{"id":43834,"date":"2018-05-08T08:35:38","date_gmt":"2018-05-08T06:35:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43834"},"modified":"2026-01-27T11:29:20","modified_gmt":"2026-01-27T10:29:20","slug":"die-berichterstattung-wurde-faktisch-zur-kriegsberichterstattung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43834","title":{"rendered":"\u201eDie Berichterstattung wurde faktisch zur Kriegsberichterstattung\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180508_suliman.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>&bdquo;Journalisten sollten an und f&uuml;r sich kein Interesse daran haben, irgendeine Seite zu d&auml;monisieren bzw. zu entmenschlichen&ldquo;, sagt <strong><a href=\"http:\/\/www.aktham-suliman.de\/\">Aktham Suliman<\/a><\/strong> im Interview mit den NachDenkSeiten. Der syrische Journalist warnt davor, dass Medienvertreter sich in <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43406\">Kriegen<\/a> bewusst oder unbewusst selbst einer Konfliktpartei zurechnen. Dann, so der ehemalige Deutschlandkorrespondent f&uuml;r den arabischen TV-Sender Al Jazeera, m&uuml;sste man den Begriff &bdquo;Schreibtischt&auml;ter&ldquo; mit &bdquo;neuen Inhalten f&uuml;llen&ldquo;. Ein Interview &uuml;ber die Berichterstattung zu <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42716\">Syrien<\/a>, Erz&auml;hlungen in den Medien, die nicht in Einklang zu bringen sind und den Gebrauch des gesunden Menschenverstandes, wenn es darum geht, die journalistische Berichterstattung einzuordnen. Ein Interview von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9287\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-43834-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180508_Die_Berichterstattung_wurde_zur_Kriegsberichterstattung_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180508_Die_Berichterstattung_wurde_zur_Kriegsberichterstattung_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180508_Die_Berichterstattung_wurde_zur_Kriegsberichterstattung_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180508_Die_Berichterstattung_wurde_zur_Kriegsberichterstattung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=43834-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180508_Die_Berichterstattung_wurde_zur_Kriegsberichterstattung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180508_Die_Berichterstattung_wurde_zur_Kriegsberichterstattung_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Suliman, kann es sein, dass Medien klare Feindbilder lieben?<\/strong><\/p><p>Nein. Und das kann ich sowohl als Journalist als auch als Medienwissenschaftler sagen. Journalistisch gibt es immer genug innen- und au&szlig;enpolitische Themen, die jenseits von einem Freund-Feind-Schema zu beackern sind. Ich kenne hingegen aber Politikkreise, Milit&auml;rb&uuml;ndnisse und Interessengruppen, die solche Bilder brauchen und sich nach dem Ende des Kalten Krieges eigentlich in den vorgezogenen Ruhestand h&auml;tten begeben m&uuml;ssen, wenn nicht neue Konflikte, Feinde und Gefahren hergezaubert worden w&auml;ren.<\/p><p><strong>Aber in der Berichterstattung der Medien sind dennoch immer wieder Feindbilder zu erkennen.<\/strong><\/p><p>Und zwar ganz ohne Eigenbedarf. Das Traurige ist, dass sich viele Medien f&uuml;r Ziele anspornen lassen, die gar nicht die ihren h&auml;tten sein d&uuml;rfen. Soldaten brauchen einen entmenschlichten Feind, um diesen t&ouml;ten zu k&ouml;nnen, was sonst gegen den Arterhaltungstrieb w&auml;re. