{"id":43402,"date":"2018-04-11T11:06:08","date_gmt":"2018-04-11T09:06:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43402"},"modified":"2018-04-12T07:51:49","modified_gmt":"2018-04-12T05:51:49","slug":"zur-erinnerung-an-die-entfuehrung-und-ermordung-von-aldo-moro-und-als-hinweis-auf-aktuelle-aehnliche-vorgaenge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43402","title":{"rendered":"Zur Erinnerung an die Entf\u00fchrung und Ermordung von Aldo Moro und als Hinweis auf aktuelle \u00e4hnliche Vorg\u00e4nge"},"content":{"rendered":"<p>Vor 40 Jahren, am 16. M&auml;rz 1978, wurde der italienische Christdemokrat Aldo Moro entf&uuml;hrt und dann nach sechs Wochen Leiden im Versteck ermordet. F&uuml;r seine Freilassung haben die Offiziellen nichts Entscheidendes unternommen. Dieser Vorgang erinnert fatal an aktuelle Vorg&auml;nge. Deshalb sind wir dankbar daf&uuml;r, dass <strong>Stefan Schmitt<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43402#foot_0\" name=\"note_0\">*<\/a>], Psychologe und Beobachter des Zeitgeschehens, in einem bedr&uuml;ckend spannenden Text an jene Vorg&auml;nge erinnert. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIm Kern ging es damals wie seitdem immer wieder an verschiedenen Schaupl&auml;tzen darum, eine Linksverschiebung in der italienischen Gesellschaft und damit die Gef&auml;hrdung der Macht des Imperiums zu verhindern. <\/p><p>Verbunden mit einem gro&szlig;en Dankesch&ouml;n an den Autor ver&ouml;ffentlichen wir seine Beschreibung der Vorg&auml;nge und Hintergr&uuml;nde:<\/p><p><strong>Wer ist Subjekt, wer ist Objekt?<\/strong><br>\n<strong>Die Entf&uuml;hrung von Aldo Moro<\/strong><br>\n<strong>von Stefan Schmitt<\/strong><\/p><ol type=\"I\">\n<li>In Italien war nach dem 2. Weltkrieg &uuml;ber Jahrzehnte hinweg, &auml;hnlich wie das in der Bundesrepublik Deutschland der Fall war, die Christdemokratie fest mit der Macht verankert. In beiden F&auml;llen war der klerikale und politische Katholizismus eine wesentliche St&uuml;tze des Systems. Doch in Italien, wo die verschiedenen Gruppen der Resistenza, mit den vordringenden Alliierten im R&uuml;cken, selbst den Faschismus beseitigt hatten, waren von Hause auch die Gewerkschaften und die Kommunistische Partei starke Kr&auml;fte. Bei den Parlamentswahlen 1976 erhielt die PCI &uuml;ber 34 % der Stimmen, die Democrazia Cristiana knapp 39 %. Von der Regierungsbeteiligung war die PCI jedoch ausgeschlossen. Aldo Moro, Chef der Christdemokraten, der bereits zwei Mal Ministerpr&auml;sident gewesen war, hatte demgegen&uuml;ber einen mediatorischen Ansatz. Er wollte das Faktum nicht mehr mittragen, dass &uuml;ber ein Drittel der italienischen Bev&ouml;lkerung vom Einfluss auf die Regierung ausgeschlossen war. Stattdessen strebte er, gemeinsam mit der F&uuml;hrung der PCI, eine `Regierung der Nationalen Solidarit&auml;t&acute; an: einen <em>Historischen Kompromiss<\/em> unter Beteiligung der PCI. Ein solcher Kompromiss sollte den Staat st&auml;rken und insbesondere seine Anf&auml;lligkeit f&uuml;r Putschversuche von rechts verringern. Der Historische Kompromiss stie&szlig; auf heftigen Widerstand innerhalb der Democrazia Cristiana, wie auch au&szlig;erhalb Italiens. Moros Frau erkl&auml;rte nach seinem Tod, US-Au&szlig;enminister Kissinger habe ihren Mann bei einem Gespr&auml;ch aufgefordert, seine Politik zu beenden, alle politischen Kr&auml;fte in den politischen Prozess einbeziehen zu wollen. Andernfalls werde er es bitter bereuen. Der Vizesekret&auml;r der DC erkl&auml;rte 20 Jahre sp&auml;ter vor einer Untersuchungskommission des Parlaments, ihm sei 1976 bei einer Reise in die USA mitgeteilt worden, dass eine Regierung wie diejenige, die Aldo Moro anstrebe, von den US-Republikanern <em>zu jedem Preis bek&auml;mpft werde<\/em>.\n<p>Am Morgen des 16. M&auml;rz 1978, als Moro auf dem Weg ins Parlament war, wo &uuml;ber eine Regierung des Historischen Kompromisses abgestimmt werden sollte, verschwand er. Er wurde von den Roten Brigaden entf&uuml;hrt. Seine f&uuml;nf Begleiter wurden bei dem Angriff in der Via Fani in Rom erschossen. Den Roten Brigaden ging es bei der Aktion darum, Anerkennung zu erhalten; politische Anerkennung als real existierende Gegenmacht zum verkrusteten Herrschaftsapparat der Christdemokratie. Forderungen wurden deshalb zun&auml;chst keine gestellt. Es wurde vielmehr angek&uuml;ndigt, dass Moro der Prozess gemacht und er zu seiner Geschichte und seiner politischen Funktion in der Christdemokratie und im Staatsapparat `verh&ouml;rt&acute; werde. Die BR wollten <em>den imperialistischen Staat der Multinationalen angreifen<\/em> und <em>die revolution&auml;re Bewegung vereinheitlichen<\/em>. Adriana Faranda, die an der Entf&uuml;hrung beteiligt war, sagte sp&auml;ter: &ldquo;Die Roten Brigaden wollten ein anderes Recht durchsetzen. Der Schuldige ist nicht mehr derjenige, der stiehlt, sondern derjenige, der Menschen verhungern l&auml;&szlig;t.&rdquo;[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p>\n<p>Der Staat aber bezog vom ersten Tag an die Position der H&auml;rte und der unbedingten Standhaftigkeit. Die Roten Brigaden hatten ihrerseits keine geradlinige Geschichte. Nach der Verhaftung von Renato Curcio und Alberto Franceschini im Jahr 1974 stieg Mario Moretti in eine Leitungsposition auf, er wurde mehr oder weniger Chef der Roten Brigaden. Unter seiner Leitung militarisierte sich die Politik der Guerilla, gleichzeitig sorgte er daf&uuml;r, dass die verschiedenen `Kolonnen&acute; der BR unabh&auml;ngig voneinander agierten und sich m&ouml;glichst wenig kannten. Moretti war Ende der 60er Jahre nach Mailand gekommen, um an der Katholischen Universit&auml;t zu studieren; an der 68er Bewegung hatte er sich nicht beteiligt.