{"id":44122,"date":"2018-05-26T12:00:04","date_gmt":"2018-05-26T10:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44122"},"modified":"2019-04-30T10:47:10","modified_gmt":"2019-04-30T08:47:10","slug":"wofuer-steht-bso","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44122","title":{"rendered":"Wof\u00fcr steht BSO?"},"content":{"rendered":"<p>BSO ist die Abk&uuml;rzung f&uuml;r <strong>&ldquo;Berliner Schulbauoffensive&rdquo;<\/strong>, aber bei n&auml;herer Betrachtung der daraus f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung resultierenden Folgen wird schnell deutlich, dass BSO auch f&uuml;r &ldquo;B&uuml;rgerfeindliche Schulbauorganisation&rdquo; stehen k&ouml;nnte. Aus dieser Perspektive handelt es sich bei dem vom Berliner Senat als optimale L&ouml;sung vorgestellten Modell zur Finanzierung der Schulneubauten und -sanierungen in Wirklichkeit um eine nun auch auf den Bildungsbereich ausgedehnte Preisgabe &ouml;ffentlichen Eigentums. Damit soll in Berlin auf Landesebene genau das (nach)vollzogen werden, was auf Bundesebene durch entsprechende &Auml;nderungen des Grundgesetzes vorbereitet worden ist. Von <strong>Magda von Garrel<\/strong> [<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44122#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] und <strong>Dietrich Antelmann<\/strong> [<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44122#foot_2\" name=\"note_2\">**<\/a>]<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Grundz&uuml;ge der BSO<\/strong><\/p><p>Auch ungeachtet der hier zun&auml;chst bewusst vernachl&auml;ssigten Details l&auml;uft die vom Berliner Senat geplante Schulbauoffensive auf einen Einstieg in die Privatisierung &ouml;ffentlicher Schulen hinaus. Dazu passt, dass die &ldquo;richtig&rdquo; teuren Bau- und Sanierungsprojekte aus der bisherigen Zust&auml;ndigkeit der Bezirke in die Zust&auml;ndigkeit der Berliner Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE &uuml;berf&uuml;hrt und anschlie&szlig;end f&uuml;r einen Zeitraum von 25 bis 32 Jahren an die Bezirke zur&uuml;ckvermietet werden sollen.<\/p><p>W&auml;hrend die langj&auml;hrigen (und im Laufe der Zeit sicher noch kr&auml;ftig steigenden) Mietzahlungen als Tilgungsraten f&uuml;r die von der HOWOGE aufzunehmenden Kredite gedacht sind, sollen die Schulgrundst&uuml;cke zur ebenfalls erforderlichen Absicherung dieser Kredite in Erbpacht vergeben werden.<\/p><p>Au&szlig;erdem ist beabsichtigt, dass das Land Berlin eine mit einem Einredeverzicht gekoppelte Zahlungsgarantie f&uuml;r die HOWOGE &uuml;bernimmt. Dieses Vorgehen h&auml;tte zwar eine Senkung der f&uuml;r die &ldquo;HOWOGE-Kredite&rdquo; anfallenden Zinskosten zur Folge, w&uuml;rde aber auch bedeuten, dass selbst im Falle auftretender M&auml;ngel oder eventuell gar nicht vorhandener Neubauten die den Banken zugesicherten Zahlungen ununterbrochen weiter flie&szlig;en m&uuml;ssten.