{"id":4400,"date":"2009-12-11T17:03:01","date_gmt":"2009-12-11T16:03:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4400"},"modified":"2014-01-23T10:29:34","modified_gmt":"2014-01-23T09:29:34","slug":"was-sind-reformer-nach-eigenem-zeugnis-anpasser-an-den-zeitgeist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4400","title":{"rendered":"Was sind \u201eReformer\u201c? Nach eigenem Zeugnis: Anpasser an den Zeitgeist."},"content":{"rendered":"<p>Da ich zu einer Generation geh&ouml;re, in deren politische Jugendzeit Reformen noch Ver&auml;nderungen zu Gunsten der Mehrheit und vor allem auch der Schw&auml;cheren waren, fiel es mir in den letzten 20 Jahren schwer, die Worte &bdquo;Reform&ldquo; und &bdquo;Reformer&ldquo; ohne G&auml;nsef&uuml;&szlig;chen zu gebrauchen. Man gew&ouml;hnt sich auch daran. Aber richtig verstanden habe ich nicht, was Reformer heute sind. Jetzt bin ich aus Anlass der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zu den Laden&ouml;ffnungszeiten auf eine hilfreiche Selbstdefinition eines &bdquo;Reformers&ldquo; gesto&szlig;en. Das veranlasst mich zu einigen Anmerkungen zu jenen Gruppierungen in der Linkspartei, in der SPD und den Gr&uuml;nen, die von den tonangebenden Kreisen lobend Reformer oder in Variation &bdquo;modern&ldquo;, &bdquo;Mitte&ldquo; oder &bdquo;Realos&ldquo; genannt werden. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Als in Berlin im Jahre 2006 die Ladenschlusszeiten liberalisiert wurden, hielt der Abgeordnete Stefan Liebich von der Linkspartei im Berliner Abgeordnetenhaus eine bemerkenswerte Rede. Sie ist in Anlage A, Ziffer 2, einer Kurzdokumentation aus Anlass der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zum Ladenschluss, dokumentiert. Wer wissen will, wie die so genannten Reformer ticken, sollte diese Rede &uuml;berfliegen. Der Abgeordnete Liebich hat am Gesetz zur weitgehenden Freigabe der Laden&ouml;ffnungszeiten in Berlin mitgewirkt und sagte am 9.11.2006 dazu:<\/p><p>&bdquo;Ich finde wie Herr Pfl&uuml;ger, dass das gegenw&auml;rtig diskutierte Gesetz inklusive der &Auml;nderungsantr&auml;ge, die wir im Hauptausschuss beschlossen haben, dem Zeitgeist entspricht, auch wenn mir dieser Zeitgeist nicht passt.&ldquo;<br>\n&bdquo;Mir gef&auml;llt dieser Zeitgeist nicht. Trotzdem glaube ich, dass wir ihn in unseren Debatten zu ber&uuml;cksichtigen haben.&ldquo;<br>\n&bdquo;Der Kampf gegen das Ladenschlussgesetz ist verloren, und das seit vielen Jahren.&ldquo; <\/p><p>Das Thema Ladenschluss wie auch die Rede des Abgeordneten Liebich, der immerhin heute Bundestagsabgeordneter und einer von drei Sprechern des Forums Demokratischer Sozialismus, also der so genannten Reformer in der Linkspartei ist, sind gute Beispiele, um einiges zu diesen Reformern bei der Linken, bei der SPD und bei den Gr&uuml;nen sichtbar zu machen:<\/p><p><strong>Erstens:<\/strong> Sachliche Erw&auml;gungen spielen bei den programmatischen Vorstellungen dieser Reformfl&uuml;gel eine zweitrangige Rolle; soweit es sie gibt, sind sie h&auml;ufig ausgesprochen einf&auml;ltig. So im konkreten Fall die Erw&auml;gung, dass man mit einer weitgehenden Lockerung des Ladenschlusses Kaufkraft nach Berlin holen k&ouml;nne. Dass die Lockerung Folgen f&uuml;r die Besch&auml;ftigten hat und im &uuml;brigen auch f&uuml;r die Gesellschaft insgesamt; dass man als politisch Verantwortlicher