{"id":4350,"date":"2009-11-20T12:04:10","date_gmt":"2009-11-20T11:04:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4350"},"modified":"2014-11-25T09:33:23","modified_gmt":"2014-11-25T08:33:23","slug":"mit-blindheit-geschlagen-wie-marxisten-dem-neoliberalen-soziologen-heinz-bude-zu-einem-linken-image-verhelfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4350","title":{"rendered":"Mit Blindheit geschlagen: Wie Marxisten dem neoliberalen Soziologen Heinz Bude zu einem linken Image verhelfen"},"content":{"rendered":"<p>Das neue Buch &bdquo;Marx. Ein toter Hund?&ldquo;, das im linken VSA-Verlag [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] im Oktober dieses Jahres erschien und das Resultat einer Marxkonferenz an der Universit&auml;t Kassel ist, w&auml;re normalerweise nicht erw&auml;hnenswert, wenn der Herausgeber dieses Sammelbandes und der Organisator dieser Tagung nicht Heinz Bude hei&szlig;en w&uuml;rde. Heinz Bude? Stimmt, das ist doch der marktradikale Soziologe aus Kassel. Wieso bringt dieser ein Buch &uuml;ber Marxsche Theorie in einem linken Verlag heraus? Wie kann es sein, dass gesellschaftskritische Wissenschaftler der Einladung eines bekennenden &bdquo;Agenda 2010-Soziologen&ldquo; Folge leisten? Von Christian Girschner<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Mit Blindheit geschlagen: Wie Marxisten einem neoliberalen Soziologen zu einem linken Image verhelfen<\/strong><\/p><p><em>Von Christian Girschner<\/em><\/p><blockquote><p>&bdquo;Dies sind meine Grunds&auml;tze.<br>\nWenn sie Ihnen nicht gefallen &ndash;<br>\nich habe auch andere.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><em>Groucho Marx<\/em><\/p><p>Das neue Buch &bdquo;Marx. Ein toter Hund?&ldquo;, das im linken VSA-Verlag [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] im Oktober dieses Jahres erschien und das Resultat einer Marxkonferenz an der Universit&auml;t Kassel ist [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>], w&auml;re normalerweise nicht erw&auml;hnenswert, wenn der Herausgeber dieses Sammelbandes und der Organisator dieser Tagung nicht Heinz Bude hei&szlig;en w&uuml;rde. Heinz Bude? Stimmt, das ist doch der marktradikale Soziologe aus Kassel. Wieso bringt dieser ein Buch &uuml;ber Marxsche Theorie in einem linken Verlag heraus? Wie kann es sein, dass gesellschaftskritische Wissenschaftler der Einladung eines bekennenden &bdquo;Agenda 2010-Soziologen&ldquo; Folge leisten? Man erinnere sich: Im vergangenen Jahr hatte Bude das viel zitierte Bestsellerbuch &bdquo;Die Ausgeschlossenen&ldquo; ver&ouml;ffentlicht (meine Kritik an diesem pseudo-kritisch aufgemachten Buch war im Oktober letzten Jahres auf den <a href=\"?p=3489\">NachDenkSeiten<\/a> zu lesen). [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Bude w&auml;rmt in diesem Buch die altbekannte Phraseologie gegen die Arbeitslosen und gegen den Sozialstaat der letzten Jahre wieder auf, eingepackt in einem sozialen wie herablassenden Erlebnisbericht, wie man es aus den vermeintlichen Dokumentationen &uuml;ber die Arbeitslosen aus dem Fernsehen zur Gen&uuml;ge kennt. Entsprechend positiv fielen die Rezensionen in den Medien aus. Bis heute ist Bude deshalb dort ein gefragter Mann (von der &bdquo;Welt&ldquo;, &uuml;ber die &bdquo;S&uuml;ddeutsche&ldquo; bis zur &bdquo;taz&ldquo;, aber auch beim Deutschlandfunk, 3SAT, ZDF usw.). Seine wirtschafts- und sozialpolitische Positionierung f&uuml;r Schr&ouml;der und Hartz IV d&uuml;rfte daher weithin bekannt sein. Aber offensichtlich ist das ein Trugschluss. Denn Bude pflegt als ehemaliger &bdquo;Trotzkist&ldquo; [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] eine alberne Masche, die darin besteht, einfach zu sagen, dass er gegen den &bdquo;Neoliberalismus&ldquo; ist und viele, auch Marxisten, fallen wohl aufgrund eines schwachen politischen Ged&auml;chtnisses auf dieses plumpe T&auml;uschungsman&ouml;ver herein. Au&szlig;erdem garniert Bude seine angebotstheoretischen Dogmen der &bdquo;neuen Mitte&ldquo; mit einem gesellschaftskritisch klingendem Jargon im Stil des f&uuml;rsorgenden, sozial p&auml;dagogisierenden und gef&uuml;hlsergriffenen Herbergsvaters, dem die &bdquo;Ausgeschlossenen&ldquo; so sehr am Herzen liegen. Und da keiner mehr kritisch nachfragt und mitdenkt, hat er damit gro&szlig;en Erfolg nicht nur bei den Rezensenten seines Buches, sondern auch bei den gesellschaftskritischen K&ouml;pfen. <\/p><p>Denn wie sonst ist es m&ouml;glich, dass gesellschaftskritische Autoren sich vor den neoliberalen Karren von Bude spannen lassen, in dem sie auf seiner Marx-Tagung erscheinen? Kann man als Marxist wirklich so mit Blindheit geschlagen sein, dass man nicht wei&szlig;, mit wem man es zu tun hat? Will man nicht erkennen, dass Bude ein Anh&auml;nger der &bdquo;Schr&ouml;der Agenda 2010&ldquo; ist und sie ihm mit ihrem Verhalten ein linkes Renommee verschaffen? Ist den Marxisten dieser Vorgang v&ouml;llig gleichg&uuml;ltig, da ihre pers&ouml;nliche Eitelkeit sie dazu treibt, jeden Strohalm zu ergreifen, der ihnen angeboten wird, um sich wieder einmal im akademischen Betrieb zu verwerten, der sie ansonsten mit Nichtbeachtung bestraft? Oder ist man inzwischen so tolerant geworden, dass man auch das nicht zu Tolerierende toleriert, welches die Chancen auf ein Dasein ohne Furcht und Elend verhindert und zerst&ouml;rt? <\/p><p>Bude benutzt dagegen eine solche Tagung als politisches Feigenblatt f&uuml;r seine marktradikale Gesinnung. Welcher Neoliberale w&uuml;rde freiwillig Marx-Konferenzen organisieren und anschlie&szlig;end dar&uuml;ber ein Buch ver&ouml;ffentlichen? Bude kann so als gesellschaftskritisch klingender Soziologe durchgehen. Mit dem daraus entspringenden linken Image verk&uuml;ndet er dann in den Medien, dass die Schr&ouml;der-Agenda-Politik und Hartz IV notwendig und alternativlos sind. Dieses Engagement von Bude f&uuml;r die Agenda 2010 sieht man bei den Propagandisten des entfesselten Kapitalismus gerne. Schlie&szlig;lich bietet Bude mit seinem linken Stallgeruch der markteuphorischen Machtelite nicht nur Rechtfertigungen f&uuml;r die Demontage des Sozialstaates an, sondern er erh&ouml;ht mit seiner linken Kost&uuml;mierung die Glaubw&uuml;rdigkeit und Alternativlosigkeit der &bdquo;Schr&ouml;der-Reformen&ldquo; in der &Ouml;ffentlichkeit. Einige wirtschafts- und sozialpolitische &bdquo;Weisheiten&ldquo; von Bude sollte man deshalb in Erinnerung rufen, gerade auch f&uuml;r unsere schusseligen, weltvergessenen oder selbstverliebten Marxisten [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]. <\/p><p>&bdquo;Ich finde&ldquo;, sagt Bude, &bdquo;es nicht problematisch, dass es Arme und Reiche in unserer Gesellschaft gibt. Auch nicht, dass die Reichen immer reicher und die Armen dementsprechend &auml;rmer werden.