<\/p><\/li>\n<li>Das Schicksal des <em>Historischen Kompromisses<\/em> war mit der Entf&uuml;hrung Moros besiegelt: noch am selben Tag wurde eine konventionelle christdemokratische Regierung unter F&uuml;hrung von Giulio Andreotti best&auml;tigt &ndash; erstaunlicherweise mit den Stimmen der PCI, deren F&uuml;hrung sich wie die Christdemokraten strikt gegen Verhandlungen aussprach. Das Schicksal Moros, wenn es nicht ebenfalls bereits an diesem Tag entschieden war, entschied sich sp&auml;testens am 29. M&auml;rz. An jenem Tag n&auml;mlich ver&ouml;ffentlichten die Roten Brigaden ihr Communique Nr. 3, zusammen mit einem Brief Moros an seinen Parteifreund, Innenminister Francesco Cossiga. In dem Brief machte Moro Andeutungen zur geheimen Gladio-Struktur und zum schmutzigen Krieg des Staatsapparats und der NATO gegen die Linken. Gem&auml;&szlig; seiner n&uuml;chternen und sachlichen Haltung begriff er sich als politischen Gefangenen in einer politischen Auseinandersetzung. &ldquo;In Wahrheit sind wir auf der Leitungsebene allesamt angesprochen. Es ist unser gemeinsames Werk, das unter Anklage steht, f&uuml;r das aber ich die Verantwortung zu &uuml;bernehmen habe. &hellip; Die Staatsr&auml;son vor allem bedeutet in meinem Fall, dass ich mich in einer vollst&auml;ndigen und unkontrollierten Gewalt befinde, mir ein Volksprozess gemacht wird, der nach Gutd&uuml;nken versch&auml;rft werden kann, und da ich bei vollem Verstand und voller Gesundheit bin, das Risiko besteht, dass ich auf unangenehme oder auf gef&auml;hrliche Weise zum reden gezwungen werden k&ouml;nnte &hellip; Gott m&ouml;ge euch erleuchten.&rdquo; Die Reaktion der Regierung auf Moros Brief bestand darin, dass die Familie des Entf&uuml;hrten politisch isoliert wurde; gleichzeitig wurde die Devise ausgegeben, die Briefe Moros seien nicht authentisch, sondern entweder direkt von den Entf&uuml;hrern diktiert oder Folge einer Gehirnw&auml;sche. Die Ehefrau erkl&auml;rte dagegen, dass die Briefe in dem ihr vertrauten Stil ihres Mannes verfasst seien.<\/li>\n<li>\n<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><a href=\"https:\/\/it.wikipedia.org\/wiki\/File:Aldo_Moro_br.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180410-adlo-moro.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div>\n<p>Der Staatsapparat war nahe an den Entf&uuml;hrern dran. Ein Ingenieur, der zum Zeitpunkt des Angriffs auf dem Weg zur Arbeit in der Via Fani war, erkl&auml;rte, dass zwei Personen auf einem Motorrad, die vor Morettis Auto fuhren, auf ihn schossen &ndash; gleichwie um ihn als Zeugen auszuschalten oder zu vertreiben. <\/p>\n<p>Die Roten Brigaden erkl&auml;rten in den sp&auml;teren Prozessen wiederholt, dass dieses Motorrad nicht zu ihrer Gruppe geh&ouml;rte. Am 2. April f&uuml;hrten mehrere Professoren und Politiker eine Seance durch, um in der Befragung des Geistes toter Politiker den Aufenthaltsort von Aldo Moro zu ermitteln &ndash; so jedenfalls ihre Legende, als sie das Ergebnis ihrer Schau der Polizei &uuml;bermittelten. Einer der Anwesenden war Romano Prodi, der sp&auml;tere EU-Kommissionspr&auml;sident und Ministerpr&auml;sident<br>\n des linken B&uuml;ndnisses l`ulivo. Das Resultat der Geisterbefragung bestand in dem Wort GRADOLI. Gradoli ist der Name einer Kleinstadt im Norden Italiens sowie einer Stra&szlig;e in Rom. Doch eine polizeiliche Reaktion fand nicht statt. Am 18. April &ndash; Moro war inzwischen seit fast 5 Wochen im `Volksgef&auml;ngnis&acute; &ndash; wurde wegen eines Wasserschadens in einer Nachbarwohnung eine Wohnung in der Via Gradoli ge&ouml;ffnet: es handelte sich um den Aufenthaltsort Morettis und um eine klandestine Wohnung der Roten Brigaden. Der laufende Wasserhahn in der Nachbarwohnung war sehr k&uuml;nstlich drapiert; offensichtlich gab es Gruppen, die an der Aufdeckung der konspirativen Wohnung und m&ouml;glicherweise an der Beendigung der Entf&uuml;hrung Moros interessiert waren. Doch die Entdeckung der Wohnung wurde sofort &uuml;ber Radio und Fernsehen verbreitet, sodass Mario Moretti in der Lage war abzutauchen und nicht in die Wohnung zur&uuml;ckkehrte. Jahre sp&auml;ter stellte sich heraus, dass mehrere Wohnungen in dem Haus in der Via Gradoli sowie in anderen H&auml;usern in der gleichen Stra&szlig;e von Mitarbeitern der Geheimdienste SISMI und SISDE benutzt wurden. Deren Leiter waren Mitglieder in der faschistoiden Geheimloge P2. Im Haus direkt gegen&uuml;ber Morettis Wohnung wohnte ein Polizist; dieser war Mitarbeiter im Milit&auml;rgeheimdienst SISMI und kam au&szlig;erdem aus der selben Kleinstadt wie Moretti, wo eigentlich jeder jeden kennt. In seiner Wohnung in der Via Gradoli konnte der &ouml;ffentlich als `Terrorist&acute; gesuchte Moretti dennoch drei Jahre lang die Moro-Entf&uuml;hrung vorbereiten, ohne dass er behelligt wurde.