{"id":43245,"date":"2018-03-30T10:47:08","date_gmt":"2018-03-30T08:47:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43245"},"modified":"2018-12-30T15:53:40","modified_gmt":"2018-12-30T14:53:40","slug":"landlose-erstuermen-nestle-die-tagung-des-world-water-councils-und-der-kampf-gegen-privatisierung-des-wassers-in-suedamerika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43245","title":{"rendered":"Landlose erst\u00fcrmen Nestl\u00e9 \u2013 Die Tagung des World Water Councils und der Kampf gegen Privatisierung des Wassers in S\u00fcdamerika"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180330-Nestle-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Am vergangenen 23. M&auml;rz endete in Brasilia das <a href=\"http:\/\/www.worldwaterforum8.org\/en\/8th-world-water-forum-march-18-23-2018\">8th World Water Forum<\/a> mit &Uuml;bereinkunft-Erkl&auml;rungen von 150 L&auml;ndern zur Verbesserung ihrer Wasserwirtschaft, die von Staatschefs, B&uuml;rgermeistern und zum ersten Mal von Richtern unterzeichnet wurden. Wie auf allen vorausgegangenen Foren wiederholte die Schlusserkl&auml;rung der Minister auch diesmal einen &bdquo;dringenden Aufruf zu entschlossenem Handeln&rdquo; und f&uuml;r verst&auml;rkte internationale Zusammenarbeit zur Gew&auml;hrleistung des universellen Zugangs zu Wasser und sanit&auml;rer Grundversorgung; ein Ziel, das nach dem Geist einer Resolution der Vereinten Nationen (UN) bis 2030 weltweit erreicht werden soll. Ferner setzten sich die Gesetzgeber auf dem f&uuml;nft&auml;gigen Forum f&uuml;r mehr Erfahrungsaustausch ein und dr&auml;ngen nun die Parlamente weltweit, in den jeweiligen nationalen Gesetzgebungen Wasser als &bdquo;zentrales Thema&rdquo; zu behandeln. Ein Bericht von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAls brasilianische Initiative und Gegenpendant zur Veranstaltung der Wasserindustrie tagte in Brasilia auch das Internationale Alternative Weltwasserforum&nbsp;<a href=\"http:\/\/fama2018.org\/\">FAMA 2018<\/a>, dem Anfang M&auml;rz eine Vorkonferenz in Berlin mit ma&szlig;geblicher Beteiligung der Allianz der &ouml;ffentlichen Wasserwirtschaft, der evangelischen Agentur &bdquo;Brot f&uuml;r die Welt&ldquo; und des Forums Umwelt und Entwicklung vorausgegangen war. Mit der Losung &bdquo;Wasser ist keine Ware, Wasser geh&ouml;rt dem Volk&rdquo; bekr&auml;ftigte die FAMA-Abschluss-Erkl&auml;rung, die von zahlreichen Wissenschaftlern und Politikern progressiver Parteien Lateinamerikas und Europas unterst&uuml;tzt wird, den Kampf gegen jegliche Form von Privatisierung und Beanspruchung privater Wasserquellen.<\/p><p>Aus Protest gegen mutma&szlig;liche Geheimverhandlungen zwischen de-facto-Pr&auml;sident Michel Temer und dem Nestl&eacute;-CEO Paul Bulcke &uuml;ber die Lizenzvergabe f&uuml;r die Ausbeute des Guarani-Aquifers, dem zweitgr&ouml;&szlig;ten der Welt, besetzten w&auml;hrend des Forums 600 Frauen der brasilianischen Bewegung der Landlosen (MST) symbolisch eine Nestl&eacute;-Fabrik im s&uuml;dostbrasilianischen S&atilde;o Louren&ccedil;o. Die Besetzung wurde mit einem gewaltt&auml;tigen Polizeieinsatz beendet und die Frauen vor&uuml;bergehend festgenommen.<\/p><p>Dass das Wasser-Forum in Brasilia nur eine Mischung von Reibungstest und Vorgeschmack auf die Offensive der transnationalen Wasserindustrie war, offenbart der in wenigen Wochen in Paris stattfindende Gipfel <a href=\"http:\/\/www.watermeetsmoney.com\/\">Global Water Summit 2018<\/a>. Die Tagung steht unter dem suggestiven Motto &bdquo;Water meets Money&ldquo;. Genauer: &bdquo;Auf dem Global Water Summit ging es schon immer um Verbindungen: Wasser trifft Geld, Publikum trifft auf Privat, Gesch&auml;ft trifft auf Chancen&ldquo;.