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=syrien\">Journalisten<\/a> sollten an und f&uuml;r sich kein Interesse daran haben, irgendeine Seite zu d&auml;monisieren bzw. entmenschlichen. Es sei denn, man rechnet sich bewusst oder weniger bewusst einer Konfliktpartei zu und begibt sich folglich in den Dienst von deren Vertretern, ob Politikern, Milit&auml;rs oder sonstigen Akteuren, anstatt diese zu kontrollieren. In diesem Fall sollte man den Begriff &bdquo;Schreibtischt&auml;ter&ldquo; mit neuen Inhalten f&uuml;llen, etwa im Sinne von &bdquo;Bildschirmt&auml;tern&ldquo;. Schlie&szlig;lich werden inzwischen Bilder und Video-Aufnahmen immer h&auml;ufiger angef&uuml;hrt, um Kriege und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43516\">Milit&auml;rangriffe<\/a> zu rechtfertigen, wie neulich bei dem Raketenangriff auf Syrien.<\/p><p><strong>Bei der Berichterstattung zu Syrien gibt es eine alles &uuml;berragende Erz&auml;hlung: Assad ist brutal gegen sein Volk vorgegangen, deshalb hat der Westen eingegriffen. Was halten Sie von dieser Beschreibung der &bdquo;Wirklichkeit&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Einer L&uuml;ge sollte man nicht widersprechen. Einfach zwei Minuten warten und sie tut das von alleine. Zum westlichen Narrativ geh&ouml;rt etwa auch die Rede vom vermeintlichen B&uuml;rgerkrieg in Syrien und schon hat man den ersten Widerspruch. Denn bei B&uuml;rgerkriegen &ndash; einmal davon abgesehen, dass auch diese Erz&auml;hlung auf die syrische Wirklichkeit nicht zutrifft &ndash; tut doch praktisch Jeder Jedem Gewalt an. Wie k&ouml;nnte das denn zu der klaren Schuldzuweisung an nur eine Seite passen? Zudem begann der Westen nach der Ausrufung des sogenannten &bdquo;Islamischen Staates&ldquo; im Sommer 2014 dar&uuml;ber zu reden, dass es in Syrien und anderswo in Nahost ein Problem mit Hardcore-Terrororganisationen wie dem IS, Al-Kaida und Co. gibt, die es zu bek&auml;mpfen gilt. Wie passten nun die neuen Erkenntnisse zu den anderen beiden Erz&auml;hlungen, sprich dem mit der einseitigen Staatsgewalt und dem mit dem B&uuml;rgerkrieg?<\/p><p><strong>Unterschiedliche Erz&auml;hlungen? Da m&uuml;ssten Medien doch stutzig werden.<\/strong><\/p><p>Ja, das m&uuml;ssten sie. Aber sie haben dieses Dilemma nicht gel&ouml;st. Stattdessen versuchten westliche selbsternannte Nahost-Experten krampfhaft, den Lesern, H&ouml;rern und Zuschauern weiszumachen, dass die friedlichen Protestler aufgrund der staatlichen Gewalt zur Waffe gegriffen (Wo kam diese her?) und mit dem Kampf begonnen h&auml;tten (Wie wird man aus dem Stand vom Demonstranten zum Profi-Rebell?). Als es dann angeblich keine Hilfe aus dem Westen gegeben h&auml;tte (Waren die Trainingslager in Saudi-Arabien und Katar, ein CIA- und ein Pentagon-Trainingsprogramm sowie zwei Kommandozentralen in Jordanien und in der T&uuml;rkei nicht hilfreich genug?), h&auml;tten sich die K&auml;mpfer gezwungenerma&szlig;en dazu entschieden, Dschihadisten im Stile von IS und Al-Kaida zu werden. Versuchen Sie diese Geschehnisse aus dem Wunderland als Story an den Kinderkanal KIKA zu verkaufen. Sie bek&auml;men wahrscheinlich ein Ablehnungsschreiben mit der Begr&uuml;ndung: Nur f&uuml;r die kleine Zielgruppe der Drei- bis Vierj&auml;hrigen geeignet.<\/p><p><strong>Aber die Erz&auml;hlungen gehen weiter. Da gibt es noch Putin. Der hat sich, so erkl&auml;ren es uns viele Medien, selbstverst&auml;ndlich nur aus wenig ehrenwerten geostrategischen Motiven (die dem Westen v&ouml;llig fremd sind) in den Konflikt eingemischt.