<\/p><\/li>\n<li>In den Siebziger Jahren war die Geheimloge P2 sehr m&auml;chtig und ihre Existenz in der italienischen &Ouml;ffentlichkeit gleicherma&szlig;en unbekannt und unangefochten. Der faschistoiden und reaktion&auml;ren <em>Propaganda Due<\/em> geh&ouml;rten zahlreiche f&uuml;hrende Politiker, Milit&auml;rs, Geheimdienstmitarbeiter und Personen aus der Wirtschaft an. Auf ihr Konto gehen zahlreiche Morde, Attentate und Terroranschl&auml;ge. Die P2 war tief verwoben mit der italienischen Mafia. Im Zuge der Ermittlungen gegen die Sindona-Bank, die f&uuml;r die Waschung der Drogengelder der Mafia zust&auml;ndig war, und bei einer Hausdurchsuchung bei Licio Gelli, dem Chef der P2, kam eine Mitgliedsliste mit 962 Namen zum Vorschein (allerdings beginnt die Liste bei der Nummer 1600). Mit auf der Liste waren u.a. der damalige Kabinettschef, alle 3 Chefs der italienischen Geheimdienste, der Unternehmer (und sp&auml;tere mehrfache Ministerpr&auml;sident) Silvio Berlusconi, der Sohn des letzten K&ouml;nigs usw. Gleichzeitig &uuml;berschnitt sich die P2 mit der NATO-Organisation Gladio, einer klandestinen bewaffneten Struktur, die im Rahmen der <em>Strategie der Spannung<\/em> Terroranschl&auml;ge und Morde ver&uuml;bte, die dann der Linken, insbesondere den Roten Brigaden, in die Schuhe geschoben wurden. Die Funktion der <em>strategy of tension<\/em> war und ist bis heute: durch die Schaffung von Angst und Verunsicherung die Produktion des <em>Rufes nach Sicherheit<\/em> und die Prononcierung von Ordnungspolitik, d.h. die Schaffung von Akzeptanz f&uuml;r repressive Ma&szlig;nahmen &ndash; damals in Italien, im Kampf gegen die organisierte Linke, vor allem gegen die PCI und die Gewerkschaften. Allgemein zielt die Strategie der Spannung auf die Absicherung von repressiven Ma&szlig;nahmen und von Krieg gegen kapitalistischer strategischer Politik im Wege stehenden Interessen jeglicher Gestalt und jeglicher Couleur. In den 80er und Anfang der 90er Jahre gab es in Italien eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung um diese dunklen Strukturen. Es kam zu parlamentarischen Untersuchungen und zahlreichen Gerichtsverfahren. Die Christdemokratie und mit ihr die gesamte Erste Republik zerbrach an dieser Auseinandersetzung. Von Gladio ist nicht alles bekannt, auch heute noch ist vieles im Dunkeln. Geheime und bewaffnete Gladiostrukturen gab es in vielen westeurop&auml;ischen L&auml;ndern; selbstverst&auml;ndlich auch in Deutschland. Doch nur in Belgien, in der Schweiz und in Italien kam es Anfang der 90er Jahre zu einer parlamentarischen Auseinandersetzung dar&uuml;ber.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Ministerpr&auml;sident Giulio Andreotti hatte Anfang der 90er Jahre vor dem Parlament die Existenz von Gladio zugegeben. Eine der tragenden Instanzen im Gladio-Netzwerk war der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA. F&uuml;r die Durchf&uuml;hrung von Anschl&auml;gen griff Gladio nicht selten auf Neofaschisten zur&uuml;ck wie beispielsweise Vincenzo Vinciguera, der 1984 f&uuml;r einen Bombenanschlag auf 3 Polizisten im Jahr 1972 verurteilt wurde. Im Prozess erkl&auml;rte Vinciguera: &bdquo;Man musste Zivilisten angreifen, das Volk, unschuldige und unbekannte Leute, weit weg von der politischen B&uuml;hne. &hellip; Der Grund ist sehr einfach: man wollte die Leute, die italienische &Ouml;ffentlichkeit dazu bringen, sich an den Staat zu wenden und um mehr Sicherheit zu bitten. Das ist die politische Logik hinter all den Massakern und Bombenanschl&auml;gen, die unaufgekl&auml;rt bleiben; weil der Staat sich ja nicht selbst verurteilen kann oder erkl&auml;ren kann, dass er selbst verantwortlich ist f&uuml;r das, was geschah.&ldquo; Der Bombenanschlag auf den Hauptbahnhof in Bologna, bei dem im August 1980 85 Menschen starben und zahlreiche Menschen verletzt wurden, liegt mutma&szlig;lich in der Verantwortung von Gladio. Auch der Anschlag auf das M&uuml;nchner Oktoberfest einen Monat sp&auml;ter, bei dem 13 Menschen starben und &uuml;ber 200 verletzt wurden, gehorcht der gleichen Logik.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/li>\n<li>Cossiga, an den Moro seinen Brief schrieb, war, bevor er Innenminister wurde, `Minister ohne Gesch&auml;ftsbereich&acute; in der italienischen Regierung. Man geht davon aus, dass er in dieser Funktion f&uuml;r die Kontakte zur NATO zust&auml;ndig war. Damit war er, wie Moro selbst, in den  Aufbau und die Strukturen der verdeckten Gladio-Armee einbezogen. Insgesamt schrieb Moro w&auml;hrend seiner 55-t&auml;gigen Gefangenschaft &uuml;ber 90 Briefe an seine Familie, an Parteifreunde, den Papst usw. Nachdem klar wurde, da&szlig; Moro gegen&uuml;ber seinen Entf&uuml;hrern brisante Informationen preisgab, erkl&auml;rten Regierung und staatstragende Medien, der Chef der Christdemokraten sei nicht ernst zu nehmen, sondern verr&uuml;ckt geworden. Willige Professoren erl&auml;uterten in der Presse, wie und warum Moro verr&uuml;ckt sei. Aus seinem Versteck wehrte sich Moro gegen die Anschuldigungen. &ldquo;Ich werde weder gezwungen noch unter Drogen gesetzt &hellip; Wieso auch noch dieses Gutachten &uuml;ber meine angebliche Nicht-Authentizit&auml;t?&rdquo; Die Regierung setzte ein Krisenkomitee ein, das das Vorgehen des Staatsapparats lenkte. So gut wie alle Mitglieder in diesem Komitee waren mit der CIA, mit Gladio oder der P2-Loge verbunden. Eine der ma&szlig;gebenden Personen im Krisenkomitee, Steve Pieczenik vom US-Au&szlig;enministerium, erkl&auml;rte 30 Jahre sp&auml;ter, dass <em>die Roten Brigaden instrumentalisiert wurden<\/em>. &ldquo;Moro musste sterben. Es war nie meine Aufgabe, das Leben von Aldo Moro zu retten. Als stellvertretender Statssekret&auml;r der amerikanischen Regierung und pers&ouml;nlicher Berater des italienischen Innenministers war es meine Aufgabe, Italien zu stabilisieren, den Kollaps der Christdemokratischen Partei zu verhindern und daf&uuml;r zu sorgen, dass die Kommunisten von der Regierung ferngehalten w&uuml;rden.