{"id":43639,"date":"2018-04-23T08:27:42","date_gmt":"2018-04-23T06:27:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43639"},"modified":"2024-09-24T08:31:42","modified_gmt":"2024-09-24T06:31:42","slug":"korea-annaeherungen-im-stakkato","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43639","title":{"rendered":"Korea: Ann\u00e4herungen im Stakkato"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180423-KOREA-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Der innerkoreanische Gipfel am 27. April sowie das erste Zusammentreffen der Staatschefs der USA und Nordkoreas im Folgemonat k&ouml;nnten die vierte, diesmal erfolgreiche Phase einer Ann&auml;herung auf der Koreanischen Halbinsel einleiten. Es sei denn, politische Hardliner in Washington ersinnen im entscheidenden Moment erneut Mittel und Wege, um eine solche Avance zu vereiteln. Von <strong>Rainer Werning<\/strong>.<\/p><div style=\"clear:right;\"><\/div><p><!--more--><br>\nAm 4. Juli 1972 schlug die in S&uuml;dkoreas Metropole Seoul sowie in Nordkoreas Hauptstadt Pj&ouml;ngjang gleichzeitig bekanntgegebene &bdquo;<em>Gemeinsame S&uuml;d-Nord-Erkl&auml;rung &uuml;ber die friedliche nationale Wiedervereinigung<\/em>&ldquo; wie eine Bombe ein. In dieser vom s&uuml;dkoreanischen Chef des Geheimdienstes (KCIA) und dem Leiter der Organisationsabteilung der herrschenden Partei der Arbeit Koreas (PdAK) aus dem Norden unterschriebenen Erkl&auml;rung hie&szlig; es:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Beide Seiten einigten sich &uuml;ber folgende Prinzipien der Wiedervereinigung des Vaterlandes:<\/p>\n<ol>\n<li>Die Wiedervereinigung soll unabh&auml;ngig, das hei&szlig;t ohne sich auf eine fremde Macht zu st&uuml;tzen, noch mit deren Einmischung erreicht werden.<\/li>\n<li>Die Wiedervereinigung soll mit friedlichen Mitteln, das hei&szlig;t ohne Waffeneinsatz der einen Seite gegen die andere, verwirklicht werden.<\/li>\n<li>Die gro&szlig;e nationale Einheit soll vor allem durch ein gemeinsames Nationalgef&uuml;hl gef&ouml;rdert werden, ungeachtet der Unterschiede der Ideologien, Ideale und Systeme.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Beide Seiten halten sich von der Verleumdung der anderen Seite und von bewaffneten Provokationen, kleinen oder gro&szlig;en, zur&uuml;ck und wirken darauf hin, Zwischenf&auml;lle durch unerwartete milit&auml;rische Konflikte zu vermeiden, damit die Spannung zwischen dem Norden und dem S&uuml;den &uuml;berwunden und eine vertrauensvolle Atmosph&auml;re geschaffen werden kann.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Nach dem Koreakrieg (1950-53), dem ersten &bdquo;hei&szlig;en&ldquo; Konflikt im Kalten Krieg mit weit &uuml;ber vier Millionen Toten, war dies das erste Mal, dass Seoul und Pj&ouml;ngjang aufeinander zugingen und sich anschickten, das frostige innerkoreanische Verh&auml;ltnis ein wenig aufzutauen. Zugleich wurde vereinbart, die Zusammenarbeit auf den verschiedensten Ebenen, vorrangig im Rahmen medizinischer Hilfe, zu f&ouml;rdern. Au&szlig;erdem sollte zwischen Seoul und Pj&ouml;ngjang ein &bdquo;hei&szlig;er Draht&ldquo; hergestellt und darauf hingewirkt werden, dass ein noch zu schaffendes &bdquo;Nord-S&uuml;d-Koordinationskomitee&ldquo; die vereinbarten Punkte realisiert. Doch der unerwartete Besuch des damaligen US-Pr&auml;sidenten Richard M. Nixon in der Volksrepublik China (eine f&uuml;r das strikt antikommunistisch ausgerichtete S&uuml;dkorea h&ouml;chst unerw&uuml;nschte Avance) und die Verh&auml;ngung des Kriegsrechts in S&uuml;dkorea im Jahre 1972 machten die hehre &bdquo;Gemeinsame S&uuml;d-Nord-Erkl&auml;rung&ldquo; zur Makulatur.<\/p><p>Um die Jahreswende 1991\/1992 handelten Nord- und S&uuml;dkorea ein &bdquo;Abkommen &uuml;ber Auss&ouml;hnung, Nichtaggression, Austausch und Kooperation&ldquo; (unterschrieben am 13.12.91 und rechtskr&auml;ftig ab dem 19.2.92) sowie die &bdquo;Gemeinsame Erkl&auml;rung zur Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel&ldquo;  (unterzeichnet am 20.1.92 und ebenfalls am 19.2.92 in Kraft getreten) aus, wobei das erste Abkommen auf einen umfassenden bilateralen Austausch in den Bereichen Kultur, Wirtschaft und Politik abzielte und gemeinsame Besuchsprogramme erm&ouml;glichen sollte. Doch die Vertragsunterzeichnung fiel in eine f&uuml;r Nordkorea &uuml;beraus prek&auml;re Umbruchphase. In Berlin war die Mauer gefallen, die Sowjetunion befand sich im Zerfallsprozess und zahlreiche realsozialistische Regime in Osteuropa waren bereits von der politischen Weltb&uuml;hne verschwunden. Der Regierung in Pj&ouml;ngjang war besonders die unter Michail Gorbatschow verfolgte Politik von &bdquo;Glasnost&ldquo; und &bdquo;Perestroika&ldquo; in der Sowjetunion ein Gr&auml;uel, witterte sie darin doch eine &ndash; so w&ouml;rtlich &ndash; &bdquo;ideologische Kontaminierung&ldquo;. Kurzerhand zog deshalb Nordkoreas Regierung ihre dort und vormals in Osteuropa zwecks Aus- und Weiterbildung stationierten Kader, Ingenieure und Techniker ab und ordnete deren unverz&uuml;gliche Heimkehr an.