<\/p><p><strong>Markt kontra Menschenrecht: die transnationale Wasserlobby<\/strong><\/p><p>Nach Sch&auml;tzungen der UN werden bis 2035 circa 40 Prozent der Weltbev&ouml;lkerung unter Bedingungen der Wasserknappheit leben m&uuml;ssen. Bev&ouml;lkerungswachstum, expandierende Landwirtschaft und Industrialisierung w&uuml;rden den weltweiten Bedarf an frischem, sauberem Wasser bis 2050 um 55 Prozent &uuml;ber das heutige Mengenangebot steigern. Mit Blick auf diese Ressourcenverknappung brachte Bolivien 2010 einen Antrag bei der UN ein, der den Zugang zu sauberem und gesundem Wasser und sanit&auml;rer Versorgung zum &bdquo;grundlegenden Menschenrecht&ldquo; erkl&auml;rte. Mit der Resolution 64\/292 verabschiedete die Generalversammlung der UN im Juli 2010 diesen Antrag mit 122 Stimmen, jedoch mit hoher Enthaltung: 41 L&auml;nder, darunter vor allem die entwickelten L&auml;nder des Westens, enthielten sich der Stimme.<\/p><p>Auf dem 4. Weltwasserforum hatten Parlamentsabgeordnete aus &uuml;ber 100 Staaten deshalb eine soziale Abfederung gefordert: Jeder Mensch soll Anrecht auf 40 Tagesliter sauberes Trinkwasser kostenlos bekommen, erst dar&uuml;ber d&uuml;rfe f&uuml;r Wasser ein Preis verlangt werden. Diese Forderung sollte das Kernst&uuml;ck eines verfassungsm&auml;&szlig;igen Rechts auf Wasser bilden &ndash; ein Recht, das es bislang nur in Uruguay gibt, was jedoch im Weltma&szlig;stab als immer weniger m&ouml;glich erscheint. Das l&ouml;bliche Bekenntnis zum Menschenrecht wurde als politischer Erfolg gewertet, in der Praxis wirkt es jedoch eher als Absichtserkl&auml;rung, denn die Forderung wird von der transnationalen Wasserindustrie radikal abgelehnt und ist nicht einklagbar.<\/p><p>F&uuml;hrender Akteur und Initiator der sogenannten Wasser-Foren ist der 1996 gegr&uuml;ndete Weltwasserrat (Englisch: &bdquo;World Water Council&ldquo;, WWC), dem sch&auml;tzungsweise 323 Vertreter aus Wirtschaft, lokalen Regierungen und deren Ministerien, Wissenschaft, internationalen Privatbanken, der Weltbank, der UN und militanter Think Tanks wie das Atlantic Council angeh&ouml;ren. Mit 30 Prozent sind die Vorst&auml;nde transnationaler Unternehmen im WWC nahezu doppelt so stark vertreten wie die Zivilgesellschaft (17 Prozent). Zu ihren m&auml;chtigen Playern z&auml;hlen Energiekonzerne und Stromversorger, wie die franz&ouml;sische EDF oder die spanisch-italienische Endesa, und f&uuml;hrende Konzerne der Lebensmittelbranche, allen voran Nestl&eacute;.<\/p><p>Die Weltwasserkonferenzen des WWC dr&auml;ngen auf eine Neudeutung der Wassernutzung. Weil es knapper wird, soll Wasser nicht mehr als frei verf&uuml;gbares Allgemeingut bezeichnet werden d&uuml;rfen, sondern als &bdquo;Commodity&ldquo; f&uuml;r die kommerzielle Ausbeute freigegeben werden. Apropos kommerzielle Ausbeute: Allein der Mineralwasser-Handel soll 2017 weltweit 250 Milliarden Liter erreicht und zwei Jahre zuvor einen Umsatz von 80 Milliarden Dollar erzielt haben (El escandaloso negocio del agua embotellada &ndash; Nueva Tribuna, 27. Dezember 2017).