sich durchaus &uuml;berlegen sollte, wann in unserer Gesellschaft einmal ein bisschen Ruhe einkehrt, und wie man m&ouml;glichst vielen Menschen und Familien Freiraum f&uuml;r gemeinsame Aktivit&auml;ten und personale Kommunikation verschaffen kann usw, ist kein relevantes Thema. Erw&auml;gungen, wie das Bundesverfassungsgericht sie angestellt hat (siehe Anlage A Ziffer 1) oder Gedanken wie jene der Ratsvorsitzenden der EKD &uuml;ber die Gefahr von kollektiven Burn-out-Syndromen (siehe Anlage A Ziffer 3) kommen bei den Reformern nicht vor.<\/p><p><strong>Zweitens:<\/strong> Reformer, Modernisierer, Realos sind stark gepr&auml;gt von der herrschenden Meinung. Im konkreten Fall des so genannten Reformvorhabens &Ouml;ffnung der Ladenschlusszeiten war eine Kampagne gelaufen, die mit Vernunft nicht mehr viel zu tun hatte. Die Liberalisierung der Laden&ouml;ffnungszeiten war in den neunziger Jahren zu einer Art von Testfall f&uuml;r die Reformf&auml;higkeit unseres Landes hochgespielt worden. Weil in manchen anderen L&auml;ndern die Ladent&uuml;ren quasi rund um die Uhr offen sind, m&uuml;sse es auch bei uns so sein. Das war schon eines der tiefgr&uuml;ndigsten Argumente. Es wurde damals behauptet, mit der Lockerung der Laden&ouml;ffnungszeiten w&uuml;rden 40.000 Arbeitspl&auml;tze geschaffen. Die Reformer glaubten das, obwohl auch schon eine einfache &ouml;konomische Analyse h&auml;tte zeigen m&uuml;ssen, dass das L&auml;nger-offen-lassen von Ladent&uuml;ren keinerlei Wertsch&ouml;pfung darstellt, im Gegenteil, es kann auch eine Vergeudung von Ressourcen sein. So ist es jedenfalls, wenn man zur Befriedigung der gleichen Kaufkraft im Einzelhandel 40.000 Personen mehr braucht. Eine Betrachtung des Themas aus &ouml;konomischer Sicht finden Sie in Anlage A Ziffer 4.<\/p><p><strong>Der Lohn f&uuml;r die Anpassung der programmatischen Position der Reformer an den herrschenden Geist der Zeit folgt auf dem Fu&szlig;: die Reformer, die Modernisierer, die Realos werden gelobt und haben eine &bdquo;gute Presse&ldquo;.<\/strong><\/p><p>Weil die Reformer immer wieder daf&uuml;r sorgen, dass sich die Parteien im linken Spektrum programmatisch dem rechten Spektrum anpassen, sind sie in den Reihen der ma&szlig;geblichen Meinungsf&uuml;hrer gut gelitten. So war das bei der SPD schon beginnend am Ende der Sechzigerjahre: Karl Schiller, der bei einem Steuerparteitag der SPD im Jahr 1971 gegen allzu progressive Vorstellungen der damaligen Eppler Kommission anging, wurde von den Medien hochgelobt. Er wurde weiter gefeiert, als er der damaligen sozialliberalen Koalition im Mai 1972 einen r&uuml;cksichtslosen, rigorosen Sparkurs verordnen wollte. Er wurde daf&uuml;r von den konservativen Medien &uuml;ber den gr&uuml;nen Klee gelobt und im Wahlkampf gegen seine eigene Partei in Stellung gebracht, die sp&auml;ter sein Nachfolger Wolfgang Clement.<br>\nAuch die rechten Seeheimer der SPD hatten in den Medien immer eine bessere Presse als die noch verbliebenen Linken in der SPD. Die Seeheimer Reformer wurden anfangs der Siebzigerjahre gegen Willy Brandt in Position gebracht. Annemarie Renger, Hermann Rappe und Georg Leber spielten damals entscheidende Rollen. Schr&ouml;der kam dann sp&auml;ter in den Genuss dieser Mechanismen. In Gro&szlig;britannien, in Italien, in Frankreich &ndash; &uuml;berall wurde mit den dortigen sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien das gleiche Spiel gespielt.