{"id":4417,"date":"2009-12-18T09:49:45","date_gmt":"2009-12-18T08:49:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4417"},"modified":"2014-01-23T10:19:55","modified_gmt":"2014-01-23T09:19:55","slug":"verbirgt-sich-hinter-der-trinkwasserinitiative-von-volvic-mehr-als-positives-product-placement-und-effekthascherei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4417","title":{"rendered":"Verbirgt sich hinter der Trinkwasserinitiative von Volvic mehr als positives Product-Placement und Effekthascherei?"},"content":{"rendered":"<p>Spendenaktionen f&uuml;r eine gute Sache, insbesondere in Kooperation mit der UNICEF, erfreuen sich bei Unternehmen zunehmender Beliebtheit. Auch werden gern bekannte Werbebotschafter in die Aktionen einbezogen. Im Rahmen einer deutschlandweiten Malaktion sollten Grundsch&uuml;ler Wassertropfen gestalten, um Volvic und UNICEF beim Brunnenbau in &Auml;thiopien zu unterst&uuml;tzen. Volvic wirbt damit, f&uuml;r jeden eingesendeten Wassertropfen bis 100 Liter sauberes Trinkwasser in &Auml;thiopien zu spenden. Au&szlig;erdem werden pro gekauftem Liter &ldquo;Volvic naturelle&rdquo; 10 Liter sauberes Trinkwasser in &Auml;thiopien sichergestellt. Lt. Pressemeldung hat die Volvic-Trinkwasserinitiative 122 Brunnen finanziert, wovon bislang 64 fertig gestellt seien, die mindestens 10 Jahre betrieben werden k&ouml;nnen (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.volvic.de\/unicef\/\">volvic.de<\/a>). Von Christine Wicht<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Augenwischerei? <\/strong><\/p><p>Volvic (Danone) hat in diesem Jahr zum f&uuml;nften Mal eine Trinkwasseraktion durchgef&uuml;hrt, die bis zum 31. Oktober befristet war.<br>\nDie Organisation CharityWatch hat zur Trinkwasser-Initiative 2008 herausgefunden, dass die Verbraucher durch Volvic und UNICEF get&auml;uscht werden: &bdquo;So wurde zum Beispiel im Juli 2008 von der Unicef-Pressesprecherin mitgeteilt, dass voraussichtlich mindestens 800.000 Euro f&uuml;r den Brunnenbau aus den bisher vier Aktionsjahren zusammenkommen seien. Ein Brunnen soll im Schnitt 6.000 US-Dollar kosten. Als die Rechnung dann aber nicht aufging, erg&auml;nzte Helga Kuhn (Pressesprecherin UNICEF) telefonisch, dass durchschnittlich noch weitere 3.000 US-Dollar pro Brunnen f&uuml;r Schulungen und andere Ausgaben ben&ouml;tigt werden. Damit stimmte die Aussage von 112 Brunnenbauten zumindest ansatzweise. Allerdings wollte sie nicht weiter ausf&uuml;hren, was die Basis pro verkauften Liter Volvic-Wasser f&uuml;r die H&ouml;he der Zuwendung sei. Das m&uuml;sste Danone beziffern. Doch hier war Eva Podlich, Pressesprecherin, Danone Waters Deutschland GmbH, sehr zugekn&ouml;pft. Konkrete Anfragen per Mail blieben unbeantwortet. So bleibt als Anhaltspunkt nur die im ersten Telefonat am Rande erw&auml;hnte Zahl, dass mit 800.000 Euro etwa vier Milliarden Liter sauberes Trinkwasser produziert werden k&ouml;nnen. Umgerechnet w&auml;ren das 400 Millionen Liter verkauftes Volvic. Bei diesem Ansatz erg&auml;be sich pro Liter eine Spende von 0,002 Euro an Unicef. Anders ausgedr&uuml;ckt, wird vom Verkaufspreis eines Kasten Volvic-Wassers im Supermarkt rund 0,3 Prozent gespendet. Ob dieser bescheidene Anteil jedem Verbraucher bewusst ist? <\/p><p>Nach Meinung von CharityWatch zeigt ein einfaches Zahlenbeispiel warum der Spendenanteil v&ouml;llig unzureichend ist: 400 Millionen Liter Volvic kosten im Laden gut 250 Millionen Euro. Wenn wegen der Spendenaktion zehn Prozent mehr verkauft worden w&auml;re, sind das rund 25 Millionen Euro Umsatz. Um damit die Spende von 800.000 Euro an Unicef zu verdienen, reicht eine Gewinnmarge von 3,2 Prozent. Da diese vermutlich h&ouml;her ist, k&ouml;nnte problemlos mehr gespendet werden.