{"id":43085,"date":"2018-03-21T12:34:38","date_gmt":"2018-03-21T11:34:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43085"},"modified":"2018-09-18T13:27:08","modified_gmt":"2018-09-18T11:27:08","slug":"der-offenbarungseid-der-taz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43085","title":{"rendered":"Der Offenbarungseid der taz"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160930_Dominic_Johnson.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Kriege werden zwar von den Generalst&auml;ben geplant; um sie zu beginnen, braucht es jedoch die Federn aus Stahl &ndash; Journalisten, die der &Ouml;ffentlichkeit wortgewandt erkl&auml;ren, warum man mit Diplomatie nicht weiterkommt und die die gesellschaftlichen Koordinaten verschieben. So geschehen 1999, als Deutschland einen v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg im Kosovo f&uuml;hrte, nachdem die Medien die &Ouml;ffentlichkeit darauf eingeschworen hatten, man m&uuml;sse &bdquo;ein zweites Auschwitz verhindern&ldquo;. So geschehen vor 15 Jahren, als die USA und Gro&szlig;britannien 2003 den Irak &uuml;berfielen, nachdem die Medien die &Ouml;ffentlichkeit mit erfundenen irakischen Massenvernichtungswaffen auf den V&ouml;lkerrechtsbruch einschworen. Ein wackerer K&auml;mpfer f&uuml;r die Verschiebung der Koordinaten ist der taz-Auslandschef Dominic Johnson. Er <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!1294173\/\">trommelte 1999 f&uuml;r den Krieg<\/a> und erkl&auml;rte 2003 gar das <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!796828\/\">V&ouml;lkerrecht f&uuml;r ung&uuml;ltig<\/a>. Aktuell trommelt der unbelehrbare Falke in der taz gegen Russland und zeigt dabei einmal mehr, wes Geistes Kind er ist. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8627\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-43085-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180321_Der_Offenbarungseid_der_taz_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180321_Der_Offenbarungseid_der_taz_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180321_Der_Offenbarungseid_der_taz_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180321_Der_Offenbarungseid_der_taz_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=43085-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180321_Der_Offenbarungseid_der_taz_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180321_Der_Offenbarungseid_der_taz_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Lesen Sie dazu bitte auch den Artikel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35247\">Kriegstreiber in Latzhosen<\/a>&ldquo; vom 30. September 2016, in dem ich mich haupts&auml;chlich mit Johnsons Getrommel f&uuml;r einen Eintritt in den Krieg in Syrien besch&auml;ftigte.<\/em><\/p><p>Johnson ist nat&uuml;rlich kein Dummkopf, der mit dem Stetson wedelnd &bdquo;Horray!&ldquo; ruft und es f&uuml;r s&uuml;&szlig; und ehrenvoll h&auml;lt, f&uuml;r das Vaterland zu sterben. Nein, Dominic Johnson ist ein moderner Falke, der es vor allem auf die Koordinaten des linksliberalen B&uuml;rgertums abgesehen hat. Und in diesem Klientel kommen schie&szlig;w&uuml;tige Cowboys nicht gut an. Darum arbeitet Johnson auch so gerne mit Vergleichen und Metaphern. Um den Angriffskrieg gegen Serbien herbeizuschreiben, griff er beispielsweise zu dem geradezu widerw&auml;rtigen Mittel, die Serben in eine Reihe mit den Hutu in Ruanda zu stellen und die NATO-Luftangriffe als Lehre aus dem V&ouml;lkermord an den Tutsi <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!1294173\/\">umzudeuten<\/a>. Der v&ouml;lkerrechtswidrige Angriffskrieg, der damals der erste Krieg war, der seit 1939 wieder mit von deutschem Boden ausging, war f&uuml;r ihn daher auch ein &bdquo;zivilisatorischer Fortschritt&ldquo;. Es geh&ouml;rt schon viel menschliche Niedertracht dazu, ausgerechnet die ermordeten Tutsi f&uuml;r einen Angriffskrieg zu instrumentalisieren. Bemerkenswert auch: Johnson hat die L&uuml;gen, mit denen die NATO den Krieg vorbereitet hat, nicht etwa hinterfragt, sondern vollkommen ohne Not noch mit seinem dreisten Ruanda-Vergleich verst&auml;rkt.