<\/p><p>Allerdings, wenn die Konzerne &bdquo;Wasser&ldquo; sagen, ist Trinkwasser und seine industrielle Verarbeitung nur ein metaphorischer Tropfen im Meer der Nutzungsm&ouml;glichkeiten. Nach der Radikal-Privatisierung des staatlichen Sektors durch die Diktatur Augusto Pinochets gewann beispielsweise der Endesa\/Enel-Konzern nahezu die vollkommene Kontrolle &uuml;ber die chilenischen Binnengew&auml;sser und deren Nutzung f&uuml;r die Stromerzeugung.<\/p><p>In der Debatte &uuml;ber die &ouml;ffentliche Wasserversorgung haben Vertreter der Zivilgesellschaft oft ihren Regierungen die unerkl&auml;rliche Verz&ouml;gerung nationalstaatlicher Programme f&uuml;r den Zugang zu gesundem Trinkwasser und sanit&auml;rer Versorgung vorgeworfen. Auff&auml;llige Andeutungen transnationaler Konzerne erkl&auml;ren jedoch diese Verschleppung. Den Regierungen wird seit Jahren die Sachkompetenz f&uuml;r die Wasserversorgung abgesprochen und die Privatisierung der Wasservorr&auml;te und der sanit&auml;ren Versorgung empfohlen (Mexiko: Privatisierung der Wasserversorgung &ndash; Clean Energy Project, 03. Oktober 2015).<\/p><p>Die neoliberalen Wasserh&auml;ndler wollen die Regierungen aus der Kontrolle &uuml;ber die Wassernutzung verdr&auml;ngen, sie bestenfalls zum 50\/50-Sozius in den sogenannten &bdquo;&Ouml;ffentlich-privaten Partnerschaften&ldquo; machen. Sie sollen unter der Anleitung der Weltbank die Wasserm&auml;rkte &bdquo;regulieren&ldquo;, w&auml;hrend die Konzerne mit Zugangslizenzen ihre Gesch&auml;fte machen.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180330-Nestle-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p><strong>Davos, Nestl&eacute; und die &bdquo;gemeinsamen Werte&ldquo;<\/strong><\/p><p>Drehb&uuml;hne der marktorientierten Wasser-Strategie ist das Weltwirtschaftsforum von Davos, das mit der <a href=\"https:\/\/www.weforum.org\/projects\/global-water-initiative\">Global Water Initiative<\/a> f&uuml;r &bdquo;die Verbesserung von Wassermanagementpolitik, Forschung, Investitionen und Wissensressourcen f&uuml;r nachhaltige landwirtschaftliche Produktion und verbesserte Ern&auml;hrungssicherheit&ldquo; NGOs und Regierungen vor seinen Karren zu spannen versucht.<\/p><p>Die 1961 gegr&uuml;ndete und aus Vertretern der Regierungen der USA und der Europ&auml;ischen Union zusammengesetzte Denkfabrik und Lobbyorganisation,  Atlantic Council, mit Sitz in Washington D.C., deren Mitglieder aus Wirtschaft, Politik und Milit&auml;r stammen, ist wiederum durch Querverbindungen mit dem WWC und Davos und dem <a href=\"http:\/\/www.uswaterpartnership.org\/\">U.S.&nbsp;Water Partnership<\/a> ein ma&szlig;geblicher Akteur der weltweiten Wasser-Strategieplanung. Kernst&uuml;ck dieser Strategieplanung ist das sogenannte &bdquo;Creating Shared Value&rdquo; (Erstellung gemeinsamer Werte)-Modell zur sinnbildlichen Verf&uuml;hrung von Regierungen und Zivilgesellschaft. Das Modell stammt aus der Feder Peter Brabecks, Paul Bulckes Vorg&auml;nger als CEO von Nestl&eacute;.<\/p><p>&bdquo;Innerhalb der sogenannten &acute;Arbeitsteilung&acute; beim Ausbau der Ideologie und Strategien des internationalen Kapitalismus spielt der multinationale Nestl&eacute;-Konzern eine entscheidende Rolle. Brabeck &uuml;bernahm f&uuml;r sich und Nestl&eacute; einen Teil der Aufgabe, den neoliberalen Kapitalismus durch verschiedene Initiativen und Projekte zu legitimieren und eine starke Lobby des internationalen Gro&szlig;unternehmens &uuml;ber ein breites Netzwerk aus mehreren L&auml;ndern und Institutionen zu flechten&ldquo;, erkl&auml;rt der brasilianische Wasser-Aktivist Franklin Frederick (Forum Econ&ocirc;mico Mundial: Temer entrega o jogo&hellip; e a &aacute;gua &ndash; Jornal GGN, 17. Januar 2018).