{"id":43697,"date":"2018-04-28T11:45:15","date_gmt":"2018-04-28T09:45:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43697"},"modified":"2019-05-20T07:44:31","modified_gmt":"2019-05-20T05:44:31","slug":"wir-wollen-nicht-alleinherrscher-sein-von-mohssen-massarrat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43697","title":{"rendered":"Wir wollen nicht Alleinherrscher sein. Von Mohssen Massarrat."},"content":{"rendered":"<p>Der Schlagabtausch zwischen dem israelischen Ministerpr&auml;sidenten Benjamin Netanjahu und dem iranischen Au&szlig;enminister Javad Sarif auf der 54. M&uuml;nchener Sicherheitskonferenz fand wieder einmal gro&szlig;e mediale Resonanz. Manche Zeitungen haben ihn sogar als das Ereignis dieser international viel beachteten Tagung hochstilisiert. W&auml;hrend in der Berichterstattung den gegenseitigen Attacken der Kontrahenten gro&szlig;er Raum gegeben wurde, &uuml;bersahen die Medien schlicht die eigentlich wichtige Botschaft des iranischen Au&szlig;enministers Sarif: &bdquo;Wir wollen eine starke Region. Was wir nicht wollen, ist ein Alleinherrscher in der Region zu sein.&ldquo; Diese Ansage stellt m. E. eine richtungsweisende Kehrtwende von der bisher g&uuml;ltigen Doktrin des Irans dar, die erste Macht, also &bdquo;Alleinherrscher&ldquo;, in der Region anstreben zu wollen. Seit der Ank&uuml;ndigung dieses Ziels im 25-Jahre-Perspektivplan 1996-2021 (nach iranischem Kalender 1375-1400) unter dem Pr&auml;sidenten Rafsanjani entstanden bei Irans Nachbarstaaten tiefe Verunsicherung und gro&szlig;es Misstrauen gegen&uuml;ber Iran, dem Land also, das wegen seiner territorialen Gr&ouml;&szlig;e, seiner Bev&ouml;lkerungszahl und seiner Ressourcen ohnehin eine Gro&szlig;macht darstellt. Mit ihren gro&szlig;kotzig wie g&auml;nzlich &uuml;berfl&uuml;ssigen Alleinherrschafts-Ambitionen lieferte der Iran den USA und derem milit&auml;r-industriellen Komplex den handfesten Grund frei Haus, Irans arabische Nachbarl&auml;nder zur Aufr&uuml;stung zu animieren. Von <strong>Mohssen Massarrat<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Das Wettr&uuml;sten in der Region wurde seit langem gesch&uuml;rt<\/strong><\/p><p>Das Wettr&uuml;sten im Mittleren und Nahen Osten, das seit Mitte der 1970er Jahre andauernd angestachelt und auf eine immer h&ouml;here Stufe gehoben wird, stellt bei n&auml;herem Hinsehen die Wurzeln s&auml;mtlicher Konflikte und Kriegsverbrechen dar, die seit beinahe vier Dekaden in dieser Region stattgefunden haben. Es begann mit den sprunghaft steigenden &Ouml;lpreisen in 1973\/74 und den daraus hervorgegangenen Devisenungleichgewichten. F&uuml;r das neu entstandene Problem der Devisen&uuml;bersch&uuml;sse der gr&ouml;&szlig;ten Opec-Staaten Iran, Saudi Arabien, Irak und anderen &Ouml;lstaaten einerseits und der Devisendefizite des Westens andererseits erfand man rasch die L&ouml;sung &bdquo;&Ouml;l gegen Waffen&ldquo;. Diese &bdquo;L&ouml;sung&ldquo; sollte sich aber als ein &auml;u&szlig;erst lukratives Gesch&auml;ft f&uuml;r die westliche R&uuml;stungsindustrie erweisen, aber gleichzeitig auch als ein h&ouml;chst kriegstr&auml;chtiges Mittel f&uuml;r den Mittleren Osten &ndash; mit &uuml;ber 2 Mio. Todesopfern, Hunderttausenden Kriegsfl&uuml;chtlingen und mehreren Tausenden Mrd. US-Dollar Sachsch&auml;den. Zu allererst haben die USA ab 1975 das Schah-Regime im Iran &ndash; ihr wichtigster Verb&uuml;ndeter jener Zeit &ndash; mit den modernsten Waffen ausger&uuml;stet und zur st&auml;rksten Milit&auml;rmacht am Persischen Golf erkoren. W&auml;hrend Irans R&uuml;stungsausgaben im Zeitraum 1975-1980 von 2.053 auf 6.229 Mrd. Dollar auf mehr als das Dreifache anstiegen, erh&ouml;hte der Irak seine R&uuml;stungsausgaben im selben Zeitraum von 0.324 auf 2.080 Mrd. Dollar &ndash; also auf mehr als das Sechsfache. Dieses erste Wettr&uuml;sten ersch&uuml;tterte die inneren und &auml;u&szlig;eren Machtverh&auml;ltnisse in der Region. 