<\/p><p>Mit der Beteiligung der HOWOGE, die nicht nur eine st&auml;dtische Wohnungsbaugesellschaft, sondern auch eine privatrechtlich strukturierte GmbH ist, will der Senat versuchen, die ab 2020 geltende Schuldenbremse zu umgehen. Damit nimmt er in Kauf, dass auf diese Weise bereits eine formelle Privatisierung erfolgt, der sich &ndash; ungeachtet gegenteiliger Beschwichtigungsversuche &ndash; schnell weitere Privatisierungsschritte anschlie&szlig;en k&ouml;nnten. Dabei ist noch nicht einmal sicher, ob sich dieses auf die Bildung eines Schattenhaushaltes hinauslaufende Konstrukt mit den im europ&auml;ischen Fiskalpakt festgelegten Regeln oder mit der Berliner Landesverfassung vereinbaren l&auml;sst.<\/p><p><strong>Konzeptionelle Konsequenzen<\/strong><\/p><p>Konkret bedeutet eine &Uuml;bertragung der Zust&auml;ndigkeiten auf die HOWOGE, dass der Senat nur noch bez&uuml;glich der Auswahl der Schulen und des Generalvertrages das alleinige Sagen haben wird. In sechs F&auml;llen ist eine Einbeziehung der Bezirke vorgesehen, von denen in einem Fall (Entscheidung &uuml;ber Modellschule) auch noch der Senat mit von der Partie sein soll. Das hei&szlig;t im Umkehrschluss, dass die HOWOGE in allen anderen Bereichen allein entscheiden kann: Planung der Modellschulen, Planung Einzelschule, Prognose Mieth&ouml;he, Ausschreibung einzelne Schule, Vergabe Bauauftrag, Baubeginn, Fertigstellung\/Abnahme, Betrieb und Unterhaltung 5 Jahre.<\/p><p>Von diesen in alleiniger Verantwortung zu gestaltenden Bereichen ist der Punkt &ldquo;Prognose Mieth&ouml;he&rdquo; besonders kritisch zu sehen, da die HOWOGE schon allein aus eigenem Interesse auf eine gute Rendite bedacht sein muss. Aber auch aus einem anderen Grund handelt es sich hier um eine fragw&uuml;rdige Angelegenheit: Den Bezirken wird damit zugemutet, ohne genaue Kenntnis der Mieth&ouml;he Vertr&auml;ge zu unterschreiben, die eine Laufzeit von mindestens 25 Jahren haben und zudem unk&uuml;ndbar sind.<\/p><p>Im Hinblick auf die staatlicherseits in jedem Fall zu gew&auml;hrleistende unterrichtliche Versorgung aller schulpflichtigen Kinder k&ouml;nnten sich aber nicht nur die an langfristige Vertr&auml;ge gekoppelten Mietzahlungen, sondern auch die aus dem Einredeverzicht resultierenden Folgen als wahre &ldquo;Erpressungsinstrumente&rdquo; erweisen:<br>\nDa sich staatliche Beh&ouml;rden nicht aus der Sicherstellung der Unterrichtsversorgung &ldquo;verabschieden&rdquo; k&ouml;nnen, muss &ndash; zu Lasten der Steuerzahler\/innen &ndash; einfach jede &ldquo;finanzielle Kr&ouml;te&rdquo; geschluckt werden.<\/p><p>Doch zur&uuml;ck zur HOWOGE, die &ndash; wie alle GmbHs &ndash; dem Ziel der Wirtschaftlichkeit verpflichtet ist und dabei ihre diesbez&uuml;glichen Anstrengungen weitgehend geheimhalten kann. Schlie&szlig;lich wird im Haushaltsausschuss des Parlaments lediglich &uuml;berpr&uuml;ft, ob das Ziel der Wirtschaftlichkeit erreicht worden ist. Gleiches gilt f&uuml;r den zweimal im Jahr tagenden Beteiligungsausschuss, sodass an keiner Stelle eine umfassende parlamentarische Kontrollm&ouml;glichkeit gegeben ist. <\/p><p>Nun k&ouml;nnte man vielleicht darauf hoffen, dass die vielen auf die B&uuml;rger\/innen zukommenden Verschlechterungen wenigstens ein St&uuml;ck weit durch eine Belebung des heimischen Arbeitsmarktes ausgeglichen werden sollen. Aber nicht einmal diese Hoffnung l&auml;sst sich erf&uuml;llen, da stattdessen eine europaweite Suche nach Generalunternehmen vorgesehen ist.