{"id":44071,"date":"2018-05-23T08:46:34","date_gmt":"2018-05-23T06:46:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44071"},"modified":"2018-05-23T11:06:52","modified_gmt":"2018-05-23T09:06:52","slug":"leserbriefe-zur-debatte-ueber-offene-grenzen-innerhalb-der-linkspartei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44071","title":{"rendered":"Leserbriefe zur Debatte \u00fcber Offene Grenzen innerhalb der Linkspartei"},"content":{"rendered":"<p>Wie kaum anders zu erwarten, hat unser Artikel zum Streit &uuml;ber das Thema Migration und Offene Grenzen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43939\">innerhalb der Linkspartei<\/a> einige Leser dazu bewogen, uns ihre Meinung zu diesem Thema mitzuteilen. Gerne m&ouml;chten wir heute &ndash; stellvertretend f&uuml;r viele andere Zuschriften &ndash; zwei Leserbriefe ver&ouml;ffentlichen. Ferner hat uns ein Leserbrief einer der Co-Autorinnen des von uns kritisierten Schreibens erreicht. Selbstverst&auml;ndlich ver&ouml;ffentlichen wir auch diesen kritischen Brief, jedoch nicht ohne einige der Vorw&uuml;rfe der Leserbriefschreiberin vorab zu kommentieren. Es scheint, als w&uuml;rde die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43854\">&bdquo;Phantomdebatte&ldquo;<\/a> ungebremst weitergef&uuml;hrt. Als gro&szlig;en Wurf kann man die kritisierte Replik aber gl&uuml;cklicherweise nicht bezeichnen &ndash; nur vier Parlamentarier unterzeichneten das Papier. Von <strong>Jens Berger<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nLeider scheint Frau Elif Eralp, die nach eigenen Angaben am von mir kritisierten Antwortschreiben mitgearbeitet hat, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43939\">meinen Artikel dazu<\/a> offenbar nur sehr oberfl&auml;chlich gelesen zu haben. Anders kann ich es mir nicht erkl&auml;ren, wie sie ansonsten zentrale Punkte derart missverstehen konnte. So l&auml;sst sie sich beispielsweise gro&szlig;e Passagen ihres Briefes dar&uuml;ber aus, dass sie selbst ja gar nicht zu der von mir aufgespie&szlig;ten Gruppe der &bdquo;Privilegierten&ldquo; geh&ouml;re. Das ist ehrenwert, hat aber nichts mit dem Thema zu tun, da ich mit diesen Passagen klar und deutlich nicht die Autoren, sondern die Adressaten einer solchen &bdquo;Offene-Grenzen-Forderung&ldquo; charakterisiere. Dass diese Unterscheidung nicht so recht verstanden wird, ist f&uuml;r sich genommen schon bedenklich. <\/p><p>Unfein ist es sogar, dass Frau Eralp in ihrem Schreiben auch noch ihre Eltern ins Spiel bringt, die vor Flucht und Folter geflohen seien. Dabei wei&szlig; sie doch ganz genau, dass es in dem von ihr selbst thematisierten Thesenpapier, um das es im Artikel ja ging, &uuml;berhaupt nicht um Asyl und\/oder Fl&uuml;chtlinge gem&auml;&szlig; der Genfer Konventionen, sondern um die Arbeitsmigration geht. Dies wider besseren Wissens zu suggerieren, ist genau die Art und Weise von boshafter Diffamierung, die die Autorin mir unterstellt. Dabei h&auml;tte Frau Eralp sich doch nur einen nunmehr auch schon zweieinhalb Jahre <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27394\">alten Artikel<\/a> zum Thema anschauen m&uuml;ssen, in dem ich sehr klar die Definitionen aufzeige und auch damals schon der These eines &bdquo;Menschenrechts auf Migration&ldquo; widerspreche und gleichzeitig die Asylrechtspolitik der EU massiv kritisiere. Ausgerechnet mich ins Lager der Asyl- und Fl&uuml;chtlingsgegner schieben zu wollen, ist geradezu absurd, habe ich mich in meinen Artikeln zum Thema doch stets f&uuml;r eine St&auml;rkung des Asylrechts stark gemacht.