&ldquo; [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] So soll es in &bdquo;jeder Gesellschaft (&hellip;) Ungleichheit und einen Bodensatz&ldquo; [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] geben. &bdquo;Aber das Problem ist (&hellip;) der Unterschied der Lebensweisen, der die einen zu den Abgeh&auml;ngten macht und die anderen zu den Saturierten.&ldquo; [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Und im Handumdrehen wurde hier der relative Armutsbegriff entsorgt und f&uuml;r unerheblich erkl&auml;rt. Schlie&szlig;lich ist Armut f&uuml;r den Soziologen kein &bdquo;Ressourcenproblem&ldquo;, also nicht mehr ein Problem der Reichtumsverteilung, sondern eine mangelnde &bdquo;Motivation&ldquo; das eigene &bdquo;Leben in die eigenen H&auml;nde zu nehmen, kurz: Handlungsautonomie zu beweisen&ldquo; [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]. Deshalb will er auch nicht mehr &bdquo;mit veralteten Begriffen von Armut und Arbeitslosigkeit hantieren&ldquo;. Viel entscheidender ist &bdquo;das Gef&uuml;hl&ldquo; der Arbeitslosen, &bdquo;dass sie entkoppelt sind, abgeh&auml;ngt und verlassen&ldquo;. Armut ist f&uuml;r Bude also in erster Linie ein frei gew&auml;hlter emotional-subjektiver Lebensstil, ein Problem der inneren Motivation und Einstellung, und damit eine Frage des Bewusstseins. Soweit gibt es also keinen Grund sich den Kopf &uuml;ber eine andere Wirtschafts- und Sozialpolitik zu zerbrechen. Vielmehr bedarf es f&uuml;r die von der Gesellschaft &bdquo;Abgeh&auml;ngten&ldquo; ein emotionales und motivationales Erziehungsprogramm durch den Staat, damit sie ihre selbst verschuldete M&uuml;digkeit, Apathie, Unm&uuml;ndigkeit etc. &uuml;berwinden und so wieder ihrer verloren gegangenen &bdquo;b&uuml;rgerlichen Eigenverantwortung&ldquo; nachkommen. Dies w&auml;re f&uuml;r Bude moderne und zeitgem&auml;&szlig;e Armutsbek&auml;mpfung. Eine entsprechende staatliche Gesinnungskontrolle f&uuml;r Arbeitslose, die nun ihre &bdquo;b&uuml;rgerliche Eigenverantwortung&ldquo; und &bdquo;Handlungsautonomie&ldquo; beweisen m&uuml;ssen, wurde ja mit Hartz IV bereits eingef&uuml;hrt [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]. Entsprechend lehnt Bude dann auch die von ihm frei erfundene &bdquo;Botschaft des Neoliberalismus&ldquo; ab: &bdquo;Manche haben halt Pech gehabt. Die sind &uuml;berfl&uuml;ssig. Da kann man nichts machen.&ldquo; [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>] Mit diesem  billigen Taschenspielertrick kann sich Bude nun als sozialpolitisch engagierter Gegner und Kritiker des Neoliberalismus inszenieren, dem die ach so gebeutelten Arbeitslosen bzw. &bdquo;Ausgeschlossenen&ldquo; am Herzen liegen, um anschlie&szlig;end umso r&uuml;cksichtsloser die neoliberale bzw. neoklassische Arbeitsmarktideologie zu vertreten. Aufgrund seiner pathetisch wie sozialp&auml;dagogisch vorgetragenen Sorge um die Arbeitslosen, die sich angeblich selbst von der Gesellschaft ausschlie&szlig;en, m&ouml;chte er nun die kapitalistische &bdquo;Hungerpeitsche&ldquo; (Max Weber) gegen diese schwingen, selbstredend nur zu ihrem eigenen Wohle. Es sollen vor allem die schwer erziehbaren, uneinsichtigen und undankbaren Arbeitslosen sanktioniert werden, die ihrer von Bude entdeckten &bdquo;b&uuml;rgerlichen Eigenverantwortung&ldquo; nicht richtig nachkommen: &bdquo;Wie die Leute sich auf Arbeitsm&auml;rkten verhalten, ist eben nicht nur von der Nachfrage nach standardisierter Arbeit abh&auml;ngig, sondern hat auch etwas mit dem Angebotsverhalten der Einzelnen zu tun. (&hellip;) Die Frage der Zumutbarkeit spielt dabei eine wichtige Rolle. Das neue, ma&szlig;geblich von sozialdemokratischen Regierungen durchgesetzte wohlfahrtsstaatliche Regime des &bdquo;Forderns und F&ouml;rderns&ldquo; hat hier seinen Grund. Anreize und Sanktionen sollen die Leute in die Lage versetzen, den Unvorhersehbarkeiten der M&auml;rkte nicht nur passiv ausgesetzt zu sein, sondern sich auf Grundlage eigener F&auml;higkeiten mitbewegen zu k&ouml;nnen.(&hellip;) &bdquo;Echte&ldquo; wohlfahrtsstaatliche Hilfe kann dann nur Hilfe zur Selbsthilfe sein. (&hellip;) Wie kann man die Leute davon &uuml;berzeugen, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen, obwohl man ihnen nichts versprechen kann? Auf der anderen Seite kann man auf Sanktionen als Mittel der Verhaltensbeeinflussung nicht verzichten.&ldquo; [<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] Wie man aus der Argumentation von Bude ersieht, werden zentrale Grund- und B&uuml;rgerrechte f&uuml;r die Arbeitslosen kurzerhand f&uuml;r null und nichtig erkl&auml;rt. Fr&uuml;her nannte man eine solche Haltung totalit&auml;r, inzwischen gilt sie als popul&auml;r. Der Markt ist f&uuml;r Bude zugleich der h&ouml;chste politische Souver&auml;n, dem &ndash; wenn es darauf ankommt &ndash; auch die B&uuml;rgerrechte geopfert werden m&uuml;ssen. Historisch gesehen hat sich dieser von ihm vertretene &ouml;konomische Liberalismus mit jedem politischen Herrschaftssystem arrangiert, das den freien Markt garantieren bzw. herstellen wollte. <\/p><p>&bdquo;An Stelle der Demokratie finden wir neue Formen des Autoritarismus.&ldquo; [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>] Die neue Herrschaftsform, schreibt der altliberale Ralf Dahrendorf weiter, will die &bdquo;Menschen zur Arbeit&ldquo; zwingen, &bdquo;auch wenn es durch indirekte Mittel geschieht&ldquo;, bleibt es &bdquo;eine autorit&auml;re Politik&ldquo;. Und diese will damit die soziale Kontrolle &uuml;ber die Menschen aufrechterhalten: &bdquo;Was aber, wenn Menschen die verf&uuml;gbare Arbeit nicht wollen, weil sie wohl wissen, dass sie nicht eigentlich gebraucht werden? Dann muss man sie zur Arbeit zwingen. Sozialleistungen m&uuml;ssen gek&uuml;rzt werden f&uuml;r alle, die nicht arbeiten, auch wenn sie ledige M&uuml;tter mit ganz kleinen Kindern sind. Sozialbetrug muss sch&auml;rfstens bek&auml;mpft werden, auch wenn seine Ausma&szlig;e durchaus bescheiden bleiben.&ldquo; Gegen diesen Autoritarismus f&uuml;hrt Dahrendorf ein liberal-demokratisches Prinzip an: &bdquo;Das Recht auf Arbeit ist ein Missbrauch der Sprache, da es nicht erzwingbar ist; das Recht, nicht zu arbeiten, ist hingegen ein liberales Prinzip.&ldquo; [<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>] Der von Bude vertretende neoliberale &bdquo;Autoritarismus&ldquo;, so erfahren wir von Dahrendorf, ist mit einer Gesellschaft unvereinbar, die den Anspruch besitzt, liberal-demokratisch verfasst zu sein.