<\/p><p>Auf diese Umbruchphase reagierte Pj&ouml;ngjang auf seine Weise: Es schottete sich gegen&uuml;ber der (westlichen) Au&szlig;enwelt ab, setzte st&auml;rker als zuvor auf ideologische Erziehung und Kampagnen, entwarf das Konzept des &bdquo;Sozialismus in den eigenen Farben&ldquo; und propagierte seitdem den &bdquo;starken und gedeihenden Staat&rdquo; sowie die Politik des &bdquo;Das Milit&auml;r zuerst!&ldquo; Somit war es der Norden, der den neuerlichen innerkoreanischen Ann&auml;herungsprozess beendete. Neben den Entwicklungen in der Sowjetunion und in Osteuropa waren daf&uuml;r auch schwerwiegende wirtschaftliche Probleme nach dem Tod des Staatsgr&uuml;nders Kim Il-Sung (dem Gro&szlig;vater des jetzigen Staatschefs Kim Jong-Un) im Sommer 1994 ausschlaggebend. Mitte der 1990er Jahre kam es in Nordkorea infolge verheerender Naturkatastrophen (D&uuml;rreperioden und &Uuml;berschwemmungen) zu Ernteausf&auml;llen und in einigen Regionen des Landes zu akuter Hungersnot, unter der 1995 5,7 Millionen Menschen litten, etwa ein Viertel der Gesamtbev&ouml;lkerung.<\/p><p><strong>Silberstreif am Horizont &ndash; Seouls &bdquo;Sonnenscheinpolitik&rdquo;<\/strong><\/p><p>Die dritte Ann&auml;herung zwischen Nord- und S&uuml;dkorea geschah Mitte des Jahres 2000. Am 13. Juni war die nordkoreanische F&uuml;hrung sogar Gastgeber des ersten innerkoreanischen Gipfeltreffens. Bei diesem geschichtstr&auml;chtigen Moment reichten sich die Staatschefs beider Staaten, Kim Dae-Jung und Kim Jong-Il &ndash; offiziell zwar noch im Kriegszustand &ndash; die H&auml;nde. Zwei Tage sp&auml;ter, am 15. Juni 2000, vereinbarten beide Staatsm&auml;nner die &bdquo;Nord-S&uuml;d-Deklaration&ldquo;. &Uuml;ber Familienzusammenf&uuml;hrung und gegenseitige Besuchsprogramme hinaus sah diese Vereinbarung eine enge und regelm&auml;&szlig;ige Kooperation in den Bereichen Kultur, Handel und Wirtschaft vor. Ja, sogar die gemeinsame Teilnahme der Sportteams beider L&auml;nder an den bevorstehenden Olympischen Sommerspielen im australischen Sydney war beschlossen worden.<\/p><p>M&ouml;glich geworden war diese erste Zusammenkunft der beiden m&auml;chtigsten Politiker in Seoul und Pj&ouml;ngjang nach dem Amtsantritt Kim Dae-Jungs im Februar 1998. Der einst prominenteste politische Gefangene und Staatsfeind Nummer Eins war siegreich ins Blaue Haus, dem Sitz des s&uuml;dkoreanischen Pr&auml;sidenten, eingezogen und verk&uuml;ndete in Anlehnung an eine bekannte Fabel von &Auml;sop eine &Ouml;ffnung gegen&uuml;ber dem Norden, die &bdquo;Sonnenscheinpolitik&rdquo;. Sie sollte effektiver als der bis dahin praktizierte Konfrontationskurs seiner Vorg&auml;nger sein.<\/p><p>Die Inhalte der &bdquo;Nord-S&uuml;d-Deklaration&ldquo; waren nahezu identisch mit jenen der &bdquo;Gemeinsamen Erkl&auml;rung vom 4. Juli 1972&ldquo;. Im Gegensatz zu 1972 wurden allerdings eine enge wirtschaftliche Kooperation sowie ein reges Besuchsprogramm (freilich nur von S&uuml;d nach Nord) vereinbart. Im Juni 2005 erreichte die Zahl der Touristen aus dem S&uuml;den immerhin die Millionengrenze. Sichtbares Zeichen eines gleicherma&szlig;en in Pj&ouml;ngjang und Seoul gepriesenen &bdquo;exemplarischen Lernens&ldquo; f&uuml;r das k&uuml;nftige Zusammenleben der Koreaner bildete die Errichtung des auf nordkoreanischem Territorium befindlichen Gaeseong-Industrie-Komplexes (GIK), von dem aus ab Dezember 2004 erstmalig dort produzierte Waren nach S&uuml;dkorea geliefert wurden. Der GIK, das Resultat einer komplizierten Koppelung von Kapital und Technologie aus dem S&uuml;den mit Arbeitskr&auml;ften aus dem Norden, galt als &bdquo;Kronjuwel innerkoreanischer Kooperation&ldquo;. Im Februar 2016 ordnete Seoul aus Protest gegen einen zuvor durchgef&uuml;hrten nordkoreanischen Atomtest die Schlie&szlig;ung des GIK an.