{"id":43539,"date":"2018-04-17T11:25:16","date_gmt":"2018-04-17T09:25:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43539"},"modified":"2026-01-27T11:29:27","modified_gmt":"2026-01-27T10:29:27","slug":"anne-will-objektiver-journalismus-von-der-atlantik-bruecke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43539","title":{"rendered":"Anne Will: \u201eObjektiver\u201c Journalismus von der Atlantik-Br\u00fccke"},"content":{"rendered":"<p>Albrecht M&uuml;ller hat bereits gestern in seinem Artikel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43521\">Die politische Linie der ARD wird von USA und NATO bestimmt<\/a>&ldquo; einen kritischen Blick auf <a href=\"https:\/\/daserste.ndr.de\/annewill\/Angriffe-des-Westens-auf-Syrien-wie-gefaehrlich-ist-die-Konfrontation-mit-Russland,annewill5574.html\">die letzte Sendung von Anne Will<\/a>&nbsp;geworfen. Einen Beleg daf&uuml;r, wie tief die Redaktion von Anne Will bereits in die transatlantischen Strukturen eingebunden ist, zeigt auch die vertiefende Beobachtung der Sendung von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1776\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-43539-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180417_Anne_Will_Objektiver_Journalismus_von_der_Atlantik_Bruecke_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180417_Anne_Will_Objektiver_Journalismus_von_der_Atlantik_Bruecke_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180417_Anne_Will_Objektiver_Journalismus_von_der_Atlantik_Bruecke_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180417_Anne_Will_Objektiver_Journalismus_von_der_Atlantik_Bruecke_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=43539-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180417_Anne_Will_Objektiver_Journalismus_von_der_Atlantik_Bruecke_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180417_Anne_Will_Objektiver_Journalismus_von_der_Atlantik_Bruecke_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Am vergangenen Sonntag gaben sich bei <a href=\"https:\/\/daserste.ndr.de\/annewill\/Angriffe-des-Westens-auf-Syrien-wie-gefaehrlich-ist-die-Konfrontation-mit-Russland,annewill5574.html\">Anne Will<\/a> f&uuml;nf G&auml;ste die Ehre. Drei von ihnen sind Mitglieder der Atlantik-Br&uuml;cke. Ist das ein Problem? Ja, ist es. Ausgewogenheit und Meinungsvielfalt sieht anders aus. Aber noch schlimmer ist: Anne Will informiert ihre Zuschauer in der Sendung nicht &uuml;ber die Mitgliedschaft der drei G&auml;ste in dem Elitezirkel. W&auml;re diese Information notwendig gewesen? Ja, w&auml;re sie.<\/p><p>&bdquo;Angriffe des Westens auf Syrien &ndash; wie gef&auml;hrlich ist die Konfrontation mit Russland?&ldquo; lautete das Thema am Sonntagabend bei Anne Will. Ein wichtiges Thema, das sp&auml;testens seit dem Fall Skripal und der sich zuspitzenden Situation in Syrien wieder ganz oben auf ist. Was darf ein Zuschauer des &ouml;ffentlich-rechtlichen Fernsehens erwarten, wenn dieses Thema in einer der bekanntesten politischen Talkshows des Landes diskutiert wird? Nat&uuml;rlich: Ausgewogenheit, Meinungsvielfalt. Also genau das, was ein Journalismus leisten muss, der, soweit m&ouml;glich, sich um Objektivit&auml;t bem&uuml;ht.