1979 wurde das Schah-Regime durch die Islamische Revolution gest&uuml;rzt und dessen ihm ergebene Armee zerschlagen. Iraks Diktator Saddam Hussein nutzte das entstandene Machtvakuum und besetzte in einem Blitzkrieg 1981 die s&uuml;diranische &Ouml;lregion. Der iranisch-irakische R&uuml;stungswettlauf in den 1970er Jahren hat damit nicht nur den ersten acht Jahre andauernden Golfkrieg ausgel&ouml;st, sondern auch zwei weitere Golfkriege in 1991 und 2003 mit verursacht, die schlie&szlig;lich zum Sturz des irakischen Diktators f&uuml;hrten. Auch die sich anschlie&szlig;ende R&uuml;stungseskalation und das iranische Atomprogramm sowie die Entstehung des &bdquo;Islamischen Staates&ldquo; resultierten aus den vorausgegangenen blutigen Kriegsgeschehen im Mittleren Osten.<\/p><p>Dank Obama und Irans Reformkr&auml;ften konnte zwar mit dem Iran-Atomabkommen ein erster wichtiger Schritt gegen die laufende R&uuml;stungseskalation unternommen werden. Gleichzeitig hat Obama jedoch Saudi Arabien mit dem Verweis auf die milit&auml;rische &Uuml;berlegenheit Irans seit 2011 milit&auml;risch massiv aufger&uuml;stet und dieses Land zum viertgr&ouml;&szlig;ten Waffenimporteur und dem Land mit dem h&ouml;chsten Anteil von Milit&auml;rausgaben am BIP in der Welt gemacht. Nach Angaben von SIPRI sind die Milit&auml;rausgaben Saudi Arabiens von 29.5 Milliarden US Dollar in 2011 auf 80 Milliarden US Dollar in 2015 gestiegen. Eine solche Aufr&uuml;stung in diesen wenigen Jahren hat es in der Geschichte des Landes noch nie gegeben. Donald Trump setzte diese R&uuml;stungspolitik seines Vorg&auml;ngers fort und entfachte mit dem neuen, 100 Milliarden umfassenden R&uuml;stungsdeal mit Riad im Mai 2017 einen neuen R&uuml;stungswettlauf, der den zwischen Iran und Irak von vor &uuml;ber 30 Jahren bei weitem in den Schatten stellt. Dieser enth&auml;lt das Potential, einen neuen Fl&auml;chenbrand zu entfachen, der den Mittleren Osten f&uuml;r Jahrzehnte zur&uuml;ckwerfen und den bestehenden Kreislauf &Ouml;l und Blut gegen Waffen bis in die n&auml;chsten Jahrzehnte verl&auml;ngern w&uuml;rde. Trump hat zudem auch das Iran-Atomabkommen radikal in Frage gestellt und den drei europ&auml;ischen Staaten Gro&szlig;britannien, Frankreich und Deutschland bis zum 12. Mai 2018 eine Frist gesetzt, das Abkommen mit dem Iran grundlegend zu modifizieren. Die von ihm angeprangerten Aspekte, die in das Abkommen zus&auml;tzlich aufgenommen werden m&uuml;ssten, umfassen vier Bereiche:<\/p><p>Erstens die Begrenzung der Reichweite der iranischen Raketen, zweitens den umfassenden Zugang der internationalen Atomenergiebeh&ouml;rde zu allen milit&auml;rischen Einrichtungen des Irans, Unterlassung aller milit&auml;rischen Aktivit&auml;ten und Einflussnahmen Irans in der Region und viertens die Annullierung der Begrenzung des Abkommens auf 10 Jahre. Viele Experten sind sich darin einig, dass der Iran derart weitreichende Forderungen Trumps wird kaum akzeptieren k&ouml;nnen. Eine Ablehnung dieser Forderungen oder gar die Aufk&uuml;ndigung des Abkommens seitens der Islamischen Republik hat Trump in seiner Iran-Strategie m&ouml;glicherweise eingeplant. Tats&auml;chlich w&uuml;rde er den