<\/p><p>Dann auch bei den Gr&uuml;nen. Und jetzt bei der Linkspartei. Hier ist es besonders apart, weil die als Reformer gefeierten Personen sich zu einem beachtlichen Teil aus ostdeutschen, fr&uuml;heren PDS- und SED-Mitgliedern rekrutieren. Diese Tatsache st&ouml;rt aber die Hymnen der meinungsf&uuml;hrenden Kr&auml;fte im Westen nicht. Es geht ja auch nicht um die Sache und das sachlich Richtige. Es geht um die Instrumentalisierung eines Teils der Parteien jenseits von Schwarz-Gelb als St&ouml;rfaktor innerhalb dieser Parteien.<\/p><p><strong>Anlage A:<\/strong><\/p><p>Kurzdokumentation<\/p><p>Zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes &uuml;ber die Laden&ouml;ffnungsregelungen Berlins vom 1.12.2009 und ein bisschen Vorgeschichte: <\/p><ol>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/entscheidungen\/rs20091201_1bvr285707.html\">Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 1.12.2009<\/a><\/strong><\/li>\n<li><strong>Die Rede von Stefan Liebich vom 9.11.2006:<\/strong><br>\nStefan Liebich z&auml;hlt zu den sog. &ldquo;Reformern&rdquo; bei der LINKEN, er ist MdB und Bundessprecher des <a href=\"http:\/\/www.inga-nitz.de\/politik\/zusammenschluesse\/forum_demokratischer_sozialismus\/\">Forums demokratischer Sozialismus<\/a> (Er hat als Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses am 9.11.2006 die <a href=\"http:\/\/www.stefan-liebich.de\/article\/979.ladenoeffnungsgesetz-weder-anlass-zum-jubeln-noch-weltuntergang.html?sstr=laden%F6ffnungsgesetz\">Liberalisierung der Berliner Laden&ouml;ffnungszeiten<\/a> massiv vertreten, die jetzt vom Bundesverfassungsgericht in die Schranken gewiesen wurde.)\n<p><strong>Laden&ouml;ffnungsgesetz &ndash; Weder Anla&szlig; zum Jubeln, noch Weltuntergang<br>\nDebatte &uuml;ber die Beschlu&szlig;fassung &uuml;ber ein Laden&ouml;ffnungsgesetz:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stefan Liebich<\/strong> (Linksfraktion):<\/p>\n<p>Frau Pr&auml;sidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! In diesen Wochen findet ein langer Kampf in der Bundesrepublik Deutschland sein Ende. Das Ladenschlussgesetz, das Symbol f&uuml;r die Reformunf&auml;higkeit der Bundesrepublik Deutschland f&uuml;r die einen und f&uuml;r den rheinischen Kapitalismus f&uuml;r die anderen,<\/p>\n<p>[Gel&auml;chter bei den Gr&uuml;nen]<\/p>\n<p>f&uuml;r manche sogar als Symbol, dass der Mensch nicht g&auml;nzlich hinter Konsuminteressen zur&uuml;ckzustehen hat, wird in den Bundesl&auml;ndern diskutiert und in den meisten &ndash; ich vermute, letztlich in allen Bundesl&auml;ndern &ndash; grunds&auml;tzlich ver&auml;ndert werden, auch wenn die CSU in Bayern noch dar&uuml;ber diskutiert. Ich glaube, liebe Kolleginnen und Kollegen von B&uuml;ndnis&nbsp;90\/Die Gr&uuml;nen, dass Sie von solchen Entscheidungen nicht verschont geblieben w&auml;ren, wenn Sie noch in irgendeinem Bundesland mitregierten.<\/p>\n<p>[Heiterkeit bei der SPD]<\/p>\n<p>Ich will mich &ndash; so komisch das klingt &ndash; in vielen Punkten an Herrn Pfl&uuml;ger anschlie&szlig;en, <\/p>\n<p>[Klatschen bei den Gr&uuml;nen]<\/p>\n<p>denn auch wir hatten dazu kontroverse Debatten. Das Sch&ouml;ne ist, dass die Gr&uuml;nen in dieser Frage wie eine Eins stehen und alle B&uuml;ndnisgr&uuml;nen in der Bundesrepublik Deutschland die gleiche Position vertreten. Deswegen k&ouml;nnen Sie jetzt auch von Ihrem hohen Ross herab &uuml;ber andere Fraktionen lachen, die dazu Kontroversen f&uuml;hren. Die Gr&uuml;nen sind sich in dieser Frage wie in nahezu allen Fragen komplett einig. Das ist sch&ouml;n. Das nehmen wir zur Kenntnis.