<\/p><p>Doch was an diesem Abend in der Sendung geboten wurde, war in vielerlei Hinsicht ein journalistischer Offenbarungseid. Ein erster Blick auf die G&auml;steliste gen&uuml;gt, um festzustellen: Meinungsvielfalt sieht anders aus. <a href=\"https:\/\/daserste.ndr.de\/annewill\/archiv\/Die-Gaeste-im-Studio,gaesteliste1068.html\">Zu Gast<\/a> waren Norbert R&ouml;ttgen (CDU, Vorsitzender des Ausw&auml;rtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages), Wolfgang Ischinger (Vorsitzender der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz), <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40429\">Alexander Graf Lambsdorff<\/a> (Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP im Bundestag), Golineh Atai (Korrespondentin im ARD-Studio Moskau) und Jan van Aken (Linkenpolitiker und ehemaliger UN-Waffeninspekteur). Anders gesagt: Bis auf van Aken war f&uuml;r jeden politischen Beobachter auf den ersten Blick zu erkennen, wie die Diskussion verlaufen w&uuml;rde: W&auml;hrend van Aken etwas zur&uuml;ckhaltender mit der (Vor-)Verurteilung Russlands sein und auf die Einhaltung des V&ouml;lkerrechts verweisen w&uuml;rde, w&uuml;rden die anderen G&auml;ste das Gegengewicht bilden.<\/p><p>Und so kam es dann auch. Das kann man nun gut oder schlecht finden. Nur: Mit einem Journalismus, der versucht, eine hochkomplexe politische Gemengelage aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Standpunkten in einer Diskussionsrunde, die ernstgenommen werden m&ouml;chte, abzubilden, hatte der Polit-Talk nichts zu tun. Aber vielleicht liegt hier auch ein Denkfehler vor. Wollte man das Gegenteil erreichen und m&ouml;glichst eine unausgewogene Zusammensetzung erreichen, dann l&auml;sst sich sagen: Ziel erreicht.<\/p><p>Doch bleiben wir sachlich. Das medienkritische Portal &bdquo;<a href=\"https:\/\/uebermedien.de\/26991\/selten-so-eine-mediale-einheitsfront-gesehen-wie-in-bezug-auf-russland\/\">&Uuml;bermedien<\/a>&ldquo; hat sich die Teilnehmer der Sendung etwas genauer angeschaut und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/uebermedien\/status\/985603384031023104\">stellt fest<\/a>: R&ouml;ttgen, Ischinger und Graf Lambsdorff sind Mitglieder der Atlantik-Br&uuml;cke. Atlantik-Br&uuml;cke? Nun, das ist ein &bdquo;ziemlich ehrenwerter Verein.&ldquo; Dar&uuml;ber waren sich zumindest Claus Kleber (Chef des ZDF-&bdquo;Heute-Journals&ldquo;) und Sigmar Gabriel (damals noch Au&szlig;enminister) im November des vergangenen Jahres bei Maybrit <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/politik\/maybrit-illner\/der-unfassbare-praesident-was-hat-trump-veraendert-sendung-vom-9-november-2017-100.html\">Illner<\/a> (ab Minute 57:20) einig. Das kann man so sehen. Schlie&szlig;lich hei&szlig;t es in der <a href=\"https:\/\/www.atlantik-bruecke.org\/die-atlantik-bruecke\/\">Selbstbeschreibung<\/a> des Vereins:<\/p><blockquote><p>\nDie 1952 gegr&uuml;ndete Atlantik-Br&uuml;cke hat das Ziel, die Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Europa und Amerika auf allen Ebenen zu vertiefen. Die transatlantische Zusammenarbeit ist und bleibt gerade in schwierigen Zeiten ein entscheidender Faktor f&uuml;r die globale Ordnung und Stabilit&auml;t. Jetzt, da nationalistische Str&ouml;mungen weltweit an Zuspruch gewinnen, sieht sich die Atlantik-Br&uuml;cke umso mehr ihrem Auftrag verpflichtet. Sie setzt sich f&uuml;r Multilateralismus, offene Gesellschaften und freien Handel ein. Als gemeinn&uuml;tziger und &uuml;berparteilicher Verein st&auml;rkt die Atlantik-Br&uuml;cke den Austausch zwischen Politik und Unternehmen, aber auch zwischen jungen F&uuml;hrungskr&auml;ften und Vertretern der Zivilgesellschaft jenseits der Parteilinien. Die Atlantik-Br&uuml;cke bietet eine Plattform f&uuml;r unterschiedliche Perspektiven und eine lebendige Debatte.\n<\/p><\/blockquote><p>Soweit die eine Seite. Nun zur anderen. Anne Zetsche, Historikerin und Gastwissenschaftlerin am John-F.