{"id":43752,"date":"2018-05-03T09:00:44","date_gmt":"2018-05-03T07:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43752"},"modified":"2019-04-01T07:47:36","modified_gmt":"2019-04-01T05:47:36","slug":"gesundheitsschaeden-durch-den-einsatz-von-bomben-und-granaten-aus-abgereichertem-uran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43752","title":{"rendered":"Gesundheitssch\u00e4den durch den Einsatz von Bomben und Granaten aus abgereichertem Uran"},"content":{"rendered":"<p>Dieses Thema hat leider nichts von seiner Aktualit&auml;t und Dringlichkeit verloren, seitdem die Nachdenkseiten das letzte Mal dar&uuml;ber berichtet haben.  Im neuen Artikel greift Klaus-Dieter Kolenda neue Aspekte auf und gibt einen &Uuml;berblick &uuml;ber den Stand der Debatte, soweit sie gef&uuml;hrt wird.  Denn insgesamt wird das Thema von den etablierten Medien eher stiefm&uuml;tterlich behandelt.  Dies liegt auch daran, dass es wenig gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse gibt.  Es gelingt dem Autor darzulegen, dass dies am Fehlen von Daten zum Einsatz oben genannter Waffen liegt.  Diese Daten m&uuml;ssten von den Personen kommen, die den Einsatz der Uranmunition befehlen bzw. befohlen haben und hier schlie&szlig;t sich der Kreis des Desinteresses an einer Diskussion &uuml;ber das unbequeme Thema.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Gesundheitssch&auml;den durch den Einsatz von Bomben und Granaten aus abgereichertem Uran<\/strong><\/p><p><em>Von Klaus-Dieter Kolenda<\/em><\/p><p>Bomben und Granaten aus abgereichertem Uran (auch Uranwaffen oder Uranmunition genannt) werden aus einem Abfallprodukt der Atomindustrie (abgereichertes Uran, englisch: depleted uranium, abgek&uuml;rzt: DU) hergestellt. Sie wurden zum ersten Mal im ersten Irakkrieg 1991 von den USA und Gro&szlig;britannien eingesetzt. Weitere Eins&auml;tze erfolgten in den Kriegen des Westens 1999 auf dem Balkan, in Afghanistan seit 2001, im zweiten Irakkrieg 2003, au&szlig;erdem in Somalia, wahrscheinlich auch in Libyen und zuletzt auch in Syrien. Der Irak ist das Land, in dem bisher wohl die gr&ouml;&szlig;te Menge an Uranwaffen eingesetzt worden ist. Im ersten Irakkrieg sollen es etwa 600 Tonnen und im zweiten Irakkrieg bis zu 2000 Tonnen gewesen sein [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. <\/p><p>&Uuml;ber das tats&auml;chliche Ausma&szlig; der Gesundheitssch&auml;den beim Einsatz von Uranmunition herrsche Uneinigkeit, hei&szlig;t es bei Wikipedia [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. W&auml;hrend von Gegnern dieser Waffen, wie der Organisation IPPNW (&Auml;rzte f&uuml;r die Verh&uuml;tung des Atomkrieges), Uranmunition f&uuml;r Krebserkrankungen, angeborene Fehlbildungen und Folgesch&auml;den wie dem Golfkriegssyndrom verantwortlich gemacht w&uuml;rden, liege nach Studien der WHO (Weltgesundheitsorganisation) und IAEO (Internationale Atomenergieorganisation) keine besondere Gef&auml;hrdung vor. Im &bdquo;WHO Guidance on Exposure to Depleted Uranium&ldquo;[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] hei&szlig;e es explizit, dass keine Studie eine Verbindung zwischen Kontakt mit abgereichertem Uran und dem Auftreten von Krebs oder angeborenen Defekten habe finden k&ouml;nnen. <\/p><p>Was sagen unabh&auml;ngige WissenschaftlerInnen zu dieser Einsch&auml;tzung und was sind die Hintergr&uuml;nde dieser kontr&auml;ren Aussagen?<\/p><p>Zu diesem Thema fand am 21.2.2018 in Kiel eine Film- und Diskussions-veranstaltung der Kieler Gruppen von attac und IPPNW statt, bei der der informative und ersch&uuml;tternde Dokumentarfilm &bdquo;Deadly Dust- Todesstaub&ldquo; des Filmemachers Frieder Wagner gezeigt wurde. Nach anf&auml;nglicher Betroffenheit kam es anschlie&szlig;end zu einer lebhaften Debatte mit dem Filmautor, in der auch  kritisch gefragt wurde, welche Gesundheitssch&auml;den durch DU denn bewiesen seien. In der Vor- und Nachbereitung dieser Veranstaltung habe ich mich mit dieser Frage auseinandergesetzt, die mir zur Verf&uuml;gung stehende wissenschaftliche Literatur &uuml;ber  Uranwaffen und deren Folgen bei ihrem Einsatz aufbereitet und in diesem Artikel zusammengefasst, so dass sich jeder Interessierte selbst ein Urteil bilden kann.<\/p><p><strong>Einige physikalische und chemische Vorbemerkungen<\/strong><\/p><p>Vereinfacht gesagt besteht Natururan zu 99,3 Prozent aus Uran 238 und zu 0,7 Prozent aus Uran 235 [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>][<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]. F&uuml;r die Atomindustrie muss das Uran 235 durch Zentrifugation auf 3 bis 5 Prozent <strong>an<\/strong>gereichert werden, wie es f&uuml;r Reaktorbrennst&auml;be typisch ist. Demnach sind etwa 7 kg Natururan n&ouml;tig, um 1 kg angereichertes Material zu gewinnen. Dabei bleiben 6 kg <strong>ab<\/strong>gereichertes Uran &uuml;brig. Das f&uuml;r Atombomben eingesetzte U-235 ist weitaus h&ouml;her angereichert und hinterl&auml;sst daher eine noch gr&ouml;&szlig;ere Menge von abgereichertem Uran.<\/p><p>Abgereichertes Uran (DU) enth&auml;lt noch etwa 60 Prozent der Radioaktivit&auml;t des urspr&uuml;nglichen Uranerzes auf Grund seines Gehaltes an vor allem Uran 238, einem langsam zerfallenden Alpha-Strahler mit einer Halbwertszeit von 4,5 Milliarden Jahren. Weiterhin kann Uranmunition auch Spuren von Transuranen wie z.&nbsp;B. Plutonium enthalten [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. Da die sichere Lagerung von DU hohe Kosten verursacht, wird es von der Atomindustrie als ein billiges Abfallprodukt gehandelt und von der R&uuml;stungsindustrie gerne abgenommen.<\/p><p>Geschosse aus abgereichertem Uran werden wegen ihrer hohen Durchschlagskraft auf Grund ihres hohen spezifischen Gewichts (DU ist 1,7- mal schwerer als Blei) und wegen seiner pyrogenen (Feuer erzeugenden) Wirkung als ideale panzer- und bunkerbrechende Waffe seit 1991 in den Kriegen des Westens eingesetzt. <\/p><p>Wenn die Alpha-Strahlung von DU von au&szlig;en auf den Organismus einwirkt, dann ist sie relativ ungef&auml;hrlich, da sie nur Bruchteile eines Millimeters weit reicht und leicht abgeschirmt werden kann. Eine ganz andere Situation liegt vor, wenn DU in den menschlichen Organismus hinein gelangt. Dann ist es doppelt gef&auml;hrlich: Als Schwermetall ist es giftig und als Alpha-Strahler kann es mit seiner radioaktiven Strahlung die Gewebszellen in der Lunge und in vielen weiteren Organen des K&ouml;rpers sch&auml;digen und Krebs oder Fehlbildungen beim ungeborenen Kind verursachen. <\/p><p>Beim Einsatz von Uranwaffen, zum Beispiel gegen Panzer und Stahlbetonbauten, werden die getroffenen Ziele auf Grund der pyrogenen Wirkung von DU nicht nur in Sekunden zur Explosion gebracht, sondern ein Teil des Urangeschosses entz&uuml;ndet sich auf Grund der hohen Temperaturen durch die Reibungshitze und es entsteht ein Aerosol aus winzigen Teilen Uranoxid. Es handelt sich dabei um ein Metallgas, das aus mikroskopisch kleinsten verschiedenartigen Partikeln von Uran in Nanometer-Gr&ouml;&szlig;e (1 Nanometer ist ein Millionstel Millimeter) besteht, die von Menschen, die dem ausgesetzt sind, &uuml;ber die Atmung, aber auch &uuml;ber die Nahrung und das Trinkwasser, aufgenommen und dann im K&ouml;rper mit dem Blutstrom in alle Organe verteilt werden und dort dann verweilen k&ouml;nnen. <\/p><p>Dabei lassen sich die Wirkungen von l&ouml;slichen und von unl&ouml;slichen Formen von Uranpartikeln unterscheiden [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]. Die l&ouml;slichen Formen werden &uuml;ber die Nieren zwar schnell ausgeschieden, k&ouml;nnen aufgrund der toxischen Wirkung in Abh&auml;ngigkeit der Menge jedoch zum Beispiel zu einer Nierensch&auml;digung bis hin zum Nierenversagen f&uuml;hren (zu den toxikologischen Grenzwerten f&uuml;r Uran im Boden und im Wasser wird auf die entsprechende Schrift aus dem Umweltbundesamt verwiesen [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]).