{"id":44188,"date":"2018-05-30T11:34:48","date_gmt":"2018-05-30T09:34:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44188"},"modified":"2018-06-01T07:36:41","modified_gmt":"2018-06-01T05:36:41","slug":"fragen-zum-fall-skripal-bundesregierung-und-medien-gehen-auf-tauchstation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44188","title":{"rendered":"Fragen zum Fall Skripal \u2013 Bundesregierung  und Medien gehen auf Tauchstation"},"content":{"rendered":"<p>Die Zeichen verdichten sich, dass die Bundesregierung zum Zeitpunkt der Ausweisung russischer Diplomaten im Zuge der Skripal-Aff&auml;re sehr genau wusste, dass die britischen Vorw&uuml;rfe gegen Russland, auf die auch Berlin sich damals &ouml;ffentlich berief, unwahr sind. Dies geht zumindest zwischen den Zeilen aus einer nicht <a href=\"http:\/\/dipbt.bundestag.de\/dip21\/btd\/19\/019\/1901992.pdf\">beantworteten Anfrage<\/a> einer Gruppe von Abgeordneten der Linkspartei rund um Sevim Dag&#774;delen hervor. Das Schweigen des Kanzleramts l&auml;sst eigentlich nur zwei Interpretationen zu, die beide ein sehr schlechtes Licht auf die Regierung werfen. Angela Merkel und Heiko Maas k&ouml;nnen sich gl&uuml;cklich sch&auml;tzen, dass die gro&szlig;en Medien den Fall mittlerweile anscheinend zu den Akten gelegt und vergessen haben. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7573\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-44188-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180530_Fall_Skripal_Bundesregierung_und_Medien_gehen_auf_Tauchstation_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180530_Fall_Skripal_Bundesregierung_und_Medien_gehen_auf_Tauchstation_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180530_Fall_Skripal_Bundesregierung_und_Medien_gehen_auf_Tauchstation_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180530_Fall_Skripal_Bundesregierung_und_Medien_gehen_auf_Tauchstation_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=44188-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180530_Fall_Skripal_Bundesregierung_und_Medien_gehen_auf_Tauchstation_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180530_Fall_Skripal_Bundesregierung_und_Medien_gehen_auf_Tauchstation_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Aufregung war gro&szlig;, als eine Gruppe von Abgeordneten der Linkspartei am 9. April eine <a href=\"http:\/\/dipbt.bundestag.de\/dip21\/btd\/19\/015\/1901567.pdf\">kleine Anfrage<\/a> an die Bundesregierung richtete, deren Fragen zum Teil identisch mit den 64 Fragen der russischen Regierung waren, &uuml;ber die die NachDenkSeiten wenige Tage zuvor <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43283\">berichtet hatten<\/a>. Der Tagesspiegel kanzelte die kritischen Abgeordneten sogleich als &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/anfrage-zum-fall-skripal-die-linke-als-russlands-stimme-im-bundestag\/21174176.html\">Russlands Stimme im Bundestag<\/a>&ldquo; ab, SPIEGEL Online fantasierte gar in alter Kalter-Krieg-Rhetorik etwas von &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/die-linke-und-der-syrien-konflikt-bollwerk-fuer-wladimir-putin-in-berlin-a-1203655.html\">Putins Bollwerk in Berlin<\/a>&ldquo;. Wieder einmal hatten die Kollegen ihren Beruf falsch verstanden und verteidigten die Regierung in vorauseilendem Gehorsam und schrillen T&ouml;nen gegen kritische Fragen, anstatt diese Fragen selbst zu stellen. <\/p><p>Kurze Zeit sp&auml;ter wurden sie jedoch vom gemeinsamen Rechercheteam von SZ, NDR und WDR eines besseren belehrt. Die Journalisten <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/news\/politik\/geheimdienste-rechercheverbund-bnd-beschaffte-sich-probe-von-nowitschok-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-180516-99-336815\">deckten Anfang Mai auf<\/a>, dass auch der BND im Besitz des Nowitschok-Kampfstoffs war, der von den Briten als mutma&szlig;liche Tatwaffe beim Anschlag auf die Skripals ermittelt wurde. Dies widerspricht jedoch im Kern dem einzigen(!) Indiz der Briten, das sie als Beleg f&uuml;r eine russische T&auml;terschaft nennen k&ouml;nnen. Offiziell hie&szlig; es, dass nur Russland als T&auml;ter in Frage kommen k&ouml;nne, da nur Russland in Besitz dieser Substanz sei &ndash; eine klassische L&uuml;ge, wie die NachDenkSeiten in zahlreichen Artikeln <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=skripal-sergej\">belegen konnten<\/a>. Durch die Recherchen von SZ und Co. und anderen mittlerweile ans Licht gekommenen Meldungen muss man davon ausgehen, dass neben Russland, mindestens auch Gro&szlig;britannien selbst, Frankreich, Deutschland, die USA, Tschechien und Schweden &uuml;ber diese Substanz verf&uuml;gt haben bzw. immer noch verf&uuml;gen. Und da die Strukturformel &ouml;ffentlich und die Synthese <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44001\">kein Hexenwerk ist<\/a>, k&ouml;nnte jeder, der dies ernsthaft plant und &uuml;ber die n&ouml;tigen finanziellen Mittel verf&uuml;gt, den Nowitschok-Kampfstoff herstellen, der von den britischen Experten nachgewiesen wurde.