{"id":43982,"date":"2018-05-16T13:10:46","date_gmt":"2018-05-16T11:10:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43982"},"modified":"2018-05-16T15:28:24","modified_gmt":"2018-05-16T13:28:24","slug":"krieg-unter-ziemlich-besten-freunden-gaddafi-sarkozy-und-die-zerstoerung-libyens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43982","title":{"rendered":"Krieg unter ziemlich besten Freunden: Gaddafi, Sarkozy und die Zerst\u00f6rung Libyens"},"content":{"rendered":"<p>Korruption auf Regierungsebene, ein auf L&uuml;gen basierender Krieg und die Abgr&uuml;nde der Machtelite: Die Verhaftung eines dubiosen franz&ouml;sischen Gesch&auml;ftsmannes &ouml;ffnet den Blick auf die skandal&ouml;se Vorgeschichte der Verw&uuml;stung Libyens. Von <strong>Malte Rauch<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIm Januar 2018 wird ein enger Vertrauter und Freund des fr&uuml;heren franz&ouml;sischen Staatspr&auml;sidenten Nicolas Sarkozy auf Antrag der franz&ouml;sischen Justiz in London verhaftet. Mit der Verhaftung des Gesch&auml;ftsmannes Alexandre Djouhri holt Sarkozy, neben vielen anderen Untersuchungen, auch seine Vergangenheit auf dem libyschen Kriegsschauplatz ein. <\/p><p>Zugleich bietet sich der Welt ein Bild der real existierenden Politik Europas, das so gar nicht dem Narrativ entspricht, welches den W&auml;hlern in jeder Tagesschau allabendlich pr&auml;sentiert wird. Routinierte Journalisten und Talkshow-Politiker tun das, was die franz&ouml;sische Justiz und Medien wie Mediapart [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Le Monde oder Lib&eacute;ration seit Jahren recherchiert haben, gerne als Verschw&ouml;rungstheorie ab (dieser Begriff erspart eine Menge an Recherchen). <\/p><p>Tats&auml;chlich aber ist es der Blick in einen Abgrund, dessen Konturen seit Anfang des Jahres 2018 immer klarer hervortreten. Es ist auch ein Fallbeispiel daf&uuml;r, wie m&ouml;rderische und v&ouml;lkerrechtswidrige Kriege auch heute noch auch bei uns mit Propaganda-Kampagnen als notwendige Kriege, ja als humanit&auml;re Interventionen verkauft werden. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Alexandre Djouhri, Frankreichs diskreter Handlungsreisender und Verbindungsmann zu Gaddafi, hatte sich fr&uuml;her als Mitglied einer kriminellen Bande mutma&szlig;lich Schie&szlig;ereien mit anderen Banden in Paris geliefert, war an bewaffneten Bank&uuml;berf&auml;llen beteiligt und wurde schon im Jahre 1986 von einer Sonderbrigade der Polizei f&uuml;r das organisierte Verbrechen dazu verh&ouml;rt. Er musste damals aber, wegen Mangels an Beweisen und sehr guten Verbindungen in der Unterwelt &ndash; &bdquo;Man kennt das Gesetz des Schweigens dort&ldquo;, steht im Polizeiprotokoll &ndash; laufen gelassen werden. Er stieg rasch im zwielichtigen, aber sehr lukrativen Discotheken- und Casino-Milieu auf, wurde dann reich mit dem Handel von Rohstoffen in Zentralafrika. <\/p><p>In allen Korruptionsaff&auml;ren der IV.Republik tauchte er auf: Er begleitete die Bosse der staatlichen Erd&ouml;lgesellschaft Elf, bevor diese hinter Gittern landeten, war beim Angolagate genannten Waffenskandal Begleiter des Sohnes von Mitterand; war Vertrauter und Begleiter des Chefs des m&auml;chtigen Wasserkonzerns Veolia und zusammen mit dem Geheimdienstchef Sqarcini in die Attentate auf Korsika verwickelt&hellip; All das machte ihn wohl unentbehrlich f&uuml;r den inneren Kreis des &bdquo;La Sarkozie&ldquo; genannten Personen- Netzwerks des Politikers.<\/p><p>W&auml;hrend Sarkozys Pr&auml;sidentschaft galt Djouhri f&uuml;r Polizei und Justiz als unantastbar, und es ist zu bef&uuml;rchten, dass er auch danach noch f&uuml;r die Politiker das ist, was die gro&szlig;en Banken f&uuml;r die Staaten sind: Too big to fail &ndash; hier: zu verwickelt mit allen franz&ouml;sischen Regierungen, als dass man ihn dran kriegen k&ouml;nnte. &bdquo;Ich krieg dich an den Eiern&ldquo; drohte er einem Konzernchef schon mal, wenn der ihn los werden wollte. <\/p><p>Djouhris Kriminalakte wurde immer wieder auf Betreiben h&ouml;chster Stellen gel&ouml;scht ( im Fachjargon der Geheimdienste: &bdquo;jungfr&auml;ulich gemacht&ldquo;.) Auch Pr&auml;sident Emmanuel Macron scheint f&uuml;r seine Politik in Afrika und im Nahen Osten nicht auf Djouhri verzichten zu k&ouml;nnen. W&auml;hrend die franz&ouml;sischen Ermittlungsrichter ihn erfolglos vorzuladen versuchen und ihn &uuml;ber Interpol suchen lassen, wurde er am 6. Dezember 2017 auf ausdr&uuml;cklichen Wunsch von Macrons Protokollchef im Elyss&eacute;e zu einem Empfang in der franz&ouml;sischen Botschaft in Algier eingeladen, wo der gerade auf Staatsbesuch anwesende Macron seine hohen G&auml;ste, darunter Djouhri, begr&uuml;&szlig;te. <\/p><p>Alexandre Djouhri ist eine Schl&uuml;sselfigur geworden f&uuml;r die schmutzigen Gesch&auml;fte der Politik und damit auch f&uuml;r den schmutzigen Krieg in Libyen. Im September 2016 wollten die Untersuchungsrichter in Paris Djouhri zur illegalen Finanzierung von Sarkozys Wahlkampf durch die Regierung von Muammar al Gaddafi vernehmen, aber er war abgetaucht. Er ging zuerst nach Algerien, dessen Staatsb&uuml;rgerschaft er neben der franz&ouml;sischen hatte und wo er unter dem Schutz von Ali Haddad stand, einem der m&auml;chtigsten Gesch&auml;ftsleute des Landes mit besten Beziehungen zur algerischen Regierung. Weiter ging es nach Russland (&bdquo;Kannst du mir einen Kontakt zu Putin herstellen&ldquo;, protokollierten die Untersuchungsbeamten aus einem abgeh&ouml;rten Telefongespr&auml;ch von Sarkozy), in die Arabischen Emirate und nach Quatar; L&auml;nder, in die auch die Spuren des libyschen Geldes f&uuml;r Sarkozy f&uuml;hren werden. <\/p><p><strong>Seltsame Wege des Geldtransfers auf hohem Niveau<\/strong><\/p><p>Nach einer ersten Hausdurchsuchung bei Alexandre Djouhri in seinem Schweizer Wohnsitz fanden die Beamten heraus, dass er seine ziemlich heruntergekommene Villa an der C&ocirc;te d&rsquo;Azur f&uuml;r zehn Millionen Euro an die Schweizer Filiale des &bdquo;Libya Africa Investment Portfolio (LAP)&ldquo; verkauft hatte. Dieser souver&auml;ne libysche Staatsfonds wurde von Bechir Saleh, einem Freund Djouhris, verwaltet. Saleh war zugleich Kabinettschef von Gaddafi und