<\/p><p>Die unl&ouml;slichen Formen k&ouml;nnen bei langfristiger Wirkung aufgrund ihrer Radiotoxizit&auml;t (strahlungsbedingte Giftigkeit) in der Lunge und in anderen Organen, in denen ihre Ablagerung erfolgt, zu schweren Sch&auml;digungen f&uuml;hren. Die sch&auml;digende Risikosteigerung ist auch hier abh&auml;ngig von der Menge und der Dauer der einwirkenden Strahlung. Das Ausma&szlig; der Ablagerung im K&ouml;rper, das auf diesem Weg erfolgt, gilt bislang als nicht hinreichend gekl&auml;rt, doch stellt es somit ein gro&szlig;es Risikopotential dar. Hierbei ist bekannt, dass das Metallgas nicht nur an seinem Entstehungsort, wo es sich langsam niederschl&auml;gt, verbleibt, sondern auch durch Aufwirbelungen und Wind &uuml;ber gro&szlig;e Gebiete verteilt werden kann.<\/p><p><strong>Ein erster Bericht eines mutigen Arztes<\/strong><\/p><p>Prof. Siegwart-Horst G&uuml;nther war ein deutscher Arzt, der als Erster &uuml;ber den Einsatz und die m&ouml;glichen Folgen der im Irakkrieg 1991 verwendeten Uranmunition von Seiten der USA und ihrer Alliierten berichtet hat [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>][<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>][<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>].<\/p><p>Nachdem er mehrere Jahrzehnte als Hochschullehrer im Nahen und Mittleren Osten t&auml;tig gewesen war, wurde Prof. G&uuml;nther im Oktober 1990 zu einer neuerlichen &auml;rztlichen und Vortragst&auml;tigkeit in den Irak eingeladen. Nach dem ersten Irakkrieg 1991 machte er dort viele Reisen in St&auml;dte wie Bagdad, Basra oder Mossul. Dabei stellte er fest, dass in den Krankenh&auml;usern, die er besuchte und die er schon aus fr&uuml;heren Zeiten gut kannte, bei Kindern vermehrt Leuk&auml;mien und Krebserkrankungen festzustellen waren, aber auch angeborene Fehlbildungen, die er vorher noch nicht gesehen hatte und die ihn an Tschernobyl erinnerten.<\/p><p>Er brachte diese erschreckenden Erkrankungen und Gesundheitssch&auml;den mit Geschossen in Verbindung, die auf den Schlachtfeldern in gr&ouml;&szlig;erer Zahl verstreut herumlagen und mit denen die Kinder oft spielten und sie dabei zum Beispiel als Puppen anmalten. Nachdem eines der Kinder, das mit solchen Puppen gespielt hatte, an einer Leuk&auml;mie erkrankt war, wollte er wissen, aus welchem Material diese Geschosse bestanden. Um diese Fragen zu kl&auml;ren, verbrachte er mehrere davon im Gep&auml;ck eines befreundeten Diplomaten mit nach Deutschland und lie&szlig; sie in verschiedenen Instituten in Berlin untersuchen. Dabei stellte sich heraus, dass die Geschosse aus abgereichertem Uran bestanden.<\/p><p>Das bekam er von den Untersuchungsstellen schriftlich best&auml;tigt. So hatte er damit den Hinweis, dass es sich bei den von ihm beobachteten geh&auml;uften schweren Erkrankungen und Fehlbildungen bei den Kindern im Irak um strahlungsbedingte Sch&auml;den aufgrund der verwendeten Uranmunition handeln k&ouml;nnte. Aber anstatt dass ihm f&uuml;r diese Entdeckung gedankt wurde, musste er sich wegen &bdquo;illegaler Einf&uuml;hrung von gef&auml;hrlichen Stoffen&ldquo; vor Gericht verantworten und wurde zu einer Geldstrafe von 3000 DM verurteilt.<\/p><p>In den Jahren darauf folgte eine rege Vortragst&auml;tigkeit mit Radio- und Fernseh-Interviews weltweit, auch in der UNO, um diese Erkenntnisse bekannt zu machen. Die ersten Bem&uuml;hungen um Aufkl&auml;rung &uuml;ber diesen Umstand, mit Potential auf ein gro&szlig;es Kriegsverbrechen, erfolgten in einer Zeit, in der der Einsatz der Uranwaffen von den USA zun&auml;chst geleugnet wurde. Prof. G&uuml;nther erhielt in vielen L&auml;ndern Anerkennung f&uuml;r dieses Engagement und wurde mit vielen Preisen und Ehrentiteln ausgezeichnet. <\/p><p>In den deutschen Leitmedien wurde jedoch &uuml;ber den Einsatz von Uranwaffen und deren Folgen nur selten berichtet und seit 2001 bis auf wenige Ausnahmen gar nicht mehr ([<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]; siehe auch unten). Vor einigen Wochen  sind aber in den Online-Ausgaben von &bdquo;Welt&ldquo; und &bdquo;Spiegel&ldquo; zwei Berichte &uuml;ber Wirkungen und Gesundheitssch&auml;den von Uranwaffen erschienen [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>][<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]. In dem unter dem Titel &bdquo;Staub des Todes&ldquo; am 6.2.2018 in der &bdquo;Welt&ldquo; ver&ouml;ffentlichten Artikel werden auch die Bef&uuml;rchtungen der Gegner dieser Waffen teilweise best&auml;tigt [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]. <\/p><p>Prof. G&uuml;nther ist im Januar 2015 in Husum im Alter von 89 Jahren verstorben, ohne dass den regionalen oder Leitmedien sein Tod eine Reaktionszeile wert gewesen ist. Es gibt aber den schon erw&auml;hnten ersch&uuml;tternden Dokumentarfilm des Filmemachers Frieder Wagner, der auch ihm und seinem Wirken gewidmet ist und leicht auf YouTube aufgerufen werden kann [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>].<\/p><p><strong>Report der IPPNW und der ICBUW aus 2012<\/strong><\/p><p>Das von Prof. G&uuml;nther und anschlie&szlig;end auch von weiteren &Auml;rztInnen und WissenschaftlerInnen beschriebene geh&auml;ufte Auftreten von Krebserkrankungen und angeborenen Fehlbildungen bei Neugeborenen und Kindern nach dem ersten Irakkrieg und die Vermutung, dass die entscheidende Ursache f&uuml;r diese Gesundheitssch&auml;den der Einsatz von Uranwaffen gewesen sei, war der erste Ansto&szlig; f&uuml;r weitere wissenschaftliche Untersuchungen (siehe unten) und ist schon deshalb als sehr verdienstvoll einzusch&auml;tzen [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>].<\/p><p>Man muss sich aber dar&uuml;ber klar sein, dass die Evidenz, das hei&szlig;t die Beweiskraft solcher Berichte, von der Wissenschaft als gering eingesch&auml;tzt wird. Im Gegensatz dazu steht die Evidenz zum Beispiel durch epidemiologische Studien (das sind Untersuchungen &uuml;ber die Verbreitung von Krankheiten und deren Ursachen), deren Befunde statistisch abgesichert sind. Im Unterschied zu einer &bdquo;anekdotischen&ldquo; Evidenz spricht man hier auch von einer &bdquo;statistischen&ldquo; Evidenz. Dass solche Untersuchungen nur sehr schwer durchzuf&uuml;hren sind, insbesondere, weil in den L&auml;ndern, in denen DU eingesetzt worden ist, kaum &uuml;berwindbare Hindernisse f&uuml;r deren Durchf&uuml;hrung bestehen, steht auf einem anderen Blatt. Darauf soll weiter unten noch n&auml;her eingegangen werden.