{"id":44020,"date":"2018-05-19T11:45:52","date_gmt":"2018-05-19T09:45:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44020"},"modified":"2018-05-22T09:38:30","modified_gmt":"2018-05-22T07:38:30","slug":"iran-das-oel-und-der-dollar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44020","title":{"rendered":"Iran, das \u00d6l und der Dollar"},"content":{"rendered":"<p>Seit einigen Wochen kriegen wir von einigen Lesern wieder verst&auml;rkt Hinweise auf Artikel, die davon berichten, Iran plane, seine &Ouml;lverk&auml;ufe k&uuml;nftig nicht mehr in US-Dollar abzurechnen und dies sei f&uuml;r die USA der &bdquo;wahre&ldquo; Kriegsgrund, da eine Abkehr vom &bdquo;Petrodollar&ldquo; die USA in den sicheren Ruin st&uuml;rzen w&uuml;rde. Diese Geschichte geistert in verschiedenen Variationen nun schon seit 2004 durch das Netz und wird leider immer h&auml;ufiger auch von redaktionellen Medien kritiklos aufgegriffen. Das ist &auml;rgerlich, da so ein Teil der gerechtfertigten Kritik an der unfairen Au&szlig;enwirtschaftspolitik der USA auf eine &ouml;konomisch falsche und daher unproduktive Schiene gelenkt wird. Zeit f&uuml;r einen unaufgeregten Blick hinter die Kulissen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIn Nachhinein ist es nicht mehr so einfach, die genaue Herkunft der Geschichte vom &bdquo;Kriegsgrund Petrodollar&ldquo; zu bestimmen. Ungef&auml;hr zeitgleich haben um das Jahr 2005 herum die beiden amerikanischen Autoren F. William Engdahl und William R. Clark begonnen, den &bdquo;wahren&ldquo; Grund f&uuml;r den Angriffskrieg der von den USA gef&uuml;hrten Koalition gegen Saddam Husseins Irak in einer angeblich von den Irakern geplanten Umstellung der Transaktionsw&auml;hrung ihrer &Ouml;lexporte von Dollar auf Euro zu sehen. Diese Aussage war &uuml;brigens schon damals schlicht falsch, da Irak aufgrund der internationalen Sanktionen seit 1996 offiziell sein &Ouml;l &uuml;ber das &bdquo;Oil-For-Food-Programm&ldquo; der UN und dabei zu gro&szlig;en <a href=\"http:\/\/edition.cnn.com\/2000\/WORLD\/meast\/10\/30\/iraq.un.euro.reut\/\">Teilen ohnehin in Euro verkaufte<\/a>. Das konnte aber auch nicht verhindern, dass Engdahls &bdquo;Century of War&ldquo; (2004) und besonders Clarks <a href=\"https:\/\/de.scribd.com\/document\/110714320\/Petrodollar-Warfare-Oil-Iraq-and-the-Future-of-the-Dollar\">&bdquo;Petrodollar Warfare&ldquo; (2005)<\/a> zu Bestsellern wurden, die auch heute noch von Autoren aus diesem Spektrum als Quellen genannt werden. Seitdem zieht sich die Geschichte von einem Land, das plant, seine Exporte k&uuml;nftig in Euro (oder neuerdings in der chinesischen W&auml;hrung Renminbi) abzurechnen, und daher wie Irak bald Opfer eines amerikanischen Angriffskriegs werden soll, wie ein roter Faden durch die Artikelspalten bestimmter Medien. Seit 2006 geht es dabei vor allem um Iran, der angeblich plant, sein &Ouml;l k&uuml;nftig nur noch gegen harte Euro zu verkaufen. Nebenbei: Iran stellt bereits seit 2003 f&uuml;r seine europ&auml;ischen und asiatischen Kunden die &Ouml;lrechnungen <a href=\"https:\/\/www.azernews.az\/region\/98313.html\">in Euro aus<\/a> und seit 2016 akzeptiert man generell keine Dollarzahlungen mehr &ndash; Grund daf&uuml;r sind die US-Sanktionen. Doch bevor man zu sehr ins Detail geht, ist ein kleiner Ausflug in die &ouml;konomischen Grundlagen angebracht &ndash; welche Rolle spielen Transaktionsw&auml;hrungen &uuml;berhaupt im internationalen Handel?