<\/strong><\/p><p>Und so wird eben immer weitererz&auml;hlt. Die Schuld der Medien besteht jedenfalls zun&auml;chst einmal darin, nicht tief und differenziert genug recherchiert und hingeschaut zu haben. Sonst h&auml;tten sie erkannt, dass die friedlichen Demonstranten &ndash; und diese gab es wirklich von Tunesien und &Auml;gypten bis zu Syrien und dem Jemen &ndash; gegen die Missst&auml;nde &ndash; diese sind ihrerseits real-existierend &ndash; eine weitere, eine geostrategische Ebene des Konfliktes nicht ausschlie&szlig;en d&uuml;rfte.<\/p><p>Nat&uuml;rlich geht es Staaten um geostrategische Interessen. Das gilt auch f&uuml;r die selbsternannte &bdquo;Wertegemeinschaft&ldquo; namens Westen, die im &Uuml;brigen zuerst, uneingeladen und ohne UNO-Mandat Ende 2014 milit&auml;risch in Syrien eingegriffen hatte, unter dem Deckmantel einer &bdquo;internationalen Anti-Terror-Allianz&ldquo;. In sozialen Netzen tauschen die Syrer in der letzten Zeit eine Karte des &ouml;stlichen Mittelmeers aus. Die Karte ist voller amerikanischer, russischer, britischer und franz&ouml;sischer Kriegsschiffe. Sie zeigt die Aufschrift: Wenn Sie glauben, dass all diese Schiffe wegen den Protesten aus dem Jahr 2011 hier sind, sollten Sie sich schnellstm&ouml;glich bei dem n&auml;chsten psychiatrischen Dienst melden!<\/p><p><strong>Die Medien sind aber nicht alleine f&uuml;r die Interpretation der Wirklichkeit verantwortlich.<\/strong><\/p><p>Nein, nat&uuml;rlich nicht. Systemtheoretisch betrachtet sind die Medien nur Teil eines viel gr&ouml;&szlig;eren Systems aus u.a. politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenh&auml;ngen. Zudem stellen die Medien selbst und an sich ein komplexes System dar. Die einfache Vorstellung von der L&uuml;genpresse ist insofern genauso kindisch wie die bereits angesprochenen westlichen Erz&auml;hlungen zum Krieg in Syrien.<\/p><p><strong>Wenn man Ihren Ausf&uuml;hrungen zuh&ouml;rt, kommt man zu dem Schluss, dass Sie ganz stark auf die &bdquo;geostrategische Erz&auml;hlung&ldquo; setzen, oder?<\/strong><\/p><p>Sp&auml;testens im Gymnasium lernt jeder, dass ein Ereignis mehrere Gr&uuml;nde, ein Konflikt mehrere Ebenen hat. Die westlichen Medien haben im Fall von Syrien nicht nur nicht tief und differenziert genug recherchiert, sondern sie haben auch &ndash; und das ist der zweite gravierende Fehler gewesen &ndash; unreflektiert und unkritisch die Erz&auml;hlung der eigenen Politiker und des Milit&auml;rs &uuml;bernommen, die selbst am Konflikt beteiligt sind. Die Berichterstattung wurde dadurch faktisch zur Kriegsberichterstattung: Akteure der einen Seite wie Russland, der Iran und die syrische Regierung wurden dadurch zum &bdquo;Feind&ldquo;. Akteure der anderen hingegen, also die westlichen Staaten, die Golfmonarchien, die T&uuml;rkei und die Dschihadisten selbst, zum &bdquo;Freund&ldquo;. Der Versuch, den Frontverlauf zwischen den beiden Bl&ouml;cken durch eine inhaltlich parteiische und formal neutrale Berichterstattung unsichtbar zu machen, m&uuml;ndete in bemerkenswerte Widerspr&uuml;che.<\/p><p><strong>Welche denn?