&ldquo; CharityWatch stellt die Frage: &bdquo;W&uuml;rde ein Verbraucher statt Evian Volvic kaufen, wenn er wei&szlig;, dass von seinem Kaufpreis nur magere 0,018 Euro pro Kasten oder etwa 0,3 Prozent des Kaufpreises gespendet werden? Wenn Danone das wirklich glauben w&uuml;rde, dann k&ouml;nnten sie es ja offen zugeben. Da sie das aber nicht tun, nehmen sie in Kauf, dass der Verbraucher &uuml;ber die Spendenh&ouml;he get&auml;uscht wird. Und bei so etwas macht Unicef mit! Derartige undurchsichtige Spendenpraktiken sollte gerade eine Organisation wie Unicef, die nach der Aff&auml;re Anfang 2008 besonders aufmerksam beobachtet wird, nicht mittragen.&ldquo; (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.charitywatch.de\/index.asp?id=354\">charitywatch.de<\/a> )<\/p><p><strong>Kinder &ndash; die Kunden von morgen<\/strong><\/p><p>Vor allem dort, wo der B&uuml;rger aus dem &ouml;ffentlichen Leitungsnetz Wasser von guter Qualit&auml;t beziehen kann, ist der Kauf von Flaschenwasser eigentlich &uuml;berfl&uuml;ssig.  Mit Aktionen, die einen sozialen Anstrich haben, wird Kindern die Marke Volvic positiv ins Ged&auml;chtnis gepflanzt und bereits eine Markenbindung geschaffen. Die Markenbindung beginnt &ndash; wie erforscht wurde &ndash; im Alter von 12 Jahren. Es ist f&uuml;r die Hersteller daher wichtig, vorher schon im Bewusstsein der Kinder pr&auml;sent zu sein und bis dahin ein positives Image aufgebaut zu haben. Kinder und Jugendliche werden immer &ouml;fter zur Zielgruppe f&uuml;r Werbung und Marketingkampagnen und staatliche Institutionen machen sich zum Erf&uuml;llungsgehilfen der Unternehmen (siehe auch die Artikel zu &ldquo;Media Smart&rdquo; und zum Projekt &ldquo;Wirtschaft und Schule&rdquo; und <a href=\"?p=1387\">&ldquo;Gesunde Ern&auml;hrung als Deckmantel: Mineralwasserwerbung in der Schule&rdquo;<\/a> ). Beim Volvic-Projekt erhalten die zehn Schulen mit den meisten Einsendungen jeweils die Patenschaft f&uuml;r einen neuen Brunnen in &Auml;thiopien sowie ein Leuchtglobus-Set f&uuml;r jede Klasse. Der Fernsehjournalist und Projektpate des Brunnenprojekts, Markus Lanz, &uuml;berreicht den Schulen, die die ersten drei Pl&auml;tze belegen, die Brunnen-Patenschaft. Die &uuml;brigen sieben Gewinnerschulen erhalten die Patenschaft im Rahmen einer Roadshow (Pr&auml;sentation) von Volvic und UNICEF. Ein Unternehmen, das Schulen in seine Projekte einbindet, erweitert seine Vertriebskan&auml;le. Schulen werden so zum Schauplatz strategischer Marketingaktionen. <\/p><p>Gerade an Schulen m&uuml;sste aus diesem Grunde ein Wasserprojekt stattfinden, das sich unabh&auml;ngig und ohne finanzielle Mittel der Industrie, mit der weltweiten Wasserknappheit befasst und Wasserhersteller kritisch unter die Lupe nimmt. Beispielsweise ist der Film &bdquo; FLOW &ndash; WASSER IST LEBEN&ldquo; von 2008 als Unterrichtsmaterial gedacht. Er behandelt Themen wie Kommerzialisierung der Wasserversorgung, Recht auf Wasser, Wasserverschmutzung und vieles mehr. Abschlie&szlig;end wird im Film auf die Allgemeine Erkl&auml;rung der Menschenrechte der Vereinten Nationen eingegangen, die insgesamt 30 Artikel umfasst. Der Film fordert einen 31. Artikel: &bdquo;Wir wollen die Vereinten Nationen mit einer Petition bitten, das Recht auf Wasser in die Menschenrechtscharta aufzunehmen: &bdquo;Jeder hat das Recht auf sauberes und frei zug&auml;ngliches Wasser, das dem Einzelnen und seiner Familie Gesundheit gew&auml;hrleistet. Niemandem darf der Zugang und die Qualit&auml;t dieses Wassers