{"id":43363,"date":"2018-04-09T11:00:08","date_gmt":"2018-04-09T09:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43363"},"modified":"2024-09-24T08:30:26","modified_gmt":"2024-09-24T06:30:26","slug":"die-kommende-attraktion-der-irre-ist-los-im-westfluegel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43363","title":{"rendered":"Die kommende Attraktion: Der Irre ist los im Westfl\u00fcgel"},"content":{"rendered":"<p>W&auml;hrend der Superfalke John Bolton heute das Amt des Nationalen Sicherheitsberaters &uuml;bernimmt, blickt <strong>Ray McGovern<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43363#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] zur&uuml;ck auf die Zeit, als Bolton einer der &ldquo;Irren&rdquo; in der Administration von George W. Bush war. <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2018\/04\/05\/coming-attraction-lunatic-loose-in-west-wing\/\">Aus dem Englischen<\/a> von <strong>Josefa Zimmermann<\/strong>.<\/p><div style=\"clear: right;\"><\/div><p><!--more--><br>\nSeit Pr&auml;sident Donald Trump am 22. M&auml;rz John Bolton per Twitter zu seinem Sicherheitsberater ernannte, hat der Begriff &ldquo;March Madness&rdquo; eine neue, unheilvolle Bedeutung. Es bleibt weniger als eine Woche, um alle Schotten dicht zu machen, bevor die US-Au&szlig;enpolitik sich mit Bolton in eine noch schlimmere Richtung entwickelt.<\/p><p>In einem k&uuml;rzlichen <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2018\/03\/28\/intercepted-podcast-donald-trumps-stache-infection\/\">Interview<\/a> mit Jeremy Scahill von The Intercept (min. 35 &ndash; 51) erw&auml;hnte ich, dass Bolton sich nahtlos in eine Gruppe von Kriegstreibern einreiht, die einst in Washington als &ldquo;die Irren&rdquo; bekannt waren und heute h&auml;ufiger als &ldquo;Neocons&ldquo; bezeichnet werden.<\/p><p>Seit Beginn der 1970er Jahre wurde der Spitzname &ldquo;die Irren&rdquo; f&uuml;r Ideologen des Kalten Krieges angewandt, die versessen darauf waren, Russen, Chinesen und Araber zu &bdquo;bashen&ldquo; &ndash; also jeden, der die &bdquo;Ausnahmestellung&ldquo; (sprich: Hegemonie) der USA in Frage stellte. Genauer gesagt, ich &auml;u&szlig;erte gegen&uuml;ber Scahill, dass der ehemalige CIA-Direktor und Pr&auml;sident George H. W. Bush zu denen geh&ouml;rte, die diesen Begriff freim&uuml;tig benutzten, weil er so passend erschien. Man erwartet nun von mir, das zu beweisen.<\/p><p>Ich erfinde nicht einfach irgendwelche Dinge. Und mit der Ernennung des unzurechnungsf&auml;higen  Bolton sind die &ldquo;Irren&rdquo; nicht mehr nur eine historische Fu&szlig;note. Die Feuerprobe, der Bush-41 (der 41. Pr&auml;sident, d. &Uuml;.) und andere vergleichsweise gem&auml;&szlig;igte Politstrategen ausgesetzt waren, gibt dieser Erfahrung heute eine gro&szlig;e Bedeutung. Daher bin ich &uuml;berzeugt, dass es besser ist, wenn man mich nicht einfach beim Wort nimmt, wenn ich von den &bdquo;Irren&ldquo; rede, von ihrer bedeutenden Rolle und der unterschiedlichen Haltung der beiden Bushs ihnen gegen&uuml;ber. <\/p><p>George H. W. Bush und ich hatten eine langj&auml;hrige professionelle und sp&auml;ter auch freundschaftliche  Beziehung. Viele Jahre nach dem Ende seiner Pr&auml;sidentschaft blieben wir in Kontakt &ndash; meist per Brief. Ich habe mich zum ersten Mal entschieden, unsere pers&ouml;nliche Korrespondenz zu ver&ouml;ffentlichen. Das tue ich nicht nur wegen der unheilvollen Bedeutung, die Boltons Ernennung hat, sondern auch, weil ich mir sicher bin, der &auml;ltere Bush erwartet es von mir.