<\/p><p>Seit 2012 liegt nun ein umfangreicher Report der deutschen Sektionen der &bdquo;Internationalen &Auml;rzte f&uuml;r die Verh&uuml;tung des Atomkrieges\/ &Auml;rzte in sozialer Verantwortung&ldquo; (IPPNW) und der &bdquo;Internationalen Koalition zur &Auml;chtung von Uranwaffen&ldquo; (ICBUW) vor [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>][<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]. Dieser Report mit dem Titel &bdquo;Die gesundheitlichen Folgen von Uranmunition. Die gesellschaftliche Debatte um den Einsatz einer umstrittenen Waffe&ldquo; wurde von sechs WissenschaftlerInnen der IPPNW und der ICBUW gemeinsam erarbeitet und basiert auf zahlreichen Literaturhinweisen und Anmerkungen.<\/p><p>Der Bericht kommt zu der Einsch&auml;tzung, dass aus &auml;rztlicher und politischer Sicht allein ein Verbot von Uranwaffen die einzige Konsequenz aus den vorgestellten und kritisch bewerteten wissenschaftlichen Untersuchungen, Feldstudien und Rechtsexpertisen &uuml;ber dieses Thema sein kann, um Vorsorge daf&uuml;r zu treffen, dass weiteres Leid von Zivilbev&ouml;lkerungen und Milit&auml;rpersonal verhindert und eine Kontamination der Umwelt mit abgereichertem Uran so gering wie m&ouml;glich gehalten werden kann. Der Bericht geht detailliert auf Wirkmechanismen von abgereicherten Uran im K&ouml;rper ein und stellt diese in Beziehung zu den umfangreichen angeborenen Fehlbildungen, Krebserkrankungen und weiteren Sch&auml;digungen, die sich in den Bev&ouml;lkerungen jener Staaten finden lassen, gegen die Kriege unter Uranwaffeneinsatz gef&uuml;hrt wurden.<\/p><p>Die Autoren stellen neben der Forderung nach &Auml;chtung von Uranwaffen weitere Forderungen auf, unter anderem nach umfassender Information der Bev&ouml;lkerung &uuml;ber die kontaminierten Gebiete, die von der DU-Munition ausgehende Gefahr, die Finanzierung epidemiologischer Studien sowie den Aufbau von Fehlbildungs- und Krebsregistern, um Vergleichsgr&ouml;&szlig;en f&uuml;r wissenschaftliche Studien bereitzuhalten.<\/p><p>Im vorliegenden Report wird auch das V&ouml;lkerrecht daraufhin untersucht, ob die bestehenden zwischenstaatlichen Vertr&auml;ge beziehungsweise das Gewohnheitsrecht ein Verbot von DU-Munition erm&ouml;glichen. Obwohl sich die gro&szlig;e Mehrheit der UNO-Mitglieder f&uuml;r ein Verbot von Uranwaffen ausgesprochen hat, sind uranhaltige Waffen ebenso wie Atomwaffen derzeit ja leider noch nicht explizit verboten. Nach Meinung der Autoren des Reports k&ouml;nnte jedoch schon heute auf Grund der Bestimmungen des Humanit&auml;ren V&ouml;lkerrechts und speziell des Zusatzprotokolls I zu den Genfer Abkommen f&uuml;r ein Verbot von Uranwaffen argumentiert werden, denn das Zusatzprotokoll verbietet Angriffe, &bdquo;..bei denen Kampfmethoden oder -mittel angewendet werden, deren Wirkungen nicht entsprechend den Vorschriften dieses Protokolls begrenzt werden k&ouml;nnen&ldquo;.<\/p><p>Grunds&auml;tzlich verboten ist eine Kriegsf&uuml;hrung, die nicht zwischen Kombattanten und Zivilpersonen unterscheidet beziehungsweise die Umwelt sch&auml;digt. Mit dieser Argumentation setzt sich seit Jahren der Berliner V&ouml;lkerrechtler Prof. Manfred Mohr, einer der Autoren des Reports und Sprecher der ICBUW, f&uuml;r eine &Auml;chtung von Uranwaffen ein.<\/p><p>Die Autoren gehen auch auf den beachtenswerten Umstand ein, dass auf nationaler Ebene Gerichte sowohl in Italien als auch in Gro&szlig;britannien in der j&uuml;ngeren Vergangenheit Soldaten beziehungsweise deren Angeh&ouml;rigen Entsch&auml;digungen daf&uuml;r zugesprochen haben, dass die Soldaten im Einsatz abgereichertem Uran ausgesetzt gewesen waren. In den USA verharrt die Rechtsprechung auf dem Stand, dass grunds&auml;tzlich keine Entsch&auml;digung f&uuml;r im Milit&auml;rdienst erlittene Gesundheitssch&auml;den gew&auml;hrt wird.<\/p><p>Die ICBUW Deutschland teilt auf ihrer Website mit, dass die UN-General-versammlung der Vereinten Nationen die anhaltenden Bef&uuml;rchtungen &uuml;ber Gesundheitsrisiken von abgereichertem Uran anerkennt. Das Plenum der UN-Generalversammlung verabschiedete am 5. Dezember 2016 eine neue Resolution zu Uranwaffen mit 151 zu 4 Stimmen bei 28 Enthaltungen. Die Resolution ist die sechste angenommene Resolution seit 2007.<\/p><p>Obwohl eine &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit der Staaten f&uuml;r die Resolution stimmte, enthielt sich eine kleine Minderheit. Rund die H&auml;lfte davon sind EU-Mitgliedsstaaten, die zuvor durch das EU-Parlament ausdr&uuml;cklich zur Zustimmung aufgefordert worden waren. Deutschland, das die Resolution bis 2014 unterst&uuml;tzte, wurde von der ICBUW f&uuml;r seine Bem&uuml;hungen kritisiert, die Sprache der Resolution zu schw&auml;chen und andere Staaten zur Enthaltung zu bewegen. Wie gew&ouml;hnlich wurde die Resolution von den USA, dem Vereinigten K&ouml;nigreich, Frankreich und Israel abgelehnt. Die erste Abstimmungsrunde &uuml;ber die Resolution fand nur wenige Tage nach dem Eingest&auml;ndnis der USA statt, dass sie DU-Munition in Syrien eingesetzt haben [<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>].<\/p><p><strong>Ergebnisse eines neuen Review-Artikels<\/strong><\/p><p>2017 wurde mit dem Review-Artikel &bdquo;Depleted Uranium and Human Health&ldquo; (abgereichertes Uran und menschliche Gesundheit) eine neue systematische &Uuml;bersichtsarbeit ver&ouml;ffentlicht, die von sieben WissenschaftlerInnen der Universit&auml;ten in Cagliari (Italien) und Leuven (Niederlande) erarbeitet wurde [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]. Grundlagen dieser Arbeit sind 101 wissenschaftliche Untersuchungen &uuml;ber verschiedene Aspekte dieses Themas, davon auch eine ganze Reihe von Untersuchungen aus den letzten Jahren.<\/p><p>Da ich die Ergebnisse dieses aktuellen Artikels einem gr&ouml;&szlig;eren Leserkreis bekannt machen m&ouml;chte, habe ich die Zusammenfassung (&bdquo;Abstract&ldquo;) und die Schlussfolgerungen (&bdquo;Conclusion&ldquo;) der Autoren aus der englischen Originalfassung  ins Deutsche &uuml;bersetzt [<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>] und im Folgenden aufgef&uuml;hrt:<\/p><p><em>&bdquo;<strong>Zusammenfassung:<\/strong> Abgereichertes Uran (DU) wird im Allgemeinen als ein neuer Schadstoff angesehen, der zum ersten Mal in den fr&uuml;hen 1990er Jahren im Irak w&auml;hrend der Milit&auml;roperation &bdquo;Desert Storm&ldquo; in die Umwelt eingebracht worden ist. Man vermutete, dass DU ein gef&auml;hrliches Element sowohl f&uuml;r exponierte Soldaten als auch f&uuml;r Einwohner der belasteten Gebiete in den Kriegszonen ist. In diesem Review-Artikel werden die m&ouml;glichen Auswirkungen von DU, das in die Umwelt eingebracht wurde, kritisch analysiert. Im ersten Teil werden die chemischen Eigenschaften und die m&ouml;glichen zivilen und milit&auml;rischen Anwendungen von DU zusammengefasst. Eine pr&auml;zise Analyse der Mechanismen, die der Absorption, dem Transport im Blut, der Gewebsverteilung und der Ausscheidung von DU im menschlichen K&ouml;rper zu Grund liegen, ist Gegenstand des zweiten Teils. Der darauf folgende Abschnitt behandelt die pathologischen Zust&auml;nde, die vermutlich mit der &Uuml;berexposition von DU einhergehen. Die Entwicklung von angeborenen Fehlbildungen, das Golfkriegs-Syndrom und Nierenerkrankungen, die mit DU in Verbindung gebracht werden, sollen im dritten Abschnitt behandelt werden. Schlie&szlig;lich sollen die Daten kritisch analysiert werden, die eine Exposition von DU in Zusammenhang bringen mit dem Auftreten von Krebserkrankungen, insbesondere Leuk&auml;mie und Lymphomen, Lungenkrebs, Geb&auml;rmutterhalskrebs, Brustkrebs, Harnblasenkrebs und Hodenkrebs. Das Ziel der Autoren ist, einen Beitrag zu der Debatte &uuml;ber DU und dessen Effekte auf menschliche Gesundheit und Krankheit zu leisten.