<\/strong><\/p><p>Erkl&auml;ren Sie einem Bundesb&uuml;rger, warum die Salafisten in Deutschland eine Gefahr darstellen, wenn sie ihre symbolische Scharia-Polizei auf die Stra&szlig;e schicken, w&auml;hrend deren Br&uuml;der in Syrien eine &bdquo;Befreiung&ldquo; sein sollen, wenn sie mit Waffengewalt die totale Kontrolle &uuml;ber ganze Gebiete mit Hunderttausenden von Menschen wie Ost-Ghuta &uuml;bernehmen; oder warum etwa ein deutscher Dschihadist als &bdquo;Freiheitsk&auml;mpfer&ldquo; gilt, wenn er in Syrien k&auml;mpft und dann zum &bdquo;Gef&auml;hrder&ldquo; wird, wenn er nach Deutschland zur&uuml;ckkehrt. Oder versuchen Sie einfach folgenden Satz westlicher Politiker zehnmal hintereinander zu sagen, ohne zu lachen: &bdquo;Wir werden Syrien mit Hilfe von Saudi-Arabien demokratisieren&ldquo;.<\/p><p><strong>Was raten Sie den Mediennutzern? Worauf sollten sie in der Berichterstattung achten, wenn es um einen Krieg wie in Syrien geht?<\/strong><\/p><p>Zum Beispiel mein Buch &bdquo;Krieg und Chaos in Nahost &ndash; Eine arabische Sicht&ldquo; lesen. Ach, nee, das war jetzt ein Werbeblock von mir. Sehen Sie? Auch ich unterliege den Gesetzen des Systems von Finanz und Medien (lacht). Im Ernst: Nicht nur im Fall von Kriegen und nicht nur bezogen auf westliche Medien &ndash; die Problematik beim System namens Medien ist inzwischen grenz&uuml;bergreifend &ndash; sondern allgemein gilt: Man kann nicht nur durch Mangel an, sondern auch durch &Uuml;berflutung von Informationen und Bildern erblinden, vor allem im Internetzeitalter.<\/p><p>Ist die Schlacht f&uuml;r den Mediennutzer bereits verloren? Auf gar keinen Fall. Man muss nur beim Konsumieren von Medieninhalten ein altes Instrument, das uns die Natur gegeben hat, bewusst aktivieren: den gesunden Menschenverstand. Wenn uns eine Geschichte erz&auml;hlt wird, dann sollte, wie &uuml;brigens auch in der Alltagszwischenkommunikation, die erste Frage lauten: Kann die Geschichte stimmen? Ist sie logisch, schl&uuml;ssig und folglich nachvollziehbar? Oder kommt sie einem wie aus dem M&auml;rchenland vor?<\/p><p><strong>Der gesunde Menschenverstand soll also das zentrale Werkzeug sein, um Mediennutzern zu helfen, die Flut an Informationen und Nachrichten richtig einzuordnen und zu bewerten?<\/strong><\/p><p>Nicht ganz. Ein anderes Instrument der Natur, das jenseits des Bewussten wirkt, muss ausgeschaltet werden, weil es nicht f&uuml;r die Mediennutzung vorgesehen war: Triebe und Instinkte. Wenn eine Seite &ndash; welche auch immer &ndash; gequ&auml;lte, verletzte oder tote Kinder zeigt, dann will sie nichts Gutes von Ihnen. Denn Bilder von Kindern sind keine Informationstr&auml;ger, sondern sie erwecken vielmehr unsere nat&uuml;rlichen und unbewussten Schutzinstinkte auf Kosten des Verstandes. Das gibt es sowohl bei Menschen als auch bei Tieren und wird in der vergleichenden Verhaltensforschung das &bdquo;Kindchenschema&ldquo; genannt. Nur, anders als bei Tieren, sehen Menschen Kinder nicht immer real, sondern oft in Form von Video- und Standbildern auf den Bildschirmen und Zeitungsseiten. Die Wirkung bleibt aber die gleiche.<\/p><p><strong>Worauf spielen Sie an? Auf den mutma&szlig;lichen Giftgasangriff in der Stadt Duma in Ost-Ghuta Anfang April und die Bildaufnahmen aus dem Krankenhaus dort?<\/strong><\/p><p>So ist es. Ohne &ndash; um Gottes Willen &ndash; die Schmerzen nur eines einzigen Menschen in diesem Krieg bagatellisieren zu wollen.<\/p><p><strong>Hat Assad dort denn kein Giftgas eingesetzt?<\/strong><\/p><p>Das m&uuml;ssen Experten f&uuml;r Chemiewaffen endg&uuml;ltig kl&auml;ren. Doch lassen Sie uns hier die zwei bereits erw&auml;hnten Medientipps anwenden. Zum Menschenverstand geh&ouml;ren u. a. die Kenntnisse &uuml;ber Logik, Physik, Chemie und Medizin.