<\/p><p>So sei die Water Resources Group (WRG) &ndash; die Coca-Cola, Pepsi und die Weltbank mit dem Ziel vereint, das Wasser auf der ganzen Welt durch &ouml;ffentlich-private Partnerschaften zu privatisieren &ndash; auf Initiative von Nestl&eacute; ins Leben gerufen worden. Erst k&uuml;rzlich ersetzte Paul Bulcke seinen Vorg&auml;nger Peter Brabeck im WRG Governance Body.<\/p><p>Nestl&eacute;s Programm &bdquo;Creating Shared Value&rdquo; h&auml;lt j&auml;hrlich mindestens eine relevante internationale Veranstaltung in verschiedenen L&auml;ndern ab, auf der Regierungen, hochrangige Vertreter globaler Institutionen wie der UN und der Weltbank mit rigoros geplanter Strategie auftreten. So geschehen 2011 in Washington, durch eine bezeichnende Shared-Value-Partnerschaft mit dem Atlantic Council, die nicht allein Wirtschaftsakteure mobilisiert, sondern eine Allianz rund um die NATO bedeutet. So auch geschehen zum Jahresbeginn 2018 in Davos und fortgesetzt im laufenden Monat M&auml;rz in Brasilia. &bdquo;Warum sollte ein multinationales Unternehmen, das Babynahrung, Schokolade und Mineralwasser herstellt, eine Partnerschaft mit dem Atlantischen Rat und damit mit der NATO suchen?&ldquo;, fragt sich Frederick.<\/p><p>Die Antwort darauf g&auml;be das Shared-Value-Modell: &bdquo;Gesch&auml;ftsm&ouml;glichkeiten in den Bereichen Ern&auml;hrung, Wasser und l&auml;ndliche Entwicklung in Afrika und Lateinamerika. Dieses Programm &uuml;bersetzt die Orwellsche Sprache des zeitgen&ouml;ssischen Gro&szlig;kapitals und informiert dar&uuml;ber, dass &acute;Gesch&auml;ftsm&ouml;glichkeiten&acute; &ndash; d.h. nat&uuml;rliche Ressourcen, die von gro&szlig;en Unternehmen einverleibt werden &ndash; in gro&szlig;en Mengen in Afrika und Lateinamerika vorhanden sind. Und wenn die L&auml;nder dieser Kontinente ihre Ressourcen dem internationalen Kapital nicht zur Verf&uuml;gung stellen wollen, ist es immerhin beschaulich, die milit&auml;rische Macht der NATO nur anzudeuten, damit die potenziell Abtr&uuml;nnigen ihre Meinung oder Politik &auml;ndern. Nicht zuf&auml;llig haben Kolumbien und die NATO 2013 ein Partnerschaftsabkommen geschlossen&ldquo;, gibt Frederick zu bedenken.<\/p><p>Wie gro&szlig; dabei der Einfluss von Nestl&eacute; ist, verdeutlicht der Umstand, dass das politische Programm des schweizerischen Konzerns auch die Tagesordnung des j&uuml;ngsten Weltwirtschaftsforums mitbestimmte, dessen zahlreiche internationale Teilnehmer die Nestl&eacute;-Strategie &bdquo;Gemeinsame Werte in einer zerr&uuml;tteten Welt&rdquo; debattierten. Wie Nestl&eacute; umgekehrt rabiat mit Wasser-Aktivisten und mittellosen Menschen in der armen Welt umgeht, dokumentierte bereits die WDR-Reportage <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=N2vP2EvyUX4\">DOKU Nestl&eacute;: Das dreckige Gesch&auml;ft mit Wasser<\/a>.<\/p><p><strong>Nestl&eacute; und der Angriff auf den Guarani-Aquifer<\/strong><\/p><p>Menschen und Tieren stehen lediglich 3 Prozent der Wasservorkommen des Planeten als Trinkwasser zur Verf&uuml;gung, wovon wiederum 2 Prozent vereist sind. Nach Angaben der Weltbank sind Brasilien (5,661 Milliarden Kubikmeter) und Russland (4,312 Milliarden Kubikmeter) die L&auml;nder mit den gr&ouml;&szlig;ten S&uuml;&szlig;wasservorr&auml;ten der Welt, weshalb die Wasserkonzerne seit geraumer Zeit spekulieren, sie k&ouml;nnten ein Wasserkartell wider ihre Gesch&auml;ftsinteressen bilden.