<\/p><p>Unten ist ein Kommentar eingescannt, den George H. W. Bush mir geschickt hatte, und zwar acht Wochen bevor sein Sohn, angestachelt von den gleichen &ldquo;Irren&rdquo;, die sein Vater aus fr&uuml;heren Zeiten kannte, einen illegalen und unn&ouml;tigen Krieg mit dem Ziel des Regimewechsels im Irak vom Zaun brach.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180409_bol1.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p><strong>Von den Medien ge&auml;chtet<\/strong><\/p><p>Im Januar 2003 war klar, dass Bush-43 im Begriff war, einen Angriffskrieg zu beginnen &ndash; das Verbrechen, das vom N&uuml;rnberger Tribunal nach dem Zweiten Weltkrieg als &bdquo;das h&ouml;chste internationale Verbrechen definiert wurde und das sich von anderen Kriegsverbrechen nur dadurch unterscheidet, dass es alle anderen Kriegsverbrechen in sich einschlie&szlig;t (z. B. Folter).&ldquo; Fast w&auml;hrend des ganzen Jahres 2002 hatten einige von uns ehemaligen Geheimdienstanalysten Noten verglichen, uns gegenseitig Plausibilit&auml;ts-Checks unterzogen und Kommentare verfasst, in denen wir auf die Unf&auml;higkeit der Geheimdienste, die eine angebliche Gefahr durch Massenvernichtungswaffen im Irak zusammengeschustert hatten, hinwiesen und vor den katastrophalen Folgen eines Irakkrieges warnten.<\/p><p>Abgesehen von gelegentlichen Kommentaren, die wir z. B. im Christian Science Monitor oder im Miami Herald ver&ouml;ffentlichen konnten, wurden wir von den Mainstream-Medien ge&auml;chtet. Die New York Times und die Washington Post hingen am Informationstropf der Regierung und die TV-Experten brachten es zu hohen Einschaltquoten, wenn sie die Kriegstrommel r&uuml;hrten. Kein Wunder, dass alle Medien allergisch auf unsere &Auml;u&szlig;erungen reagierten, trotz unserer langj&auml;hrigen Erfahrung in der Analyse von Informationen. Mahnungen, sich zu m&auml;&szlig;igen und nachzudenken, waren das Letzte , was diejenigen h&ouml;ren wollten, die Profit schlugen aus einem drohenden Krieg am Horizont.<\/p><p>Die Herausforderung, vor der wir standen, war, Pr&auml;sident George W. Bush zu erreichen. Klar war, dass unsere einzige M&ouml;glichkeit darin bestand, die &ldquo;Irren&rdquo; &ndash;  die auf eine kriminelle Art wahnsinnigen Berater, die sein Vater so gut kannte &ndash; durch ein Ausweichman&ouml;ver zu stoppen: Vizepr&auml;sident Dick Cheney, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, den stellvertretenden Verteidigungsminister Paul Wolfowitz und Unterstaatssekret&auml;r John Bolton.<\/p><p><strong>Bolton, einer der Irren<\/strong><\/p><p>Bolton war Cheneys &bdquo;Irrer&ldquo; im State Departement. Minister Colin Powell war einer, der so tat als ob. Bei ihm konnte man sicher sein, dass er sich nicht lauthals beschweren w&uuml;rde &ndash; geschweige denn weglaufen &ndash; selbst wenn er &uuml;berzeugt war, &uuml;bers Ohr gehauen worden zu sein. Powell war in diese Position gelangt, weil er scharf salutiert hatte und tat, was seine Vorgesetzten ihm sagten. Als Au&szlig;enminister war Powell nicht verr&uuml;ckt &ndash; nur feige. Er genoss mehr Glaubw&uuml;rdigkeit als der Rest der Bande und anstatt sich der Gefahr der &Auml;chtung auszusetzen, wie die anderen von uns, opferte er seine Glaubw&uuml;rdigkeit auf dem Altar des &ldquo;h&ouml;chsten internationalen Verbrechens&rdquo;.