<\/p><p><strong>Auf die Transaktionsw&auml;hrung kommt es nicht an<\/strong><\/p><p>Dazu ein einfaches Beispiel: Wenn ein ungarischer &Ouml;limporteur eine Lieferung &uuml;ber 100.000 Barrel Roh&ouml;l aus Iran ordert, gibt es verschiedene M&ouml;glichkeiten, wie er die Rechnung daf&uuml;r bezahlt. Die erste Variante w&auml;re die Bezahlung in US-Dollar. Der Ungar tauscht also seine Forint gegen Dollar ein und &uuml;berweist sie an den Exporteur in Iran. Der f&uuml;hrt seine Konten jedoch in iranischen Rials und tauscht seinerseits die Dollar, die er von seinem ungarischen Gesch&auml;ftspartner &uuml;berwiesen bekommen hat, daher in Rial um. Und welche Auswirkungen hat dieses Gesch&auml;ft nun auf den Dollar? Die Antwort ist: Gar keine, da der Iraner die gleiche Menge an Dollar wieder auf den Markt wirft, die der Ungar zuvor vom Markt eingekauft hat &ndash; ein Nullsummenspiel. Und w&uuml;rde sich dies &auml;ndern, wenn der Handel nun in Euro abgerechnet wird? Nein. In diesem Falle tauscht der Ungar lediglich seine Forint in Euro um, die der Iraner dann wieder in Rial umtauscht. Die Transaktionsw&auml;hrung spielt bei solchen Gesch&auml;ften erst einmal keine Rolle. <\/p><p><strong>Wichtiger ist die Reservew&auml;hrung<\/strong><\/p><p>Nat&uuml;rlich ist die reale Welt etwas komplexer als dieses Grundlagenbeispiel. Volkswirtschaftlich ist es vor allem f&uuml;r kleinere Staaten ungemein wichtig, die eigene W&auml;hrung gegen&uuml;ber den W&auml;hrungen f&uuml;r strategisch und &ouml;konomisch wichtige Importe stabil zu halten. Denn wenn die eigene W&auml;hrung gegen&uuml;ber der W&auml;hrung, in der man z.B. seine &Ouml;l- oder Gaslieferungen importiert, auf Dauer an Tauschwert verliert, verteuern sich diese Importe. Daher betreiben nahezu alle Zentralbanken dieser Welt eine Art aktives W&auml;hrungsmanagement &ndash; man interveniert, wenn der Wechselkurs einen zuvor bestimmten Korridor verl&auml;sst. Aus diesem Grund macht es nat&uuml;rlich vor allem bei langfristigen Importvertr&auml;gen Sinn, die Abrechnung in einer W&auml;hrung festzulegen, die von der eigenen Zentralbank gegen&uuml;ber der heimischen W&auml;hrung aktiv abgesichert wird. Und hier kommt die sogenannte &bdquo;Reservew&auml;hrung&ldquo; ins Spiel. Dies ist die W&auml;hrung, in der die nationalen Zentralbanken ihre Devisenreserven halten, um bei Kursschwankungen eingreifen zu k&ouml;nnen. Weltweit bestehen die W&auml;hrungsreserven derzeit zu 64% aus US-Dollar und zu 20% aus Euro &ndash; dahinter kommen dann noch Schweizer Franken, Japanische Yen und das Britische Pfund. Der chinesische Renminbi stellt zur Zeit nur ein einziges Prozent der W&auml;hrungsreserven dar. <\/p><p>Der Dollar ist also nicht deshalb Weltw&auml;hrungsreserve Nummer Eins, weil &Ouml;l oft in Dollar gehandelt wird, sondern &Ouml;l wird oft in Dollar gehandelt, weil der Dollar Weltw&auml;hrungsreserve Nummer Eins ist. W&uuml;rde unser Ungar sein &Ouml;l aus Iran n&auml;mlich nicht in Dollar oder Euro, sondern beispielsweise Schweizer Franken bezahlen, w&auml;re dies freilich ebenfalls ein Nullsummenspiel. Anders sieht es jedoch bereits bei einem Warentermingesch&auml;ft aus. Kauft der Ungar heute das &Ouml;l, das jedoch zum heute fixierten Preis (in Franken) erst am 1. August abgewickelt wird, m&uuml;sste er sich bis zu diesem Zeitpunkt gegen Kursschwankungen zwischen dem Forint und dem Franken absichern. Das sind Zusatzkosten, die er nat&uuml;rlich scheut. Darum wird der Ungar im konkreten Fall bei einem Warentermingesch&auml;ft die Zahlung in Euro bevorzugen, da die ungarische Zentralbank den Forint gegen&uuml;ber Kursschwankungen zum Euro absichert. Warentermingesch&auml;fte sind bei Rohstoffimporten &uuml;brigens neben langfristigen Handelsvertr&auml;gen die Regel. Und bei langfristigen Vertr&auml;gen ist es noch wichtiger, eine Transaktionsw&auml;hrung zu w&auml;hlen, gegen die die eigene W&auml;hrung aktiv abgesichert ist.