{"id":4341,"date":"2009-11-17T09:34:29","date_gmt":"2009-11-17T08:34:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4341"},"modified":"2009-11-17T12:34:38","modified_gmt":"2009-11-17T11:34:38","slug":"hinweise-des-tages-1021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4341","title":{"rendered":"Hinweise des Tages"},"content":{"rendered":"<p>Heute unter anderem zu folgenden Themen: Welthungergipfel mit wenig N&auml;hrwert; Mehr Netto vom Brutto, ein leeres Versprechen; Steuerlegenden; das M&auml;rchen vom schnellen Wachstum; Riesterrente schlie&szlig;t Versorgungsl&uuml;cke nicht; immer weniger Ware; Bahn: Endstation Chaos; Albrecht M&uuml;ller und Hans-Ulrich J&ouml;rges streiten &uuml;ber die Gleichschaltung der Medien; INSM: Neoliberaler Auftrag noch nicht erf&uuml;llt;  die SPD versucht sich neu zu erfinden; Preis und Wert des Journalismus; Hochbegabte und die Masse; Ludwig Ehrhard und die Krise. (WL)<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li><a href=\"#h01\">Welthungergipfel mit wenig N&auml;hrwert<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h02\">Gerhard Bosch: &ldquo;Mehr Netto vom Brutto ist leeres Versprechen&rdquo;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h03\">Struktur und Verteilung der Steuereinnahmen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h04\">Von Steuern, Wachstum und Servietten <\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h05\"> Schluss mit Untergang?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h06\">Dieter Wermuth: China rettet die Welt<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h07\">Beschleunigte Sch&ouml;nf&auml;rberei &ndash; Das M&auml;rchen vom schnellen Wachstum<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h08\">Made in Germany schl&auml;gt billigeres Ausland<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h09\">Geringverdiener: Riesterrente schlie&szlig;t Versorgungsl&uuml;cke nicht<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h10\">Wirtschaftsweise: Rentenpolitik stellt Nachhaltigkeit in Frage<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h11\">Hartz IV: Verhungern soll keiner<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h12\">Immer weniger Ware<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h13\">Endstation Chaos &ndash; Die Bahn auf gerf&auml;hrlichem Kurs<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h14\">Altlastenentsorgung im Bundesumweltministerium<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h15\">Entrechtungsavantgarde &ndash; das neue Datenschutzbewusstsein der Arbeitsagentur<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h16\">Albrecht M&uuml;ller und Hans-Ulrich J&ouml;rges streiten &uuml;ber die Gleichschaltung der Medien<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h17\">INSM: Neoliberaler Auftrag noch nicht erf&uuml;llt<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h18\">Auferstanden aus Ruinen? Die SPD versucht sich neu zu erfinden und vertraut auf die Vergesslichkeit des W&auml;hlers<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h19\">Nochmals: SPD auf der Suche nach einer Neuorientierung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h20\">Tom Schimmeck: Preis und Wert des Journalismus<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h21\">Von &raquo;Leuchtt&uuml;rmen&laquo;, &raquo;Hochbegabten&laquo; &ndash; und der &raquo;Masse&laquo; <\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h22\">Bildungsstreik 2009<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h23\">Daniela Dahn: Osten war z&auml;hmendes Regulativ des Westens<\/a><\/li>\n<\/ol><p><em><strong>Vorbemerkung:<\/strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&uuml;r n&ouml;tig halten. Selbstverst&auml;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &Uuml;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &Uuml;bersicht f&uuml;r hilfreich halten, <a href=\"?p=4341&amp;email=1\">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&ouml;glichkeit der schnellen Information hin.<\/a><\/em><\/p><ol>\n<li><a name=\"h01\"><\/a><strong>Welthungergipfel mit wenig N&auml;hrwert<\/strong><br>\n&ldquo;Allein heute sterben 17.000 Kinder auf der Welt vor Hunger, sechs Millionen pro Jahr. Das ist nicht zu akzeptieren.&rdquo; So sagt es UN-Generalsekret&auml;r Ban Ki Moon. Papst und UN-Chef redeten zum Auftakt des dreit&auml;gigen Weltern&auml;hrungsgipfels in Rom den Delegierten ins Gewissen. Bewegen indes konnten sie niemanden mehr: Die Abschlusserkl&auml;rung war am Montagmorgen l&auml;ngst ausgehandelt &ndash; und noch bevor der Papst ans Mikrofon trat, hatte das Plenum sie beschlossen.<br>\nTats&auml;chlich fehlt im Dokument von Rom jede konkrete Aussage &uuml;ber Hilfen. 44 Milliarden Dollar (etwa 30 Milliarden Euro) j&auml;hrlich verlangt FAO-Generalsekret&auml;r Jacques Diouf zur Bek&auml;mpfung des Hungers. 1,02 Milliarden Menschen kommen laut FAO nicht an die zum &Uuml;berleben notwendige Nahrung &ndash; Tendenz steigend. Die Gipfelteilnehmer bekr&auml;ftigen demgegen&uuml;ber lediglich ihre alten Verpflichtungen, die &ldquo;Zahl der Hungernden bis 2015 halbieren&rdquo; zu wollen &ndash; ein Ziel, das von Hilfsorganisationen als unrealistisch eingesch&auml;tzt wird.