<\/p><p>Und daraus wird sich (BER l&auml;sst gr&uuml;&szlig;en!) gleich ein neues Problem ergeben: Generalunternehmen beauftragen Subunternehmen, die in aller Regel ihrerseits Subunternehmen verpflichten, wobei diese Ketten ganz sch&ouml;n lang werden k&ouml;nnen. Am Ende sieht es dann oft so aus, dass die eigentlichen Bauarbeiten von schlecht ausgebildeten und noch schlechter bezahlten Arbeitskolonnen ausgef&uuml;hrt werden, die weder sozialversicherungspflichtig besch&auml;ftigt noch anderweitig gesch&uuml;tzt sind.<\/p><p>Ein &ldquo;Jobwunder&rdquo; wird es auch bei der HOWOGE nicht geben: Mit 15 (!) Stellen soll die hinzukommende Schulbausparte besetzt werden. Angesichts des Umfangs der zu bew&auml;ltigenden Bau- und Sanierungsaufgaben darf dieses Vorhaben getrost schon jetzt als Hinweis auf sp&auml;ter geplante &ldquo;private Zuk&auml;ufe&rdquo; gewertet werden.<\/p><p>Mittlerweile (d.h. im April 2018 und damit ziemlich genau ein Jahr nach der &ouml;ffentlich verk&uuml;ndeten Schulbauoffensive) hat der Senat einen &ldquo;Bericht zum Ma&szlig;nahmen- und Finanzcontrolling&rdquo; vorgelegt, in dem die (Neu-)Bauvorhaben Bezirk f&uuml;r Bezirk aufgelistet worden sind. Allein schon die schiere Menge der dort aufgef&uuml;hrten Projekte zeigt, wie verheerend sich die jahrzehntelange Vernachl&auml;ssigung der Berliner Bildungseinrichtungen ausgewirkt hat. Genau aus diesem Grund sind etliche Lehrerkollegien der Meinung, dass die &ldquo;privatwirtschaftliche Schiene&rdquo; f&uuml;r eine schnelle Behebung der M&auml;ngel in Kauf genommen werden kann. Besonders im Falle der &ldquo;HOWOGE-Schulen&rdquo; entspricht diese Erwartung aber leider nicht den Realit&auml;ten. Nach Angaben des Senats f&auml;ngt die HOWOGE fr&uuml;hestens 2020 und teilweise sogar erst 2026 mit dem Bauen an. Das bedeutet nat&uuml;rlich auch, dass wir es dann mit Krediten zu tun haben werden, deren Laufzeit das Jahr 2050 &uuml;berschreiten kann.<\/p><p>Damit ist indirekt gleich noch ein weiterer hochproblematischer Punkt des BSO-Konzepts angesprochen worden: Es kann ja sein, dass der jetzige Berliner Senat gewillt ist, weitere Privatisierungsschritte nach M&ouml;glichkeit zu verhindern, aber gilt das auch f&uuml;r alle nachfolgenden Regierungskoalitionen?<\/p><p>Man k&ouml;nnte es auch so ausdr&uuml;cken: In seiner jetzigen Konstellation wird der Berliner Senat vermutlich nur noch bis 2021 Bestand haben, sodass es &ndash; ungeachtet der aktuellen Absichtserkl&auml;rungen &ndash; sehr schnell zu einem Verkauf der HOWOGE und damit zu einer materiellen Privatisierung kommen k&ouml;nnte, d.h. zu einer &Uuml;bergabe der &ldquo;HOWOGE-Schulen&rdquo; in die H&auml;nde privater Investoren (Versicherungen und\/oder andere Geldgeber).<\/p><p>Sp&auml;testens dann h&auml;tten wir es mit einer &ldquo;klassischen &Ouml;PP&rdquo; zu tun, was aber nicht hei&szlig;t, dass das jetzige BSO-Konzept noch weit davon entfernt w&auml;re. Ganz im Gegenteil enth&auml;lt das Konzept bereits jetzt alle wesentlichen &Ouml;PP-Merkmale (unk&uuml;ndbare und geheime Vertr&auml;ge im Bereich der &ouml;ffentlichen Daseinsvorsorge, lange Vertragslaufzeiten, gro&szlig;e Fremdkapitalanteile, Einredeverzicht). Der einzige derzeit noch auszumachende gr&ouml;&szlig;ere Unterschied besteht somit darin, dass das Land Berlin selbst den &Ouml;PP-Betreiber stellt.