aus individuellen wirtschaftlichen Gr&uuml;nden verwehrt werden. &ldquo; (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.materialserver.filmwerk.de\/arbeitshilfen\/flow_wasser_ist_leben_ah.pdf\">filmwerk.de [PDF &ndash; 2.5 MB]<\/a> )<\/p><p><strong>Das Gesch&auml;ft mit dem Wasser <\/strong><\/p><p>Nach UN-Sch&auml;tzungen w&auml;ren j&auml;hrlich 30 Milliarden Dollar mehr n&ouml;tig, um den Planeten mit sauberem Trinkwasser zu versorgen, 2007 wurde dreimal so viel f&uuml;r abgef&uuml;lltes Wasser ausgegeben. Lebensmittelkonzerne wie Danone (Evian, Volvic),  Nestl&egrave; (Perrier, Contrex, Vittel) und Hindustan Lever (eine Tochter von Unilever auf dem indischen Markt) kontrollieren einen gro&szlig;en Teil des globalen Marktes f&uuml;r in Flaschen und Kanister abgef&uuml;lltes Wasser. Weltweit w&auml;chst der Absatz von Flaschenwasser. Gesch&auml;fte lassen sich sowohl in den reichen Industriel&auml;ndern als auch in der dritten Welt machen. F&uuml;r die Menschen in armen L&auml;ndern stellt Flaschenwasser oft einen kaum bezahlbaren Luxus dar. <\/p><p>Volvic Mineralwasser wurde 1978 auf zahlreichen medizinischen Kongressen vorgestellt, von Heilpraktikern empfohlen und zun&auml;chst nur in Reformh&auml;usern, Naturkostl&auml;den und Apotheken vertrieben. Eine geschickte Marketing- und Werbestrategie: Das Produkt wurde vom Hersteller als besonderes Wasser auf speziellen Kongressen angeboten und erhielt so das Image eines hochwertigen gesunden Wassers. Danone wirbt damit, dass Volvic heute f&uuml;r viele Menschen weltweit t&auml;glicher Bestandteil einer ausgewogenen Ern&auml;hrung und gesunden Lebensf&uuml;hrung ist (http:\/\/www.volvic.de\/ursprung\/quelle\/). <\/p><p>Mit einem Jahresumsatz von rund 150 Mio. Euro z&auml;hlt Danone Waters Deutschland zu den bedeutendsten Unternehmen in Bereich abgef&uuml;llter W&auml;sser in Deutschland und ist <a href=\"http:\/\/www.volvic.de\/allgemein\/unternehmen\/\">marktf&uuml;hrend im Segment der Mineralw&auml;sser ohne Kohlens&auml;ure<\/a>. Die Quelle von Volvic entspringt im Herzen Europas, in der franz&ouml;sischen Auvergne, in 90 m Tiefe unter dem Vulkan &raquo;Puy de Dome&laquo;, der im &Uuml;brigen auf dem Etikett jeder Volvic Flasche abgebildet ist. Die Quelle wurde 1927 entdeckt, seit 1938 wird Wasser in Flaschen gef&uuml;llt und in &uuml;ber 60 L&auml;ndern der Welt vertrieben. <\/p><p>Nun br&auml;uchte die Bev&ouml;lkerung Unternehmen wie Danone nicht, wenn fl&auml;chendeckend klares Trinkwasser von hoher Qualit&auml;t aus den Wasserh&auml;hnen k&auml;me. Wasserkonzerne profitieren vielfach auch davon, dass die Wasserversorgung vielerorts nicht funktioniert. Unter den Maximen der noch immer vorherrschenden neoliberalen Wirtschaftspolitik wird schon lange an dieser S&auml;ule der Daseinsvorsorge heftig ger&uuml;ttelt. Weltweit wird von Konzernen, der Welthandelsorganisation, der Europ&auml;ischen Union, Regierungen und Parlamenten eine Liberalisierungs- und Privatisierungspolitik vorangetrieben &ndash; auch im Bereich der Wasserversorgung. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Beispielen, wonach Privatisierungen vor allem bei leitungsgebundenen Leistungen zu regionalen privaten Monopolanbietern oder fl&auml;chendeckend zu wirtschaftlichen Oligopolen gef&uuml;hrt haben. In der &uuml;berwiegenden Zahl der F&auml;lle f&uuml;hrte dies zu keinen Verbesserungen f&uuml;r die Versorgung der B&uuml;rger. Wenn sich die Wasserqualit&auml;t verschlechtert, sind die B&uuml;rger gezwungen Wasser in Flaschen bzw. Kanistern zu kaufen &ndash; das ist ein gewinnbringendes Gesch&auml;ft, so wird die Wasserquelle zur