irrtum sein wie im Fall der Identit&auml;tspolitik. Sie bezeichnet keinen sachlich feststellbaren Inhalt. Der Begriff ist ein gef&auml;hrliches Manipulationssystem und Machtinstrument geworden. &Auml;hnlich wie beim generischen Maskulinum wird mit dem Begriff <em>Identit&auml;t<\/em> vieles angedeutet und nur selten etwas Haltbares ausgesagt. Hier schafft die Anwendung des Drei-Bereiche-Modells Kl&auml;rung und kommunikative Sicherheit.<\/p>\n<p>W1: <em>Identit&auml;t hei&szlig;t Gleichheit mit sich selbst<\/em>. Jede, jeder und alles ist <strong>immer<\/strong> <em>gleich mit sich selbst<\/em>. Die meisten Menschen hierzulande (mich eingeschlossen) haben gl&uuml;cklicherweise Dokumente, die beweisen, dass diese im Augenblick infrage stehende Person, die immer (wie alles andere auch) mit sich selbst identisch ist, staatsb&uuml;rgerlich gesehen genau diesen speziellen Namen tragen darf und deshalb diese oder jene Rechte hat. Notfalls beweist es ein abgespeicherter Fingerabdruck im Pass.<\/p>\n<p>Die rechtlich schwerwiegenden Konsequenzen, ob <em>meine<\/em> (wer immer das im Einzelfall sein mag) Identit&auml;t als Person dieses Namens eindeutig beweisbar ist, k&ouml;nnen lebensrettend sein. Es &uuml;berrascht daher nicht, dass Menschen nerv&ouml;s werden, wenn ihre Identit&auml;t infrage gestellt wird. In der Rechtsprechung und sowohl staatsb&uuml;rgerlich als auch psychisch ist sie hochgradig relevant.<\/p>\n<p>Der Begriff <em>Identit&auml;t<\/em> wird aber verwirrenderweise auch f&uuml;r ganz andere Inhalte verwendet: f&uuml;r Selbstbild, Identifikationen, Pers&ouml;nlichkeitsbeschreibungen, Individualit&auml;t etc.: alles Ph&auml;nomene in W2, die nur individuell bestimmbar sind und daher f&uuml;r die Allgemeinheit nicht verpflichtend sein k&ouml;nnen. Als stabile Gesetzesgrundlage w&auml;ren sie untragbar. <em>&Auml;quivokation<\/em> hei&szlig;t der philosophische Fachbegriff, wenn unterschiedliche Inhalte mit ein und demselben Wort benannt werden. So betrachtet sind auch das generische Maskulinum und die realit&auml;tswidrigen Mehrzahlformen &Auml;quivokationen.<\/p>\n<p>Individualit&auml;t ist genau das, was das Wort sagt; und das ist nicht Identit&auml;t. Dasselbe gilt f&uuml;r Identifikationen: Sie sind etwas anderes als Identit&auml;t. Werden Identit&auml;t, Individualit&auml;t und Identifikation mit demselben Wort bezeichnet, so entsteht nachhaltige Desorientierung. Das kommt denen zupass, die politisch manipulieren wollen.<\/p>\n<p>Fingerabdr&uuml;cke oder Dokumente beweisen <em>Ich bin ich<\/em> und <em>Sie sind Sie<\/em>. Wenn die Polizei ein Auto aufh&auml;lt und die Person am Steuer nach der Identit&auml;t fragt, ist ein Ausweis erforderlich. Sollte jemand in so einer Situation anfangen, &uuml;ber Heimat zu philosophieren, &uuml;ber irgendwelche Zugeh&ouml;rigkeiten, Abstammungen, Traditionen oder Selbstbilder, und behaupten, das w&auml;re doch die Angabe der Identit&auml;t, w&uuml;rde er oder sie wohl in Polizeigewahrsam genommen werden oder einem psychologischen Dienst &uuml;bergeben.<\/p>\n<p>Die vom &ouml;sterreichischen Verfassungsschutz mit Rechtsextremismus in Verbindung gesehenen Identit&auml;ren (&bdquo;Identit&auml;re Bewegung &Ouml;sterreich&ldquo;: IB&Ouml;), die sich ihrer internationalen Vernetzungen r&uuml;hmen, sagen auf ihren Internetseiten: &bdquo;Identit&auml;r kommt von Identit&auml;t.