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Kim Dae-Jungs Kurswechsel erfolgte gewiss auch aus pragmatischen und finanziellen Erw&auml;gungen. Seitdem klar geworden war, welch exorbitante Kosten S&uuml;dkorea bei einer Wiedervereinigung analog dem deutschen Beispiel aufgeb&uuml;rdet w&uuml;rden, schwand die fr&uuml;here Euphorie der politischen Eliten in Seoul, man k&ouml;nne sich den Norden aufgrund der eigenen haushohen wirtschaftlichen &Uuml;berlegenheit problemlos einverleiben. Wandel durch Handel, Ann&auml;herung statt Destabilisierung &ndash; so lautete fortan die Devise in Seoul. Dabei bezog sich Kim Dae-Jung ausdr&uuml;cklich auf Willy Brandts fr&uuml;here &bdquo;Ostpolitik&ldquo;, wenngleich er die Situation beider L&auml;nder nie f&uuml;r vergleichbar hielt.<\/p><p>Der dritte Anlauf einer Nord-S&uuml;d-Verst&auml;ndigung auf der Koreanischen Halbinsel schien vielversprechend zu verlaufen, zumal er auch und gerade im westlichen Ausland breite Unterst&uuml;tzung fand. Vor allem William J. Perry, von 1994 bis 1997 US-Verteidigungsminister und einer der Architekten des im Herbst 1994 in Genf ausgehandelten &bdquo;Rahmenabkommens&ldquo; (&bdquo;Agreed Framework&ldquo;) zur Beilegung des ersten Atomstreits mit Nordkorea, fiel eine Schl&uuml;sselrolle zu. Er war von US-Pr&auml;sident Bill Clinton als Sonderemiss&auml;r ernannt worden, dem es im Rahmen einer ausgedehnten Shuttle-Diplomatie in Ostasien oblag, eine konsistente Politik Washingtons vis-&agrave;-vis Pj&ouml;ngjang zu formulieren. Am 12. Oktober 1999 ver&ouml;ffentlichte Perry seinen Bericht &ndash; mit dem Ergebnis, an dem Rahmenabkommen unbedingt festzuhalten. In zumindest dreierlei Hinsicht war der Perry-Report bedeutsam: Beide Protagonisten wahrten ihr Gesicht; die in Washington angenommene Pr&auml;misse, Nordkorea werde alsbald zusammenbrechen, wurde revidiert, und schlie&szlig;lich wurde die vom s&uuml;dkoreanischen Pr&auml;sidenten verfolgte &bdquo;Sonnenscheinpolitik&ldquo; ausdr&uuml;cklich bef&uuml;rwortet.<\/p><p><strong>Ein nordkoreanisch-amerikanischer Deal schien zum Greifen nahe<\/strong><\/p><p>Der US-amerikanische Historiker und Koreaexperte Bruce Cumings konstatierte in diesem Zusammenhang: &bdquo;Die sechsmonatige Arbeit (Perrys und seiner Kollegen &ndash; RW) schloss mit der Empfehlung, die Verhandlungen mit Pj&ouml;ngjang zu intensivieren. Der Neuansatz m&uuml;ndete in ein vorl&auml;ufiges Abkommen &uuml;ber die nordkoreanischen Raketen, das den Vereinigten Staaten wie der gesamten asiatisch-pazifischen Region gro&szlig;e Vorteile brachte. Damals schien Nordkorea bereit, die Produktion, Stationierung und Ausfuhr aller Raketen mit einer Reichweite von &uuml;ber 500 Kilometern einzustellen. In beiden strategischen Fragen &ndash; in der Atompolitik und bei den ballistischen Raketen &ndash; schien man einer Vereinbarung n&auml;herzukommen.&ldquo;[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Im Gegenzug lockerte Washington einige seiner Wirtschaftssanktionen und setzte sich f&uuml;r die Fortf&uuml;hrung und Aufstockung von Hilfslieferungen an die Volksrepublik ein. Das &bdquo;Agreed Framework&ldquo; sah zudem vor, in Washington und Pj&ouml;ngjang jeweils Liaison-B&uuml;ros einzurichten und gemeinsam nach &Uuml;berresten der im Koreakrieg gefallenen US-amerikanischen Soldaten zu suchen. Zentraler Punkt war aber folgender: Nordkorea hatte in einem Zusatzprotokoll eine Sicherheitsgarantie erhalten. Den H&ouml;hepunkt nordkoreanischer Au&szlig;enpolitik und einen diplomatischen Coup im Sog der &bdquo;Sonnenscheinpolitik&ldquo;, f&uuml;r die wenige Wochen sp&auml;ter allerdings nur S&uuml;dkoreas Pr&auml;sident mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, bildete der Besuch von US-Au&szlig;enministerin Madeleine K. Albright in Pj&ouml;ngjang am 23. und 24. Oktober 2000. Damit weilte erstmalig in der Geschichte beider L&auml;nder ein derart hochrangiger Repr&auml;sentant der US-Regierung in der Volksrepublik. Nicht nur das: Eigentlich h&auml;tte Clintons letzte Staatsvisite im Amt ihn nach Pj&ouml;ngjang f&uuml;hren sollen, wo bereits die Protokollchefs beider L&auml;nder entsprechende Vorbereitungen getroffen hatten.<\/p><p>H&ouml;chst ungew&ouml;hnlich auch die Szenen zwei Wochen vor Albrights Besuch. Da hatte bereits US-Pr&auml;sident Clinton mit dem 72-j&auml;hrigen Vizemarschall Jo Myong-Rok den Sondergesandten Kim Jong-Ils (Vater von Kim Jong-Un) und die damalige Nummer Zwei der nordkoreanischen Nomenklatur im Oval Office im Wei&szlig;en Haus mit einem herzlichen H&auml;ndesch&uuml;tteln willkommen gehei&szlig;en. Bei der Gelegenheit &uuml;berreichte Vizemarschall Jo, der offiziell den Titel &bdquo;Erster Vizevorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission der Demokratischen Volksrepublik Korea, DVRK&ldquo; trug, dem Gastgeber einen Brief von Kim mit einer Einladung zum Besuch in Pj&ouml;ngjang. Dann erkl&auml;rte er Clinton: &bdquo;Wenn Sie nach Pj&ouml;ngjang kommen, wird Ihnen Kim Jong-Il garantieren, alle Ihre Sicherheitsbed&uuml;rfnisse zu befriedigen.