{"id":43979,"date":"2018-05-16T12:11:09","date_gmt":"2018-05-16T10:11:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43979"},"modified":"2018-05-16T15:31:08","modified_gmt":"2018-05-16T13:31:08","slug":"siemens-mach-den-besten-minister-den-wir-je-hatten-zum-aufsichtsrat-wo-bleibt-der-aufschrei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43979","title":{"rendered":"Siemens macht den besten Minister, den \u201ewir\u201c je hatten, zum Aufsichtsrat \u2013 wo bleibt der Aufschrei?"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180516-sigmar-gabriel-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Dass es Sigmar Gabriel nach seinem Abschied aus der ersten Reihe der Politik irgendwann in die Wirtschaft ziehen w&uuml;rde, war abzusehen. Ein wenig &uuml;berraschend ist jedoch, wie schnell sein Seitenwechsel nun vonstatten ging und dass er ausgerechnet bei einem Unternehmen in Lohn und Brot geht, das er w&auml;hrend seiner Amtszeit als Umwelt-, Wirtschafts- und Au&szlig;enminister massiv protegiert hat. Sollten die Kartellbeh&ouml;rden gr&uuml;nes Licht f&uuml;r die Fusion der Zugsparte von Siemens mit dem franz&ouml;sischen Alstom-Konzern geben, <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/siemens-alstom-gabriel-101.html\">wird<\/a> Gabriel dort dem Verwaltungsrat angeh&ouml;ren und sch&auml;tzungsweise rund 300.000 Euro Bez&uuml;ge pro Jahr f&uuml;r einen sehr &uuml;berschaubaren Arbeitsaufwand erhalten. Das hat nicht nur einen faden Beigeschmack, sondern stinkt f&ouml;rmlich nach einer Form der Korruption, die in Deutschland leider sehr weit verbreitet ist. Eine Neuregelung ist dringend n&ouml;tig. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4087\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-43979-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180816_Siemens_macht_Gabriel_zum_Aufsichtsrat_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180816_Siemens_macht_Gabriel_zum_Aufsichtsrat_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180816_Siemens_macht_Gabriel_zum_Aufsichtsrat_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180816_Siemens_macht_Gabriel_zum_Aufsichtsrat_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=43979-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180816_Siemens_macht_Gabriel_zum_Aufsichtsrat_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180816_Siemens_macht_Gabriel_zum_Aufsichtsrat_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wer oder was ist eigentlich &bdquo;Siemens Alstom&ldquo;? Hierbei handelt es sich um ein Unternehmen, das es strenggenommen noch gar nicht gibt und nach den Vorstellungen des Industriegiganten General Electrics wohl auch nie gegeben h&auml;tte. Der US-Konzern wollte n&auml;mlich 2014 den franz&ouml;sischen Mischkonzern Alstom komplett &uuml;bernehmen und hatte daf&uuml;r auch schon gr&uuml;nes Licht der Alstom-Aktion&auml;re und des Alstom-Managements. Die Vorstellung, mitten im Herzen der EU einen starken amerikanischen Konkurrenten heranwachsen zu sehen, stie&szlig; jedoch beim deutschen Mischkonzern Siemens auf heftigen Widerstand. Hinter den Kulissen machte man seinen Einfluss in der Politik <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/uebernahmepoker-siemens-reicht-angebot-fuer-alstom-ein-12916151.html\">geltend<\/a> und daraufhin legte die franz&ouml;sische Regierung ihr Veto gegen die &Uuml;bernahme ein &ndash; das darf sie nach franz&ouml;sischem Recht, wenn es sich um die &bdquo;strategische Industriesparte&ldquo; handelt.  