{"id":4330,"date":"2009-11-11T09:30:25","date_gmt":"2009-11-11T08:30:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4330"},"modified":"2009-11-16T18:51:55","modified_gmt":"2009-11-16T17:51:55","slug":"hinweise-des-tages-1017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4330","title":{"rendered":"Hinweise des Tages"},"content":{"rendered":"<p>Heute unter anderem zu folgenden Themen: Zur Regierungserkl&auml;rung: mutlos und ohne L&ouml;sung, aber entschlossen; neues aus dem Casino; Licht und viel Schatten bei der Rente; Arbeitgeber verabschieden sich aus dem Sozialstaat; Leuna, eine unendliche Geschichte; Datenmissbrauch; EU will Steuer erheben, aber bei Steuerhinterziehung keine Amtshilfe leisten; Berlusconis neuer Trick; auf und ab in S&uuml;d- und Mittelamerika; mit dem Zweiten flieht man besser; vom Niedergang der Sozialwissenschaften. (RS\/WL\/AM)<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li><a href=\"#h01\">Zur Regierungserkl&auml;rung: mutlos und ohne L&ouml;sung, aber entschlossen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h02\">Die zweite Pleite-Welle<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h03\">Banken droht riesige Umschuldungswelle<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h04\">Teufels Beitrag: Provokante These des Goldman-Chefs<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h05\">Finanzinvestoren: Abgestraft und am Boden<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h06\">Licht und viel Schatten bei der Rente<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h07\">Bundessozialgericht: Ein Antragsdatum bleibt ein Antragsdatum<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h08\">&Uuml;ber 50 Arbeitnehmer wegen Krankheit bei Villeroy &amp; Boch abgemahnt<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h09\">Norbert Bl&uuml;m: Die globale Billiglohn-Olympiade<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h10\">Ungekl&auml;rte Verh&auml;ltnisse im Fall Leuna<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h11\">Datenmissbrauch bei der BA geht weiter<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h12\">EU will Extra-Steuern erheben<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h13\">EU-Einigung zu Amtshilfe in Steuerfragen blockiert<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h14\">Neuer Trick zur L&ouml;sung von Berlusconis Rechtsproblemen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h15\">Musterland Bolivien<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h16\">Honduras: R&uuml;ckfall in die dunklen Jahre<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h17\">Mauerfall im Fernsehen: Mit dem Zweiten flieht man besser<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h18\">Stephan Hebel zur Sloterdijk-Debatte<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h19\">Nachtrag zu Privatisierung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h20\">Man wei&szlig; es nicht genau: Vom Nutzen der Sozialwissenschaften f&uuml;r die Politik<\/a><\/li>\n<\/ol><p><em><strong>Vorbemerkung:<\/strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&uuml;r n&ouml;tig halten. Selbstverst&auml;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &Uuml;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &Uuml;bersicht f&uuml;r hilfreich halten, <a href=\"p=4330&amp;email=1\">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&ouml;glichkeit der schnellen Information hin<\/a>.<\/em><\/p><ol>\n<li><a name=\"h01\"><\/a><strong>Zur Regierungserkl&auml;rung: mutlos und ohne L&ouml;sung, aber entschlossen<\/strong>\n<ol type=\"a\">\n<li><strong>Neue deutsche St&auml;rke<\/strong><br>\nBundeskanzlerin Angela Merkel hat die Bundesrepublik auf harte Zeiten eingeschworen. &raquo;Die volle Wucht der Auswirkung der Krise wird uns im n&auml;chsten Jahr erreichen, erkl&auml;rte sie am Dienstag in der ersten Regierungserkl&auml;rung nach ihrer Wiederwahl. Ihr Text hatte die programmatische &Uuml;berschrift &raquo;Wachstum, Bildung, Zusammenhalt. Deutschland zu neuer St&auml;rke f&uuml;hren.&laquo; Die Opposition reagierte zum Teil mit Spott.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2009\/11-11\/034.php\">Junge Welt<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Merkel: ratlos aber entschlossen. Auf keine der dr&auml;ngenden Fragen eine Antwort, aber mutig voran. Eine Kanzlerin im Konjunktiv, h&auml;tte, w&auml;re, w&uuml;rde, dann w&uuml;rde alles gut. Und hinter pr&auml;sidialer Fassade, wird das &bdquo;Gesinde&ldquo; gejagt.<\/em><\/p><\/li>\n<li><strong>Zur Regierungserkl&auml;rung der Bundeskanzlerin: Merkel hat ein &bdquo;modernes konservatives Weltbild&ldquo; entworfen<\/strong><br>\nProfessor Gero Neugebauer, Politikwissenschaftler von der Freien Universit&auml;t Berlin, kann nach der Regierungserkl&auml;rung von Bundeskanzlerin Angela Merkel deren Heraufbeschw&ouml;ren einer &ldquo;neuen Solidarit&auml;t&rdquo; nicht nachvollziehen. Gerade die Steuerpolitik grenze bestimmte Menschen aus.