<\/p><p>Bis 1973 waren solche Fragen &uuml;brigens ziemlich egal, da der US-Dollar durch das Bretton-Woods-System eine Ankerw&auml;hrung war, an die alle anderen wichtigen W&auml;hrungen der Welt in einem System mit festgelegten Wechselkursbandweiten gekoppelt waren. Mit dem Ende von Bretton-Woods drohte der &Ouml;lmarkt, der durch die erste &Ouml;lkrise ohnehin bereits hyperventilierte, durch W&auml;hrungsturbulenzen dauerhaft seine Stabilit&auml;t zu verlieren. Um dies zu verhindern, verpflichtete sich Saudi Arabien als gr&ouml;&szlig;ter OPEC-Lieferant sein &Ouml;l fortan nur noch gegen US-Dollar zu verkaufen. Das war auch f&uuml;r andere Staaten durchaus sinnvoll, da so die ohnehin bereits vorhandene alte Ankerw&auml;hrung als Reservew&auml;hrung nun auch die wichtigen &Ouml;limporte abdeckte. Wichtig ist jedoch: Hierbei ging es nur um die Transaktionsw&auml;hrung! Viel wichtiger ist jedoch, was der Verk&auml;ufer schlussendlich mit den Einnahmen macht.<\/p><p><strong>Holl&auml;ndische Krankheit und Petrodollar-Recycling &ndash; die realen W&auml;hrungsprobleme<\/strong><\/p><p>Im oben genannten Beispiel tauscht der &Ouml;lexporteur Iran die Transaktionsw&auml;hrung Dollar bzw. Euro sofort nach dem Handel in seine Landesw&auml;hrung ein. Dies w&uuml;rde  jedoch langfristig zu einer steigenden Nachfrage nach dem iranischen Rial und damit einer Aufwertung der W&auml;hrung f&uuml;hren. Solche Aufwertungen sind jedoch Gift f&uuml;r die Konkurrenzf&auml;higkeit von Volkswirtschaften, da die einheimischen Unternehmen ihre Kosten f&uuml;r L&ouml;hne, Energie und Kapital ja in der einheimischen W&auml;hrung aufbringen m&uuml;ssen. Die Folge einer solcher W&auml;hrungsaufwertung durch gro&szlig;volumige Rohstoffexporte bezeichnen &Ouml;konomen als &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Holl%C3%A4ndische_Krankheit\">Holl&auml;ndische Krankheit<\/a>&ldquo; &ndash; benannt nach dem Problem der Niederlande mit der durch die &Ouml;l- und Gasexporte aus den Nordseevorkommen resultierenden Aufwertung des Gulden in den 1960-ern. &Auml;hnliche Probleme haben auch Venezuela, Aserbaidschan und zum Teil auch Russland. Der einzig sinnvolle Ausweg aus der Misere stellt eine Praxis dar, die ironischerweise als &bdquo;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Petrodollar_recycling\">Petrodollar-Recycling<\/a>&ldquo; beschrieben wird. <\/p><p>Wenn Iran in unserem Beispiel die Einnahmen nicht in die heimische W&auml;hrung Rial umtauscht, sondern entweder direkt oder indirekt in einem anderen W&auml;hrungsraum investiert oder aber in gleichem Umfang G&uuml;ter aus einem anderen W&auml;hrungsraum importiert, vermeidet es eine Aufwertung des Rial. Beispielhaft daf&uuml;r sind sowohl Saudi Arabien als auch Norwegen. Wenn ein saudischer Prinz f&uuml;r 150 Millionen Dollar einen Modigliani ersteigert oder sich in Belgravia f&uuml;r Phantasiepreise eine Villa nach der anderen kauft, so tr&auml;gt dies auch zur Stabilit&auml;t des Saudi-Riyal bei, da die Devisen&uuml;bersch&uuml;sse damit abgebaut werden. Auch die gigantischen R&uuml;stungsimporte haben &ndash; aus rein &ouml;konomischer Perspektive &ndash; nebenbei den Effekt der Stabilit&auml;t der eigenen W&auml;hrung. Norwegen wiederum hat einen &bdquo;staatlichen Pensionsfonds&ldquo; aufgelegt, der ausschlie&szlig;lich in anderen W&auml;hrungsr&auml;umen investiert und mittlerweile ein Volumen von mehr als einer Billion US-Dollar hat. Nur so kann das Land sich dagegen absichern, dass die eigene W&auml;hrung durch die &Ouml;l- und Gasimporte unkontrollierbar aufwertet und das Land an der Holl&auml;ndischen Krankheit eingeht. <\/p><p><strong>China greift den Dollar an?