<\/p><p>Zum Brief w&auml;re noch einiges zu sagen. Zum Beispiel behaupte ich an keiner Stelle, dass Katja Kipping etwas mit dem Papier zu tun h&auml;tte &ndash; ihre Positionen transportiert es dennoch, und selbstverst&auml;ndlich muss man es als Episode des parteiinternen Konflikts zwischen der Partei- und der Fraktionsf&uuml;hrung sehen. Aber solche Nebens&auml;chlichkeiten lohnen es nicht wirklich, darauf noch einmal einzugehen. Zu guter Letzt sei jedoch gesagt, dass ein Brief, der die angeblich fehlende inhaltliche Auseinandersetzung thematisiert und selbst ohne ein einziges(!) inhaltliches Argument zum eigentlichen Thema daherkommt, schon recht seltsam ist. Auch nach der mehrfachen Lekt&uuml;re wei&szlig; ich beispielsweise immer noch nicht, wie Frau Eralp sich komplette &Ouml;ffnung der Grenzen praktisch denn vorstellt. Aber vielleicht kriege ich ja noch einen Leserbrief, der sich mal wirklich inhaltlich mit dem Thema besch&auml;ftigt.  <\/p><blockquote><p>Guten Tag Herr Berger,<\/p>\n<p>in diesem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43939#more-43939\">Artikel<\/a> arbeiten Sie mit pers&ouml;nlichen Diffamierungen gegen die Verfasserinnen und Verfasser der Replik auf das &ldquo;Thesenpapier zu einer human und sozial regulierenden linken Einwanderungspolitik&rdquo;, aber eine wirklich inhaltliche Auseinandersetzung mit unserem Text geschieht kaum. Das zeigt leider, dass es Ihnen offensichtlich nicht um eine sachliche Debatte geht, der es aber bedarf. Sie diffamieren uns als Kreuzberger Loftbesitzer\/innen, die im Luxus leben. Ich weiss nicht, auf wen Sie da genau anspielen, aber ich zum Beispiel lebe mit meinem Mann und meinem Sohn in einer recht g&uuml;nstigen Mietwohnung in m&auml;&szlig;igem Zustand in Neuk&ouml;lln, einem der &auml;rmsten Bezirke Berlins. Und zwar gemeinsam mit sehr vielen, von Ihnen vermeintlich verteidigten Nicht-Privilegierten und deutschen Arbeiter\/innen, genauso wie mit ebenso ausgebeuteten Gefl&uuml;chteten, f&uuml;r die DIE LINKE. Ihrer Meinung nach nicht Partei ergreifen sollte. All diese Menschen geh&ouml;ren &uuml;brigens zur &ldquo;hiesigen Bev&ouml;lkerung&rdquo;, die uns rein gar nicht egal ist. Wie andere Unterzeichner\/innen auch, bin auch ich genau hier aktiv mit den Kiezbewohner\/innen f&uuml;r g&uuml;nstigere Mieten, gegen Verdr&auml;ngung und die Immobilienhaie, f&uuml;r bessere L&ouml;hne und gegen Rassismus, gemeinsam mit den von prek&auml;rer Besch&auml;ftigung, steigenden Mieten und oder Rassismus Betroffenen.<\/p>\n<p>Ich weiss nicht, wie es in Ihrem Umfeld aussieht, aber wenn ich morgens das Haus verlasse, begegne ich zuerst vor unserem Billigb&auml;cker, Menschen, die erwerblos und alkoholabh&auml;ngig sind und wenige Meter weiter vor der &ouml;ffentlichen Toilette Menschen, die drogenabh&auml;ngig sind. Nicht Luxuslofts, sondern die durch den Kapitalismus verursachte Armut und Verzweiflung der Menschen sind meine t&auml;glichen Begleiter. So geht es &uuml;brigens auch anderen Verfasser\/innen der Replik.<\/p>\n<p>Und wenn Sie es schon pers&ouml;nlich m&ouml;chten: Nebenbei komme ich aus einer Familie, der Armut &uuml;brigens sehr wohl unmittelbar ein Begriff ist. Und auch Flucht. Meine Eltern sind, weil sie Linke sind, aus ihrem Herkunftsland vor Haft und Folter geflohen. Ich weiss daher von ihren Erfahrungen wie wichtig die Solidarit&auml;t von Menschen in Deutschland f&uuml;r Fl&uuml;chtende und Migrierende ist.