<br>\nQuelle 1: <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/interview_dlf\/1067214\/\">Deutschlandradio (Text)<\/a><br>\nQuelle 2: <a href=\"http:\/\/ondemand-mp3.dradio.de\/file\/dradio\/2009\/11\/10\/dlf_20091110_1216_7aa164f2.mp3\">Deutschlandradio (Audio-Podcast)<\/a><\/li>\n<li><strong>Was Merkel eigentlich in der Regierungserkl&auml;rung h&auml;tte sagen m&uuml;ssen<\/strong><br>\nHerr Pr&auml;sident, meine Damen und Herren,<br>\ngestern haben wir den Mauerfall vor zwanzig Jahren gefeiert, aber machen wir uns nichts vor: Noch immer gibt es eine unsichtbare Mauer in unserem Land, eine Mauer zwischen sozial Schwachen und Starken. Deshalb m&uuml;ssen wir der Umverteilung von oben nach unten der letzten Jahre endlich ein Ende machen &hellip;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.wdr5.de\/fileadmin\/user_upload\/Sendungen\/Politikum\/2009\/11\/Manuskripte\/10%20Albrecht%20von%20Lucke.pdf\">wdr5 Politikum [PDF &ndash; 62 KB]<\/a><\/li>\n<li><strong>Oskar Lafontaine: Eine falsche Regierung zur falschen Zeit<\/strong><br>\nOskar Lafontaine kritisiert in seiner Erwiderung auf die Regierungserkl&auml;rung der Bundeskanzlerin: &raquo;Diese Regierung ist unf&auml;hig, die Kernaufgaben unserer Zeit &uuml;berhaupt anzugehen. Wir m&uuml;ssen nicht die Folgen, sondern die Ursachen der Finanzkrise erkennen und endlich die Weltfinanzm&auml;rkte regulieren. Die Au&szlig;enpolitik muss zum V&ouml;lkerrecht zur&uuml;ckkehren. Die Wirtschaft muss demokratisiert werden. Wir m&uuml;ssen die sozialen Sicherungssysteme wieder herstellen und wir m&uuml;ssen Altersarmut vermeiden.&laquo;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.linksfraktion.de\/rede.php?artikel=1305289360\">Die Fraktion Die Linke<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Weil man das ja sonst kaum irgendwo nachlesen kann.<\/em><\/p><\/li>\n<li><strong>Wissenschaftler-Schelte: Schwarz-Gelb denkt wie im Kalten Krieg<\/strong><br>\n&ldquo;Politische Ignoranz&rdquo; wirft eine Gruppe von Professoren und Professorinnen aus der Extremismusforschung der Bundesregierung vor. Sie bef&uuml;rchten, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarte Ausweitung der Programme gegen Rechtsextremismus auf die Bek&auml;mpfung linken und islamistischen Extremismus&acute; dazu f&uuml;hrt, dass sie massiv gek&uuml;rzt werden. Schwarz-Gelb hatte sich auf die Fortf&uuml;hrung der vom Bund gef&ouml;rderten Programme gegen Rechts als &ldquo;Extremismusbek&auml;mpfungsprogramme&rdquo; geeinigt, &ldquo;unter Ber&uuml;cksichtigung der Bek&auml;mpfung linksextremistischer und islamistischer Bestrebungen&rdquo;. Zudem soll ein Jahresbericht der Bundesregierung &ldquo;zur Aufarbeitung der SED-Diktatur&rdquo; entstehen.<br>\nDie Professoren vermuten, dass Projekte gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Rechtsextremismus in Gefahr sind, weil Geld und Personal umgeleitet werden. Bisher stehen 24 Millionen Euro f&uuml;r die beiden Bundesprogramme gegen Rechts, rund eine Million f&uuml;r das B&uuml;ndnis f&uuml;r Demokratie und Toleranz und etwa 300000 Euro in einem Fonds f&uuml;r Opfer rechtsextremistischer &Uuml;bergriffe zur Verf&uuml;gung.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/_em_cms\/_globals\/print.php?em_ssc=MSwwLDEsMCwxLDAsMSww&amp;em_cnt=2072497&amp;em_loc=1231&amp;em_ref=\/in_und_ausland\/politik\/aktuell\/&amp;em_ivw=fr_polstart\">FR<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><a name=\"h02\"><\/a><strong>Die zweite Pleite-Welle<\/strong><br>\nDie Pleite der US-Bank CIT ist keine Lehman-Katastrophe. Aber sie k&uuml;ndigt die n&auml;chste Phase des globalen Crashs an.<br>\nWeltweit steht eine zweite Welle von Insolvenzen bevor. Nach den Gro&szlig;banken, die sich mit undurchsichtigen Finanzprodukten verzockt hatten, trifft es nun die kleineren Banken, die an Unternehmen oder Privatkunden Geld verliehen haben, das wegen privater oder Firmen-Insolvenzen nicht mehr zur&uuml;ckflie&szlig;t. Schon vergangenes Jahr hatte die Kreditkartenfirma American Express sich wegen zu hoher Au&szlig;enst&auml;nde bei Karteninhabern im Eiltempo in eine Bank umgewandelt, um unter den Schutz des US-Rettungsschirms f&uuml;r das Kreditwesen zu fl&uuml;chten.<br>\nAuch Deutschland wird vor den Auswirkungen der zweiten Welle nicht verschont bleiben.