<\/p><p>Damals z&ouml;gerte Bolton nicht, den Au&szlig;enminister und viele Andere zu &uuml;bertrumpfen &ndash; und <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2018\/03\/31\/trump-finds-fellow-bully-in-bolton\">zu mobben<\/a>. Dies kann als Hinweis auf  Zuk&uuml;nftiges gedeutet werden, das am Montag seinen Anfang nehmen wird, wenn der Elefant in den Porzellanladen im Westfl&uuml;gel einzieht. Dauerhaftigkeit geh&ouml;rt nicht zu den Kennzeichen der Dienstverh&auml;ltnisse in der Trump-Administration. Auch wenn Boltons Amtszeit sich als kurz erweisen sollte, stehen entscheidende Monate unmittelbar bevor, in denen Bolton jede M&ouml;glichkeit hat, das Chaos anzurichten, das &ldquo;die Irren&rdquo; weiterhin als St&auml;rkung des Einflusses der USA und nicht zuf&auml;llig auch des israelischen Einflusses im Nahen Osten sehen. Bedenken Sie, Bolton ist immer noch der Meinung, dass der Angriff auf den Irak eine gute Idee war. Und er will die bahnbrechende Vereinbarung zunichte machen, durch die der Iran daran gehindert wird, in absehbarer Zeit Atomwaffen zu entwickeln.<\/p><p><strong>Bem&uuml;hungen, Krieg zu verhindern<\/strong><\/p><p>Im August 2002, als die Bush-43-Regierung und die US-Medien das Land auf den Krieg gegen den Irak einstimmten, schrieben der Nationale Sicherheitsberater des &auml;lteren Bush, General Brent Scowcroft, und Au&szlig;enminister James Baker jeweils einen Kommentar, durch den der j&uuml;ngere Bush von der Mutterbrust der &ldquo;Irren&ldquo; entw&ouml;hnt werden sollte. Scowcrofts Kommentar im Wall Street Journal vom 15. August war so unverbl&uuml;mt wie sein Titel: &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/articles\/SB1029371773228069195\">Don&rsquo;t Attac Saddam!<\/a>&ldquo;. Der Warnschuss durch Bakers Artikel in der New York Times zehn Tage sp&auml;ter war diplomatischer, aber ebenso deutlich. <\/p><p>Aber diese Interventionen, von denen allgemein angenommen wurde, dass Bush-41 sie gebilligt  hatte, waren, wie vorhergesehen, von gegenteiliger Wirkung auf den j&uuml;ngeren Bush, der entschlossen war, der &ldquo;erste Kriegspr&auml;sident des 21. Jahrhunderts&rdquo; zu werden, wie er es selbst ausdr&uuml;ckte. Man kann auch darauf wetten, dass Cheney und andere &ldquo;Irre&rdquo; ihn mit Spr&uuml;chen k&ouml;derten wie: &ldquo;Du wirst dir doch nicht von deinem Daddy, der keinen von uns respektiert, vorschreiben lassen, was du zu tun hast!&ldquo;<\/p><p>Alle Versuche, das monstr&ouml;se Gef&auml;hrt zu bremsen, das bergab in Richtung Krieg rollte, schienen vergebens, als eine neue Idee aufkam. Vielleicht k&ouml;nnte George H. W. Bush irgendwie zu seinem Sohn durchdringen. Was gab es zu verlieren? Am 11. Januar 2003 schrieb ich einen Brief an den &auml;lteren Bush und bat ihn, &ldquo;ein privates Gespr&auml;ch mit Ihrem Sohn George &uuml;ber die &bdquo;Irren&ldquo; zu f&uuml;hren, die ihn in der Irak-Angelegenheit beraten&rdquo;, und ich f&uuml;gte hinzu: &ldquo;Ich bin entsetzt &uuml;ber die Gutsherrenart, in der Leute wie Richard Perles im Pentagon den Einsatz von Atomwaffen als eine akzeptable Option gegen den Irak bef&uuml;rworten.