inneriranischen Gegnern des Abkommens wirkungsvolle Argumente in die Hand geben, die dazu dienen, die Regierung Rohanis zur Aufk&uuml;ndigung des Abkommens zu dr&auml;ngen. Damit h&auml;tte die US-Regierung den handfesten Grund, ein Scheitern des Abkommens Iran in die Schuhe zu schieben und die internationale &Ouml;ffentlichkeit auf einen Krieg einzustimmen. Die Gefahr einer Neuauflage des USA-Iran-Konflikts, der schon unter George W. Busch in 2006 beinahe zu einem Krieg gegen Iran gef&uuml;hrt h&auml;tte, ist leider erneut gestiegen. Umso besorgniserregender ist, dass Trump sich mit der Ernennung von zwei erkl&auml;rten Iran-Gegnern, John Bolton zum Chef des Nationalen Sicherheitsrats und Mike Pompeo zum neuen Au&szlig;enminister, offensichtlich auf einen Konfrontationskurs zu Iran begibt. Auch Trumps unerwartete Kurs&auml;nderung zu Nordkorea, so erfreulich diese auch ist, k&ouml;nnte dahingehend interpretiert werden, dass die US-Regierung sich demn&auml;chst schwerpunktm&auml;&szlig;ig auf einen Crash-Kurs mit Iran konzentrieren will. Denn es gibt keinen einzigen Staat in der Welt, der eine Konfliktentsch&auml;rfung mit Nordkorea nicht unterst&uuml;tzen w&uuml;rde. Dagegen unterlassen Israel und Saudi Arabien, Hauptverb&uuml;ndete der USA im Mittleren und Nahen Osten, keinen Versuch, um die USA zu einer gewaltsamen Konfrontation mit Iran zu ermuntern.<\/p><p><strong>Neuorientierung der iranischen Regionalpolitik<\/strong><\/p><p>Vor diesem Hintergrund spricht einiges daf&uuml;r, dass Irans Regierung nunmehr gegensteuern will und vor allen Dingen die EU gegen ein solches Szenario einbinden will. Die Korrektur des historischen Fehlers, die st&auml;rkste Macht in der Region werden zu wollen, scheint zu diesem Zweck ein intern abgestimmter erster Schritt zu sein. Bemerkenswert ist auch die Ansage des iranischen Au&szlig;enministers, was Iran anstelle von &bdquo;Alleinherrscher&ldquo; anstrebt. &bdquo;Der Iran tritt f&uuml;r ein neues System kollektiver Sicherheit im Nahen und Mittleren Osten ein&ldquo;, f&uuml;gte Sarif in der M&uuml;nchener Sicherheitskonferenz hinzu[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. Das sind also neue und im Grunde auch sensationelle T&ouml;ne, die eine sinnvolle Perspektive eines dauerhaften Friedens in der Region er&ouml;ffnet. Eine in ihrem Wesen wirkungsvolle Friedensperspektive ist m. E. auch die beste Reaktion auf Trumps Streben nach einem neuen Krieg in der seit vierzig Jahren durch Kriege, Zerst&ouml;rung und &uuml;ber 2 Millionen Tote geschundenen Region. Diese Alternative w&uuml;rde ferner auch unter Beweis stellen, dass es gegen einen Krieg immer eine Friedensoption gibt, durch die  die Kriegsstrategien, so hinterlistig sie auch geplant sein m&ouml;gen, durchkreuzt und sogar in Friedensperspektiven umgelenkt werden k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Die Rolle der EU und des Irans<\/strong><\/p><p>Das Konzept einer gemeinsamen Sicherheit f&uuml;r die gr&ouml;&szlig;te Krisenregion der Welt hatte schon immer seine Berechtigung. Heute ist sie zu einer zwingenden friedenspolitischen Aufgabe ersten Ranges geworden. Die Durchsetzung dieser Strategie bedarf allerdings einer internationalen Anstrengung. Die EU h&auml;tte dabei die Gelegenheit, diese durch einen der wichtigsten Staaten des Mittleren Ostens in die Debatte geworfene Option positiv aufzugreifen und mit allen Mitteln zu unterst&uuml;tzen. Sie h&auml;tte mit einem solchen Schritt vielleicht sogar auch die historische Chance, ihre Iran- und Mittelostpolitik auf neue und von den Vereinigten Staaten unabh&auml;ngige Gleise zu stellen und die Grundlage f&uuml;r eine gegen&uuml;ber den USA wirklich eigenst&auml;ndige Au&szlig;enpolitik aufzubauen.