&rdquo;[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Um die &Ouml;ffentlichkeit auf den Tod von Aldo Moro vorzubereiten, hat das Krisenkomitee ein gef&auml;lschtes Communique Nr. 7 in Umlauf gebracht, in dem die BR angeblich erkl&auml;rten, Moro sei hingerichtet worden und seine Leiche nahe dem Lago della Duchessa in den Bergen zu finden. Die gleiche Regierung, die das falsche Communique fabrizierte, hat daraufhin in einer tagelangen &ouml;ffentlichkeitswirksamen Aktion den teilweise noch vereisten See und seine Umgebung u.a. mit Spezialtauchern nach Moros Leiche abgesucht. Zwei Tage nach der Ver&ouml;ffentlichung des falschen Communiques ver&ouml;ffentlichten die Roten Brigaden das echte Communique Nr. 7, zusammen mit einem Bild Moros, der eine Tageszeitung vom Vortag in den H&auml;nden h&auml;lt. Damit war klar, da&szlig; Aldo Moro noch lebte.<\/li>\n<li>Der Journalist Carmine Pecorelli hatte einen tiefen Einblick in die Machtstrukturen der damaligen italienischen Republik. Sein Name befand sich ebenfalls auf Licio Gellis Liste der P2-Mitglieder. In einem Artikel, der im Mai 1978 in seiner eigenen Zeitschrift Osservatorio Politico erschien, schrieb Pecorelli, Moros Entf&uuml;hrung sei von einer <em>luziden Supermacht<\/em> organisiert worden. &ldquo;Die Urheber des Massakers in der Via Fani und der Entf&uuml;hrung von Aldo Moro sind Professionelle, die in erstklassigen Kriegsakademien ausgebildet wurden. Die Killer, die zum &Uuml;berfall auf [Moros] Auto geschickt wurden, k&ouml;nnen dagegen nur unbedarfte Handlanger sein, die man auf der Stra&szlig;e rekrutiert hat.&rdquo; Maria Fida, die Tochter Aldo Moros, umriss sp&auml;ter die Bem&uuml;hungen der Familie um eine Verhandlungsl&ouml;sung: &ldquo;Wir haben versucht, alle m&ouml;glichen internationalen Kan&auml;le zu aktivieren. Alles wurde gestoppt und blockiert.&rdquo; Aldo Moro merkte, dass ihn das Establishment aufgegeben hat. Aus seinem Gef&auml;ngnis heraus k&auml;mpfte er mithilfe seiner Briefe f&uuml;r die eigene Freilassung und zugleich f&uuml;r eine Ver&auml;nderung und &Ouml;ffnung des politischen Systems. &ldquo;Wie kann es m&ouml;glich sein, dass ihr alle damit einverstanden seid, meinen Tod zu wollen? Im Namen einer angenommenen Staatsr&auml;son, die euch jemand feindselig empfiehlt? Als ob dies alle Probleme des Landes l&ouml;sen w&uuml;rde. Wenn dieses Verbrechen geschehen w&uuml;rde, wird sich eine entsetzliche Spirale in Gang setzen, die ihr nicht bew&auml;ltigen k&ouml;nnt &hellip; Mein Blut wird &uuml;ber euch kommen. Denkt dar&uuml;ber nach, liebe Freunde. Denkt nicht an morgen, sondern an &uuml;bermorgen.&rdquo; Untersuchungsrichter Imposimato, der nach der Entf&uuml;hrung und Ermordung Aldo Moros mit dem Fall betraut war, erz&auml;hlte Jahre sp&auml;ter: &ldquo;Die Lage, die wir vorgefunden haben, war katastrophal. Wir entdeckten sp&auml;ter, da&szlig; wichtige Ermittlungsakten vom Innenministerium beschlagnahmt worden waren. Bei schneller Auswertung h&auml;tten uns diese Dokumente zu einigen der Hauptakteure des Massakers in der Via Fani gef&uuml;hrt. Ja, man h&auml;tte durch sie sogar das Versteck in der Via Montalcini Nr. 8 entdeckt, wo Aldo Moro 55 Tage lang gefangen gehalten worden ist. Unsere &Uuml;berraschung war deswegen gro&szlig;, als wir merkten, dass vom 18. April bis zum 17. Mai sich niemand mit diesen Dokumenten besch&auml;ftigt hatte. Sie waren weder von der Polizei noch von der Staatsanwaltschaft untersucht worden. Deswegen haben wir uns &uuml;ber die Staatsanwaltschaft ziemlich ge&auml;rgert; weil wir ja dachten, sie h&auml;tten diese Dokumente &uuml;bersehen. Jahre sp&auml;ter habe ich dann entdeckt, dass das Ganze ein Vertuschungsman&ouml;ver war, dass der Stillstand der Ermittlungen, das Verbergen der Akten direkt vom Innenministerium angeordnet worden war. Vom Innenminister pers&ouml;nlich, zusammen mit dem Ministerpr&auml;sidenten. Sie wollten keine ernsthafte polizeiliche Untersuchung &hellip; &rdquo; Im Communique Nr. 6 teilten die Roten Brigaden mit, dass der Proze&szlig; zu Ende und Aldo Moro zum Tod verurteilt worden sei. Sp&auml;ter schlugen sie den Austausch Moros gegen die Freilassung von inhaftierten Genossen vor. Der Staat lehnte ab. Im Unterschied zur Unnachgiebigkeit sowohl der Democrazia Cristiana als auch der Kommunistischen Partei war die Sozialistische Partei unter Bettino Craxi f&uuml;r Verhandlungen. &Uuml;ber den Physiker Franco Piperno, Mitglied der linken Bewegung <em>Potere Operaio<\/em> (Arbeitermacht), wurde ein Kontakt zu den Roten Brigaden hergestellt. Die Roten Brigaden waren dann in der Folge bereit, Moro gegen die Freilassung von <em>einem<\/em> Gefangenen freizulassen. Doch auch dazu sah sich die Regierung nicht in der Lage. Unter Pipernos Vermittlung signalisierten die BR dann, dass sie Aldo Moro im Austausch f&uuml;r politische Anerkennung freilassen w&uuml;rden: ein ranghohes Mitglied der Christdemokratie sollte erkl&auml;ren, dass er bereit sei, &uuml;ber die Forderungen der Roten Brigaden nachzudenken, sofern sich diese im Bereich des Legalen bewegten. Moros langj&auml;hriger Parteifreund Amintore Fanfani war dazu bereit. Die Stellungnahme Fanfanis h&auml;tte den Roten Brigaden ausgereicht. Doch dies wurde ebenfalls blockiert; statt Fanfani redete einer seiner Mitarbeiter mit einer vollst&auml;ndig verw&auml;sserten Botschaft. F&uuml;r die Vermittlungst&auml;tigkeit und seinen Versuch, das Leben von Aldo Moro zu retten, wurde Piperno sp&auml;ter verfolgt; er musste mehrere Jahre lang ins Exil nach Kanada gehen. Als klar wurde, dass die Regierung an einer Verhandlungsl&ouml;sung und an einer Freilassung Moros nicht interessiert war, kam es zum Konflikt innerhalb der Roten Brigaden. Die `linken&acute; Brigadisten um Franco Bonisoli und Adriana Faranda waren, wie die &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit der italienischen Linken, gegen die Hinrichtung von Aldo Moro. Die Gruppe um Moretti dagegen dr&auml;ngte dazu, das Todesurteil zu vollstrecken und Moro zu t&ouml;ten. Sie hat sich schlie&szlig;lich durchgesetzt. Moretti selbst hat, wie er im Prozess nach seiner Verhaftung erkl&auml;rte, Aldo Moro mit mehreren Sch&uuml;ssen ermordet. Seine Leiche wurde am 9. Mai im Kofferraum eines Autos in der Via Caetani in Rom gefunden.