{"id":43956,"date":"2018-05-15T08:31:49","date_gmt":"2018-05-15T06:31:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43956"},"modified":"2019-03-11T13:54:33","modified_gmt":"2019-03-11T12:54:33","slug":"mit-der-kuendigung-des-iranischen-atomabkommens-fuegen-die-usa-der-kette-ihrer-fehlentscheidungen-im-nahen-osten-ein-neues-glied-hinzu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43956","title":{"rendered":"Mit der K\u00fcndigung des iranischen Atomabkommens f\u00fcgen die USA der Kette ihrer Fehlentscheidungen im Nahen Osten ein neues Glied hinzu"},"content":{"rendered":"<p>Das ist wie so oft mal wieder ein informativer Beitrag von <strong>Heiko Flottau<\/strong>. Und er ist h&ouml;chst aktuell und erweitert den Horizont. In einer Zeit, die davon gepr&auml;gt ist, dass Geschichte wie etwa die Geschichte des Krieges in Syrien und die Geschichte der Auseinandersetzung mit Iran verk&uuml;rzt erz&auml;hlt wird, ist die umfassende Darstellung des Journalisten und Nahostexperten Heiko Flottau bitter aktuell. <strong>Albrecht M&uuml;ller.<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1779\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-43956-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180515_US_Fehlentscheidungen_im_Nahen_Osten_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180515_US_Fehlentscheidungen_im_Nahen_Osten_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180515_US_Fehlentscheidungen_im_Nahen_Osten_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180515_US_Fehlentscheidungen_im_Nahen_Osten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=43956-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180515_US_Fehlentscheidungen_im_Nahen_Osten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180515_US_Fehlentscheidungen_im_Nahen_Osten_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Heiko Flottau:<\/strong><\/p><blockquote><p>&bdquo;Je mehr Du im Frieden schwitzt, desto weniger Blut verlierst Du im Krieg.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Ein guter Rat &ndash; von einem, der es wissen muss. Er stammt von General H. Norman Schwartzkopf junior, einst Oberbefehlshaber des amerikanischen Central Command (CENTCOM), im Irakkrieg vom Januar und Februar 1991 Oberbefehlshaber jener Truppen, welche die Armee von Saddam Hussein aus Kuwait vertrieben haben. M&ouml;glicherweise hat Pr&auml;sident Donald Trump fast drei Jahrzehnte sp&auml;ter von dem Ratschlag seines Landsmannes Schwartzkopf nichts gewusst &ndash; und h&auml;tte er davon Kenntnis gehabt, so hat er ihn nicht beherzigt, als er jetzt das Atomabkommen mit dem Iran k&uuml;ndigte und so eine gro&szlig;e Kriegsgefahr heraufbeschwor.<\/p><p>Eher hielt sich Trump &ndash; sofern ihm die Geschichte des Iran &uuml;berhaupt bekannt ist &ndash; an H. Norman Schwartzkopf senior. Vater Schwartzkopf war von den USA in den Iran geschickt worden, wo er zun&auml;chst die Polizeikr&auml;fte des Schahs ausbildete, dann aber, zusammen mit dem CIA-Agenten Kermit Roosevelt, im Jahre 1953 den Ministerpr&auml;sidenten Mohammed Mossadegh st&uuml;rzte und den Schah wieder ins Amt setzte. Mossadegh hatte es gewagt, die vornehmlich im britischen Besitz befindliche Erd&ouml;lindustrie des Landes zu verstaatlichen und Schah Reza Pahlavi vom Thron zu vertreiben. Als Kommunist wurde Mossadegh von den USA und Gro&szlig;britannien beschimpft &ndash; obwohl er lediglich die nationalen und wirtschaftlichen Interessen seines Landes vertreten hatte.