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/wirtschaft\/aktuell\/?em_cnt=2082215&amp;em_loc=31\">FR<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h02\"><\/a><strong>Gerhard Bosch: &ldquo;Mehr Netto vom Brutto ist leeres Versprechen&rdquo;<\/strong><br>\nDer Anteil der Abgaben f&uuml;r Sozialversicherungen und Steuern am Bruttosozialprodukt liegt in Deutschland bei rund 36 Prozent. Damit liegen wir unter dem Durchschnitt der EU. Die skandinavischen Wohlfahrtsstaaten mit Spitzenwerten in der Lebensqualit&auml;t haben Abgabenquoten von etwa 50 Prozent.<br>\n&bdquo;Was ist eigentlich mit Netto gemeint?&rdquo; Denn wenn sich die direkten Abgaben um 100 Euro verringern, daf&uuml;r aber im Gegenzug 100 Euro zus&auml;tzlich f&uuml;r Rezeptgeb&uuml;hren, Studiengeb&uuml;hren oder eine erh&ouml;hte Mehrwertsteuer aufgebracht werden m&uuml;ssen, bleibt die Kaufkraft des verf&uuml;gbaren Einkommens gleich.<br>\nWenn man diese zus&auml;tzliche Eigenvorsorge ber&uuml;cksichtigt, bleibt vom Netto wieder nicht mehr &uuml;brig. In den USA liegt die Abgabenquote zwar rund acht Prozent niedriger als bei uns. F&uuml;r die Amerikaner ist dies trotzdem ziemlich teuer. Sie zahlen horrende Beitr&auml;ge f&uuml;r private Versicherungen. Vor allem die &Auml;rmeren k&ouml;nnen sich eine Krankenversicherung nicht leisten.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/nachrichten\/waz\/wirtschaft\/2009\/11\/15\/news-141010178\/detail.html\">Der Westen<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h03\"><\/a><strong>Struktur und Verteilung der Steuereinnahmen<\/strong>\n<ul>\n<li>Mit dem Einbruch der Steuereinnahmen in diesem und im n&auml;chsten Jahr sinkt die Steuerquote auf 21,4 % im Jahr 2010. Sie wird bis zum Ende des Finanzplanungszeitraums im Jahr 2013 nicht &uuml;ber 21,8 % steigen.\n<\/li>\n<li>Mittelfristig &uuml;berwiegt der Anteil der indirekten Steuern wieder leicht.<\/li>\n<li>Die Verteilung der Steuereinnahmen auf Bund, L&auml;nder und Gemeinden ist relativ stabil.<\/li>\n<li>Deutschland hat im internationalen Vergleich weiterhin eine der niedrigsten Steuerquoten. <\/li>\n<\/ul>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/nn_80852\/DE\/BMF__Startseite\/Aktuelles\/Monatsbericht__des__BMF\/2009\/06\/analysen-und-berichte\/b06-struktur-verteilung-steuereinnahmen\/node.html?__nnn=true\">Bundesfinanzministerium<\/a><\/p>\n<p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Diesen Bericht sollten Sie sich genau ansehen. Er r&auml;umt mit einer Reiche von Legenden auf, die uns in der Steuersenkungsdebatte st&auml;ndig begegnen, u.a, dass die Abgabenquote st&auml;ndig gestiegen sei, dass Deutschland eine &uuml;berdurchschnittliche Steuer- und Abgabenbelastung habe, dass die direkten Steuern abgenommen und die indirekten Steuern zugenommen, dass die K&ouml;rperschaftsteuer nach den Reformen 2008 und 2009 um fast ein Drittel zur&uuml;ck ging etc.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h04\"><\/a><strong>Von Steuern, Wachstum und Servietten <\/strong><br>\nGro&szlig; hatten Liberale und Christsoziale vor der Wahl angek&uuml;ndigt, sie wollten auf jeden Fall die Steuern senken. Es m&uuml;sse mal eine gro&szlig;e &bdquo;Steuerstrukturreform&ldquo; geben, bei der den gebeutelten Steuerzahlern endlich mehr Netto vom Brutto &uuml;brig bleiben sollte. Im Wahlkampf meinte Angela Merkel, dass niedrigere Steuers&auml;tzen &ndash; so paradox ist die Welt &ndash; zu h&ouml;heren Steuereinnahmen f&uuml;hren w&uuml;rden. Wenn mehr Netto vom Brutto &uuml;brigbliebe, w&uuml;rde sich Leistung auch wieder lohnen, die Leute w&uuml;rden dann wieder mehr arbeiten, mehr verdienen und sogar mehr Steuern zahlen. Der Haushalt k&ouml;nnte sich dann von ganz allein konsolidieren.<br>\nAuf diesen folgenschweren Gedanken sind die deutschen Liberalen und Konservativen nicht von allein gekommen, sondern er ist 1974 beim Kaffeeplausch unter US-Republikanern in Washington entstanden. Der &Ouml;konom Arthur Laffer zeichnete damals in Anwesenheit von Dick Cheney und Donald Rumsfeld eine Kurve auf eine Serviette, aus der hervorging: Wenn die Steuers&auml;tze zu hoch sind, k&ouml;nnten Steuersenkungen nicht zu weniger, sondern zu mehr Steuereinnahmen f&uuml;hren. Geboren war die ber&uuml;hmte Laffer-Kurve.<br>\nMit seiner Serviettentheorie hat Arthur Laffer nicht nur US-Republikaner wie den ehemaligen Pr&auml;sidenten Ronald Reagan oder deutsche Liberalkonservative &uuml;berzeugt. Auch die rot-gr&uuml;ne Bundesregierung fand sich selbst finanzierende Steuersenkungen eine prima Idee. Das Experiment mit der gr&ouml;&szlig;ten Steuerreform der bundesrepublikanischen Geschichte im Jahr 2000 ging (absehbar) m&auml;chtig schief: Die rot-gr&uuml;nen Entlastungen f&uuml;r Gutverdiener und Unternehmen finanzierten sich mitnichten von selbst, sondern rissen in den Folgejahren riesigen L&ouml;cher in den Bundeshaushalt, die mit h&ouml;heren Schulden gestopft wurden.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2009\/10\/12\/von-steuern-wachstum-und-servietten_1111\">Zeit Online Herdentrieb<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h05\"><\/a><strong>Schluss mit Untergang?