offiziell f&uuml;r dessen Beziehungen zu Frankreich zust&auml;ndig. <\/p><p>Ein Schweizer Bundesgericht stellte fest, dass es sich beim Verkauf der Villa um verdeckte Geldgesch&auml;fte gehandelt habe, da der Preis bewusst v&ouml;llig &uuml;berh&ouml;ht war. Der franz&ouml;sischen Justiz bleibt die Aufgabe, die genaue Spur der Millionen aus dem Hause Gaddafi in den inneren Zirkel von Nicolas Sarkozy zu rekonstruieren. Es hilft ihnen nur wenig, dass Ziad Takkiedine, der fr&uuml;here enge Freund Sarkozys und sein bevorzugter Waffenh&auml;ndler, sich jetzt gegen ihn wandte und in Talk Shows erkl&auml;rte, dass er pers&ouml;nlich Sarkozy die Wahlkampfspenden aus Libyen &uuml;berbracht habe &ndash; in gro&szlig;en Aluminiumkoffern, gef&uuml;llt mit 100- und 200- Euro Scheinen. <\/p><p><strong>Andere Wege zum gro&szlig;en Geld<\/strong><\/p><p>So leicht und elegant wie Frankreichs jetziger Pr&auml;sident Emmanuel Macron zu Geld kam, hatte es sein Vorvorg&auml;nger Nicolas Sarkozy nie. Macron musste die Politik nur f&uuml;r ein paar Jahre verlassen, um &uuml;ber seine guten Beziehungen mal kurz Bankier bei der Investmentbank Rothschild zu werden. Dort wurde er &ndash; wieder mit seinem &bdquo;carnet d&rsquo;adresses&ldquo;, wie man Beziehungen in Frankreich nennt &ndash; mit einem einzigen Deal zwischen dem Nestl&eacute;- und einem US Pharma-Konzern zum Million&auml;r. Dann kehrte er zur&uuml;ck auf die politische Laufbahn &ndash; erst ins Finanzministerium unter dem sozialdemokratischen Pr&auml;sidenten Hollande und schlie&szlig;lich selbst ins Pr&auml;sidentenamt. <\/p><p>Der Versuch von Nicolas Sarkozy, reich zu werden, war schwieriger. Als er noch Minister war und verantwortlich f&uuml;r die Finanzen seiner konservativen Partei, waren seine Bem&uuml;hungen, durch Schmiergelder bei R&uuml;stungsgesch&auml;ften mit Pakistan Geld aufzutreiben, schnell ins Visier der Justiz geraten. M&ouml;glicherweise musste er auch damals &ndash; mit der bis heute ungekl&auml;rten Ermordung franz&ouml;sischer U-Boot Ingenieure &ndash;  schon &uuml;ber Leichen gehen? Auch dazu ermittelt die Justiz seit Jahrzehnten. <\/p><p><strong>Von den &lsquo;S&auml;uberungen&rsquo; in den Armenvierteln von Paris zum Krieg in Libyen. <\/strong><\/p><p>Blicken wir kurz auf die Anf&auml;nge des Kriegs gegen Libyen, den Sarkozy in Gang gesetzt hat. Es war im Jahr 2005 und Sarkozy war Innenminister und in der guten Gesellschaft beliebt als einer, der durchgreift. So hatte er bei den Unruhen in den armen Pariser Vororten behauptet, die zwei dabei zu Tode gekommenen 14- und 17-j&auml;hrigen Jugendlichen seien selbst Schuld an ihrem Tod gewesen und nicht die Polizei &ndash; f&auml;lschlich, wie sich im Nachhinein herausstellte. Er werde die aufgebrachten Jugendlichen, meist nordafrikanischer Herkunft, die er als &bdquo;racailles&rdquo; bezeichnete, als Gesindel oder Schrott, mit dem K&auml;rcher wegs&auml;ubern (Das deutsche Hochdruckreinigungsger&auml;t von K&auml;rcher mit starken Desinfektionschemikalien war in Frankreich &uuml;berall bekannt). <\/p><p>Was erst jetzt, im April 2018 bekannt und bei den Ermittlungsbeh&ouml;rden aktenkundig wird, ist die Tatsache, dass Sarkozy am 6. Oktober desselben Jahres den Libyschen Staatschef Mouammar al Gaddafi, der weltweit isoliert und als Unterst&uuml;tzer von Aufruhr und Terror verschrien war, in Libyens Hauptstadt Tripolis besuchte, um dessen Unterst&uuml;tzung bei der kommenden von ihm angestrebten Pr&auml;sidentschaftswahl zu suchen und diese von Gaddafi auch zugesagt bekam. Protokolliert wurde das vom libyschen Diplomaten, Schriftsteller und Frankreich-Kenner Moftah Missouri, der 25 Jahre lang Gaddafis Dolmetscher war und jetzt in Tunis einem Reporter von Mediapart ein dreist&uuml;ndiges Interview gegeben hat, in dem er &uuml;ber alle Treffen zwischen Sarkozy und Gaddafi berichtete. <\/p><p>Nachdem der franz&ouml;sische Innenminister Nicolas Sarkozy dem libyschen Staatschef und Diktator (als einem der ersten) seine Absicht mitgeteilt hatte, f&uuml;r das h&ouml;chste Amt im franz&ouml;sischen Staat kandidieren zu wollen, so berichtete der Dolmetscher Missouri, begl&uuml;ckw&uuml;nschte ihn der Revolutionsf&uuml;hrer und sagte, es sei &bdquo; gut, einen Freund an der Spitze Frankreichs zu haben&ldquo;. Er sicherte ihm seine Ermutigung und Unterst&uuml;tzung zu.<\/p><p>&bdquo;Na ja, Unterst&uuml;tzung?&ldquo; fragt der Reporter von Mediapart, &bdquo; das muss ja nichts hei&szlig;en. &bdquo;Doch&ldquo;, sagt Missouri, &bdquo;ich kenne diese diplomatischen Begriffe sehr genau [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>], wenn man einem Staatschef sagt, ich werde Sie unterst&uuml;tzen, dann hei&szlig;t das, ich werde ihnen Geld geben; denn Libyen kann Frankreich nichts anderes geben, keine Parfums, keine Camemberts&hellip; keine Rafale Jagdbomber.&ldquo;<\/p><p>Sp&auml;ter best&auml;tigte der Diplomat dann die Echtheit eines von Mediapart schon zuvor ver&ouml;ffentlichten Dokuments, das eine Summe von 50 Millionen Euro f&uuml;r Sarkozys Wahlkampf vorsah, was Sarkozy zun&auml;chst im Fernsehen als &bdquo; ungeheure F&auml;lschung&ldquo; bezeichnete und Anzeige erstattete. Die Justiz sah das aber anders, lehnte Sarkozys Begehren ab und hielt die Aussagen des Dolmetschers und Protokollanten Moftah Missouri f&uuml;r glaubhaft, der stets mit Notizbuch, Kugelschreiber und Brillenetui ( in dem sich ein Schweizer Mini- Pr&auml;zisionstonbandger&auml;t befand ) Zeuge aller Treffen des Libyschen Staatsoberhaupts war, sie gewissenhaft protokollierte und im libyschen Staatsarchiv hinterlegte. <\/p><p>Laut 2018 ver&ouml;ffentlichten Ermittlungsakten und Geheimdokumenten zur Libyen-Affaire hat Sarkozy den Philosophen Bernard-Henry L&eacute;vy gleich nach den Beamten und Ausbildern des Auslands-Geheimdienstes DGSE nach Benghasi geschickt. [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Sein Auftrag unter anderem: mit den von L&eacute;vy auch publizistisch vertretenen Rebellen und Freiheitsk&auml;mpfern verbindliche Garantien f&uuml;r bevorzugte Handelsbedingungen auszuhandeln &ndash; nach dem Sieg der Rebellion. <\/p><p>Aufschlussreich an dem Memorandum vom 2. April 2011 an die amerikanische Au&szlig;enministerin ist die Einsch&auml;tzung der Kriegsmotive des franz&ouml;sischen Staatspr&auml;sidenten, die sich mit denen der sp&auml;teren britischen Parlamentskommission durchaus decken. Dort ist weder von humanit&auml;ren Gr&uuml;nden noch vom angestrebten Schutz der Bev&ouml;lkerung die Rede, vielmehr von &bdquo; strategischen, wirtschaftlichen und politischen Interessen&ldquo; &ndash; und besonders von &bdquo;143 Tonnen Gold und genau so viel Silber in Libyen&hellip;, die dazu bestimmt sind, eine auf dem libyschen Gold-Dinar basierende panafrikanische W&auml;hrung einzuf&uuml;hren, die den francophonen afrikanischen L&auml;ndern eine Alternative zum bestehenden Franc CFA (Franc de la Communit&eacute; Financi&egrave;re d&rsquo;Afrique) anbieten soll.