{"id":44227,"date":"2018-06-02T11:30:30","date_gmt":"2018-06-02T09:30:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44227"},"modified":"2026-01-27T11:59:53","modified_gmt":"2026-01-27T10:59:53","slug":"ein-journalistischer-gau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44227","title":{"rendered":"Ein journalistischer Gau"},"content":{"rendered":"<p>Der russische Journalist Arkadi Babtschenko ist tot. Der russische Journalist Arkadi Babtschenko ist nicht tot. Der russische Journalist Arkadi Babtschenko ist&hellip; ja was eigentlich? Wer sich als Mediennutzer auf die Berichterstattung zum angeblichen Mord an Babtschenko in den vergangenen Tagen verlassen hat, war verlassen. Der Umgang von Journalisten mit dem Fall Babtschenko ist ein Lehrst&uuml;ck, das zeigt: Gro&szlig;e, reputierte Medien liefern eine Berichterstattung ab, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Diese Feststellung ist weitreichend. Sie zeigt: Mediennutzer m&uuml;ssen alles, was Medien berichten, kritisch hinterfragen. Eine Analyse von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7739\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-44227-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180604_Ein_journalistischer_Gau_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180604_Ein_journalistischer_Gau_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180604_Ein_journalistischer_Gau_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180604_Ein_journalistischer_Gau_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=44227-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180604_Ein_journalistischer_Gau_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180604_Ein_journalistischer_Gau_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Als die &bdquo;Nachricht&ldquo; (Desinformation?) vom angeblichen Mord an dem russischen Journalisten Arkadi Babtschenko in das Mediensystem eingespeist wurde, passierte, worauf man h&auml;tte wetten k&ouml;nnen: Journalistische Distanz? Zur&uuml;ckhaltung? Kritische Recherchen? Fehlanzeige. Stattdessen war eine Berichterstattung zu beobachten, die musterg&uuml;ltig aufzeigt, wie Medien in der Lage sind, fiktionale Wirklichkeiten zu konstruieren und diese dem Mediennutzer als Realit&auml;t zu verkaufen. Und, noch schlimmer: Die erschaffene fiktionale Wirklichkeit dient dann als Basis, auf der die konstruierte Wirklichkeit weiter aufgebaut wird.<\/p><p>Da hat, zum Beispiel, der Deutsche Journalisten Verband (DJV) gleich den Boykott der Weltmeisterschaft in Russland gefordert und Bundespr&auml;sident Frank-Walter Steinmeier lie&szlig; es sich nicht nehmen, &bdquo;die Tat&ldquo; bei einem Besuch in der Ukraine zu verurteilen &ndash; wor&uuml;ber Medien dann nat&uuml;rlich entsprechend berichtet haben (in der Berichterstattung ist Steinmeier dann &bdquo;ersch&uuml;ttert&ldquo;, &bdquo;verurteilt scharf&ldquo; und &bdquo;fordert Aufkl&auml;rung&ldquo;).<\/p><p>Aber greifen wir nicht vor. Wir werden im weiteren Verlauf der Analyse noch im Detail auf die Berichterstattung eingehen. Zun&auml;chst zu etwas Grundlegendem. Frage: Waren Sie schon einmal in Paris auf dem Eiffelturm? Wenn Nein &ndash; die Frage: Gibt es den Eiffelturm tats&auml;chlich? Steht der Eiffelturm tats&auml;chlich in Paris? Wie beantworten Sie diese Fragen? Vermutlich mit: Ja, nat&uuml;rlich. Aber wie kommen Sie zu der Aussage? Wenn Sie doch noch nie in Paris waren, noch nie den Eiffelturm mit eigenen Augen gesehen haben, wie k&ouml;nnen Sie sagen, dass der Eiffelturm in Paris tats&auml;chlich existiert? Wissen Sie, ob der Eiffelturm in Paris steht? Oder glauben Sie zu wissen, dass dem so ist?