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Alle gegenw&auml;rtigen Konflikte in der Region, der Syrien- und der Kurdistankonflikt, der Israel-Pal&auml;stina-Konflikt und eine allgemeine Abr&uuml;stung aller Waffengattungen einschlie&szlig;lich der Massenvernichtungswaffen, als Gegenentwurf zum unaufh&ouml;rlichen Wettr&uuml;sten, geh&ouml;ren in den Rahmen einer gemeinsamen Sicherheit und &ouml;konomischen Kooperation im Mittleren und Nahen Osten. Nicht nur der Mittlere Osten, sondern auch Europa und der Weltfrieden insgesamt w&auml;ren dann alle die Gewinner dieser konkreten Utopie.<\/p><p>Auch Iran kommt bei dem Aufbau des Konzepts der &bdquo;Gemeinsamen Sicherheit&ldquo; im Mittleren Osten wegen seiner geostrategischen Rolle und Ressourcen eine herausragende Rolle zu. Eine Konflikt entsch&auml;rfende und Krieg verhindernde Strategie aus der Region k&auml;me den kurz- und langfristigen Interessen der EU-Staaten allein wegen der Verhinderung weiterer Masseneinwanderungen von Fl&uuml;chtlingen nach Europa sinnvoll entgegen. Hinzu kommen auch andere gravierende Vorteile f&uuml;r beide Seiten, wie beispielsweise die Intensivierung der &ouml;konomischen Austauschbeziehungen, vor allem im Energiesektor, und bei der langfristigen Energiesicherheit f&uuml;r die EU. Aus diesen und vielen anderen Gr&uuml;nden kann erwartet werden, dass sich in den EU-Staaten die Position derjenigen durchsetzen w&uuml;rde, die gewillt sind, die gegenw&auml;rtige Politik der blinden Gefolgschaft von der US-Mittel- und Nahost-Politik zu l&ouml;sen. Die langfristigen Resultate einer Politik der gemeinsamen Sicherheit im Mittleren und Nahen Osten und die Vertiefung der &ouml;konomischen und kulturellen Beziehungen mit Europa sind so reichhaltig und vielf&auml;ltig, dass sich noch so gro&szlig;e Investitionen in diese Richtung lohnen d&uuml;rften.<\/p><p>Deshalb d&uuml;rfte es bei der blo&szlig;en Ank&uuml;ndigung einer neuen Regionalpolitik der iranischen Regierung nicht bleiben. Irans Regierung sollte in diesem Zusammenhang auch nicht auf ein Wunder warten, zumal alle Kr&auml;fte in der Region mit ihren entschlossenen Handlungen in die gegenteilige Richtung aktiv sind. Entweder &uuml;bernimmt Iran aktiv und entschlossen die Initiative f&uuml;r den Aufbau einer gemeinsamen Sicherheitsarchitektur und dabei auch die Verantwortung f&uuml;r die Durchsetzung dieser epochal einzigartigen Perspektive. Oder diese Perspektive wird nie zustande kommen. Die Vorbereitung dieses Weges schlie&szlig;t &uuml;ber vertrauensbildende Ma&szlig;nahmen hinaus viele Dimensionen ein, von denen im Folgenden beispielhaft einige genannt werden:<\/p><ul>\n<li>Die Erweiterung von Trumps Forderung nach Begrenzung der Reichweite iranischer Raketen in eine Verhandlung &uuml;ber die Begrenzung der Reichweite der Raketen aller Staaten in der Region, einschlie&szlig;lich solcher Raketen von Israel und Saudi Arabien. Dieser Schritt, so er akzeptiert und realisiert w&uuml;rde, k&ouml;nnte zu einem Modell der Abr&uuml;stung f&uuml;r alle anderen Waffensysteme in der Region werden. Wenn jedoch Trump diesen Vorschlag ablehnt, m&uuml;sste er erkl&auml;ren, warum er sich eines solchen Abr&uuml;stungsschritts verweigert, der die Erf&uuml;llung seiner eigenen Forderung einschlie&szlig;t, die Reichweite von Irans Raketen zu begrenzen.