<\/p><p><strong>Und weiter?<\/strong><\/p><p>Warum soll die syrische Armee Chemiewaffen am letzten Tag der gewonnenen Schlacht in Duma einsetzen? Das w&uuml;rde nur den Zorn der internationalen Gemeinschaft nach sich ziehen, ohne jeglichen milit&auml;rischen Nutzen. Denn die Armee hatte zu jenem Zeitpunkt bereits 95% des Gebietes von Ost-Ghuta eingenommen und ein Abkommen zur Evakuierung der restlichen K&auml;mpfer der Islam-Armee aus Duma ausgehandelt. Das w&auml;re gegen die Logik.<\/p><p>Au&szlig;erdem kann keine Armee Chemiewaffen in einem Gebiet einsetzen, das nur wenige Meter von den eigenen Stellungen entfernt liegt. Das w&auml;re gegen die Physik. Denn der starke Wind an jenem Tag h&auml;tte die vermeintlichen chemischen Substanzen auch zu den eigenen Soldaten f&uuml;hren k&ouml;nnen. Abschlie&szlig;end sollen die Bildaufnahmen zeigen, wie das Medizinpersonal des Krankenhauses von Duma den angeblichen Chemiewaffenangriffsopfern mit Wasser und Asthmaspray zu helfen versuchte. Das w&auml;re gegen die Chemie und die Medizin. Denn die Wirkung dieser schrecklichen Waffe w&auml;re mit solchen einfachen Mitteln nicht zu neutralisieren.<\/p><p><strong>Und wo spielt das Kindchenschema hierbei eine Rolle?<\/strong><\/p><p>Um die Gesetze der Logik, Physik, Chemie und Medizin auszublenden, sprich den Menschenverstand bei Millionen Zuschauern au&szlig;er Kraft zu setzen, br&auml;uchte man das Kindchenschema. In dem Moment, als wir alle das erste zitternde, nackte und &auml;ngstliche Baby gesehen haben, setzte unser Verstand aus und unser nat&uuml;rlicher Schutzinstinkt ein. &Auml;hnliches gilt beim Bild des 11-j&auml;hrigen Jungen Hassan Diab, dessen Gesicht in der Videoaufnahme hastig mit Wasser gewaschen wird. Nur so konnte der anschlie&szlig;end stattfindende v&ouml;lkerrechtswidrige &ndash; oder wollen wir nach den Naturgesetzen noch das internationale Recht neu erfinden? &ndash; Raketenangriff auf Syrien befohlen werden, ohne dass Antikriegsdemonstranten gegen den Angriff auf die Stra&szlig;e gehen. Nur so konnte der Angriff von der Bundesregierung als &bdquo;erforderlich und angemessen&ldquo; gerechtfertigt werden. F&uuml;r westliche M&auml;chte waren Hassan Diab und die anderen Kinder nur als Propaganda-Mittel interessant.<\/p><p><strong>Wollen Sie damit sagen, die Bundesregierung betreibt <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43503\">Kriegspropaganda<\/a>?<\/strong><\/p><p>Was ich sage, ist: Dasselbe Kind, Hassan Diab, hat &ndash; gesund und munter &ndash; genauso wie das ganze Medizinteam des Krankenhauses, in dem die ber&uuml;chtigten Aufnahmen entstanden, drei Wochen sp&auml;ter am Sitz der Organisation f&uuml;r das Verbot Chemischer Waffen in Den Haag in Holland als Zeuge ausgesagt, es habe keinen Chemiewaffenangriff in Duma gegeben. Anstatt vor lauter Freude dar&uuml;ber zu tanzen, dass es dem Jungen und den anderen Kindern doch wohlgeht, f&uuml;r die &ndash; und nur f&uuml;r die angeblich &ndash; man am Rande eines Weltkrieges stand, hatten achtzehn westliche Staaten, darunter die USA, Gro&szlig;britannien, Frankreich und Deutschland in einer gemeinsamen Erkl&auml;rung von einer &bdquo;groben Propaganda-&Uuml;bung&ldquo; der Russen gesprochen. In den Hauptnachrichten vieler deutscher Kan&auml;le war von dem &bdquo;auferstandenen&ldquo; Hassan Diab auch nichts zu sehen oder zu h&ouml;ren. Offenbar ist f&uuml;r den Westen nur ein leidendes syrisches Kind interessant und nur ein Bild aus salafistischen &ndash; nicht aus russischen &ndash; Quellen glaubhaft.