&ldquo;[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>Au&szlig;erdem verpflichteten sich Washington und Pj&ouml;ngjang im Rahmen eines Gemeinsamen Kommuniqu&eacute;s anl&auml;sslich der Jo-Visite zu einer k&uuml;nftigen Politik, &bdquo;die neue Wege jenseits von Feindschaft&ldquo; einschl&auml;gt und beidseitig Gespr&auml;che initiiert, um &bdquo;formell den Koreakrieg zu beenden, indem das Waffenstillstandsabkommen von 1953 durch einen dauerhaften Friedensvertrag ersetzt wird.&ldquo; Als Clinton Pj&ouml;ngjang schlie&szlig;lich im Jahre 2009 als Sonderbeauftragter von US-Pr&auml;sident Barack Obama besuchte, um die Freilassung von zwei amerikanischen Journalisten in der Volksrepublik zu erwirken, unterstrich Kim Jong-Il den Aspekt, dass die Dinge sich seit dem Jahre 2000 positiv h&auml;tten entwickeln k&ouml;nnen, w&auml;re der damalige demokratische Pr&auml;sidentschaftskandidat Al Gore anstelle des republikanischen Herausforderers George W. Bush ins Wei&szlig;e Haus eingezogen. Eine Notiz &uuml;ber das Treffen zwischen Clinton und Kim, die sich in den von WikiLeaks im Oktober 2016 ver&ouml;ffentlichten Emails befand, zitierte Kim Jong-Il mit den Worten: &bdquo;[F]alls die Demokraten im Jahr 2000 gewonnen h&auml;tten, h&auml;tte die Situation in den bilateralen Beziehungen nicht eine solche Zuspitzung erfahren. Vielmehr w&auml;ren alle Vereinbarungen erf&uuml;llt worden, die DVRK h&auml;tte Leichtwasserreaktoren erhalten und die Vereinigten Staaten h&auml;tten einen neuen Freund in Nordostasien in einer komplexen Welt gehabt.&ldquo;[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>Perry und seine Kollegen sind bis heute davon &uuml;berzeugt, dass ein solches Szenario um die Jahreswende 2000\/2001 tats&auml;chlich reale Erfolgschancen gehabt h&auml;tte.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Selbst die Europ&auml;ische Union unterst&uuml;tzte von Beginn an die &bdquo;Sonnenscheinpolitik&ldquo; Kim Dae-Jungs und engagierte sich auch im Rahmen des &bdquo;Agreed Framework&ldquo;, zu dessen Umsetzung eigens die <em>Korean Peninsula Energy Development Organisation<\/em> (KEDO) aus der Taufe gehoben wurde. 1997 trat die Europ&auml;ische Union KEDOs Executive Board bei und leistete zwischen 1996 und 2000 j&auml;hrlich 15 Milionen ECU an nichtr&uuml;ckzahlbaren Zusch&uuml;ssen. Die ebenfalls 1997 durch ein Assoziierungsabkommen Mitglied der KEDO gewordene EURATOM stellte dem Konsortium bis 2001 zus&auml;tzlich umgerechnet 75 Millionen Euro an Beitragsgeldern zur Verf&uuml;gung. &Uuml;ber diese Beteiligung an KEDO hinaus lieferte die EU Nahrungsmittel und humanit&auml;re Hilfe nach Nordkorea, deren Umfang allein im Zeitraum von 1995 bis 2002 umgerechnet rund 180 Millionen Euro betrug.<\/p><p><strong>Backlash unter Bush &ndash; Einpeitscher Bolton<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend zu Beginn des Jahres 2001 alle Zeichen auf Entspannung in Korea standen, geriet die Situation nach dem Amtsantritt von George W. Bush ins Wanken. Selten d&uuml;rfte im Wei&szlig;en Haus ein Gast, dazu noch ein gerade mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnetes Staatsoberhaupt, derma&szlig;en br&uuml;skiert worden sein, wie dies Anfang M&auml;rz 2001 dem s&uuml;dkoreanischen Pr&auml;sidenten Kim Dae-Jung widerfuhr. Pr&auml;sident Bush nannte bei diesen Gespr&auml;chen Nordkorea unvermittelt und unverbl&uuml;mt einen &bdquo;Bedrohungsfaktor in Ostasien&ldquo;, mit dem Gespr&auml;che ausgesetzt und erst nach einer kompletten Neubestimmung der US-Asienpolitik wieder aufgenommen w&uuml;rden. Als er auch noch den innerkoreanischen Dialog in Zweifel zog, diesen sogar als &bdquo;naiv&ldquo; abstempelte, standen Kim Dae-Jung samt Entourage wie begossene Pudel da. Einen Tag zuvor, am 6. M&auml;rz 2001, hatte Au&szlig;enminister Colin Powell den noch zuversichtlich gestimmten G&auml;sten aus Seoul versichert, er werde &bdquo;die vielversprechenden Elemente der Nordkorea-Politik seiner Vorg&auml;ngerin weiter entwickeln.