<\/p>\n<p>Die Verbreitung unrichtiger Behauptungen spricht nicht gerade f&uuml;r die journalistische Qualit&auml;t Ihres Textes, ebensowenig wie der Hinweis dass das Gegenpapier &ldquo;im Netz [im Internet] kursiere&rdquo; oder wo haben sie es online gefunden? Die Verlinkung verweist jedenfalls nur auf Sie selbst bzw. die &ldquo;Nachdenkseiten&rdquo;, auf denen Sie selbst ihren Text publizieren. Bis gestern gab es dazu nur eine Email an einen relativ kleinen Verteiler. War das Papier tats&auml;chlich irgendwo au&szlig;er durch Ihren Artikel selbst online oder geh&ouml;rt die Verbreitung von fakenews in Ihr Repertoire? Ich habe den Text jedenfalls nirgends sonst im Internet gefunden.<\/p>\n<p>&Uuml;brigens hatte Katja Kipping mit diesem Papier nichts zu tun und auch keine Kenntnis, Sie als Au&szlig;enstehender sind offensichtlich besser informiert gewesen als viele in Partei und Fraktion. Auch wird in Ihrem Beitrag das ganze Thema auf einen personellen Konflikt verengt, uns geht es aber um eine inhaltliche Debatte und Positionen, die DIE LINKE aus unserer Sicht nicht r&auml;umen darf.<\/p>\n<p>Auch geht die Aussage, es handele sich bei den Verfasserinnen und Verfassern der Replik (bei Ihnen genannt &ldquo;der Autor&rdquo;, an dem Text haben aber viele mitgewirkt) &ldquo;um einem Kreis um die Parteispitze&rdquo; oder die &ldquo;Offene-Grenzen-Fraktion&rdquo; in Teilen der Partei an den Tatsachen vorbei. Sie geben in Ihrem Artikel vor, die Linkspartei l&auml;ge Ihnen besonders am Herzen, aber dann w&auml;re doch zumindest zu erwarten, dass Sie sich mit unserem Parteiprogramm und Wahlprogramm 2017 auseinandergesetzt haben. Die Forderung nach offenen Grenzen stammt daraus, so wie viele der anderen in der Replik erw&auml;hnten Punkte. Diese Forderung wurde also von der breiten Parteibasis getragen und ist demokratisch legitimiert. Es handelt sich nicht um &ldquo;einige linke Spinner&rdquo; innerhalb einer Partei, die eine andere Auffassung vertritt. Das Gegenteil ist der Fall. Wir die wir diese Forderung vertreten sind eben kein &ldquo;kleiner Kreis um die Parteivorsitzende&rdquo;, auch kennt mich pers&ouml;nlich beispielsweise Katja Kipping nicht mal.<\/p>\n<p>Aber das passt vielleicht alles nicht so ganz in Ihr Bild, ist aber trotzdem wahr.<\/p>\n<p>Auf eine k&uuml;nftig faktenbasierte und konstruktive Auseinandersetzung und Kritik!<\/p>\n<p>Hier &uuml;brigens der Text in seiner <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/332624.f%C3%BCr-das-recht-auf-migration.html\">Endversion<\/a> (Sie hatten eine Vorversion ver&ouml;ffentlicht, die noch in der Diskussion war). Dort entnehmen Sie auch unsere inhaltliche Kritik an dem Papier und mittelbar auch an Ihren Positionen, die ich daher hier nicht l&auml;nger ausgef&uuml;hrt habe.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<\/p>\n<p>Elif Eralp<\/p><\/blockquote><p><strong>Unser Leser Gerhard Militzer schlie&szlig;t sich dieser Kritik nicht an, sondern verweist seinerseits darauf, dass die Probleme innerhalb der Linkspartei nicht neu sind &hellip;<\/strong><\/p><blockquote><p>Sehr geehrter Herr Berger,<br>\n&nbsp;<br>\n&ldquo;Dabei sind die Argumente und Gegenthesen jedoch so naiv und weltfremd, dass man glatt auf den Gedanken kommen k&ouml;nnte, dass Teile der Linken gar keinen Erfolg an den Wahlurnen haben wollen &hellip;&rdquo; Dieser Satz und Weiteres aus Ihrem Artikel haben mich stark an meine Austrittserkl&auml;rung vom 09.04.2018 erinnert.