-Kennedy-Institut in Berlin, hat zu dem Eliten-Verein ihre Doktorarbeit geschrieben. Im <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41456\">Interview<\/a> mit den NachDenkSeiten sagte sie im vergangenen Jahr, dass &uuml;ber &bdquo;diesen Zirkel &hellip; schon seit den 1950er Jahren demokratisch nicht-legitimierte Privatpersonen Einfluss auf die Politik Deutschlands und der USA nehmen&ldquo;. Und Zetsche weiter: &bdquo;Aufgrund der besonderen Mischung der Mitglieder fungierten die beiden Organisationen auch als Lobbyorganisationen (deep lobbying) f&uuml;r die transatlantische Partnerschaft\/Gefolgschaft und f&uuml;r die Nato&ldquo;.<\/p><p>Das klingt pl&ouml;tzlich schon etwas anders. Gar nicht mehr so harmlos. Nun kann man sich einen Auszug der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_von_Mitgliedern_der_Atlantik-Br%C3%BCcke\">Mitgliederliste<\/a> anschauen und darf die Frage aufwerfen: Wo liegt denn jetzt genau das Problem? Es gibt doch immerhin eine Vielzahl von Elitenzirkeln. Und sollen etwa wirklich alle Mitglieder eines Zirkels genau eine Meinung haben? Ist es nicht so, dass man auch erwarten darf, dass es unter den 500 Mitgliedern der Atlantik-Br&uuml;cke auch unterschiedliche Meinungen gibt?<\/p><p>Man muss nicht alle 500 Mitglieder der Atlantik-Br&uuml;cke kennen, um diese Frage beantworten zu k&ouml;nnen. Alleine schon der gesunde Menschenverstand f&uuml;hrt uns zu dem Schluss: Nat&uuml;rlich! Wenn 500 Menschen in so einem Verein zusammenkommen, gibt es auch unterschiedliche Ansichten. Aber wie nun? Wo liegt denn dann das Problem? Warum sollte man Anne Will daf&uuml;r kritisieren, dass drei G&auml;ste bei ihr zu Gast waren, die Mitglieder bei der Atlantik-Br&uuml;cke sind?<\/p><p>Machen wir uns nichts vor: Die Formulierung &bdquo;unterschiedlicher Meinung sein&ldquo; ist dehnbar wie ein Kaugummi. Man kann unterschiedlicher Meinung zu einem bestimmten Thema sein, aber im Gro&szlig;en und Ganzen doch wiederum ganz nah politisch zusammen sein. Und genau so ist es eben bei einem Zirkel wie der Atlantik-Br&uuml;cke. Hier gibt es, wie &uuml;berall, wo Menschen zusammenkommen, eine gewisse Meinungsvielfalt, aber Ansichten, die sich wirklich fundamental politisch entgegenstehen, d&uuml;rften sich dort schwer finden lassen. Diese Aussage kann jeder Leser selbst &uuml;berpr&uuml;fen: Schauen Sie sich die Namen auf der Mitgliederliste an und denken Sie dar&uuml;ber nach, wo sie die entsprechenden Akteure meinungspolitisch positionieren. Sie werden feststellen: Das Meinungsspektrum ist eng, um nicht zu sagen: sehr eng gefasst.<\/p><p>Doch soweit m&uuml;ssen wir gar nicht gehen. F&uuml;r die Kritik an &bdquo;Anne Will&ldquo; gen&uuml;gt es, sich die &bdquo;Diskussion&ldquo;, wie sie am Sonntag in der Sendung verfolgt werden konnte, anzuschauen, um zu erkennen: Hier sa&szlig;en sich keine Akteure gegen&uuml;ber, die v&ouml;llig unterschiedliche Ansichten vertraten. Im Gegenteil: Man war sich im Wesentlichen einig. Sollte die Redaktion von Anne Will allen Ernstes beabsichtigt haben, auf diese Weise Meinungsvielfalt in den Polit-Talk zu tragen, dann ist der Versuch auf ganzer Linie gescheitert. Anders gesagt: Drei Mitglieder der Atlantik-Br&uuml;cke, aber eine Meinung.