<\/p><p>Jedoch sind diese gewichtigen liberal-demokratietheoretischen Einsichten f&uuml;r Bude schnurzpiepegal. Folglich ist von den Arbeitslosen &bdquo;mehr Anstrengung zu verlangen, gleichzeitig aber m&uuml;ssen die Fallmanager signalisieren k&ouml;nnen: Wenn du dich anstrengst, haben wir dir eine zweite Chance zu bieten.&ldquo; [<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>] So einfach kann die Welt f&uuml;r Arbeitslose sein: Sich anstrengen, dann klappt es schon irgendwie. &bdquo;Wie?&ldquo;, das wissen die &bdquo;Fallmanager&ldquo; auch nicht. Aber solche Illusionen auf Chancen sollen ja das Leben der Arbeitslosen nur bereichern und das angeschlagene Durchhalteverm&ouml;gen st&auml;rken. Mit der von Bude vorgenommenen Verkehrung von Ursachen und Folgen der strukturellen Arbeitslosigkeit steht am Ende stets die Beschimpfung der Arbeitslosen: Sie haben keine Arbeitsmoral mehr und ihnen fehlt der Wille, sich bei der Arbeitssuche &bdquo;anzustrengen&ldquo; und jede Arbeit anzunehmen, die ihnen angeboten wird. Letzteres f&uuml;hrt automatisch zur politischen Forderung nach mehr Sanktionen, &Uuml;berwachungen, Geldk&uuml;rzungen etc. <\/p><p>Allerdings kann dies dazu f&uuml;hren, dass die so an den Pranger gestellten Betroffenen unversch&auml;mterweise der &bdquo;Linkspartei hinterherlaufen&ldquo;. Um dies zu verhindern, pl&auml;diert Bude augenscheinlich daf&uuml;r, dass man den einsichtigen Arbeitslosen vor allem das &bdquo;Gef&uuml;hl&ldquo; vermittelt, &bdquo;dass ihre Stimme noch z&auml;hlt, dass es auf sie noch ankommt&ldquo;. [<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>] Bude stellt damit klar, dass die Opfer der marktradikalen Wirtschafts- und Sozialpolitik seine Aufforderung nach mehr Eigenverantwortung und Aktivit&auml;t nicht dahingehend missverstehen sollen, sich politisch zu organisieren, um beispielsweise eine keynesianische Wirtschafts- und Sozialpolitik zu erk&auml;mpfen. Politische Entscheidungen, so das heimliche Credo von Bude, &uuml;berl&auml;sst man der marktgl&auml;ubigen Elite dieses Landes und als treuer deutscher Untertan f&uuml;gt man sich den Geboten, die die Obrigkeit von ihm abverlangt. Dieser absch&auml;tzige deutsche Herrenblick auf den &bdquo;P&ouml;bel&ldquo; verlangte von diesen immer die Einhaltung von Ruhe, Ordnung, Marktdisziplin, Flei&szlig;, Pflichterf&uuml;llung und Gehorsam. Bei Bude werden diese fr&uuml;hb&uuml;rgerlichen Tugenden [<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>] nun unter dem Etikett Eigenverantwortung angepriesen und ihre prinzipielle, wenn auch offen zugegebene nutzlose Einhaltung durch die Arbeitslosen gefordert. Bude spricht stets von Eigenverantwortung, obwohl er kapitalistische, herrschaftliche Fremdbestimmung und strukturelle Gewalt meint, dem sich die Arbeitslosen widerstandslos zu beugen und zu unterwerfen haben. Es ist eine beachtliche intellektuelle Leistung f&uuml;r einen Soziologen, die in diesem Zusammenhang offensichtlich auf der Hand liegenden Fragen nach der gesellschaftlichen und &ouml;konomischen Herrschaftsstruktur, der Reichtumsverteilung und Sozialstruktur einfach unter den Teppich zu kehren. Bude suggeriert damit, dass er den gesellschaftlichen und politik&ouml;konomischen Status quo als ein politisch unver&auml;nderbares Naturverh&auml;ltnis begreift. F&uuml;r das von Bude hochgelobte b&uuml;rgerlich-moralische Subjekt gibt es somit nur einen politisch korrekten Imperativ: Man soll sich den bestehenden gesellschaftlichen M&auml;chten und Verh&auml;ltnissen uneingeschr&auml;nkt und eigenverantwortlich unterwerfen. Entsprechend muss bei Bude das sozio&ouml;konomische Problem der strukturellen Massenarbeitslosigkeit im Kapitalismus unausweichlich in eine moralische Anklage gegen die Arbeitslosen enden. So fordert er konsequent von den Arbeitslosen eine &bdquo;b&uuml;rgerliche Eigenverantwortung&ldquo;, &bdquo;die man auch in Ketten aus&uuml;ben kann&ldquo;. [<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>]  <\/p><p>Selbstredend setzt sich Bude f&uuml;r die Selektion im Bildungswesen und daher f&uuml;r die Erhaltung der Hauptschulen bzw. des dreigliedrigen Schulsystems ein. Hauptschulen sollten u.a. dazu genutzt werden, den Sch&uuml;lern das Gef&uuml;hl zu vermitteln, dass sie mit &bdquo;einfachen Arbeiten&ldquo; und einem angepassten &bdquo;einfachen Leben&ldquo; zufrieden sein sollten. [<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>] Denn Bude wei&szlig;: &bdquo;Die Herstellung von sozialer Gerechtigkeit ist nicht dadurch zu haben, dass wir die Entprivilegierung der Privilegien vornehmen, sondern dass wir explizit etwas f&uuml;r die tun, die f&uuml;r sich das Gef&uuml;hl haben, dass es auf sie nicht mehr ankommt.&ldquo; [<a href=\"#foot_21\" name=\"note_21\">21<\/a>]<\/p><p>Dieser Gef&uuml;hlsduselei-Soziologe wird pl&ouml;tzlich in der Frage des Niedriglohns ganz materialistisch. Da spielen Gef&uuml;hle wie Anstand und W&uuml;rde der Betroffenen pl&ouml;tzlich keine Rolle mehr. Denn Bude lehnt einen &bdquo;gesetzlichen Mindestlohn&ldquo; kategorisch ab. Viel besser ist n&auml;mlich &bdquo;die Aufstockungslogik&ldquo;, dies entspricht seinen &bdquo;ordnungspolitischen Vorstellungen&ldquo; [<a href=\"#foot_22\" name=\"note_22\">22<\/a>], also seiner neoliberalen Philosophie. Verbl&uuml;ffend inkonsequent argumentiert hier Bude. Erst werden die Bed&uuml;rftigen f&uuml;r ihn durch staatliche Alimentierung ihrer &bdquo;W&uuml;rde&ldquo;, Eigenverantwortung und &bdquo;Motivation&ldquo; beraubt, das eigene Leben in die Hand zu nehmen, was er gro&szlig;spurig kritisiert, um nun pl&ouml;tzlich die von ihm ver&auml;chtlich gemachte staatliche Alimentierung lautstark f&uuml;r diejenigen einzufordern, die eine Lohnarbeit aus&uuml;ben, von der die Betroffenen nicht Leben k&ouml;nnen. Aber schlie&szlig;lich geht es um das neoliberale Ziel, den Niedriglohnsektor zu erhalten, in dem ein Mindestlohn verhindert wird [<a href=\"#foot_23\" name=\"note_23\">23<\/a>]. Deshalb er&uuml;brigt sich notwendigerweise eine schl&uuml;ssige Argumentation von selbst.<\/p><p>Aus den bisherigen Aussagen wird klar, Bude ist ein &uuml;berzeugter Hartz IV- und Schr&ouml;der-Fan. Folglich hat Schr&ouml;der die SPD erst auf den richtigen Erfolgskurs gebracht, leider fehlte es an der richtigen &bdquo;Kommunikation&ldquo;: &bdquo;Die SPD vor Schr&ouml;der war die schlimmste sozialdemokratische Partei Europas&ldquo;. [<a href=\"#foot_24\" name=\"note_24\">24<\/a>] Bedauerlicherweise hat die Schr&ouml;der-SPD &bdquo;nicht versucht, sich ihren eigenen Erfolg verst&auml;ndlich zu machen. Schr&ouml;der war ein riesiger Erfolg, und er war Bestandteil der Ver&auml;nderung der globalen Sozialdemokratie: Tony Blair, Bill Clinton und Schr&ouml;der geh&ouml;ren zusammen.