<\/em><\/p><p><em><strong>Schlussfolgerungen:<\/strong> Die Debatte &uuml;ber den Zusammenhang zwischen der Exposition mit DU und dem Auftreten zahlreicher Krankheitserscheinungen, das Golfkriegssyndrom und viele Tumore eingeschlossen, scheint charakterisiert zu sein durch das Vorliegen von vielen offenen und unbeantworteten Fragen. Die sch&auml;digenden Effekte auf den Gesundheitsstatus bei Veteranen des Golf-Krieges 1991, der Kriege im Kosovo, in Kroatien und in Afghanistan und des zweiten Irak-Krieges bleiben ungekl&auml;rt. Die Effekte einer DU-Kontamination des Wassers und der B&ouml;den in der Umgebung der Kriegsschaupl&auml;tze, auf denen riesige Mengen von DU und andere chemische Schadstoffe freigesetzt wurden, sind nur teilweise bekannt.<\/em><\/p><p><em>Die Zahl der Personen, die das Risiko f&uuml;r schwere Gesundheitsprobleme aufgrund einer &Uuml;berexposition mit DU tragen, ist eindrucksvoll: Die Zahl der Golfkriegsveteranen, die das Golfkriegssyndrom nach einer Exposition mit gro&szlig;en Mengen DU entwickelten, ist angestiegen auf ein Drittel der 800.000 US-Soldaten, die zum Einsatz kamen. Aber die wichtigsten Konsequenzen der Exposition gegen&uuml;ber DU betreffen sicherlich die Menschen, die in der Region leben.<\/em><\/p><p><em>Einige Befunde dieses Reviews sollten besonders betont werden:<\/em><\/p><ol>\n<li><em>Die 3,5-fache Erh&ouml;hung der Inzidenz von Hodentumoren bei Kroaten nach dem Krieg im Vergleich zu der Zeit vor dem Krieg (Erg&auml;nzung von KDK: Inzidenz bedeutet H&auml;ufigkeit bezogen auf die Zeit)<\/em><\/li>\n<li><em>Die 5-fache Erh&ouml;hung der Inzidenz von Harnblasentumoren bei norwegischen  Soldaten, die im Kosovo dienten<\/em><\/li>\n<li><em>Der Anstieg der Inzidenzrate von Brustkrebs bei irakischen Frauen von 26,6 in der Vorkriegszeit auf 31,5 pro 100.000 Personen in 2009, wobei 33,8 Prozent aller Brustkrebse bei jungen M&auml;dchen unter 15 Jahren diagnostiziert wurden<\/em><\/li>\n<li><em>Lungenkrebs war statistisch signifikant h&auml;ufiger bei Golfkriegs-Veteranen als bei Nicht-Golfkriegs-Veteranen.<\/em><\/li>\n<li><em>Golfkriegs-Veteranen, die DU ausgesetzt waren, zeigten h&ouml;here renale Ausscheidungen von Beta-2-Microglobulin und Retinol-bindendem Protein, die auf eine verschlechterte (renal-tubul&auml;re) Nierenfunktion hinweisen.<\/em><\/li>\n<li><em>Die &Uuml;berwachung von Veteranen des ersten Golfkriegs, die mit DU in Feuergefechten verwundet wurden, zeigt auch 20 Jahre nach dem ersten Kontakt mit DU weiterhin erh&ouml;hte Uranspiegel im Urin. Irakische Patienten, die eine Leuk&auml;mie nach dem Golfkrieg entwickelten, wiesen h&ouml;here Serumspiegel von Uran auf im Vergleich zu gesunden Personen aus dem Irak.<\/em><\/li>\n<li><em>Unter den mehreren hunderttausend Veteranen, die im Irakkrieg 1991 eingesetzt waren, entwickelten 15- 20 Prozent ein Golfkriegssyndrom und etwa 25.000 starben.<\/em><\/li>\n<\/ol><p>Hierbei ist darauf hinzuweisen, dass die angef&uuml;hrten Befunde zwar ersch&uuml;tternd sind, jedoch nicht gen&uuml;gend Informationen daf&uuml;r vorliegen, inwiefern tats&auml;chlich der Einsatz von Uranmunition urs&auml;chlich f&uuml;r die erh&ouml;hten Sch&auml;digungen ist, da eine Reihe zus&auml;tzlicher Faktoren mit sch&auml;digender Wirkung im Zusammenhang mit den Kriegen bestehen.<\/p><p>Zudem weisen die Autoren der Studie darauf hin, dass trotz potentiell gensch&auml;digender und krebserregender Effekte von abgereicherten Uran auf menschliche Zellen eine gro&szlig;e Anzahl von Studien, die aufgef&uuml;hrt werden, behaupten, dass die gesundheitssch&auml;digenden Effekte durch abgereichertes Uran nur gering oder nicht vorhanden sind.<\/p><p>Die Autoren des Review-Artikels res&uuml;mieren:<\/p><p><em>Unserer Meinung nach ist der wichtigste Aspekt, der sich aus dem Studium der Literatur der letzten 20 Jahre ergibt, der einer kompletten Nicht-&Uuml;bereinstimmung der Studienergebnisse bez&uuml;glich DU, die charakterisiert sind durch in hohem Ma&szlig;e kontr&auml;re Ergebnisse.<\/em><\/p><p><em>Eine Frage ergibt sich aus diesen Befunden bez&uuml;glich DU: Wie war es m&ouml;glich, DU, ein radioaktives Element, in Kriegszonen einzusetzen, ohne dass experimentelle und\/oder klinische Beweise f&uuml;r den sicheren Einsatz bei Soldaten und der Bev&ouml;lkerung, die den Bomben ausgesetzt werden sollte, vorhanden waren? <\/em><\/p><p><em>Da diese und viele andere Fragen nach unserem besten Wissen unbeantwortet bleiben m&uuml;ssen, und ausgehend von der Erkenntnis, dass die bisher durchgef&uuml;hrten Studien keinen umfassenden &Uuml;berblick &uuml;ber die potentiellen Auswirkungen von DU-Munition auf die menschliche Gesundheit erlauben, sind weitere Studien notwendig, die alle Aspekte der Wechselwirkungen zwischen den gro&szlig;en Mengen an DU, die freigesetzt wurden in den j&uuml;ngsten Kriegen, und der Gesundheit beleuchten, mit einer besonderen Betonung der Konsequenzen f&uuml;r die Zivilbev&ouml;lkerung, die um die Kriegsschaupl&auml;tze herum lebt, und mit dem Ziel, &uuml;berall auf der Welt Uranwaffen zu &auml;chten.<\/em><\/p><p>Die Ergebnisse dieses neuen Review-Artikels stehen in grunds&auml;tzlicher &Uuml;bereinstimmung mit dem oben geschilderten Report von IPPNW und ICBUW aus dem Jahre 2012 [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]. Im Hinblick auf m&ouml;gliche krebserregende Folgen des Einsatzes von DU-Waffen bedeuten sie neue Erkenntnisse beziehungsweise Pr&auml;zisierungen der bisherigen besorgniserregenden Befunde. <\/p><p>Die vielen offenen Fragen und widerspr&uuml;chlichen Ergebnisse, die von den Autoren festgestellt werden, h&auml;ngen vermutlich auch damit zusammen, dass die Verwenderstaaten von DU, vor allem die USA, leider weiterhin alles tun, um eine systematische Bearbeitung dieses Bereichs zu behindern &ndash; zum Beispiel durch Nicht-Zur-Verf&uuml;gung-Stellen von vorliegenden Daten und Forschungsergebnissen, Verweigerung finanzieller Unterst&uuml;tzung von unabh&auml;ngigen WissenschaftlerInnen f&uuml;r solche Arbeiten und durch Ignoranz und gezielte Desinformation in der &Ouml;ffentlichkeit.