<\/p><p>Doch die Zusammensetzung der &bdquo;Diskussionsrunde&ldquo; ist nur das eine. Das andere ist: Warum hat Anne Will ihre Zuschauer nicht &uuml;ber diese doch sehr spezielle Mitgliedschaft von gleich drei ihrer G&auml;ste informiert? Das Portal meedia.de hat beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) <a href=\"http:\/\/meedia.de\/2018\/04\/16\/drei-stuehle-eine-meinung-anne-will-laedt-gleich-drei-mitglieder-der-atlantik-bruecke-zum-thema-syrien-ein-erwaehnt-es-im-tv-aber-nicht\/\">nachgefragt<\/a> und folgende Antwort erhalten:<\/p><blockquote><p>\nIn den Vorstellungstexten auf der Internetseite von Anne Will war schon im Vorfeld der Sendung in den jeweiligen Kurzbiografien der G&auml;ste nachzulesen, dass Wolfgang Ischinger, Norbert R&ouml;ttgen und Alexander Graf Lambsdorff Vorstands-Mitglieder der &bdquo;Atlantik-Br&uuml;cke e.V.&ldquo; sind &ndash; genauso wie z. B. die Information, dass Graf Lambsdorff auch Mitglied im deutsch-russischen Dialogforum &bdquo;Petersburger Dialog e.V.&ldquo; ist oder Jan van Aken Gr&uuml;nder und Leiter einer NGO zur &Auml;chtung biologischer Waffen.\n<\/p><\/blockquote><p>Auf meedia.de hei&szlig;t es weiter:<\/p><blockquote><p>\nWeiter schreibt der Sender, dass es f&uuml;r Au&szlig;enpolitiker durchaus &uuml;blich sei, in einer oder mehrerer solcher Organisationen Mitglied zu sein, &ldquo;dies verpflichtet allerdings nicht auf eine gleichlautende Meinung&rdquo;. Zudem m&uuml;sse sich die Redaktion bei den Inserts (den Einblendungen mit Infos zu G&auml;sten w&auml;hrend der Sendung) auf eine gewisse Anzahl pro Gast festlegen. &ldquo;Alle weiteren relevanten Informationen finden sich auf der Homepage, auf die w&auml;hrend der Sendung mehrfach hingewiesen wird.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>So einfach kann man es sich nat&uuml;rlich auch machen. Aber erinnern wir uns an den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37845\">Auftritt<\/a> des Nahost-Experten Michael L&uuml;ders bei Will im April des vergangenen Jahres. L&uuml;ders, der vor allem durch seinen kritischen Blick auf den Krieg in Syrien bekannt ist, hatte in der Sendung keinen leichten Stand. Der Kommunikationswissenschaftler und Journalismusforscher Uwe Kr&uuml;ger <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ukrueg?lang=de\"><em>twitterte<\/em><\/a> zur Anne-Will-Sendung:<\/p><blockquote><p>\nDas ist vor allem bemerkenswert vor dem Hintergrund, wie @annewill vor einem Jahr mit dem Nahost-Experten Michael L&uuml;ders umgegangen ist, den sie als &ldquo;nicht neutralen Gesch&auml;ftsmann&rdquo; diskreditierte.\n<\/p><\/blockquote><p>Damals sagte Will zu L&uuml;ders:<\/p><blockquote><p>\nWir haben Sie heute bewusst nicht als einen neutralen Nahost-Experten vorgestellt, sondern als Autor und als Politik- und Wirtschaftsberater. Sie sind, muss man sagen&hellip; ein Gesch&auml;ftsmann, der sein Wissen an Firmen verkauft, die im Nahen und Mittleren Osten ihre Gesch&auml;fte machen wollen. Spielen Ihre wirtschaftlichen Interessen da eine Rolle, wenn Sie sagen oder behaupten, dass es der Westen sei, der Syrien ins Chaos gest&uuml;rzt hat?\n<\/p><\/blockquote><p>Im <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37845\">Interview mit den NachDenkSeiten<\/a> antwortete L&uuml;ders auf die Frage, ob die Anmerkungen von Will nicht legitim seien:<\/p><blockquote><p>\nGrunds&auml;tzlich ja, aber der Ton macht die Musik. W&auml;re es Frau Will um die Sache gegangen, nicht lediglich um Diffamierung, so h&auml;tte sie sicher auch erw&auml;hnen k&ouml;nnen, dass der Mitdiskutant John Kornblum, vorgestellt lediglich als ehemaliger US-Botschafter in Berlin, als Deutschland-Chef der amerikanischen Investmentbank Lazard gewirkt hat. Heute sitzt er, unter anderem, im Aufsichtsrat von Thyssen Krupp, von Motorola Europa und der Bayer AG, laut Wikipedia. Mitdiskutant Michael Wolffsohn ist Mitglied im Beirat Ost der Deutschen Bank. Das aber wurde mit keinem Wort erw&auml;hnt.