<\/p><p>Nat&uuml;rlich: Wer noch nie in Paris war, nie den Eiffelturm mit eigenen Augen gesehen hat, wei&szlig; nicht wirklich, ob der Eiffelturm nun tats&auml;chlich existiert oder nicht. Allerdings: Auch wenn die direkte, pers&ouml;nliche Erfahrung fehlt, wenn Sie nie den Eiffelturm mit eigenen Augen selbst in Paris gesehen haben, so k&ouml;nnen Sie dennoch mit einer ziemlichen Gewissheit sagen, dass der Eiffelturm nat&uuml;rlich real ist und in Paris steht. Schlie&szlig;lich: All die Filme, all die Bilder, all die Aussagen von Freunden, Verwandten, Bekannten usw., die bereits dort waren, den Eiffelturm gesehen, mit dem Aufzug nach oben gefahren sind usw., m&uuml;ssten eine F&auml;lschung, m&uuml;ssten L&uuml;gen sein. Anders gesagt: Auch wenn Sie nie selbst auf dem Eiffelturm waren, w&auml;re es vern&uuml;nftig wohl nicht zu begr&uuml;nden, an der Existenz des Eiffelturms in Paris zu zweifeln. Und sollten dennoch Zweifel bestehen, k&ouml;nnten sie, je nachdem, wo Sie in Deutschland leben, nach ein paar Stunden Fahrt selbst vor dem Eiffelturm stehen, ihn ber&uuml;hren und feststellen: Ja, der Eiffelturm ist real.<\/p><p>Aber wie sieht es mit der Bewertung von Realit&auml;t aus, wenn es um Sachverhalte geht, die in den Medien berichtet werden? Wie gehen wir damit um, wenn wir h&ouml;ren, dass ein bekannter russischer Journalist in der Ukraine kaltbl&uuml;tig erschossen wurde? Wie gehen wir damit um, wenn Medien uns die Details der Tat &bdquo;schildern&ldquo; (eigentlich korrekt: &bdquo;erz&auml;hlen&ldquo;, wie bei einem M&auml;rchen)? Wenn eine gesamte hochger&uuml;stete Medienlandschaft von dem Mord berichtet; wenn sogenannte Qualit&auml;tsmedien landauf landab den Tod von Babtschenko vermelden; wenn selbst der Bundespr&auml;sident &bdquo;ersch&uuml;ttert&ldquo; ist: K&ouml;nnen wir dann nicht, &auml;hnlich wie bei dem Beispiel &bdquo;Eiffelturm&ldquo;, von einem ziemlich gesicherten Wissen ausgehen?<\/p><p>Nein. Das k&ouml;nnen wir nicht. An dieser Stelle darf man ruhig einmal auf die Auseinandersetzung des Soziologen Niklas Luhmann mit den Medien verweisen, der klargestellt hat, dass das &bdquo;System Massenmedien&ldquo; nicht nach dem Code Wahrheit\/Unwahrheit funktioniert, sondern nach dem Code Information\/Nichtinformation. Entgegen allen Beteuerungen von Vertretern gro&szlig;er Medien: &bdquo;Wahrheit&ldquo; spielt in dem Mediensystem nur eine untergeordnete Rolle. Was f&uuml;r das Mediensystem z&auml;hlt, ist die Frage: Ist eine Nachricht Information (Babtschenko &bdquo;wurde&ldquo; ermordet = Das ist eine Information) oder ist eine Nachricht Nichtinformation (Babtschenko hat sich am Knie gekratzt = Das ist keine Information).