{"id":4418,"date":"2009-12-18T11:22:47","date_gmt":"2009-12-18T10:22:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4418"},"modified":"2014-11-25T10:03:21","modified_gmt":"2014-11-25T09:03:21","slug":"ueber-mythen-zur-relation-von-bezahlung-und-wertschoepfung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4418","title":{"rendered":"\u00dcber Mythen zur Relation von Bezahlung und Wertsch\u00f6pfung"},"content":{"rendered":"<p>Wir weisen auf eine interessante Vereinigung hin: &ldquo;<a href=\"http:\/\/www.neweconomics.org\/about\">nef (the new economics foundation)<\/a> is an independent think-and-do tank that inspires and demonstrates real economic well-being&rdquo;. Einen bemerkenswerten Beitrag dieser Website &uuml;ber Mythen stellen wir im Folgenden ein. Der englische Text wurde von einem Nutzer der NachDenkSeiten, von Daniel Dannemeyer, freundlicherweise &uuml;bersetzt. Herzlichen Dank.  Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Hier ist er:<\/p><p><strong>Ein wenig reich<\/strong><\/p><p><strong>Wie der tats&auml;chliche, gesellschaftliche Wert verschiedener Berufe errechnet wird<br>\nDie Mythen von Bezahlung und Wertsch&ouml;pfung<\/strong><\/p><p>Das Ziel dieser Studie ist es, einige vorherrschende Mythen &uuml;ber Bezahlung und Wertsch&ouml;pfung zu widerlegen. Vor allem gilt es aufzuzeigen, dass kein direkter Zusammenhang zwischen hoher Entlohnung und positiver Leistung f&uuml;r die Gesellschaft besteht. Hierauf richtet sich das Hauptaugenmerk dieser Untersuchung. Es handelt sich dabei um mehr als eine rein akademische &Uuml;berlegung, lassen sich daraus doch Schlussfolgerungen &uuml;ber die Art und Weise ableiten, wie unsere Gesellschaft und Volkswirtschaft strukturiert sind. Finanzielle Anreize &uuml;ben gro&szlig;e Macht aus, und wir neigen dazu, sie in &uuml;berm&auml;&szlig;igem Umfang einigen der Berufe zukommen zu lassen, die gr&ouml;&szlig;te Belastungen f&uuml;r Gesellschaft und Umwelt produzieren. Dies f&uuml;hrt zu einer Beg&uuml;nstigung von nicht w&uuml;nschenswertem Verhalten, w&auml;hrend positives Handeln ge&auml;chtet wird.<\/p><p><em>Mythos 1: Das Londoner Bankenviertel ist f&uuml;r die Wirtschaft des Vereinigten K&ouml;nigreichs unverzichtbar<\/em><br>\nDer Zugang zu Kapital und Finanzierungsm&ouml;glichkeiten f&uuml;r alle ist f&uuml;r die Volkswirtschaft Gro&szlig;britanniens von wesentlicher Bedeutung. Doch das Finanzzentrum Londons war in erster Linie mit der aggressiven Jagd nach Profiten besch&auml;ftigt. Von der Jahrhundertkrise, die sich als Konsequenz dieses Handelns ergab, waren alle Wirtschaftszweige betroffen. Mittlerweile zweifeln sogar dem Bankenviertel Nahestehende immer st&auml;rker an dessen volkswirtschaftlichem Nutzen f&uuml;r die britische Volkswirtschaft. Der Anteil der Londoner City an der britischen Wertsch&ouml;pfung liegt den h&ouml;chsten Sch&auml;tzungen zufolge bei drei Prozent &ndash; gegen&uuml;ber 12,5 Prozent des verarbeitenden Gewerbes.<\/p><p><em>Mythos 2: Niedriglohnjobs sind die erste, niedrige Sprosse auf der Karriereleiter &ndash; Aufstiegschancen stehen allen gleicherma&szlig;en offen<\/em><br>\nDer H&ouml;he der Einkommensungleichheit versetzt Besserverdienende in die Lage, ihre soziale Stellung und die ihrer Kinder durch den Erwerb von Bildung und die Anh&auml;ufung von Verm&ouml;gen zu sichern oder gar auszubauen. Die Leiter, die Menschen aus einkommensschwachen Verh&auml;ltnissen den Weg nach oben erm&ouml;glichen sollte, wird ihnen sozusagen unter den F&uuml;&szlig;en weggezogen. Die einzige M&ouml;glichkeit, die Chancen- und auch die Ergebnisgleichheit zu verbessern, w&auml;re, die Leiter von vornherein zu verk&uuml;rzen.