{"id":440,"date":"2005-01-16T16:32:42","date_gmt":"2005-01-16T14:32:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=440"},"modified":"2016-03-21T09:51:59","modified_gmt":"2016-03-21T08:51:59","slug":"trotz-aller-schonredereien-das-volk-bleibt-bockig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=440","title":{"rendered":"Trotz aller Sch\u00f6nredereien, das Volk bleibt bockig"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Die von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten Reformen werden von den W&auml;hlern jetzt deutlich wohlwollender beurteilt als vor einem Jahr&ldquo; &uuml;berschreibt die S&uuml;ddeutsche Zeitung vom 15. Januar das ZDF-Politbarometer vom Januar. Ein hoher Anteil der Bev&ouml;lkerung lehnt allerdings die eingeleiteten Ma&szlig;nahmen in den Bereichen Gesundheit, Rente oder Arbeitsmarkt nach wie vor ab.<br>\n<!--more--><br>\nF&uuml;r 43% hat die Einf&uuml;hrung von Hartz IV nicht gut funktioniert. 74% glauben nicht daran, dass dadurch mehr Menschen einen Arbeitsplatz bekommen. 40% halten es immer noch nicht f&uuml;r richtig, dass f&uuml;r Langzeitarbeitslose Leistungen gek&uuml;rzt werden. 53% der Deutschen im Osten kritisieren die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, selbst 38% aller Deutschen mit einem sicheren Job halten das nicht f&uuml;r richtig. 45% sehen in den eingeleiteten Ma&szlig;nahmen in den Bereichen Gesundheit, Rente, Arbeitsmarkt und Steuern einen falschen Weg. Die Deutschen sind mit der Regierung und den Parteien &uuml;berwiegend unzufrieden, weder die Bundesregierung (-0,4), noch die Sozialdemokraten (-0,1), noch die Gr&uuml;nen (-0,5) oder CDU (-0,3) oder FDP (-0,6) erhalten positive Werte. <\/p><p>Wenn die Zustimmungswerte f&uuml;r die gro&szlig;en Parteien so hoch w&auml;ren, wie die Ablehnungswerte f&uuml;r die von ihnen eingeschlagene Politik sind, so k&ouml;nnten sie sich gl&uuml;cklich sch&auml;tzen. <\/p><p>Der Deutsche Michel bleibt trotz aller Sch&ouml;nredereien bockig. Nicht, dass das Urteil der W&auml;hler &bdquo;wohlwollender&ldquo; ausf&auml;llt, w&auml;re eigentlich eine Nachricht wert, sondern dass die Ablehnung immer noch so hoch ist. Wird doch dem Volk von fast allen Parteien, von der Politik, von der weit &uuml;berwiegenden Zahl der Medien, ja sogar von den Kirchen und Wohlfahrtsverb&auml;nden st&auml;ndig eingetrichtert, die Reformen seien richtig, sie seien unumg&auml;nglich, ja, sie gingen noch nicht weit genug. <\/p><p>Seit der Verabschiedung der Agenda 2010 gibt es kaum eine relevante Zeitung und keinen Fernsehsender, wo die Reformen nicht f&uuml;r grunds&auml;tzlich als richtig dargestellt werden. In allen Talk-Shows ist sichergestellt, dass die weit &uuml;berwiegende Mehrheit der Gespr&auml;chspartner daf&uuml;r sprechen. Ganze &bdquo;Fischer-Ch&ouml;re&ldquo; von Leitartiklern begr&uuml;nden ihre Notwendigkeit. Kritisiert werden allenfalls &bdquo;handwerkliche Fehler&ldquo; oder &bdquo;schlechte Vermittlung&ldquo;. Die Bundesregierung schaltet eine Werbeanzeige nach der anderen. Die Fraktionen aller im Bundestag vertretenen Parteien streiten sich allenfalls noch dar&uuml;ber, ob nicht noch mehr Sozialleistungen gek&uuml;rzt und die Arbeitsmarkt-&bdquo;Reformen&ldquo; nicht noch radikaler vorangetrieben werden m&uuml;ssten oder ob nicht alles noch schneller gehen m&uuml;sse. Die SPD redet schon gar nicht mehr &uuml;ber die Sache selbst, sondern l&auml;sst sich nur noch f&uuml;r ihre &bdquo;Standhaftigkeit&ldquo; loben. Die Wirtschaftsverb&auml;nde und ihre PR-Agenturen von der &bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft &bdquo;, &uuml;ber die &bdquo;Alfred Herrhausen Gesellschaft&ldquo; der Deutschen Bank oder die Bertelsmann Stiftung und ihre Think Tanks bis zur Beraterphalanx um McKinsey&amp;Co rufen doch nahezu t&auml;glich schon nach Hartz V bis IX und Roland Berger m&ouml;chte gar &bdquo;f&uuml;r zwei Jahre alle Regeln aussetzen&ldquo; und den Markt einfach freigeben (SZ vom 8.\/9.1.2005). Die Wirtschaftswissenschaftler begr&uuml;nden auf Tausenden von Seiten die &bdquo;objektive&ldquo; Notwendigkeit des Agenda-Kurses. Und die Demoskopen deuten jede Verbesserung der negativen Ergebnisse in ein positives Signal um. <\/p><p>Trotz dieses geballten und dauerhaften Trommelfeuers scheinen sich ein beachtlich gro&szlig;er Teil der W&auml;hlerinnen und W&auml;hler einfach taub zu stellen. Oder h&ouml;ren sie einfach, statt auf die Trommler, auf sich selbst und auf die Betroffenen? K&ouml;nnte es einfach so sein, dass die Trommler nur noch ihr Trommeln h&ouml;ren und deshalb nicht mehr merken, dass ein gro&szlig;er Teil der Volkes gar nicht mehr ihrer Trommel hinterherl&auml;uft sondern schon l&auml;ngst in eine andere Richtung abgeschwenkt ist? <\/p><p>Wie schrieb doch Kurt Tucholsky 1928 in seinem Pamphlet &bdquo;Vor und nach den Wahlen&ldquo;: &bdquo;Auf diese Weise geht in dem deutschen Reichstagshaus alle Gewalt nebbich vom Volke aus.&ldquo;\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Die von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten Reformen werden von den W&auml;hlern jetzt deutlich wohlwollender beurteilt als vor einem Jahr&ldquo; &uuml;berschreibt die S&uuml;ddeutsche Zeitung vom 15. Januar das ZDF-Politbarometer vom Januar. 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