<\/li>\n<li>Die Schaffung einer gemeinsamen Kommission aus willigen Staaten der Region und der EU zur Entwicklung geeigneter Ma&szlig;nahmen, um weitere Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me aus der Region nach Europa zu unterbinden. Die EU h&auml;tte angesichts zunehmender Islamfeindlichkeit und gefahrvoller St&auml;rkung rechtspopulistischer Parteien ein dringendes Eigeninteresse an gemeinsamer Arbeit zur Eind&auml;mmung der Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me. Dieses Interesse best&uuml;nde auch langfristig in der Schaffung einer Kriege verhindernden Politik der gemeinsamen Sicherheit im Mittleren und Nahen Osten.<\/li>\n<li>Der Vorschlag eines gegenseitigen Nichtangriffspakts an alle Staaten in der Region.<\/li>\n<li>Die Vorbereitung wichtiger praktischer Ma&szlig;nahmen zur Schaffung von Strukturen der gemeinsamen Sicherheit und &ouml;konomischer und kultureller Kooperation sowie die  Einladung aller willigen Staaten der Region zur aktiven Mitwirkung an den Vorbereitungen f&uuml;r die Realisierung dieses Weges. Dass alle Staaten sich gleichzeitig zur Arbeit an dieser Friedensperspektive bereit erkl&auml;ren w&uuml;rden, d&uuml;rfte bei einer realistischen Einsch&auml;tzung eine Illusion darstellen. Andererseits w&auml;re es ein gro&szlig;er Irrtum und ein unverzeihliches Vers&auml;umnis, nichts zu unternehmen, bis alle Staaten die Vorteile der gemeinsamen Sicherheit und Kooperation erkennen. Daher stellt der Beginn des m&ouml;glicherweise &uuml;ber Jahre oder Jahrzehnte andauernden Prozesses mit den willigen Staaten der Region ein Gebot der Vernunft dar. Dieser Prozess kann jedoch Schritt f&uuml;r Schritt durch den Anschluss von neuen und bereitwilligen Staaten erweitert werden, bis m&ouml;glichst alle Staaten dabei sein werden. Die Bereitwilligkeit m&uuml;sste allerdings durch sinnvolle gemeinsame Projekte, vor allem auf dem Gebiet von Energie-, Wasser- und Gesundheitsversorgung, des Aufbaus von grenz&uuml;berschreitender Infrastruktur, wie Transportwege, Eisenbahnprojekte, Elektrizit&auml;tsleitungen und vieles andere mehr, befl&uuml;gelt werden, um so die Vorteile gemeinsamer Sicherheit und Kooperation f&uuml;r Alle sp&uuml;rbar werden zu lassen.<\/li>\n<li>Neue Anstrengungen, um die von der UN beschlossene Helsinki-Konferenz zur Schaffung einer massenvernichtungswaffenfreien Zone wieder zu beleben. Dazu m&uuml;sste zun&auml;chst der UN-Beschluss dahingehend korrigiert werden, dass die Helsinki-Konferenz auch durch die Beteiligung von bereitwilligen Staaten stattfinden und arbeiten kann[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]. Die Perspektive der Abr&uuml;stung von Massenvernichtungswaffen d&uuml;rfte auch die Integration Israels in die regionale Sicherheitsstruktur erleichtern, damit endlich auch der Weg f&uuml;r die Schaffung eines pal&auml;stinensischen Staates freigemacht wird.<\/li>\n<li>Die Erw&auml;gung, die aktuellen Syrienkonferenzen in Genf und Astara an die Anstrengungen zur Schaffung von Strukturen der gemeinsamen Sicherheit f&uuml;r die gesamte Region zu koppeln.<\/li>\n<\/ul><p><em>Der Autor ist Professor i. R. f&uuml;r Politik und Wirtschaft der Universit&auml;t Osnabr&uuml;ck und lebt in Berlin. Sein aktuelles Buch &bdquo;Braucht die Welt den Finanzsektor . Postkapitalistische Perspektiven&ldquo; erschien 2017 im Hamburger VSA-Verlag.