<\/p><p><em>Mythos 3: Lohngef&auml;lle spielen keine Rolle, solange wir die Armut beseitigen<\/em><br>\nArmut spielt selbstverst&auml;ndlich eine Rolle. Es ist jedoch zunehmend nicht nur der absolute Armutsgrad allein, sondern es sind die Klassenunterschiede, die zu solchen gesellschaftlichen Problemen wie Kriminalit&auml;t, schlechter Gesundheitsversorgung, niedrigem Bildungsniveau und Drogenproblematik f&uuml;hren. In unserem Bem&uuml;hen, das Leben derjenigen zu verbessern, die am schlechtesten gestellt sind, haben wir die Spannungen &uuml;bersehen, die die Zwei-Klassen-Gesellschaft, in der wir uns nun wiederfinden, mit sich bringt.<\/p><p><em>Mythos 4: Wir m&uuml;ssen hohe Geh&auml;lter zahlen, um die gr&ouml;&szlig;ten Talente im Lande zu halten<\/em><br>\nUnsere Fallstudien belegen, dass hohe Geh&auml;lter nicht notwendigerweise auf gro&szlig;e Bef&auml;higung hinweisen. Doch selbst wenn dies der Fall w&auml;re, so m&uuml;sste es nicht zwangsl&auml;ufig zur Konsequenz haben, dass die Besten der Besten mit Kind und Kegel durch die Weltgeschichte dem h&ouml;chsten Sal&auml;r hinterher reisen. Viele Hinweise deuten stattdessen darauf hin, dass L&auml;nder mit gr&ouml;&szlig;erer sozialer Gleichheit sich durchaus ein gutes Ma&szlig; an Innovations- und Kulturkapital bewahren k&ouml;nnen.<\/p><p><em>Mythos 5: Besserverdienende arbeiten h&auml;rter<\/em><br>\nDie Menschen am unteren Verteilungsende verbringen mehr Zeit mit Hausarbeit und Kinderbetreuung als Hochbezahlte. Sie m&uuml;ssen sich zudem auch eher einen Zweitjob suchen, da dies f&uuml;r viele der einzige Weg ist, Armut zu vermeiden. Unter Ber&uuml;cksichtigung dieser Umst&auml;nde wird klar, dass schlechter Bezahlte mindestens genau so viel arbeiten wie Bessergestellte.<\/p><p><em>Mythos 6: Die Privatwirtschaft ist effizienter als der &ouml;ffentliche Bereich<\/em><br>\nBillige Arbeit ist nicht notwendigerweise auch effiziente Arbeit. Der Glaube an den Mythos der effizienteren Privatwirtschaft ist die sinnstiftende Kraft hinter der Privatisierungswelle, die Einrichtungen des &ouml;ffentlichen Dienstes in private Hand gibt und sie dem Wettbewerb aussetzt. Wettbewerbsf&auml;higkeit ist dann die Rechtfertigung f&uuml;r die Senkung der St&uuml;ck- und Lohnkosten. Preissenkungen gehen jedoch zuweilen auf Kosten der Servicequalit&auml;t, was nahelegt, dass eine bessere Entlohnung insgesamt effizienter sein kann.<\/p><p><em>Mythos 7: Wenn wir die Reichen besteuern, werden sie sich mit ihrem Geld aus dem Staub machen<\/em><br>\nEs ist unmittelbar einleuchtend, dass die Entscheidung zur Auswanderung von einer Vielzahl von Faktoren abh&auml;ngt. Zus&auml;tzlich zu monet&auml;ren Abw&auml;gungen gesellen sich das angestammte kulturelle Umfeld, die Umwelt, die N&auml;he zu Freunden und Familie und die Qualit&auml;t der &ouml;ffentlichen Dienstleistungen.<\/p><p><em>Mythos 8: Die Reichen leisten einen gr&ouml;&szlig;eren Beitrag zur Gesellschaft<\/em><br>\nIm Vergleich zu Armen zahlen Reiche proportional weniger Steuern. Dar&uuml;berhinaus sind viele unserer Steuern, wie z.B. die Gemeindesteuer und die Mehrwertsteuer, stark regressiv. Relativ betrachtet spenden Reiche sogar weniger als Arme f&uuml;r wohlt&auml;tige Zwecke.<\/p><p><em>Mythos 9: Erf&uuml;llende Berufe bed&uuml;rfen keiner hohen finanziellen Entlohnung<\/em><br>\nArbeitszufriedenheit h&auml;ngt von mehreren Faktoren ab: Eigenst&auml;ndigkeit, Einfluss auf den Arbeitsprozess, Einkommen und Status. Sie alle steuern zu einem erf&uuml;llenden und zufriedenstellenden Berufsleben bei. Sollte ein hohes Sal&auml;r zum Teil als Kompensation f&uuml;r hohes Risiko, Stress und lange Arbeitszeiten dienen, so w&uuml;rde man erwarten, bei gef&auml;hrlichen Berufen eine hohe Entlohnung vorzufinden. Auf der Liste der gef&auml;hrlichsten Berufe in Gro&szlig;britannien steht der des Fischers an erster Stelle. Dazu gesellen sich Dachleger und Ger&uuml;stbauer sowie auf Platz 18 der M&uuml;llmann. Doch die Mehrheit der Arbeitnehmer wird in keinem dieser Berufsfelder gut bezahlt. <\/p><p><em>Mythos 10: Die Bezahlung ist Belohnung f&uuml;r die ihr zugrunde liegende Ertragslage<\/em><br>\nWie zunehmend deutlich wird, besteht nur ein schwacher Zusammenhang zwischen Bezahlung und erfolgreichem Wirtschaften. Trotz eines Wertverlustes im Jahre 2008 von beinahe einem Drittel stiegen die Grundbez&uuml;ge der Manager der gr&ouml;&szlig;ten Unternehmen Gro&szlig;britanniens um ein Zehntel an. Empirische Studien haben ergeben, dass Gehaltsvereinbarungen darauf ausgerichtet sind, den finanziellen Interessen der Manager zu dienen und nicht denen der Anteilseigner.