&ldquo; [<a href=\"#foot_25\" name=\"note_25\">25<\/a>] Keineswegs ist es dann noch eine &Uuml;berraschung, wenn der Kasseler Soziologe das Buch &bdquo;Epochenwende&ldquo; von Meinhard Miegel, den ideologischen Rammbock des deutschen Neoliberalismus, als genialen Vordenker preist und sich dessen Ansichten vollst&auml;ndig zu eigen macht: &nbsp;&ldquo;So hat Miegel als einer der Ersten die sozialpolitische Bedeutung so archaischer Faktoren wie Bev&ouml;lkerungszahl und Altersstruktur herausgearbeitet, er hat die sozialpolitischen Kosten der allgemeinen Ideologie des Individualismus dargelegt und die sozialpolitische Illusion einheitlicher Lebensverh&auml;ltnisse in Deutschland benannt.&rdquo; [<a href=\"#foot_26\" name=\"note_26\">26<\/a>]<\/p><p>Aber Bude hat noch mehr als diese inzwischen vorherrschenden Ideologie zu bieten, n&auml;mlich Geschichtsklitterung, wenn er von der von ihm leider bedauerten &bdquo;Selbstabschaffung des B&uuml;rgertums im Nationalsozialismus&ldquo; faselt. [<a href=\"#foot_27\" name=\"note_27\">27<\/a>] Bislang konnte man noch davon ausgehen, dass der &bdquo;Nationalsozialismus&ldquo; die aggressivste und f&uuml;rchterlichste b&uuml;rgerliche Herrschaftsform war, die je hervorgebracht worden ist, dies scheint Bude wohl anders zu sehen. Dazu passt wiederum sein Groll auf 1968, den er mit dem heutigen Establishment teilt. In diesem Zusammenhang ist er n&auml;mlich zu der bahnbrechenden Erkenntnis gekommen, das &bdquo;1968&ldquo; ein &bdquo;Trauma der Nachkriegsentwicklung darstellt&ldquo;: Schlie&szlig;lich &bdquo;f&uuml;hrt&ldquo; das &bdquo;Lebensgef&uuml;hl&ldquo; und das &bdquo;Denken von 68 mit einer gewissen inneren Konsequenz zum Terror im Namen der Bev&ouml;lkerung&ldquo;. Denn das &bdquo;antiautorit&auml;re Bewusstsein war von Anfang an durchsetzt von Phantasmen des Terrors&ldquo;. [<a href=\"#foot_28\" name=\"note_28\">28<\/a>] Es verwundert dann ebenfalls nicht mehr, wenn Bude in dem Marxschen Entfremdungsbegriff den &bdquo;Ursprungspunkt aller Totalitarismen&ldquo; entdeckt, was angeblich auch von Adorno so gesehen wurde. Denn Entfremdung ist &bdquo;ein gef&auml;hrliches Zauberwort, weil es an schlechte deutsche Traditionen erinnert, die eine reine Innerlichkeit gegen eine verdorbene &Auml;u&szlig;erlichkeit in Stellung bringen, wo Politik ein schmutziges Gesch&auml;ft, Arbeit ein Fluch und der Mensch zum Funktion&auml;r von Rollen degradiert wird.&ldquo; [<a href=\"#foot_29\" name=\"note_29\">29<\/a>] Ganz schlimm ist f&uuml;r den Soziologen auch das Konzept der &bdquo;Weigerung&ldquo; von Herbert Marcuse, denn: &bdquo;Wer sich &uuml;ber Entfremdung beklagt, hat Umw&auml;lzungen im Sinn&ldquo;. [<a href=\"#foot_30\" name=\"note_30\">30<\/a>] Gesellschaftliche Umw&auml;lzungen d&uuml;rfen ja nach Bude nicht zugelassen werden, solange sie nicht vom Kapital selbst ausgehen. Eine anzustrebende Gesellschaftsver&auml;nderung von links ist deshalb abzulehnen, denn sie untergr&auml;bt f&uuml;r den Soziologen die &bdquo;b&uuml;rgerliche Eigenverantwortung&ldquo;, was z. B. die unverbesserlichen &bdquo;deutschen Gef&uuml;hlslinken&ldquo; anvisieren, wenn sie &bdquo;gegen Hartz IV, gegen Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr&ldquo; antreten. [<a href=\"#foot_31\" name=\"note_31\">31<\/a>] <\/p><p>Da ist es nicht mehr &uuml;berraschend, wenn man feststellt, dass Bude schon vor &uuml;ber zehn Jahren den &bdquo;unternehmerischen Einzelnen&ldquo; forderte, der sich &bdquo;nicht an vorgegebene Standards h&auml;lt, sondern Kombinationen ausprobiert und auf dem Markt anbietet&ldquo;. [<a href=\"#foot_32\" name=\"note_32\">32<\/a>] &Uuml;ber die bis heute erhalten gebliebene neoliberale Einstellung von Bude schrieb Johannes Klotz damals treffend: &bdquo;&ldquo;Wir leben &hellip; schon jenseits der politisch-ideologischen Str&ouml;mungen und gesellschaftlich-historischen Zusammenh&auml;nge des 20. Jahrhunderts&ldquo;, meint Heinz Bude, einer jener zu &bdquo;Liberalen&ldquo; konvertierten &ldquo;Linken&rdquo; und geistigen Mentoren der modernen &ldquo;Generation Berlin&rdquo;, die sich vor allem seit der Wende von 1989 f&uuml;r die wirklich M&auml;chtigen im Staate entschieden haben, weil ihnen Macht und F&uuml;hrerschaft ihrer marxistisch-leninistischen Studentengruppe durch die Zeitl&auml;ufe abhandenkam. Zwar fehle noch das Vorstellungsverm&ouml;gen f&uuml;r die zugleich &ldquo;posttotalit&auml;re&rdquo; und &ldquo;postliberale&rdquo; Situation, beklagt Bude, indem er mit der rhetorischen Wende vom &ldquo;Ich&rdquo; zum &ldquo;Wir&rdquo; demonstrativ seine &Uuml;bereinstimmung mit den modernen Strategien des Kapitals ausdr&uuml;ckt: aber &ldquo;wir&rdquo; seien &ldquo;nach 1989 zum ersten Weg einer kapitalistischen und individualistischen, aber auch universalistischen und rationalistischen Moderne zur&uuml;ckgekehrt.&rdquo; Die &ldquo;Generation Berlin&rdquo; hat &ldquo;sich selbst exponiert, um die Dinge in Fluss zu bringen&rdquo; (Heinz Bude). &ldquo;Moderne&rdquo; Politik ist nicht &ldquo;rechts&rdquo; nicht &ldquo;links&rdquo;, sie ist &ldquo;Mitte&rdquo;, sagt er. Was &ldquo;aufgekl&auml;rtes Interesse&rdquo;, &ldquo;humanit&auml;re&rdquo; Intervention, &ldquo;gerecht&rdquo;, &ldquo;sozial&rdquo; und &ldquo;innovativ&rdquo; ist, soll von jenen bestimmt werden, die sich &uuml;ber den machtgesicherten Wohlstand definieren. Keine Zweifel zu haben, nicht mehr tiefer, sondern anders &ndash; &ldquo;mittig&rdquo; eben &ndash; zu fragen, das kennzeichnet die angeblich &ldquo;neue&rdquo; &ldquo;Berliner Generation&rdquo;. So erscheinen die Gegens&auml;tze zwischen Reichtum und Armut, zwischen Kapital und Arbeit, zwischen &ldquo;Erster Welt&rdquo; und &ldquo;Dritter Welt&rdquo; als Anachronismus, als Think-Tank der Eliten, die eine Alternative zum neoliberalen Weltkapitalismus verhindern wollen.&ldquo; [<a href=\"#foot_33\" name=\"note_33\">33<\/a>] <\/p><p>Angesichts der aufgezeigten neoliberalen und autorit&auml;ren Einstellung von Bude kann man unterstellen, dass er f&uuml;r die von ihm zur Marx-Tagung eingeladenen marxistischen Referenten nur Hohn und Spott &uuml;brig haben d&uuml;rfte [<a href=\"#foot_34\" name=\"note_34\">34<\/a>]. Dagegen m&uuml;ssen die marxistischen Referenten einen Hang zur politischen Selbsterniedrigung bzw. Selbstaufgabe besitzen, um die neoliberale Weltsicht und den Zynismus von Bude verdr&auml;ngen zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Bleibt noch zum Schluss zu er&ouml;rtern, warum sich der linke Hamburger VSA-Verlag daf&uuml;r hergibt, &uuml;ber diese Marx-Tagung ein von H. Bude zu verantwortenden Band mit den Beitr&auml;gen der Referenten (darunter Bude selbst) herauszubringen. Ist dies nur eine l&auml;stige Chronistenpflicht? Ich glaube nicht daran. Einerseits geh&ouml;rte der Chef des VSA-Verlags Joachim Bischoff selbst zu den eingeladenen Referenten. Andererseits gibt es m.E. eine verborgene ideologische &Uuml;berschneidung zwischen Bischoff, der zugleich Herausgeber der Zeitschrift &bdquo;Sozialismus&ldquo; ist, und der neoliberalen Einstellung von H. Bude.