&ldquo; [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p>Davon, dass diese neue W&auml;hrung auch die von den USA und Saudi Arabien kontrollierten Petro-Dollars auf dem afrikanischen Kontinent abl&ouml;sen w&uuml;rde, war in den Memoranden nicht die Rede. <\/p><p><strong>Beduinenzelt und Elys&eacute;epalast<\/strong><\/p><p>Zum Libyenkrieg schrieb ein ehemaliger franz&ouml;sischer Diplomat, der auf beiden Seiten des Konflikts Zeuge war: Das Unheimliche ist, dass es bei den Verantwortlichen in Frankreich und England genau so zuging wie im Beduinenzelt des Diktators in Libyen: Der Chef entschied und alle machten widerspruchslos mit. Gemeint waren die Chefs Sarkozy und Cameron, immerhin Pr&auml;sident und Premierminister von europ&auml;ischen Demokratien im 21. Jahrhundert. Die Ergebnisse der parlamentarischen Untersuchungsaussch&uuml;sse in Gro&szlig;britannien kamen zu dem selben Ergebnis. <\/p><p>Das ist keine Lappalie und kein Einzelfall: Die Formel vom V&ouml;lkermord, der in Libyen durch eine humanit&auml;re, milit&auml;rische Intervention verhindert werden sollte, ist ebenso n&uuml;chterne wie schreckliche Realit&auml;t geworden: In den verheerenden und sinnlosen Kriegen in Afghanistan, im Irak, in Syrien und zuletzt auch in Libyen, sind Millionen von Menschen get&ouml;tet worden, verwundet, verarmt und in die Flucht getrieben. Die Sch&auml;den einer traumatisierten und ruinierten Kindheit und Jugend werden die L&auml;nder &ndash; und auch Europa &ndash; noch f&uuml;r Generationen heimsuchen.<\/p><p>Ob es der Justiz gelingen wird, die Akteure der Libyen-Connection zu verurteilen oder nicht &ndash; schon jetzt ist umfangreich dokumentiert, dass der Krieg gegen Libyen auch von einem Netzwerk des organisierten Verbrechens unterst&uuml;tzt und erm&ouml;glicht wurde: von kleinen Gaunern, Schiebern und Waffenh&auml;ndlern im Verein mit hochoffiziellen, demokratisch legitimierten und anerkannten europ&auml;ischen Regierungen; und das tats&auml;chlich mit allem, was zur organisierten Kriminalit&auml;t dazugeh&ouml;rt: Korruption, Geldw&auml;sche und deren Vertuschung bis hin zu ungekl&auml;rten Morden unter dem Schutz von staatlichen Geheimdiensten oder m&ouml;glicherweise sogar der (franz&ouml;sischen ) Luftwaffe, um Mitwisser auszuschalten. [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p><p>Zwar haben die Staatschefs Sarkozy und Cameron fast einen Privatkrieg wie zu Kolonialzeiten vom Zaun gebrochen, aber gerade in Frankreich und in England haben sich erstaunlicherweise zugleich drei der tragenden S&auml;ulen unserer Demokratie als noch intakt erwiesen, wenn auch erst im Nachhinein, als es schon zu sp&auml;t war, um die Libyen-Katastrophe zu verhindern. <\/p><p>Die drei S&auml;ulen &ndash; so steht es in jedem Lehrbuch &ndash; sind eine freie, unabh&auml;ngige und gut informierte Presse &ndash; tats&auml;chlich haben einige Zeitungen in Frankreich den Krieg vom Trommelfeuer der Propaganda befreit und die Fakten, Hintergr&uuml;nde und Zusammenh&auml;nge recherchiert und ver&ouml;ffentlicht.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p>Ebenfalls in Frankreich hat eine unabh&auml;ngige und unparteiische Justiz das scheinbar unantastbare und international operierende Netzwerk des Pr&auml;sidenten Sarkozy zu durchleuchten versucht und den ehemaligen Pr&auml;sidenten schlie&szlig;lich zu einem Verh&ouml;r vor den Untersuchungsrichter gebracht. Die Richter ermitteln gegen Sarkozy wegen passiver Korruption, illegaler Finanzierung seiner Wahlkampagne und Hehlerei und Unterschlagung libyscher &ouml;ffentlicher Gelder. <\/p><p>Und schlie&szlig;lich ist da noch ein britisches Parlament, das in mehreren gr&uuml;ndlich erarbeiteten Untersuchungsaussch&uuml;ssen den Regierungen Blair im Irak und Cameron in Libyen gravierendes Versagen bei den milit&auml;rischen Interventionen bescheinigte. [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p>Deutsche Quellen zu einem der verheerendsten j&uuml;ngsten Kriege und seinen Hintergr&uuml;nden &ndash; aus den g&auml;ngigen Medien, dem Parlament, den Parteien, oder der Justiz? Fehlanzeige. <\/p><p><strong>Viagra, Massenvergewaltigungen und V&ouml;lkermord in h&ouml;chster Potenz.<\/strong><\/p><p>Von dem in London am 7. Januar dieses Jahres festgenommenen Alexandre Djouhri will die Justiz und mit ihr die kritische &Ouml;ffentlichkeit wissen, ob der Diktator Gaddafi den Pr&auml;sidentschaftswahlkampf des Jahres 2007 von Nicolas Sarkozy mit einigen Millionen Euro mitfinanziert hatte. Und damit w&uuml;rde sich auch weiter aufkl&auml;ren lassen, ob der Krieg, den Sarkozy zusammen mit der Nato dann im Jahre 2011 gegen denselben Gaddafi f&uuml;hrte, nicht zur Rettung der arabischen Welt (Sarkozy) oder zumindest zur Rettung der libyschen Bev&ouml;lkerung (Bernard-Henry L&eacute;vy, Daniel Cohn-Bendit ) gef&uuml;hrt wurde, sondern auch zur Ausschaltung eines zu wenig kooperierenden und l&auml;stig gewordenen Gesch&auml;ftspartners, dem man noch kurze Zeit zuvor dieselben Rafale-Kampfflugzeuge verkaufen wollte, die jetzt sein Land bombardierten. <\/p><p>Schon damals bezeichneten Kenner Libyens es als sehr zweifelhaft, was Politiker, angeschlossene Journalisten, Intellektuelle und Talkshow-Populisten verk&uuml;ndeten, um den Krieg gegen Libyen vorzubereiten. Und das betraf keineswegs nur die Horrorgeschichten &uuml;ber Viagra, das Gaddafi an seine Truppen ausgeteilt und ihnen Massenvergewaltigungen befohlen haben soll.