<br>\n&nbsp;<br>\nZur Ihrer pers&ouml;nlichen Kenntnis quasi als Feedback zu Ihrem Artikel: siehe unten.<br>\n&nbsp;<br>\nMit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\n&nbsp;<br>\nGerhard Militzer&nbsp;<br>\n&nbsp;<br>\n&rdquo; &hellip; Im Fr&uuml;hling 2004 stie&szlig; ich in D&uuml;sseldorf zur WASG, zu einer Zeit, als diese sich noch nicht vereinsm&auml;&szlig;ig organisiert hatte. Bald danach wurde ich Mitglied. Es entsprach meiner &Uuml;berzeugung, dass Deutschland eine politische Kraft brauchte, die sich dem Neoliberalismus entgegen stellte und nachdr&uuml;cklich die Interessen der Lohnabh&auml;ngi&shy;gen vertrat. Als sich WASG und PDS 2007 zur LINKEN vereinigten, nahm ich weiter aktiv am Parteileben teil. Lange engagierte ich mich gegen Hartz IV. Zusammen mit anderen Genossen gr&uuml;ndete und betrieb ich die K&ouml;lner Sozialberatung. Ich war Dele&shy;gierter auf Landes- und Bundesparteitagen. Als Justiziar der Fraktion im Landtag konnte ich zwei Jahre intensiv die Landespolitik begleiten. Zuletzt engagierte ich mich im Bereich der Innenpolitik, ich darf an mein Gutachten zum Verbot der neonazisti&shy;schen Pseudopartei &bdquo;Die Rechte&ldquo; erinnern.<\/p>\n<p>Seit 2011 habe ich das Agieren der LINKEN zunehmend kritisch verfolgt. Ich erlebte diverse Diskussionen und Entscheidungen als chaotisch und inkompetent. Tats&auml;chlich warfen die W&auml;hler die LINKE 2012\/2013 aus den Landtagen von Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Allerdings schaffte es die Partei, ihren Nie&shy;dergang zu stoppen. Bei der Bundestagswahl 2013 erzielte sie ein respektables Wahlergebnis. Das war ein erheblicher politischer Erfolg, insbesondere deshalb, weil die LINKE als parlamentarische Oppositionsf&uuml;hrerin aus der Wahl hervorging.<\/p>\n<p>Die LINKE hat es in den darauf folgenden Jahren aber nicht geschafft, sich aus der parlamentarischen &bdquo;Pole-Position&ldquo; in eine politische F&uuml;hrungsposition zu arbeiten, im Gegenteil. Sie hat sich als unf&auml;hig erwiesen, das durch den Niedergang der SPD frei werdende Potenzial zu absorbieren und in neue St&auml;rke zu verwandeln. Das Ergebnis der Bundestagswahl 2017 hat dies anschaulich belegt. Die LINKE stagniert. Vielmehr haben andere Parteien, die noch nicht bzw. nicht mehr im Bundestag vertreten wa&shy;ren, n&auml;mlich die AfD und die FDP, die LINKE aus dem Stand &uuml;berholt (selbstver&shy;st&auml;ndlich bin ich mir bewusst, dass die LINKE einerseits und AfD bzw. FDP anderer&shy;seits wesentlich verschiedene Programmatiken haben). F&uuml;r mich ist klar: Das Bem&uuml;&shy;hen der LINKEN, &uuml;ber Wahlen Politik zugunsten der Lohnabh&auml;ngigen zu gestalten, ist auf unabsehbare Zeit gescheitert.<\/p>\n<p>Das Scheitern hat viele Ursachen. Nicht alle sind selbstverschuldet. Entscheidende Faktoren liegen allerdings bei der LINKEN selbst. Der Parteivorstand hat offensicht&shy;lich keine Strategie f&uuml;r einen Weg aus der politischen Sackgasse. Wer dagegen neue Wege gehen will, um die alarmierende Stagnation zu &uuml;berwinden, wird abgestraft.<\/p>\n<p>Die LINKE &auml;u&szlig;ert auf allen Ebenen der Politik vielfach immer noch zutreffende Auf&shy;fassungen. Das gen&uuml;gt aber bei weitem nicht mehr. Es kann auch nicht dar&uuml;ber hin&shy;wegt&auml;uschen, dass die LINKE bei fundamentalen Fragen illusion&auml;re Vorstellungen hat oder keine schl&uuml;ssigen Konzepte anbietet. Dagegen greifen Gesinnungshuberei und Moralisieren als Politikersatz um sich. Notwendige Klarstellungen werden so blockiert.