<\/p><p><strong>Bundespolitische Weichenstellungen<\/strong><\/p><p>Dass staatliche Organe selbst an der sukzessiven Verscherbelung &ouml;ffentlicher G&uuml;ter und Dienstleistungen beteiligt sind, ist auf Bundesebene schon vor Jahren eingeleitet worden. Dementsprechend haben wir es bei vielen staatlichen Akteuren nicht mit ohnm&auml;chtigen Opfern, sondern mit willf&auml;hrigen und tatkr&auml;ftigen Unterst&uuml;tzern dieser Entwicklung zu tun.<\/p><p>Unter der Regie des damaligen Finanzministers Peer Steinbr&uuml;ck ist am 11. 11. 2008 die seit Anfang 2009 operativ t&auml;tige Beratungsgesellschaft &ldquo;&Ouml;PP Deutschland AG&rdquo; gegr&uuml;ndet worden. Inzwischen firmiert die Gesellschaft unter der Bezeichnung &ldquo;Partnerschaft Deutschland &ndash; Berater der &ouml;ffentlichen Hand GmbH&rdquo; und der damalige staatliche Anteil von 57% ist auf 100% erh&ouml;ht worden.<\/p><p>Trotz des gegenteiligen Anscheins sind diese &Auml;nderungen alles andere als erfreulich, was schon allein daraus hervorgeht, dass die Beratungsagentur auf Betreiben der &ldquo;Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD)&rdquo; gegr&uuml;ndet worden ist, bei der es sich um eine Lobbyorganisation der Finanzbranche handelt.<\/p><p>Die im Dezember 2016 vorgenommene Umwandlung geht auf das von pwc (PricewaterhouseCoopers) entwickelte &Ouml;PP-Modell zur&uuml;ck, das von etlichen Berliner Politikerinnen und Politikern derzeit gerne als scheinbar b&uuml;rgerfreundliche Alternative ins Spiel gebracht wird. Tats&auml;chlich haben wir es bei dieser Konstruktion, die auf eine Begr&uuml;ndung von privaten Partnerschaften mit Auftraggebern aus der &ouml;ffentlichen Hand hinausl&auml;uft, mit einer gigantischen Augenwischerei zu tun.<\/p><p>Das ergibt sich auch aus den von der &ldquo;Partnerschaft Deutschland&rdquo; vorgenommenen &Uuml;berpr&uuml;fungen, die im Vorfeld langfristiger PPP-Projekte vorgeschrieben sind: W&auml;hrend Rechnungsh&ouml;fe bei Vergleichen zwischen konventionellen und privaten Varianten oft feststellen, dass die mit privater Beteiligung geplanten Projekte &uuml;berteuert sind, fallen die von der &ldquo;Partnerschaft Deutschland&rdquo; erstellten Gutachten zur Wirtschaftlichkeit beinahe durchg&auml;ngig anders aus.<\/p><p>Dazu ein Zitat aus einem vom &ldquo;Lobbypedia&rdquo; verfassten Text (Zugriff vom 16. 05. 2018), der sich auf eine von Prof. Holger M&uuml;hlenkamp im Magazin &ldquo;Impulse&rdquo; ver&ouml;ffentlichte Bewertung bezieht: &ldquo;Au&szlig;erdem werden sich methodische Fehler fast immer zugunsten der Privaten auswirken. M&uuml;hlenkamp spricht von &ldquo;Sch&ouml;nf&auml;rberei&rdquo;. Die &Ouml;PP Deutschland AG hat ein Standardtool f&uuml;r PPP-Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen entwickelt. Dies besteht aus einer Excel-Tabelle mit 300 000 Formeln und man k&ouml;nne damit jede PPP &ldquo;wirtschaftlich rechnen&rdquo;, wenn man an den richtigen Stellschrauben drehe.&rdquo;<\/p><p>Doch damit nicht genug. Nach M&ouml;glichkeit sollen die Rechnungsh&ouml;fe erst gar nicht mehr hinzugezogen werden. Dementsprechend empfiehlt das dazu verfasste Freshfields-Gutachten, die gesetzliche Aufsicht &uuml;ber PPP-Projekte auszuhebeln, indem weitere Pr&uuml;f- und Kontrollerfordernisse als entbehrlich eingestuft werden.