&rdquo;<\/p><p>Mein Brief lautete weiter: &bdquo;Dass solche Leute beim Pr&auml;sidenten Geh&ouml;r finden, ist geradezu be&auml;ngstigend. Ich denke, er muss wissen, warum Sie sich so sehr darum bem&uuml;hten, solche Leute auf Distanz zu halten. (Und wie Sie vielleicht wissen, &uuml;ben sie auch st&auml;ndig Druck auf die CIA-Analysten aus, damit sie die &ldquo;richtigen&rdquo; Antworten pr&auml;sentieren. Sie wissen ja, wie das geht!)&rdquo;<\/p><p>Ich f&uuml;gte dem Brief mehrere Kommentare bei, die es durch die Zensur in die zweitrangigen Mainstream-Medien geschafft hatten. In diesen Artikeln kritisierte ich die Haltung der Bush \/ Cheney-Administration zum Irak viel sch&auml;rfer, als Scowcroft und Baker es im August 2002 getan hatten.<\/p><p>Anfangs f&uuml;hlte ich mich ermutigt durch die ersten Zeilen der Antwort des &auml;lteren Bush vom 22. Januar 2003 an mich: &ldquo;Es ist nur &bdquo;treffend und richtig&ldquo;, dass Sie sich &auml;u&szlig;ern.&rdquo; Beim Weiterlesen fragte ich mich jedoch, wie er es zulassen konnte, dass der Wunsch sozusagen zum Vater des Gedankens wurde. (&Uuml;brigens ist der &ldquo;POTUS&rdquo; in seinem Brief das Akronym f&uuml;r &ldquo;President of the United States&rdquo; Nummer 43, und das war nat&uuml;rlich George jr.)<\/p><p>Der &auml;ltere Bush war sich dessen vielleicht nicht ganz bewusst, aber es klang wie das Pfeifen im Walde, nachdem er l&auml;ngst beschlossen hatte, Stellvertreter wie Scowcroft und Baker damit zu beauftragen, das t&ouml;richte Verbrechen eines Angriffs auf den Irak &ouml;ffentlich anzuprangern. Der Vater hat es vielleicht privat versucht. Wer wei&szlig;? Nach meiner Ansicht bestand die Trag&ouml;die darin, dass er nicht an die &Ouml;ffentlichkeit ging. Er war sich sehr wohl bewusst, dass dies die einzige M&ouml;glichkeit gewesen w&auml;re, zu verhindern, dass sein Sohn das tut, was das N&uuml;rnberger Tribunal als &ldquo;das gr&ouml;&szlig;te internationale Verbrechen&rdquo; bezeichnet hatte.<\/p><p>F&uuml;r einen Vater ist es nat&uuml;rlich schwer zuzugeben, dass sein Sohn unter Einfluss stand. Diesmal waren es nicht Alkohol oder Drogen, sondern eher der mindestens ebenso sch&auml;dliche d&auml;monische Einfluss der &ldquo;Irren&rdquo;, bei denen selbst Billy Graham sich nicht in der Lage gesehen h&auml;tte, den Teufel auszutreiben. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich den &auml;lteren Bush pers&ouml;nlich kenne, aber ich meine, da wir alle Menschen sind, ist ein gewisses Ma&szlig; an Empathie in Ordnung. Es liegt au&szlig;erhalb meiner F&auml;higkeiten, mir vorzustellen, wie es sein muss, als ehemaliger Pr&auml;sident einen Sohn zu haben, der auch ein ehemaliger Pr&auml;sident ist, und der unbestreitbar f&uuml;r eine so gro&szlig;e Anzahl von Toten und Verletzten und f&uuml;r unendliches Elend verantwortlich ist. <\/p><p><strong>Zu sp&auml;t ge&auml;u&szlig;ert<\/strong><\/p><p>Es war mehr als ein Dutzend Jahre zu sp&auml;t, aber George H.W. Bush <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2015\/11\/08\/bush-41-finally-speaks-on-iraq-war\/\">&auml;u&szlig;erte<\/a> schlie&szlig;lich seine Zweifel daran, ob es klug war, sich in den Irakkrieg zu st&uuml;rzen. In Jon Meachams Biografie &ldquo;Destiny and Power: The American Odyssey of George Herbert Walker Bush,&rdquo; gibt der &auml;ltere Bush  einen Gro&szlig;teil der Schuld den &bdquo;iron-ass&ldquo;-Beratern seines Sohnes, Donald Rumsfeld und Dick Cheney, w&auml;hrend er gleichzeitig zugibt, wer die eigentliche Verantwortung trug.  