<\/p><p><strong>Vor kurzem wurden Sie f&uuml;r &auml;hnliche Ausf&uuml;hrungen nach einem Talkshow-Auftritt im Fernsehen von einigen Medien ziemlich kritisiert. Ihnen wurde auch vorgeworfen, dem Assad-Regime nahezustehen.<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend des Afghanistan-Krieges 2001 hatte man Kriegsgegnern in der gleichen gelben Presse vorgeworfen, dem Taliban-Regime nahezustehen. W&auml;hrend des Irak-Krieges 2003 hat man den Kriegsgegnern vorgeworfen, dem Saddam-Regime nahezustehen. Warum sollte es heute anders sein? Ich bin Profi genug, um damit umgehen zu k&ouml;nnen. Mir geht es um die Sache, nicht um meine Person und wenn es manchmal mit dem Selbstmitleid zu viel wird, denke ich an das Leiden vieler, sehr vieler syrischer M&uuml;tter, die einen Anruf von der Handynummer des eigenen Sohnes bekamen, bei dem ihnen eine fremde Stimme so etwas sagte wie: &bdquo;Hier spricht Al-Nusra-Front. Wir haben deinem Sohn gerade den Kopf abgetrennt und deine Nummer in seinem Handy unter Mama gefunden. Du h&auml;tten ihn nie so schlecht erziehen und als Soldat in den Kampf gegen uns schicken sollen&ldquo;. Ein weiteres Puzzle-Teil syrischer Schmerzen.<\/p><p>Die Terroristen haben diese Szenen selbst mit der Kamera zur Belustigung aufgenommen. Die Urschreie der M&uuml;tter aus den auf laut gestellten Handys sind mit Worten nicht zu fassen. Die Terroristen lachen und der Westen will von dieser Ger&auml;uschkulisse nichts mitbekommen haben &ndash; ebenso nichts von dem 11-j&auml;hrigen Jungen mit den gro&szlig;en fragenden Augen in Den Haag.<\/p><p><em>Lesetipp: Suliman, Aktham: Krieg und Chaos in Nahost: Eine arabische Sicht. Nomen Verlag. Frankfurt, Oktober 2017.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180508_suliman.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>&bdquo;Journalisten sollten an und f&uuml;r sich kein Interesse daran haben, irgendeine Seite zu d&auml;monisieren bzw. zu entmenschlichen&ldquo;, sagt <strong><a href=\"http:\/\/www.aktham-suliman.de\/\">Aktham Suliman<\/a><\/strong> im Interview mit den NachDenkSeiten. Der syrische Journalist warnt davor, dass Medienvertreter sich in <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43406\">Kriegen<\/a> bewusst oder unbewusst selbst einer Konfliktpartei zurechnen.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43834\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,209,183,171,11],"tags":[947,912,2102,1409,2175,1544,259,1553],"class_list":["post-43834","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-interviews","category-medienkritik","category-militaereinsaetzekriege","category-strategien-der-meinungsmache","tag-arabellion","tag-buergerkrieg","tag-geostrategie","tag-gifteinsatz","tag-interventionspolitik","tag-kampagnenjournalismus","tag-russland","tag-syrien"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43834","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=43834"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43834\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":84473,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43834\/revisions\/84473"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=43834"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=43834"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=43834"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}