&ldquo;<\/p><p>Einer, der sich mit Verve daf&uuml;r eingesetzt und &ouml;ffentlich damit gebr&uuml;stet hatte, die Ann&auml;herung zwischen Washington und Pj&ouml;ngjang um den Jahreswechsel 2000\/2001 zunichte gemacht zu haben, ist John R. Bolton. Der seit dem 9. April 2018 als Donald Trumps neubestallter Nationaler Sicherheitsberater der USA fungierende Bolton ist das, was man mit Verlaub einen &bdquo;Superfalken&ldquo; nennen k&ouml;nnte. F&uuml;r ihn ist und bleibt Amerika die Supermacht Nummer Eins[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>], die im UN-Sicherheitsrat den tats&auml;chlichen Machtverh&auml;ltnissen in der Welt entsprechend als einziges st&auml;ndiges Mitglied vertreten sein sollte. Als strammer Unterst&uuml;tzer des politisch erzkonservativen Establishments in Israel meinte Bolton als Gastredner auf dem Parteitag der britischen Conservative Party in Blackpool im Oktober 2007 mit Blick auf den Iran: &bdquo;Die USA hatten einst die F&auml;higkeit, in verdeckter Weise einen Sturz von Regierungen einzuf&auml;deln. Ich w&uuml;nschte, wir k&ouml;nnten dies wieder haben.&ldquo;[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Bez&uuml;glich des Whistleblowers Edward Snowden lie&szlig; sich Bolton zu der Bemerkung hinrei&szlig;en, dieser h&auml;tte es verdient, &bdquo;an einer hohen Eiche aufgeh&auml;ngt zu werden.&ldquo;[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p>Diese krude Weltsicht und Geistesverwandtschaft teilt &uuml;brigens CIA-Direktor Michael R. Pompeo, der zeitgleich mit Boltons Amtsantritt als Nationaler Sicherheitsberater US-Au&szlig;enminister Rex Tillerson abl&ouml;sen sollte. Pompeo ist &uuml;berdies gegen die Schlie&szlig;ung des Gefangenenlagers in Guant&aacute;namo Bay[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] und f&uuml;r eine kompromisslos harte Linie vis-&agrave;-vis Nordkorea: &bdquo;Es w&auml;re gro&szlig;artig, die Halbinsel atomwaffenfrei zu machen und die ganzen Waffen von dort wegzubekommen, aber die Sache ist die, dass das Gef&auml;hrlichste dabei der Charakter jenes Mannes (gemeint ist Kim Jong-Un &ndash; RW) ist, der sie derzeit kontrolliert.&ldquo;[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Da Pompeo aber selbst in den Reihen seiner eigenen Republikanischen Partei wegen dieser Positionen h&ouml;chst umstritten ist und sich seine offizielle Ernennung zum Tillerson-Nachfolger durch den Ausw&auml;rtigen Ausschuss des US-Senats hinausz&ouml;gert, d&uuml;rfte die von Pr&auml;sident Trump abgesegnete Geheimmission seines verschlagenen CIA-Mannes in Pj&ouml;ngjang &uuml;ber die Ostertage einem wohlkalkulierten politischen Kalk&uuml;l entsprochen haben.[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/p><p>Bolton war bereits am 11. Mai 2001 als Staatssekret&auml;r f&uuml;r R&uuml;stungskontrolle und Internationale Sicherheit vereidigt worden. In dieser Funktion war er 2003 US-Delegationsmitglied bei den von der politischen F&uuml;hrung in Beijing gesponserten &bdquo;Sechsparteiengespr&auml;chen&ldquo; zur Entsch&auml;rfung des Atomkonflikts mit Nordkorea. (An dieser von 2003 bis 2009 w&auml;hrenden Gespr&auml;chsrunde nahmen neben Gastgeber China die USA, Japan, Russland und die beiden Korea teil.) Aus dieser Delegation, die seinerzeit vom US-amerikanischen Verhandlungsf&uuml;hrer James A. Kelly, von 2001 bis 2005 verantwortlich im US-Au&szlig;enministerium f&uuml;r ostasiatische und pazifische Angelegenheiten, geleitet wurde, wurde Bolton entlassen, nachdem er Kim Jong-Il &ouml;ffentlich den &bdquo;tyrannischen Diktator&ldquo; eines Landes, in dem f&uuml;r viele &bdquo;das Leben ein h&ouml;llischer Albtraum&ldquo; sei, genannt hatte.   Unverz&uuml;glich lie&szlig; das nordkoreanische Au&szlig;enministerium &uuml;ber die amtliche Nachrichtenagentur KCNA vermelden, Bolton sei ein &bdquo;menschlicher Abschaum (scum) und Blutsauger, der f&uuml;r die Teilnahme an diesen Gespr&auml;chen ungeeignet ist.&rdquo; Bolton h&auml;tte es am liebsten gesehen, w&auml;re Washington gegen Nordkorea milit&auml;risch vorgegangen, eine Position, die er bis heute verficht.<\/p><p>Vor allem die in Washington vor und nach der Irak-Invasion (2003) wiederholte Forderung eines notwendigen &bdquo;Regimewechsels&ldquo; im Falle unilateral ausgemachter &bdquo;Schurkenstaaten&ldquo; lie&szlig; die Alarmglocken in Pj&ouml;ngjang schrillen. Unverz&uuml;glich brachen alte (Kriegs-)Wunden wieder auf. Die nordkoreanische F&uuml;hrung brandmarkte im Staatsrundfunk und in der &bdquo;Rodong Shinmun&ldquo;, dem Zentralorgan der PdAK, die USA als eine &bdquo;Nation von Kannibalen&ldquo; und warnte Washington vor provokativen Aktionen. Nachdem Pr&auml;sident Bush im Januar 2002 nebst Iran und Irak auch Nordkorea als Teil einer &bdquo;Achse des B&ouml;sen&rdquo; postuliert hatte, ersetzte er im September 2002 die traditionelle Politik der Eind&auml;mmung durch eine neue Strategie pr&auml;ventiver Milit&auml;rschl&auml;ge. Am liebsten w&uuml;rde er das Regime in Pj&ouml;ngjang st&uuml;rzen, lie&szlig; Bush verlautbaren. Die Regierung Nordkoreas reagierte prompt, verwies die Inspektoren der Internationalen Atomenergie-Beh&ouml;rde des Landes, belud den Atomreaktor in Yongbyon mit neuen Brennst&auml;ben und erkl&auml;rte den Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag.<\/p><p>Unter diesen Umst&auml;nden geriet die Nordkorea-Politik in der Anfangsphase der Amtszeit von S&uuml;dkoreas Pr&auml;sident Roh Moo-Hyun (2003-2008), der Kim Dae-Jung nachfolgte, in arge Schwierigkeiten. Sie trug den Namen &bdquo;Politik f&uuml;r Frieden und Prosperit&auml;t&ldquo; und wurde von Roh explizit als Fortsetzung der &bdquo;Sonnenscheinpolitik&ldquo; verstanden. W&auml;hrend Kim Dae-Jung von der Clinton-Regierung keine nennenswerten Widerst&auml;nde gedroht hatten, setzten die Feldz&uuml;ge gegen die &bdquo;Achse des B&ouml;sen&ldquo; die Roh-Regierung derma&szlig;en unter Druck, dass das zweite, ebenfalls in Pj&ouml;ngjang abgehaltene innerkoreanische Gipfeltreffen erst kurz vor dem Ende seiner Amtszeit &ndash; am 4. Oktober 2007 &ndash; zustande kam, weniger Aufmerksamkeit erheischte und der bilateralen Kooperation keine neue Dynamik zu verleihen vermochte.<\/p><p><strong>Trotz Meinungsunterschiede bleibt der Gespr&auml;chskorridor offen<\/strong><\/p><p>Vor allem gelang es nicht, die erheblichen Meinungsunterschiede in Pj&ouml;ngjang und Seoul &uuml;ber die &bdquo;N&ouml;rdliche Grenzlinie&ldquo; (&bdquo;Northern Limit Line&ldquo;, NLL) im Gelben Meer zu &uuml;berwinden. Die NLL wird von Nordkorea nicht anerkannt, w&auml;hrend S&uuml;dkorea sie als de facto-Grenzlinie im Gelben Meer zwischen beiden L&auml;ndern betrachtet. Im Sommer 1953 war bei den z&auml;hen Verhandlungen zum Waffenstillstandsabkommen zwischen den UN-Truppen unter US-amerikanischem Kommando und der nordkoreanischen Volksarmee zun&auml;chst nur die Demarkationslinie auf dem Lande festgelegt worden. Die Festlegung der Seegrenzen im Gelben Meer wurde hingegen vertagt. Aus diesem Grunde ist die im Jahre 1970 von S&uuml;dkorea einseitig proklamierte NLL durch Nordkorea nie als verbindliche Grenze zwischen beiden Staaten akzeptiert worden.<\/p><p>Gegen Ende der von S&uuml;dkorea ein Jahrzehnt lang verfolgten &bdquo;Sonnenscheinpolitik&ldquo; (1998-2008) war man letztlich wieder dort angelangt, wo man bereits vierzehn Jahre zuvor im Rahmen des <em>Agreed Framework<\/em> gestanden hatte. Mit dem allerdings gewichtigen Unterschied, dass zwischenzeitlich die Gewaltspirale nach oben geschraubt worden war und Pj&ouml;ngjang im Sinne einer nuklearen Lebensversicherung zielstrebig darauf hinarbeitete, als neunte Atommacht den USA potenziell Paroli bieten zu k&ouml;nnen. Kim Jong-Uns Avancen seit seiner diesj&auml;hrigen vielbeachteten Neujahrsansprache gegen&uuml;ber dem s&uuml;dkoreanischen Pr&auml;sidenten Moon Jae-In, der sich seinerseits offen f&uuml;r eine Wiederbelebung der &bdquo;Sonnenscheinpolitik&ldquo; ausspricht, haben Pj&ouml;ngjangs Au&szlig;enpolitik und Diplomatie zweifellos gest&auml;rkt.<\/p><p>Und s&auml;mtlichen bis dato gegen Nordkorea verh&auml;ngten internationalen Sanktionen zum Trotz vermochte auch die VR China ihr politisches Gewicht in die Waagschale zu werfen und selbstbewusst ihre Position in dem Konflikt zu st&auml;rken. Tats&auml;chlich ist und bleibt die Volksrepublik China Nordkoreas engster politischer und wirtschaftlicher Verb&uuml;ndeter. Eine Grundlage daf&uuml;r ist die Waffenbr&uuml;derschaft, die w&auml;hrend des dreij&auml;hrigen Koreakriegs bestand, in dem auch ein Sohn Mao Zedongs sein Leben verlor. Ein anderer Grund ist der Freundschafts- und Beistandspakt zwischen beiden Staaten vom 11. Juli 1961. Au&szlig;erdem hat Nordkorea zumindest in der Vergangenheit vom gro&szlig;en Nachbar Erd&ouml;l, Lebensmittel und andere G&uuml;ter des t&auml;glichen Bedarfs bezogen, ohne die die Regierung in Pj&ouml;ngjang schwerlich h&auml;tte &uuml;berleben k&ouml;nnen. Deren Destabilisierung h&auml;tte auch f&uuml;r China unabsehbare Konsequenzen, die Beijing tunlichst vermeiden will. So verwundert es nicht, dass Kims erste Auslandsreise ihn Ende M&auml;rz per Sonderzug nach Beijing f&uuml;hrte, wo ein selbstbewusster und international gest&auml;rkter Pr&auml;sident Xi Jinping ihn ehrenvoll empfing. Xi hatte es nicht n&ouml;tig, US-Pr&auml;sident Donald Trump im Vorfeld dieser Visite zu informieren.<\/p><p><strong>Was ist von den beiden bevorstehenden Gipfeltreffen zu erwarten?