<\/strong><\/p><p>Eine &auml;hnliche Praxis verfolgt auch China bereits seit Jahren. Das Reich der Mitte erzielt Jahr f&uuml;r Jahr gegen&uuml;ber dem Euro- und dem Dollarraum massive Au&szlig;enhandels&uuml;bersch&uuml;sse und st&ouml;&szlig;t dabei bereits beim &bdquo;Recyling&ldquo; an die Grenzen. Vor diesem Hintergrund liest man auch <a href=\"https:\/\/de.sputniknews.com\/wirtschaft\/20180328320100316-oel-dollar-yuan-system\/\">Meldungen<\/a> anders, nach denen Chinas Initiative, &Ouml;limporte nicht mehr in Devisen, sondern in der Landesw&auml;hrung Renminbi zu fakturieren, ein Plan sei, &bdquo;den &Ouml;l-Dollar zu killen&ldquo;. Hat China denn kein Interesse mehr daran, Dollar- oder Eurorecycling zu betreiben? Will man den Renminbi nun tats&auml;chlich aufwerten, wie die USA es ja seit Jahren fordern? Denn das ist es ja, was die Autoren solcher Artikel immer wieder verwechseln &ndash; wenn China seine Devisen&uuml;bersch&uuml;sse nicht reinvestiert oder f&uuml;r Importe ausgibt, st&auml;rkt dies mittel- bis langfristig die eigene W&auml;hrung, was den USA sogar sehr gelegen k&auml;me. <\/p><p>Doch um eine Aufwertung wird es China dabei nicht gehen. Man hat vielmehr ein starkes Interesse daran, den Renminbi in Asien zur wichtigsten Reservew&auml;hrung zu machen und seine Nachbarn so noch st&auml;rker an sich zu binden. Insofern w&uuml;rde es &ndash; auch in Bezug auf die chinesische Idee einer <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/One_Belt,_One_Road\">&bdquo;Neuen Seidenstra&szlig;e&ldquo;<\/a> hin &ndash; durchaus Sinn machen, den Renminbi auch &uuml;ber eine Funktion als &Ouml;l-Handelsw&auml;hrung zu pushen. Zumindest in puncto Iran ist dies jedoch kein Angriff auf den Dollar, da Iran sein &Ouml;l an China ja in der Transaktionsw&auml;hrung Euro verkauft &ndash; aber &bdquo;China greift den Euro an&ldquo; taugt wohl als &Uuml;berschrift nicht so gut und w&auml;re nebenbei bemerkt auch genau so unsinnig, da es sich ja &bdquo;nur&ldquo; um die Transaktionsw&auml;hrung handelt.<\/p><p><strong>Hedging und Warentermingesch&auml;fte &ndash; es wird komplex<\/strong><\/p><p>Kommt es also volkswirtschaftlich dann nur darauf  an, was der Verk&auml;ufer mit den Einnahmen macht und die Transaktionsw&auml;hrung ist egal? K&ouml;nnte Iran sein &Ouml;l dann auch in isl&auml;ndischen Kronen verkaufen? Theoretisch ja, aber darauf w&uuml;rden sich die Kunden wohl nicht einlassen. Denn wenn wir nicht den einzelnen Handelsvorgang, sondern die Summe aller Transaktionen betrachten, kommt ein ordentliches Volumen zusammen. Je gr&ouml;&szlig;er der weltweite Markt f&uuml;r eine bestimmte W&auml;hrung ist, desto besser eignet sie sich als Transaktionsw&auml;hrung f&uuml;r den Rohstoffhandel. &Ouml;konomen sprechen hier von der &bdquo;Liquidit&auml;t&ldquo; des Marktes. <\/p><p>Besonders wichtig ist dieser Faktor, wenn es um Warentermingesch&auml;fte und die damit verbundenen M&ouml;glichkeiten geht, sich gegen Preisschwankungen abzusichern. Ein gro&szlig;es &ouml;lverarbeitendes Unternehmen hat beispielsweise ein verst&auml;ndliches Interesse daran, sich gegen zu hohe &Ouml;lpreise abzusichern. Umgekehrt haben &Ouml;lexporteure ein ebenso verst&auml;ndliches Interesse daran, sich gegen zu niedrige &Ouml;lpreise abzusichern. Dies wird in der Praxis an den Finanzm&auml;rkten &uuml;ber sogenannte Derivate (Optionsgesch&auml;fte, Futures) vollzogen, die vor allem f&uuml;r den Handel selbst eine wichtige Rolle spielen, um die Transaktionskosten und &ndash;risiken zu minimieren. Solche Derivatgesch&auml;fte sind jedoch immer Nullsummenspiele, bei denen es eine zweite Partei ben&ouml;tigt, die den Gegenpart einnimmt.  