<\/strong><br>\nSachverst&auml;ndigenrat und&nbsp; Gemeinschaftsdiagnose zeichnen ein gemischtes Bild<br>\nAngesichts optimistischer Wachstumsprognosen des Sachverst&auml;ndigenrates und der f&uuml;hrenden Wirtschaftsforschungsinstitute k&ouml;nnte man fast meinen, die Krise sei schon vorbei. Sieht man aber genauer hin, erscheint die Zukunft alles andere als rosig. Zumal sich die schwarz-gelbe Bundesregierung auch noch auf einer wirtschaftspolitischen Geisterfahrt befindet.<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/wipo.verdi.de\/wirtschaftspolitische_informationen\/data\/09_06-Schluss-mit-Untergang.pdf\">ver.di [PDF &ndash; 206 KB]<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h06\"><\/a><strong>Dieter Wermuth: China rettet die Welt<\/strong><br>\nDass die Aktienm&auml;rkte, ebenso wie die Rohstoffm&auml;rkte, weiter haussieren, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass sich im Fernen Osten ein Land weitgehend von der globalen Rezession abgekoppelt hat und kr&auml;ftig w&auml;chst: Chinas Beitrag zum globalen BIP betr&auml;gt zwar &ldquo;nur&rdquo; 8%, aber das reicht, die Exporte Deutschlands und Japans, selbst der USA, wieder in Fahrt zu bringen und die Stimmung zu verbessern. Die Rohstoffpreise werden zur Zeit fast g&auml;nzlich von Chinas Strategien dominiert. Im &Uuml;brigen halten die Notenbanken und die Finanzminister weltweit den Fu&szlig; fest auf dem Gaspedal. Die expansive Politik schl&auml;gt inzwischen sichtbar an.<br>\nSo breit aufgestellt das Wachstum der Weltwirtschaft zur Zeit ist, so wenig ist sicher, dass es ohne wirtschaftspolitische Kr&uuml;cken geht. Die Kreditvergabe ist schwach, die Banken haben noch gewaltigen Abschreibungsbedarf, die Arbeitslosigkeit steigt vermutlich noch um Einiges, und in vielen L&auml;ndern hat Sparen oberste Priorit&auml;t, etwa in den USA, wo Haushalte und Banken mit &Uuml;berschuldung und notleidenden Assets im Gefolge der geplatzten Immobilienblase zu k&auml;mpfen haben.<br>\nDaher: Eine neue Euphorie wird es nicht geben. R&uuml;ckschl&auml;ge, auch gro&szlig;e, werden sich nicht vermeiden lassen. Aber f&uuml;r&rsquo;s Erste bleibe ich dabei, dass die Aussichten sowohl f&uuml;r Aktien als auch f&uuml;r Anleihen nicht schlecht sind.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2009\/10\/21\/china-rettet-die-welt_1116\">blog.zeit herdentrieb<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung unseres Leser G.K.: <\/strong>Die Bewertung der chinesischen Wirtschaftspolitik darf nicht au&szlig;er Acht lassen, dass der Versuch einer auch zuk&uuml;nftig starken chinesischen Exportorientierung im Verbund mit der deutschen und japanischen Exportfixierung die Gefahr anhaltender au&szlig;enwirtschaftlicher Ungleichgewichte heraufbeschw&ouml;rt. Man muss jedoch anerkennen, dass die chinesische Regierung im Zuge der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise Schritte zur Ankurbelung des chinesischen Binnenmarktes eingeleitet hat.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h07\"><\/a><strong>Beschleunigte Sch&ouml;nf&auml;rberei &ndash; Das M&auml;rchen vom schnellen Wachstum<\/strong><br>\nMehr Kindergeld, h&ouml;herer Kinderfreibetrag, weniger Steuern f&uuml;r Erben, geringere Mehrwertsteuer f&uuml;r Hotels und Pensionen ? mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz will die neue Bundesregierung Wahlversprechen einl&ouml;sen. Vor allem f&uuml;r die Kundschaft der FDP. Denn die Segnungen dieses Gesetzes, das heute im Bundestag beraten wird, n&uuml;tzt vor allem Gutverdienern. Und bei den Familienleistungen ist es h&ouml;chst fraglich, ob sie tats&auml;chlich den Kindern zugute kommen. Aber die Regierung hat es eilig, denn im n&auml;chsten Jahr wird die wirtschaftliche Lage so d&uuml;ster sein, dass f&uuml;r Wahlgeschenke &uuml;berhaupt kein Raum mehr sein wird. Viel Beschleunigung, wenig Substanz ?<br>\nQuelle 1: <a href=\"http:\/\/www.hr-online.de\/website\/radio\/hr2\/flashplayer\/hr2tag_player_content.jsp?rpgid=28420628993\">hr2 &bdquo;Der Tag&ldquo; (Einleitungstext mit Abspielfunktion)<\/a><br>\nQuelle 2: <a href=\"http:\/\/mp3.podcast.hr-online.de\/mp3\/podcast\/derTag\/derTag_20091112.mp3\">hr2 &bdquo;Der Tag&ldquo; (Audio-Podcast, mp3, ca. 24 MB, ca. 51 Minuten)<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h08\"><\/a><strong>Made in Germany schl&auml;gt billigeres Ausland<\/strong><br>\nImmer weniger Firmen verlagern ihre Produktion ins Ausland. Viele holen sogar ihre Herstellung zur&uuml;ck nach Deutschland. Hauptgrund f&uuml;r diese Entwicklung sind die gravierenden Qualit&auml;tsprobleme im Ausland. Und das ist noch nicht alles. So sind auch in den vermeintlich billigen Standorten die L&ouml;hne heftig gestiegen.