<\/li>\n<li>Die italienische Gesellschaft &ndash; und mit ihr deren zentraler Machtapparat, die Democrazia Cristiana &ndash; befand sich Mitte der 70er Jahre in einer tiefen gesellschaftlichen, politischen und sozialen Krise. Das politische Projekt Aldo Moros zielte auf eine Erneuerung der Gesellschaft und auf eine &Uuml;berwindung der Krise. Ohne Zweifel h&auml;tte der <em>Historische Kompromiss<\/em> und die damit angestrebte Zusammenarbeit zwischen DC und PCI die italienische Kommunistische Partei (die als Eurokommunisten die Westintegration Italiens ja bereits akzeptiert hatte) noch weiter weggebracht von einer revolution&auml;ren Perspektive. Genau deshalb hatte der Historische Kompromiss ja auch innerhalb der radikalen Linken viele Gegner. Insgesamt jedoch h&auml;tte er die Gesellschaft sozialer und demokratischer gemacht und so die gesellschaftlichen und <em>demokratischen Verh&auml;ltnisse<\/em> stabilisiert. Doch dies sollte nicht sein. In der Perspektive der Strippenzieher im Krisenkomitee sollte vielmehr der <em>verkrustete kapitalistische Herrschaftsapparat<\/em> stabilisiert werden. Eine Schl&uuml;sselperson bei der Infiltrierung der Roten Brigaden durch die Schattenmacht war Graf Edgardo Sogno. Das zeigen die umfangreichen Recherchen des Historikers und ehemaligen PCI-Sekret&auml;rs Sergio Flamigni. Sogno hat wie der P2-Chef Licio Gelli im Spanischen B&uuml;rgerkrieg auf der Seite Franco Pipernos gek&auml;mpft. Noch w&auml;hrend des 2. Weltkriegs nahm er Kontakt zu Allen Dulles auf, damals Leiter des <em>Office of Strategic Services<\/em> (OSS), aus dem die CIA hervorging. Sogno war auch ein enger Vertrauter des sp&auml;teren NATO-Generalsekret&auml;rs Manlio Brosio. Ab 1950 baute er mit anderen eine antikommunistische paramilit&auml;rische Organisation auf. Parallel dazu gr&uuml;ndete er, mit viel Geld von der CIA, die &ouml;ffentliche Propagandabewegung <em>Friede und Freiheit<\/em>. 1970, als die Brigate Rosse gegr&uuml;ndet wurden, schuf Sogno gemeinsam mit anderen die antikommunistische bewaffnete Organisation Comitati di Resistenza Democratica (CRD), die sich mit Gladio &uuml;berschnitt. Wie Sogno 20 Jahre sp&auml;ter in einem Interview zugab, legten die Gr&uuml;ndungsmitglieder von CRD einen Eid ab, italienische Politiker, die eine Regierung mit den Kommunisten eingehen, zu liquidieren. Sogno wurde im Laufe der Jahre italienischer Botschafter in Argentinien, Frankreich und den USA. &Uuml;ber die Moretti-Gruppe hatte die Sogno-Organisation CRD seit den Gr&uuml;ndungstreffen der Brigate Rosse im Jahr 1970 ihren Fu&szlig; in der Guerilla. Das Aneinanderreihen mehrerer Puzzlest&uuml;cke legt nahe, da&szlig; mit Sabina Longhi auch eine Mitarbeiterin von NATO-Generalsekret&auml;r Manilo Brosio bei der Gr&uuml;ndung der BR anwesend war. Die Gruppe um Moretti hat von Anfang an m&ouml;rderische und militaristische Aktionen favorisiert; die `eigentlichen&acute; Rotbrigadisten wie Renato Curcio, Margherita Cagol oder Alberto Franceschini waren gegen die Einengung auf solche Aktionen. Erst mit der Verhaftung von Curcio und Franceschini 1974 und dem Tod von Mara Cagol im Jahr darauf konnte sich der Kreis um Moretti innerhalb der Roten Brigaden durchsetzen. Moretti hatte sich, als er Anfang der 70er Jahre in Mailand zu den Vorl&auml;ufergruppen der Roten Brigaden stie&szlig;, eine linke Geschichte und Biographie zurechtgelegt. Tats&auml;chlich aber war er in seiner mittelitalienischen Heimatstadt als Sch&uuml;ler ein gl&uuml;hender Faschist gewesen. Nach Mailand kam Moretti durch die finanzielle Unterst&uuml;tzung der Marquise von Casati Stampa. Frau Stampa liebte es, sich f&uuml;r ihre Sexorgien junger Neofaschisten zu bedienen. Der Verm&ouml;gensverwalter der Casati Stampa gr&uuml;ndete zusammen mit Graf Sogno die antikommunistische CRD. 1970 wurde Moretti dann &ndash; angeblich &ndash; ein `Linker&acute;. Einige Jahre nach der Moro-Entf&uuml;hrung wurde Moretti, anscheinend zuf&auml;llig, verhaftet. Seine Strafe war sechsmal lebensl&auml;nglich. 15 Jahre sp&auml;ter wurde er freigelassen. Anders als in Deutschland haben in Italien vor dem Hintergund der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen viele Angeh&ouml;rige des sogenannten harten und &uuml;berzeugten Kerns der Guerilla in ihren Prozessen Aussagen zum Tathergang und zu den jeweiligen Hintergr&uuml;nden gemacht, ohne dabei unbedingt Mitgenossen zu belasten. Viele Kollaborateure, wie Moretti, haben jedoch geschwiegen. Denn Moretti wei&szlig;: wer redet, stirbt.<\/li>\n<li>Vor seinem Tod schrieb Aldo Moro an den Generalsekret&auml;r der Democrazia Cristiana. &ldquo;Lieber Zaccagnini &hellip;. die Christdemokratische Partei soll nicht glauben, durch meine Beseitigung ihr Problem gel&ouml;st zu haben. &hellip; Ich werde bleiben, als ein unausl&ouml;schbarer Punkt von Protest und Alternative. Wegen einer offensichtlichen Unvereinbarkeit verlange ich, dass zu meinem Begr&auml;bnis weder Staatsinstitutionen noch Parteifunktion&auml;re anwesend sein werden. Ich bitte darum, dass nur diejenigen mich begleiten, die mich wirklich geliebt haben. &hellip; mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en, Aldo Moro.