<\/strong><\/p><p>Mit Blick auf den innerkoreanischen Gipfel, der am 27. April im Grenzort Panmunjom avisiert ist, besteht nach mehreren gegenseitigen Besuchen im Vorfeld, w&auml;hrend und nach den Olympischen Winterspielen im s&uuml;dkoreanischen Pyeongchang die reale Chance, einer vierten Ann&auml;herung ungeahnte Dynamik zu verleihen. Die gr&ouml;&szlig;te Unbekannte dabei bleibt, welche Position diesmal die selbsterkl&auml;rte &bdquo;Schutzmacht&ldquo; S&uuml;dkoreas, die USA, einnimmt. Mit Bolton und Pompeo hat sich Trump ein &bdquo;Falken-Duo&ldquo; auf die Arme gesetzt, sodass, bliebe es bei seiner unnachgiebigen, bellikosen und &bdquo;irren&ldquo; (McGovern) Haltung vis-&agrave;-vis dem Regime in Pj&ouml;ngjang, m&ouml;glicherweise sogar im letzten Moment das f&uuml;r Mai\/Anfang Juni anberaumte Gipfeltreffen zwischen Pr&auml;sident Trump und Nordkoreas Staatschef Kim verschoben oder torpediert wird.<\/p><p>Zumindest bis vor Kurzem galt im politischen Washington als ausgemacht, eine nukleare Abr&uuml;stung (<em>denuclearization<\/em>) seitens Nordkoreas sei undenkbar, weil Kim eine solche Idee strikt ablehne. Entsprechend h&auml;tten, konstatierte k&uuml;rzlich der Historiker und Publizist Gareth Porter in einem lesenswerten Aufsatz, &bdquo;die politischen Eliten und f&uuml;hrenden Sicherheitsstrategen in den USA lange Zeit die Vorstellung akzeptiert, Washington habe nur zwei Optionen: entweder ein atomar bewaffnetes Korea zu akzeptieren oder &sbquo;maximalen Druck&rsquo; auszu&uuml;ben &ndash; und dabei einen Krieg zu riskieren. Doch wie S&uuml;dkoreaner jetzt feststellen konnten, ist diese Auffassung grundfalsch. Kim Jong-Un f&uuml;hlt sich immer noch der urspr&uuml;nglichen Vision eines atomaren Abr&uuml;stungsabkommens mit den Amerikanern verpflichtet, die sein Vater vor dessen Tod im Jahr 2011 zu verwirklichen versucht hatte. Die richtige Frage lautet: Sind die Trump-Regierung und das politische System in den USA bereit und in der Lage, diese M&ouml;glichkeit zu nutzen?&ldquo;[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><p>Der vollst&auml;ndige Bericht, den Chung Eui-Yong, S&uuml;dkoreas Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates und Nordkorea-Sondermiss&auml;r von Pr&auml;sident Moon Jae-In, Anfang M&auml;rz &uuml;ber sein Treffen mit Kim Jong-Un gab (ver&ouml;ffentlicht von S&uuml;dkoreas Presseagentur <em>Yonhap<\/em>[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>], nicht jedoch in westlichen Medien), macht klar, dass Kim Pr&auml;sident Trump einen Plan &uuml;ber die vollst&auml;ndige atomare Abr&uuml;stung &uuml;berreichen will, und zwar in Verbindung mit einer Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea. Laut Chungs Report &uuml;ber ein Essen, zu dem Kim Jong-Un eine zehnk&ouml;pfige s&uuml;dkoreanische Delegation am 5. M&auml;rz in Pj&ouml;ngjang eingeladen hatte, bekr&auml;ftigte Nordkoreas Staatschef dabei sein &bdquo;Bem&uuml;hen um die nukleare Abr&uuml;stung der Koreanischen Halbinsel&ldquo;. Er w&uuml;rde &bdquo;keinen Grund haben, Atomwaffen zu besitzen, falls die Sicherheit seiner Regierung garantiert und milit&auml;rische Drohungen gegen Nordkorea zur&uuml;ckgenommen w&uuml;rden&ldquo;.[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]<\/p><p>Chung berichtete weiter, Kim habe seine Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, &bdquo;Wege zur atomaren Abr&uuml;stung der Halbinsel und zur Normalisierung beidseitiger (USA-DVRK) Beziehungen&ldquo; zu diskutieren. Schlie&szlig;lich hob Chung in seinem Report als zentralen Punkt hervor, man m&uuml;sse &bdquo;besondere Aufmerksamkeit auf die Tatsache richten, dass (Kim Jong-Un) klarstellte, die nukleare Abr&uuml;stung der Koreanischen Halbinsel sei eine Anweisung seines Vorg&auml;ngers und es habe keinerlei &Auml;nderung einer solchen Anweisung gegeben.&ldquo;<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Dr. <strong>Rainer Werning<\/strong>, Politikwissenschaftler &amp; Publizist mit den Schwerpunkten Ost- und S&uuml;dostasien, ist u.a. Koautor des j&uuml;ngst in der Edition Berolina erschienenen Buches Brennpunkt Nordkorea.<\/em><\/p><p><em>Bild: openclipart.com, CC0 1.0 Universal<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Rainer Werning: Zerplatzter Traum, in: Rainer Werning\/Helga Picht &ndash; Brennpunkt Nordkorea, Berlin 2018, S. 162 f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Bruce Cumings: Kehrtwende in den USA: Washingtons Spannungspolitik in Ostasien, in: Le Monde diplomatique (dtsch. Ausg.). Berlin\/Z&uuml;rich, Mai 2001, S. 5<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] 38north.org &ndash; <a href=\"https:\/\/www.38north.org\/2010\/11\/jomyongrok_chinoy\/\">No Hostile Intent: A Look Back at Kim Jong Il&rsquo;s Dramatic Overture to the Clinton Administration<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] japantimes.co.jp &ndash; <a