&ldquo; Und: &bdquo;Unter Identit&auml;t versteht man das Bewusstsein eines Menschen von sich selbst.&ldquo; Nein: <em>Identit&auml;t ist Gleichheit mit sich selbst<\/em>, unabh&auml;ngig vom Bewusstsein. Sonst h&auml;tte ein schlafender Mensch keine Identit&auml;t.<\/p>\n<p>Weiter erkl&auml;rt die IB&Ouml; auf ihren Internetseiten, dass es drei verschiedene Ebenen der Identit&auml;t g&auml;be, von denen es dann hei&szlig;t: &bdquo;F&uuml;r uns stehen alle drei Ebenen unserer Identit&auml;t auf gleicher Ebene.&ldquo; Dazu ist zu sagen: Entweder gibt es <em>eine<\/em> Ebene oder <em>drei<\/em> Ebenen. Aber von <em>drei<\/em> Ebenen zu sagen, dass sie auf <em>gleicher<\/em> Ebene stehen, ist blanker Unsinn. Mit so einem Satz ist auch nicht mehr die geringste Bezugnahme auf W1 &ndash; also auf den Bereich der Wirklichkeit, der an uns alle gleicherma&szlig;en von au&szlig;en herantritt &ndash; m&ouml;glich. Er l&auml;sst sich nicht bebildern. Mit diesem Satz funktionieren die Vereinbarungen &uuml;ber Sprache und Wirklichkeit nicht. Es l&auml;sst sich kein Zusammenhang von Sprache und Tatsachen erleben. Diese Art von Sprache ist f&uuml;r keinen konkreten Inhalt mehr haftbar zu machen, daher ist auch kein Inhalt einklagbar. Sie ist nur mehr Signal f&uuml;r das, was die Autorit&auml;t will. Und Letzteres kann sich beliebig &auml;ndern. Wer sich dieser Sprach-, Denk- und Gangart einmal untergeordnet hat, die oder der gehorcht und findet schwer wieder zur&uuml;ck zu autonomem Denken und Handeln.<\/p>\n<p>Aber:<\/p>\n<p>Der Satz &bdquo;F&uuml;r uns stehen alle drei Ebenen unserer Identit&auml;t auf gleicher Ebene&ldquo; ist um nichts abwegiger als der Satz &bdquo;Zwei Lehrer und zwei Lehrerinnen sind vier Lehrer&ldquo;. Die realit&auml;tswidrigen Mehrzahlformen verlangen ebenfalls ein Absehen von der Wirklichkeit &ndash; und Unterwerfung unter den Autorit&auml;tswillen. Auch deshalb sind sie abzulehnen. In seinem Buch &bdquo;Mythen des Alltags&ldquo; schreibt Roland Barthes &uuml;ber die Tautologie: Sie &bdquo;ist immer aggressiv. Sie bedeutet einen w&uuml;tenden Bruch der Intelligenz mit ihrem Objekt. Sie ist die arrogante Androhung einer Ordnung, in der man nicht denken w&uuml;rde.&ldquo; F&uuml;r das generische Maskulinum und die disrealen Mehrzahlformen gilt dasselbe. Beide Grammatikformen schaffen einen &bdquo;Bruch der Intelligenz mit ihrem Objekt&ldquo;. Nur sind die Auswirkungen dieser w&uuml;tenden Aggression gegen das anschauliche Denken noch viel umfangreicher, als das bei der Tautologie der Fall ist, weil die Sprachformen, um die es dabei geht, nahezu allgegenw&auml;rtig sind und von vielen Menschen nach wie vor als korrekt angesehen werden.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Res&uuml;mee<\/strong><\/p><p>Geben Sie dem Kind, das Sie einmal gewesen sind, recht. Zu Recht hat dieses Kind nicht verstanden, warum zwei Lehrerinnen und zwei Lehrer vier Lehrer sein sollten. Auch wenn die neu zu erdenkenden Sprachformen manchmal kompliziert und jedenfalls ungewohnt sind (LehrerInnen, Lehrer*innen, Lehrer_innen oder &Auml;hnliches): Es ist ein Grundgesetz der Logik, dass der Teilbegriff einer Menge nicht gleichzeitig deren Oberbegriff sein darf. Wer realit&auml;tswidrige Mehrzahlformen bislang f&uuml;r okay oder entschuldbar gehalten hat, sollte die Sache mit Blick auf die Logik, die ja f&uuml;r korrektes Argumentieren unabdingbar ist, noch einmal &uuml;berdenken.