&rdquo; Nach seinem Tod weigerte sich Moros Familie, die Leiche f&uuml;r ein Staatsbegr&auml;bnis freizugeben. Die Staatsf&uuml;hrung bestand aber auf einem solchen. Deshalb fand im Petersdom unter Beteiligung von Papst Paul VI eine bombastische Totenmesse statt vor leerem Sarg. In dem nach Moros Tod ver&ouml;ffentlichten Artikel, in dem der Journalist Pecorelli von der luziden Supermacht sprach, lenkte Pecorelli die Aufmerksamkeit au&szlig;erdem auf General Carlo Alberto Dalla Chiesa, Leiter der italienischen Anti-Terror-Einheit. Dalla Chiesa habe, so Pecorelli, den Aufenthaltsort Moros w&auml;hrend dessen Entf&uuml;hrung gekannt, sei aber von oben angehalten worden, nichts zu tun. Der General sei bedroht und werde m&ouml;glicherweise einem Attentat zum Opfer fallen. Zehn Monate nach diesem Artikel wurde Pecorelli in seinem Auto von Kugeln durchsiebt. Die Munition, die bei dem Attentat verwendet wurde, war ein ausgesprochen seltener Typ &ndash; der gleiche Typ, der sp&auml;ter in einem Waffenlager der Banda della Magliana gefunden wurde, welches im Keller des Gesundheitsministeriums untergebracht war. Die Banda della Magliana war eine sehr schlagkr&auml;ftige Organisation, die im Koordinatenfeld von P2, der klassischen Mafia, SISMI sowie neofaschistischer Organisationen agierte. Sereno Freato, erster Sekret&auml;r von Aldo Moro, erkl&auml;rte nach dem Tod von Carmine Pecorelli: &ldquo;Forscht nach den Urhebern von Pecorellis Ermordung, und ihr werdet die Urheber von Moros Tod finden.&rdquo; Giulio Andreotti, der Gegenspieler Aldo Moros und mehrmalige Ministerpr&auml;sident Italiens, wurde im Jahr 2002 zusammen mit einem Mafia-Chef wegen Anstiftung zum Mord an Pecorelli zu 24 Jahren Haft verurteilt. Doch ein Jahr sp&auml;ter sprach ihn das Oberste Gericht Italiens vom Vorwurf wieder frei. Drei Jahre nach Pecorellis Tod wurde General Dalla Chiesa in Sizilien, zusammen mit seiner Frau und seinem Fahrer, <em>von der Mafia erschossen<\/em>. Man kann das auch anders ausdr&uuml;cken: der mit der Mafia verbandelte Staatsapparat hat Dalla Chiesa `zur Verfolgung der Mafia&acute; nach Sizilien geschickt; dort wurde er dann von der Mafia ermordet. General Dalla Chiesa war wahrscheinlich im Besitz der Verh&ouml;rprotokolle Aldo Moros, des sogenannten Memoriale Moro. Darin schildert Moro detailreich die Gladio-Vorg&auml;nge wie auch die Hintergr&uuml;nde anderer Skandale der italienischen Politik. Einige harmlose Protokolle wurden Ende der 70er Jahre ver&ouml;ffentlicht. Doch der Gro&szlig;teil des Memoriale kam erst nach 1990 wieder zum Vorschein. <\/li>\n<li>Als Andreotti im Jahr 1990 im Parlament die Existenz von Gladio best&auml;tigte, rankte er zugleich zwei Legenden darum. <em>Erstens<\/em>: die Existenz von Gladio sei nun, nach ihrer Entdeckung, beendet; sie habe sich quasi von selbst aufgel&ouml;st. <em>Zweitens<\/em>: Sinn und Zweck des stay-behind-Netzwerkes sei es gewesen, eine klandestine bewaffnete Struktur f&uuml;r den Fall einer sowjetischen Besetzung bereitzuhalten. Beide Erl&auml;uterungen wurden von den etablierten Medien gerne aufgenommen und bis heute als Fakten behandelt. Es ist ja auch sehr beruhigend, dass eine solche bewaffnete terroristische und rechtsextreme Struktur, die von h&ouml;chster Stelle unterhalten wird und zugleich dem &ouml;ffentlichen Selbstbild von der demokratischen Entwicklung Westeuropas nach dem Zweiten Weltkrieg diametral widerspricht &ndash; dass eine solche Struktur sich quasi von selbst aufl&ouml;st. Gott sei Dank!\n<p>Was ist von Andreottis Erl&auml;uterungen zu halten? Was haben der Bombenanschlag an der Piazza Fontana in Mailand im Dezember 1969 oder der Anschlag auf den Bahnhof in Bologna mit einer sowjetischen Invasion zu tun? Sicher war die Bereitstellung eines klandestinen reaktion&auml;ren Netzes f&uuml;r den Fall einer kriegerischen Auseinandersetzung mit dem Ostblock (und einer m&ouml;glichen Besetzung durch Truppen des Warschauer Paktes) eine der Motivationen f&uuml;r den Aufbau dieser umfangreichen und weitverzweigten Struktur in fast allen westeurop&auml;ischen L&auml;ndern. Inhaltlich ging es dabei um die Sicherung der kapitalistischen Restauration in Westeuropa gegen die m&ouml;gliche sozialistische oder nicht-kapitalistische Alternative. Dies war der &uuml;bergeordnete politische Grund f&uuml;r die Etablierung von Gladio: die verdeckte Blockierung, Diskreditierung und Abdr&auml;ngung einer nicht-kapitalistischen, den Interessen der restaurativen Machtzirkel unter der Hegemonie des US-Kapitals und von US-Instanzen entgegentretenden Alternative. An dieser Intention und an diesem Hintergrund hat sich bis heute nichts ge&auml;ndert. Oder vielmehr: es hat sich sehr viel daran ge&auml;ndert, die Inhalte sind andere geworden, und auch die Orte der Konflikte haben sich verschoben. Doch das Interesse des Establishments, die immer wieder neu bedrohte, auf Ungleichzeitigkeit und Ungerechtigkeit beruhende globale imperialistische Ordnung durchzusetzen &ndash; und dazu, innen wie au&szlig;en, alle m&ouml;glichen anderen Interessen als <em>Menschheitsbedrohungen<\/em> zu portraitieren und f&uuml;r den Krieg gegen diese Bedrohungen die Akzeptanz im Inneren zu schaffen &ndash; dies ist gleich geblieben. Es geht, heute wie im Jahr 1978, um die Fixierung der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit &ndash; weg von einer umfassenden sozialen Entwicklung, von Ausgleich, Gerechtigkeit, Frieden, Verbesserung und Humanisierung der Gesundheitsversorgung, Ausbau der Besch&auml;ftigung usw. usf. &ndash; hin zu einer verarmten Phrase von Sicherheit, die wie ein Ding figuriert ist und f&uuml;r Vers&ouml;hnung, Ausgleich, Frieden kaum mehr Raum l&auml;&szlig;t. Man k&ouml;nnte diese herrschende und skrupellose <em>Strategie der Spannung<\/em> und ihre Geschichte nachzeichnen. Daniele Ganser hat es versucht, u.a. in dem Buch `Illegale Kriege&acute;.