Mit diesem &bdquo;modifizierten, eingeschr&auml;nkten Eingest&auml;ndnis&ldquo; im Watergate-Stil und der (sehr gerechtfertigten) Kritik an seinen beiden alten Gegenspielern wird Bush-41 sicher angenehmer leben k&ouml;nnen und hoffen, dass er das &uuml;berwinden kann, worin nach meiner Meinung seine ewige Schuld besteht: nicht an die &Ouml;ffentlichkeit gegangen zu sein, als er noch h&auml;tte verhindern k&ouml;nnen, dass der &bdquo;arrogante&ldquo; Rumsfeld und der &bdquo;Hardliner&ldquo; Cheney ihren Wahn im Nahen Osten austoben. <\/p><p>Zweifellos ist ihm schmerzlich bewusst, dass er einer der wenigen war, die das Chaos und das Gemetzel h&auml;tten verhindern k&ouml;nnen, w&auml;re er rechtzeitig an die &Ouml;ffentlichkeit gegangen.<\/p><p>Die an mich gerichtete Notiz von Bush-41, in der er mich bat, unbesorgt zu sein, hatte die gegenteilige Wirkung auf die ehemaligen CIA-Beamten unter uns, die alarmiert waren &uuml;ber den Sturm, der sich zusammenbraute und die skrupellose Rolle unserer ehemaligen CIA-Kollegen, die immer noch dort t&auml;tig waren und daran arbeiteten, den Irakkrieg geheimdienstlich vorzubereiten. Wir konnten in Echtzeit beobachten, was dort vor sich ging und mussten nicht auf die Ergebnisse eines partei&uuml;bergreifenden, f&uuml;nf Jahre tagenden Geheimdienstausschusses im Senat warten. Der Vorsitzende Jay Rockefeller stellte seine Ergebnisse vor und sagte: &ldquo;W&auml;hrend sie die Argumente f&uuml;r einen Krieg vorbrachte, stellte die Regierung wiederholt Geheimdienstinformationen als Tatsachen dar, obwohl sie in Wirklichkeit unbegr&uuml;ndet, widerspr&uuml;chlich oder sogar inexistent waren.&rdquo;<\/p><p>Zur&uuml;ck zum Januar 2003: ein paar Tage nachdem ich Pr&auml;sident Bushs Brief vom 22. Januar 2003 erhalten hatte, begannen einige der ehemaligen Geheimdienstoffiziere mit den Vorbereitungen zur Gr&uuml;ndung von &bdquo;Veteran Intelligence Professionals for Sanity&ldquo; (VIPS). Bevor wir die Artikel &uuml;ber die schier unglaublichen Dinge, die wir beobachtet hatten, fertigstellten &ndash; mit eindeutigen Anzeichen, dass unser Berufsstand sich prostituierte, unterzogen wir uns gegenseitig Plausibilit&auml;ts-Checks. Am Nachmittag des 5. Februar 2003, nachdem Powell den UN-Sicherheitsrat get&auml;uscht hatte, ver&ouml;ffentlichten wir kurz vor Kriegsbeginn <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/vips-memos\/\">unser erstes von drei VIPS-Memoranden<\/a> an den Pr&auml;sidenten. Wir bewerteten Powell mit der Note &ldquo;C&rdquo; f&uuml;r den Inhalt und forderten Pr&auml;sident George W. Bush tats&auml;chlich auf, sich vorzusehen vor den &ldquo;Irren&rdquo;. Wir schlossen mit den Worten: &ldquo;Nachdem wir heute Minister Powell beobachtet haben, sind wir &uuml;berzeugt, dass Sie gut beraten w&auml;ren, die Diskussionrunde zu erweitern &hellip; &uuml;ber den Kreis jener Berater hinaus, die eindeutig zum Krieg neigen, f&uuml;r den wir keinen zwingenden Grund sehen und von dem wir glauben, dass seine unbeabsichtigten Konsequenzen wahrscheinlich katastrophal sein werden.