<br>\n&nbsp;<br>\nIn unserer Fraktion gab es dazu Kontroversen. In unserer Partei gab es dazu Kontroversen, auch wenn die Kritik, die wir ber&uuml;cksichtigen, wenig &uuml;berraschend, eher die Kritik ist, die aus den Gewerkschaften kommt. Wir beraten heute &uuml;ber ein Laden&ouml;ffnungsgesetz, das das alte Ladenschlussgesetz abl&ouml;st, das die &Ouml;ffnungszeiten in der Woche weitestgehend freigibt und nur noch den Sonntag reguliert. Ich finde wie Herr Pfl&uuml;ger, dass das gegenw&auml;rtig diskutierte Gesetz inklusive der &Auml;nderungsantr&auml;ge, die wir im Hauptausschuss beschlossen haben, dem Zeitgeist entspricht, auch wenn mir dieser Zeitgeist nicht passt. Ich glaube, das Argument, das Frau Paus vorbrachte, dass im &bdquo;Tagesspiegel&ldquo; bei einer TED-Umfrage 83&nbsp;% der Anruferinnen und Anrufer dagegen waren, den Ladenschluss freizugeben, wird sehr schnell durch die Realit&auml;t widerlegt werden, wenn Sie mit den Leuten reden.<\/p>\n<p>[Zuruf von Elfi Jantzen (Gr&uuml;ne)]<\/p>\n<p>Mit gef&auml;llt dieser Zeitgeist nicht. Trotzdem glaube ich, dass wir ihn in unseren Debatten zu ber&uuml;cksichtigen haben. Deshalb versuchen wir im Moment eines, n&auml;mlich den Arbeitsschutz der im Handel Besch&auml;ftigten zu regeln. Diese Besch&auml;ftigten sind zum &uuml;berwiegenden Teil Frauen. Jeder von Ihnen, der Freunde oder Verwandte hat, die als Marktleiterin im Extra-Markt arbeiten, die bei Schlecker an der Kasse sitzen oder bei Kaufhof Verk&auml;uferin sind, jeder von Ihnen wei&szlig;, mit wie viel Zorn die Debatten, die wir hier f&uuml;hren, von den Kolleginnen begleitet wird.<\/p>\n<p>[Zuruf von den Gr&uuml;nen: Zu Recht!]<\/p>\n<p>Trotzdem, f&uuml;rchte ich, ist diese Debatte unausweichlich. Der Kampf gegen das Ladenschlussgesetz ist verloren, und das seit vielen Jahren. Das sei auch den Kolleginnen und Kollegen von den Gewerkschaften gesagt: In einer Stadt, in der zu einer Demonstration gegen Sozialabbau nur halb so viele Menschen gehen wie zur langen Nacht des Shoppings, in so einer Stadt kann man nicht von einer rot-roten Regierung erwarten, dass wir alle D&auml;mme halten.<\/p>\n<p>[Gel&auml;chter bei den Gr&uuml;nen]<br>\n&nbsp;<br>\nWie die Stimmung ist, liebe Kollegen von den Gr&uuml;nen, hat man an der Debatte gesehen, die von den Medien entfacht wurde &ndash; Sie haben darauf Bezug genommen. Die erste Gesetzgebungskompetenz, die wir als Bundesland nach der F&ouml;deralismusreform bekommen, sollte pl&ouml;tzlich gar nicht ausge&uuml;bt werden. Jedes normale parlamentarische Verfahren wurde als Verz&ouml;gerungstaktik denunziert und ein m&ouml;glichst einstimmiges Durchpeitschen gefordert. Und, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben uns dem nicht gebeugt, auch wenn Frau Paus dies hier behauptet hat.<br>\n&nbsp;<br>\nDie erste ordentliche Anh&ouml;rung, die es im Hauptausschuss jemals gegeben hat, ist zu diesem Gesetz durchgef&uuml;hrt worden. Leider konnte Frau Paus bei dieser Anh&ouml;rung nicht anwesend sein.