<\/p><p>Besonders herausheben m&ouml;chte ich aber eine epidemiologische Studie, &uuml;ber die in diesem Review-Artikel ausf&uuml;hrlich berichtet wird und in der im Gegensatz zu anderen Studien Daten &uuml;ber Zusammenh&auml;nge zwischen dem wahrscheinlichen Einsatz von Uranwaffen und sp&auml;ter auftretenden Gesundheitssch&auml;den nachgewiesen werden konnten.<\/p><p>Es handelt es sich um eine Untersuchung, die im Jahre 2010 in der in Basel herausgegebenen wissenschaftlichen Zeitschrift &bdquo;International Journal of Environmental Research and Public Health&ldquo; erschienen ist, und in der &uuml;ber die H&auml;ufigkeit von Krebs, Geburtsfehlern und die Ver&auml;nderung des Geschlechterverh&auml;ltnisses bei Neugeborenen und Kleinkindern berichtet wird [<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>]. Diese Studie wurde in Fallujah im Irak durchgef&uuml;hrt, das 2004 stark umk&auml;mpft gewesen ist und in der wahrscheinlich auch eine gro&szlig;e Menge Uranwaffen vom US-Milit&auml;r eingesetzt worden ist. <\/p><p>In dieser Stadt wurden mit einer Fragebogenaktion 4.843 Personen nach Geburtsfehlern, Kindersterblichkeit, Krebserkrankungen und dem Geschlechterverh&auml;ltnis bei der Geburt in der Zeitspanne zwischen 2005 und 2010 befragt. Die Kindersterblichkeit in der Altersgruppe 0 bis 1 Jahr lag vier- bis achtmal so hoch wie in einer Vergleichsgruppe in &Auml;gypten, Jordanien oder Kuweit. Die mittlere Geschlechterrate bei der Geburt im ersten Jahr nach Ende der Kampfhandlungen war stark abweichend. W&auml;hrend normalerweise auf 1000 M&auml;dchengeburten 1050 Knabengeburten registriert werden, waren es in der Fallujah-Kohorte bei den 0- bis 4-J&auml;hrigen nur 860 Knabengeburten.<\/p><p>Die Ver&auml;nderung des Geschlechterverh&auml;ltnisses von Neugeborenen ist ein wichtiges Kennzeichen daf&uuml;r, dass mindestens ein Elternteil vor der Zeugung erheblichem genetischen Stress, zum Beispiel durch radioaktive Strahlenbelastung, ausgesetzt gewesen ist. Eine &auml;hnliche Verschiebung des Geschlechterverh&auml;ltnisses bei Geburten war auch in Hiroshima nach dem US-Atombombenangriff ab 1945 zu beobachten.  Auch die Inzidenz von Krebserkrankungen im Kindesalter, vor allem Leuk&auml;mien, Lymphome, Brustkrebs und Hirntumore, waren im Vergleich zu den Inzidenzraten in den oben genannten Nachbarl&auml;nden signifikant erh&ouml;ht.<\/p><p>Zum Schluss dieses Kapitels soll noch auf eine Untersuchung aus dem Krankenhaus in Mitrovica\/ Kosovo aufmerksam gemacht werden [<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>]. Diese Studie untersuchte die H&auml;ufigkeit des Auftretens von malignen (b&ouml;sartigen) Erkrankungen im Zeitraum von 1997 bis 2000 in diesem Krankenhaus. Dieser Zeitraum wurde ausgew&auml;hlt, weil er im Hinblick auf den Kosovo-Krieg 1999, in dem im gro&szlig;en Umfang von den NATO-Staaten auch Uranmunition eingesetzt worden ist, den Vergleich von zwei Vorkriegsjahren (1997 bis 1998) mit zwei Nachkriegsjahren (1999 bis 2000) erlaubt.<\/p><p>In der Vorkriegszeit belief sich die Zahl der malignen Erkrankungen auf 1,98 Prozent der Patientenaufnahmen, w&auml;hrend in der Nachkriegszeit diese auf 5,45 Prozent angestiegen war. Der gr&ouml;&szlig;te Anstieg war bei den malignen Lungenerkrankungen (von 1,7 auf 22 Prozent der malignen Erkrankungen) und Nierenerkrankungen (von 1,6 auf 16 Prozent) zu verzeichnen. Die Hauptgr&uuml;nde dieses Anstiegs werden von den Autoren in der erh&ouml;hten radioaktiven Strahlung auf dem Territorium des ganzen Kosovo durch abgereichertes Uran nach dem Bombenkrieg der Nato gesehen.          <\/p><p><strong>Das Golfkriegssyndrom<\/strong><\/p><p>Von den etwa 800.000 US-Kriegsveteranen, die in den Irakkriegen eingesetzt worden sind und in die USA zur&uuml;ckkehrten, entwickelten bis zu 30 Prozent das umstrittene Golfkriegssyndrom und etwa 25.000 starben [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]. Bei 6000 der ca. 54.000 eingesetzten britischen Soldaten im Irak wurde inzwischen das Golfkriegssyndrom als Kriegsleiden anerkannt [<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>].  <\/p><p>Typische Symptome des Golfkriegs-Syndroms sind: Gelenk- und Muskelschmerzen, ungew&ouml;hnliche M&uuml;digkeit und Ersch&ouml;pfungszust&auml;nde, Ged&auml;chtnisprobleme, Depressionen und St&ouml;rungen der kognitiven und emotionalen Funktionen, die inzwischen auch durch zahlreiche Studien belegt sind [<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>]. Hinzu kommen Schwindel, Erbrechen und Diarrh&ouml;e, L&auml;hmungen, Haar- und Zahnausfall, Dr&uuml;senschwellungen, Sehst&ouml;rungen und Ged&auml;chtnisschwund sowie Fehlbildungen bei nachmals gezeugten irakischen und amerikanischen Kindern. Weiterhin wird &uuml;ber eine Immunschw&auml;che mit einer Neigung zu schweren Infektionen berichtet [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]. Da diese Symptome und Krankheitsbilder bei mehreren tausend Heimkehrern aus dem ersten Irakkrieg aufgetreten waren, fassten US-amerikanische &Auml;rzte das Krankheitsbild im Jahre 1994 unter dem Begriff &bdquo;Golfkriegssyndrom&ldquo; zusammen.<\/p><p>Das Golfkriegs-Syndrom l&auml;sst sich wahrscheinlich nicht ausschlie&szlig;lich auf eine psychische oder psychosomatische Erkrankung im Sinne einer  posttraumatischen Belastungsst&ouml;rung (PTBS) zur&uuml;ckf&uuml;hren [<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>]. Nach den ersten Beschreibungen dieses Krankheitsbildes kam es zu sehr kontrovers gef&uuml;hrten Diskussionen zwischen Betroffenen und verantwortlichen Stellen bzw. armeenahen WissenschaftlerInnen in den USA.<\/p><p>So wurden neben der Exposition gegen&uuml;ber St&auml;uben aus Sand, die abgereichertes Uran enthalten k&ouml;nnen, verschiedene weitere Ursachen vermutet, zum Beispiel Giftgasangriffe, Pestizideins&auml;tze, Insektenrepellents, Nebenwirkungen von Medikamenten (z.&nbsp;B. Pyridostigmin), unbekannte Infektionserreger und freigesetzte Dioxine aus brennenden &Ouml;lquellen. Auch Rentenbegehren sowie psychische und psychosomatische Erkl&auml;rungsmuster wurden f&uuml;r diese Symptome und Erkrankungen in Betracht gezogen [<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>]. Eine eindeutige urs&auml;chliche Kl&auml;rung des Golfkriegssyndroms ist bis heute nicht erfolgt.<\/p><p><strong>Einige Hintergr&uuml;nde der bestehenden Kontroversen<\/strong><\/p><p>F&uuml;r die im vorletzten Abschnitt ge&auml;u&szlig;erten Vermutungen, dass es im Hintergrund einflussreiche Kr&auml;fte gibt, die kein Interesse an einer wissenschaftlichen Aufkl&auml;rung der vorliegenden Kontroversen &uuml;ber die gesundheitssch&auml;digenden Wirkungen von Uranwaffen haben, gibt es mittlerweile einige konkrete Anhaltspunkte.