<\/p><p>Am pr&auml;gnantesten hatte der Luxemburger Eurokrat Jean Asselborn die Grundthese formuliert: &bdquo;In Libyen ereignet sich ein V&ouml;lkermord in h&ouml;chster Potenz&ldquo;. So oder &auml;hnlich wurde es auf allen Kan&auml;len wiederholt. Fr&uuml;here Kriegsgegner, die jetzt zu Bellizisten geworden waren, den Krieg aber immer nur aus humanit&auml;ren Gr&uuml;nden lieben, begleiteten nun die Kriegsvorbereitungen &bdquo;von links&ldquo;. Auch sie lieferten &bdquo;Alternative Fakten&ldquo;, die nach den Kriegen in Afghanistan, im Irak und Syrien &ndash; um nur einige zu nennen, eine weitere menschliche Katastrophe ausl&ouml;sten. <\/p><p>&bdquo;V&ouml;lkermord in h&ouml;chster Potenz&ldquo;? Tats&auml;chlich sind in diesen von Nato-Staaten und Europa mitverursachten oder direkt betriebenen Kriegen &uuml;ber drei Millionen Menschen get&ouml;tet worden, von den noch Generationen anhaltenden Folgesch&auml;den abgesehen. <\/p><p><strong>Krieg unter ziemlich besten Freunden.<\/strong><\/p><p>Das Erstaunlichste war, dass 2011 ausgerechnet Pr&auml;sident Sarkozy, der gerade die besten Beziehungen zum ehemaligen &bdquo;Top-Terroristen&ldquo; aufgebaut und &bdquo;seinen Freund Muhammar al Gaddafi&ldquo;, durch einen prunkvollen Staatsbesuch in Paris &ndash; inklusive Jagdgesellschaft mit franz&ouml;sischen Gesch&auml;ftsleuten &ndash; weltweit rehabilitiert hatte, sich als erster und aktivster auf die Seite der Protestbewegung im Osten Libyens gegen Gaddafi stellte, die dann ganz schnell zur bewaffneten Rebellion wurde.<\/p><p>Auch der libysche Staatschef war ungl&auml;ubig erstaunt &uuml;ber Nicolas (&bdquo;Mein lieber Freund muss verr&uuml;ckt geworden sein!&ldquo;), zumal seinem, wie auch dem franz&ouml;sischen Geheimdienst bekannt war, dass unter den aus dem Ausland zur&uuml;ckgekehrten Oppositionellen und F&uuml;hrern des Aufstands nicht nur betuchte Gesch&auml;ftsleute waren, die ungeduldig die Abwicklung und Privatisierung der libyschen Staatsbetriebe erwarteten, sondern auch sehr viele Djihadisten, die aus Afghanistan und dem Irak zur&uuml;ckkehrten. Der prominenteste unter ihnen: Abdelhakim Belhadj. Er war noch 2003 als islamistischer Terrorist in Afghanistan gefangen genommen und vom CIA an Gaddafis Libyen ausgeliefert worden, wo er nach sechs Jahren Gef&auml;ngnis wieder frei kam. Auch Sarkozys andere Gesch&auml;ftspartner &uuml;bernahmen jetzt den Aufstand in Bengazi: Die islamischen Diktaturen von Saudi Arabien, Al Sisis &Auml;gypten und besonders Katar, allesamt Todfeinde Gaddafis. Sie lieferten Waffen und Ausbilder, besonders aber halfen sie mit einer gewaltigen Propaganda-Offensive. Tr&auml;ger dieser Medien-Offensive waren ihre Fernsehsender Al Jazeera und Al Arabya . <\/p><p>Deren Sendungen, wurden sonst gern als parteiisch bel&auml;chelt, jetzt aber wurde jeder Bericht von ihnen &uuml;ber Libyen ungepr&uuml;ft von den europ&auml;ischen und amerikanischen Medien &uuml;bernommen. Intellektuelle im Dienste Sarkozys, allen voran der Philosoph und Autor L&eacute;vy, erg&auml;nzten diese Berichte mit humanit&auml;ren Aufrufen. Emp&ouml;rt verglich er die Eins&auml;tze der libyschen Regierungstruppen gegen die Aufst&auml;ndischen mit den Massenmorden der Serbischen Soldateska in Srebrenica an wehrlosen Zivilisten. <\/p><p>Eine eilig in London neu gegr&uuml;ndete Libysche Liga f&uuml;r Menschenrechte berichtet, dass bereits 6000 Menschen vom Regime Gaddafi umgebracht worden seien; 3000 in der Hauptstadt Tripoli und 2000 in Bengazi. In Wirklichkeit, so schon der amerikanische Generalstabschef Admiral Michael Mullen bei einer Anh&ouml;rung des Kongresses, gab es keinerlei Bombardierungen auf die Zivilbev&ouml;lkerung durch die Luftwaffe Gaddafis; es g&auml;be auch keinerlei Aufnahmen solcher Bombardements. Und doch schreibt unter anderem L&eacute;vy in seinem Buch &bdquo;La guerre sans l&rsquo;aimer &ndash; Der Krieg ohne ihn zu lieben&ldquo;, dass diese Aufnahmen der entscheidende Ausl&ouml;ser f&uuml;r ihn gewesen seien, nach Bengazi zu gehen und sich f&uuml;r die milit&auml;rische Intervention einzusetzen . <\/p><p><strong>Sarkozys Aussenminister Alain Jupp&eacute; in den Schuhen von Colin Powell.<\/strong><\/p><p>Ergebnis und H&ouml;hepunkt all dieser Bem&uuml;hungen war der Resolutionsentwurf vor dem Sicherheitsrat, den Frankreichs Au&szlig;enminister Alain Jupp&eacute; vor der UNO in New York vortrug. Er ermahnte die V&ouml;lkergemeinschaft, sofort einzuschreiten, bevor es zu sp&auml;t sei und Gaddafi weitere Tausende von friedlichen und freiheitsliebenden Demonstranten bei &bdquo; der R&uuml;ckeroberung der befreiten St&auml;dte&ldquo; &ldquo;massakriere&ldquo;. Nat&uuml;rlich wu&szlig;te der Au&szlig;enminister Sarkozys da schon, dass das nicht stimmte, dass es um bewaffnete Aufst&auml;ndische gegen die Gaddafi Regierung ging, die aus aller Herren L&auml;nder und allen m&ouml;glichen islamistischen Gruppierungen kamen. Er mu&szlig;te es wissen, denn der Auslandsgeheimdienst seines eigenen Landes begleitete und unterst&uuml;tzte diesen Aufstand mit milit&auml;risch operierenden Agenten der DGSE Aktivdivision. <\/p><p>Eine UNO-Untersuchungskommission und die (interessierte) Welt erfuhr allerdings erst im Nachhinein, dass es zu diesem Zeitpunkt bei den Unruhen in der Hauptstadt Tripolis nicht 3000 sondern 200 Tote gegeben hatte, darunter zwei Frauen. Und dass es sich auch nicht um unbewaffnete Demonstranten handelte. Im Bericht des britischen Parlaments hei&szlig;t es: &bdquo;Die Diskrepanz zwischen m&auml;nnlichen und weiblichen Opfern zeigt, dass die Truppen des Gaddafi Regimes auf m&auml;nnliche K&auml;mpfer in diesem B&uuml;rgerkrieg zielten und nicht wahllos Zivilisten angegriffen haben. Allgemein kann man sagen, dass in der schrecklichen Bilanz von 40 Jahren Menschenrechtsverletzungen durch Mouammar Gaddafi keine Angriffe gr&ouml;&szlig;eren Ausma&szlig;es auf die Zivilbev&ouml;lkerung vorkamen.&ldquo; <\/p><p>Doch keiner schien sich 2011 an den amerikanischen Au&szlig;enminister Colin Powell zu erinnern, der 2003 vor demselben Gremium mit gef&auml;lschten Informationen und Dokumenten den Irak-Krieg seines Pr&auml;sidenten George W. Bush begonnen hatte  &ndash; &bdquo;sehr schmerzlich&ldquo; sagte Powell sp&auml;ter, &bdquo; ein Schandfleck in meiner Karriere&ldquo;.