Geldquelle. <\/p><p>Der Worldwide Fund for Nature (WWF) geht zudem lt. einer Studie davon aus, dass die Wasserindustrie j&auml;hrlich 1,5 Millionen Tonnen Kunststoff f&uuml;r die Herstellung von Wasserflaschen ben&ouml;tigt. Bei deren Entsorgung entstehen noch giftige Chemikalien, die die Umwelt belasten. Ein Gro&szlig;teil des Flaschenwassers wird zudem f&uuml;r Exportm&auml;rkte abgef&uuml;llt, beim aufw&auml;ndigen Transport um den halben Globus wird weitere Energie verbraucht, und es entstehen zus&auml;tzliche Emissionen. Au&szlig;erdem werden f&uuml;r die Reinigung der Flaschen wiederum Wasser, Energie und Chemikalien ben&ouml;tigt. Ein Drittel der Flaschen landen auf dem M&uuml;ll. Auf den weltweit wachsenden Plastikm&uuml;llberg macht auch der Filmemacher Werner Boote in seinem neuesten Werk &ldquo;Plastic Planet&rdquo; plastic-planet.at, aufmerksam. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.sonnenseite.com\/Aktuelle+News,Australische+Stadt+verbannt+Plastik-Wasserflaschen,6,a13239.html\">sonnenseite.com<\/a>).<\/p><p>Konzerne, die Quellen kaufen, Brunnen bohren, Wasser in Flaschen abf&uuml;llen und zu teuren Preisen verkaufen, sind in den letzten Jahren immer mehr in die Kritik geraten, denn &uuml;ber allem schwebt die Frage &bdquo;Wem geh&ouml;rt das Wasser&ldquo; und haben Unternehmen das Recht eine Quelle zu erwerben, Wasser in Flaschen abzuf&uuml;llen um es teuer zu verkaufen?  <\/p><p><strong>Wasser in Flaschen ist weder politisch noch &ouml;kologisch korrekt<\/strong><\/p><p>Zum Beispiel hat die australische Kleinstadt Bundanoon den Verkauf von Wasser in Flaschen verboten. Ausl&ouml;ser war die Anfrage eines Getr&auml;nkeherstellers, der aus einem Grundwasserreservoir Wasser f&uuml;r den Getr&auml;nkehandel gewinnen wollte. Das Unternehmen wollte das Wasser dort entnehmen, um es nach Sydney zu transportieren, es dort in Flaschen zu f&uuml;llen, um es wieder am Ort der Quelle zu verkaufen. Die Kampagne wird auch vom Premierminister des Bundesstaates New South Wales unterst&uuml;tzt. Der Einkauf von verpacktem Wasser wurde von der Regierung gestoppt und die Mitarbeiter dazu angehalten, Leitungswasser zu trinken. Angesichts der f&uuml;r das F&ouml;rdern, Abf&uuml;llen und Transportieren ben&ouml;tigten Ressourcen entschieden sich die Einwohner nahezu einstimmig, auf den Verkauf von Wasserflaschen g&auml;nzlich zu verzichten. Stattdessen werden in Bundanoon jetzt Wasserspender aufgestellt, aus denen die B&uuml;rger selbst mitgebrachte Flaschen kostenlos mit Trinkwasser f&uuml;llen k&ouml;nnen. <\/p><p><strong>Die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Vereinten Nationen <\/strong><\/p><p>Eine Bewegung, die das Trinken von Leitungswasser propagiert ist schlecht f&uuml;r&rsquo;s Gesch&auml;ft. Umso dringender muss Volvic sein Image aufpolieren. Welcher Partner w&auml;re besser gew&auml;hlt als die UNICEF? <\/p><p>Doch die Vereinten Nationen sind nicht so neutral wie es gern nach au&szlig;en dargestellt wird. Mit dem am 31. Januar 1999 von Kofi Annan auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vorgeschlagenem und im Jahr 2000 ins Leben gerufenem Global Compact, wird eine Kooperation der Vereinten Nationen mit transnationalen Konzernen angestrebt, die auf diese Weise verst&auml;rkt in die Arbeit der Vereinten Nationen einbezogen werden, mit dem Bestreben, im Rahmen dieser Partnerschaft weltweit Fortschritte im Sinne der erkl&auml;rten Prinzipien des Vertrages (Menschenrecht, Umwelt, Korruption, Arbeitsbeziehungen) zu erzielen. <\/p><p>Der Global Compact stellt sich jedoch mehr und mehr nicht als ein Instrument der politischen