<\/p><p>Dazu muss man wissen, dass J. Bischoff und seine Mitstreiter mit dem Fall der Mauer vor zwanzig Jahren entdeckten, dass der Sozialismus von Marx eine marktwirtschaftliche Fundierung gehabt haben soll, also eine bislang unentdeckte &bdquo;sozialistische Marktwirtschaft&ldquo; im Werk von Marx. Nun ist es so, dass seit etlichen Jahren die Hamburger Marktsozialisten in den angeblich neuen Produktionsformen und Managementmethoden der Unternehmen entdeckten, dass es hier zu einer &bdquo;&acute;&Ouml;ffnung` der hierarchisch strukturierten Arbeitsorganisation&ldquo; gekommen ist, die &bdquo;auch subjektive Entfaltungspotenziale freisetzt. &acute;F&uuml;hre dich selbst` appelliert dabei an ein erforderliches ver&auml;ndertes Verhalten und Handeln der Subjekte in allen gesellschaftlichen Bereichen, auch und gerade der Lohnabh&auml;ngigen. Selbstf&uuml;hrung, Selbststeuerung, Selbstorganisation und Empowerment (&hellip;) sind Reaktionen und Folgen neuer Bedingungen und Strukturen der Lohnarbeit.&ldquo; Weiter schreibt Bischoff: &bdquo;Die neoliberale Ver&auml;nderung des Kapitalismus steht auch f&uuml;r erweiterte Spielr&auml;ume von Individualit&auml;tsentwicklung, die freilich eine erhebliche Ambivalenz und Verletzbarkeit aufweisen.&ldquo; [<a href=\"#foot_35\" name=\"note_35\">35<\/a>] Dieser Trend wird auch f&uuml;r den politischen Bereich diagnostiziert und mit dem von M. Foucault &uuml;bernommenen Begriff der Gouvernementalit&auml;t umschrieben. Dieser hochtrabende Begriff fasst die Allerweltserkenntnis zusammen, dass die Staatsuntertanen eine geh&ouml;rige Portion Eigenleistung f&uuml;r ihre Herrschaftsunterwerfung aufbringen m&uuml;ssen. Die neoliberale Gouvernementalit&auml;t beinhaltet nun alles, was Heinz Bude von den Arbeitslosen einfordert: Werde dein eigener Arbeitskraftunternehmer, betreibe mehr Selbstbeherrschung, Eigenverantwortung usw. Die Hamburger Marktsozialisten bastelten darauf hin eine &bdquo;sozialistische&ldquo; Alternative zu dieser neoliberalen Gouvernementalit&auml;t zurecht: &bdquo;Im Grundsatz geht es also darum, nicht dirigistisch eine permanente Organisation und Intervention des Staates oder der &ouml;ffentlichen Institutionen anzustreben, sondern durch Demokratisierung, indirekte Steuerung und ein neues System sozialer Sicherheit Rahmenbedingungen f&uuml;r die Entfaltung der Selbstt&auml;tigkeit der Subjekte zu schaffen.&ldquo; [<a href=\"#foot_36\" name=\"note_36\">36<\/a>] <\/p><p>Soweit so gut, k&ouml;nnte man meinen. Jedoch sehen Bischoff und seine Freunde in der neoliberalen Praxis der Unternehmen und des Staates unbemerkte, emanzipatorische Potenziale f&uuml;r eine sozialistische Marktwirtschaft. Diese emanzipatorischen Potenziale k&ouml;nnen unter neoliberalen Bedingungen leider nicht ihre vollst&auml;ndige wie positive Wirkung entfalten: Nur eine sozialistisch orientierte &bdquo;Reformpolitik kann die Potenziale von Selbstt&auml;tigkeit, die in den Formen neoliberaler Gouvernementalit&auml;t eingeschlossen sind, emanzipatorisch freisetzen&ldquo;, hei&szlig;t es daher vollmundig. [<a href=\"#foot_37\" name=\"note_37\">37<\/a>] Die neoliberalen Tugenden der Eigenverantwortung, Kreativit&auml;t etc. passen demnach vorz&uuml;glich zur sozialistischen Marktwirtschaft: &bdquo;In einer sozialistischen Marktwirtschaft gibt es (&hellip;) keine Dominanz des privatkapitalistischen Eigentums. Die faktische Pluralit&auml;t von Eigentumsverh&auml;ltnissen unter der Hegemonie des Gesellschaftseigentums erm&ouml;glicht eine gr&ouml;&szlig;ere Offenheit von F&ouml;rderungs- und Entwicklungsm&ouml;glichkeiten im Gesamtreproduktionsprozess. Entscheidend ist hier die Sicherung der Existenzgrundlage f&uuml;r das eigenst&auml;ndige Wirken der Gesellschaftsmitglieder. Soweit es gelingt, die Innovationen und Kreativit&auml;t der Besch&auml;ftigten freizusetzen, wird sich diese Form der gesellschaftlichen Produktion langfristig als die entwicklungsf&auml;higere erweisen.&ldquo; [<a href=\"#foot_38\" name=\"note_38\">38<\/a>] Nach diesem seltsam klingenden Lob auf die &Uuml;berlegenheit der sozialistischen Marktwirtschaft wird von den Hamburger Marktsozialisten an anderer Stelle ausgef&uuml;hrt, welch eine segensreiche wie disziplinierende Kraft der Neoliberalismus auf das Verhalten der Lohnabh&auml;ngigen aus&uuml;bt [<a href=\"#foot_39\" name=\"note_39\">39<\/a>]. Die Resultate dieser neoliberalen Drangsalierung k&ouml;nnen die Arbeitenden dann in der sozialistischen Marktwirtschaft bzw. dem &bdquo;neuen marktorientierten Steuerungssystem&ldquo; gewinnbringend einbringen: &bdquo;Eine (&hellip;) Aufwertung des Eigent&uuml;merstatus der lebendigen Arbeit erlaubt, den alleinigen Einfluss verm&ouml;gensdominierter Eigentumsstrukturen auf Unternehmensebene zur&uuml;ckzudr&auml;ngen und eine bewusste und transparente Verkn&uuml;pfung von Wertsch&ouml;pfung und zivilgesellschaftlichen Strukturen herzustellen. Einer solchen &Ouml;ffnung kommen Tendenzen in der Ver&auml;nderung betriebswirtschaftlicher Arbeitsorganisation entgegen. Mit der Entgrenzung der Arbeit und der Internalisierung des Marktes wird der Ort der Wertsch&ouml;pfung zu seiner gesamtgesellschaftlichen Umwelt durchl&auml;ssiger. In der oft aufgeherrschten &Uuml;bernahme der Unternehmerperspektive k&ouml;nnen die Lohnabh&auml;ngigen ihrerseits ein Wissen &uuml;ber den Zusammenhang von Produktivkraft, Kerngesch&auml;ft, Finanzialisierung und konkurrenzvermittelter Verteilung der Wertsch&ouml;pfung ausbilden und sich f&uuml;r einen anderen Umgang mit der Produktivit&auml;t gesellschaftlicher Arbeit und insbesondere eine andere Verteilung der Produktivit&auml;tsgewinne auf gesamtgesellschaftlicher Ebene sensibilisieren. &bdquo;(&hellip;) Diese sind die Grundlage ihrer Einmischung in die neuen marktorientierten Steuerungssysteme und die sich dabei entwickelnden Formen der Aneignung des Unternehmerischen. (&hellip;)&ldquo;&ldquo; [<a href=\"#foot_40\" name=\"note_40\">40<\/a>] <\/p><p>Hier ist offenbar in einem neuen marxistischen Gewand der Hegelsche Weltgeist in stark abgeschw&auml;chter Gestalt zu neuem Leben erweckt