<\/p>\n<p>[Oh-Rufe]<br>\nDie Anh&ouml;rung war sehr ausf&uuml;hrlich, und sie ist nicht ohne Ergebnis geblieben. Wir haben die Anregungen einiger Angeh&ouml;rter gegriffen. Deswegen wird heute nicht der Senatsentwurf, sondern eine ge&auml;nderte Fassung abgestimmt. Daf&uuml;r bitte ich um Ihre Zustimmung.<br>\n&nbsp;<br>\nIch prophezeie trotzdem, dass die W&uuml;nsche und Erwartungen hinsichtlich massenhafter Mehreinnahmen der H&auml;ndler und mehr Arbeitspl&auml;tzen nicht in Erf&uuml;llung gehen werden. Allenfalls in der Innenstadt werden wir durch Touristen von au&szlig;erhalb mehr Geld in unsere Stadt holen, und das ist auch nicht schlecht. Auch die &Ouml;ffnungszeiten werden nicht uferlos ausgedehnt werden, weil es sich f&uuml;r viele Einzelh&auml;ndler gar nicht rechnen wird. Ist das aber nun ein Grund, an den alten Regelungen festzuhalten? &ndash; Ich meine nein. Wir werden deshalb mit der Beschlussfassung heute, so weit es geht, die Besch&auml;ftigten sch&uuml;tzen.<br>\n&nbsp;<br>\nMit der heutigen Entscheidung wird keine neue Konjunktur entfacht werden, aber auch nicht dem Neoliberalismus T&uuml;r und Tor ge&ouml;ffnet. Nur eine Regulierung, die das soziale Gesicht der alten Bundesrepublik &uuml;ber Jahrzehnte gepr&auml;gt hat, wird aufgehoben werden. Ich finde nicht, dass das ein Anlass zum Jubeln ist, wie die FDP, die kurz vor Toresschluss noch einmal einen sehr eigenartigen Antrag hierzu vorgelegt hat, dies tut, aber ich finde auch nicht, dass es den Weltuntergang bedeutet. Deshalb bitte ich Sie um Zustimmung zum Laden&ouml;ffnungsgesetz in der vom Hauptausschuss ge&auml;nderten Version. &ndash; Vielen Dank!<\/p>\n<p>[Beifall bei der Linksfraktion und der SPD]<\/p><\/li>\n<li><strong>Reaktionen auf das Urteil<\/strong>\n<ol type=\"a\">\n<li><a href=\"http:\/\/www.berlinonline.de\/aktuelles\/berlin\/detail_ddp_2596686280.php\">Ein Bericht &uuml;ber die Reaktion von ver.di<\/a>\n<\/li>\n<li><strong>Wowereit: Urteil &ldquo;echter R&uuml;ckschritt&rdquo;<\/strong><br>\nDer Berliner Regierende B&uuml;rgermeister Klaus Wowereit kritisierte das Urteil als &ldquo;unzeitgem&auml;&szlig;&rdquo; und warf den Karlsruher Richtern eine Bevorzugung der christlichen Kirchen vor. Verbrauchersenatorin Katrin Lompscher k&uuml;ndigte einen Dialog mit Wirtschaft, Kirchen und Gewerkschaften &uuml;ber die jetzt f&auml;llige Gesetzes&auml;nderung an. Die soll voraussichtlich im Fr&uuml;hjahr 2010 kommen, so Wowereit. Der SPD-Politiker nannte das Urteil einen &ldquo;echten R&uuml;ckschritt&rdquo;. Berlin habe als Tourismusmetropole &ldquo;gute Erfahrungen&rdquo; mit dem Sonntagsverkauf gemacht.\n<p>Zitat: <\/p>\n<blockquote><p><em>Wir haben niemanden gezwungen, aufzumachen, und wir haben niemanden gezwungen, einkaufen zu gehen.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Berlins Regierender B&uuml;rgermeister Klaus Wowereit zum Karlsruher Urteil zur Laden&ouml;ffnung.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/ladenoeffnung106.html\">tagesschau.de<\/a><\/p>\n<p>Erg&auml;nzend dazu hier der <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/Adventssonntage-Ladenoeffnung;art270,2964819\">Tagesspiegel<\/a>\n<\/p><\/li>\n<li><strong>&ldquo;Ein kollektives Burn-out vermeiden&rdquo;<\/strong><br>\nUrteil zum Sonntagsverkauf<br>\nEKD-Ratsvorsitzende K&auml;&szlig;mann &uuml;ber den Ladenschluss am Sonntag, unwichtigen Kommerz &ndash; und ihren Weihnachtseinkauf.