&rdquo; <\/p><p><strong>Team B<\/strong><\/p><p>Als Gerald Ford im August 1974 die Pr&auml;sidentschaft &uuml;bernahm, war das Wei&szlig;e Haus ein Zentrum von Intrigen. Als Stabschef von Pr&auml;sident Ford arrangierte Donald Rumsfeld (1974-75) mit Unterst&uuml;tzung von Dick Cheney (1975-76) die Nominierung von Bush als CIA-Direktor. Dies wurde weithin als zynischer Schachzug gewertet, der verhindern sollte, dass Bush 1976 und m&ouml;glicherweise auch noch dar&uuml;ber hinaus f&uuml;r die Republikaner kandidierte, da der Posten des CIA-Direktors als Sackgasse galt und ihn im Idealfall aus der Politik heraushalten w&uuml;rde. (Leider kam es nicht so, wie Rumsfeld erwartet hatte &ndash; diese &bdquo;verdammten Unw&auml;gbarkeiten!&ldquo;)<\/p><p>Wenn Rumsfeld und Cheney auch noch gleichzeitig in der Lage w&auml;ren, GHW Bush als Kommunist zu stigmatisieren und dem Milit&auml;risch-Industriellen Komplex eine gl&auml;nzende Zukunft in Aussicht zu stellen, w&auml;re das quasi das Sahneh&auml;ubchen. Zu dieser Zeit hielt Rumsfeld evidenzfreie Reden, in denen er behauptete, die Sowjets ignorierten den ABM-Vertrag und andere R&uuml;stungskontrollvereinbarungen und r&uuml;steten heimlich auf, um die Vereinigten Staaten anzugreifen. Er und der ebenso unerbittliche Paul Wolfowitz taten alles in ihrer Macht Stehende, um ein alarmierendes Bild von der Sowjetunion und von ihren Absichten und Standpunkten bez&uuml;glich Kampf und Sieg in einem Atomkrieg zu zeichnen. Kommt das Ihnen bekannt vor? <\/p><p>Bush kam zur CIA, als die amerikanisch-sowjetische Entspannung sich zu entfalten begann. Der Grundstein in Form des ABM-Vertrages war seit vier Jahren gelegt und die Folge war die etwas &bdquo;verr&uuml;ckte&ldquo;, aber stabilisierende Realit&auml;t von MAD (Mutual Assured Destruction). Die &bdquo;Irren&ldquo; und Neocons lebten gleichzeitig in der verzweifelten Angst, ihren Lieblingsfeind, die UdSSR, zu verlieren. Kommt Ihnen auch das bekannt vor?<\/p><p>Bush war ein Jahr CIA-Direktor von Januar 1976 bis Januar 1977 und ich arbeitete direkt f&uuml;r ihn. Zu der Zeit war ich Acting National Intelligence Officer (ANIO) f&uuml;r Westeuropa, wo sich die Gewissheiten der Nachkriegszeit langsam aufzul&ouml;sen begannen. Meine Aufgabe war es, Geheimdienstgutachten f&uuml;r das Wei&szlig;e Haus zu erstellen &ndash; oft &uuml;ber pl&ouml;tzliche Ereignisse. H&auml;ufig setzten wir das ein, was damals als die neueste Technik galt, das LDX-Ger&auml;t (Long Distance Xerographie) und wir schickten eine unvorstellbar gro&szlig;e Zahl an Eil-Memoranden vom CIA-Hauptquartier an das Wei&szlig;e Haus. (LDX hei&szlig;t heute Fax, Internet gab es noch nicht). <\/p><p>Als ANIO leitete ich auch die National Intelligence Estimates in Italien und Spanien. So weit ich es aus dieser Position beobachten konnte, machte Direktor Bush seinem Versprechen alle Ehre, die Geheimdienstgutachten nicht politisch zu einzuf&auml;rben.<\/p><p>Rumsfeld und Wolfowitz hatten nat&uuml;rlich kein solches Versprechen gegeben. Sie &uuml;berredeten Pr&auml;sident Ford, eine Analyse durch ein &ldquo;Team B&rdquo; durchf&uuml;hren zu lassen und behaupteten, dass die Analysen und Gutachten der CIA und der anderen Geheimdienste in naiver Weise besch&ouml;nigend w&auml;ren. Bushs Vorg&auml;nger William Colby hatte diesen Vorschlag abgelehnt, aber er hatte keine politischen Ambitionen. Ich nehme an, dass Bush eine Falle von Rumsfeld vermutete, durch die er gegen&uuml;ber der UdSSR als Schw&auml;chling erscheinen sollte. Jedenfalls beugte sich Bush gegen den Rat praktisch aller Geheimdienstler dem politischen Druck und etablierte ebenfalls ein Team B f&uuml;r alternative Analysen. Niemand war &uuml;berrascht, dass dieses Team ein viel bedrohlicheres und unklareres Bild der strategischen Absichten der Sowjetunion zeichnete.