<\/p><p>Die Feststellung f&uuml;hrt zu der Erkenntnis, dass Mediennutzer grunds&auml;tzlich die Berichterstattung in den Medien hinterfragen m&uuml;ssen. Dies gilt insbesondere auch und gerade bei einer Berichterstattung, die scheinbar kaum einen vern&uuml;nftigen Zweifel daran zul&auml;sst, dass sie auch falsch sein k&ouml;nnte. Die Berichterstattung zu Babtschenko hat diesen Zweifel nicht zugelassen. Wer sich die Artikel und Beitr&auml;ge zu der angeblichen Ermordung Babtschenkos anschaut, wird schnell feststellen, dass hier Journalisten den Anspruch erheben, zu sagen, was ist. Die &bdquo;Berichte&ldquo; geben vor, &bdquo;die Wirklichkeit&ldquo; abzubilden. Da gibt es keinen Raum f&uuml;r Zweifel. Man stelle sich vor, wie die Reaktion der Medien ausgefallen w&auml;re, wenn jemand Zweifel an der Ermordung Babtschenkos angemeldet und von einer m&ouml;glichen Inszenierung des Geheimdienstes gesprochen h&auml;tte.<\/p><p>Diese Form der Berichterstattung erzeugt einen unheimlichen Druck auf die Mediennutzer. Will man sich wirklich als einzelner Zeitungsleser dieser Medienwirklichkeit, die doch so real scheint, widersetzen? Will man ernsthaft &ouml;ffentlich ansprechen, dass eine gesamte Medienlandschaft vorsichtiger sein sollte bei der &Uuml;bernahme der &bdquo;Informationen&ldquo;, die die Beh&ouml;rden in der Ukraine herausgegeben haben und au&szlig;erdem darauf verweisen, dass der Tod ja auch nur vorget&auml;uscht sein k&ouml;nnte? Unabh&auml;ngig davon, ob man dies nun will oder nicht, ob man dies nun &ouml;ffentlich tun m&ouml;chte oder nicht: Mediennutzer sind gut beraten, gerade diesen scheinbar unverhandelbaren Wahrheiten und Wirklichkeiten, die Medien in ihrer Berichterstattung transportieren, mit Distanz zu begegnen.<\/p><p>Blicken wir nun etwas n&auml;her auf die Berichterstattung im Fall Babtschenko. Zun&auml;chst ein Auszug aus den &Uuml;berschriften, die bei einer Suche auf Google News am fr&uuml;hen Mittwochabend noch zu finden waren:<\/p><ul>\n<li>Die Welt: Mord an einem kompromisslosen Kreml-Kritiker<\/li>\n<li>Handelsblatt: Tot &ndash; Russischer Journalist und Kreml-Kritiker in Kiew erschossen<\/li>\n<li>Die Presse: Attentat mitten in Kiew: Wer erschoss russischen Journalisten&hellip;<\/li>\n<li>Zeit Online: Russischer Journalist erschossen<\/li>\n<li>Lippische Landeszeitung: Kremlkritischer russischer Journalist in Kiew erschossen<\/li>\n<li>Deutschlandfunk: Prominenter russischer Journalist in Kiew erschossen<\/li>\n<li>WirtschaftsWoche: Tot &ndash; Russischer Journalist und Kreml-Kritiker in Kiew erschossen<\/li>\n<li>Remscheider Generalanzeiger: Putin-Kritischer Journalist erschossen: Ukrainischer Regierungschef &hellip;<\/li>\n<li>ZDFheute: Kremlkritiker tot: Russischer Journalist in Kiew erschossen<\/li>\n<li>Sueddeutsche.de: Ukraine: Russischer Journalist in Kiew erschossen <\/li>\n<li>Tagesschau.de: Viele Spekulationen nach Mord an Journalist Babtschenko<\/li>\n<li>Der Standard: Mord an Journalist Babtschenko l&ouml;st neuen Streit zwischen Kiew und Moskau aus<\/li>\n<li>Focus Online: Journalistenmord in der Ukraine: Journalist und Putin-Kritiker Arkadi Babtschenko in Kiew erschossen<\/li>\n<li>RP Online: Russischer Journalist Arkadi Babtschenko erschossen<\/li>\n<li>Krone.at: Kiew: Prominenter russischer Journalist erschossen<\/li>\n<li>Spiegel Online: Mord an russischem Regierungskritiker Babtschenko: Sch&uuml;sse in den R&uuml;cken<\/li>\n<li>Neue Z&uuml;rcher Zeitung: Der Mord an Arkadi Babtschenko &bdquo;ist ein terroristischer Akt gegen die Journalisten in Russland und der Ukraine&ldquo;<\/li>\n<li>Stern.de: Kiew: Kremlkritischer Journalist erschossen<\/li>\n<\/ul><p>Diese Beispiele zeigen: Die &Uuml;berschriften, die hier zu sehen