Wirkm&auml;chtigster Lobbyist von Siemens war damals niemand anderes <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/alstom-und-siemens-gabriel-spricht-sich-fuer-fusion-mit-siemens-aus-a-966545.html\">als der amtierende deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel<\/a>, der sich in Gespr&auml;chen mit seinem franz&ouml;sischen Kollegen Montebourg und dem franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten Hollande f&uuml;r den deutschen Konzern stark machte. Am Ende konnten die Deutschen jedoch nur einen Teilerfolg verbuchen &ndash; w&auml;hrend General Electrics die besonders attraktive Energiesparte von Alstom &uuml;bernehmen durfte, musste Siemens mit einer Fusion seiner Zugsparte (Siemens Mobility) mit dem Alstom-Rumpfkonzern, der nach der Aufspaltung fast ausschlie&szlig;lich deren Zugsparte umfasste, vorlieb nehmen. So soll hinter dem chinesischen Konzern CRRC der zweitgr&ouml;&szlig;te Eisenbahnhersteller der Welt in deutsch-franz&ouml;sischer Kooperation entstehen. Ob dies ohne die politische Einflussnahme von Sigmar Gabriel &uuml;berhaupt geschehen w&auml;re, steht zur Debatte. <\/p><p>Auch in anderen F&auml;llen hat sich Gabriel in seiner Arbeit als Minister stets als treuer Partner des Siemens-Konzerns verhalten. Sein <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/umweltschutz-gabriel-tritt-den-klimaschutz-in-die-tonne-1.3241324\">Einsatz f&uuml;r Strom aus Atom und Kohle<\/a> als Umweltminister hat der Kraftwerksparte lukrative Auftr&auml;ge verschafft. Bei seinen Reisen als Wirtschafts- und Au&szlig;enminister waren Siemens-Manager stets mit im Gefolge. Auf Wunsch von Siemens lud Gabriel sogar den &auml;gyptischen Diktator as-Sisi <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/aegyptens-praesident-in-berlin-deutschland-verramscht-seine-prinzipien-a-1036708.html\">nach Berlin ein<\/a> und f&auml;delte &ndash; abgesichert durch B&uuml;rgschaften, f&uuml;r die der Steuerzahler haftet &ndash; einen 10-Milliarden-Euro-Deal f&uuml;r die Kraftwerkssparte von Siemens mit der &auml;gyptischen Milit&auml;rjunta ein. <\/p><p>Beim Wiederaufbau der Wirtschaftsbeziehungen zu Iran war Gabriel ebenfalls der Wortf&uuml;hrer innerhalb der Bundesregierung. Dagegen ist freilich nichts einzuwenden; nur, dass Gabriels Engagement <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/iran-grosse-koalition-streitet-ueber-moegliche-einladung-von-hassan-rohani-a-1074684.html\">Presseberichten zufolge<\/a> ein Ergebnis des &bdquo;Dr&auml;ngens&ldquo; des Siemens-Chefs Joe Kaeser war, der Iran gerne Z&uuml;ge und Kraftwerke verkaufen w&uuml;rde. 2016 lie&szlig; Kaeser auf der Asien-Pazifik-Konferenz das internationale Publikum <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/politik\/weltwirtschaft\/gabriel-gegen-china-warum-der-vizekanzler-richtig-handelt-a-1120046.html\">wissen<\/a>, was er von Sigmar Gabriel h&auml;lt.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Er ist der beste Wirtschaftsminister, den <strong>wir<\/strong> je hatten&ldquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Mit diesen Worten im Hinterkopf &uuml;berrascht die Personalie Gabriel bei Siemens Alstom dann vielleicht doch nicht mehr.