<\/p><p>Heute regieren nicht mutma&szlig;liche Kommunisten das Land, sondern schlimme Mullahs &ndash; die allerdings auch nichts anderes tun, als die Interessen ihres Landes (und ihres Regimes) zu vertreten. Doch die haben 1979 das Folterregime des Schahs &ndash; des Verb&uuml;ndeten der USA &ndash; gest&uuml;rzt und unter F&uuml;hrung von Ayatollah Chomeini eine &bdquo;Islamische Republik&ldquo; ausgerufen. Mit dieser Revolution vertrieben sie die USA aus dem Iran &ndash; ein politisches Vergehen, das Donald Trump und seine Gefolgsleute bis heute nicht vergeben haben.<\/p><p>Wer den Sturz Mossadeghs im Jahre 1953 und die Macht&uuml;bernahe Chomeinis im Jahr 1979 n&auml;her analysiert, kommt zu der Schlussfolgerung, dass die Revolution Chomeinis eine Folge des CIA-Putsches von 1953 ist. Kein anderer etwa als Nelson Mandela sagte im September 2002 in einem Interview mit Newsweek: &bdquo;Die Vereinigten Staaten haben ernsthafte Fehler in der F&uuml;hrung ihrer Au&szlig;enpolitik gemacht. &hellip; Diese Fehler hatten verh&auml;ngnisvolle Auswirkungen, lange nachdem diese Entscheidungen getroffen wurden. &hellip; Denn die unqualifizierte Unterst&uuml;tzung des Schahs des Iran f&uuml;hrte direkt zur islamischen Revolution von 1979.&ldquo;<\/p><p>Will man das Verhalten der gegenw&auml;rtigen iranischen Machthaber verstehen &ndash; nicht entschuldigen &ndash; muss man sich ein wenig die Geschichte des Landes zu eigen machen. Es begann im Jahre 1907, als sich Gro&szlig;britannien und das russische Zarenreich das Land untereinander aufteilten. Russland sollte im Norden, Gro&szlig;britannien im S&uuml;den die Vormachtstellung bekommen, dazwischen wurde eine sogenannte neutrale Zone mit Teheran als Hauptstadt etabliert. Im britischen Unterhaus wetterte ein Abgeordneter: &bdquo;Diese kleine Nation &hellip; liegt zwischen Leben und Tod, wird geteilt, fast auseinandergenommen, hilflos und ohne Freunde liegt sie zu unseren F&uuml;&szlig;en.&ldquo;<\/p><p>Allerdings hatte das Regime unter der Dynastie der Qajaren nicht unerheblichen Anteil an der Politik der beiden Gro&szlig;m&auml;chte. Im Jahr 1872 hatte Schah Nassir al-Din die Konzessionen, die Industrie des Landes zu f&uuml;hren, Ackerland zu bearbeiten, Eisenbahnen zu bauen, Bodensch&auml;tze auszubeuten, eine Nationalbank zu gr&uuml;nden und Geld zu drucken, an den Briten Baron Julius de Reuter gegeben, um mit den Konzessionsgeb&uuml;hren weiter sein prunkvolles, vom Volke abgehobenes Leben zu f&uuml;hren.<\/p><p>Nachdem 1908 im Iran &Ouml;l entdeckt worden war, sicherte sich Gro&szlig;britannien die Lizenzen in der 1909 gegr&uuml;ndeten Anglo Persian Oil Company (1935 Anglo-Iranian Oil Company). Nach dem CIA-Coup gegen Premier Mossadegh wurde die Gesellschaft 1954 in British Petroleum (BP) umbenannt &ndash; immerhin ein Name, der die Besitz- und Machtverh&auml;ltnisse korrekt wiedergibt. Zusammen mit dem in Birma von London kontrollierten &Ouml;l erm&ouml;glichte das persische &Ouml;l der Weltmacht Gro&szlig;britannien, den Antrieb seiner Kriegsflotte von Kohle auf &Ouml;l umzustellen &ndash; ein nicht geringer Vorteil im Ersten Weltkrieg. Winston Churchill schwelgte, der iranische Erd&ouml;lfund sei ein Preis aus &bdquo;dem M&auml;rchenland jenseits unserer k&uuml;hnsten Tr&auml;ume&ldquo;.<\/p><p>Im Jahr 1919 zwangen die Briten dem Schah einen Vertrag auf, der ihnen die Kontrolle &uuml;ber die Armee des Iran, das Banken- und Transportsystem &uuml;bereignete und zur Sicherung dieser Besatzung das Kriegsrecht einsetzte. Der britische Lord Curzon bezeichnete diesen Ausverkauf als die &bdquo;umfassendste und au&szlig;erordentlichste Unterwerfung der gesamten industriellen Ressourcen eines K&ouml;nigreiches in ausl&auml;ndische H&auml;nde &hellip; in der Geschichte&ldquo;.