worden: Damit sich diese von der Hamburger Autorengruppe propagierte neue Art von Sozialismus irgendwann durchsetzt, m&uuml;ssen die Menschen vorher erst durch das neoliberale Jammertal schreiten. Nachdem die Arbeitenden das neoliberale Stahlbad erfolgreich hinter sich gebracht und nun marktwirtschaftliche Eigenverantwortung, Selbststeuerung und das Unternehmerische verinnerlicht haben, die, nachdem man diese Eigenschaften von ihren neoliberalen Hemmnissen befreit hat, nun als musterg&uuml;ltige Tugenden des Marktsozialismus gelten, steht dann dem Aufbau des Sozialismus nichts mehr im Wege. [<a href=\"#foot_41\" name=\"note_41\">41<\/a>] <\/p><p>Ganz unverbl&uuml;mt &uuml;bernehmen die Hamburger Marktsozialisten mit dieser Argumentation wesentliche Teile des neoliberalen wie absch&auml;tzigen Herrenblicks auf die Lohnabh&auml;ngigen [<a href=\"#foot_42\" name=\"note_42\">42<\/a>], wie er oben schon bei Heinz Bude zu bewundern war. Denn aus der Sicht der Neoliberalen sind die Arbeitenden und Arbeitslosen unf&auml;hig, selbstst&auml;ndig zu handeln und zu denken, da sie nur auf ihren unmittelbaren materiellen Vorteil bedacht sind. F&uuml;r die Neoliberalen sind die Arbeitenden wie Arbeitslosen durchweg undankbare, gierige und armselige Kreaturen, die man unter sozialer Kontrolle halten muss. Denn sie fordern unentwegt Lohnerh&ouml;hungen, mehr Urlaub, k&uuml;rzere Arbeitszeiten, h&ouml;heres Arbeitslosengeld usw. Zu diesem Zweck treten sie auch noch den Gewerkschaften bei und w&auml;hlen linke Parteien. Alles zusammen f&uuml;hrt dann zu einer St&ouml;rung des ansonst tadellos funktionierenden Marktmechanismus und unterminiert ebenfalls das Leistungsprinzip. In dieser Hinsicht haben die Neoliberalen einen obrigkeitsstaatlichen und herrschaftssichernden Herrenblick auf dieses gierige, faule Volk entwickelt und ein entsprechendes ideologisches Instrumentarium erkoren, wie z.&nbsp;B. die best&auml;ndige Ermahnung zur Eigenverantwortung, Bescheidenheit, Disziplin, Anspruchslosigkeit usw., um die Arbeitenden und Arbeitslosen wieder auf Linie zu bringen bzw. zu halten. <\/p><p>Es ist in diesem Zusammenhang daher kein Zufall, dass die Gurus des &bdquo;positiven Denkens&ldquo;, die &uuml;ber Eigenverantwortung (&bdquo;Du schaffst alles, was du willst&ldquo;), Kreativit&auml;t, Gedankenkontrolle, Motivation und Selbstvermarktung predigen, mit ihren Schriften, &Uuml;berzeugungen und Praktiken l&auml;ngst Einzug in die betriebswirtschaftliche Literatur (z. B. im Projektmanagement) und den Konzernen erhalten haben. [<a href=\"#foot_43\" name=\"note_43\">43<\/a>] Gerade dieser elit&auml;re, snobistische und herabsetzende Herrschaftsblick der neoliberalen Machtelite auf die Klasse der Lohnabh&auml;ngigen ist es nun, dem die Hamburger Sozialisten in ihrer oben aufgezeigten Argumentation kritiklos aufsitzen und den sie in der von ihnen konzipierten sozialistischen Marktwirtschaft auf einem h&ouml;heren Niveau fortf&uuml;hren wollen. Diese &Uuml;bernahme und Fortf&uuml;hrung des neoliberalen Herrschaftsblicks unter einem scheinbar linken Vorzeichen ist die notwendige Konsequenz aus ihrer vorgetragenen Amalgamierung des Marktliberalismus mit ihrem autorit&auml;ren Marxismus. An dieser Stelle sei an einen Brief von Engels an August Bebel erinnert, der mit Nachdruck unterstrich: &bdquo;Wir k&ouml;nnen also nicht zusammengehen mit Leuten, die es offen aussprechen, dass die Arbeiter zu ungebildet sind, sich selbst zu befreien, und erst von oben herab befreit werden m&uuml;ssen durch philanthropische Gro&szlig;- und Kleinb&uuml;rger.&ldquo; [<a href=\"#foot_44\" name=\"note_44\">44<\/a>]<\/p><p>Wenn man sich wie die Hamburger Marktsozialisten soweit vom alten sozialistischen Arbeiterbewegungsideal und von einer demokratischen und selbstverwalteten Gesellschaft entfernt bzw. davon verabschiedet hat, dann kommt man auf Behauptungen wie diese: &bdquo;Die Transformation der chinesischen &Ouml;konomie in Richtung auf eine sozialistische Marktwirtschaft ist zwar weit vorangekommen, hat aber noch schwierige Etappen zu durchlaufen.&ldquo; [<a href=\"#foot_45\" name=\"note_45\">45<\/a>] In China existiert mehr oder minder die von Bischoff und seinen Freunden angestrebte sozialistische Marktwirtschaft.<br>\nAber mal ehrlich, unter Sozialismus hatte ich mir bislang immer was anderes als &bdquo;Kapitalismus pur&ldquo; vorgestellt. <\/p><p>Angesichts der aufgezeigten Position der Hamburger Marktsozialisten verwandelt sich die von ihnen in zahlreichen Publikationen vorgetragene Kritik am Neoliberalismus mehr oder weniger in eine Schim&auml;re. Auff&auml;llig ist insbesondere, dass ihre in der Zeitschrift &bdquo;Sozialismus&ldquo; publizierte Kritik an Hartz IV schon immer daran krankte, der Entrechtung und Drangsalierung der Arbeitslosen, was eben die entscheidende neue Qualit&auml;t und Ver&auml;nderung in der bundesdeutschen Sozialpolitik darstellt [<a href=\"#foot_46\" name=\"note_46\">46<\/a>], keine wirkliche Beachtung zu schenken. Dagegen wurde umso mehr die von Hartz IV verursachte und vergr&ouml;&szlig;erte Armut in den Mittelpunkt ihrer Kritik gestellt. Diese quasi halbierte Kritik an Hartz IV ist unter Ber&uuml;cksichtigung ihrer Marktsozialismuskonzeption v&ouml;llig konsequent. Denn wie will man auf der Grundlage ihres Marktsozialismus noch diese neoliberale Arbeitsmarktreform konsequent und scharf kritisieren, wenn klammheimlich unterstellt wird, dass die damit durchgesetzte Entrechtung und Drangsalierung, also der neue &bdquo;Autoritarismus&ldquo;, den Arbeitslosen zu einer gr&ouml;&szlig;eren Eigenverantwortung, Individualit&auml;t und Selbstf&uuml;hrung verhelfen, die wiederum die Voraussetzungen f&uuml;r eine produktivere sozialistische Marktwirtschaft sein sollen. <\/p><p>In dieser Hinsicht macht die Kooperation zwischen den Hamburgern Marktsozialisten und dem neoliberalen Soziologen aus Kassel dann doch noch einen tieferen Sinn. Da w&auml;ren linke Ber&uuml;hrungs&auml;ngste und ein aufrechter politischer Gang in der Tat v&ouml;llig unangebracht. Zumindest erkl&auml;rt sich so in einem bestimmten Umfang das konstruktive Verhalten der Hamburger Marxisten gegen&uuml;ber H. Bude. So verschaffen auch sie dem Kasseler Soziologen ein n&uuml;tzliches linkes Image, welches er als Feigenblatt f&uuml;r die Verbreitung seiner marktgl&auml;ubigen Parolen ausnutzt, um so wiederum f&uuml;r die neoliberalen Leitmedien interessant zu sein.