sind, erzeugen Wirklichkeit. Man sollte sich jede einzelne &Uuml;berschrift genau anschauen und auf sich wirken lassen. Die &Uuml;berschriften haben eine regelrechte Wucht, sie entfalten ihre eigene Kraft und erheben f&uuml;r sich den Anspruch, die Wirklichkeit zu kennen. Die &Uuml;berschriften lassen erahnen, wie die in Ihnen angerissene, konstruierte Wirklichkeit in den dann folgenden Artikeln und Beitr&auml;gen fest zementiert wird. An dieser Stelle ist nicht der Platz, um detailliert die Beitr&auml;ge genauer inhaltlicher Analysen zu unterziehen, aber exemplarisch soll ein Artikel hervorgehoben werden. Sein Einstieg kann als Musterbeispiel herangezogen werden, um aufzuzeigen, dass auch noch so wirklichkeitsbeschreibende Berichte nichts mit der Realit&auml;t zu tun haben m&uuml;ssen.<\/p><p>Die Welt schreibt Folgendes:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Killer streckte ihn mit drei Kugeln in den R&uuml;cken nieder. Arkadi Babtschenko sackte im Treppenhaus vor der T&uuml;r seiner Kiewer Wohnung zusammen, Sekunden sp&auml;ter fand ihn seine Frau. Der Journalist starb im Notarztwagen auf dem Weg ins Krankenhaus.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Wer diese Zeilen liest, erh&auml;lt den Eindruck: So war es! Hier bildet der Autor des Textes, Pavel Lokshin, die Wirklichkeit ab. Er tut das, was Journalisten so gerne vorgeben, zu tun: Zeigen, was ist.<\/p><p>Nat&uuml;rlich kann man sich zusammenreimen, dass der Welt-Autor nicht vor Ort war. Nicht selbst gesehen hat, was er beschrieben hat. Aber es ist schon lange Praxis im Journalismus, anhand von scheinbar gesicherten Informationen so zu schreiben, dass die Informationen in eine anschauliche Erz&auml;hlung flie&szlig;en, die den Eindruck erweckt: Da ist jemand ganz nahe dran gewesen oder zumindest wei&szlig; (!) da jemand genau, was Sache ist. Stilistisch ist das sicherlich ansprechend zu lesen. Aber der journalistischen Glaubw&uuml;rdigkeit kann diese Vorgehensweise einen gro&szlig;en Schaden zuf&uuml;gen. Solche Erz&auml;hlungen, die eigentlich in Reportagen zu finden sind, leben vom Vertrauen der Leser, die darauf setzen, dass ein Reporter mit eigenen Augen tats&auml;chlich gesehen hat, wor&uuml;ber er schreibt (am Rande sei erw&auml;hnt: Diese &bdquo;Schreibe&ldquo; f&uuml;hrte dazu, dass 2011 einem Spiegel-Journalisten der Henry-Nannen-Preis <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZzAZkIAp2DU\">aberkannt<\/a> wurde. Die Eingangspassage seines Beitrages zu Horst Seehofer vermittelte den Eindruck, als habe er das Geschilderte selbst erlebt &ndash; dem <a href=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/kultur-live\/article106524156\/Skandal-beim-Henri-Nannen-Preis-im-Schauspielhaus.html\">war aber nicht so <\/a>).<\/p><p>Nun k&ouml;nnte man wenigstens erwarten, dass die Welt die Falschberichterstattung in dem hier angef&uuml;hrten Artikel gegen&uuml;ber ihren Lesern transparent macht. Doch das Gegenteil ist der Fall. Der Artikel wurde nicht nur einfach gel&ouml;scht. Folgt man dem <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article176804510\/Arkadi-Babtschenko-Mord-an-kompromisslosem-Kreml-Kritiker.html\">Link<\/a>, kommt man nun zu einem anderen Artikel, der die &Uuml;berschrift tr&auml;gt: &bdquo;Arkadi Babtschenko, der f&uuml;r einen Tag totgeglaubte Journalist&ldquo;. Wieder verfasst von Pavel Lokshin.