<\/p><p>In dem in der Einleitung aufgef&uuml;hrten Wikipedia-Artikel [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] wird die &bdquo;WHO Guidance on Exposure to Depleted Uranium&ldquo; dahingehend zitiert, dass keine Studie eine Verbindung zwischen Kontakt mit abgereichertem Uran und dem Auftreten von Krebs oder angeborenen Defekten habe finden k&ouml;nnen. Wenn man sich diese WHO Guidance aus 2001, die f&uuml;r Amts&auml;rzte und Programmmanager bestimmt ist, aufruft, findet man dort die folgende abschlie&szlig;ende Stellungnahme mit einer etwas vorsichtigeren Aussage ([<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]; deutsche &Uuml;bersetzung von KDK): <\/p><p><em>In den meisten F&auml;llen bleibt kein dauerhafter Effekt. Im Falle einer akuten DU-Exposition besteht die M&ouml;glichkeit der tubul&auml;ren Acidose<\/em> (Erl&auml;uterung KDK: Dabei handelt es sich um eine Nierensch&auml;digung). <em>Wenn die Inhalation von signifikanten Mengen von unl&ouml;slichen Urankomponenten erfolgt, sollte der Langzeitpatient Nachuntersuchungen auf Lungentumore erhalten. Den Patienten sollte jedoch gesagt werden, dass die Wahrscheinlichkeit f&uuml;r das Auftreten von Gesundheitssch&auml;den gering ist.<\/em><\/p><p>Weiterhin gibt es Hinweise daf&uuml;r, dass auch die WHO im Zusammenwirken mit der IAEO eine  Rolle bei der Behinderung der Aufkl&auml;rung &uuml;ber die Gesundheitssch&auml;den der Uranwaffen spielt. Seit 1959 gibt es bekanntlich ein Abkommen, wonach bei einer Ver&ouml;ffentlichung von Forschungsergebnissen, die beide Organisationen betreffen, auch beide zustimmen m&uuml;ssen [<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>].<\/p><p>2013 berichtete &bdquo;Luftpost&ldquo; (Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Milit&auml;rregion Kaiserslautern\/Ramstein), die WHO blockiere erneut die Ver&ouml;ffentlichung eines Berichts &uuml;ber im Irak auftretende Fehlbildungen bei Neugeborenen und Krebserkrankungen, die auf die von den US-Streitkr&auml;ften verwendete DU-Munition zur&uuml;ckzuf&uuml;hren seien [<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>]. <\/p><p>Dieser Bericht ist eine &Uuml;bersetzung eines Artikels, der am 13.9.2013 in &bdquo;Global Research&ldquo; erschienen ist [<a href=\"#foot_21\" name=\"note_21\">21<\/a>] und in dem die Vermutung ge&auml;u&szlig;ert wird, dass sich die WHO unter Missachtung ihres Mandats kategorisch weigere, im Irak gesammelte Beweise zu ver&ouml;ffentlichen, die belegen, dass die von den US-Streitkr&auml;ften eingesetzten Geschosse aus abgereichertem Uran und andere US-Waffen nicht nur viele Zivilisten get&ouml;tet h&auml;tten, sondern auch die Ursache f&uuml;r schwere Missbildungen gewesen seien, die bis heute bei vielen Neugeborenen auftreten.<\/p><p>Weiter hei&szlig;t es in dem Luftpost-Artikel [<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>]:<\/p><p><em>Dieses Problem wurde erstmals in einem im Jahr 2004 von WHO-Experten erstellten Report &uuml;ber &bdquo;Die langfristigen Auswirkungen des Einsatzes von DU-Waffen auf die Gesundheit der irakischen Zivilbev&ouml;lkerung&ldquo; untersucht. Schon dieser &auml;ltere Bericht blieb auf Dr&auml;ngen der WHO &bdquo;geheim&ldquo;. In der damaligen, von drei f&uuml;hrenden Strahlungsexperten erarbeiteten Studie war festgestellt worden, dass Kinder und Erwachsene nach dem Einatmen von Staub, der strahlende und hochgiftige DU-Partikel enth&auml;lt, an Krebs erkranken k&ouml;nnen. Die WHO blockierte die Ver&ouml;ffentlichung der Studie, deren Hauptautor Dr. Keith Baverstock als Strahlenberater in ihren Diensten stand. Er best&auml;tigte, dass die Studie absichtlich zur&uuml;ckgehalten wurde, auch wenn die WHO das bestreite.<\/em><\/p><p><em>Fast neun Jahre sp&auml;ter hat die WHO gemeinsam mit dem irakischen Gesundheitsministerium einen neuen Bericht &uuml;ber &bdquo;Krebserkrankungen und Missbildungen bei Neugeborenen im Irak&ldquo; erarbeitet, der im November 2012 ver&ouml;ffentlicht werden sollte. &bdquo;Die Ver&ouml;ffentlichung wurde wiederholt verschoben und ist noch immer nicht datiert.&ldquo; (zitiert in Mozhgan Savabieasfahani, Der Anstieg von Krebserkrankungen und Missbildungen bei Neugeborenen im Irak: Die WHO weigert sich, erhobene Daten, zu ver&ouml;ffentlichen, nachzulesen unter [<a href=\"#foot_22\" name=\"note_22\">22<\/a>]).<\/em><\/p><p><em>Hans von Sponeck, der ehemalige Beigeordnete UN-Generalsekret&auml;r, sagte dazu: &bdquo;Die US-Regierung hat versucht, zu verhindern, dass die WHO in den Gebieten im s&uuml;dlichen Irak, in denen DU-Munition verwendet wurde, die schwere Beeintr&auml;chtigungen der Gesundheit und der Umwelt verursacht hat, Untersuchungen anstellt&ldquo; [<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>].<\/em><\/p><p>Ob es tats&auml;chlich dieses WHO-IAEO-Knebelabkommen gibt, war nicht eindeutig zu kl&auml;ren. Bei einer Literaturrecherche fand sich eine diesbez&uuml;gliche Anfrage einer franz&ouml;sischen Abgeordneten des Europ&auml;ischen Parlaments [<a href=\"#foot_23\" name=\"note_23\">23<\/a>]. Die Antwort der EU-Kommission verweist jedoch auf die Erkl&auml;rung WHO\/06 vom 23. Februar 2001, in der diese darauf hinweist, dass durch die Formulierungen (im WHO-IAEO-Abkommen) ihre Unabh&auml;ngigkeit in ihrer &ldquo;verfassungsm&auml;&szlig;igen Zust&auml;ndigkeit&rdquo; nicht gef&auml;hrdet sei [<a href=\"#foot_24\" name=\"note_24\">24<\/a>]. Handelt es sich bei dieser Antwort um eine trickreiche Verschleierung der tats&auml;chlichen Beziehungen, da eben derartige radioaktive Ereignisse eben nicht in ihre &ldquo;verfassungsm&auml;&szlig;ige Zust&auml;ndigkeit&rdquo; f&auml;llt? Die Antwort darauf muss, wie vieles in diesem Artikel, leider offen bleiben.<\/p><p>Der oben angef&uuml;hrte Keith Baverstock ist ein renommierter Strahlenbiologe und Dozent f&uuml;r Umweltwissenschaft an der Universit&auml;t von Ostfinnland. Er war fr&uuml;her regionaler Berater f&uuml;r Strahlenschutz und &Ouml;ffentliche Gesundheit bei der WHO. Auf seiner Website findet sich unter dem Stichwort &bdquo;Depleted Uranium&ldquo; die folgende Stellungnahme (&Uuml;bersetzung durch KDK; siehe unter [<a href=\"#foot_25\" name=\"note_25\">25<\/a>]): <em>Es wird angef&uuml;hrt, dass das Fehlen von epidemiologischen Beweisen f&uuml;r einen Zusammenhang zwischen Krankheiten und DU dessen Sicherheit beweist. Es ist jedoch so, dass es keine Beweise gibt, weil keine entsprechenden Studien an einer Bev&ouml;lkerung mit einer bekannten DU-Exposition durchgef&uuml;hrt worden sind. In einem solchen Fall ist das Fehlen eines Beweises kein Argument daf&uuml;r, dass es keinen solchen Effekt gibt.<\/em><\/p><p>Der Hintergrund dieser Aussage ist, dass sich die USA bis heute weigern, die Einsatzorte von DU-Munition in den L&auml;ndern, in denen sie seit 1991 Krieg gef&uuml;hrt haben, bekannt zu geben. Deshalb sind die erforderlichen epidemiologischen Untersuchungen, um einen urs&auml;chlichen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von DU-Munition und dem Auftreten bestimmter Krankheiten und Fehlbildungen nicht durchzuf&uuml;hren beziehungsweise extrem erschwert, abgesehen davon, dass auch die betroffene Zivilbev&ouml;lkerung nicht &uuml;ber entsprechende Risiken aufgekl&auml;rt werden kann. Weiterhin gibt es in diesen Regionen keine aussagef&auml;higen Fehlbildungs- und Krebsregister, so dass vergleichende Untersuchungen &uuml;ber Gesundheitssch&auml;den vor und nach dem Einsatz von DU-Waffen nicht m&ouml;glich beziehungsweise sehr erschwert sind.