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/finanzen\/177\/493523\/text\/\">SZ<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h03\"><\/a><strong>Banken droht riesige Umschuldungswelle<\/strong><br>\nDer Finanzierungsbedarf der Bankenbranche wird in den n&auml;chsten Jahren weltweit drastisch steigen, warnt die Ratingagentur Moody&rsquo;s. Weltweit sind Kreditinstitute so kurzfristig finanziert wie zuletzt vor 30 Jahren, warnt die Ratingagentur Moody&rsquo;s. In den vergangenen Jahren haben sich Banken immer kurzfristiger verschuldet. In den vergangenen f&uuml;nf Jahren ist die durchschnittliche Laufzeit neu aufgenommener Bankschulden von 7,2 auf 4,7 Jahre geschrumpft. Dadurch t&uuml;rmt sich in den kommenden Jahren weltweit ein gro&szlig;er Berg f&auml;llig werdender Forderungen auf. Bis 2012 m&uuml;ssen Banken Schulden in H&ouml;he von sieben Billionen Dollar zur&uuml;ckzahlen. Bis 2015 werden sogar 15 Billionen Dollar f&auml;llig. Diesen Betrag m&uuml;ssen Banken entweder durch frisches Fremdkapital ersetzen oder sie m&uuml;ssen entsprechend ihr Gesch&auml;ft reduzieren. Auch den internationalen W&auml;hrungsfonds beunruhigt das Schuldenprofil der Finanzbranche: &ldquo;Banken stehen in den n&auml;chsten zwei Jahren einer &ldquo;F&auml;lligkeits-Mauer&rdquo; gegen&uuml;ber, die ein betr&auml;chtliches Umschuldungsrisiko darstellt&rdquo;, hei&szlig;t es im IWF-Finanzstabilit&auml;tsbericht von Oktober.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/_b=2481872,_p=5,_t=ftprint,doc_page=0;printpage\">Handelsblatt<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h04\"><\/a><strong>Teufels Beitrag: Provokante These des Goldman-Chefs<\/strong><br>\nVerrichten Banken Gottes Werk? Kaum. Vielmehr sollten sie von &uuml;bergro&szlig;en Risiken abgehalten werden und ihre Rettung m&ouml;glichst selbst bezahlen.<br>\nNach Sch&auml;tzung der EU-Kommission kostet die Rettung maroder Geldh&auml;user allein in Europa bis zu 1,8 Billionen Euro. Das w&auml;ren 3500 Euro f&uuml;r jeden einzelnen Europ&auml;er, S&auml;uglinge und Greise eingerechnet. Angesichts solcher Dimensionen erstaunt es, wie wenig die Branche an den Kosten ihres Handelns beteiligt wird. Schon die Gehaltsgrenze f&uuml;r Vorst&auml;nde geretteter Institute findet manche Finanzgr&ouml;&szlig;e absto&szlig;end.<br>\nDabei besteht kein Zweifel, dass Banken gegen&uuml;ber anderen Wirtschaftszweigen bevorzugt werden. Weil der Kollaps wichtiger Finanzkonzerne den Geldkreislauf und damit die Wirtschaft lahmlegen w&uuml;rde, k&ouml;nnen sich die Akteure auf ihre Rettung durch den Steuerzahler verlassen. Eine Einladung, &uuml;bergro&szlig;e Risiken einzugehen und dem Rest der Menschheit weitere Billionensch&auml;den aufzub&uuml;rden.<br>\nGegen besondere Abgaben f&uuml;r Banken und Spekulanten werden viele Argumente vorgebracht, von denen keines wirklich sticht. Die Geldh&auml;user verdienen &uuml;ber lange Sicht genug, um sie f&uuml;r Finanzkrisen selbst zahlen zu lassen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/finanzen\/557\/493899\/text\/\">SZ<\/a>\n<p><em>Dazu auch die Glosse:<\/em><\/p>\n<p><strong>Sakrileg!<\/strong><br>\nLloyd Blankfein, Chef der US-Bank Goldman Sachs, tritt in die propagandistischen Fu&szlig;stapfen der Missionare des Mittelalters. Das ist zwar eine erprobte Methode. Am Ende des Tages handelt er sich aber damit die gleichen Probleme ein wie die kriselnden Kirchen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/amendedestages\/0,2828,660430,00.html\">Managermagazin<\/a><\/p>\n<p><em><strong>Anmerkung AM:<\/strong> Ich zitiere den Autor der Glosse: &bdquo;Manchmal hilft bei all dem frustrierenden Unfug nur noch Spott.&ldquo; So ist es. Eine lesenswerte Glosse von Matthias Kaufmann.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h05\"><\/a><strong>Finanzinvestoren: Abgestraft und am Boden<\/strong><br>\nJetzt gibt es auch noch von Moody&rsquo;s eins auf den Deckel. Finanzinvestoren kommen derzeit einfach nicht aus dem Tief heraus. Die US-Ratingagentur bescheinigt ihnen in einer Studie katastrophales Management. Von Finanzinvestoren gekaufte Firmen sind demnach erheblich schlechter durch die Krise gekommen als b&ouml;rsennotierte Konzerne. Die oft mehr als &uuml;berheblich auftretenden Herren bieten schon immer viel Angriffsfl&auml;che. Nicht nur weil sie bei vielen der von ihnen &uuml;bernommenen Unternehmen das Personal gnadenlos gekappt und den Firmen zum Teil die Schulden aufgeb&uuml;rdet haben, die sie f&uuml;r den Kauf genau dieser Firmen aufnehmen mussten. Der Moody&rsquo;s-Studie zufolge haben gro&szlig;e Private-Equity-Firmen wie Cerberus und Apollo gerade in der Krise einige Engagements in den Sand gesetzt. Zwei Drittel der Beteiligungen sind auf &ldquo;Ausfall&rdquo; gestellt oder schwer gest&ouml;rt. Dabei stehen &ldquo;Deals&rdquo; f&uuml;r eine deutlich zweistellige Milliardensumme auf der Kippe.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/_em_cms\/_globals\/print.php?em_ssc=MSwwLDEsMCwxLDAsMSww&amp;em_cnt=2070442&amp;em_loc=31&amp;em_ref=\/in_und_ausland\/wirtschaft\/aktuell\/&amp;em_ivw=fr_wirstart\">FR<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:<\/strong> Aber wo bleibt angesichts solcher Tatbest&auml;nde die Reaktion der Politik?