<\/p><p>Im Vorfeld des Irakkriegs war es das m&ouml;rderische kambodschanische Pol-Pot-Regime, mit dem Johnson wie &uuml;blich komplett geschichtsvergessen f&uuml;r Bushs und Blairs Irakkrieg <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!796828\/\">getrommelt hat<\/a>. Diesmal geiferte er gleich noch offen gegen &bdquo;die Kriegsgegner&ldquo; und stellte die h&auml;ufigen Regimewechsel durch Angriffskriege in Afrika allen Ernstes als Vorbild f&uuml;r die internationale Diplomatie dar. &bdquo;Das V&ouml;lkerrecht gilt nicht&ldquo;, so Johnson. Stattdessen seien die &bdquo;Menschenrechte&ldquo; der Test, ob ein Krieg gerechtfertigt sei oder nicht &hellip; Der Text entstand wohlgemerkt &uuml;ber ein Jahr nach der Er&ouml;ffnung von Guantanamo. Ein Krieg ist nach den Vorstellungen eines Dominic Johnson dann gerecht, wenn er die Menschenrechte st&auml;rkt. &Uuml;ber die Rechtfertigung der vietnamesischen Invasion in Kambodscha leitet er dann die Rechtm&auml;&szlig;igkeit des Westens her, in den Irak einzumarschieren. Das ist schon besonders starker Tobak. Wer nun denkt, dass die ehemals linke taz doch eigentlich kein Platz f&uuml;r einen kriegsl&uuml;sternen Schreibtischt&auml;ter ist, kennt die taz nicht. Johnson wurde 2011 sogar zum Auslandschef der taz ernannt.<\/p><p>In dieser Position trommelt er seitdem f&uuml;r ein &bdquo;hartes Vorgehen&ldquo; gegen Russland. Mit welchen Mitteln er dabei arbeitet, zeigt <a href=\"https:\/\/www.taz.de\/Archiv-Suche\/!5489568\">sein j&uuml;ngstes Elaborat<\/a>. Um den taz-Lesern den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42924\">Anschlag auf den russischen Doppelagenten Sergej Skripal<\/a> in seinem Sinne zu erkl&auml;ren, greift Johnson wieder einmal zu einer mehr als schr&auml;gen Metapher, bei der es um einen einschl&auml;gig vorbestraften Autohalter geht, mit dessem Wagen zwei Menschen &uuml;berfahren wurden und der sich nun mit fragw&uuml;rdigen Ausfl&uuml;chten herauszuwinden versucht, um der Strafverfolgung zu entgehen.<\/p><p>Eine sch&ouml;nere und einseitigere Metapher h&auml;tte sich Dominics Namensvetter Boris Johnson sicher auch nicht ausdenken k&ouml;nnen. Der Autohalter &ndash; also der Russe &ndash; ist also einschl&auml;gig vorbestraft? Warum? Hat Russland je Chemiewaffen eingesetzt? War es denn nicht Russland, das von der OPCW ausdr&uuml;cklich f&uuml;r die zertifizierte Zerst&ouml;rung seiner C-Waffen <a href=\"https:\/\/www.opcw.org\/news\/article\/opcw-director-general-commends-major-milestone-as-russia-completes-destruction-of-chemical-weapons-stockpile-under-opcw-verification\/\">gelobt wurde<\/a>, w&auml;hrend die USA sich daf&uuml;r noch <a href=\"http:\/\/www.dw.com\/de\/russland-vernichtet-letzte-chemiewaffen\/a-40714299\">bis 2023 Zeit lassen wollen<\/a> und Israel die Chemiewaffenkonvention noch nicht einmal ratifiziert hat. Aber was interessieren einen Dominic Johnson schon Fakten. Bereits das Grundkonstrukt seiner Metapher ist schlie&szlig;lich schr&auml;g, denn warum sollte ausgerechnet Russland der Autohalter in seiner Geschichte sein? Johnson hinterfragt die offizielle britische Erkl&auml;rung nicht, sondern &uuml;berholt Westminster in Sachen Bellizismus sogar noch in Lichtgeschwindigkeit.<\/p><p>Wie wenig Dominic Johnson verstanden hat und wie korrumpiert er ist, zeigt die zweite H&auml;lfte seiner Metapher. Darin stellt ja wohl Gro&szlig;britannien die Rolle der Polizei dar. Und sp&auml;testens an dieser Stelle wird es komplett absurd. Offenbar hat Johnson bereits die komplette Vorgeschichte des Irakkriegs vergessen &ndash; die von Blairs Kommunikationsdirektor Alastair Campbell <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Iraq_Dossier\">in Umlauf gebrachten Februar-<\/a> und <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/September_Dossier\">September-Dossiers<\/a>, die von vorne bis hinten gef&auml;lscht waren und auf deren Basis der Irakkrieg der &Ouml;ffentlichkeit schmackhaft gemacht wurde. Nat&uuml;rlich kann auch der, wer einmal gelogen hat, die Wahrheit sprechen; aber gerade als Journalist sollte man doch aus den L&uuml;gen der Vergangenheit lernen.