<\/p><p>Dennoch hatte die Bundesregierung am 26. M&auml;rz als &bdquo;Reaktion&ldquo; auf den vermeintlichen Skripal-Anschlag vier russische Diplomaten des Landes <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/aussenpolitik\/laender\/russischefoederation-node\/-\/1797766\">verwiesen<\/a> und sich dabei explizit auf die britischen Erkenntnisse gest&uuml;tzt. Die einzige &bdquo;Erkenntnis&ldquo; Gro&szlig;britanniens, die auf eine russische T&auml;terschaft hindeutete, war jedoch die Falschaussage, nur Russland verf&uuml;ge &uuml;ber die analysierte Substanz. <strong>Berlin hat also auf Basis einer Falschaussage eine diplomatische Fehlentscheidung getroffen.<\/strong> Nun stellt sich die Frage nach dem warum und weshalb. Dazu gibt es genau zwei Interpretationsm&ouml;glichkeiten:<\/p><ol type=\"a\">\n<li>Die Bundesregierung wusste von ihren Nachrichtendiensten, dass ihr eigener BND in Besitz der Substanz ist\/war und zahlreiche andere Staaten ebenfalls. <strong>Dann war die Ausweisung ein vors&auml;tzlich aggressiver Akt gegen Russland<\/strong>, der &ouml;ffentlich mit einer Begr&uuml;ndung gerechtfertigt wurde, von der man wusste, dass sie falsch ist; also einer &bdquo;L&uuml;ge&ldquo;.<\/li>\n<li>Die eigenen Nachrichtendienste haben der Bundesregierung vors&auml;tzlich verschwiegen, dass der BND selbst in Besitz der Substanz ist\/war und zahlreiche andere Staaten ebenfalls. <strong>Dann haben wir es hier mit einem eklatanten Versagen der Geheimdienste zu tun<\/strong>, die der Regierung in einer au&szlig;en- und sicherheitspolitisch hochrelevanten Lage wichtige Informationen vorenthalten haben.<\/li>\n<\/ol><p>Suchen Sie sich aus, welche Variante Sie f&uuml;r wahrscheinlicher halten. In beiden F&auml;llen haben wir es jedoch mit einem handfesten Skandal zu tun, der &ndash; wenn n&ouml;tig im Rahmen eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses &ndash; aufgekl&auml;rt werden muss. <\/p><p>Die Anfrage der linken Abgeordneten w&auml;re ein erster Schritt in diese Richtung. Doch sie wurde von der Regierung mit der Begr&uuml;ndung abgelehnt, dass diese &bdquo;Informationen in besonders hohem Ma&szlig;e das Staatswohl ber&uuml;hren und [die Fragen] daher selbst in eingestufter Form nicht beantwortet werden k&ouml;nnen&ldquo;. Damit sind die M&ouml;glichkeiten des Parlaments erst einmal ersch&ouml;pft. In einer funktionierenden Demokratie w&uuml;rden nun die Medien &uuml;bernehmen und ihrer Rolle als Kontrollinstanz gem&auml;&szlig; die Bundesregierung mit kritischen Fragen l&ouml;chern und durch investigative Ermittlungen in die Ecke treiben. <\/p><p>Doch diese Funktion erf&uuml;llen unsere Medien leider nicht mehr. Auch die Medien des Rechercheverbunds greifen den Fall Skripal redaktionell seit Wochen nicht mehr kritisch auf und geben nur noch belanglose Agenturmeldungen wieder. Nur die <a href=\"https:\/\/www.noz.de\/deutschland-welt\/politik\/artikel\/1241534\/fall-skripal-linke-wirft-bundesregierung-bewusste-taeuschung-vor\">Neue Osnabr&uuml;cker Zeitung<\/a> und das kritische <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Wusste-die-Bundesregierung-dass-es-Nowitschok-in-Labors-von-Nato-Laendern-gab-4060347.html\">Online-Medium Telepolis<\/a> berichten &uuml;berhaupt &uuml;ber die &bdquo;Antwort&ldquo; der Bundesregierung auf die Anfrage der Parlamentarier. So k&ouml;nnen Merkel und Maas sich freilich unbeschwert zur&uuml;cklehnen und den Skandal aussitzen. Denn ein Skandal, von dem kaum einer wei&szlig;, ist bekanntlich keiner. Und die Medien? Die werden bei n&auml;chster Gelegenheit sicher abermals die Regierung reflexartig in Schutz nehmen und Zweifler als Moskaus rote Knechte verunglimpfen. <\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/fbf72837a95e4e049bd2374b71710f2d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zeichen verdichten sich, dass die Bundesregierung zum Zeitpunkt der Ausweisung russischer Diplomaten im Zuge der Skripal-Aff&auml;re sehr genau wusste, dass die britischen Vorw&uuml;rfe gegen Russland, auf die auch Berlin sich damals &ouml;ffentlich berief, unwahr sind. 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