<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h06\"><\/a><strong>Licht und viel Schatten bei der Rente <\/strong>\n<ol type=\"a\">\n<li><strong>Leistungen der Rentenversicherung: Dickes Paket<\/strong><br>\nDie Versicherten bekommen auch k&uuml;nftig mehr Rente heraus, als sie an Beitr&auml;gen eingezahlt haben. Das ergibt sich aus Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung Bund. Ein Neurentner des Jahres 2010 kommt demnach auf eine Rendite von 3,3 Prozent. Eine gleichaltrige Frau kann wegen ihrer l&auml;ngeren Lebenserwartung sogar mit 3,8 Prozent rechnen.<br>\nNach den Ermittlungen der Deutschen Rentenversicherung wird die Rentenrendite auch langfristig deutlich im Plus bleiben und sich in den n&auml;chsten Jahrzehnten im Schnitt bei etwa drei Prozent einpendeln. Die Stiftung Warentest kommt bei eigenen Berechnungen zu &auml;hnlichen Ergebnissen. Sie prognostiziert bei derzeitigem Rentenrecht sogar positive Renditen f&uuml;r alle, die bis 2070 in Rente gehen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.ihre-vorsorge.de\/Leistungen-der-Rentenversicherung.html?session=db0d0671f85905b4da5953e87b184b05\">Ihre Vorsorge<\/a>\n<p><em>Allerdings:<\/em><\/p><\/li>\n<li><strong>Doppelnull &ndash; die Zukunft der Rente<\/strong><br>\nZwei d&uuml;rre Jahre &ndash; darauf m&uuml;ssen sich 20 Millionen Senioren einstellen. Mit einer Erh&ouml;hung ihrer Renten k&ouml;nnen sie erst einmal nicht rechnen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/finanzen\/675\/494016\/text\/\">SZ<\/a><\/li>\n<li><strong>Der Markt soll&rsquo;s richten<\/strong><br>\nVersicherungslobbyist Bernd Raffelh&uuml;schen fordert Kopfpauschalen f&uuml;r Kranken- und Pflegeversicherung und h&ouml;here Eigenanteile bei medizinischen Leistungen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2009\/11-11\/019.php\">Junge Welt<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><a name=\"h07\"><\/a><strong>Bundessozialgericht: Ein Antragsdatum bleibt ein Antragsdatum<\/strong><br>\nDas Urteil des Bundessozialgerichtes zum Thema &ldquo;Versp&auml;tete Erg&auml;nzung der ALG II-Antragsunterlagen&rdquo; nimmt die Sozialleistungstr&auml;ger in die Pflicht. Antragssteller sind nicht einfach sich selbst zu &uuml;berlassen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/bin\/tp\/issue\/r4\/dl-artikel2.cgi?artikelnr=31450&amp;mode=print\">Telepolis<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h08\"><\/a><strong>&Uuml;ber 50 Arbeitnehmer wegen Krankheit bei Villeroy &amp; Boch abgemahnt<\/strong><br>\nIn der Kalenderwoche 49\/2009 wurden &uuml;ber 50 Arbeitsnehmer per Einschreiben abgemahnt, weil die Werksleitung am Wahrheitsgehalt der Krankschreibung, trotz &auml;rztlichem Attest, zweifelt. Die Werksleitung behauptet, dass die Arbeitnehmer sich abgesprochen haben, sich krank zu melden, um so die Produktion lahm zu legen. In den Augen der Werksleitung k&auml;me dies einem illegalen Streik nahe.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.s-o-z.de\/?p=11261\">S-O-Z<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h09\"><\/a><strong>Norbert Bl&uuml;m: Die globale Billiglohn-Olympiade<\/strong><br>\nDie Arbeitgeber machen sich vom Acker des Sozialstaats, doch sie werden daf&uuml;r einen hohen Preis zahlen m&uuml;ssen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/530\/493872\/text\/\">SZ<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h10\"><\/a><strong>Ungekl&auml;rte Verh&auml;ltnisse im Fall Leuna<\/strong><br>\nDossier Die Aff&auml;re um den Bau der Raffinerie wurde nie richtig aufgekl&auml;rt. 20 Jahre nach dem Mauerfall kommt wieder Bewegung in den Schmiergeldskandal &ndash; und in andere unsaubere Gesch&auml;fte der Nachwendezeit.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/europa\/:agenda-ungeklaerte-verhaeltnisse-im-fall-leuna\/50034685.html?mode=print\">Financial Times Deutschland<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h11\"><\/a><strong>Datenmissbrauch bei der BA geht weiter<\/strong><br>\nDie Bundesagentur k&auml;mpft nach Informationen von FR-online am Dienstag mit einem weiteren gravierenden Fall von Datenmissbrauch in ihrer Online-Jobb&ouml;rse. Zwei weitere Firmen hatten dort am Dienstag 3304 falsche offene Stellen angeboten &ndash; vom Chemielaborant &uuml;ber Drucker bis zum Chefpilot. Die Ansprechpartner der Firmen jobsearch24 sowie interpres stimmen mit der Firma Econsulting24 &uuml;berein, die am Montag bereits 2500 falsche Stellen in der Online-Jobb&ouml;rse angeboten hatte. Die Arbeitsagentur best&auml;tigte den neuen Vorfall auf Anfrage der FR-online.de.