<\/p><p>Brasilien beherbergt zudem zwei der weltgr&ouml;&szlig;ten <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/geowissenschaften\/aquifer\/863\">Aquifer<\/a>: den kaum genutzten amazonischen SAGA (Sistema Aqu&iacute;fero Grande Amaz&ocirc;nia) und den Guarani in S&uuml;dostbrasilien. Der vom Geologen Danilo Anton in Erinnerung an die indigenen Guarani-Ureinwohner so getaufte Mega-Trinkwasserschatz wurde sch&auml;tzungsweise vor 200 bis 132 Millionen Jahren geformt, wird von Sandsteinen eingefangen und besitzt eine Ausdehnungsfl&auml;che von 1,2 Millionen Quadratkilometern, die grenz&uuml;bergreifend weit nach Paraguay, Argentinien und Uruguay hineinreicht.<\/p><p>Davon befinden sich 840.000 Quadratkilometer auf brasilianischem Territorium, die bereits seit Jahrzehnten als strategische Wasserquelle der Bev&ouml;lkerung, der Landwirtschaft und f&uuml;r Freizeitaktivit&auml;ten genutzt werden. Die nat&uuml;rliche Wiederauflade-Kapazit&auml;t des Guarani, vor allem durch Regen, betr&auml;gt 160 Kubikkilometer\/Jahr, von denen 40 Kubikkilometer\/Jahr risikofrei genutzt werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Nach Auskunft von Janine P&ouml;&szlig;neck von der Konrad-Adenauer-Stiftung (<a href=\"http:\/\/www.kas.de\/brasilien\/de\/publications\/30165\/\">Das blaue Gold des Guarani-Aquifer vom 12. Februar 2012<\/a>) koordinierte im Jahr 2003 die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) mit Unterst&uuml;tzung der GEF (Global Environmental Facility) ein Projekt zum Umweltschutz und der nachhaltigen Entwicklung des Guarani-Aquifer-Systems. Hellh&ouml;rig stimmt der Hinweis, dass das im Januar 2009 abgeschlossene und 26,8 Millionen Dollar teure Projekt von der Weltbank beaufsichtigt und von GW-MATE (Groundwater Management Advisory Team) &ndash; einer Expertengruppe der Weltbank, der Internationalen Atomenergiebeh&ouml;rde (IAEA), der deutschen Bundesanstalt f&uuml;r Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) sowie der Regierung der Niederlande begleitet wurde.<\/p><p>&bdquo;Ziel des Projektes war es, die Mercosur-L&auml;nder Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay bei der Ausarbeitung und Einf&uuml;hrung eines institutionellen und technischen Rahmens f&uuml;r das Management und die Erhaltung des Guarani-Aquifers in der Gegenwart und f&uuml;r zuk&uuml;nftige Generationen zu unterst&uuml;tzen&ldquo;, schrieb P&ouml;&szlig;neck.<\/p><p>&Uuml;ber Jahre hinweg wurde in brasilianischen Medien und sozialen Netzwerken &uuml;ber Privatisierungsversuche des Guarani mit den Farben einer Verschw&ouml;rungstheorie spekuliert. Dass es keine Theorie, sehr wohl jedoch der Umriss eines Gespenstes war, das noch keinen Namen hatte, best&auml;tigte nun das j&uuml;ngste Weltwirtschaftsforum in Davos. Wie einem <a href=\"http:\/\/economia.estadao.com.br\/noticias\/geral,temer-doria-e-meirelles-vao-a-davos-vender-um-novo-brasil,70002152647\">Bericht der Tageszeitung O Estado de S&atilde;o Paulo<\/a> zu entnehmen ist, ist es soweit: Nestl&eacute; will den Guarani anzapfen und bedient sich dabei eines illegitimen Staatschefs.