<\/p><p>Nach einer pathetischen Darstellung der &bdquo;Humanit&auml;ren Werte&bdquo;, die Sarkozys Frankreich und Europa vertrete, rief Au&szlig;enminister Jupp&eacute; am 17.M&auml;rz 2011 den Sicherheitsrat auf, sofort zu handeln: &bdquo; Jeder Tag, jede Stunde, die wir verstreichen lassen, erh&ouml;ht das Gewicht der Verantwortung, die wir auf unseren Schultern tragen. Passen wir auf, dass wir nicht zu sp&auml;t kommen.&ldquo; <\/p><p>Die Dampfwalze der weltweiten Propaganda, die sich nicht nur auf gef&auml;lschte Informationen sondern auch auf Gaddafis bombastische und skurrile Rhetorik st&uuml;tzen konnte, war so beeindruckend, dass sich selbst die Veto-M&auml;chte Russland und China nicht &bdquo;ihrer Verantwortung&ldquo; entziehen wollten. Sie verzichteten allerdings auf ihr Veto nur unter der Bedingung, dass die milit&auml;rischen Aktionen lediglich dem Schutz der Bev&ouml;lkerung dienen sollten und nicht dem Sturz des Regimes Gaddafi. Und dass keinerlei ausl&auml;ndische Milit&auml;rs nach Libyen entsandt, Milit&auml;rs am Boden in die Aktionen der Aufst&auml;ndischen eingreifen oder dass Waffen dorthin geliefert werden. <\/p><p>In diesen letzten Punkten wurde das UNO-Mandat bereits bei der Verabschiedung gebrochen. In den anderen Punkten endg&uuml;ltig im Verlauf der monatelangen Bombardierungen und milit&auml;rischen Interventionen der NATO, was die von der UNO legitimierte Humanit&auml;re Intervention in einen v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg verwandelte . <\/p><p><strong>Obama spricht von einer &bdquo;Shit-Show&ldquo; in Libyen<\/strong><\/p><p>Der Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments (s.o.) ver&ouml;ffentlichte am 14. September 2016 seinen vernichtenden Bericht zur milit&auml;rischen Intervention in Libyen im Jahr 2011. Nach dem Studium aller verf&uuml;gbaren Informationen und Dokumente und der Anh&ouml;rung aller m&ouml;glichen Politiker, Milit&auml;rs und Wissenschaftler, kam der Ausschuss zu dem Ergebnis, dass die Kriegshandlungen auf irrt&uuml;mlichen Annahmen aufgebaut waren und dass besonders die Gefahr eines Massakers an der Zivilbev&ouml;lkerung durch Gaddafi in der Stadt Bengazi im Februar und M&auml;rz 2011, was das Hauptargument f&uuml;r den Krieg war, &bdquo;&uuml;berbewertet&ldquo; war und sich auf keinerlei belastbare Informationen st&uuml;tzen konnte. Der damalige konservative Premier David Cameron sei ohne eigene Informationen und ohne parlamentarische Diskussionen blind dem franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten Sarkozy gefolgt. <\/p><p>Der konservative Abgeordnete im Ausschuss, Crispin Blunt, fasste das Ergebnis der Untersuchung in einem wichtigen Punkt zusammen: &bdquo;Wenn die Hauptaufgabe der milit&auml;rischen Intervention die dringende Notwendigkeit des Schutzes der Zivilisten von Benghazi war, so wurde dieses Ziel im M&auml;rz 2011 in weniger als 24 Stunden erreicht&hellip; Das hei&szlig;t, dass eine begrenzte Intervention zum Schutz von Zivilisten in eine opportunistische Politik abgeglitten ist, um mit milit&auml;rischen Mitteln das Regime auszuwechseln.&ldquo; Der Ausschuss zitiert auch den amerikanischen Pr&auml;sidenten Obama, der den Krieg als &bdquo;Shit Show&ldquo; bezeichnet hatte und als den gr&ouml;&szlig;ten Fehler seiner Amtszeit. <\/p><p>Auch mit dem Chilcot Report hatte man in England gezeigt, wie man die m&ouml;rderischen Verschw&ouml;rungstheorien, die Kriege vorbereiten, bek&auml;mpfen kann: Sir John Chilcot hatte mit seiner Kommission sieben Jahre lang Zeugen befragt, 150.000 Dokumente ausgewertet und 10 Millionen britische Pfund f&uuml;r die Recherchen ausgegeben. Das Ziel war es, die wahren Zusammenh&auml;nge zum Krieg gegen den Irak aufzudecken, aber auch zum Krieg gegen Libyen. <\/p><p><strong>Ein &bdquo;Schurke&ldquo; wird erschlagen, ein anderer &bdquo;exfiltriert&ldquo;<\/strong><\/p><p>Im Jahre 2011 w&uuml;tet der franz&ouml;sisch-europ&auml;ische Krieg in Libyen, und Gaddafi wird unter Br&uuml;llen von islamistischen Kampfrufen medienwirksam vor laufenden Kameras erschlagen oder erschossen. Nach der UNO-Resolution sollte er weder beseitigt noch gar erschossen werden und selbst die sogenannte Gegenregierung in Bengazi wollte ihn an den Internationalen Gerichtshof &uuml;berstellen &ndash; lebend. Dennoch feierten Sarkozy, Cameron und andere Europapolitiker dieses zweifelhafte und wie sich herausstellte sehr vorl&auml;ufige Ende des Krieges begeistert als &bdquo;Mission Accomplished&ldquo;.<\/p><p>Zur gleichen Zeit war auch Alexandre Djouhris Freund und Gaddafis Kabinettschef Bechir Saleh von libyschen Rebellen verhaftet worden. Er konnte dann aber ungehindert nach Tunesien entkommen, wo er von Djouhri schnellstens aus dem Land geschafft wurde, bezeichnenderweise mit Hilfe des franz&ouml;sischen Botschafters in Tunis und Bernard Squarcini, inzwischen Chef des franz&ouml;sischen Inlandsgeheimdienstes, und ebenfalls Mitglied des inneren Kreises von Sarkozy. <\/p><p>&bdquo;Warum wurden solche sensiblen Missionen einem ehemaligen Mitglied der Unterwelt anvertraut?&ldquo;, fragte die Zeitung &bdquo;Le Monde&ldquo; zur Rolle Djouhrys auch bei diesem Sondereinsatz. &bdquo;Sollte er Bechir Saleh zugleich besch&uuml;tzen und beseitigen, diesen Tr&auml;ger eines Teils der franz&ouml;sisch-libyschen Geheimnisse, die als immer &uuml;bler riechender Gestank aus dem Untergrund hervortreten ?&ldquo;<\/p><p>Unbehelligt k&ouml;nnen Alexandre Djouhri und Bechir Saleh nach Paris reisen (im Jargon des franz&ouml;sischen Geheimdienstes: &bdquo;exfiltriert&ldquo;), dann sicherheitshalber weiter ins afrikanische Niger und schlie&szlig;lich definitiv nach S&uuml;dafrika. Da hilft auch kein Haftbefehl von Interpol gegen Bechir Saleh wegen der Entwendung libyscher Staatsgelder. <\/p><p><strong>Ein toter &Ouml;lminister schwimmt in der Donau.<\/strong><\/p><p>Immerhin blieb Bechir Saleh, der jetzt in Johannesburg residiert, das Schicksal seines Freundes und fr&uuml;heren Kollegen, des Kabinettschefs und &Ouml;lministers von Gaddafi, Choukri Ghanem, erspart. Dessen Leiche wurde in Wien in der Donau schwimmend gefunden, kurz bevor er zu den Geldstr&ouml;men des alten Regimes befragt werden konnte. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Offizielle Todesursache: Herzinfarkt. In einer der E-Mails an Hillary Clinton schrieb die &ouml;sterreichische Polizei und Interpol, dieser Tod sei ihnen in hohem Ma&szlig;e suspekt. Was Gaddafis &Ouml;l- und Premierminister h&auml;tte aussagen k&ouml;nnen, haben niederl&auml;ndische Polizisten bei einer ihrer Hausdurchsuchungen gefunden und an die franz&ouml;sische Justiz weitergeleitet: In seinen Notizen hatte Choukri Ghanem drei &Uuml;berweisungen zur Finanzierung von Sarkozys Wahlauslagen mit einem Gesamtbetrag von 6,5 Millionen Euro schriftlich dokumentiert. <\/p><p>Ein mit dem franz&ouml;sische Geheimdienst und den Beh&ouml;rden Gaddafis gleicherma&szlig;en kooperierender Chef einer privaten Sicherheitsfirma, der viel Insiderwissen hatte, aber sich nicht zum Schweigen verpflichten lie&szlig;, wurde in Benghazi auf offener Stra&szlig;e von einem maskierten Kommando erschossen. Offizielle Begr&uuml;ndung: ein Unfall [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>].<\/p><p>Der Diplomat und Dolmetscher Gaddafis, Moftah Missouri ( s.o.), ist sich seines Lebens wohl auch nicht mehr sicher. Nachdem Sarkozy im April 2018 von der Polizei 48 Stunden lang verh&ouml;rt worden war und anschlie&szlig;end triumphierend im franz&ouml;sischen Fernsehen TF1 auftrat, hatte er dabei auch Missouri, wie alle anderen Zeugen gegen ihn, beschimpft. Missouri protestierte gegen die diffamierenden und drohenden &Auml;u&szlig;erungen Sarkozys: &bdquo;Man bedroht nicht den Schreiber oder Zeugen&ldquo;, schrieb er und bat darum, so schnell wie m&ouml;glich vor einem Untersuchungsrichter als Zeuge vernommen zu werden, damit seine Aussagen auch gerichtsverwertbar protokolliert w&uuml;rden. <\/p><p><strong>Tatort: Das Zentrum der Machtelite<\/strong><\/p><p>Die Spuren, denen die franz&ouml;sische Justiz nachgeht, f&uuml;hren immer tiefer ins Zentrum der franz&ouml;sischen Machtelite, deren Mitglieder sich jetzt vor aller &Ouml;ffentlichkeit gegenseitig denunzieren, um die eigene Haut zu retten.<\/p><p>Ein Beispiel: Nachdem Mediapart das Dokument &uuml;ber die Finanzierung Sarkozys ver&ouml;ffentlicht hatte und seine Echtheit vom Dolmetscher Gaddafis best&auml;tigt wurde, rief der ehemalige franz&ouml;sische Pr&auml;sident den Chef des amtierenden Inlandgeheimdienstes, Patrick Calvar an, als sei er noch dessen Dienstherr und bat um Informationen &uuml;ber den Libyer und auch &uuml;ber den Fortgang der juristischen Ermittlungen gegen ihn selbst. &bdquo; H&auml;lt Patrick Calvar noch zu uns ?&ldquo; fragte Sarkozy am Telefon einen Vertrauten. Tat er wohl nicht und gab es an die Justiz weiter. <\/p><p>Das veranlasste die Untersuchungsrichter, fortan Sarkozys Mobiltelefon abh&ouml;ren zu lassen. Dieser bekam Wind davon und besorgte sich wie in einem Krimi ein neues Handy und meldete es unter dem falschen Namen Paul Bismuth an. Jetzt freier redend aber immer noch angezapft, protokollierten die Beamten die Bem&uuml;hungen des Ex-Pr&auml;sidenten, Spuren zu verwischen, Lecks und Verr&auml;ter in seinen Kreisen zu erkennen, um sie auszuschalten.<\/p><p>Unter anderem verd&auml;chtigten er und seine Leute den Verb&uuml;ndeten und hohen Verantwortlichen beim Airbus- und R&uuml;stungskonzern EADS, Phillipe Bohn, zust&auml;ndig f&uuml;r Libyen und andere Waffenverk&auml;ufe in Afrika, den Sarkozy mit einem seiner Getreuen pers&ouml;nlich aufsuchte, um den Manager zur Rede zu stellen. Die Polizisten des zentralen Ermittlungsb&uuml;ros im Kampf gegen die Korruption kamen dann gleich als n&auml;chste zu Bohn und veranlassten bei ihm eine Hausdurchsuchung; doch da waren schon alle Spuren verwischt. <\/p><p><strong>1,5 Millionen Euro im Koffer aus Tripolis.<\/strong><\/p><p>Als Ziad Takieddine am 5.M&auml;rz 2011 nach einem Besuch bei Gaddafi in Tripolis am Pariser Flughafen Bourget mit 1,5 Millionen Euro im Koffer verhaftet wurde, erkl&auml;rt er, dass bei ihm alles legal ablaufe und dass sie besser mal beim ehemaligen Generalsekret&auml;r des Pr&auml;sidentenpalastes, Claude Gu&eacute;ant, nachschauen sollten. Dieser habe ihn wohl verpfiffen, um seine eigene Rolle bei der Finanzierung von Sarkozys Wahlkampf zu verschleiern. Und in der Tat, die Beamten werden f&uuml;ndig: Claude Gu&eacute;ant, der h&ouml;chste Beamte in der Regierung unter Pr&auml;sident Sarkozy erhielt im Jahre 2008 eine Zahlung von 500 000 Euro aus Malaysia. Wof&uuml;r ? Ohne die Untersuchungsrichter wirklich zu &uuml;berzeugen, erkl&auml;rt er, zwei wertvolle Gem&auml;lde fl&auml;mischer Meister aus seinem Besitz verkauft zu haben. <\/p><p>Es hat die Justiz dann einige M&uuml;he gekostet, zu ermitteln, wo die Zahlung f&uuml;r die auf einen wesentlich geringeren Wert gesch&auml;tzten fl&auml;mischen Meister herkam: von einem der zahlreichen Konten des saudiarabischen Milliard&auml;rs Khaled Bugshan, dessen Schweizer Niederlassung von keinem anderen als von Alexandre Djouhri verwaltet wurde. Peinlicherweise musste dann auch ein politischer Gegner Sarkozys, der fr&uuml;here franz&ouml;sische Premierminister Dominique de Villepin &bdquo;erschrocken&ldquo; feststellen, dass eine &bdquo;ganz normale Zahlung&ldquo; f&uuml;r in diesen Kreisen &uuml;bliche &bdquo;Beratert&auml;tigkeit&ldquo; von einigen Hunderttausend Euro just von derselben Unternehmensgruppe des saudischen Milliard&auml;rs Bugshan kam. Er wolle das so schnell wie m&ouml;glich aufkl&auml;ren, versicherte der Politiker den Ermittlern &ndash; &bdquo;brutalstm&ouml;glich&ldquo; sozusagen. <\/p><p>Den Besuch Sarkozys &ndash; als franz&ouml;sischer Innenminister &ndash; bei Mouammar Gaddafi in Tripolis hatte Ziad Takkiedine vorbereitet, der dann auch, zusammen mit Claude Gu&eacute;ant und Brice Hortefeux die konkreten Verhandlungen zur Unterst&uuml;tzung des franz&ouml;sischen Pr&auml;sidentschaftskandidaten gef&uuml;hrt hat. Am gef&auml;hrlichsten f&uuml;r die Aufkl&auml;rung der Zusammenh&auml;nge der Libyen-Afffaire ist wohl die andere, die libysche Seite dieser Gespr&auml;che. Neben Moussa Koussa, dem Chef des Auslands-Geheimdienstes und Bachir Saleh, dem Sekret&auml;r f&uuml;r ausw&auml;rtige Angelegenheiten des Staatschefs (s.o.), sa&szlig; da auch Abdallah Senoussi, der