<\/p><p>Sechs Jahrzehnte sp&auml;ter. Nach dem CIA-Coup gegen Premier Mossadegh markiert das Jahr 1979 eine politische und milit&auml;rische Wasserscheide am Golf, die die Ereignisse von 1953 umkehren sollte. Im Iran kam Ayatollah Chomeini an die Macht. Chomeini trieb die im Iran mit dem Schah zusammen herrschenden USA aus dem Land. Ebenfalls im Jahr 1979 wurde im Irak Saddam Hussein Pr&auml;sident. Die USA sahen im neuen Mann in Bagdad sofort jenes Werkzeug, mit dem man die feindlich gesinnten Herren im Iran aushebeln k&ouml;nnte &ndash; um dort die alte Vormachtstellung der USA wiederherzustellen. Unter stiller Duldung der USA lie&szlig; Saddam Hussein am 20. September 1980 seine Truppen in die auch von Arabern bewohnte iranische Provinz Khusistan einmarschieren &ndash; in der, wie sich herausstellte, fehlgeleiteten Hoffnung, die dort wohnenden arabischen Bev&ouml;lkerungsteile w&uuml;rden die Iraker als Befreier begr&uuml;&szlig;en und dazu beitragen, Chomeini zu st&uuml;rzen.<\/p><p>Nichts dergleichen geschah. Es folgte ein Krieg von acht Jahren &ndash; insgesamt starben eine Million Menschen. Als das irakische Abenteuer f&uuml;r Bagdad sogar mit einer Niederlage zu enden drohte, sprangen die USA auf der Seite Saddam Husseins ein. Im Jahr 1988 gaben die USA dem irakischen Diktator jene milit&auml;rischen Ratschl&auml;ge, mit denen der Irak die vom Iran besetzte irakische Halbinsel Fao am Eingang des Schatt el-Arab (dem Zusammenfluss von Euphrat und Tigris) zur&uuml;ckerobern konnte. Nach UN-Ermittlungen soll der Irak bei den K&auml;mpfen um Fao chemische Kampfstoffe eingesetzt haben. 170 000 Soldaten fielen allein im Kampf um Fao.<\/p><p>&Uuml;brigens: Nachdem der Irak dann im Jahr 1990 Kuwait &uuml;berfallen hatte und 1991 von einer Koalition unter F&uuml;hrung der USA wieder vertrieben worden war, wurde er zu hohen Reparationszahlungen an Kuwait verurteilt, deren letzte Rate vor kurzem &uuml;berwiesen wurde. Dem Iran indessen wurden f&uuml;r die Folgen der irakischen Invasion von 1980 niemals finanzielle Kompensationen zugesprochen.<\/p><p>F&uuml;r den Iran war die von den USA zumindest stillschweigend geduldete, wenn nicht auch gef&ouml;rderte irakische Invasion ein ebenso gro&szlig;er politischer Schock wie der Sturz ihres Premierministers Mossadegh im Jahre 1953. Bis dahin hatte der Iran exakt 234 Jahre lang kein Nachbarland mehr angegriffen, vielmehr war er erneut Opfer einer ausl&auml;ndischen Aggression geworden.<\/p><p>Es lag auf der Hand, dass der Iran eines Tages versuchen w&uuml;rde, eine Art Sicherungszaun um sich zu errichten. Er sah diese Sicherung in der Entwicklung einer Atombombe, diese sollte neue &Uuml;berf&auml;lle des Irak oder auch Angriffe wie jene der USA auf das Nachbarland Irak verhindern. Umso h&ouml;her war das Einlenken des Iran zu bewerten, als das Land im Jahr 2015 mit den USA, Russland, China, Deutschland, Frankreich und Gro&szlig;britannien das (nun von Trump gek&uuml;ndigte) Atomabkommen schloss. Das Interesse der iranischen Vertragspartner aus West und Ost an dem Abkommen war schon deshalb so gro&szlig;, weil sie verhindern wollten, dass in einem Land wie dem Iran, das an sieben L&auml;nder grenzt (Irak, T&uuml;rkei, Aserbaidschan, Armenien, Turkmenistan, Afghanistan und Pakistan) eine Atommacht entst&uuml;nde.<\/p><p>Nun besteht die Gefahr, dass der Iran erneut versuchen wird, nach Atomwaffen zu greifen &ndash; wobei aber festzustellen ist, dass der Iran bisher niemals &uuml;ber eine Anreicherung von Uran auf etwa zwanzig Prozent hinausgekommen ist. F&uuml;r den Bau einer Atombombe ben&ouml;tigt man aber eine Anreicherung von &uuml;ber achtzig Prozent.<\/p><p>War das iranische Regime im Umgang mit den USA stets so kompromisslos, wie es im Westen dargestellt wird? Bernd Erbel, von 2004 bis 2006 deutscher Botschafter in Bagdad und von 2009 bis 2013 Botschafter in Teheran, schreibt: &bdquo;Im Mai 2003 gingen die USA in ihrem Gef&uuml;hl falschen Triumphes nach der Besetzung des Irak nicht auf ein umfangreiches, von der Schweiz vermitteltes iranisches Angebot ein, &uuml;ber eine Beilegung aller au&szlig;enpolitischen Differenzen &ndash; von Pal&auml;stina bis zum Nuklearkonflikt &ndash; zu verhandeln.