<\/p><p>Im <a href=\"http:\/\/www.presserat.de\/pressekodex\/pressekodex\/#panel-ziffer_3____richtigstellung\">Pressecodex<\/a> hei&szlig;t es unter Ziffer 3 Richtigstellung:<\/p><blockquote><p>\nVer&ouml;ffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, insbesondere personenbezogener Art, die sich nachtr&auml;glich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan, das sie gebracht hat, unverz&uuml;glich von sich aus in angemessener Weise richtig zu stellen.<br>\nRichtlinie 3.1 &ndash; Anforderungen<br>\n(1) F&uuml;r den Leser muss erkennbar sein, dass die vorangegangene Meldung ganz oder zum Teil unrichtig war. Deshalb nimmt eine Richtigstellung bei der Wiedergabe des korrekten Sachverhalts auf die vorangegangene Falschmeldung Bezug. Der wahre Sachverhalt wird geschildert, auch dann, wenn der Irrtum bereits in anderer Weise in der &Ouml;ffentlichkeit eingestanden worden ist.<br>\n(2) Bei Online-Ver&ouml;ffentlichungen wird eine Richtigstellung mit dem urspr&uuml;nglichen Beitrag verbunden. Erfolgt sie in dem Beitrag selbst, so wird dies kenntlich gemacht.\n<\/p><\/blockquote><p>Hat die Welt davon schon mal etwas geh&ouml;rt? Dass auch der Deutsche Journalistenverband (DJV) im Fall Babtschenko seine Probleme hatte, diesen selbstverpflichtenden Richtlinien zu folgen, darauf hat Tobias Riegel schon <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44210\">verwiesen<\/a>. Immerhin: Andere Medien, wie etwa <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/arkadi-babtschenko-in-kiew-ermordet-ein-mann-im-krieg-a-1210250.html\">Spiegel Online<\/a>, haben rasch auf die Falschberichterstattung transparent aufmerksam gemacht.<\/p><p>Doch transparente Korrekturen sind in diesem Fall nichts weiter als eine kosmetische &Uuml;bert&uuml;nchung eines journalistischen GAUs. Der Umgang der Medien mit der &bdquo;skandal&ouml;sen&ldquo; Meldung verweist nicht nur darauf, wie real die Gefahr von fiktionalen Wirklichkeiten in der journalistischen Berichterstattung ist; er verweist zugleich auf eine der gr&ouml;&szlig;ten Schw&auml;chen, die in den Medien zu beobachten ist: Medien haben enorme Probleme damit &ndash; gerade dann, wenn es um schwergewichtige, weitreichende politische Meldungen geht &ndash; gen&uuml;gend Distanz zu den Informationen aufzubauen, die Beh&ouml;rden herausgeben.<\/p><p>Nicht zu Unrecht werfen Medienkritiker Journalisten eine regelrechte Autorit&auml;tsh&ouml;rigkeit vor. Immer wieder ist zu beobachten, wie Medien regelrecht an den Lippen der Beh&ouml;rden h&auml;ngen und oft, sehr oft, wird die Wirklichkeit und Wahrheit der Beh&ouml;rden auch zur Wirklichkeit und Wahrheit der Medien. In vielen F&auml;llen mag dies auch v&ouml;llig korrekt sein. In vielen F&auml;llen m&ouml;gen Beh&ouml;rden auch tats&auml;chlich korrekt informieren. Aber der Fall Babtschenko zeigt in aller Deutlichkeit, wie einfach es ist, eine komplette Medienlandschaft &ndash; wohlgemerkt: l&auml;nder&uuml;bergreifend &ndash; wie an einem Ring durch die Manege zu ziehen und vorzuf&uuml;hren, wenn diese es sich zu leicht macht und den Beh&ouml;rden allzu schnell Glauben schenkt.