<br>\nDer Untersuchung zufolge hat sich die Zahl der Verlagerungen seit 2006 um fast die H&auml;lfte reduziert &ndash; auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article5234872\/Made-in-Germany-schlaegt-billigeres-Ausland.html\">Die Welt Online<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Endlich sind die Billigl&ouml;hne in Deutschland auf das Niveau der Billiglohnl&auml;nder gesunken. Fairerweise muss man sagen, dass das Fraunhofer-Institut schon immer gegen die <a href=\"?p=49\">Abwanderungs-Kampagne angek&auml;mpft hat<\/a>. <\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h09\"><\/a><strong>Geringverdiener: Riesterrente schlie&szlig;t Versorgungsl&uuml;cke nicht<\/strong><br>\nDie Riesterrente soll gerade Arbeitnehmer mit geringen Einkommen dazu bewegen, mehr zu sparen &ndash; damit sie im Alter trotz geringerer gesetzlicher Rente nicht deutlich schlechter dastehen als heutige Rentner. Eine empirische Studie deutet daraufhin, dass der Plan nicht aufgehen wird.<br>\nDie Reform habe vermutlich weder einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, dass Geringverdiener-Haushalte &uuml;berhaupt sparen, noch auf ihre Sparquote&hellip; M&ouml;glicherweise habe die Riesterrente Arbeitnehmer im unteren Einkommensbereich lediglich dazu bewogen, ihre Ersparnisse umzuschichten: von nicht-subventionierten Anlageformen in subventionierte Riestervertr&auml;ge.<br>\nGrunds&auml;tzlich ist fraglich, ob eine Erh&ouml;hung der Sparquote der privaten Haushalte den zuk&uuml;nftig zu verteilenden Wohlstand &uuml;berhaupt anhebt. Untersuchungen des IMK legen den Schluss nahe, dass hohe Sparquoten das Wirtschaftswachstum eher bremsen als befl&uuml;geln. Der seit 2001 zu beobachtende Anstieg der Sparquote erkl&auml;rt sich dem IMK zufolge zu einem gro&szlig;en<br>\nTeil durch die Umverteilung zugunsten der Haushalte mit hohen Einkommen, die mehr sparen.<br>\nQuelle 1: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/impuls_2009_17_5.pdf\">B&ouml;ckler Impuls [PDF &ndash; 81.6 KB]<\/a><br>\nQuelle 2: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_imk_report_43_2009.pdf\">IMK Report 43 [PDF &ndash; 281 KB]<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Bei Haushalten mit einem Nettoeinkommen von weniger als 900 Euro im Monat liegt die Sparquote laut Statistischem Bundesamt bei minus zw&ouml;lf Prozent. Das hei&szlig;t: Wer sehr wenig verdient, kann in Deutschland nicht auf Erspartes zur&uuml;ckgreifen, er muss vielmehr meist auf Pump leben. Bei einem Einkommen bis 1300 Euro ist der Wert mit minus 0,5 Prozent immer noch negativ, erst bei einem Nettoverdienst zwischen 1300 und 1500 Euro erreicht die Quote mit plus 0,5 Prozent positives Terrain. Danach steigt die Sparquote mit wachsendem Einkommen rapide an: von 4,5 Prozent bei einem Verdienst zwischen 2000 und 2600 Euro &uuml;ber neun Prozent (2600 bis 3600 Euro) bis zum Spitzenwert von knapp 22 Prozent bei einem Nettoeinkommen zwischen 5000 und 18.000 Euro. Besserverdiener k&ouml;nnen also jeden f&uuml;nften Euro, <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/906\/449634\/text\/?CMP=NLC-SDE071022&amp;nlsource=taeglich\">den sie verdienen, zur Seite legen<\/a>.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h10\"><\/a><strong>Wirtschaftsweise: Rentenpolitik stellt Nachhaltigkeit in Frage<\/strong><br>\nIn ungew&ouml;hnlich scharfer Form hat der Sachverst&auml;ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung die rentenpolitischen Ma&szlig;nahmen des vergangenen Jahres kritisiert. In seinem am Freitag vorgelegten Jahresgutachten bem&auml;ngelt der Rat, die in diesem und dem vergangenen Jahr f&uuml;r die Rentner ausgesetzten Schritte auf der &ldquo;Riester-Treppe&rdquo; sowie die im Sommer beschlossene Rentengarantie stellten &ldquo;die zuletzt deutlich verbesserte finanzielle Nachhaltigkeit in Frage&rdquo;. Die Beliebigkeit, mit der gesetzlich beschlossene Regelungen einfach ausgesetzt w&uuml;rden, lie&szlig;en mit Blick auf die angek&uuml;ndigten Nachholma&szlig;nahmen &ldquo;nichts Gutes erwarten&rdquo;, so die Wirtschaftsweisen. Dar&uuml;ber hinaus bef&uuml;rchten die von dem Mannheimer &Ouml;konom Wolfgang Franz geleiteten Sachverst&auml;ndigen, angesichts der j&uuml;ngsten Diskussionen k&ouml;nne die ebenfalls bereits beschlossene Rente mit 67 wieder zur&uuml;ckgenommen werden. Um die Erfolge der Reformen aus den vergangenen Jahren &ldquo;nicht vollends zu verspielen&rdquo;, m&uuml;ssten die in den vergangenen Jahren unterbliebenen Rentend&auml;mpfungen &ldquo;m&ouml;glichst schnell&rdquo; nachgeholt werden und weitere R&uuml;ckschritte von den Reformen unterbleiben, schreiben die Wirtschaftsprofessoren. Zudem sehen sie bei der Vereinheitlichung der Rentenberechnung f&uuml;r das ganze Bundesgebiet &ldquo;Handlungsbedarf&rdquo;.<br>\nQuelle 1: <a href=\"http:\/\/www.ihre-vorsorge.de\/Wirtschaftsweise-kritisieren-unsolide-Rentenpolitik.html?session=8124eeb9b777a1a5873d24867994b5d3\">Ihre Vorsorge<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung:<\/strong> Professor Franz ist nicht nur Vorsitzender des Sachverst&auml;ndigenrates sondern auch Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer und wissenschaftlicher Leiter des Zentrums f&uuml;r europ&auml;ische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW). Ein &Uuml;berblick &uuml;ber die F&ouml;rderkreismitglieder ist in diesem Zusammenhang sehr aufschlussreich, denn hier finden wir erstaunlich viele Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister (auszugsweise BW-Bank, Sparkassen Versicherung, KKL Verm&ouml;gensverwaltung, MLP, IKB, Commerzbank AG, Deutsche Bank AG, Inter Versicherungen, Hypo-Vereinsbank AG, Signal Iduna, HDI Gerling). Fazit = Wer zahlt, schafft an.