W&uuml;rde unser ungarischer &Ouml;limporteur heute ein Derivat kaufen, das ihm die Lieferung von 100.000 Barrel Roh&ouml;l am 1. Juni zum Preis von 70 US-Dollar garantiert, dann braucht er einen Handelspartner, der genau diesen Kontrakt erf&uuml;llen will. Ein solcher Markt kann also nur dann funktionieren, wenn m&ouml;glichst viele Teilnehmer von beiden Seiten (also K&auml;ufer und Verk&auml;ufer) vorhanden sind. <\/p><p>Dies ist vor allem bei den gro&szlig;en Warenterminb&ouml;rsen und bei den &bdquo;Standardsorten&ldquo; WTI (Texas) und Brent (Nordsee) der Fall und f&uuml;hrt zur paradoxen Situation, dass heute an den Warenterminm&auml;rkten noch saudisches, iranisches oder russisches &Ouml;l auf Basis des &ndash; in Dollar notierten &ndash; Preises f&uuml;r texanisches &Ouml;l gehandelt wird. Der WTI-Preis bezieht sich &uuml;brigens auf den &Uuml;bergabeort Cushing, Oklahoma. Schon alleine dieser Punkt ist f&uuml;r einen &Ouml;lverkauf von Iran nach Ungarn ziemlich unsinnig. WTI hat dennoch an den Warenterminb&ouml;rsen einen Marktanteil von 78%, Brent liegt bei 16% und die chinesische Alternative aus Shanghai liegt bei immerhin 6%. <\/p><p><strong>Vorsicht bei bestimmten Nachrichten<\/strong><\/p><p>Vor diesem Hintergrund lesen sich viele Nachrichten aus diesem Bereich ein wenig  anders. Chinas <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/wirtschaft\/69919-chinas-petro-yuan-donnert-in-aktion\/\">ambitionierter Plan<\/a>, k&uuml;nftig einen gr&ouml;&szlig;eren Teil seiner &Ouml;limporte nicht nur in der eigenen W&auml;hrung zu bezahlen, sondern auch an der eigenen Warenterminb&ouml;rse in Shanghai zu handeln, stehen beispielsweise vor allem die eigenen Kapitalverkehrskontrollen <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2017-12-06\/petro-yuan-delays-show-hurdles-confronting-china-s-currency-push\">im Wege<\/a>, die bislang dem Warenterminmarkt die n&ouml;tige Liquidit&auml;t vorenthalten haben. Es ist vollkommen verst&auml;ndlich, dass Staaten wie Russland und Iran, die Gegenstand amerikanischer Sanktionen sind, ein Interesse haben, das <a href=\"https:\/\/www.fuw.ch\/term\/abwicklung-clearing-settlement\/\">Settlement und Clearing<\/a> nicht &uuml;ber das mit dem Dollar verbundene Finanzsystem in New York vorzunehmen, wo die US-Beh&ouml;rden volle Zugriffsrechte haben, und daher auf andere Transaktionsw&auml;hrungen und &ndash;formen ausweichen. Dies ist beileibe kein Einzelfall. Deutschland bezahlt beispielsweise seine Gasimporte aus Russland seit jeher in Euro bzw. fr&uuml;her in D-Mark. Seit Beginn der Sanktionen akzeptiert Gazprom von seinen Kunden <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/7c79f20a-be6e-11e3-b44a-00144feabdc0?siteedition=intl#axzz2yVWw60Jd\">generell auch den Euro als Zahlungsmittel<\/a>, Iran verkauft Indien sein &Ouml;l <a href=\"http:\/\/indianexpress.com\/article\/business\/business-others\/iran-india-to-settle-outstanding-crude-oil-dues-in-rupees\/\">in Rupien<\/a> und China setzt endlich seine Pl&auml;ne um, mit der eigenen W&auml;hrung zu <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-china-oil-yuan-exclusive\/exclusive-china-taking-first-steps-to-pay-for-oil-in-yuan-this-year-sources-idUSKBN1H51FA\">bezahlen<\/a>. Dies sind nur drei Beispiele von vielen, die sich m&uuml;helos fortsetzen lie&szlig;en &ndash; Kuba bezahlt seine Lieferungen aus Venezuela &bdquo;traditionell&ldquo; geldfrei mit medizinischen Dienstleistungen im sogenannten &bdquo;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Cuban_medical_internationalism\">&Auml;rzte-f&uuml;r-&Ouml;l-Programm<\/a>&ldquo;.  