{"id":4419,"date":"2009-12-18T16:29:19","date_gmt":"2009-12-18T15:29:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4419"},"modified":"2014-01-23T10:18:00","modified_gmt":"2014-01-23T09:18:00","slug":"ein-weiterer-versuch-die-deutschlandpolitische-unzuverlaessigkeit-der-linken-zu-belegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4419","title":{"rendered":"Ein weiterer Versuch, die deutschlandpolitische Unzuverl\u00e4ssigkeit der Linken zu belegen"},"content":{"rendered":"<p>Heute w&auml;re Willy Brandt 96 Jahre alt geworden. WeltOnline nutzt dies als Gelegenheit, um wie gewohnt zu verbreiten, wichtige Teile der SPD h&auml;tten die deutsche Vereinigung nicht f&uuml;r wichtig gehalten oder seien eh dagegen gewesen. (<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/die-welt\/politik\/article5568035\/Willy-versus-Oskar.html\">Siehe Anlage<\/a>) Diesmal wird Willy Brandt wieder einmal gegen Oskar Lafontaine in Stellung gebracht. Zum Gesamtkomplex w&auml;re einiges anzumerken. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Erstens:<\/strong> Wer auch andere Fragen und Ziele als die Wiedervereinigung, und zwar wichtige Elemente der inneren Gestaltung unseres Landes, f&uuml;r wichtig hielt, muss kein Feind der Vereinigung gewesen sein, wie dies immer wieder unterstellt wird.<\/p><p><strong>Zweitens:<\/strong> Wer f&uuml;r einen etwas umsichtigeren Prozess der Wiedervereinigung und f&uuml;r andere Bedingungen, etwa beim Umtauschkurs, eintrat, war ebenfalls kein Feind der Vereinigung. Ich selbst habe als Bundestagsabgeordneter gegen die W&auml;hrungsunion gestimmt, weil ich die Umtauschkurse f&uuml;r sch&auml;dlich hielt, sch&auml;dlich vor allem f&uuml;r die Betriebe in der ehemaligen DDR. Die Umtauschrelation hat viele Betriebe verschuldet zur&uuml;ckgelassen und viele der bisherigen Absatzkan&auml;le beraubt.<\/p><p><strong>Drittens:<\/strong> Dass Willy Brandt in besonderer Weise engagiert war, hat vielerlei und verst&auml;ndliche Gr&uuml;nde. Er war lange Zeit Regierender B&uuml;rgermeister von Berlin, dies auch in Zeiten existenzieller Bedrohung der Stadt durch die Teilung. Mit dieser Lebenserfahrung ist man engagierter, als wenn man im S&uuml;den oder S&uuml;dwesten der Bundesrepublik aufgewachsen ist.<\/p><p><strong>Viertens:<\/strong> Die Reaktion der Menschen in der damaligen DDR auf die verschiedenen Politiker aus Westdeutschland wird im Artikel der Welt ziemlich falsch wiedergegeben. In dem Artikel wird davon berichtet, wie Kanzler Kohl in Dresden sei auch Altkanzler Willy Brandt in Magdeburg am Tag nach seinem Geburtstag zugejubelt worden. Das ist falsch. Ich bin am besagten 19. Dezember 1989 mit einem Journalistenbus vom Berliner Parteitag der SPD nach Magdeburg gereist und habe dort Brandts Kundgebung beobachtet. Ich wei&szlig; es deshalb noch genau, weil ich mich die meiste Zeit mit dem R&uuml;cken zum Redner Brandt stellte und in die Gesichter der Magdeburger schaute: Beifall ja, aber von Jubel konnte man nicht sprechen. Ich war pers&ouml;nlich entt&auml;uscht.<\/p><p><strong>F&uuml;nftens:<\/strong> Die laufende Propaganda in der Bild-Zeitung und anderen Springer-Medien und die entsprechende Agitation der Unionsparteien &uuml;ber die angeblichen Gr&uuml;nde f&uuml;r den Fall der Mauer waren ein ganzes St&uuml;ck wirksamer als die Erinnerung an die Rolle von Willy Brandt in der Friedens- und Vertragspolitik. Dass die Strategie Willy Brandts und seiner Partei, &uuml;ber einen Abbau der Konfrontation zwischen Ost und West zu einem inneren Wandel in der Sowjetunion und den anderen Staaten des Warschauer Paktes zu kommen, eine wichtige Voraussetzung f&uuml;r den Fall der Mauer war, ebenso wie die KSZE-Politik der sozialliberalen Regierungen, das war vielen in der DDR nicht mehr so pr&auml;sent wie die Entscheidungen der Regierung Kohl und die Propaganda von CDU\/CSU und der mit ihnen verbundenen Medien.<\/p><p><strong>Sechstens:<\/strong> Vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen in Magdeburg und bei der aktiven Wahlkampfhilfe im Kreis Strausberg im Vorfeld der Volkskammerwahl vom 18. M&auml;rz 1990 war f&uuml;r mich das schlechte Abschneiden der mittel- und ostdeutschen Sozialdemokraten keine &Uuml;berraschung. Auch das vergleichsweise schlechte Abschneiden der SPD bei den Bundestagswahlen des Jahres 1990 war lange vorbereitet und hatte viel weniger mit dem Kandidaten Oskar Lafontaine als mit der herrschenden Propaganda zu tun. Ihre Wirkung allerdings wurde dadurch versch&auml;rft, dass ostdeutsche wie westdeutsche Sozialdemokraten die Parolen der Springer-Presse und der Union von der vaterl&auml;ndischen Unzuverl&auml;ssigkeit der Sozialdemokraten aufnahmen.