<\/p><p>Um bei Johnsons Metapher zu bleiben, w&auml;re der Polizist ja gerade eben der Vorbestrafte, der schon mehrfach aktenkundig Beweismittel gef&auml;lscht hat. Und schon bricht Johnsons M&auml;rchen vom vermeintlichen Rechtsstaat zusammen. Aber mit dem Rechtsstaat hat der Mann, der das V&ouml;lkerrecht ausdr&uuml;cklich nicht anerkennt, auch ansonsten seine Probleme. Zumindest dann, wenn es um Russland geht. Erst vor einer Woche <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5489044\/\">w&uuml;tete Johnson mal wieder<\/a> &uuml;ber die seiner Meinung nach zu laschen &bdquo;Antworten&ldquo; der von ihm ansonsten ja sehr gesch&auml;tzten Theresa May. &bdquo;Kalter Krieg reicht nicht&ldquo; so Johnson, der allen Ernstes vorschl&auml;gt, &bdquo;russisches Kapital&ldquo; vom &bdquo;Londoner Immobilien-, Finanz- und Rohstoffmarkt&ldquo; anzutasten. Auf welcher rechtlichen Basis das vonstatten gehen soll, verschweigt er freilich. Erinnert nur mich das an die &bdquo;Requirierung j&uuml;dischen Kapitals&ldquo; im Dritten Reich?<\/p><p>Wie es so weit kommen konnte, dass Teile des deutschen Volkes sich vor nicht einmal 80 Jahren einen Krieg geradezu herbeigesehnt haben, beschreibt Sebastian Haffner in seinem sehr lesenswerten Buch &bdquo;Von Bismarck zu Hitler&ldquo; sehr anschaulich. Wie viele andere Historiker schreibt auch Haffner den Journalisten einen gro&szlig;en Teil der Verantwortung zu. Sollte es wirklich zu einem neuen Krieg mit Russland kommen, werden Historiker mit Sicherheit Schreibtischt&auml;ter vom Schlage eines Dominic Johnson zur Rechenschaft ziehen. Er tr&auml;gt dazu bei, die Koordinaten der &Ouml;ffentlichkeit zu verschieben und tritt dabei in die Fu&szlig;stapfen der unseligen Vertreter der Zunft, die Haffner nicht einmal mit dem Allerwertesten angesehen h&auml;tte. Auch dies ist ein Zeichen des be&auml;ngstigenden gesellschaftlichen Wandels, den wir momentan in der gesamten westlichen Welt durchleben.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/011defedbb644c1d977712518887ac0b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160930_Dominic_Johnson.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Kriege werden zwar von den Generalst&auml;ben geplant; um sie zu beginnen, braucht es jedoch die Federn aus Stahl &ndash; Journalisten, die der &Ouml;ffentlichkeit wortgewandt erkl&auml;ren, warum man mit Diplomatie nicht weiterkommt und die die gesellschaftlichen Koordinaten verschieben. So geschehen 1999, als Deutschland einen v&ouml;lkerrechtswidrigen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43085\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,123,183,171],"tags":[2020,1409,469,857,641,2464,432,1611,305,259,2300,590,1703],"class_list":["post-43085","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","category-militaereinsaetzekriege","tag-biochemische-waffen","tag-gifteinsatz","tag-grossbritannien","tag-haffner-sebastian","tag-irak","tag-johnson-dominic","tag-kosovo","tag-kriegsluegen","tag-menschenrechte","tag-russland","tag-skripal-sergej","tag-taz","tag-voelkerrecht"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43085","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=43085"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43085\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":43093,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43085\/revisions\/43093"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=43085"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=43085"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=43085"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}