{"id":44073,"date":"2018-05-22T16:12:49","date_gmt":"2018-05-22T14:12:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44073"},"modified":"2018-05-22T16:57:17","modified_gmt":"2018-05-22T14:57:17","slug":"der-heilige-geist-hat-unsere-medien-an-pfingsten-nicht-erreicht-sie-gaben-sich-einer-orgie-von-manipulationen-hin-in-den-urteilen-ueber-italien-zum-beispiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44073","title":{"rendered":"Der Heilige Geist hat unsere Medien an Pfingsten nicht erreicht. Sie gaben sich einer Orgie von Manipulationen hin. In den Urteilen \u00fcber Italien zum Beispiel."},"content":{"rendered":"<p>Sie kennen keine Distanz zum Geschehen, um dann die verschiedenen Vorg&auml;nge einmal gelassen und n&uuml;chtern und sachlich einzuordnen. So k&ouml;nnte man angesichts der Schwierigkeiten der Regierungsbildung in Italien und angesichts der Erfolglosigkeit der von Berlin und Br&uuml;ssel empfohlenen Wirtschafts- und Finanzpolitik in den &auml;rmeren L&auml;ndern Europas ja auch mal auf die Idee kommen, abzuwarten, was sich in Rom tut. Und man k&ouml;nnte die Vorg&auml;nge in Venezuela ja auch mal ohne die g&auml;ngigen Vorurteile beschreiben. Einmal nur darauf verzichten, die g&auml;ngigen Etiketten anzukleben. Oder b&ouml;se ausgedr&uuml;ckt: Immer der gleiche Schaum auf den Lippen, das ist unappetitlich. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>Zu Italien<\/strong><\/p><p>Im <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/heute-journal\">Heutejournal<\/a> am Pfingstmontag Abend zum Beispiel: <\/p><p>Da werden die Etiketten Populisten und Rechtspopulisten so gebraucht, als w&auml;re bei den Zuschauern schon eingebl&auml;ut, was mit diesem Etikett gesagt werden soll. Mag ja sein. Aber irgendwann w&uuml;rde man gerne mal sp&uuml;ren, dass die Redakteure &uuml;berlegt haben, wie schr&auml;g und dumm der st&auml;ndige Gebrauch des Wortes Populist ist. Vielleicht sollten sich die Damen und Herren mal fragen, wer und was da sonst noch alles in Italien am Regieren war, und wie die Etiketten zu diesen anderen Gruppierungen &ndash; zu den Christdemokraten, zu Berlusconi, zu den Sozialisten &ndash; passen w&uuml;rden. Die Vertreter der Schwarzen Null, als deren Gralsh&uuml;ter sich die meisten deutschen Medien f&uuml;hlen und geb&auml;rden, waren und sind die gr&ouml;&szlig;ten Populisten. Aus welchen Gr&uuml;nden au&szlig;er sogenannten populistischen hat der neue deutsche Finanzminister Olaf Scholz sich der schwarzen Null verschrieben? Aus fachlichen und sachlichen Gr&uuml;nden?<\/p><p>Die abgeleitete Formel Rechtspopulist ist &auml;hnlich einf&auml;ltig. Auch hier m&uuml;ssten sich die diesen Begriff missbrauchenden Medien einmal fragen, was anderes der alte Franz Josef Strau&szlig; oder sein Nachfolger als Bundesfinanzminister Sch&auml;uble oder der ehemalige Bundespr&auml;sident Gauck denn waren: Populisten, Rechtspopulisten &ndash; ich kann das Wort &ndash; in jeglicher Kombination nicht mehr h&ouml;ren und rege an, wir sollten uns alle mit Trillerpfeifen ausstatten und dann, wenn ein Politiker diese Begriffe gebraucht, dazwischen pfeifen. Im &uuml;bertragenen Sinne auch bei den Medien.<\/p><p>Im Heutejournal wird gefragt, ob die neue Koalition in Italien eine Gefahr f&uuml;r Europa werde. In dieser Frage schwingt mit, dass die bisherigen Konstellationen und die bisherige Politik und vornehmlich die Politik der deutschen Bundesregierung gegen&uuml;ber anderen L&auml;ndern in Europa das Projekt Europa nicht schon l&auml;ngst gef&auml;hrdet hat. Ich muss auf einige, in den Nachdenkseiten schon mindestens seit einem Jahrzehnt propagierte Gedanken zur&uuml;ckkommen: Europa ist effektiv bedroht und insbesondere die Eurozone ist bedroht davon, dass die Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse und -defizite ausgesprochen ungleich verteilt sind. Deutschland exportiert Arbeitslosigkeit in andere L&auml;nder. Sch&auml;uble und Merkel und ihre Koalitionen haben das Projekt Europa de facto gef&auml;hrdet, und gleichzeitig propagandistisch hochgehalten. Aber davon lebt die Seele Europas nicht. Ich wiederhole: wenn Jugendliche in Griechenland, in Spanien, in Italien, auf dem Balkan keine Jobs finden und keine berufliche Perspektive haben, dann stirbt Europa; und Deutschland leistet aktive Sterbehilfe. Und wenn dann im ZDF Heutejournal gefragt wird, welche M&ouml;glichkeiten Europa habe, um die neue italienische Regierung &bdquo;an die Kandarre zu nehmen&ldquo;, dann ist das zynisch und &uuml;berheblich zugleich.