{"id":44,"date":"2003-12-27T17:46:59","date_gmt":"2003-12-27T15:46:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=44"},"modified":"2024-10-14T18:41:34","modified_gmt":"2024-10-14T16:41:34","slug":"weniger-geld-fur-kinderlose-witwen-plane-der-bundesregierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44","title":{"rendered":"&#8220;Weniger Geld f\u00fcr kinderlose Witwen &#8211; Pl\u00e4ne der Bundesregierung&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Bisher waren Vorschl&auml;ge, kinderlose Ehepaare bei der Rente schlechter zu stellen beziehungsweise kinderreiche Eltern bei der Rente besser zu stellen als bisher vor allem der Union vorbehalten. Jetzt hat auch die Ministerin f&uuml;r Gesundheit und Soziales, Ulla Schmidt, einen entsprechenden Vorsto&szlig; gemacht, so meldet meine Regionalzeitung <em>Rheinpfalz<\/em> heute. Frau Schmidt &uuml;berlegt, die Witwenrente von Frauen, die keine Kinder gro&szlig;gezogen haben, in Zukunft zugunsten der Familien mit Kindern zu k&uuml;rzen. Das klingt unglaublich gut. Aber es klingt nur gut. Sachlich ist es ausgesprochen fragw&uuml;rdig. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWas man wirklich bedenken sollte, bevor man auch hier&uuml;ber wieder eine neue Reform-Diskussion beginnt, die sehr viele Menschen verwirren wird:<\/p><p>1. Es sollte allen Frauen, die Kinder haben wollen, dies von der Allgemeinheit erleichtert werden. Materielle Benachteiligung, schlechtes Einkommen usw. sollte kein Hinderungsgrund sein. Deshalb f&ouml;rdert die &Ouml;ffentlichkeit Kinder auch schon in vielf&auml;ltiger Weise: sie erhalten Kindergeld, bei Eltern im Beamtenstatus wird ein Kinderzuschlag gezahlt, Kinderg&auml;rten, Schulen und Universit&auml;ten sind hoch subventioniert, die Krankenversicherung von Kindern und Ehefrauen wird in der Regel, also bei normalen Arbeitnehmern, von den Beitragszahlern insgesamt mitgetragen usw. &ndash; Man kann dar&uuml;ber streiten, ob diese F&ouml;rderung ausreichend ist und ob sie richtig ansetzt. Aber man kann auch mit Sicherheit sagen, dass es wenig Sinn macht, einen neuen (negativen) F&ouml;rdertatbestand aufzumachen, wie das mit der Benachteiligung von Witwen ohne Kinder bei der Rentenversicherung geschehen w&uuml;rde.<\/p><p>2. Sinnvoller w&auml;re es, die Leistungen des Staates, die Kindern zugute kommen und die Erleichterungen, Kinder zu haben und gro&szlig; zu ziehen, zu erg&auml;nzen, auszubauen statt sie zusammen zu streichen, wie dies heute gerade im kommunalen Bereich in besonderer Weise geschieht &ndash; meist nicht aus Bosheit, sondern weil die Gemeinden kein Geld mehr haben. Kinder, Familien, Alleinerziehende brauchen Betreuungshilfen auf kommunaler Ebene, sie brauchen gute Kinderhorte, Kinderg&auml;rten und gute Schulen, ganztags, wenn die M&uuml;tter arbeiten wollen oder m&uuml;ssen.<\/p><p>3. Der neue Vorsto&szlig; der Ministerin f&uuml;r Gesundheit und Soziales wie die fr&uuml;heren Vorst&ouml;&szlig;e aus CDU\/CSU-Kreisen diskreditieren Frauen ohne Kinder. Viele von ihnen h&auml;tten ja gerne Kinder gehabt, haben aber keine bekommen oder ihre Lebensumst&auml;nde waren so kinderfeindlich, dass es nicht verantwortbar war, welche zu bekommen. Ihnen als Rentnerinnen dann die Rechnung aufzumachen, ist in vieler Hinsicht nicht klug.<\/p><p>4. Hinter den neuen Vorst&ouml;&szlig;en steckt leider auch h&auml;ufig die Vorstellung, Kinder w&uuml;rden vor allem geboren und gro&szlig;gezogen, um f&uuml;r den Unterhalt und die Rente der &Auml;lteren zu sorgen. Das ist nicht ihre Hauptfunktion. Dahinter steckt weiter die unsinnige Vorstellung, Deutschland leide unter Bev&ouml;lkerungsschwund, wir st&uuml;rben aus. Das ist Unsinn und Produkt einer unertr&auml;glichen Demagogie. Deutschland ist eines der am dichtesten bev&ouml;lkerten L&auml;nder Europas (Tabelle siehe am Ende des Textes). Mit dem &Auml;lterwerden unserer Gesellschaft werden wir fertig, wenn wir unsere Wirtschaftspotentiale nutzen (1,5% Produktivit&auml;tswachstum p.a. reichen, um alle Gruppen auf Jahrzehnte hinaus besser zu stellen); auch ohne den Versuch, die Geburten anzukurbeln. Das ist ohnehin ein ziemlich untauglicher Versuch, wenn die unter Ziffer 2 genannten Hilfen f&uuml;r Kinder und Familien nicht zur Verf&uuml;gung gestellt werden und die Arbeitslosigkeit hoch und die berufliche Perspektive und Sicherheit junger Leute gering bleibt. &ndash; Wir sollten Kindern und Familien helfen, weil es Kinder und Familien sind, aber nicht aus dem albernen Motiv, f&uuml;r die eigenen Renten sorgen zu wollen.<\/p><p><em>Tabelle zu Ziffer 4: Bev&ouml;lkerungsdichte<\/em><\/p><table>\n<tr>\n<th>L&auml;nder<\/th>\n<th>Einwohner pro qkm<\/th>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>Deutschland<\/td>\n<td>231<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"odd\">\n<td>Frankreich<\/td>\n<td>109<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>D&auml;nemark<\/td>\n<td>124<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"odd\">\n<td>Niederlande<\/td>\n<td>386<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>Tschechische Republik<\/td>\n<td>130<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"odd\">\n<td>&Ouml;sterreich<\/td>\n<td>97<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>USA<\/td>\n<td>29<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"odd\">\n<td>Polen<\/td>\n<td>124<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>Gro&szlig;britannien<\/td>\n<td>242<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"odd\">\n<td>Italien<\/td>\n<td>192<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"even\">\n<td>Spanien<\/td>\n<td>82<\/td>\n<\/tr>\n<\/table><p><em>Quelle: Fischer Weltalmanach 2004<\/em><\/p><p>5. Es bleibt nachzutragen, dass die Pl&auml;ne der Ministerin Umschichtungen betreffen, die &ldquo;weit in der Zukunft&rdquo; liegen w&uuml;rden. Von einem Zeitraum von 30 Jahren spricht der Sprecher von Ministerin Ulla Schmidt. Wenn das so ist, wenn also heute ohnehin nicht entschieden wird, dann muss man fragen, welchen Sinn solche Debatten heute zu f&uuml;hren haben soll. Ihr Reform-Image hat die SPD doch schon reichlich genug gepflegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bisher waren Vorschl&auml;ge, kinderlose Ehepaare bei der Rente schlechter zu stellen beziehungsweise kinderreiche Eltern bei der Rente besser zu stellen als bisher vor allem der Union vorbehalten. Jetzt hat auch die Ministerin f&uuml;r Gesundheit und Soziales, Ulla Schmidt, einen entsprechenden Vorsto&szlig; gemacht, so meldet meine Regionalzeitung <em>Rheinpfalz<\/em> heute. 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