&ldquo;<\/p><p>Denn Washington verfolgte unter George W. Bush eine andere Agenda, eine Agenda, an welche Donald Trump, Sicherheitsberater John Bolton und Au&szlig;enminister Mike Pompeo jetzt ankn&uuml;pfen. Sie wollen zur&uuml;ck zur Zeit der Schah-Dynastie, sie wollen den Iran erneut zum Milit&auml;rst&uuml;tzpunkt der USA an der S&uuml;dflanke der ehemaligen Sowjetunion, der heutigen Russischen F&ouml;deration machen. John Bolton sagte im Jahre 2017: &ldquo;Ich habe seit mehr als zehn Jahren gesagt, dass es das erkl&auml;rte Ziel der USA sein sollte, das Mullah-Regime in Iran zu st&uuml;rzen. Das Verhalten des Regimes wird sich nicht &auml;ndern &ndash; also m&uuml;ssen wir das Regime &auml;ndern. Und deshalb, noch vor 2019, werden wir in Teheran feiern.&rdquo;<\/p><p>Freilich: Wie fast immer in der amerikanischen Nahostpolitik fehlt der politische Weitblick. Bereits im Jahr 2009 sagte der pensionierte US-General Anthony Zinny: &bdquo;Nachdem ihr also Bomben auf deren Bunkeranlagen abgeworfen habt, wie geht es dann weiter? Was, wenn sie beschlie&szlig;en, von ihren Bunkeranlagen aus ihre mobilen Raketen in Richtung der US-Milit&auml;rbasen auf der anderen Seite des Persischen Golfs zu lenken? Oder Israel anzugreifen oder sonst wen?&ldquo;<\/p><p>Immer wieder wird dem Iran vom Westen, besonders von Israel, vorgeworfen, er betreibe &ndash; etwa in Syrien &ndash; eine aggressive Politik. Niemand aber erw&auml;hnt in diesem Zusammenhang, wie sehr Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate Dschihadisten aller Art in Syrien unterst&uuml;tzen &ndash; Dschihadisten, die keineswegs Assad deshalb st&uuml;rzen wollen, um eine Demokratie einzuf&uuml;hren. Kronzeuge f&uuml;r diese meist unterdr&uuml;ckte Tatsache ist kein anderer als der damalige US-Vizepr&auml;sident Joe Biden. Im Oktober 2014 sagte er in einer Rede vor Zuh&ouml;rern der Harvard-Universit&auml;t:<\/p><p>&bdquo;Unser gr&ouml;&szlig;tes Problem sind unsere Alliierten, die in einem Sunni-Shia-Stellvertreterkrieg gegen den syrischen Pr&auml;sidenten Baschar al-Assad engagiert sind. &hellip; Was taten sie? Sie sch&uuml;tteten Hunderte Millionen von Dollar und Tausende Tonnen Waffen in jeden, der bereit war, gegen Assad zu k&auml;mpfen.&ldquo; Die Empf&auml;nger dieser Unterst&uuml;tzung seien, sagte Biden weiter, &bdquo;Jabbat al-Nusra, al-Qaida und Extremisten, die aus anderen Teilen der Welt gekommen seien&ldquo;.<\/p><p>Seit dem Sturz des Schahs und der Gr&uuml;ndung der Islamischen Republik im Jahr 1979 sind Syrien und der Iran sozusagen nat&uuml;rliche politische Verb&uuml;ndete. Die Anwesenheit iranischer K&auml;mpfer und von K&auml;mpfern der Hisbollah in Syrien, sagen Experten, sei v&ouml;lkerrechtlich nicht zu beanstanden, weil diese K&auml;mpfer, zumindest formal, von Syrien um Hilfe gebeten worden seien. Ohne dieses iranische Eingreifen w&auml;re es, so lautet diese Argumentation weiter, kaum m&ouml;glich gewesen, den IS (zusammen mit den Kurden und mit Russland) zu besiegen. Auch die Behauptung der USA, der Iran sei der weltweit gr&ouml;&szlig;te Unterst&uuml;tzer terroristischer Gruppen, trifft nicht zu. Dieses Pr&auml;dikat geb&uuml;hrt allein dem US-Verb&uuml;ndeten Saudi-Arabien, der seit Jahrzehnten Terrorgruppen finanziert und zudem seinen konservativen Islam, den Wahhabismus, weltweit f&ouml;rdert &ndash; ohne diese Ideologie w&auml;ren etwa die afghanischen Taliban und auch der IS nicht denkbar.