<\/p><p>Eine weitere negative Rolle bei der Aufkl&auml;rung der Bev&ouml;lkerung &uuml;ber die Gesundheitssch&auml;den durch den Einsatz von Uranwaffen spielen auch die Politik und die Medien. Ein besonders markantes Beispiel daf&uuml;r hat sich in Deutschland zugetragen [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>][<a href=\"#foot_26\" name=\"note_26\">26<\/a>].<\/p><p>Im Januar 2001 hat der Journalist Siegesmund von Ilsemann, langj&auml;hriger Milit&auml;rexperte des &bdquo;Spiegel&ldquo;, die letzte Ver&ouml;ffentlichung zum Thema Uranmunition geschrieben, die damals zu einer gro&szlig;en Mediendebatte f&uuml;hrte. Der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping geriet unter Druck, weil Vorw&uuml;rfe erhoben wurden, dass Uranwaffen auch im v&ouml;lkerrechtswidrigen Krieg gegen Serbien und im Kosovo 1999 eingesetzt worden seien. Minister Scharping rechtfertigte den Einsatz und erkl&auml;rte w&ouml;rtlich: <em>&bdquo;Uran wird als Metall, nicht als strahlendes Material verwendet. Deshalb haben auch alle Untersuchungen ergeben, dass die Strahlung aus diesem Uran unterhalb der nat&uuml;rlichen Umwelteinfl&uuml;sse liegt.&ldquo;<\/em><\/p><p>Claus Biegert hat diese Erkl&auml;rung des Ministers treffend kommentiert: &bdquo;Uran, das nicht strahlen soll, strahlt auch nicht! Der Minister als Magier&ldquo; [<a href=\"#foot_26\" name=\"note_26\">26<\/a>].<\/p><p>Scharping stellte daraufhin einen Arbeitsstab zusammen, der die Ungef&auml;hrlichkeit der Uranmunition best&auml;tigen sollte. Zum Leiter wurde Theo Sommer, der ehemalige Chefredakteur und Herausgeber der &bdquo;Zeit&ldquo;, ernannt. Weitere Mitglieder waren ein Redakteur der &bdquo;FAZ&ldquo;, ein Vertreter der &bdquo;Deutschen Gesellschaft f&uuml;r Ausw&auml;rtige Politik&ldquo; und eine Reihe hoher Milit&auml;rs. Auf Wissenschaftler glaubte man offensichtlich verzichten zu k&ouml;nnen. <\/p><p>Der Arbeitsstab kam zu dem gew&uuml;nschten Ergebnis, das dann im Sommer 2001 in der &bdquo;Zeit&ldquo; in einem Artikel von Gero von Randow mit dem Titel &bdquo;Die Blamage der Alarmisten&ldquo; ver&ouml;ffentlicht wurde. Seitdem wird das Thema in den &uuml;berregionalen Leitmedien und der Regionalpresse in Deutschland bis auf seltene Ausnahmen (siehe auch oben) nicht mehr aufgegriffen.<\/p><p>Eine Erkl&auml;rung f&uuml;r das Schweigen der Leitmedien &uuml;ber den Einsatz von Uranwaffen und dessen Folgen sei, meint Claus Biegert, dass m&auml;chtige Institutionen kein Interesse an einer Diskussion des Themas haben, denn das Internationale Recht sieht vor: F&uuml;r die Beseitigung von Kriegsmaterial, vergifteten B&ouml;den und Wasser sind die Verursacher verantwortlich. F&uuml;r zivile Opfer m&uuml;ssten sie sich vor dem Internationalen Gerichtshof verantworten. Eine &Auml;chtung der Uranwaffen schm&auml;lere nicht nur die Gewinne der Waffen- und Transportindustrie, sondern sie werfe auch Fragen der Entsch&auml;digung auf, die nicht vorgesehen waren [<a href=\"#foot_26\" name=\"note_26\">26<\/a>].<\/p><p><strong>Abschlie&szlig;ende Bemerkungen<\/strong><\/p><p>In der medizinischen Wissenschaft hat man sich, soweit wie m&ouml;glich, an gesicherten Fakten zu orientieren und nicht nur an Vermutungen, seien diese auch noch so gut begr&uuml;ndet. Andererseits gilt: Wir wissen nur das, was auch tats&auml;chlich wissenschaftlich untersucht und dann auch ver&ouml;ffentlich worden ist. &Uuml;ber das, was nicht untersucht beziehungsweise nicht ver&ouml;ffentlicht wurde, k&ouml;nnen wir keine gesicherten Aussagen machen. Deshalb bestehen im Hinblick auf die gesundheitssch&auml;digenden Wirkungen von Uranwaffen leider weiterhin noch viele offene Fragen, die weiter abgekl&auml;rt werden m&uuml;ssen, deren Abkl&auml;rung aber auch deshalb schwierig ist, weil diese bisher durch verschiedene Akteure verhindert worden ist (siehe oben).<\/p><p>Wie ich zu zeigen versucht habe, liegen mittlerweile aber auch eine Reihe von harten Daten vor, die den Verdacht nahe legen, dass der Einsatz von Uranwaffen zu geh&auml;uftem Auftreten von Fehlbildungen bei Neugeborenen und Krebserkrankungen und weiteren Krankheiten bei Kindern und Erwachsenen f&uuml;hren kann. Dar&uuml;ber hinaus kann der Einsatz dieser Waffen, im Unterschied zu sonstigen konventionellen Waffen, zu einer Verseuchung der Kriegsschaupl&auml;tze und deren Umgebung und wahrscheinlich auch weiter entfernter Regionen mit giftigem und radioaktiv strahlendem Staub f&uuml;hren, der auch eine gesundheitssch&auml;digende Wirkung auf die jetzt dort lebende Bev&ouml;lkerung und eventuell auch viele zuk&uuml;nftige Generationen aus&uuml;ben kann.<\/p><p>Somit hat es sich nach meiner &Uuml;berzeugung beim Einsatz von Bomben und Granaten aus abgereichertem Uran im Irak, auf dem Balkan und den anderen Einsatzorten neben der Entfesselung von v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskriegen, dem gr&ouml;&szlig;ten aller Kriegsverbrechen, um weitere gro&szlig;e Kriegsverbrechen der Anwenderstaaten gehandelt, f&uuml;r die sie sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten m&uuml;ssten.<\/p><p><strong>Danksagung:<\/strong> F&uuml;r viele wertvolle Anregungen bedanke ich mich bei Jascha Jaworski von attac Kiel und Prof. Dr. med. Martin F. Krause von der Kieler IPPNW-Gruppe.<\/p><p><strong>Autor:<\/strong> Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Kolenda<br>\n<strong>E-Mail:<\/strong> <a href=\"mailto:klaus-dieter.kolenda@gmx.de\">klaus-dieter.kolenda(at)gmx.de<\/a><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Uranmunition\">de.wikipedia.org &ndash; Uranmunition<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] who.int &ndash; <a href=\"http:\/\/www.who.int\/ionizing_radiation\/en\/Recommend_Med_Officers_final.pdf\">WHO Guidance on Exposure to Depleted Uranium<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] mdpi.com &ndash; <a href=\"http:\/\/www.mdpi.com\/2071-1050\/7\/4\/4063\/pdf\">Depleted Uranium and Its Effects on Humans<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] umweltbundesamt.de &ndash; <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/sites\/default\/files\/medien\/publikation\/long\/4193.pdf\">Uran (U) im Trinkwasser: Kurzbegr&uuml;ndung des gesundheitlichen Grenzwertes der Trinkwasserverordnung (10&mu;g\/l U) und des Grenzwertes f&uuml;r &bdquo;s&auml;uglingsgeeignete&lsquo;&lsquo; abgepackte W&auml;sser (2&mu;g\/l U)<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Kolenda KD. &ndash; <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4109\">Bomben und Granaten aus abgereichertem Uran<\/a>.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Kolenda KD. &ndash; <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41242\">Nachtrag: Lesermail zu &bdquo;Bomben und Granaten aus abgereichertem Uran&ldquo;<\/a>.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Kolenda KD. &ndash; <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41361\">Nachtrag Nr. 2 zu &bdquo;Bomben und Granaten aus abgereichertem Uran&ldquo;.