<\/p><p>Das bedeutet mit anderen Worten, dass &ouml;ffentliche G&uuml;ter und Dienstleistungen selbst dann nicht mehr vor privaten Zugriffen gesch&uuml;tzt sind, wenn der Bund als alleiniger Gesellschafter (100%) in diesem Umfeld in Erscheinung tritt. Umso unglaubw&uuml;rdiger klingen die vom Berliner Senat gebetsm&uuml;hlenartig wiederholten Versicherungen, dass eine Beteiligung der zu 100% im Landesbesitz befindlichen HOWOGE keine Privatisierung &ouml;ffentlicher Schulen zur Folge haben wird.<\/p><p>Wie gleichg&uuml;ltig den (bundes-)politischen Akteuren der Erhalt der &ouml;ffentlichen Daseinsvorsorge inzwischen geworden ist, zeigt auch deren eilfertige Bereitschaft, &Auml;nderungen am Grundgesetz vorzunehmen, die ausschlie&szlig;lich im Interesse privater Investoren liegen. Das gilt nicht zuletzt hinsichtlich der f&uuml;r die &Ouml;PPs neu er&ouml;ffneten M&ouml;glichkeit, sich einen Zugang zu den F&ouml;rdergeldern des Bundes zu verschaffen.<\/p><p>Zum besseren Verst&auml;ndnis dieser Aussage muss ein wenig ausgeholt werden: Besonders dreiste Eingriffe mit dem Ziel, das Grundgesetz den Privatisierungsw&uuml;nschen anzupassen, fanden im Sommer letzten Jahres statt. Unter dem Deckmantel einer Reform der Bund-L&auml;nder-Finanzen hat (nur einen Tag nach der diesbez&uuml;glichen 2. und 3. Lesung im Bundestag!) der Bundesrat Anfang Juni 2017 ein Gesetzespaket mit insgesamt 13 Grundgesetz&auml;nderungen beschlossen, von denen die wichtigste die &Uuml;bertragung der bei den Bundesautobahnen anfallenden Aufgaben (Planung, Bau, Betrieb, Erhaltung, Finanzierung und verm&ouml;gensm&auml;&szlig;ige Verwaltung) auf eine Gesellschaft privaten Rechts betrifft. <\/p><p>Ungeachtet der Zusicherung, dass die zur Beteiligung privater Investoren zu errichtende privatrechtlich organisierte Gesellschaft im unver&auml;u&szlig;erlichen Eigentum des Bundes stehen soll, l&auml;sst das hinter allem stehende &ldquo;Infrastrukturgesetz&rdquo; in &sect;5 (2) eine Hintert&uuml;r f&uuml;r private Beteiligungen im Falle &ldquo;einzelner Vorhaben&rdquo; offen.<br>\nMit Artikel 7 (&ldquo;&Auml;nderung des Kommunalinvestitionsf&ouml;rderungsgesetzes&rdquo;) ist dann auch noch gleich die Privatisierung der Schulinfrastruktur vorangetrieben worden. Nach &sect;13 (2) sind Investitionsvorhaben f&ouml;rderw&uuml;rdig, bei denen sich die &ouml;ffentliche Verwaltung zur Erledigung der Aufgaben eines Privaten im Rahmen einer vertraglichen Zusammenarbeit bedient. <\/p><p>Gr&ouml;&szlig;ere Investitionen (und um genau die soll es in Berlin gehen) sind gem. &sect;12 bei Beachtung des Prinzips der Wirtschaftlichkeit f&ouml;rderf&auml;hig, wobei &ndash; wie bereits erl&auml;utert worden ist &ndash; die gew&uuml;nschte Wirtschaftlichkeit schnell &ldquo;herbeigerechnet&rdquo; werden kann. Hinzu kommt, dass die urspr&uuml;ngliche Begrenzung der F&ouml;rderung auf &ldquo;finanzschwache Kommunen&rdquo; schon nicht mehr gilt.<\/p><p>Demgegen&uuml;ber gelten f&uuml;r die noch bestehenden Beschr&auml;nkungen nur Vorschriften, die jederzeit mit einer einfachen Mehrheit des Bundestages wieder aufgehoben werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Nur der Vollst&auml;ndigkeit halber sei hier hinzugef&uuml;gt, dass &ndash; im Zuge des sog. &ldquo;Digitalpakts&rdquo; &ndash; das Kabinett inzwischen auch eine &Auml;nderung des GG-Artikels 104c beschlossen hat, weil diese eine Voraussetzung f&uuml;r die im Koalitionsvertrag vorgesehene Investitionsoffensive f&uuml;r Schulen sei.