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.vsa-verlag.de\/vsa\/\">www.vsa-verlag.de\/vsa\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.vsa-verlag.de\/vsa\/\">www.vsa-verlag.de\/vsa\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.marx-in-kassel.de\/index.php?id=3\">www.marx-in-kassel.de\/index.php?id=3<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"?p=3489\">www.nachdenkseiten.de\/?p=3489<\/a>; vgl. auch den exzellenten Aufsatz von  H.O. R&ouml;&szlig;er 2008: Krieg dem P&ouml;bel. Die &bdquo;neue(n) Unterschicht(en)&ldquo; in der &bdquo;&ouml;ffentlichen Soziologie&ldquo; deutscher Professoren, in: <a href=\"?p=3503\">www.nachdenkseiten.de\/?p=3503<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] &bdquo;Zur&uuml;ck zur Ursprungsfrage: Der Soziologe Heinz Bude hat das politische Ironie-Programm satt&ldquo;, in: Die Welt online, 13.09.05<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Vgl. f&uuml;r eine ausf&uuml;hrliche Darlegung der Argumentation und Kritik verweise ich nochmals auf meine Rezension zu seinem Buch &bdquo;Die Ausgeschlossenen&ldquo;<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] &bdquo;Seid nicht selbstgerecht!&ldquo;, in:Tagesspiegel 12.03.08<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] &bdquo;Ungleichheit und Exklusion&ldquo;, in: Neue Gesellschaft\/Frankfurter Hefte online 9\/09<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] &bdquo;Seid nicht selbstgerecht!&ldquo;, in:Tagesspiegel 12.03.08<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] &bdquo;&gt;Das Gef&uuml;hl, abgeh&auml;ngt worden zu sein&lt;&ldquo;, in: Spiegel online 20.10.06<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Vgl. dazu: C. Girschner 2007: Zur politischen &Ouml;konomie der &bdquo;Ein-Euro-Jobs&ldquo;: politische und herrschaftliche Hintergr&uuml;nde, in: <a href=\"?p=2574\">www.nachdenkseiten.de\/?p=2574<\/a>, am 21. August<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] &bdquo;Seid nicht selbstgerecht!&ldquo;, in: Tagesspiegel 12.03.08<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] &bdquo;Das deutsche Herz schl&auml;gt links&hellip;&ldquo;, in: S&uuml;ddeutsche Zeitung online 21.09.09<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] R. Dahrendorf 2000: Die globale Klasse und die neue Ungleichheit, in: Merkur Nr. 11, S. 1066f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Ebd.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] &bdquo;Wir stellen v&ouml;llig &uuml;berzogene Wissensanspr&uuml;che&ldquo;, in: Die Welt online 21.10.06<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] &bdquo;Ungleichheit und Exklusion&ldquo;, in: Neue Gesellschaft\/Frankfurter Hefte online 9\/09<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] Vgl. dazu C. Girschner 2008: Hartz IV-&Ouml;konomie: David Ricardo und die Wiederkehr fr&uuml;hkapitalistischer Herrschaftsmethoden des Liberalismus, in: trend onlinezeitung, M&auml;rz-Ausgabe (<a href=\"http:\/\/www.trend.infopartisan.net\/trd0308\/t530308.htm\">www.trend.infopartisan.net\/trd0308\/t530308.htm<\/a>)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] H. Marcuse 1984: Triebstruktur und Gesellschaft, S. 217, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] &bdquo;Wir stellen v&ouml;llig &uuml;berzogene Wissensanspr&uuml;che&ldquo;, in: Die Welt online 21.10.06<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_21\" name=\"foot_21\">&laquo;21<\/a>] &bdquo;Ungleichheit und Exklusion&ldquo;, in: Neue Gesellschaft\/Frankfurter Hefte online 9\/09<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_22\" name=\"foot_22\">&laquo;22<\/a>] Ebd.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_23\" name=\"foot_23\">&laquo;23<\/a>] Ebd.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_24\" name=\"foot_24\">&laquo;24<\/a>] &bdquo;Schr&ouml;der tr&auml;gt keine Schuld&ldquo;, in: S&uuml;ddeutsche Zeitung online 1.10.09; Albrecht M&uuml;ller kommentiert dazu: &bdquo;Die S&uuml;ddeutsche Zeitung vom 1. Oktober unterst&uuml;tzt mit einem Interview mit dem Soziologen Heinz Bude die gleiche Behauptung:&bdquo;Schr&ouml;der tr&auml;gt keine Schuld&ldquo; meint er zu den Gr&uuml;nden des SPD-Fiaskos. Er nennt die Politik der Regierung Schr&ouml;der den &bdquo;unbew&auml;ltigten Erfolg&ldquo;. Und er pl&auml;diert daf&uuml;r, diese ihre Erfolgsgeschichte nicht zu dementieren. Er behauptet, die SPD vor Schr&ouml;der sei die schlimmste Sozialdemokratische Partei Europas gewesen. Und der Interviewer Oliver Das Gupta darf das notwendige Stichwort geben f&uuml;r die innerparteiliche Willensbildung: &bdquo;Soll hei&szlig;en: Das Falsche w&auml;re ein Rollback zu SPD vor 1998.&ldquo; Dieses Interview voller nicht belegter Behauptungen ist eigentlich als solches nicht lesenswert. Es ist aber als klassisches Beispiel f&uuml;r aktive Public Relations-Arbeit und die Einbindung der Medien in diese PR Arbeit interessant; und obendrein als Beleg f&uuml;r die unfassbare Oberfl&auml;chlichkeit eines Wissenschaftlers. Wir halten und bezahlen solche Professoren: Bude, Nolte, Raffelh&uuml;schen, Sinn, Zimmermann, Franz &ndash; armes Deutschland.&ldquo; A. M&uuml;ller: Der klassische Fall einer Fremdbestimmung mithilfe der Springer Medien u.a.m., in: <a href=\"?p=4246\">www.nachdenkseiten.de\/?p=4246<\/a>, 7.10.09<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_25\" name=\"foot_25\">&laquo;25<\/a>] &bdquo;Wie klug ist die FDP?&ldquo;, in: Die Zeit online, 8.10.09<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_26\" name=\"foot_26\">&laquo;26<\/a>] Literaturbeilage der S&uuml;ddeutschen Zeitung vom 18.10.05; zitiert nach <a href=\"http:\/\/www.single-generation.de\">www.single-generation.de<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_27\" name=\"foot_27\">&laquo;27<\/a>] &bdquo;In Berlin werden Debatten gef&uuml;hrt, die f&uuml;r die Welt wichtig sind, in: Tagesspiegel online 16.04.09<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_28\" name=\"foot_28\">&laquo;28<\/a>] H. Bude: Erbschaft dieser Zeit, in: W. Kraushaar 2006 (Hg): Die RAF und der linke Terrorismus, Hamburg, 1343ff, zitiert nach: D. Hartmann\/G. Geppert: Cluster. Die neue Etappe des Kapitalismus, S. 119, Berlin<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_29\" name=\"foot_29\">&laquo;29<\/a>] &bdquo;Heinz Bude wei&szlig;, was Entfremdung ist&ldquo;, in: taz online 30.04.09<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_30\" name=\"foot_30\">&laquo;30<\/a>] Ebd.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_31\" name=\"foot_31\">&laquo;31<\/a>] &bdquo;Das deutsche Herz schl&auml;gt links&hellip;&ldquo;, in: S&uuml;ddeutsche Zeitung online 21.09.09<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_32\" name=\"foot_32\">&laquo;32<\/a>] H. Bude zitiert nach: zitiert nach Klotz:  Think Tank, in: Freitag online 17.12.1999<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_33\" name=\"foot_33\">&laquo;33<\/a>] Ebd.