<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] welt.de &ndash; <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/print\/welt_kompakt\/print_wissen\/article173237939\/Staub-des-Todes.html\">Staub des Todes<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] spiegel.de &ndash; <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/syrien-usa-raeumen-einsatz-von-uranmunition-ein-a-1134694.html\">Kampf gegen den IS &ndash; USA r&auml;umen Einsatz von Uranmunition in Syrien ein<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Frieder Wagner: Dokumentarfilm &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GTRaf23TCUI\">Deadly Dust- Todesstaub: Uranmunition und die Folgen<\/a>&ldquo;, Langfassung, 90 min.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Siegwart-Horst G&uuml;nther: Urangeschosse: Schwerbehinderte Soldaten, missgebildete Neugeborene, sterbende Kinder. Mit einem Geleitwort von Tony Benn, Margarita Papandreou &amp;Freimut Seidel. Ahriman Verlag, Freiburg 1996<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.ippnw.de\/commonFiles\/pdfs\/Frieden\/IPPNW_ICBUW_Report_DU_Munition_2012.pdf\">Die Gesundheitlichen Folgen von Uranmunition. Die gesellschaftliche Debatte &uuml;ber den Einsatz dieser umstrittenen Waffe. Ein Report der deutschen Sektionen von IPPNW und ICBUW<\/a>. 1. Auflage, Dezember 2012<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] uranmunition.org &ndash; <a href=\"http:\/\/www.uranmunition.org\/us-militaer-setzte-in-syrien-uranwaffen-ein\/\">US-Milit&auml;r setzte in Syrien Uranwaffen ein<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Faa A, Gerosa C, Fanni D, et al. Review Article. <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/28462701\">Depleted Uranium and Human Health<\/a>. Current Medicinal Chemistry 2017, 24,1-16<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Kolenda KD. &ndash; <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41680\">Nachtrag Nr. 3 zum Artikel &bdquo;Bomben und Granaten aus abgereichertem Uran&ldquo;.<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] Busby C, et al. <a href=\"http:\/\/www.mdpi.com\/1660-4601\/7\/7\/2828\">Cancer, Infant Mortality and Birth Sex-Ratio in Fallujah<\/a>, Iraq  2005- 2008. Int J Environ Res Public Health 2010, 7 (7), 2828- 37 <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Srbljak N, Milenkovic S, Cvetkovic M. Anstieg der malignen Erkrankungen in der Region von Nord-Kosovo nach der Nato-Bombardierung 1999. Aus der Inneren- und An&auml;sthesiologischen Abteilung des G.Z. Kosovska Mitrovica. Pers&ouml;nliche Mitteilung, die mir in Form eines aus dem Serbischen ins Deutsche &uuml;bersetzten Artikels der Autoren vorliegt<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] de.wikipedia.org &ndash; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Golfkriegssyndrom\">Golfkriegssyndrom<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] independentwho.org &ndash; <a href=\"http:\/\/independentwho.org\/de\/abkommen-who-und-iaeo\/\">Das Abkommen zwischen WHO und IAEO<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] luftpost-kl.de &ndash; <a href=\"http:\/\/www.luftpost-kl.de\/luftpost-archiv\/LP_13\/LP14013_200913.pdf\">Die WHO weigert sich, einen Report &uuml;ber Missbildungen bei Neugeborenen und Krebserkrankungen zu ver&ouml;ffentlichen, die durch den Einsatz DU-Munition im Irak verursacht wurden<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_21\" name=\"foot_21\">&laquo;21<\/a>] globalresearch.ca &ndash; <a href=\"http:\/\/www.globalresearch.ca\/who-refuses-to-publish-report-on-cancers-and-birth-defects-in-iraq-caused-by-depleted-uranium-ammunition\/5349556\">WHO Refuses to Publish Report on Cancers and Birth Defects in Iraq Caused by Depleted Uranium Ammunition<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_22\" name=\"foot_22\">&laquo;22<\/a>] globalresearch.ca &ndash; <a href=\"http:\/\/www.globalresearch.ca\/rise-of-cancers-and-birth-defects-in-iraq-world-health-organization-refuses-to-release-data\/5344530\">Rise of Cancers and Birth Defects in Iraq: World Health Organization Refuses to Release Data<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_23\" name=\"foot_23\">&laquo;23<\/a>] europarl.europa.eu &ndash; <a href=\"http:\/\/www.europarl.europa.eu\/sides\/getDoc.do?pubRef=-\/\/EP\/\/TEXT+WQ+E-2002-3663+0+DOC+XML+V0\/\/DE\">SCHRIFTLICHE ANFRAGE von Marie Isler B&eacute;guin (Verts\/ALE) an die Kommission <\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_24\" name=\"foot_24\">&laquo;24<\/a>] europarl.europa.eu &ndash; <a href=\"http:\/\/www.europarl.europa.eu\/sides\/getAllAnswers.do?reference=E-2002-3663&amp;language=DE\">Antwort von Frau de Palacio im Namen der Kommission <\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_25\" name=\"foot_25\">&laquo;25<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.kbaverstock.org\/\">kbaverstock.org<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_26\" name=\"foot_26\">&laquo;26<\/a>] Biegert C. DU: Das t&ouml;dliche K&uuml;rzel. Wie das Thema Depleted Uranium aus den Medien verschwand. In: Ronald Thoden (Hg): ARD &amp; Co. Wie Medien manipulieren. Band 1. Selbrund Verlag 2015, S. 160-171<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Thema hat leider nichts von seiner Aktualit&auml;t und Dringlichkeit verloren, seitdem die Nachdenkseiten das letzte Mal dar&uuml;ber berichtet haben. Im neuen Artikel greift Klaus-Dieter Kolenda neue Aspekte auf und gibt einen &Uuml;berblick &uuml;ber den Stand der Debatte, soweit sie gef&uuml;hrt wird. Denn insgesamt wird das Thema von den etablierten Medien eher stiefm&uuml;tterlich behandelt. Dies<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43752\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[149,171,179,11],"tags":[351,2228,469,1829,641,432,929,2104,304,1599,1919,466,2339,1210,640,1553,639,631,1556,1703,439],"class_list":["post-43752","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesundheitspolitik","category-militaereinsaetzekriege","category-schadstoffe","category-strategien-der-meinungsmache","tag-afghanistan","tag-guenther-siegwart-horst","tag-grossbritannien","tag-ippnw","tag-irak","tag-kosovo","tag-krankheiten","tag-kriegsopfer","tag-kriegsverbrechen","tag-kroatien","tag-lueckenpresse","tag-nato","tag-radioaktivitaet","tag-scharping-rudolf","tag-somalia","tag-syrien","tag-uno","tag-uranmunition","tag-usa","tag-voelkerrecht","tag-who"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43752","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=43752"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43752\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":43754,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43752\/revisions\/43754"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=43752"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=43752"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=43752"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}