<\/p><p>Gerade auch im Hinblick auf die Tatsache, dass die enormen Spannungen zwischen der Ukraine und Russland, aber auch zwischen Russland und dem Westen, zu einer komplexen politischen Gemengelage f&uuml;hren, bei der davon auszugehen ist, dass alle Beteiligten zum Mittel der Propaganda, Desinformation und T&auml;uschung greifen, m&uuml;ssten Journalisten sehr vorsichtig agieren. Es bed&uuml;rfte genauerer wissenschaftlicher Untersuchungen, aber eine Ersteindrucksanalyse der Berichterstattung zum Fall Babtschenko zeigt auch: Die Nachricht von der Ermordung des russischen Journalisten passte einfach &bdquo;ins Bild&ldquo;. Schlie&szlig;lich wissen Journalisten ja (wissen sie das wirklich?), was Russland sich schon so alles erlaubt hat. Wen interessieren da noch Unvoreingenommenheit und eine m&ouml;glichst objektive &Uuml;berpr&uuml;fung von Informationen?<\/p><p>Der Zustand der Medien ist, man muss es leider sagen, desolat. Er ist so desolat, dass auch dieser Vorfall nicht zu einer R&uuml;ckbesinnung und der Einhaltung journalistischer Qualit&auml;tsstandards f&uuml;hren wird. Diese Einsch&auml;tzung ist gerade auch im Nachgang zum Fall Babtschenko zu beobachten. So wie zun&auml;chst aufgrund von Beh&ouml;rdenangaben berichtet wurde, dass Babtschenko tot ist, so berichten Medien nun, dass er lebt. Schlie&szlig;lich: Er war doch auf einer Pressekonferenz zu sehen und zu h&ouml;ren. Aber: War er das wirklich? Oder war es ein geheimgehaltener Zwillingsbruder, ein Klon, ein perfekter Doppelg&auml;nger? Haben Journalisten DNA von Babtschenko auf der Pressekonferenz entnommen und k&ouml;nnen sie nun wirklich hundertprozentig sicher sein? Was, wenn vielleicht schon heute die Beh&ouml;rden in der Ukraine von einer doppelten T&auml;uschung berichten werden, die notwendig war, um an die Hinterm&auml;nner des angeblichen Mordkomplotts heranzukommen? Gewiss, das ist eine ironische Zuspitzung. Aber der Fall Babtschenko zeigt, dass wir uns fragen m&uuml;ssen: Was <em>wissen<\/em> Medien tats&auml;chlich?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der russische Journalist Arkadi Babtschenko ist tot. Der russische Journalist Arkadi Babtschenko ist nicht tot. Der russische Journalist Arkadi Babtschenko ist&hellip; ja was eigentlich? Wer sich als Mediennutzer auf die Berichterstattung zum angeblichen Mord an Babtschenko in den vergangenen Tagen verlassen hat, war verlassen. Der Umgang von Journalisten mit dem Fall Babtschenko ist ein Lehrst&uuml;ck,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44227\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,60,123,183],"tags":[1276,2375,2341,2062,2005,834,1544,259,252,260,328],"class_list":["post-44227","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-innere-sicherheit","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","tag-attentat","tag-babtschenko-arkadi","tag-boykott","tag-djv","tag-fake-news","tag-fussball","tag-kampagnenjournalismus","tag-russland","tag-steinmeier-frank-walter","tag-ukraine","tag-welt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44227","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=44227"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44227\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":52058,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44227\/revisions\/52058"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=44227"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=44227"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=44227"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}