<br>\nQuelle 2: <a href=\"http:\/\/www.zew.de\/de\/daszew\/organisation.php3?mi=ZEW&amp;si=ORG\">ZEW (Leitung)<\/a><br>\nQuelle 3: <a href=\"http:\/\/www.zew.de\/de\/daszew\/foerderkreismitglieder.php3\">ZEW (F&ouml;rderkreis)<\/a><\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h11\"><\/a><strong>Hartz IV: Verhungern soll keiner<\/strong><br>\nBei Hartz-IV-Empf&auml;ngern mu&szlig; auch im Fall von Sanktionen seitens der Kommune oder der Arge das Existenzminimum gesichert sein. Das entschied das Landessozialgericht Nord&shy;rhein-Westfalen in einem am Montag in Essen ver&ouml;ffentlichten Beschlu&szlig;. In M&ouml;nchengladbach hatte die Arge einem 25j&auml;hrigen, der ein wenige Monate altes Baby zu versorgen hatte, die Leistungen f&uuml;r drei Monate vollst&auml;ndig gestrichen, weil er nicht gen&uuml;gend kooperiert hatte. Hiergegen hatte der Erwerbslose Widerspruch eingelegt.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2009\/11-17\/059.php\">junge Welt<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h12\"><\/a><strong>Immer weniger Ware<\/strong><br>\nDie von der EU verordnete &Auml;nderung des Verpackungsrechts wird breitfl&auml;chig f&uuml;r versteckte Preiserh&ouml;hungen genutzt. Seit dem 11. April d&uuml;rfen Hersteller aufgrund einer EU-Vorgabe fast alle Verpackungen mit weniger Ware bef&uuml;llen.<br>\nAusnahmen gelten lediglich noch f&uuml;r Wein, Sekt und Lik&ouml;r.<br>\nDas f&uuml;hrte dazu, dass heimliche Preiserh&ouml;hungen immer h&auml;ufiger &uuml;ber eine geringere Bef&uuml;llung durchgesetzt wurden.<br>\nNicht selten sogar im zweistelligen Prozentbereich.<br>\nDie Verbraucherzentrale Hamburg hat in einer <a href=\"http:\/\/www.vzhh.de\/%7Eupload\/vz\/VZTexte\/TexteErnaehrung\/ListeverstecktePreiserhoehungen.pdf\">Sammlung [PDF &ndash; 118 KB]<\/a> genau das dokumentiert.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/31\/31485\/1.html\">Telepolis<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h13\"><\/a><strong>Endstation Chaos &ndash; Die Bahn auf gerf&auml;hrlichem Kurs<\/strong><br>\nDie Chaostage bei der Berliner S-Bahn n&auml;hren einen schlimmen Verdacht: Steigerte die Konzernmutter, die DB AG ihre Gewinne f&uuml;r den geplanten B&ouml;rsengang auch auf Kosten der Sicherheit?<br>\nDer Regierungschef Berlins, Klaus Wowereit, greift den Staatskonzern deshalb scharf an: &bdquo;Das ist das Unverantwortliche, dass hier in unverantwortlicher Weise vom Management der Bahn und der S-Bahn im Privatisierungswahn eine Kostenoptierung durchgef&uuml;hrt wurde, die fahrl&auml;ssig war, die vors&auml;tzlich war, weil sie die Sicherheit von Passagieren gef&auml;hrdet hat.&ldquo; Was ist dran an diesen Vorw&uuml;rfen? In der ARD-Dokumentation zeigen die Autoren Ursel Sieber, Olaf Jahn und Norbert Siegmund gravierende Sicherheitsm&auml;ngel auf &ndash; nicht nur bei der Berliner S-Bahn, sondern auch im deutschen Schienennetz und bei G&uuml;terwaggons.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/programm.ard.de\/programmvorschau\/1005556256011\/16112009-2100-DasErste\/Endstation-Chaos%20\">ARD<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung: <\/strong>Zu den Auswirkungen des B&ouml;rsengangsbestrebens der Deutschen Bahn der genannte Bericht. Wiederholt am<\/em><\/p>\n<ul>\n<li>18.11.09  20.15 EinsExtra<\/li>\n<li>21.11.09  11.03 EinsExtra<\/li>\n<li>25.11.09  22.05 RBB<\/li>\n<li>27.11.09  09.30 RBB<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<p><\/p>\n<li><a name=\"h15\"><\/a><strong>Altlastenentsorgung im Bundesumweltministerium<\/strong><br>\nDas Bundesumweltministerium ist jetzt in schwarzer Hand, seitdem die CDU das Ministerium &uuml;bernommen hat. Dabei gab es auch in den Onlineangeboten des Ministeriums eine kleine Altlastenentsorgung mit politischem Symbolcharakter, wie uns zu Ohren kam. Einige Atom-kritische Publikationen sind kurz nach dem Regierungswechsel heimlich, still und lese von den Webseiten verschwunden.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.netzpolitik.org\/2009\/altlastenentsorgung-im-bundesumweltministerium\/\">netzpolitik.org<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h16\"><\/a><strong>Entrechtungsavantgarde &ndash; das neue Datenschutzbewusstsein der Arbeitsagentur<\/strong><br>\nNach den letzten Problemen mit dem Datenschutz bem&uuml;ht sich die Arbeitsagentur um Schadensbegrenzung. Doch das pl&ouml;tzliche Datenschutzbewusstsein ist angesichts der ALG-II-Gesetzgebung und deren Umsetzung wenig &uuml;berzeugend. Logisch betrachtet kann Datenschutz hier auch keinen Stellenwert haben.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/bin\/tp\/issue\/r4\/dl-artikel2.cgi?artikelnr=31495&amp;mode=print\">Telepolis<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h17\"><\/a><strong>Albrecht M&uuml;ller und Hans Ulrich-J&ouml;rges streiten &uuml;ber die Gleichschaltung der Medien<\/strong><br>\nAuf den &ldquo;NachDenkSeiten&rdquo; im Internet diskutieren zahlreiche Menschen &uuml;ber Bankenrettung, neoliberale Strategien und &ouml;konomische Alternativen. Albrecht M&uuml;ller, einer der Macher des Blogs, ist davon &uuml;berzeugt, dass die klassischen Medien von S&uuml;ddeutsche Zeitung &uuml;ber Polit-Talkshows bis zum Spiegel versagt h&auml;tten.