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Sarif ist hier mit der Verwendung des Begriffs &bdquo;kollektive Sicherheit&ldquo; unpr&auml;zise, um nicht zu sagen, einem begrifflichen Fehler aufgesessen. Als &bdquo;kollektive Sicherheit&ldquo; wird in der Wissenschaft der internationalen Beziehungen ein System f&uuml;r Staaten gleicher &ouml;konomischer Strukturen und gemeinsamer Werte bezeichnet. Demnach entstanden die NATO und der Warschauer Pakt als klassische Systeme der kollektiven Sicherheit. Die Staaten im Mittleren und Nahen Osten teilen keine gemeinsamen Werte und sind auch &ouml;konomisch unterschiedlich gepr&auml;gt. F&uuml;r diese Staaten eignet sich daher das Konzept &bdquo;Gemeinsame Sicherheit&ldquo;, das ein Sicherheitssystem zwischen Staaten mit unterschiedlichen Entwicklungs- und Wertemustern meint. Klassisches Beispiel daf&uuml;r ist die von Michael Gorbatschow vorgeschlagene Sicherheitsarchitektur zwischen den europ&auml;ischen Staaten und Russland (Das gemeinsame europ&auml;ische Haus zwischen Lissabon und Wladiwostok).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Leider sind die EU-Regierungen gegenw&auml;rtig darauf fixiert und dem Irrglauben aufgesessen, ihre Unabh&auml;ngigkeit im Verh&auml;ltnis zu den USA durch weitere Aufr&uuml;stung und massive Belastung der europ&auml;ischen Haushalte zu erreichen. Der 2%-Beschluss der Nato und damit eine Verdoppelung der Haushalte der EU-Staaten ist eher ein Konjunkturprogramm f&uuml;r die R&uuml;stungsindustrie in Europa und vor allem in den USA. Milit&auml;risch w&uuml;rde sie dadurch als David hinter Goliath niemals von den USA unabh&auml;ngig werden.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Dazu scheint die historische Erfahrung sinnvoll, dass viele Staaten der Region, einschlie&szlig;lich Iran, ihre Teilnahme an der Helsinki-Konferenz, zugesagt hatten, die gem&auml;&szlig; einem UN-Beschluss im Dezember 2014 beginnen sollte. Das Projekt scheiterte jedoch daran, dass Israel und die USA in allerletzter Sekunde ihre Teilnahme verweigerten. Durch den problematischen UN-Beschluss zur Teilnahme aller Staaten als Vorbedingung war ein Vetorecht in den Beschluss eingebaut, das das Scheitern der Konferenz im Grunde vorprogrammiert hatte.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schlagabtausch zwischen dem israelischen Ministerpr&auml;sidenten Benjamin Netanjahu und dem iranischen Au&szlig;enminister Javad Sarif auf der 54. 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W&auml;hrend in der Berichterstattung den gegenseitigen Attacken der Kontrahenten gro&szlig;er Raum gegeben wurde, &uuml;bersahen die Medien<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43697\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,172],"tags":[1572,1519,1055,2102,641,951,1557,1309,2338,1878,366,1367,1054,1800,1556,2181],"class_list":["post-43697","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-aufruestung","tag-abruestung","tag-atomwaffen","tag-fluechtlinge","tag-geostrategie","tag-irak","tag-iran","tag-israel","tag-muenchner-sicherheitskonferenz","tag-mittlerer-osten","tag-naher-osten","tag-obama-barack","tag-ruestungsausgaben","tag-saudi-arabien","tag-trump-donald","tag-usa","tag-wettruesten"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43697","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=43697"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43697\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":51846,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43697\/revisions\/51846"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=43697"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=43697"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=43697"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}