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/top_news\/2072151_Online-Jobboerse-Datenmissbrauch-bei-der-BA-geht-weiter.html\">Frankfurter Rundschau<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h12\"><\/a><strong>EU will Extra-Steuern erheben<\/strong><br>\nVor der Ratifizierung des Lissabon-Vertrages in allen EU-L&auml;ndern h&ouml;rte man aus Br&uuml;ssel bemerkenswert wenig an neuen Ideen. In einem &ldquo;Diskussionspapier&rdquo; zur Aufstellung des Haushalts ab dem Jahr 2014 wird gefordert, die Debatten &uuml;ber die H&ouml;he der Beitr&auml;ge der einzelnen Mitgliedsstaaten dadurch zu beenden, dass Br&uuml;ssel unmittelbar von den B&uuml;rgern eine Steuer erhebt. Die Entscheidung &uuml;ber die Einf&uuml;hrung solch einer neuen Steuer liegt jedoch nicht bei der Kommission oder beim Parlament, sondern beim Ministerrat. Dort stimmen auch jene Unions- und FDP-Minister mit ab, die vor der Wahl Steuererh&ouml;hungen kategorisch ausschlossen. Allerdings f&auml;llt der Bruch von Versprechen beim &ldquo;Spiel &uuml;ber die EU-Bande&rdquo; traditionell weniger auf, als wenn er auf nationaler oder regionaler Ebene geschieht.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/blogs\/8\/146527\">Telepolis<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h13\"><\/a><strong>EU-Einigung zu Amtshilfe in Steuerfragen blockiert<\/strong><br>\nDie EU-Finanzminister haben sich nicht auf eine gemeinsame Position bei der Amtshilfe in Steuerfragen einigen k&ouml;nnen. Am meisten Widerstand kam am Dienstag von Luxemburg und &Ouml;sterreich. Die zur Revision stehende EU-Richtlinie zur grenz&uuml;berschreitenden Amtshilfe in Steuerfragen regelt EU-intern den automatischen Informationsaustausch zwischen den Steuerbeh&ouml;rden der EU-Staaten. Dieser existiert bereits heute teilweise. Das Bankgeheimnis und die Banken sind davon nicht direkt betroffen. F&uuml;r &Ouml;sterreich und Luxemburg war der Vorschlag &laquo;nicht akzeptabel&raquo;, wie &Ouml;sterreichs Finanzminister Josef Pr&ouml;ll erkl&auml;rte. Die beiden L&auml;nder haben einen &laquo;generellen Vorbehalt&raquo; gegen die EU-Richtlinie zur Amtshilfe. Sie wollen ein Paket &laquo;zur guten Regierungsf&uuml;hrung in Steuerfragen&raquo; schn&uuml;ren.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/nachrichten\/international\/einigung_zu_amtshilfe_in_steuerfragen_blockiert_1.3997864.html?printview=true\">NZZ<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:<\/strong> &ldquo;The Usual Suspects&rdquo; (Casblanca)<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h14\"><\/a><strong>Neuer Trick zur L&ouml;sung von Berlusconis Rechtsproblemen<\/strong><br>\nNach einem Treffen mit Ministerpr&auml;sident Berlusconi hat der Vorsitzende des italienischen Abgeordnetenhauses, Gianfranco Fini, am Dienstag angek&uuml;ndigt, dass die Regierungskoalition dem Parlament n&auml;chstens einen Gesetzesentwurf zur Begrenzung der Dauer von Gerichtsverfahren auf sechs Jahre unterbreiten wolle. Fini rechtfertigte den neuen Vorstoss damit, dass Italien, wo Prozesse vielfach &uuml;ber 10 Jahre dauerten, unter einem der weltweit ineffizientesten Justizsysteme leide, was auch schon die EU beanstandet habe. Das neue Gesetz soll nach bisherigen Informationen auch bereits auf in erster Instanz laufende Prozesse angewandt werden, womit die gegen Regierungschef Berlusconi gerichteten Verfahren wegen der Bestechung eines Zeugen (Fall Mills) und wegen Steuer- und gesellschaftsrechtlicher Hinterziehung (Fall Fernsehrechte Mediaset) eingestellt werden m&uuml;ssten. Um Berlusconi weitere Schwierigkeiten mit der Justiz zu ersparen, war anf&auml;nglich gar eine Reduktion um einen Viertel der Verj&auml;hrungsfristen f&uuml;r nicht besonders gravierende Delikte erwogen. Damit h&auml;tten indes selbst nach konservativen Sch&auml;tzungen &uuml;ber die H&auml;lfte aller Strafverfahren eingestellt werden m&uuml;ssen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/nachrichten\/international\/neuer_trick_zur_loesung_von_berlusconis_rechtsproblemen_1.3998383.html?printview=true\">NZZ<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:<\/strong> Wir wussten, dass so etwas kommen w&uuml;rde, und sind doch immer wieder von der Dreistigkeit Berlusconis und seiner Gefolgschaft &uuml;berrascht.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h15\"><\/a><strong>Musterland Bolivien<\/strong><br>\nWachstum, solide Staatsfinanzen, beispielhafte Sozialprogramme: Regierung Morales beeindruckt mit Wirtschaftserfolgen selbst den IWF. Noch in den 90ern galt Bolivien als Musterknabe des &raquo;Washington Consensus&laquo;. Vorg&auml;ngerregierungen befolgten seit den 80er Jahren die Rezepte des W&auml;hrungsfonds. Eins zu eins wurden dessen Strukturanpassungsma&szlig;nahmen (SAP) umgesetzt: drastische Absenkung der Staatsausgaben, Privatisierung von Gas- und &Ouml;lbusine&szlig;, Bergbau, Renten- und Gesundheitssystemen, von Fluglinien, Telekommunikationsanbietern, Wasser- und Stromversorgung sowie Liberalisierung des Bankensystems. Genau diese gierige R&uuml;cksichtslosigkeit aber f&uuml;hrte in Bolivien letztlich zur Entmachtung der Verfechter neoliberaler Politik.