<\/p><p>Der Bericht zitierte Nestl&eacute;-CEO Paul Bulcke als einzigen ausl&auml;ndischen Konzernvertreter und Gast von de-facto-Pr&auml;sident Michel Temer an einem runden Tisch zum Thema &bdquo;Das neue Narrativ Brasiliens gestalten &ldquo;, der am 24. Januar stattfand und das Anwerben von Investoren zum Ziel hatte. &bdquo;Viel mehr Sinn h&auml;tte es gemacht, wenn beispielsweise Vertreter einer ausl&auml;ndischen Bank, wie Cr&eacute;dit Suisse oder UBS, Platz an der Tischrunde genommen h&auml;tten&ldquo;, beobachtete Franklin Frederick. Warum also wurde unter so zahlreichen Firmen und CEOs ausgerechnet der Aufsichtsratsvorsitzende von Nestl&eacute; zu einer Debatte mit Temer und zwei gro&szlig;en brasilianischen Privatbankiers eingeladen?<\/p><p>Die Antwort auf diese Frage deutete die Tageszeitung <em>Correio de Brasilia<\/em> in einem Bericht von Mitte 2016 an (Multinacionais querem privatizar uso da &aacute;gua e Temer negocia \/ Multinationale Konzerne wollen Wassernutzung privatisieren und Temer verhandelt &ndash; 22. August 2016). Darin hie&szlig; es, &bdquo;nach Angaben eines leitenden Beamten der Nationalen Wasser-Agentur (ANA), der um Anonymit&auml;t bat, sollen die S&uuml;&szlig;wasserreserven des Guarani Aquifers in die Liste der Privatisierung &ouml;ffentlichen Eigentums aufgenommen werden (&hellip;) Die Verhandlungen mit gro&szlig;en transnationalen Konzernen der Branche, darunter Nestl&eacute; und Coca-Cola, erfolgen &lsquo;mit gro&szlig;en Schritten&rsquo; &ldquo;.<\/p><p>Die politische Pointe des Deals: Der Artikel erschien zu einem Zeitpunkt, als die gew&auml;hlte Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff gegen den parlamentarisch manipulierten Prozess f&uuml;r ihre Amtsenthebung k&auml;mpfte, jedoch bevor &uuml;berhaupt der Putsch vollzogen war, agierte ihr Vize Michel Temer hinter den Kulissen als de-facto-Pr&auml;sident und verhandelte bereits &uuml;ber die Privatisierung brasilianischer Ressourcen, die streng genommen den eigentlichen Grund f&uuml;r den Staatsstreich bildeten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180330-Nestle-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Am vergangenen 23. M&auml;rz endete in Brasilia das <a href=\"http:\/\/www.worldwaterforum8.org\/en\/8th-world-water-forum-march-18-23-2018\">8th World Water Forum<\/a> mit &Uuml;bereinkunft-Erkl&auml;rungen von 150 L&auml;ndern zur Verbesserung ihrer Wasserwirtschaft, die von Staatschefs, B&uuml;rgermeistern und zum ersten Mal von Richtern unterzeichnet wurden. Wie auf allen vorausgegangenen Foren wiederholte die Schlusserkl&auml;rung der Minister<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43245\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,127,143,178],"tags":[1223,373,282,1613,1563,2145,305,466,2309,1976,639,335,600,988],"class_list":["post-43245","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-landerberichte","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-privatisierung-oeffentlicher-leistungen","category-ressourcen","tag-afrika","tag-oekonomisierung","tag-buergerproteste","tag-brasilien","tag-kartell","tag-lateinamerika","tag-menschenrechte","tag-nato","tag-nestle","tag-temer-michel","tag-uno","tag-wasserversorgung","tag-weltbank","tag-weltwirtschaftsforum"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43245","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=43245"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43245\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48092,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43245\/revisions\/48092"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=43245"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=43245"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=43245"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}