<\/p><p>Alles in allem haben wir es mit einer Politik&rdquo;gestaltung&rdquo; zu tun, die durch extrem ungleiche Besteuerung einerseits und permanente Vernachl&auml;ssigung der Infrastruktur andererseits die Notlagen, die es jetzt zu bew&auml;ltigen gilt, &uuml;berhaupt erst geschaffen hat. Dabei wird verschwiegen, dass ein gro&szlig;er Teil dieser Aufgaben (vor allem jetzt in Berlin) trotzdem ohne direkte oder indirekte Beteiligung Privater erledigt werden k&ouml;nnte.<\/p><p>Stattdessen beabsichtigt der Berliner Senat, den in den letzten Jahren grundgesetzlich geebneten und auf eine Beteiligung privater Investoren hinauslaufenden Weg zu beschreiten. Der f&uuml;r solche Entscheidungen zus&auml;tzlich geschaffene Anreiz (F&ouml;rdergelder des Bundes) unterstreicht, wohin die politisch gewollte Reise langfristig gehen soll: Komplette Inbesitznahme aller Bereiche der &ouml;ffentlichen Daseinsvorsorge.<\/p><p><strong>Personelle Verflechtungen<\/strong><\/p><p>Bekannt ist, dass sich ausgeschiedene Politiker (teilweise auch Politikerinnen) gerne von gro&szlig;en Konzernen anwerben lassen. In diesem Zusammenhang fallen einem sofort Namen wie Bangemann, Schr&ouml;der und jetzt auch Gabriel ein. Bekannt ist auch, dass sehr viele Wirtschaftslobbyisten in staatlichen Beh&ouml;rden t&auml;tig sind, wo sie Gesetzestexte entwerfen, die dann sp&auml;ter teilweise oder sogar ganz &uuml;bernommen werden. <\/p><p>Zu den unbekannteren Formen des regen personellen Austausches zwischen Wirtschaft und Politik geh&ouml;rt das &ldquo;Ausleihen&rdquo; von Beamten. Im Internetportal abgeordnetenwatch.de finden sich hierzu ganz aktuelle Angaben (Zugriff vom 06. 05. 2018). Obwohl Beamte eigentlich besonders strengen Regeln unterliegen und nicht l&auml;nger als drei Monate (sonder-)beurlaubt werden sollten, findet die Bundesregierung nichts dabei, wenn beispielsweise seit Jahren ein hochrangiger Beamter des Ausw&auml;rtigen Amtes beim Volkswagen-Konzern arbeitet, wo er mittlerweile (kommissarisch) den Posten eines Cheflobbyisten der Volkswagen Gruppe &uuml;bernommen hat.<\/p><p>Auch wenn das Gehalt in der &ldquo;Ausleihzeit&rdquo; von den Konzernen bezahlt wird, ist dies doch eine mehr als bedenkliche Entwicklung, zumal es hierbei nicht um extrem seltene Einzelf&auml;lle geht. Als Beispiele z&auml;hlt abgeordnetenwatch.de mehrj&auml;hrige T&auml;tigkeiten bei Bilfinger, Daimler, Siemens, Telekom u. a. auf  und weist zudem &ndash; wie schon 2016 im Zusammenhang mit den sog. &ldquo;Paradise Papers&rdquo; &ndash; auf die ebenfalls nicht un&uuml;blichen Nebent&auml;tigkeiten von Beamten in der Wirtschaft hin. <\/p><p>Dabei besteht f&uuml;r Nebent&auml;tigkeiten wie Vortr&auml;ge, schriftstellerische oder selbst&auml;ndige Gutachtert&auml;tigkeiten nicht einmal eine Genehmigungs-, sondern lediglich eine Anzeigepflicht. Am st&auml;rksten &ldquo;nachgefragt&rdquo; sind Beamte aus dem Bundesfinanzministerium, zu deren &ldquo;Auftraggebern&rdquo; Wirtschaftspr&uuml;fungs- und Steuerberatungsgesellschaften wie Ernst&amp;Young, KPMG, PricewaterhouseCoopers, WTS Treuhand oder die Anwaltssoziet&auml;t Freshfields geh&ouml;ren.