<\/p><p>Von der Aufteilung des Iran zwischen Russland und Gro&szlig;britannien &uuml;ber die Konfiskation seines Erd&ouml;ls im Jahre 1908 bis zur Entsendung von Vater Norman H. Schwartzkopf in den Iran und dessen Beteiligung am Sturz von Premier Mossadegh im Jahre 1953 &uuml;ber die stille Duldung der irakischen Invasion des Iran von 1980 bis zur Aufk&uuml;ndigung des Atomabkommens durch Donald Trump und der Ank&uuml;ndigung von US-Siegesfeiern in Teheran durch John Bolton zieht sich eine rote Linie westlicher Interventionen im Iran.<\/p><p>Ist der Iran ein Schurkenstaat, wie Pr&auml;sident George W. Bush im Jahre 2002 behauptete? Donald Trump, John Bolton und Mike Pompeo treten durch ihr Handeln in die Fu&szlig;stapfen von Bush junior. Nelson Mandela jedoch w&uuml;rde heute wiederum von &bdquo;ernsthaften Fehlern&ldquo; in der amerikanischen Au&szlig;enpolitik sprechen, die &bdquo;verh&auml;ngnisvolle Auswirkungen&ldquo; haben werden, &bdquo;lange, nachdem diese Entscheidungen getroffen wurden&ldquo;.<\/p><p><strong>Dazugeh&ouml;rige Literatur:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Stephen Kinzer: All the Shah&lsquo;s Men. An American Coup and the Roots of Middle East Terror, Hoboken New Jersey 2003, S. 39<\/li>\n<li>Kinzer, ebenda, S.39<\/li>\n<li>Kinzer, ebenda S.39<\/li>\n<li>Bernd Erbel: Iran zwischen falscher Wahrnehmung Sanktion und erhoffter Entspannung. In: Klaus Gallas (Hrsg.) Orient im Umbruch. Der Arabische Fr&uuml;hling und seine Folgen. Mitteldeutscher Verlag Halle 2014, S. 49<\/li>\n<li>Bento &ndash; <a href=\"http:\/\/www.bento.de\/politik\/iran-atom-deal-was-donald-trumps-berater-john-bolton-mit-dem-teheran-regime-plant-2365357\/\">Hier verk&uuml;ndet Trumps Berater seinen wahren Plan f&uuml;r Iran<\/a><\/li>\n<li>Michael L&uuml;ders: Iran &ndash; der falsche Krieg. Wie der Westen seine Zukunft verspielt. M&uuml;nchen 2012, S. 32<\/li>\n<li>The Telegraph &ndash; <a href=\"https:\/\/www.telegraph.co.uk\/news\/worldnews\/middleeast\/unitedarabemirates\/11142683\/Joe-Biden-forced-to-apologise-to-UAE-and-Turkey-over-Syria-remarks.html\">Joe Biden forced to apologise to UAE and Turkey over Syria remarks<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist wie so oft mal wieder ein informativer Beitrag von <strong>Heiko Flottau<\/strong>. Und er ist h&ouml;chst aktuell und erweitert den Horizont. In einer Zeit, die davon gepr&auml;gt ist, dass Geschichte wie etwa die Geschichte des Krieges in Syrien und die Geschichte der Auseinandersetzung mit Iran verk&uuml;rzt erz&auml;hlt wird, ist die umfassende Darstellung des Journalisten<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43956\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,172,20,171],"tags":[1519,1460,2315,368,1334,2102,469,641,951,1564,1878,2333,663,1418,1366,2283,259,1054,1553,1800,1556],"class_list":["post-43956","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-aufruestung","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-atomwaffen","tag-biden-joe","tag-bolton-john","tag-bush-george-w","tag-erdoel","tag-geostrategie","tag-grossbritannien","tag-irak","tag-iran","tag-krieg-gegen-den-terror","tag-naher-osten","tag-pompeo-mike","tag-putsch","tag-regime-change","tag-reparationen","tag-revolution","tag-russland","tag-saudi-arabien","tag-syrien","tag-trump-donald","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43956","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=43956"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43956\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":50056,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43956\/revisions\/50056"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=43956"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=43956"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=43956"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}