<\/p>\n<p>Entscheidend ist die Erkenntnis, dass die LINKE nicht nur keine realen politischen Ver&auml;nderungen erzielen kann, sondern diese mehrheitlich tats&auml;chlich &uuml;berhaupt nicht will, weil dazu die radikale Konfrontation der eigenen Haltung mit der politischen Wirklichkeit erforderlich w&auml;re. Ich empfinde dies als im w&ouml;rtlichen Sinn verantwor&shy;tungslos, insbesondere gegen&uuml;ber den W&auml;hlern, die ihre politische Hoffnung auf die LINKE setzen.<\/p>\n<p>Es gibt f&uuml;r mich pers&ouml;nlich keinen Weg, an den fundamentalen Defiziten der Partei etwas zu &auml;ndern. Daher erkl&auml;re ich hiermit meinen sofortigen Parteiaustritt.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Auch unser Leser K.H. Goll begr&uuml;ndet seine Problem mit der Position einiger Linken-Politiker inhaltlich &hellip;<\/strong><\/p><blockquote><p>Die Thesen von De Masi etc. sind ein ehrenwertes realpolitisches Papier, jedenfalls was die Absage an eine unbegrenzte Einwanderung und die Unterscheidung zwischen Asylrecht und Einwanderung betrifft.<br>\n&nbsp;<br>\nFolgendes fehlt aber nach meiner Meinung:<br>\n&nbsp;<br>\n1) wir m&uuml;ssen erwarten, dass unter den herrschenden kapitalistisch-imperialistischen Bedingungen Flucht und Migration noch gewaltig zunehmen werden. Z.B. aus Afrika: Hunderte Millionen z.T. noch fast steinzeitlich produzierende Kleinbauern werden durch hochproduktive Anbaumethoden und Dumping-Exporte niederkonkurriert und &ldquo;frei gesetzt&rdquo;. Sie wandern erst in den informellen Sektor&nbsp; der St&auml;dte, von wo die Agilsten dann das Weite in Richtung Europa suchen.&nbsp; In kleinst&auml;dtischen Superm&auml;rkten mitten in Afrika dominieren europ&auml;ische Lebensmittel bis hin zu Zwiebeln aus Holland (s. <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/heute-in-europa\/videos\/eu-agrarpolitik-100.html\">zdf<\/a>). Es steht eine &ldquo;urspr&uuml;ngliche Akkumulation&rdquo; ins Haus, die den Verh&auml;ltnissen in Europa im 19.Jahrhundert in nichts nachsteht (wobei die &Uuml;berschwemmung afrikanischer M&auml;rkte mit Billigwaren aus Europa, China etc. eine eigenst&auml;ndige industrielle Entwicklung in Afrika noch zus&auml;tzlich unterminiert). Damals verlie&szlig;en ca. 30-40 Millionen Armutsf&uuml;chtlinge Europa nach Amerika usw.. Unter neokolonalistisch-imperialistischen Bedingungen heute d&uuml;rfte diese Problematik sich noch um eine Gr&ouml;&szlig;enordnung steigern.<br>\nGrunds&auml;tzlich&nbsp; handelt es sich um ein unter den aktuellen kapitalistisch-imperialistischen Bedingungen unl&ouml;sbares Dilemma, das sich unweigerlich versch&auml;rft.&nbsp;Davon muss linke Einwanderungspolitik von vorneherein ausgehen, weil sonst alle &ldquo;L&ouml;sungs&rdquo;-ans&auml;tze und Vorschl&auml;ge &ndash; ob unbegrenzt oder staatlich reguliert &ndash; illusorisch und unglaubw&uuml;rdig erscheinen. Erst dann lassen sich realpolitische Ans&auml;tze, wie in dem Thesenpapier beschrieben, als &ldquo;Notl&ouml;sungen&rdquo; halbwegs plausibel machen.