href=\"https:\/\/www.japantimes.co.jp\/news\/2016\/10\/30\/world\/politics-diplomacy-world\/hacked-memo-reveals-details-bill-clintons-2009-meeting-north-koreas-kim-jong-il\/#.Wqihkb3wbZs\">Hacked memo reveals details of Bill Clinton&rsquo;s 2009 meeting with North Korea&rsquo;s Kim Jong Il<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Julian Borger: Two minutes to midnight: did the US miss its chance to stop North Korea&rsquo;s nuclear programme?, in: The Guardian vom 30. M&auml;rz 2018<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] John R. Bolton: Surrender Is Not an Option: Defending America at the United Nations and Abroad, New York 2007. &ndash; Diese Memoiren verfasste Bolton nach seiner Amtszeit als US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, die vom 1. August 2005 bis Dezember 2006 w&auml;hrte.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Bolton wirbt bei Tories f&uuml;r Angriff auf Iran, in: Der Standard (Wien) vom 6. Oktober 2007. &ndash; Siehe dazu auch den erhellenden Beitrag &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43363\">Die kommende Attraktion: Der Irre ist los im Westfl&uuml;gel<\/a>&ldquo; aus der Feder von Ray McGovern vom 9. April 2018<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Mollie Reilly: John Bolton: Edward Snowden &sbquo;Ought To Swing From A Tall Oak Tree&rsquo;&ldquo;, in: The Huffington Post vom 17. Dezember 2013<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Andrew Buncombe: Mike Pompeo profile: Donald Trump&rsquo;s pick for CIA director and an advocate for the return of waterboarding, in: The Independent vom 18. November 2016<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Max Greenwood: CIA chief &lsquo;hopeful&rsquo; for change in North Korea, in: The Hill vom 21. Juli 2017<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Shane Harris, Carol D. Leonnig, Greg Jaffe and David Nakamura: CIA Director Pompeo met with North Korean leader Kim Jong Un over Easter weekend, in: The Washington Post vom 18. April 2018<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] original.antiwar.com &ndash; <a href=\"https:\/\/original.antiwar.com\/porter\/2018\/03\/16\/south-korean-report-on-summit-discredits-us-elites-assumption\/\">South Korean Report on Summit Discredits US Elites&rsquo; Assumption<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] yonhapnews.co.kr &ndash; <a href=\"http:\/\/english.yonhapnews.co.kr\/national\/2018\/03\/06\/0301000000AEN20180306013055315.html\">(5th LD) Koreas agree to hold third summit in April, reaffirm resolve to denuclearize<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Bereits in seinem kenntnisreichen Report Disarming Strangers: Nuclear Diplomacy with North Korea (Princeton 1998) berichtete Leon V. Sigal, &bdquo;die Vereinigten [hatten] bei sieben Gelegenheiten eindeutige nukleare Drohungen gegen die DVRK ausgesprochen.&ldquo; &ndash; Sigal ist Direktor des Northeast Asia Cooperative Security Project beim Social Science Research Council in New York.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180423-KOREA-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Der innerkoreanische Gipfel am 27. April sowie das erste Zusammentreffen der Staatschefs der USA und Nordkoreas im Folgemonat k&ouml;nnten die vierte, diesmal erfolgreiche Phase einer Ann&auml;herung auf der Koreanischen Halbinsel einleiten. Es sei denn, politische Hardliner in Washington ersinnen im entscheidenden Moment erneut Mittel<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43639\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,20],"tags":[1572,1519,2315,368,379,1093,2013,2143,2301,1485,2333,1983,2132,1800,1556],"class_list":["post-43639","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-landerberichte","tag-abruestung","tag-atomwaffen","tag-bolton-john","tag-bush-george-w","tag-china","tag-clinton-bill","tag-entspannungspolitik","tag-kim-jong-un","tag-konfrontationspolitik","tag-nordkorea","tag-pompeo-mike","tag-suedkorea","tag-sozialismus","tag-trump-donald","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43639","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=43639"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43639\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":121820,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43639\/revisions\/121820"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=43639"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=43639"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=43639"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}