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/889\/496207\/text\/\">S&uuml;ddeutsche Zeitung vom 1.12.2009<\/a>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><strong>Verl&auml;ngerte Laden&ouml;ffnungszeiten aus &ouml;konomischer Sicht:<\/strong><br>\nDass verl&auml;ngerte Laden&ouml;ffnungszeiten auch &ouml;konomisch nichts bringen, sondern nur Mehrbelastung und keine Absatzsteigerung bedeuten, hat bereits Wolfgang St&uuml;tzel in seinem grundlegenden Werk, Volkswirtschaftliche Saldenmechanik, herausgestellt. In seinem zuerst 1958 erschienenen Buch, das es verdient in die Reihe der &ldquo;Klassiker&rdquo; der Volkswirtschaftslehre aufgenommen zu werden, erkl&auml;rt St&uuml;tzel sprichw&ouml;rtlich in zwei S&auml;tzen den Unterschied zwischen einzelbetrieblicher (Partialsatz) und gesamtwirtschaftlicher (Globalsatz) Logik am &ldquo;Paradoxon des Ladenschlusses&rdquo;:\n<p>&ldquo;Paradoxon des Ladenschlusses: <\/p>\n<p>Partialsatz: Jeder selbst&auml;ndige und ohne Angestellte arbeitende Einzelh&auml;ndler kann durch die Verl&auml;ngerung der &Ouml;ffnungszeit seines Ladens seinen Absatz so stark ausdehnen, dass der Mehrgewinn die pers&ouml;nliche Mehrbelastung weit &uuml;bersteigt.<\/p>\n<p>Globalsatz: Der Gesamtabsatz der genannten Einzelh&auml;ndler wird durch &Auml;nderung der Laden&ouml;ffnungszeiten nicht ver&auml;ndert. Verl&auml;ngerung der &Ouml;ffnungszeit bringt nur Mehrbelastung, keine Absatzsteigerung.&rdquo;(Quelle: Wolfgang St&uuml;tzel, Volkswirtschaftliche Saldenmechanik, 2. Aufl., T&uuml;bingen 1978, S. 42)<\/p>\n<p>Zur erg&auml;nzenden Erl&auml;uterung lie&szlig;e zwischen den Partial- und Globalsatz noch folgender Zwischensatz einschieben:<\/p>\n<p>Gr&ouml;&szlig;enmechanik: Jeder genannte Einzelh&auml;ndler bzw. jede Gruppe dieser Einzelh&auml;ndler kann den Absatz durch verl&auml;ngerte Laden&ouml;ffnungszeiten nur in dem Falle und in dem Ma&szlig;e ausdehnen, als die Komplement&auml;rgruppe, die verbleibenden Einzelh&auml;ndler also, an Absatz verliert.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da ich zu einer Generation geh&ouml;re, in deren politische Jugendzeit Reformen noch Ver&auml;nderungen zu Gunsten der Mehrheit und vor allem auch der Schw&auml;cheren waren, fiel es mir in den letzten 20 Jahren schwer, die Worte &bdquo;Reform&ldquo; und &bdquo;Reformer&ldquo; ohne G&auml;nsef&uuml;&szlig;chen zu gebrauchen. Man gew&ouml;hnt sich auch daran. Aber richtig verstanden habe ich nicht, was Reformer<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4400\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[195,194,123,191],"tags":[360,359],"class_list":["post-4400","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-linke","category-gruene","category-kampagnentarnworteneusprech","category-spd","tag-liebich-stefan","tag-parteistroemungen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4400","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4400"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4400\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20072,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4400\/revisions\/20072"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4400"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4400"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4400"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}