<\/p><p><strong>Siebtens:<\/strong> Die f&uuml;hrenden Sozialdemokraten Ostdeutschlands wie etwa der in dem Weltartikel erw&auml;hnte Richard Schr&ouml;der spielten dabei eine besonders kl&auml;gliche Rolle. Sie haben ohne deutliche Gegenwehr hingenommen, dass sie im Wahlkampf f&uuml;r die Volkskammer im M&auml;rz 1990 mit der SED in einen Topf geworfen wurden. Schlimmer noch: Sie sind unmittelbar nach dem Wahltermin vom 18. M&auml;rz &ndash; getrieben von einer Kampagne der Bild-Zeitung pro gro&szlig;e Koalition, die sofort nach der Wahl einsetzte &ndash; ins gemeinsame gro&szlig;e Koalitionsbett mit der Ost-CDU gestiegen. <\/p><p>Der zitierte Beitrag in WeltOnline zeigt, dass eine wahrheitsgetreue Beschreibung der Ereignisse dieser Zeit erst noch geschrieben werden muss. Insbesondere die Rolle der Propaganda im Kontext der Wiedervereinigung ist nicht ausreichend gew&uuml;rdigt.<\/p><p><strong>Anlage:<\/strong><\/p><p><strong>Willy versus Oskar<\/strong><br>\nVon Daniel Friedrich Sturm, 18. Dezember 2009, 04:00 Uhr<br>\nWie die Sozialdemokraten 1989 &uuml;ber die Vereinigung Deutschlands stritten &ndash; und die Entfremdung zwischen dem Ehrenvorsitzenden und dem Kanzlerkandidaten der SPD deutlich wurde<br>\n(&hellip;)<br>\nBerlin &ndash; Willy Brandt feierte Geburtstag &ndash; und an der Stirnwand des Parteitages war sein ber&uuml;hmtes Zitat zu lesen: &ldquo;Jetzt w&auml;chst zusammen, was zusammengeh&ouml;rt.&rdquo; Kein Wort wurde &ouml;fter zitiert, als am 18. Dezember 1989, heute vor 20 Jahren, der SPD-Parteitag in Berlin begann. Brandts Pl&auml;doyer f&uuml;r eine Vereinigung Deutschlands aber stie&szlig; auf erheblichen Widerstand, nicht zuletzt beim SPD-Kanzlerkandidaten Oskar Lafontaine. Die Entfremdung zwischen Brandt und seinem einstigen &ldquo;Lieblingsenkel&rdquo; wurde hier manifest.<br>\n(&hellip;)<br>\nBrandt zeigte sich von Lafontaines Rede entsetzt. Auf der R&uuml;ckfahrt von dem Parteitag, berichtet seine Frau, habe er gescherzt: &ldquo;Ach was, diese Saarl&auml;nder sind ja gar keine richtigen Deutschen.&rdquo; Brandt verlie&szlig; den Parteitag, um in Magdeburg vor 70 000 Menschen eine Kundgebung zu halten -und wurde hier am Tag nach seinem Geburtstag mit &ldquo;Happy Birthday&rdquo; und &ldquo;Hoch soll er leben&rdquo; empfangen und umjubelt. Wie dem Kanzler in Dresden wurde dem Altkanzler in Magdeburg zugejubelt. Kohl jedoch dominierte zum &Auml;rger Lafontaines Fernsehbilder und Schlagzeilen. W&auml;hrenddessen offenbarten die Sozialdemokraten ihre deutschlandpolitische Verwirrung. Die Gr&auml;ben zwischen Brandt und Lafontaine waren tief auf dem SPD-Bundesparteitag vor 20 Jahren in Berlin.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/die-welt\/politik\/article5568035\/Willy-versus-Oskar.html\">WELT online<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute w&auml;re Willy Brandt 96 Jahre alt geworden. WeltOnline nutzt dies als Gelegenheit, um wie gewohnt zu verbreiten, wichtige Teile der SPD h&auml;tten die deutsche Vereinigung nicht f&uuml;r wichtig gehalten oder seien eh dagegen gewesen. (<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/die-welt\/politik\/article5568035\/Willy-versus-Oskar.html\">Siehe Anlage<\/a>) Diesmal wird Willy Brandt wieder einmal gegen Oskar Lafontaine in Stellung gebracht. Zum Gesamtkomplex w&auml;re einiges anzumerken.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4419\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[195,11,190],"tags":[329,330,328],"class_list":["post-4419","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-linke","category-strategien-der-meinungsmache","category-wahlen","tag-brandt-willy","tag-lafontaine-oskar","tag-welt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4419","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4419"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4419\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20060,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4419\/revisions\/20060"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4419"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4419"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4419"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}