gef&uuml;rchtete Chef des milit&auml;rischen Geheimdienstes und Schwager Gaddafis. <\/p><p>Er war 1999 von einem franz&ouml;sischen Gericht in Abwesenheit zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden, wegen seiner Beteiligung an einem Bombenattentat auf ein Verkehrsflugzeug der franz&ouml;sisch-afrikanischen Fluglinie UTA. Gaddafi lag sehr viel daran, dass die franz&ouml;sische Justiz die Sache nicht weiter verfolgte. Dass ausgerechnet dieser weltweit zum Symbol f&uuml;r das &bdquo;terroristische Regime<\/p><p>Gaddafi&bdquo; bekannte Senoussi jetzt f&uuml;r die Vergabe von Geldern an ausl&auml;ndische Politiker &ndash; und damit an Sarkozy &ndash; zust&auml;ndig war, musste vom Kreis um Sarkozy wie eine zweite Bombe empfunden worden sein, die jederzeit explodieren k&ouml;nnte &ndash; nicht in der DC10 Maschine der UTA sondern mitten im B&uuml;ro des ehemaligen franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten. [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><p><strong>Kurzer Prozess im Bombenhagel<\/strong><\/p><p>Neben diesen Gesch&auml;ften unter Politikern, deren Geldgier sie zu den k&uuml;hnsten Taten befl&uuml;gelte, ging es aber auch noch um seri&ouml;seres, um Realpolitik, genauer um eine Gef&auml;hrdung der real existierenden Ordnung der freien Welt.<\/p><p>Bei aller Liebe Gaddafis zu m&ouml;rderischen Attentaten und abenteuerlichen Umsturzversuchen in aller Welt, die durchaus mit denen eines Henry Kissinger in Chile und anderen L&auml;ndern mithalten konnten, hatte er eine noch viel ausgepr&auml;gtere Leidenschaft: Er wollte Afrika unter libyscher F&uuml;hrung vereinen. Er glaubte, damit endlich die Befreiung vom Kolonialismus vollenden zu k&ouml;nnen, so wie er einst als junger Offizier Libyen von seinem korrupten K&ouml;nig, den englischen und amerikanischen Milit&auml;rbasen und der Herrschaft der &Ouml;lmultis befreit hatte. Dazu verwendete er jetzt einen Gro&szlig;teil der schier endlosen Reicht&uuml;mer seines Landes. <\/p><p>Und er hatte zunehmend Erfolg damit! Im Gegensatz zu der von Saudi-Arabien und den Emiraten beherrschten Arabischen Union, die dann den Libyenkrieg unterst&uuml;tzte, hatte die Afrikanische Union Muhammad Gaddafi zu ihrem Vorsitzenden gemacht und sich w&auml;hrend seines Konfliktes mit den Aufst&auml;ndischen im Osten Libyens leidenschaftlich f&uuml;r eine Verhandlungsl&ouml;sung eingesetzt. Diese Initiativen zur nicht- kriegerischen Konfliktl&ouml;sung waren schon recht weit vorangekommen. Der Diktator war wohl auch zur Rettung seines Afrika-Projekts zu Zugest&auml;ndnissen bereit gewesen. Doch dies ging dann ziemlich schnell im franz&ouml;sischen Bombenhagel und dem der Verb&uuml;ndeten unter. <\/p><p><strong>Statt Projekte f&uuml;r Afrika, Krieg, Chaos und ein weiterer Failed State.<\/strong><\/p><p>Neben einem eigenen afrikanischen Nachrichten-Satelliten (AFSAT), den haupts&auml;chlich Libyen finanzierte und der die Ausgaben von j&auml;hrlich 500 Millionen Dollar f&uuml;r die Nutzung eines Europ&auml;ischen Satelliten abl&ouml;sen sollte, stand die Realisierung einer afrikanischen W&auml;hrungsunion unmittelbar bevor. Ab 2011, genau dem Jahr der Bombenangriffe auf Libyen, sollte sie durch die Gr&uuml;ndung einer afrikanischen Investitionsbank mit Sitz im libyschen Sirte begonnen werden und die Gr&uuml;ndung des afrikanischen W&auml;hrungsfonds mit Sitz in Yaounde, Kamerun, sowie die Gr&uuml;ndung einer afrikanischen Zentralbank im nigerianischen Abuja stand bevor zwecks Einf&uuml;hrung einer gemeinsamen W&auml;hrung, die nicht mehr auf dem labilen und extrem krisenanf&auml;lligen Dollar basieren w&uuml;rde, sondern auf dem libyschen Gold. <\/p><p>Die neue afrikanische W&auml;hrung, die dann im franz&ouml;sisch-europ&auml;ischen Bombenhagel unterging, wie auch die weltweit effektivste staatliche Bew&auml;sserungsanlage, das Great-Man-Made-River-Project (GMMR), das ebenfalls zerst&ouml;rt wurde, sollten ganz Afrika unabh&auml;ngig machen, die neue W&auml;hrung vor allem den in weiten Teilen Afrikas offiziell geltenden Franc CFA (Communaut&eacute; Financi&egrave;re d&rsquo;Afrique) abl&ouml;sen.<\/p><p>Die Herrschaft der franz&ouml;sischen W&auml;hrung wird jetzt weiter bestehen bleiben; sie konnte freilich schon vorher nicht ohne den Einsatz des franz&ouml;sischen Milit&auml;rs und einer Reihe von Geheimabkommen mit anderen afrikanischen Diktatoren durchgesetzt werden. Experten haben berechnet, dass seit der Unabh&auml;ngigkeit zur Durchsetzung der seit etwa 1960 unver&auml;nderten Vorherrschaft Frankreichs genau f&uuml;nfzigmal die franz&ouml;sische Armee eingegriffen hat. Die Truppenbesuche der jeweiligen franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten in Afrika &ndash; auch Pr&auml;sident Macron besuchte die Truppen in Mali als seine erste feierliche Amtshandlung &ndash; erfreuen sich gro&szlig;er Beliebtheit bei der europ&auml;ischen Bev&ouml;lkerung. <\/p><p>Der gigantische Gold- und Silberschatz Libyens, ebenso wie die Milliarden des Staatshaushalts sind mit der Zerst&ouml;rung des Staates spurlos verschwunden oder &uuml;ber Treuhandbanken ordnungsgem&auml;&szlig; abgewickelt worden. Nicht verschwunden sind die unendlichen Massen an modernsten Waffen, darunter schultergest&uuml;tzte Luftabwehr-Raketen, so genannte Manpads, die durch das Abschie&szlig;en von Passagierflugzeugen den zivilen Flugverkehr der ganzen Region lahmlegen k&ouml;nnen. Sie sind in die H&auml;nde von kriminellen Banden geraten, von Drogen-und Menschenh&auml;ndlern, von Warlords und religi&ouml;sen Fanatikern aber auch von Widerstandsgruppen, die seit Jahrzehnten gegen die von Frankreich betriebene Ausbeutung der Bodensch&auml;tze, zum Beispiel der Uranvorkommen in Niger, k&auml;mpfen. <\/p><p>Die International Crisis Group sch&auml;tzt, dass in Libyen etwa 100 Milizen existieren. Libyen ist au&szlig;erdem zur Brutst&auml;tte des IS geworden, Anrainerstaaten wie Tunesien, Algerien, den Tschad oder &Auml;gypten werden destabilisiert und zu enormen polizeilichen und milit&auml;rischen Anstrengungen bei der Grenzsicherung gezwungen &ndash; wieder auf dem R&uuml;cken der Bev&ouml;lkerung. <\/p><p><em><strong>Malte Rauch<\/strong> lebt und arbeitet als Filmemacher in Frankfurt am Main. Eine l&auml;ngere Version des Textes ist bereits auf dem Blog <a href=\"http:\/\/www.businesscrime.de\">Business Crime Control<\/a> erschienen.