<br>\nHeftige Diskussionen. Der Alpha-Journalist Hans-Ulrich J&ouml;rges vom Stern auf der einen, Albrecht M&uuml;ller, der radikale Medienkritiker, auf der anderen. Es geht ums Eingemachte, um das Verh&auml;ltnis von Journalismus und Propaganda.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/marktundmedien\/1070040\/\">DLF<\/a>\n<p><em>Dazu auch:<\/em><\/p>\n<p><strong>Alles nicht so einfach<\/strong><br>\nManipulation der &Ouml;ffentlichkeit und was dagegen getan werden kann &ndash; eine Podiumsdiskussion in Berlin zum Buch &raquo;Meinungsmache&laquo;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2009\/11-14\/021.php\">junge Welt<\/a><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h18\"><\/a><strong>INSM: Neoliberaler Auftrag noch nicht erf&uuml;llt<\/strong><br>\nNeues Geld f&uuml;r &ldquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&rdquo; &ndash; Ableger in Bayern gegr&uuml;ndet<br>\nWar da eine Finanzkrise? Und halten all die neoliberalen Propagandisten &ldquo;jetzt f&uuml;r ein paar Jahre ihren Mund&rdquo;, wie es zum Beispiel der M&uuml;nchner Oberb&uuml;rgermeister Christian Ude (SPD) auf der 1. Mai-Kundgebung 2009 forderte? Weit gefehlt, wer solches glaubt. Im Gegenteil. Von der &Ouml;ffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommen, hat der Arbeitgeberverband Gesamtmetall gr&uuml;nes Licht f&uuml;r weitere f&uuml;nf Jahre Finanzierung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) gegeben, eine &ldquo;Propaganda-Einrichtung f&uuml;r den Klassenkampf von oben&rdquo;, wie Kritiker meinen. Und mittlerweile gibt es gar einen regionalen Ableger, die &ldquo;INSM-Bayern&rdquo;, die von der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) bezahlt wird und speziell den Freistaat ideologisch im Sinne der Unternehmer beackern soll.<br>\nRund 100 Millionen Euro waren dem Unternehmerverband in den vergangenen Jahren diese Art von Propaganda wert.<br>\nAuch nach der Krise des gerade von der Politik entfesselten Finanzmarktes sollen nun diese neoliberalen Glaubensbekenntnisse, ungeachtet ihrer geistigen Mitwirkung an eben dieser Krise, weiter unter das Volk gebracht werden. Mit einem um 15 Prozent leicht gek&uuml;rzten Budget kann die INSM auf dem Sockel von mehr als 40 Millionen Euro bis 2014 weiter das tun, was sie seit zehn Jahren betreibt: Die &Ouml;ffentlichkeit im Sinne ihrer Geldgeber zu beeinflussen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/31\/31480\/1.html\">Telepolis<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h18\"><\/a><strong>Auferstanden aus Ruinen? Die SPD versucht sich neu zu erfinden und vertraut auf die Vergesslichkeit des W&auml;hlers<\/strong><br>\nDie Sozialdemokraten sind endlich in der Opposition angekommen. Der SPD-Parteitag in Dresden war von Anfang an auf die maximale &Ouml;ffentlichkeitswirksamkeit einer Oppositionspartei orchestriert, die vor lauter Regierungsf&auml;higkeit kaum laufen kann. Von einer inhaltlichen Aufarbeitung der vergangenen elf Regierungsjahre sind die Sozialdemokraten jedoch noch weit entfernt. Lediglich die Forderung nach der Wiedereinf&uuml;hrung der Verm&ouml;genssteuer stellt eine &ndash; wenn auch wenig glaubw&uuml;rdige &ndash; inhaltliche Novelle dar. Stattdessen konzentrierte man sich darauf, Geschlossenheit zu demonstrieren und sich verbal neu aufzustellen. Der neue starke Mann ist der ehemalige Goslarer Berufsschullehrer Sigmar Gabriel, der sich in einer 100min&uuml;tigen, als fulminant empfundenen Rede feiern lie&szlig;. Es ist jedoch fraglich, ob der alte Schr&ouml;derianer Gabriel das Grundproblem der SPD &uuml;berwinden wird &ndash; die zerst&ouml;rte Glaubw&uuml;rdigkeit.<br>\nSigmar Gabriel verk&ouml;rpert die hohe Kunst des Opportunismus in der Politik wie kaum ein Anderer. Als sein guter Freund Gerhard Schr&ouml;der zusammen mit dem Briten Tony Blair 1999 in den Schr&ouml;der-Blair-Papieren die Sozialdemokratie durch eine neoliberale Ausrichtung ad absurdum f&uuml;hrte, geh&ouml;rte Gabriel zu den bedingungslosen Unterst&uuml;tzern dieser Politik. Gabriels Begeisterung f&uuml;r die &ldquo;neue Mitte&rdquo; kam nicht aus innerer &Uuml;berzeugung &ndash; in den fr&uuml;hen Jahren seiner politischen Karriere war Gabriel schlie&szlig;lich ein &uuml;berzeugter Parteilinker. H&ouml;here Weihen konnten ihm in der SPD allerdings nur zuteil werden, wenn er ins Lager der Schr&ouml;derianer wechselte. Gabriels Opportunismus zahlte sich aus &ndash; ohne die Protektion des Kanzlers w&auml;re Gabriel weder Fraktionsvorsitzender der nieders&auml;chsischen SPD, noch 1999 Amtsnachfolger des scheidenden nieders&auml;chsischen Ministerpr&auml;sidenten Glogowski geworden. Pl&ouml;tzlich war Sigmar Gabriel wer, und seitdem hat er es sich nicht nur auf den Sesseln der politischen Talkshows, sondern auch den Tr&ouml;gen der Macht bequem gemacht<br>\nWarum sollte ausgerechnet der Agenda-Architekt Gabriel nun f&uuml;r eine sozial gerechte Politik stehen? Warum sollte ein Politiker, der jahrelang das Mantra der freien M&auml;rkte nachgebetet hat, nun diese M&auml;rkte zum Wohle der Allgemeinheit regulieren wollen? Warum sollte ein bekennender Seeheimer und Netzwerker nun auf eine ernstzunehmende Alternative rot-rot-gr&uuml;n im Bund hinarbeiten? Nein, das ist nicht glaubhaft. Wenn sich der selbstaffirmative Weihrauch in den K&ouml;pfen der SPD-Delegierten verzogen hat, werden auch die Sozialdemokraten erkennen, dass sie nach dem Dresdner Parteitag noch keinen einzigen Schritt auf dem langen Marsch zur Neugestaltung der Partei vorangekommen sind.