&nbsp;<br>\n&nbsp;<br>\n2) dementsprechend muss&nbsp;in erster Linie die gesamte Politik der EU und der BRD als eine einzige katastrophale Fluchtursache&nbsp;angegangen werden. Der Freihandelskrieg mit &ldquo;unfairen&rdquo; EPA-Abkommen, die Auspl&uuml;nderung der Rohstoffe, die korruptionslastige Entwicklungspolitik, die milit&auml;rische Ausr&uuml;stung von Kompradorenregimes bis hin zu den Kriegs&rdquo;eins&auml;tzen&rdquo;, die nur der &ldquo;Stabilisierung&rdquo; proimperialistischer Unterdr&uuml;ckungs- und Auspl&uuml;nderungsverh&auml;ltnisse dient &ndash; all das l&auml;sst sich umfangreich belegen und m&uuml;sste von der Linken offensiv in den Vordergrund ger&uuml;ckt werden.<br>\n&nbsp;<br>\n3) die massenhafte Zuwanderung und die zunehmend fremdenfeindliche, antiislamistische Hetze wie die entsprechende Politik von AfD, CSU, CDU etc., die entsprechende Begleitmusik der dominierenden Medien usw. erinnern allm&auml;hlich an Deutschland der 20-iger Jahre. Damals&nbsp; bev&ouml;lkerten zehntausende j&uuml;dische, vor grausamen Pogromen im Osten, vor allem aus Polen Geflohene ganze Stadtteile z.B. in Berlin.&nbsp; Das war eine soziale Basis des Nazi-Antisemitismus, der selbstverst&auml;ndlich dazu noch christliche und sozialdarwinistisch-rassistische, kolonialistische&nbsp; Wurzeln hatte. Damals lauteten St&uuml;rmer-Schlagzeilen: &ldquo;Judenbengel vergewaltigt deutsches M&auml;del&rdquo;. Heute w&auml;lzt sich ein rechter Mob durch Kandel.<\/p>\n<p>Heute sind es die Gefl&uuml;chteten, insbesonde&shy;re der Antiislamismus, die anstelle des damaligen Anti&shy;semitismus von rechten Gruppen und Parteien vor dem Hintergrund sozialer Probleme instrumentalisiert werden, von Ideologen, wie Thilo Sarrazin bis hin zu Tei&shy;len &bdquo;christlicher&ldquo; oder liberaler Parteien. So&nbsp;werden neue S&uuml;ndenb&ouml;cke und Ersatzob&shy;jekte propagiert, mit denen das Proletariat gespalten und von den wirklichen Ursachen seiner Lage abgelenkt wird. Dagegen m&uuml;ssen&nbsp; bei allen sozialen K&auml;mpfen die gemeinsamen Interessen, der solidarische Schulterschluss von Einheimischen, Zugewanderten und Fl&uuml;chtlingen in den Mittelpunkt gestellt werden.<br>\n&nbsp;<br>\nViele Gr&uuml;&szlig;e<br>\nK.H.Goll<\/p><\/blockquote><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/f0a4b68c436242bcb4b542387394c812\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kaum anders zu erwarten, hat unser Artikel zum Streit &uuml;ber das Thema Migration und Offene Grenzen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43939\">innerhalb der Linkspartei<\/a> einige Leser dazu bewogen, uns ihre Meinung zu diesem Thema mitzuteilen. 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Ferner hat uns ein Leserbrief einer der Co-Autorinnen des<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44071\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[195,165,103],"tags":[881,1171,1055,826,340],"class_list":["post-44071","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-linke","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-leserbriefe","tag-armut","tag-asyl","tag-fluechtlinge","tag-rassismus","tag-zuwanderung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44071","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=44071"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44071\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":44083,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44071\/revisions\/44083"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=44071"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=44071"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=44071"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}