<\/p><p>Es w&uuml;rde allerdings der Wunsch nach Einhaltung des verfassungsrechtlich verankerten Gleichheitsgrundsatzes gen&uuml;gen, die realit&auml;tswidrigen Mehrzahlformen zu &auml;chten. Denn dem Geist dieses Gesetzes gem&auml;&szlig; ist alles zu &auml;ndern, was der Gleichbehandlung von Menschen zuwiderl&auml;uft; daher gegebenenfalls auch Denk-, Sprach- und Grammatikgewohnheiten.<\/p><p>Das schwierige Verh&auml;ltnis von Sprache zu Wirklichkeit verdient unsere Aufmerksamkeit. Und es verlangt unser Differenzierungsverm&ouml;gen, damit genaue Sprache zu verl&auml;sslichen Ergebnissen f&uuml;hren kann. &bdquo;Propaganda, auch Manipulationen, sind dann erfolgreich, wenn die Botschaften permanent wiederholt werden&ldquo;, schreibt Albrecht M&uuml;ller in den &bdquo;NachDenkSeiten&ldquo;. Falsche Mehrzahlformen sind in bet&auml;ubender Zahl wiederholt worden &ndash; und sie werden immer noch wiederholt. Die damit vielleicht sogar unfreiwillig transportierte Botschaft, dass Frauen in der Mehrzahl nicht der Rede wert seien, sollte zugunsten der Wirklichkeit, zugunsten der Frauen und zugunsten verl&auml;sslicher Information nicht mehr wiederholt werden.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Elisabeth Schrattenholzer<\/strong>, geboren in Wien, promovierte 1985 (Theaterwissenschaft und   Germanistik) und habilitierte sich 2004 im Fach &bdquo;Sprachgestaltung&ldquo; an der Universit&auml;t f&uuml;r Musik und darstellende Kunst Wien, wo sie bis 2017 lehrte. Sie ist Autorin mehrerer Sachb&uuml;cher und zahlreicher Artikel zum Thema Sprache und ver&ouml;ffentlichte auch literarische Werke. N&auml;heres siehe: <a href=\"http:\/\/www.elisabeth-schrattenholzer.at\">elisabeth-schrattenholzer.at<\/a>. <\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180320-Schrattenholzer_.png\" alt=\"Elisabeth Schrattenholzer\" title=\"Elisabeth Schrattenholzer\"\/><\/div>\n<p>Politische Meinungsbildung braucht klare Sprache, die sich genau auf Wirklichkeit bezieht. Zwei Grammatikformen werden aus diesem Blickwinkel bereits seit Jahrzehnten diskutiert: die Einzahlform mit generalisierender Bedeutung (das &bdquo;generische Maskulinum&ldquo;) und diejenigen Mehrzahlformen, in denen ausschlie&szlig;lich M&auml;nner genannt werden. <a href=\"http:\/\/orf.at\/stories\/2429997\/2430002\/\">Marlies Kr&auml;mer<\/a> zieht<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43041\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[168,11,161],"tags":[2190,2299],"class_list":["post-43041","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gleichstellung","category-strategien-der-meinungsmache","category-wertedebatte","tag-genderpolitik","tag-sprachkritik"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43041","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=43041"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43041\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":43056,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43041\/revisions\/43056"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=43041"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=43041"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=43041"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}