Der US-Dollar hatte nie ein Monopol als Transaktionsw&auml;hrung besessen und seit der Globalisierung der letzten Jahrzehnte ist dies ohnehin seit Jahren nicht mehr Fall. <\/p><p>Die Umstellung der Transaktionsw&auml;hrung ist ein recht unspektakul&auml;rer Vorgang, der den Blick auf zwei sehr wichtige Faktoren verstellt. Dies ist zum Einen die Kontrolle &uuml;ber die Finanzsysteme, die momentan unilateral von den USA ausge&uuml;bt und f&uuml;r die eigene Sanktionspolitik missbraucht wird. Zum Anderen ist die Verwendung der Export&uuml;bersch&uuml;sse (das &bdquo;Petrodollar-Recyling&ldquo;) ein ungemein wichtiges Thema, das jedoch weit &uuml;ber die Frage der &Ouml;leinnahmen hinausgeht. China und Deutschland haben n&auml;mlich als Export&uuml;berschuss-Weltmeister ein ganz &auml;hnliches &bdquo;Problem&ldquo; wie Saudi Arabien und Venezuela. Wohin mit den Devisen? Aber das ist ein anderes Thema.<\/p><p>Lassen Sie sich also bitte nicht durch Horrormeldungen verr&uuml;ckt machen, die suggerieren, die Frage von Krieg und Frieden sei eine Frage von W&auml;hrungen. Die aggressive Politik der USA in Nah- und Mittelost ist auch so schon schlimm genug und muss auf jeden Fall scharf kritisiert werden. Wer dies mit einer falschen &ndash; leicht zu widerlegenden &ndash; Begr&uuml;ndung macht, verschenkt jedoch nur seine Energie und erweist der Sache einen B&auml;rendienst. Viel wichtiger w&auml;re es, endlich die Dominanz der USA bei den Finanzstrukturen zur Sprache zu bringen. Denn dass die US-Beh&ouml;rden de facto die Bezahlung russischen &Ouml;ls an Iran verhindern k&ouml;nnen, da sie &uuml;ber das SWIFT-System in Belgien und Clearing-Plattformen in New York gehen, ist an sich schon bemerkenswert und kritikw&uuml;rdig &ndash; dabei spielt es &uuml;brigens keine Rolle, ob Iran Russland nun in Dollar, Euro, Rubel oder in sambischen Kwachas bezahlt.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/13f8236f88054c138124885f44d23156\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einigen Wochen kriegen wir von einigen Lesern wieder verst&auml;rkt Hinweise auf Artikel, die davon berichten, Iran plane, seine &Ouml;lverk&auml;ufe k&uuml;nftig nicht mehr in US-Dollar abzurechnen und dies sei f&uuml;r die USA der &bdquo;wahre&ldquo; Kriegsgrund, da eine Abkehr vom &bdquo;Petrodollar&ldquo; die USA in den sicheren Ruin st&uuml;rzen w&uuml;rde. Diese Geschichte geistert in verschiedenen Variationen nun<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44020\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,134,178,30],"tags":[379,1334,499,641,951,259,1556,1085,1019],"class_list":["post-44020","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-finanzen-und-waehrung","category-ressourcen","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-china","tag-erdoel","tag-handelsbilanz","tag-irak","tag-iran","tag-russland","tag-usa","tag-wechselkurse","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44020","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=44020"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44020\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":44061,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44020\/revisions\/44061"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=44020"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=44020"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=44020"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}