<\/p><p>Paul Warnke, ein hochrangiger Beamter der R&uuml;stungskontroll- und Abr&uuml;stungsagentur zur Zeit des Teams B, formulierte es so: &ldquo;Was auch immer von einer Gruppe externer Experten als Einsch&auml;tzung strategischer F&auml;higkeiten gesagt werden kann, die Unm&ouml;glichkeit, durch &bdquo;unabh&auml;ngige&ldquo; Analysen brauchbare Ergebnisse zu erzielen, sollte offensichtlich sein.&ldquo; Dar&uuml;ber hinaus wurde die Sinnlosigkeit des Team-B-Unternehmens durch die Auswahl der Mitglieder des Gremiums sichergestellt. Anstatt eine Vielfalt von Ansichten einzubeziehen, bestand das Gremium f&uuml;r Strategische Ziele ausschlie&szlig;lich aus Individuen, deren Karriere sich darauf aufbaute, die sowjetische Bedrohung als alarmierend zu sehen. <\/p><p>Rumsfeld lie&szlig; sich nicht von der Tatsache abschrecken, dass die Schlussfolgerungen des Teams B weitgehend als ungenau betrachtet wurden. Es verkaufte sie als valide und es gelang ihm, die Bem&uuml;hungen um R&uuml;stungskontrolle f&uuml;r die n&auml;chsten Jahre zu unterminieren. Zwei Tage vor Jimmy Carters Amtseinf&uuml;hrung feuerte Rumsfeld seine Abschiedssalve mit den Worten ab: &ldquo;Es besteht kein Zweifel an den Kapazit&auml;ten der sowjetischen Streitkr&auml;fte&rdquo; und diese Kapazit&auml;ten &ldquo;deuten auf eine Tendenz zum Kriegf&uuml;hren&hellip; viel eher als zu den modernen westlichen Planspielen von Abschreckung durch gegenseitige Verletzbarkeit&rdquo;<\/p><p><strong>GHW Bush im Wei&szlig;en Haus<\/strong><\/p><p>Als George H. W. Bush als Vizepr&auml;sident in die Stadt kam, erlaubte ihm Pr&auml;sident Reagan die Teilnahme am t&auml;glichen Briefing des Pr&auml;sidenten und ich f&uuml;hrte von 1981 bis 1985 dieses Briefing durch. Dabei ging es nur um Inhalte. Trotzdem waren meine Kollegen und ich sehr darauf bedacht, diese Gespr&auml;che aus verst&auml;ndlichen Gr&uuml;nden als sakrosankt zu betrachten. Als Bush 1989 Pr&auml;sident wurde, hatte er &bdquo;die Irren&ldquo; und das, wozu sie f&auml;hig waren, nur allzu gut kennen gelernt. Bushs wichtigster politischer Gegner, Donald Rumsfeld, konnte in Schach gehalten werden und andere &ldquo;Irre&rdquo; hielt man von wichtigen Positionen fern &ndash; bis Bush der J&uuml;ngere sie in Positionen bef&ouml;rderte, in denen sie ernsthaften Schaden anrichten konnten. John Bolton spielte das enfant terrible bei der R&uuml;stungskontrolle und &uuml;berzeugte Bush-43, den ABM-Vertrag aufzuk&uuml;ndigen. Wir k&ouml;nnen davon ausgehen, dass er am Montag mit seiner Abrissbirne im Westfl&uuml;gel ankommt.<\/p><p><strong>Sogar Jimmy Carter spricht es aus<\/strong><\/p><p>Angesichts dessen, wie schwer Rumsfeld und andere Hardliner es Pr&auml;sident Carter machten, gemeinsam mit den Russen &uuml;ber R&uuml;stungskontrolle  zu verhandeln, und angesichts der Tatsache, dass Bolton diese Rolle auch sp&auml;ter spielte, sind die ungew&ouml;hnlich scharfen Kommentare von Jimmy Carter zu Bolton nicht v&ouml;llig &uuml;berraschend. Au&szlig;erdem hat die Erfahrung sicherlich gezeigt, wie t&ouml;richt es sein kann, von der Hand zu weisen, was fr&uuml;here Pr&auml;sidenten ihren Nachfolgern &uuml;ber die Besetzung von Schl&uuml;sselpositionen im Bereich Nationale Sicherheit empfehlen. Das trifft im Fall John Bolton zu.