<\/p><p><strong>Fazit<\/strong><br>\nZweck dieser Studie soll es nicht sein, einzelne Personen anzugreifen, die in gut bezahlten Positionen t&auml;tig sind, wie sie hier untersucht werden. Ebenso wenig soll sie blo&szlig; suggerieren, dass weniger gut entlohnte Berufe besser bezahlt werden sollten. Unser Anliegen ist vielmehr, dass ein Zusammenhang hergestellt werden sollte zwischen dem Gehalt und den Werten, die wir mit unserer Arbeit f&uuml;r die Gesellschaft schaffen.<br>\nDiese Studie kommt zu dem Ergebnis, dass weitreichende, strukturelle Fehlentwicklungen &uuml;berwunden werden m&uuml;ssen. Viele davon wurden bereits in der nef-Studie &ldquo;The Great Transition&rdquo; aufgezeigt, in der wir den &Uuml;bergang von unserem derzeitigen, wachstumsbasierten Wirtschaftssystem zu einer vern&uuml;nftigen und nachhaltigen &Ouml;konomie beschreiben. Es steht viel auf dem Spiel: Ohne ein funktionierendes System der Kontrollen und des Interessenausgleichs k&ouml;nnte unser Wirtschaftssystem genau die Aspekte des Lebens verdr&auml;ngen, an denen den Menschen am meisten liegt. Wir m&uuml;ssen die materiellen Anreize f&uuml;r berufliche T&auml;tigkeiten dringend danach ausrichten, welche gesellschaftlichen und &ouml;kologischen Werte damit geschaffen werden.<\/p><p>Und hier der Beginn des Originals auf Englisch: <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.neweconomics.org\/publications\/bit-rich\"><strong>A bit rich<br>\nCalculating the real value to society of different professions<\/strong><\/a><br>\nThe myths of pay and value<\/p><p>This report sets out to shatter some myths about pay and value. Chief among them &ndash; and the point of the research &ndash; is to show that there is not a straightforward relationship between high financial rewards and good societal outcomes. This isn&rsquo;t just an intellectual exercise &ndash; it has big implications for the way in which our society and economy are structured. Financial incentives are very powerful, and we tend to shower them on some of the professions that are the most socially and environmentally costly. This promotes undesirable behaviour, while positive activities are discouraged.<br>\n(&hellip;)<\/p><p><strong>Conclusions<\/strong><br>\nThis report is not about targeting any individuals in the highly paid jobs it scrutinises. Neither is it simply suggesting that people in low paid jobs should be paid more. The point we are making is a more complex one &ndash; that there should be a relationship between what we are paid and the value our work generates for society.<br>\nWe need to overcome deep structural issues to act on the implications of this report. Many of these were recently spelled out in a nef report The Great Transition, which charts the change from our current growth-based economic system to a more sustainable and equitable one.2 The stakes are high: without proper checks and balances we believe our economic system could squeeze out those aspects of life that people value most. We urgently need to align incentives with the social and environmental value that are generated by the workforce. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir weisen auf eine interessante Vereinigung hin: &ldquo;<a href=\"http:\/\/www.neweconomics.org\/about\">nef (the new economics foundation)<\/a> is an independent think-and-do tank that inspires and demonstrates real economic well-being&rdquo;. Einen bemerkenswerten Beitrag dieser Website &uuml;ber Mythen stellen wir im Folgenden ein. Der englische Text wurde von einem Nutzer der NachDenkSeiten, von Daniel Dannemeyer, freundlicherweise &uuml;bersetzt. Herzlichen Dank. 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