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/bin\/tp\/issue\/r4\/dl-artikel2.cgi?artikelnr=31498&amp;mode=print\">Telepolis<\/a><\/li>\n<li><strong><a name=\"h19\"><\/a>Nochmals: SPD auf der Suche nach einer <a href=\"?p=4338\">Neuorientierung<\/a>:<\/strong><br>\nUnser Leser AG gab uns dazu folgende erg&auml;nzende Information: \n<p><em>Gabriel hat mit seiner Rede auf dem Parteitag im Wesentlichen die Thesen seines Buches &ldquo;Links neu denken&rdquo; (2008) wiedergegeben und damit auch die Richtung f&uuml;r die n&auml;chsten Jahre vorgegeben.<br>\nSchl&uuml;sselthema ist dabei die von ihm so genannte &ldquo;Gestaltungslinke&rdquo; bzw. &ldquo;emanzipatorische Linke&rdquo;, die er einer &ldquo;Protest-Linken&rdquo; (dazu S. 354 &ndash; 362 seines Buches) gegen&uuml;berstellt.<br>\nSein Begriff der &ldquo;emanzipatorischen Linken&rdquo; bringt dogmatisch einiges Neue und Richtige (u.a. Aufgabe des inhaltsleeren Begriffs der &ldquo;Mitte&rdquo;), fungiert aber auch als Vehikel, wesentliche &ldquo;Errungenschaften&rdquo; der AGENDA 2010 f&uuml;r die k&uuml;nftige SPD-Programmatik zu retten. Schlimmer aber ist, dass Gabriel keine Ahnung hat, was emanzipatorisch-linke Politik in der Rechts- und Lebenspolitik voraussetzt. Er widerlegt sich vielmehr selbst, wie ich ausf&uuml;hren m&ouml;chte.<\/em><\/p>\n<ol>&nbsp;\n<li>Richtig an Gabriels Dogmatik ist&hellip;<br>\nAuf S. 139 ff. seines Buches stellt er die Emanzipation des Individuums richtigerweise als Ziel linker Politik dar. &ldquo;Das linke Verst&auml;ndnis von Emanzipation ist umfassender, radikaler und vor allem auch egalit&auml;rer als das des aufgekl&auml;rten B&uuml;rgertums. Es will die Befreiung des Menschen, aller Menschen aus jeder Art von Fremdbestimmung und Bevormundung.&rdquo;<br>\nDies war auch das Leitmotiv seiner Rede auf dem Parteitag und d&uuml;rfte die Rhetorik seiner Zeit als Parteichef und ggf. Kanzlerkanditat pr&auml;gen wie keine andere Begrifflichkeit.\n<\/li>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<li>Der Kern Gabriels&rsquo; Dogmatik widerstrebt diesem EMANZIPATORISCHEN LEITGEDANKEN zutiefst&hellip;<br>\nDas m&ouml;chte ich an drei Beispielen untermauern:<br>\n&nbsp;\n<ol type=\"a\">\n<li>Verteilungsgerechtigkeit als Vorbedingung emanzipatorischer Chancengerechtigkeit? Nein!<br>\nGabriel spielt mit seinem Begriff der Gestaltungslinken die &ldquo;antiquierte&rdquo; Verteilungsgerechtigkeit gegen die &ldquo;moderne&rdquo; Chancengerechtigkeit (Bildung &uuml;ber alles&hellip;) aus, wobei er verkennt, dass die erste Voraussetzung der Realisierung der letzten ist.<br>\nDas wird zB auf S. 154 seines Buches deutlich: &ldquo;Zu viel Gleichheit verringert den verteilbaren Kuchen. Denn die Regierung kann den Verlierern nur das geben, was sie von den Gewinnern nimmt&rdquo;.\n<p>Das ist eine holzhammerartige Formulierung des Trickle-Down-Theorems, das geradezu Kernbestand der neoliberalen Rechtsfertigungsideologie ist. Dies ist im (scheinlinken) Liberalismus von J. Rawls angelegt. Indes:&nbsp;Mit diesem Theorem l&auml;sst sich im Grunde JEDE Ungleichheit rechtfertigen, da sich immer sagen l&auml;sst: &ldquo;&hellip;sonst ginge es den Verlierern noch schlechter&rdquo;.&nbsp;<br>\nIm Kapitel&nbsp;&ldquo;The Incentives Argument&rdquo; (S. 27 &ndash; 86) seines neuen und sehr lesenwerten Buches&nbsp;&ldquo;Rescuing justice and equality&rdquo; (Harvard University Press, 2008)&nbsp;hat der Oxforder Philosoph&nbsp;G. A. Cohen sich mit diesem Argument Rawls&rsquo; und damit auch dem Kernbestand des Thatcherism eindrucksvoll auseinandergesetzt &ndash; und es als gef&auml;hrliches Scheinargument entlarvt, das allem dient, aber sicher nicht der &ldquo;justice&rdquo;.<br>\nKurzum: Dass das linksemanzipatorische Projekt Hand in Hand gehen muss mit einer gesunden Umverteilung, wird geleugnet.\n<\/p><\/li>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<li>Druck auf Menschen, um&nbsp;Arbeit zu f&ouml;rdern: Ja!<br>\nAntiemanzipatorisch, da in eine&nbsp;patriarchaisch\/bevormundende Arbeitsmarktdoktrin einm&uuml;ndend ist folgendes:&nbsp;<br>\nIn der Einleitung seines Buches rechtfertigt Gabriel die Grundkonzeption der HARTZ-Ideologie ausdr&uuml;cklich. Er meint, es sei ein Fehler gewesen, &ldquo;in erster Linie das kapitalistische Produktionssystem, das systematisch erhebliche konjunkturelle Schwankungen produziert, sowie mangelnde staatliche Gegensteuerungskapazit&auml;ten&rdquo; als Hauptursache f&uuml;r Arbeitslosigkeit auszumachen (S. 20). Erst mit HARTZ habe die SPD gesamtwirtschaftliche mit &ldquo;einzelwirtschaftlichen Diagnosen&rdquo; verbunden (ibid.) &ndash; n&auml;mlich menschliches Versagen der einzelnen in den Blick genommen, genauer: Anschauungen einzelner, denen ein &ldquo;Verbleib in der Arbeitslosigkeit und die Kombination von Sozialtransfer und Schwarzarbeit lohnenswerter erscheinen (&hellip;) als die Aufnahme eines sozialversicherungspflichtigen Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisses&rdquo; (ibid.).