<\/p><p>Nebent&auml;tigkeiten sind auch bei (Ex-)Abgeordneten gang und g&auml;be. In der Pfingstausgabe 2018 der &ldquo;Frankfurter Rundschau&rdquo; finden sich etliche ganz konkrete Beispiele, die ebenfalls auf die Recherchen von abgeordnetenwatch zur&uuml;ckgehen. So kassiert die Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) f&uuml;r einen Verwaltungsratsposten beim Schweizer Pharmaunternehmen Siegfried Holding AG monatlich zwischen 3500 und 7000 Euro. Ein vergleichbares Zusatzeinkommen erh&auml;lt der Ex-Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) als Pr&auml;sident des Lobbyvereins Ghorfa, der die arabischen Industrie- und Handelskammern vertritt.<\/p><p>Parlamentarier mit Nebeneink&uuml;nften finden sich in allen Parteien, aber wenn man von der H&ouml;he der Eink&uuml;nfte ausgeht, liegt die Union mit mindestens 2,8 Mio. Euro ganz vorn. Von dort kommt auch der Niedersachse Albert Stegemann, der von allen Abgeordneten am meisten nebenher einnimmt.<\/p><p>Derartige Verflechtungen und Ver&auml;stelungen gelten (leider) auch f&uuml;r Berlin. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Seit M&auml;rz 2015 ist Gottfried Ludewig (stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus und Sprecher f&uuml;r Schule und Bildung) parallel zu seinem politischen Mandat als Senior Consultant bei der PricewaterhouseCoopers GmbH t&auml;tig, w&auml;hrend Finanzsenator Kollatz-Ahnen zwar jetzt nicht mehr f&uuml;r dieses Unternehmen arbeitet, aber doch mit &ldquo;einschl&auml;gigen&rdquo; Kontakten und Erfahrungen ausgestattet sein d&uuml;rfte. Vor diesem speziellen Hintergrund r&uuml;ckt die vom Senat ausgerufene &ldquo;Berliner Schulbauoffensive&rdquo; noch einmal in ein ganz anderes Licht.<\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Sowohl die &ldquo;Entstehungsgeschichte&rdquo; der bislang installierten &ouml;ffentlich-privaten Partnerschaften als auch die damit bereits gewonnenen Negativerfahrungen lassen den Schluss zu, dass es sich bei der Berliner Schulbauoffensive tats&auml;chlich eher um eine &ldquo;b&uuml;rgerfeindliche Schulbauorganisation&rdquo; als um ein b&uuml;rgerfreundliches Vorhaben handelt, zumal &ndash; angesichts der ausgezeichneten Haushaltslage und vieler noch gar nicht ausgegebener Gelder &ndash; die Schuldenbremse allem Anschein nach nur ein vorgeschobenes Argument darstellt. <\/p><p>Wenn erst einmal die langfristigen und zugleich unk&uuml;ndbaren Vertr&auml;ge unter Dach und Fach sind, werden &ndash; zu Lasten der Steuerzahler\/innen &ndash; nicht l&auml;nger die vordergr&uuml;ndigen Anliegen (Schulneubau und -sanierung), sondern die sich daraus f&uuml;r private Anleger ergebenden M&ouml;glichkeiten zur Gewinnmaximierung im Mittelpunkt stehen.<\/p><p>Und es ist ausgerechnet ein rot-rot-gr&uuml;ner Senat, der diese Entwicklung nach Kr&auml;ften bef&ouml;rdert und sich nicht scheut, der eigenen Bev&ouml;lkerung Sand in die Augen zu streuen. Dabei wird er vielleicht sogar noch von dem Gedanken befl&uuml;gelt, eines Tages als Vorreiter einer bundesweit stattf&iacute;ndenden Privatisierung &ouml;ffentlicher Schulen gefeiert zu werden.