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2009\/11-11\/043.php\">Junge Welt<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h16\"><\/a><strong>Honduras: R&uuml;ckfall in die dunklen Jahre<\/strong><br>\nGut vier Monate ist es jetzt her, dass in Honduras der Demokratie mit einem Staatsstreich ein Ende bereitet wurde. Und trotz intensiver diplomatischer Bem&uuml;hungen der Internationalen Gemeinschaft sitzt der Transportunternehmer Roberto Micheletti noch immer in dem Pr&auml;sidentensessel, auf den ihn die Milit&auml;rs im Morgengrauen des 28. Juni hievten. Staatschef Manuel Zelaya hat sich zwar geografisch dem Pr&auml;sidentenpalast angen&auml;hert, aber in seinem Exil in der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa ist er noch immer Lichtjahre von der R&uuml;ckkehr ins Amt entfernt. Inzwischen ist klar, dass sich die Putschisten mit ihrem Anschlag auf die demokratische Ordnung durchgesetzt haben.<br>\nDer Umsturz in Honduras bedeutet einen R&uuml;ckschritt von 30 Jahren f&uuml;r Lateinamerika. Der Sieg der Putschisten von Tegucigalpa hat daher Bedeutung weit &uuml;ber das Land hinaus. Er ist ein fatales Zeichen f&uuml;r die fragilen Demokratien der Region. In El Salvador, Guatemala, Bolivien und Paraguay waren die linksgerichteten Pr&auml;sidenten von Anfang an unter Beschuss der alten Eliten, die bereit sind, sich mit allen Mitteln gegen Ver&auml;nderungen zu wehren. Eliten, die daran gew&ouml;hnt sind, auf Kosten der Allgemeinheit reich zu werden. Zur Erinnerung: Lateinamerika ist die Region mit den gr&ouml;&szlig;ten Einkommensunterschieden in der Welt. Nirgends gibt es so viele Reiche und zugleich so viele Arme.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/_em_cms\/_globals\/print.php?em_ssc=MSwwLDEsMCwxLDAsMSww&amp;em_cnt=2070013&amp;em_loc=1775&amp;em_ref=\/in_und_ausland\/politik\/meinung\/&amp;em_ivw=fr_meinung\">FR<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h17\"><\/a><strong>Mauerfall im Fernsehen: Mit dem Zweiten flieht man besser<\/strong><br>\nWar es Marx, der gesagt hat, dass sich die Trag&ouml;die als Farce wiederholt? Und wenn das stimmen sollte, dann w&auml;re die n&auml;chste Frage, als was sich ein friedlicher Umsturz wiederholt. Nun, das ZDF wei&szlig; Antwort. Im Fernsehen kennt man sich mit Wiederholungen aus. Sie sind das R&uuml;ckgrat der Programmstruktur. Marx konnte noch nichts ahnen von der Revolution im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit.<br>\nIm ZDF hat sich am Montagabend der Fall der Berliner Mauer als Au&szlig;enwette wiederholt. Allerdings unter Sauwetterbedingungen. So viel Schirmdamen und -herren sah man nie. Angela Merkel machte ein Gesicht wie zwanzig Jahre Regenwetter. &bdquo;Der Himmel weinte vor Freude&ldquo;, titelte ein Boulevardblatt, das sich gern in den Feldherrenmantel der Geschichte h&uuml;llt. Wetten, dass die Grenze verschwindet? Man durfte noch einmal mitzittern. Den Part von G&uuml;nter Schabowski, der damals in der Ursendung das Geschehen moderierte, &uuml;bernahm Thomas Gottschalk, der letzte Quotenbringer. Auch die &ouml;ffentlich-rechtlichen Sender leiden unter Zuschauerschwund, wie einst das SED-Regime.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/zeitung\/Titelseite-ZDF-Mauerfall;art692,2946828?_FRAME=33&amp;_FORMAT=PRINT\">Tagesspiegel<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h18\"><\/a><strong>Stephan Hebel zur Sloterdijk-Debatte<\/strong><br>\nSloterdijk-Debatte : Die B&uuml;rger und ihr Recht \/ Stephan Hebel<br>\nWohin soll es f&uuml;hren von den so genannten Leistungstr&auml;gern Freiwilligkeit zu erwarten.<br>\nSloterdijk fand das Ventil f&uuml;r seine Wut auf den &ldquo;kleptokratischen&rdquo; Staat in jenen gedanklichen Sph&auml;ren, in denen weder empirische noch historische Befunde zu Hause sind. Allen Ernstes phantasiert er von einer &ldquo;unerh&ouml;rten Aufbl&auml;hung der Staatlichkeit in der gegenw&auml;rtigen Welt&rdquo;, w&auml;hrend in der Wirklichkeit Unternehmens- und Spitzensteuers&auml;tze gesenkt, Verm&ouml;genssteuern abgeschafft und parallel Sozialleistungen beschnitten wurden &hellip;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/kultur_und_medien\/feuilleton\/2070241_Sloterdijk-Debatte-Die-Buerger-und-ihr-Recht.html\">FR<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Alle Achtung wie Stephan Hebel dem Vorstandsmitglied seines Verlegers <a href=\"?p=4317\">Franz Sommerfeld<\/a> widerspricht.