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Eine Station dabei war der sogenannte B&uuml;rgerkrieg in Irak seit 2004. In diesem Land hat nach der US-amerikanischen Invasion und der damit verbundenen kompletten Zerst&ouml;rung der &ouml;ffentlichen Infrastruktur, der Aufl&ouml;sung der Armee sowie der regierenden Baath-Partei die schiitische Bev&ouml;lkerungsmehrheit und die von ihr gew&auml;hlte Partei SCIRI &ndash; der Oberste Rat der Islamischen Revolution in Irak &ndash; die Macht &uuml;bernommen. SCIRI hat sich am Nachbarland Iran orientiert, und mit dieser Konstellation drohte schon im zweiten Jahr der Invasion, der imperiale Gewinn derselben und der Sinn des ganzen Krieges sich zu verfl&uuml;chtigen. Genau in dieser Situation begann der B&uuml;rgerkrieg in dem ehemals wohlhabenden Land, beginnend mit dem Bombenanschlag auf das Hauptquartier der UNO in Bagdad, die aus dem gesamten Proze&szlig; drau&szlig;en zu halten eine der Maximen des Bush\/ Cheney-Regimes war. Seymour Hersh hat aufgezeigt, welch intransparente Rolle in diesem B&uuml;rgerkrieg die US-amerikanischen Special Forces spielten, die vom Wei&szlig;en Haus damals aus der traditionellen Befehlskette des Pentagons herausgel&ouml;st und direkt dem Vizepr&auml;sidenten Cheney unterstellt wurden.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Aus dem amerikanischen Krieg und dem daraus folgenden B&uuml;rgerkrieg einerseits; und andererseits aus der in die 80er Jahre und nach Afghanistan zur&uuml;ckreichenden kooperativen Struktur zwischen CIA, saudischem Geheimdienst und Osama bin Laden entwickelte sich dann im Irak in einer Art Neukonstitution al Qaeda, aus der sich wiederum in Syrien der ISIS bzw. der <em>Islamische Staat<\/em> heraussch&auml;lte und abspaltete. Die verschiedensten Islamisten wurden und werden als `Freiheitshelden&acute; gro&szlig;z&uuml;gig unterst&uuml;tzt via der T&uuml;rkei und in von westlichen Diensten errichteten Lagern in Jordanien, aber auch durch einen regelrechten <em>Fighter-Drain<\/em> aus Westeuropa nach Syrien seit 2012, den die belgischen, bundesdeutschen, franz&ouml;sischen usw. Beh&ouml;rden nicht nur durch Nichtstun unterst&uuml;tzten. Auch hierbei entstanden kooperative Strukturen in Segmente staatlicher Instanzen hinein. <\/p><\/li>\n<li>Der Islamische Staat zeigt uns heute, wie scheinbar unsinnig es ist, sich &uuml;ber den Ausbau von Gesamtschulen den Kopf zu zerbrechen, &uuml;ber die Neuverteilung von Arbeit nachzudenken oder &uuml;ber eine generelle 35-Stunden-Woche, f&uuml;r eine soziale Umverteilung einzutreten, sich f&uuml;r eine St&auml;rkung des gesellschaftlichen Austauschs zu engagieren oder der immer weitergehenden Aush&ouml;hlung b&uuml;rgerlicher Rechte und der immer umfassenderen Kontrolle der Einzelnen entgegenzutreten. Sinn macht anscheinend nur noch, sich &uuml;ber <em>Sicherheit<\/em> Gedanken zu machen; Angst zu haben; sich mit seinen sozialen und emanzipatorischen Phantasien zu m&auml;&szlig;igen. Sinn macht anscheinend auch, die Kritik am Vorgehen der rechten israelischen Regierung gegen&uuml;ber den Pal&auml;stinensern &ndash; ein Vorgehen, dessen deutlich formulierter Hintergrund die Schaffung eines Gro&szlig;-Israels und die schrittweise Aneignung `unseres Landes&acute; ist &ndash; leise und unh&ouml;rbar f&uuml;r sich zu behalten &ndash; sie jedenfalls nicht mehr in eine offensive politische Forderung einzubringen. Man sieht ja, wozu `die Islamisten&acute; alles f&auml;hig sind, wenn sie nicht mit harter Hand daran gehindert werden.\n<p>Die harte Hand. Was die Islamisten betrifft und Westeuropa, so gibt es ein Muster. H&ouml;chst professionell auftretende Killer &ndash; <em>ausgebildet in erstklassigen Kriegsakademien<\/em>, um Carmine Pecorelli zu zitieren &ndash; ver&uuml;ben einen Anschlag. Zwei Tage sp&auml;ter werden einige halbdurchgeknallte Kiffer als die T&auml;ter irgendwo in einer Baracke dingfest gemacht und erschossen. So dass man sie also nicht mehr befragen kann. Das Vermittlungsglied ist ein Ausweis, den die Profis nicht nur zum Killen mitgenommen, sondern auch noch im Auto oder im Lastwagen vergessen haben. Mag man &uuml;ber diese Dinge nachdenken ? Es gibt einen Satz von Adorno: daran, wie wenig dem Geist gen&uuml;gt, sieht man, wie sehr er auf den Hund gekommen ist. Mag man &uuml;ber diese Dinge nachdenken ? Mag man <em>denken<\/em>, wo doch der gesellschaftliche Imperativ hei&szlig;t: <em>konsumieren<\/em>?<\/p>\n<p>Die Ereignisse um die Entf&uuml;hrung von Aldo Moro vor vierzig Jahren lassen sich nicht unmittelbar auf andere Ereignisse oder L&auml;nder &uuml;bertragen. Sie zeigen vielmehr, was m&ouml;glich ist und welche Interessen und Interessenkonstellationen im Hintergrund pr&auml;sent sind. Man muss diese f&uuml;r jede Zeit und f&uuml;r jedes Land neu bestimmen. Man muss denken, nicht nur reproduzieren. Die Wahrheit n&auml;mlich <em>ist konkret<\/em>.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Literatur:<\/strong><\/p><ul>\n<li><em>Philip Willan<\/em>, Moro`s ghost haunts political life, in: <em>The Guardian<\/em>, 9.5.2003<\/li>\n<li><em>Emmanuel Amara<\/em>, Nous avons tu&eacute; Aldo Moro. 2006<\/li>\n<li><em>Adriana Faranda<\/em>, Il vollo della Farfalla. 