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_34\" name=\"foot_34\">&laquo;34<\/a>] Dazu eine passende Bemerkung von Bude: &bdquo;Ich habe in Berlin dieses ganze Kapital-Kurs-Wesen mitgemacht. In T&uuml;bingen war ich der Gruppe internationaler Trotzkisten beigetreten. Und die Trotzkisten waren ja immer schon die FDP der Linken, von wo aus sich das Spektrum gut sortieren lie&szlig;. DKPisten rieche ich bis heute auf zehn Meter &ndash; wovon es gerade in der publizistischen Welt Westdeutschlands verdammt viele gibt. Die waren schon damals indiskutabel: Leute, die mit gl&uuml;henden Augen Pablo Neruda lasen oder Peter Weiss&rsquo; &ldquo;&Auml;sthetik des Widerstandes&rdquo;. Um Himmels Willen! Wenn Weiss, dann das Auschwitz-St&uuml;ck oder die fr&uuml;hen Sachen, aber doch nicht die &Auml;sthetik des Widerstandes und diese linke Erbauungsliteratur. Bei den Maoisten waren die M&auml;dchen zwar immer sehr nett &ndash; aber insgesamt waren die mir wegen ihres pietistischen Eifers ebenfalls suspekt.&ldquo; In: &bdquo;Zur&uuml;ck zur Ursprungsfrage: Der Soziologe Heinz Bude hat das politische Ironie-Programm satt&ldquo;, in: Die Welt online, 13.09.05<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_35\" name=\"foot_35\">&laquo;35<\/a>] J.Bischoff 2006: Zukunft des Finanzmarkt-Kapitalismus, S. 128f., Hamburg<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_36\" name=\"foot_36\">&laquo;36<\/a>] Ebd.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_37\" name=\"foot_37\">&laquo;37<\/a>] Ebd., S. 228<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_38\" name=\"foot_38\">&laquo;38<\/a>] J. Bischoff 2007: Neoliberalismus in China?, in: Supplement der Zeitschrift Sozialismus Nr. 10, S.34<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_39\" name=\"foot_39\">&laquo;39<\/a>] &bdquo;Hinter der Flexibilisierung betrieblicher Arbeitsorganisation und der Arbeitszeiten stehen zwar &ouml;konomische und soziale Unsicherheiten, deren Bew&auml;ltigung oft massiven Zumutungen an die lebendige Arbeit darstellen. Dennoch werden dabei auf widerspr&uuml;chliche Weise durch die Subjekte selbst Entscheidungskompetenzen und individuelle Fertigkeiten entwickelt. Es ist hier nicht mehr eine fest gef&uuml;gte betriebliche Hierarchie und Arbeitsteilung, die die sozialen Verh&auml;ltnisse determiniert. Die Sozialit&auml;t in diesen Strukturen wird vielmehr in viel h&ouml;herem Ma&szlig;e durch die Individuen selbst hergestellt &ndash; und dadurch der Kapitalfetisch weiter unterminiert.&ldquo; In: Bischoff\/H&uuml;ning\/Lieber 2005:Von der neoliberalen zur sozialistischen Gouvernementalit&auml;t, in: Prokla Nr. 141, S.535<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_40\" name=\"foot_40\">&laquo;40<\/a>] Ebd., S. 537<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_41\" name=\"foot_41\">&laquo;41<\/a>] Es hei&szlig;t auch: &bdquo;Die sozialistische Plan- und Kommandowirtschaft stellte ihrerseits schon eine schlechte (&hellip;) Alternative zum Fordismus dar. Insofern muss an die heute entwickelten Formen von Selbstorganisation und Selbststeuerung angekn&uuml;pft werden, die sich inner- und au&szlig;erhalb der Unternehmen herausgebildet haben. Aber bei allem Selbststeuerungspotenzial der flexiblen Betriebsweise schlie&szlig;t der entfesselte Kapitalismus immer noch &Uuml;ber- und Unterordnungsverh&auml;ltnisse ein, die m&ouml;gliche Freiheits- und Gestaltungsspielr&auml;ume immer wieder konterkarieren oder gar zerst&ouml;ren. Daher m&uuml;ssen politische Rahmenbedingungen, die eine erh&ouml;hte Selbstt&auml;tigkeit der Individuen erm&ouml;glichen sollen, mit einer bewussten Steuerung und Regulierung der kapitalistischen Wertsch&ouml;pfungsprozesse verkn&uuml;pft werden.&ldquo; (ebd., 534)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_42\" name=\"foot_42\">&laquo;42<\/a>] Vgl. dazu: H.O. R&ouml;&szlig;er 2008: Krieg dem P&ouml;bel. Die &bdquo;neue(n) Unterschicht(en)&ldquo; in der &bdquo;&ouml;ffentlichen Soziologie&ldquo; deutscher Professoren, in: <a href=\"?p=3503\">www.nachdenkseiten.de\/?p=3503<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_43\" name=\"foot_43\">&laquo;43<\/a>] Vgl. aktuell: B. Ehrenreich 2009&gt;Bright-Sided&hellip;&lt; Die uns&auml;gliche Macht des positiven Denkens, in: z.mag, 13. Oktober (<a href=\"http:\/\/zmag.de\/artikel\/interview-ueber-barbara-ehrenreich-neues-buch\">http:\/\/zmag.de\/artikel\/interview-ueber-barbara-ehrenreich-neues-buch<\/a>)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_44\" name=\"foot_44\">&laquo;44<\/a>] Engels zitiert nach: H. Sana 2007: W&uuml;rde und Widerstand, S.74, K&ouml;ln<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_45\" name=\"foot_45\">&laquo;45<\/a>] J. Bischoff 2007: Neoliberalismus in China?, in: Supplement der Zeitschrift Sozialismus Nr. 10, S.32<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_46\" name=\"foot_46\">&laquo;46<\/a>] Vgl. dazu: C. Girschner 2007: Zur politischen &Ouml;konomie der &bdquo;Ein-Euro-Jobs&ldquo;: politische und herrschaftliche Hintergr&uuml;nde, in: <a href=\"?p=2574\">www.nachdenkseiten.de\/?p=2574<\/a>, am 21. August<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das neue Buch &bdquo;Marx. Ein toter Hund?&ldquo;, das im linken VSA-Verlag [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] im Oktober dieses Jahres erschien und das Resultat einer Marxkonferenz an der Universit&auml;t Kassel ist, w&auml;re normalerweise nicht erw&auml;hnenswert, wenn der Herausgeber dieses Sammelbandes und der Organisator dieser Tagung nicht Heinz Bude hei&szlig;en w&uuml;rde. Heinz Bude? Stimmt, das ist doch der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4350\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[205,85,208],"tags":[1550,387,233,389],"class_list":["post-4350","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-neoliberalismus-und-monetarismus","category-pr","category-rezensionen","tag-agenda-2010","tag-bude-heinz","tag-marktliberalismus","tag-sozialrassismus"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4350","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4350"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4350\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20099,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4350\/revisions\/20099"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4350"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4350"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4350"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}