<\/li>\n<p>&nbsp;<\/p><\/ol>\n<p>Das hei&szlig;t: Arbeitslosigkeit als soziales Problem ist nicht prim&auml;r dem Markt, sondern zumindest in gleichem Ma&szlig;e dem versagenden arbeitslosen Individuum zuzurechnen.<br>\nEs &uuml;berrascht daher nicht, dass Gabriel auf dem Parteitag nur eine wesentliche Korrektur im relevanten Bereich vorgeschlagen hat (Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes m&uuml;sse mit Lebensarbeitszeit st&auml;rker korrelieren). Die Grundideologie&nbsp;bleibt also intakt.&nbsp;\n<\/p><\/li><\/ol>\n<\/li>\n<li><a name=\"h20\"><\/a><strong>Tom Schimmeck: Preis und Wert des Journalismus<\/strong><br>\nIn der Welt der Hochglanz-Magazine sieht es oft nicht besser aus. Freie Journalisten werden hier zu T&auml;tigkeiten gen&ouml;tigt, die viel mit den W&uuml;nschen der Inserenten zu tun haben, aber wenig mit Journalismus im engeren Sinne. Meine Kollegin Gabriele B&auml;rtels schrieb nach vielen frustrierenden Berufserlebnissen im Sommer eine kleine Kolumne, die mit dem sch&ouml;nen Satz begann: &ldquo;Die Pressefreiheit ist konstituierend f&uuml;r die Demokratie, aber nachts steht sie im d&uuml;nnen Kleidchen an einer Laterne und zwinkert den Anzeigenkunden zu.<br>\nDie Sozis packten dort immer diese Personal-P&auml;ckchen. Und der CDU-Intendant wickelte sie aus und sagte: Aaah, wie h&uuml;bsch &ndash; drei Rote, drei Schwarze. Die Roten nehmt mal wieder mit. Aber die Schwarzen sind ein sehr konstruktiver Vorschlag.<br>\n&Uuml;bern&auml;chstes Jahr k&ouml;nnen Sie mit Roland Koch auf 50 Jahre CDU-Herrschaftsanspruch im ZDF ansto&szlig;en.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.schimmeck.de\/Texte\/mmdrede.htm\">Tom Schimmecks Archiv<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h21\"><\/a><strong>Von &raquo;Leuchtt&uuml;rmen&laquo;, &raquo;Hochbegabten&laquo; &ndash; und der &raquo;Masse&laquo; <\/strong><br>\nDie F&ouml;rderung der &raquo;exzellenten&laquo; Forschung, die Suche nach &raquo;Leuchtturm-Projekten&laquo; und die Wiederentdeckung der &raquo;Hochbegabtenf&ouml;rderung&laquo; machen deutlich: Elite ist wieder in. Nicht mehr die breite Bev&ouml;lkerung &ndash; zumeist despektierlich &raquo;Masse&laquo; genannt &ndash;, sondern die &raquo;Spitze&laquo; verdiene eine gr&ouml;&szlig;ere Aufmerksamkeit. Doch was verbirgt sich hinter der Idee der Elite und welche Geschichte und Implikationen haben die zentralen neuen F&ouml;rdermechanismen?<br>\nQuelle 1: <a href=\"http:\/\/www.studis-online.de\/HoPo\/Bildungsstreik\/elite.php?seite=1\">studis-online<\/a><br>\nQuelle 2: <a href=\"http:\/\/www.studis-online.de\/HoPo\/Bildungsstreik\/\">die vorausgegangenen Folgen<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h22\"><\/a><strong>Bildungsstreik 2009<\/strong><br>\nSolidarit&auml;tserkl&auml;rung der 40. Mitgliederversammlung des<br>\nBund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi)<br>\nvom 15.11.2009<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www2.bdwi.de\/uploads\/bdwi_solidaritaetserklaerung_bildungsstreik_2009.pdf\">BdWi [PDF &ndash; 792 KB]<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h23\"><\/a><strong>Daniela Dahn: Osten war z&auml;hmendes Regulativ des Westens<\/strong><br>\nNach Meinung der Autorin Daniela Dahn ist die soziale Marktwirtschaft als Gegenmodell zu den sozialistischen L&auml;ndern entstanden: &ldquo;Ich glaube schon, dass der Osten dem Westen eine soziale Legitimation abgefordert hat, die ihm jetzt niemand mehr abfordert&rdquo;. Diese &ldquo;Z&auml;hmungskraft&rdquo; sei mit der Wende weggebrochen und so habe sich eine neoliberale Politik der Deregulierung durchsetzen k&ouml;nnen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dkultur\/sendungen\/thema\/978657\/\">DLF<\/a><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute unter anderem zu folgenden Themen: Welthungergipfel mit wenig N&auml;hrwert; Mehr Netto vom Brutto, ein leeres Versprechen; Steuerlegenden; das M&auml;rchen vom schnellen Wachstum; Riesterrente schlie&szlig;t Versorgungsl&uuml;cke nicht; immer weniger Ware; Bahn: Endstation Chaos; Albrecht M&uuml;ller und Hans-Ulrich J&ouml;rges streiten &uuml;ber die Gleichschaltung der Medien; INSM: Neoliberaler Auftrag noch nicht erf&uuml;llt; die SPD versucht sich neu<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4341\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-4341","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hinweise-des-tages"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4341","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4341"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4341\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4341"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4341"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4341"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}