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h19\"><\/a><strong>Nachtrag zu Privatisierung:<\/strong>\n<p>Es erreichten uns zwei Mails, die wir gerne weitergeben:<\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li><strong>Zu Kliniken in Leipzig<\/strong><br>\nZum Thema Widerstand gegen das, was an kommunalen Krankenh&auml;usern versucht wird, m&ouml;chte ich kurz folgendes interessantes Vorgehen der Stadt Leipzig in diesem Jahr schildern. Der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer des St. Georg Klinikums versuchte seit l&auml;ngerer Zeit aus dem kommunalen Arbeitgeberverband auszutreten und somit auch aus dem Fl&auml;chentarifvertrag. Ziel ist die Schaffung eines Haustarifvertrages, nat&uuml;rlich unter dem Vorwand Arbeitspl&auml;tze zu erhalten. Das Klinikum ist einer der gr&ouml;&szlig;ten Arbeitgeber der Region und so beteiligten sich nicht selten 1000 und mehr Mitarbeiter an Protestaktionen und Unterschriftenaktionen mit dem erstaunlichen Ziel, dass der Aufsichtsrat ganz knapp, aber dennoch, dem Austieg NICHT zustimmte. Daraufhin wurde vom Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer eine GesellschafterVERSAMMLUNG einberufen. Der Gesellschafter ist die Stadt Leipzig und somit der Oberb&uuml;rgermeister. Dieser delegierte die Entscheidung (es war vor der Wahl) an seine Finanzb&uuml;rgermeistern Bettina Kudla (CDU). Diese eine, einzige Person stimmte dem Austritt zu und &uuml;berstimmt damit alle fr&uuml;heren Entscheidungen. Leider wurde &uuml;ber dieses Vorgehen von den lokalen Medien, trotz starker Proteste einiger Stadtr&auml;te nur sehr sp&auml;rlich, um nicht zu sagen, kaum berichtet. Mein demokratisches Grundverst&auml;ndnis ist jedenfalls in h&ouml;chstem Masse ersch&uuml;ttert, wenn eine einzige Person solch umfassende Entscheidungen treffen kann.<br>\nM. L.<\/li>\n<li><strong>Werner R&uuml;gemer in N&uuml;rnberg<\/strong><br>\nAttac-Forum: Privatisierung in Deutschland &ndash; &ouml;ffentliche Daseinsvorsorge als Spekulationsobjekt?<br>\nam Donnerstag, 12. November 2009 um 19.00 Uhr im Gewerkschaftshaus<\/li>\n<li><strong>Der B&uuml;rgerentscheid l&auml;sst die Politiker kalt<\/strong><br>\nDas Ergebnis ist eindeutig: Bei einem B&uuml;rgerentscheid im Bezirk Altona haben sich etwa 41.000 Wahlberechtigte (von insgesamt rund 180.000) f&uuml;r den kompletten Erhalt eines Buchenwaldes in Iserbrook ausgesprochen. F&uuml;r eine Bebauung des Grundst&uuml;cks, wie von der CDU-GAL-Mehrheitskoalition im Bezirk gewollt, votierten indes nur rund 7500 B&uuml;rger. Doch ob dieser eindeutige B&uuml;rgerwille auch umgesetzt wird, ist jetzt mehr als fraglich. &ldquo;Wir werden den Entscheid wohl rechtlich beanstanden m&uuml;ssen&rdquo;, k&uuml;ndigte gestern Bezirks-Abstimmungsleiter Kersten Albers an. Mit anderen Worten: Der B&uuml;rgerentscheid l&auml;sst die Politik kalt und wird von der Verwaltung voraussichtlich kassiert. Rund 130.000 Euro Kosten f&uuml;r Druck und Versendung der Wahlunterlagen w&auml;ren vergebens und die B&uuml;rgermitbestimmung h&auml;tte in Altona &ndash; wieder einmal &ndash; einen deutlichen D&auml;mpfer erhalten.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.abendblatt.de\/hamburg\/kommunales\/article1264169\/Der-Buergerentscheid-laesst-die-Politiker-kalt.html\">Abendblatt<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> So weit haben sich die Gr&uuml;nen von ihren Wurzeln entfernt.<\/em><\/p><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><a name=\"h20\"><\/a><strong>Man wei&szlig; es nicht genau: Vom Nutzen der Sozialwissenschaften f&uuml;r die Politik.<\/strong><br>\nDas Papier ist die erweiterte Fassung eines Beitrags zu einer Ringvorlesung &uuml;ber &bdquo;Wissenschaftliche Politikberatung an der Universit&auml;t G&ouml;ttingen im Sommersemester 2009. Es untersucht, was speziell die Sozialwissenschaften zur Beratung der Politik beitragen k&ouml;nnen. Nomothetische Theorien, die unter Wissenschaftlern oft als h&ouml;chstes Ziel der Forschung gelten und das gr&ouml;&szlig;te Prestige versprechen, scheinen f&uuml;r die politische Praxis am wenigsten n&uuml;tzlich. Erkl&auml;rungen vergangener Ereignisse sind f&uuml;r die Politik in der Regel nicht interessant; Vorhersagen sind in den Sozialwissenschaften kaum m&ouml;glich; und der technische Einsatz sozialwissenschaftlicher Theorien zur Ver&auml;nderung sozialen Verhaltens oder sozialer Verh&auml;ltnisse ist und bleibt eine Utopie. Die deskriptive Erfassung der sozialen Realit&auml;t durch Z&auml;hlen, Messen und Beobachten kann dagegen von erheblichem gesellschaftlichem Nutzen sein. Und obwohl sozialwissenschaftliche Forschung niemals die Intuition des erfahrenen Praktikers ersetzen oder dem Politiker die Last verantwortlicher Entscheidungen unter Risiko abnehmen kann, kann sie ihm helfen, die Erfahrungen der Vergangenheit und die M&ouml;glichkeiten der Zukunft besser zu &uuml;berschauen und sich von in der Gegenwart m&auml;chtigen Mythen &uuml;ber das, was tats&auml;chlich, m&ouml;glich und unm&ouml;glich ist, frei