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Mediapart ist eine &auml;u&szlig;erst erfolgreiche Internet Zeitung, die ein ehemaliger Redakteur von Le Monde gegr&uuml;ndet hat, nachdem sich einige Million&auml;re am Kapital von Le Monde und von Lib&eacute;ration beteiligten und Einfluss bekamen. Bei mediapart schreiben inzwischen einige der besten ehemaligen Journalisten von Le Monde, Lib&eacute;ration und dem Nouvel Observateur sowie andere j&uuml;ngere Autorinnen, denen die gro&szlig;en franz&ouml;sischen Zeitungen nicht mehr unabh&auml;ngig genug sind.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Rony Brauman, Beobachter und Chronist beim Eichmann Prozess in Israel, sp&auml;ter Gr&uuml;nder und Pr&auml;sident der Organisation &Auml;rzte ohne Grenzen weist in seinem neuen Buch <em>Les Guerres Humanitaires, &eacute;dition Textuel, 2018<\/em> neben vielen anderen Beispielen nach, dass es die Bombardierungen der eigenen Bev&ouml;lkerung durch Gaddafi, wie sie als Kriegsgrund genannt wurden, nie gegeben hat.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Missouri wies darauf hin, dass Libyen wie auch europ&auml;ische Staaten andere L&auml;nder finanziell unterst&uuml;tzte. So habe Nelson Mandela die finanzielle Unterst&uuml;tzung durch Gaddafi f&uuml;r die wichtigste bei der Entstehung des unabh&auml;ngigen S&uuml;dafrikas bezeichnet. Mandela war lebenslang mit Gaddafi eng und freundschaftlich verbunden.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] James Comey: Gr&ouml;&szlig;er als das Amt- Auf der Suche nach der Wahrheit, Droemer Verlag, Mai 201 <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Bericht u.a. in der franz&ouml;sischen Wochnzeitung Le Nouvel Observateur vom 9.1.2016 : In den vom U.S. Senat ver&ouml;ffentlichten E-Mails der Au&szlig;enministerin Hillary Clinton wird L&eacute;vy als Gesandter des franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten bezeichnet (nicht ohne Spot &uuml;ber diesen &bdquo;selbsternannten Lawrence von Arabien&ldquo; , der wie in Woody Allens Film &bdquo;Zelig&rdquo; immer neben Sakozy und Cameron auftauche.) <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Der Franc CFA wird von der franz&ouml;sischen Zentralbank verwaltet &ndash; ohne jede reale Mitsprache der afrikanischen L&auml;nder &ndash; und erm&ouml;glicht seit &uuml;ber einem halben Jahrhundert den billigen Zugriff auf die f&uuml;r Frankreich und Europa lebensnotwendigen Rohstoffe.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Verschiedene Quellen berichten, dass franz&ouml;sische Kampfflugzeuge nicht nur die Autokolonne des fliehenden Gaddafi beschossen und damit den islamistischen Milizen am Boden den Weg zu seiner Ermordung gewiesen haben, sondern dass sie auch die Wohnung seines Geheimdienstchefs al-Senoussi mit Raketen zerst&ouml;rten. Senoussi, der ein zentraler Zeuge bei den Deals zwischen Frankreich und Libyen ist, hatte aber die Wohnung bereits verlassen und lebt.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Mediapart hat seit seiner Gr&uuml;ndung vor zehn Jahren &uuml;ber 60 Recherchen und Hintergrundberichte sowie entscheidende bis dahin geheim gehaltene Dokumente ver&ouml;ffentlicht. Das Buch dazu: Fabrice Arfi, Karl Laske AVEC LES COMPLIMENTS DU GUIDE, Sarkozy-Khadafi, l&rsquo;histoire secr&egrave;te, Fayard, 400 Seiten.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Report by the forreign affairs select commitee, 14. September 2016: Libya: Examination of intervention and collapse and the UK&rsquo;s future policy options.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Auch auf Bechir Saleh ist inzwischen in Johannesburg ein Attentat ver&uuml;bt worden, das er nur knapp und in kritischem Zustand &uuml;berlebt hat.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Pierre Marziali, ehemaliger franz&ouml;sischer Milit&auml;r hatte eine private Milit&auml;rfirma gegr&uuml;ndet, von denen es einige hundert im Umfeld von Kriegshandlungen gibt. Ein Freund und Kollege Marzialis, Robert Dulas, glaubt, dass es eine Auftrags-Hinrichtung war, ausgef&uuml;hrt von vermummten M&auml;nnern der Brigade 17 des Kommandeurs Abdelhakim Belhadj (s.o.). Sein Buch &bdquo;Mort pour la Francafrique&ldquo; versucht das, zusammen mit einer Journalistin, zu dokumentieren. Die Witwe von Marziali hat bei der Staatsanwaltschaft Narbonne Anzeige gegen Unbekannt erstattet &ndash; wegen Mordes.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Der Internationale Gerichtshof in Den Haag wollte Abdallah Senoussi den Prozess machen, doch die Libyer geben ihn nicht her. Jetzt soll er von einem libyschen Gericht verurteilt werden.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Pr&auml;sident Macron wie auch andere europ&auml;ische Regierungen setzen jetzt auf den libyschen General Khalifa Haftar, um die Fr&uuml;chte des Krieges von 2011 zu ernten. Haftar hat im Osten des Landes seine eigene Nationale Libysche Armee (ANL) gegr&uuml;ndet, mit der er gegen den islamistischen Terrorismus k&auml;mpft aber auch gegen andere Fraktionen und Milizen im Rest Libyens. Macron zeigte sich demonstrativ mit Haftar in herzlicher Umarmung beim franz&ouml;sisch-libyschen Gipfeltreffen in Saint Cloud; da waren die Klagen von Fl&uuml;chtlingen aus Libyen gegen den General wegen Folter, willk&uuml;rlichen Erschiessungen und Terrorismus gegen die Bev&ouml;lkerung bei der franz&ouml;sischen Generalstaatsanwaltschaft noch nicht eingegangen. Der selbsternannte Generalfeldmarschall, der &bdquo;keine Gefangenen macht (&hellip;), weil es zu wenige Gef&auml;ngnisse gibt&ldquo; wird inzwischen auch vom Internationalen Gerichtshof in Den Hag (CPI ) der Kriegsverbrechen verd&auml;chtigt.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Korruption auf Regierungsebene, ein auf L&uuml;gen basierender Krieg und die Abgr&uuml;nde der Machtelite: Die Verhaftung eines dubiosen franz&ouml;sischen Gesch&auml;ftsmannes &ouml;ffnet den Blick auf die skandal&ouml;se Vorgeschichte der Verw&uuml;stung Libyens. 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