\n<\/p><\/blockquote><p>Wenn man sich anschaut, wie Will versucht, die &bdquo;Hintergr&uuml;nde&ldquo; von L&uuml;ders zu durchleuchten, um ihre Zuschauer &uuml;ber eine m&ouml;gliche Interessenverwicklung ihres Gastes aufzukl&auml;ren, kann man nur noch staunen. Wo war und ist dieser kritische Journalismus, wenn es um G&auml;ste geht, die &bdquo;gef&auml;llige&ldquo; Positionen vertreten? Am Sonntagabend w&auml;re in der Sendung der Verweis auf die Mitgliedschaft der G&auml;ste in der Atlantik-Br&uuml;cke angebracht gewesen, genauso wie eine kritische Einordnung dieser Mitgliedschaft h&auml;tte erfolgen m&uuml;ssen. Doch das ist offensichtlich zu viel verlangt.<\/p><p>Und das verwundert nicht. Neben der Zusammensetzung der Runde ist neben vielen Kritikpunkten an der Moderation vor allem ein Sachverhalt aufgefallen, der kaum zu ertragen ist. Mehrmals wurde in der Runde dar&uuml;ber gesprochen, ob der Angriff der USA gegen Ziele in Syrien gegen V&ouml;lkerrecht versto&szlig;en hat. Anne Will, eine ausgebildete Journalistin, stellte ihren G&auml;sten folgende Frage: &bdquo;War es ein Versto&szlig; gegen das V&ouml;lkerrecht?&ldquo;.<\/p><p>Im Prinzip tritt in dieser einen Frage das gesamte Versagen des politischen Journalismus in Deutschland, wie er zu oft zu beobachten ist, offen zu Tage. Man muss kein Experte f&uuml;r V&ouml;lkerrecht sein, um die entsprechenden Artikel der UN-Charta, die bei der von Will gestellten Frage die entscheidende Rolle spielen, zu verstehen. Der ehemalige Richter am Bundesverwaltungsgericht, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38213\">Dieter Deiseroth<\/a> sagte in einem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37767\">NachDenkSeiten-Interview<\/a> zum Angriff der USA auf Syrien vom 7. April des vergangenen Jahres:<\/p><blockquote><p>\nV&ouml;lkerrechtswidrig war und ist dieser Milit&auml;rschlag, weil er unter Anwendung von milit&auml;rischer Gewalt die territoriale Integrit&auml;t des UN-Mitgliedsstaates Syrien gravierend verletzt und damit tatbestandlich gegen das v&ouml;lkerrechtliche Gewaltverbot nach Art. 2 Ziff. 4 UN-Charta versto&szlig;en hat. Dieser milit&auml;rische Gewaltakt vermag sich auf keinen v&ouml;lkerrechtlichen Rechtfertigungsgrund zu st&uuml;tzen.\n<\/p><\/blockquote><p>Kann man von einer der prominentesten politischen Journalistinnen Deutschlands erwarten, dass sie sich im Vorfeld der Sendung &uuml;ber die Frage, ob der Angriff v&ouml;lkerrechtswidrig war, genau informiert? Kann man von ihr erwarten, dass sie, wenn sie sich informiert, zu dem Schluss kommt: Ja, dieser Angriff war rechtswidrig? Kann man von Anne Will erwarten, dass sie ihren G&auml;sten eine Frage stellt wie zum Beispiel: &bdquo;Der Angriff gegen Syrien verst&ouml;&szlig;t gegen das V&ouml;lkerrecht. Herr R&ouml;ttgen, warum verurteilt die Bundesregierung diesen Bruch des V&ouml;lkerrechts nicht?&ldquo;<\/p><p>Nein. Das kann man nicht erwarten. Das muss man erwarten. Die Erwartungen wurden nicht erf&uuml;llt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Albrecht M&uuml;ller hat bereits gestern in seinem Artikel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43521\">Die politische Linie der ARD wird von USA und NATO bestimmt<\/a>&ldquo; einen kritischen Blick auf <a href=\"https:\/\/daserste.ndr.de\/annewill\/Angriffe-des-Westens-auf-Syrien-wie-gefaehrlich-ist-die-Konfrontation-mit-Russland,annewill5574.html\">die letzte Sendung von Anne Will<\/a>&nbsp;geworfen. 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