Einflussnahme der UN heraus, sondern gerade umgekehrt setzt sich die UNO aufgrund dieser Partnerschaft der Gefahr einer schleichenden Strukturver&auml;nderung aus: Bislang war die UNO eine (politische) Organisation der Regierungen von Nationalstaaten mit der Funktion transnationale, weltweite Interessen zum Ausgleich zu bringen und einen Beitrag zum Frieden in der Welt zu leisten. Damit &uuml;bt die UNO eine den einzelnen Staaten &uuml;bergeordnete Kontrolle &uuml;ber friedliches Zusammenleben der V&ouml;lker, weltweiter Schonung der Umwelt und der Einhaltung der Menschenrechte aus, jedenfalls so lange die Nationalstaaten die Verbindlichkeit der politischen Vorgaben der UN anerkennen bzw. die V&ouml;lkergemeinschaft Verst&ouml;&szlig;e politisch sanktioniert haben. Mit dem Global Compact werden hingegen die transnationalen Konzerne (also nicht politische, sondern wirtschaftliche Institutionen) zu Partnern der UNO. Dadurch bekommen die transnationalen Konzerne (parallel zu und neben den Mitgliedstaaten) auf internationaler Ebene ein anderes Gewicht. Ein Teil der Macht der Staaten wird zugunsten des Einflusses der Wirtschaft verschoben. So entsteht nicht nur ein n&auml;herer Kontakt zwischen UNO und privaten Unternehmen, sondern der Global Compact wird gewisserma&szlig;en ein (politisches) Spielfeld der transnationalen Konzerne. Die UNO wird von ihrer weltweiten Kontroll- und &Uuml;berwachungsfunktion in eine Mitspielerrolle abgedr&auml;ngt. <\/p><p>Es stellt sich die Frage, warum Konzerne und ihre internationalen Vertretungen ein derartiges Interesse an einem Zusammenschluss mit den Vereinten Nationen haben. Zun&auml;chst ist die Mitgliedschaft im Global Compact als Werbema&szlig;nahme zu sehen. Der Global Compact schlie&szlig;t zwar eine automatische Vergabe des UN-Logos bei Eintritt aus. Unter der Bedingung, dass die transnationalen Konzerne die Aktivit&auml;ten und Ziele der Vereinten Nationen unterst&uuml;tzen, ohne dass dies mit ihren eigenen Zielen in Einklang zu bringen ist, darf das Logo verwendet werden, nicht aber f&uuml;r eigene Ziele. Es besteht jedoch die M&ouml;glichkeit, zur Verlinkung auf die Website der Vereinten Nationen, welche gerne genutzt wird. Die Unternehmen d&uuml;rfen sich in ihrem Werbematerial und Prospekten &bdquo;Partner der Vereinten Nationen&ldquo; nennen. Dies ist eine ausgezeichnete M&ouml;glichkeit f&uuml;r PR-Ma&szlig;nahmen. Konzerne profitieren mittels dieses Angebots von dem blauen Logo der Vereinten Nationen und k&ouml;nnen sich auf diese Weise sozusagen &bdquo;blauwaschen&ldquo;. Wertpapiere der beteiligten Unternehmen k&ouml;nnen als ethisch einwandfrei gehandelt werden, was einen erheblichen Imagegewinn bringt. (mehr dar&uuml;ber im Beitrag <a href=\"?p=1132\">&ldquo;Der Global Compact, gedacht als Instrument zur weltweiten B&auml;ndigung des Kapitalismus, wird zum Einfallstor der transnationalen Konzerne f&uuml;r die Aush&ouml;hlung der Charta der Vereinten Nationen und f&uuml;r eine Privatisierung der Weltpolitik&rdquo;<\/a>).<\/p><p>Weltweit herrscht eine enorme Ungleichheit bei der Verf&uuml;gbarkeit von Wasser. Aus Mangel an Wasser entstehen zunehmend Konflikte. Vor allem die Menschen in den L&auml;ndern des S&uuml;dens sp&uuml;ren massiv die Folgen der globalen Erw&auml;rmung. Extreme Trockenheit, D&uuml;rren und &Uuml;berschwemmungen rauben ihnen die Lebensgrundlagen. Die Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me nehmen zu, weil in vielen Regionen Wasser und Nahrung knapp sind. Der G&ouml;ttinger Umweltgeologe Professor J&uuml;rgen Schneider bef&uuml;rchtet, dass sich durch den anhaltenden Klimawandel weltweit Hunger und Gewaltkonflikte bis hin zu Kriegen verbreiten. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.epd.de\/niedersachsen_bremen\/niedersachsen_bremen_index_69239.html\">epd.de<\/a>). <\/p><p>Nach Auskunft der Organisation &bdquo;Menschen f&uuml;r Menschen&ldquo; haben in &Auml;thiopien lediglich elf Prozent der l&auml;ndlichen Bev&ouml;lkerung Zugang zu sauberem Wasser. Hinzu kommt die zunehmende Erosion deren Ursache das Abholzen von W&auml;ldern zur Landgewinnung ist, beispielsweise f&uuml;r den Ackerbau. J&auml;hrlich werden deshalb rund zwei Millionen Tonnen Boden weggeschwemmt. Ein Teufelskreis, denn 82 Prozent der &Auml;thiopier leben von der Landwirtschaft. D&uuml;rren und &Uuml;berschwemmungen wirken sich damit sofort auf Millionen &Auml;thiopier aus, Hunger, Krankheiten und Epidemien sind die Folge. <\/p><p>Zur&uuml;ck zu den Brunnenprojekten von Volvic und UNICEF: Sie haben eine kalkulierte Lebenszeit von nur ca. 10 Jahren. Nach Angaben von UNICEF wird Grundwasser (Aquifere) gezapft. Wenn jedoch nicht genug Regenwasser die fossilen Grundwasservorkomman auff&uuml;llt, fallen die Brunnen trocken. Da Aquifere unterirdisch und teilweise grenz&uuml;berschreitend sind f&uuml;hren sie zu vielerorts zu Konflikten. Gerade UNICEF sollte sich daf&uuml;r einsetzen, dass nachhaltig auch wirklich nachhaltig hei&szlig;t und nicht 10 Jahre, gem&auml;&szlig; der Definition der Brundtlandkommission 1987: <\/p><blockquote><p><em>Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bed&uuml;rfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass k&uuml;nftige Generationen ihre eigenen Bed&uuml;rfnisse nicht befriedigen k&ouml;nnen.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Es w&auml;re eine wichtige Aufgabe der Vereinten Nationen alle Kr&auml;fte anzuspannen, dass Wasser endlich als Menschenrecht und nicht als Ware behandelt wird. Mit der Unterwanderung der Vereinten Nationen durch die Wirtschaft ist dies jedoch ein schwieriges Unterfangen. Wenn  k&uuml;nftig nicht ein weltweites Wasserfirmenkartell unser Wasser weltweit kontrollieren soll, Menge und Preise festlegt und &uuml;ber das wichtigste Grundbed&uuml;rfnis der Menschen bestimmt, dann sollten die Vereinten Nationen schnell handeln. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spendenaktionen f&uuml;r eine gute Sache, insbesondere in Kooperation mit der UNICEF, erfreuen sich bei Unternehmen zunehmender Beliebtheit. Auch werden gern bekannte Werbebotschafter in die Aktionen einbezogen. Im Rahmen einer deutschlandweiten Malaktion sollten Grundsch&uuml;ler Wassertropfen gestalten, um Volvic und UNICEF beim Brunnenbau in &Auml;thiopien zu unterst&uuml;tzen. Volvic wirbt damit, f&uuml;r jeden eingesendeten Wassertropfen bis 100 Liter<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4417\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,85,178],"tags":[305,334,335,336],"class_list":["post-4417","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-landerberichte","category-pr","category-ressourcen","tag-menschenrechte","tag-unicef","tag-wasserversorgung","tag-wwf"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4417","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4417"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4417\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20062,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4417\/revisions\/20062"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4417"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4417"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4417"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}