<\/p><p>Nur drei Tage nach Boltons Ernennung wurde aus dem &uuml;blicherweise leise und vorsichtig sprechenden Jimmy Carter einer, der laut und deutlich wird, als er gegen&uuml;ber USA Today &auml;u&szlig;ert, die Ernennung Boltons sei &ldquo;eine Katastrophe f&uuml;r unser Land&rdquo;.  Auf die Frage, welchen Rat er Trump geben w&uuml;rde, z. B. zu Nordkorea, sagte Carter, sein erster Rat sei, Bolton zu feuern.<\/p><p>Alles in Allem, wenn Sie Carters Nachfolgepr&auml;sident Bush-41 nach einer Beschreibung von John Bolton fragen w&uuml;rden, bin ich sicher, er w&uuml;rde ihn in einen Topf werfen mit denen, die er damals &ldquo;die Irren&rdquo; nannte und damit die eigenwilligen Ideologen meinte, die ge&uuml;bt darin waren, Dinge zum Platzen zu bringen, wie die R&uuml;stungskontrollvereinbarungen, die mit akribischer Sorgfalt ausgehandelt waren und die strategischen Ansichten von Gegnern und Freunden angemessen ber&uuml;cksichtigen. Bedauerlicherweise scheint &ldquo;irre&rdquo; zur neuen Normalit&auml;t in Washington geworden zu sein, mit Kriegstreibern und Regime-Change-Experten wie Bolton, die nie eine Uniform getragen haben und deren einzige Erfahrung mit Kriegen darin besteht, sie angefangen zu haben.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Ray McGovern<\/strong> arbeitet bei Tell the Word, einer Publikation der &ouml;kumenischen Church of the Saviour in Washington. Er war insgesamt 30 Jahre Armee- und Geheimdienstoffizier und CIA-Analyst. Im Januar 2003 war er Mitgr&uuml;nder der Organisation Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS) und ist immer noch deren Vorstand t&auml;tig.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W&auml;hrend der Superfalke John Bolton heute das Amt des Nationalen Sicherheitsberaters &uuml;bernimmt, blickt <strong>Ray McGovern<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43363#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] zur&uuml;ck auf die Zeit, als Bolton einer der &ldquo;Irren&rdquo; in der Administration von George W. Bush war. <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2018\/04\/05\/coming-attraction-lunatic-loose-in-west-wing\/\">Aus dem Englischen<\/a> von <strong>Josefa Zimmermann<\/strong>.<\/p>\n<div style=\"clear: right;\"><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,198,171,11],"tags":[2315,2314,368,1774,901,1426,641,1611,2316,1791,2147,1800,2085],"class_list":["post-43363","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-militaereinsaetzekriege","category-strategien-der-meinungsmache","tag-bolton-john","tag-bush-george-h-w","tag-bush-george-w","tag-cheney-dick","tag-geheimdienste","tag-hegemonie","tag-irak","tag-kriegsluegen","tag-powell-colin","tag-rumsfeld-donald","tag-sowjetunion","tag-trump-donald","tag-wolfowitz-paul"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43363","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=43363"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43363\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":121815,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43363\/revisions\/121815"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=43363"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=43363"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=43363"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}