2006<\/li>\n<li><em>Claudio Celani<\/em>, The Sphinx and the Gladiators, in: <em>Executive Intelligence Review<\/em>, 21. Jan 2005<\/li>\n<li><em>Daniele Ganser<\/em>, Terrorism in Western Europe. An approach to NATO&acute;s secret stay-behind armies, in: <em>The Whitehead Journal of Diplomacy and International Relations<\/em>, Winter\/ Spring 2005<\/li>\n<li><em>Daniele Ganser<\/em>, Fear as a Weapon. The effects of psychological warfare on domestic and international politics, in: <em>World Affairs<\/em>, Winter 2005, Vol 9 Nr. 4<\/li>\n<li><em><a href=\"http:\/\/www.parlamento.it\/parlam\/bicam\/terror\/home.htm\">Commissione parlamentare d`inchiesta sul terrorismo in Italia e sulle cause della mancata individuazione dei responsabili delle stragi<\/a><\/em>, 39. Sitzung<\/li>\n<li><em>Carlo Alfredo Moro<\/em>, Storia di un delitto annunciato. 1998<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.clarence.com\/contents\/societa\/memoria\/moro\/\">&Uuml;bersicht zum Memoriale Moro<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.archivio900.it\/it\/documenti\/finestre-900.aspx?c=1042\">Briefe von A.M. und Memoriale Moro<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/cronologia.leonardo.it\/storia\/a1978u.htm\">Communiques der Brigate Rosse<\/a>)<\/li>\n<li><em>Renato Curcio<\/em>, Mit offenem Blick. Ein Gespr&auml;ch zur Geschichte der Roten Brigaden in Italien, mit  Mario Scialoja. Berlin, 1997<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_0\" name=\"foot_0\">&laquo;*<\/a>] Der Autor <strong>Stefan Schmitt<\/strong> ist Psychologe. Er kommt aus dem Bereich der &bdquo;Kritischen Psychologie&ldquo;. Schmitt besch&auml;ftigt sich seit vielen Jahren mit dem Nahen und mittleren Osten und der Rolle des Westens in dieser Region, au&szlig;erdem mit Italien und den dort sichtbaren imperialistischen Strategien und Politiken. Bei diesen Studien ist er in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts auf das Wirken von Politikern der Bush\/Cheney-Administration gesto&szlig;en.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Die Zitate von Adriana Faranda und Ferdinando Imposimato sowie die &Uuml;bersetzungen der Briefe von Aldo Moro sind entnommen aus: <em>Jessica Kraatz Magri, Bruno Franceschini<\/em>, Mein Blut komme &uuml;ber Euch. Manuskript zu einem Feature im Deutschlandfunk. Mai 2008<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Daniele Ganser, Terrorism in Western Europe: An Approach to NATO&rsquo;s Secret Stay-Behind Armies, in: <em>The Whitehead Journal of Diplomacy and International Relations<\/em>, Winter\/ Spring 2005; <em>ders.<\/em>, Fear As A Weapon. The Effects of Psychological Warfare on Domestic and International Politics, in: <em>World Affairs<\/em>, Vol 9, No 4, Winter 2005<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] S. hierzu: <em>Ulrich Chaussy<\/em>, Oktoberfest. Das Das Attentat &ndash; Wier die Verdr&auml;ngung des Rechtsterrors begann. Berlin, 2014; <em>Daniel Harrich<\/em>, Der blinde Fleck. Kinofilm 2014; <em>Daniel Harrich, Ulrich Chaussy<\/em>, Attent&auml;ter &ndash; Einzelt&auml;ter? Neues zum Oktoberfestattentat. Filmische Dokumentation, ARD 2015; <em>Annette Ramelsberger<\/em>, Die Asservatenkammer ist leer, in: <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em>, 13.5.2009; Gespr&auml;ch mit Andreas Kramer, in: <em>junge welt<\/em>, 13.4.2013<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <em>Emmanuel Amara<\/em>, Abbiamo ucciso Aldo Moro. La vera storia del rapimento Moro. Rom, 2008<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <em>Daniele Ganser<\/em>, Illegale Kriege. Wie die NATO-L&auml;nder die UNO sabotieren. Eine Chronik von Kuba bis Syrien. Z&uuml;rich, 2016<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <em>Seymour Hersh<\/em>, Preparing the Battlefield, in: The New Yorker, 7.7.2008<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 40 Jahren, am 16. M&auml;rz 1978, wurde der italienische Christdemokrat Aldo Moro entf&uuml;hrt und dann nach sechs Wochen Leiden im Versteck ermordet. F&uuml;r seine Freilassung haben die Offiziellen nichts Entscheidendes unternommen. Dieser Vorgang erinnert fatal an aktuelle Vorg&auml;nge. Deshalb sind wir dankbar daf&uuml;r, dass <strong>Stefan Schmitt<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43402#foot_0\" name=\"note_0\">*<\/a>], Psychologe und Beobachter des Zeitgeschehens, in<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43402\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,212,125,166],"tags":[1276,2320,901,641,1202,577,1571,2321,2322,1669,1556],"class_list":["post-43402","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-gedenktagejahrestage","category-rechte-gefahr","category-terrorismus","tag-attentat","tag-entfuehrung","tag-geheimdienste","tag-irak","tag-isis","tag-italien","tag-mafia","tag-propaganda-due","tag-rote-brigaden","tag-stay-behind","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43402","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=43402"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43402\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":43423,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43402\/revisions\/43423"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=43402"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=43402"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=43402"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}