<\/p><p>Auch wenn es viele (noch) nicht wahrhaben wollen: Wir leben mittlerweile in einem Land, dessen &ldquo;politische Kaste&rdquo; partei&uuml;bergreifend nicht l&auml;nger dem Wohl des Volkes, sondern dem Wohle privater Investoren dient. Hinzu kommt, dass es neben dem Fehlen einer parlamentarischen Opposition auch einen eklatanten Mangel an parlamentarischen Kontrollrechten gibt.<\/p><p>Deshalb sind wir, die betroffenen B&uuml;rger\/innen, gut beraten, wenn wir &ldquo;in Eigenregie&rdquo; versuchen, die trick- und wortreichen Verschleierungen aufzudecken und ggf. Widerstand zu leisten. Nur auf diese Weise werden wir eine Chance haben, eine weitere Privatisierung der uns zustehenden G&uuml;ter und Leistungen zu verhindern. Dar&uuml;ber hinaus geht es um die Frage, ob wir &uuml;berall und dauerhaft von Privatisierungsunterst&uuml;tzern regiert werden wollen.<\/p><p>Auch die (mit Hauptsitz) in Berlin lebenden Leser\/innen k&ouml;nnen einen Beitrag zur &ldquo;BSO-Verhinderung&rdquo; leisten, indem sie sich die zum Sammeln erforderlichen Unterschriftenlisten bei www.berliner-schultisch.de herunterladen und diese von m&ouml;glichst vielen Menschen (vollst&auml;ndig und leserlich) ausf&uuml;llen lassen. Dar&uuml;ber hinaus gibt es eine Karte, auf der verzeichnet ist, an welchen Stellen Unterschriften f&uuml;r die Volksinitiative &ldquo;Unsere Schulen&rdquo; gesammelt werden:<br>\nhttp:\/\/www.berliner-schultisch.de\/wo_unterschreiben\/karte<br>\nAlternativ oder erg&auml;nzend k&auml;men nat&uuml;rlich auch Spenden in Frage.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Magda von Garrel ist Diplompolitologin und Sonderp&auml;dagogin. In ihren seit 2008 ver&ouml;ffentlichten bildungspolitischen Schriften besch&auml;ftigt sie sich schwerpunktm&auml;&szlig;ig mit der zunehmenden &Ouml;konomisierung des Schul- und Bildungswesens sowie mit der strukturellen Perspektivlosigkeit armer Sch&uuml;ler\/innen. Als Mitglied des Berliner Schultisches setzt sich die Autorin f&uuml;r eine dauerhafte Bewahrung &ouml;ffentlicher Schulen ein.<br>\nKontakt zur Autorin: <a href=\"mailto:M.v.Garrel@t-online.de\">M.v.Garrel@t-online.de<\/a><br>\nWebsite: <a href=\"http:\/\/www.magda-von-garrel.de\">www.magda-von-garrel.de<\/a> <\/p><p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;**<\/a>] Dietrich Antelmann hat als Fachangestellter der gesetzlichen Rentenversicherung die Verwaltungsakademie Berlin besucht mit dem Abschluss: Diplomkameralist. Gelegentliche Ver&ouml;ffentlichungen in junge Welt, Ossietzky, Neue Rheinische Zeitung, Friedensforum, Strahlentelex und andere. Gelegentlicher Mitveranstalter und Moderator der FU-Ringvorlesung &ldquo;Frieden &ndash; Umwelt &ndash; Demokratie &ndash; Heute noch realisierbare Werte?&rdquo;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BSO ist die Abk&uuml;rzung f&uuml;r <strong>&ldquo;Berliner Schulbauoffensive&rdquo;<\/strong>, aber bei n&auml;herer Betrachtung der daraus f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung resultierenden Folgen wird schnell deutlich, dass BSO auch f&uuml;r &ldquo;B&uuml;rgerfeindliche Schulbauorganisation&rdquo; stehen k&ouml;nnte. 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