<\/p><p>Es geh&ouml;rt nat&uuml;rlich auch zu den Aufgaben eines Wirtschaftsministers, heimische Unternehmen im Ausland zu vertreten und ihnen bei der Auftragsvergabe zu helfen. Verpflichtet ist ein Bundesminister jedoch nicht der deutschen Wirtschaft, sondern dem deutschen Volk &ndash; und das gilt auch f&uuml;r den Bundeswirtschaftsminister. Bei Sigmar Gabriel suchte man diesen Grundsatz jedoch oft vergebens. <\/p><p>Ein Bundesminister erh&auml;lt pro Monat 12.271 Euro &bdquo;Dienstaufwandsentsch&auml;digung&ldquo; &ndash; nat&uuml;rlich netto. Inklusive steuerfreier Pauschalen kommt man als Wirtschafts- oder Au&szlig;enminister so auf rund 150.000 Euro netto pro Jahr. Das gleiche Sal&auml;r d&uuml;rfte Sigmar Gabriel k&uuml;nftig als von Siemens nominierter Verwaltungsrat im Gemeinschaftsunternehmen Siemens Alstom beziehen. Da es das Unternehmen noch nicht gibt, muss man sich hier an Vergleichsgr&ouml;&szlig;en orientieren. Laut <a href=\"https:\/\/www.siemens.com\/investor\/pool\/de\/investor_relations\/Siemens_GB2017_Verguetung.pdf\">Verg&uuml;tungsbericht<\/a> darf ein Aufsichtsrat bei Siemens mit Eink&uuml;nften zwischen 150.500 und 617.000 Euro pro Jahr rechnen. F&uuml;r einen Nebenjob, bei dem rund die H&auml;lfte der Vertreter pro Jahr gerade einmal auf vier Sitzungen anwesend sind, ist dies mehr als stattlich. Und es ist klar, dass Gabriel diesen Posten nicht wegen seiner Qualifikation als Deutschlehrer bekommen hat, sondern weil er Siemens als Minister gewogen war.<\/p><p>Diesen Konflikt kann man nur sehr schwer im Sinne der Bev&ouml;lkerung aufl&ouml;sen. Man kann dem Privatmann Gabriel ja nicht verbieten, eine Aufsichtsrats- oder eben Verwaltungsratsstelle anzunehmen. Was man aber regulieren k&ouml;nnte, w&auml;re die Verwendung der Bez&uuml;ge. So ist es f&uuml;r Gewerkschaftsmitglieder, die als Vertreter der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat sitzen, intern vorgeschrieben, dass sie ihre Aufwandsentsch&auml;digungen an die gewerkschaftsnahe Hans-B&ouml;ckler-Stiftung spenden. Ein solches Modell erscheint auch f&uuml;r ehemalige Amtstr&auml;ger geboten. Es spr&auml;che ja nichts dagegen, dass ein Sigmar Gabriel sich als Aufsichtsrat verdingt, wenn er die &uuml;ppigen Bez&uuml;ge f&uuml;r einen wohlt&auml;tigen Zweck spenden w&uuml;rde. <strong>Warum verabschiedet der Bundestag nicht einfach ein Gesetz, das hohen Amtstr&auml;gern vorschreibt, Eink&uuml;nfte aus der Privatwirtschaft, die in Verbindung mit der &ouml;ffentlichen T&auml;tigkeit stehen, zu spenden?<\/strong><\/p><p>Sigmar Gabriel war nun neun Jahre Bundesminister und hat zuletzt nach eigenen Angaben 260.000 Euro pro Jahr verdient, seine Pensions- und Rentenanspr&uuml;che sind als ehemaliger Bundesminister, Bundestagsabgeordneter, Ministerpr&auml;sident von Niedersachen und SPD-Vorsitzender sicherlich in einer Gr&ouml;&szlig;enordnung, von der eine ganze Familie m&uuml;helos auf einem sehr hohen Standard leben kann. Das sei ihm auch geg&ouml;nnt. Auf Zusatzeinnahmen, die den Verdacht der K&auml;uflichkeit nahelegen, ist ein Mann wie Sigmar Gabriel doch gar nicht angewiesen. Mein Vorschlag: Er k&ouml;nnte doch zusammen mit seinen ehemaligen Fahrensm&auml;nnern Schr&ouml;der, Riester, M&uuml;ntefering und Co. eine Stiftung f&uuml;r Opfer der Agenda-Politik gr&uuml;nden, in die die Herren und Damen &bdquo;Reformer&ldquo; ihre Bez&uuml;ge, die &uuml;ber die &uuml;ppige staatliche Alimentierung ehemaliger Spitzenpolitiker hinausgehen, spenden. Damit w&auml;re der Gerechtigkeit zumindest in diesem Punkt gen&uuml;ge getan.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/80280fbaa6cb4df1acbafb2808fbee6c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180516-sigmar-gabriel-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Dass es Sigmar Gabriel nach seinem Abschied aus der ersten Reihe der Politik irgendwann in die Wirtschaft ziehen w&uuml;rde, war abzusehen. 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