zu machen. Schlie&szlig;lich k&ouml;nnen die Sozialwissenschaften, diesmal auch und vor allem ihre st&auml;rker theoretischen Auspr&auml;gungen, auch l&auml;ngerfristig die politische Praxis beeinflussen, indem ihre scheinbar nur akademischen Diskussionen die kulturelle Selbstbeschreibung der Gesellschaft und mit ihr das Weltverst&auml;ndnis k&uuml;nftiger Generationen von W&auml;hlern und Entscheidungstr&auml;gern in nicht zu untersch&auml;tzender Weise pr&auml;gen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.mpifg.de\/pu\/workpap\/wp09-11.pdf\">Max-Planck-Institut f&uuml;r Gesellschaftsforschung [PDF &ndash; 610 KB]<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:<\/strong> Mit dem Text selbst mag sich eher ein Soziologe als ein &Ouml;konom n&auml;her auseinender setzen. Die Fragestellung verspricht viel, aber schnell wird klar, dass das eigentlich Interessante von Wolfgang Streeck bewu&szlig;t ausgespart wird:<\/em><\/p>\n<blockquote><p>&ldquo;Einerseits brauchen Politiker die Wissenschaft, weil die W&auml;hler Entscheidungen wollen k&ouml;nnten, die &bdquo;sachgerecht&ldquo; sind oder doch mit Hilfe von &bdquo;Experten&ldquo; als solche dargestellt werden k&ouml;nnen, andererseits k&ouml;nnen sie sich auf sie nicht sicher verlassen; einerseits m&uuml;ssen sie ihre Unabh&auml;ngigkeit respektieren, wenn sie aus ihrer Reputation Nutzen ziehen wollen, andererseits l&auml;dt die materielle Bed&uuml;rftigkeit der Wissenschaft die Politik geradezu dazu ein, sich Forschungsergebnisse nach Ma&szlig; zu bestellen. All das will ich hier und heute nicht behandeln, schon weil andere davon viel mehr verstehen als ich.&rdquo;<\/p><\/blockquote>\n<p><em>Das ist eine wirklich sehr faule Ausrede, Streeck geh&ouml;rte bereits, als Gerd Schr&ouml;der noch in Hannover sa&szlig;, zu seinem <a href=\"http:\/\/wissen.spiegel.de\/wissen\/dokument\/dokument-druck.html?id=31548427&amp;top=SPIEGEL\">Beraterstab<\/a>. Er hat ganz wesentlich an der Entwicklung des Konzeptes vom aktivierenden Sozialstaat mitgewirkt, wie schon der Titel eines Thesenpapers im Jahre 2000 aufzeigt: <a href=\"http:\/\/archiv.bundesregierung.de\/artikel\/28\/58528\/attachment\/255398_0.pdf\">&ldquo;Aktivierung der Arbeitsmarktpolitik&rdquo; [PDF &ndash; 1.65 MB]<\/a>. Hier wurden elementare Teile des Hartz-Pakets vorweggenommen.<br>\nEs ist mir nicht bekannt, inwiefern Streeck heute in der Politikberatung t&auml;tig ist, auf jeden Fall liefert er mit dem ganzen Gewicht eines Direktors am Max-Planck-Institut&nbsp; in Zeitungsartikeln Steilvorlagen f&uuml;r eine neoliberale Politik. Seine zentrale These von der zunehmenden Handlungsunf&auml;higkeit des Staates verschweigt, dass paradoxerweise die Politik selbst in ihrer Marktgl&auml;ubigkeit und Interessengebundenheit diese Handlungsunf&auml;higkeit&nbsp; herbeigef&uuml;hrt hat, wie sich z.B. im Abbau der Finanzierungsquellen staatlicher Aufgaben &uuml;ber massive Steuersenkungen von Kohl &uuml;ber Schr&ouml;der bis Merkel. leicht nachweisen l&auml;&szlig;t. Leider reiht sich auch Streeck in eine Reihe von Soziologen ein, die wie z.B. auch Ulrich Beck von &ouml;konomischen Kenntnissen unber&uuml;hrt &uuml;ber komplexe sozio-&ouml;konomische Zusammenh&auml;nge urteilen. Dazu pa&szlig;t die in Fu&szlig;note 3 vertretene Ansicht zu Gef&auml;lligkeitsgutachten bei &Ouml;konomen: &bdquo;Wobei es oft der Bestellung gar nicht bedarf. &bdquo;Gef&auml;lligkeitsgutachten&ldquo; kommen auch zustande, ohne dass man ausdr&uuml;cklich um sie bitten muss. Das scheint insbesondere in der &Ouml;konomie der Fall zu sein&ldquo;. Wie sch&ouml;n f&uuml;r Wolfgang Streeck, dass seine Sicht der Gesellschaft mit dem neoliberalen Zeitgeist zusammenf&auml;llt. Damit er&uuml;brigen sich Gef&auml;lligkeitsgutachten.<\/em><\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute unter anderem zu folgenden Themen: Zur Regierungserkl&auml;rung: mutlos und ohne L&ouml;sung, aber entschlossen; neues aus dem Casino; Licht und viel Schatten bei der Rente; Arbeitgeber verabschieden sich aus dem Sozialstaat; Leuna, eine unendliche Geschichte; Datenmissbrauch; EU will Steuer erheben, aber bei Steuerhinterziehung keine Amtshilfe leisten; Berlusconis neuer Trick; auf und ab in S&uuml;d- und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4330\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-4330","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hinweise-des-tages"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4330","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4330"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4330\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4330"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4330"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4330"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}