<\/p><p>Der andere Gedanke, den wir immer schon vorgebracht haben: Schulden k&ouml;nnen L&auml;nder und V&ouml;lker nur zur&uuml;ckzahlen, wenn sie produzieren und reale Dienste leisten k&ouml;nnen. Mit Austerit&auml;t alleine ist Schuldenr&uuml;ckzahlung nicht zu schaffen. Wenn nun die italienische Regierung versuchen sollte, durch eine staatlich mit Schulden finanzierte Politik die Produktion anzukurbeln, dann sollte man zun&auml;chst einmal das Maul halten und allenfalls Gl&uuml;ck w&uuml;nschen und Erfolg.<\/p><p>Die Regierungskoalition mit der Lega Nord ist nicht sympathisch. Aber ist unsere Regierung sympathisch und die des Macron in Frankreich? Und jene der Frau Premierministerin in Gro&szlig;britannien?<\/p><p>Nun haben sich die beiden Koalitionspartner auch noch auf einen neutralen Fachmann verst&auml;ndigt. Selbst das wird nicht gew&uuml;rdigt. Selbst da wartet man nicht ab, um zu pr&uuml;fen, was daraus wird.<\/p><p><strong>Zuckerberg, Facebook und die Russen<\/strong><\/p><p>Das Heutejournal vom ZDF nutzte das Hearing mit Zuckerberg und den Bericht &uuml;ber die Machenschaften von Facebook mal wieder dazu, eine der &uuml;blichen Viertelwahrheiten &uuml;ber den Einfluss von Russen auf die Wahlentscheidung bei der Pr&auml;sidentenwahl in den USA zu verbreiten. Dabei wurde &ndash; wie in vielen anderen Medien gel&auml;ufig &ndash; ein direkter Zusammenhang zwischen Internetaktivit&auml;t,  unterstellt von Russlands Regierung betrieben, und der Wahlentscheidung Hunderttausender Menschen konstruiert. Wie soll denn das gehen? Ist der Griffel f&uuml;r das Kreuz auf dem Wahlzettel dabei direkt mit den Trollen Putins in Petersburg verbunden? Die mit diesen Behauptungen verbreiteten M&auml;rchen setzen sich wirklich fest. Nach meinem Eindruck glauben sehr viele Menschen an diese Zusammenh&auml;nge.<\/p><p>Offenbar spielt bei der Indoktrination hier die Wiederholung eine entscheidende Rolle und dies kombiniert mit einer Methode der Manipulation, auf die wir in den Nachdenkseiten schon &ouml;fter hingewiesen haben, ohne sie mit einem Namen zu versehen. Ich nenne sie mal die Methode, durch im Stakkato vorgetragene Addition von Viertel-Wahrheiten (wahlweise: Dreiviertel Unwahrheiten) eine Aussage als wahr erscheinen zu lassen. Ich wiederhole, was der neue Nachdenkseitenredakteur Tobias Riegel wie auch ich schon beschrieben haben: wenn man nacheinander in Stichworten aneinander f&uuml;gt: die Russen sind schuld am Abschuss von MH 17, die Russen haben v&ouml;lkerrechtswidrig die Krim annektiert, die Russen f&uuml;hren Krieg in der Ostukraine, die Russen sind schuld am B&uuml;rgerkrieg in Syrien, die Russen haben Trump zum Pr&auml;sidenten gemacht &ndash; dann bleibt h&auml;ngen: die Russen sind das B&ouml;se an sich.<\/p><p><strong>Venezuela<\/strong><\/p><p>Fast nirgendwo eine einigerma&szlig;en differenzierte Darstellung der Wahl des Pr&auml;sidenten. Das hier von der <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/video\/video-405695~_origin-dea8d673-9de8-4701-a5d8-312367adbbcd.html\">Tagesschau<\/a> geh&ouml;rt noch zu den neutralsten St&uuml;cken. Der Bundesau&szlig;enminister pr&auml;gt mit seinem Kommentar Berichterstattung und Kommentare mit.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180522_am_1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Dadurch, dass offensichtlich die Mehrheit der deutschen Medien zur Mittelschicht und oberen Mittelschicht geh&ouml;rt, sind ihnen die Gef&uuml;hlswelten und die politischen Einstellungen des Proletariats fremd. Das erkl&auml;rt zum Teil wenigstens die mangelhafte Berichterstattung &uuml;ber die wirkliche Lage in Venezuela und die Ursachen der dortigen Krise.<\/p><p>Zur&uuml;ck zum Anfang und zur Hauptbotschaft: ein bisschen mehr Gelassenheit, ein bisschen weniger Gebrauch von gestanzten Urteilen, ein bisschen mehr Objektivit&auml;t &ndash; und wir w&auml;ren schon viel weiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie kennen keine Distanz zum Geschehen, um dann die verschiedenen Vorg&auml;nge einmal gelassen und n&uuml;chtern und sachlich einzuordnen. 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