{"id":4423,"date":"2009-12-21T10:01:23","date_gmt":"2009-12-21T09:01:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4423"},"modified":"2024-10-10T02:06:58","modified_gmt":"2024-10-10T00:06:58","slug":"koeln-will-steuergeschenk-fuer-hoteliers-teilweise-fuer-die-kulturfoerderung-zurueckholen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4423","title":{"rendered":"K\u00f6ln will Steuergeschenk f\u00fcr Hoteliers teilweise f\u00fcr die Kulturf\u00f6rderung zur\u00fcckholen"},"content":{"rendered":"<p>Der K&ouml;lner K&auml;mmerer <strong>Norbert Walter-Borjans<\/strong> hat vorgeschlagen, um die Steuerausf&auml;lle durch die Senkung der Mehrwertsteuer f&uuml;r Hoteliers auf 7 Prozent zu kompensieren, in K&ouml;ln eine Kurtaxe einzuf&uuml;hren. Der K&ouml;lner Hotel- und Gastst&auml;ttenverband fand diese Idee nat&uuml;rlich <a href=\"http:\/\/www.ksta.de\/html\/artikel\/1256137102781.shtml\">&bdquo;abenteuerlich&ldquo;<\/a>, hatten dessen Funktion&auml;re f&uuml;r den Erfolg dieser <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/0,1518,661510,00.html\">&bdquo;Gaga&ldquo;-Idee noch unl&auml;ngst die Sektkorken knallen lassen<\/a>. Die K&ouml;lner SPD hat nun den Vorschlag in abgewandelter Form aufgegriffen. Ratsfraktionschef Martin B&ouml;rschel will einen Antrag in den K&ouml;lner Rat einbringen und <a href=\"http:\/\/www.rhein-sieg-anzeiger.ksta.de\/html\/artikel\/1260194940216.shtml\">f&uuml;nf Prozent des &Uuml;bernachtungspreises von den Hoteliers fordern<\/a>: Die gesch&auml;tzten Einnahmen von rund 20 Millionen sollen kulturellen Zwecken dienen, um den von K&uuml;rzungen bedrohten Kulturetat K&ouml;lns aufzubessern. Die NachDenkSeiten haben den K&ouml;lner K&auml;mmerer zu diesem Vorschlag befragt. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<em><strong>Frage NDS:<\/strong> &bdquo;So kassiert K&ouml;ln ab&ldquo; schrieb der EXPRESS &uuml;ber den Vorsto&szlig; der K&ouml;lner SPD, eine Kulturf&ouml;rderabgabe f&uuml;r &Uuml;bernachtungen in Hotels zu erheben. Also nur wieder eine Idee, wie man den B&uuml;rgern, diesmal den Touristen, das Geld aus der Tasche zieht?<\/em><\/p><p><strong>Antwort Walter-Borjans:<\/strong> Es geht in der Tat um das Geld der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger &ndash; das n&auml;mlich verschenkt die schwarz-gelbe Bundesregierung an die Hoteliers. Mit dem Steuersenkungspaket, das unter anderem die Mehrwertsteuer f&uuml;r &Uuml;bernachtungen in Hotels und Pensionen von 19 auf 7 Prozent senkt, schenkt sie dem so genannten Beherbergungsgewerbe rund eine Milliarde Euro pro Jahr. Wirtschaftexperten unabh&auml;ngig von ihrer politischen Orientierung sind entsetzt (s. Zitate unten). Bei 100 Milliarden Euro Neuverschuldung, die Bundesfinanzminister Sch&auml;uble (CDU) f&uuml;r 2010 plant, hei&szlig;t das: F&uuml;r das Steuergeschenk ist kein Geld da, es wird mit zus&auml;tzlichen Schulden bezahlt. Zinsen und Tilgung zahlen wir alle. Allein in den K&ouml;lner Haushalt rei&szlig;t das Geschenk aus Berlin ein weiteres Loch von mindestens 12,5 Millionen Euro. Was die SPD jetzt vorschl&auml;gt, bedeutet nur, dass 5 der 12 Prozent Mehrwertsteuersenkung in den Stadts&auml;ckel zur&uuml;ckflie&szlig;en. Die Hotels k&ouml;nnen immer noch 7 Prozent f&uuml;r sich behalten. Belastet wird niemand. Im Gegenteil: Die Hotels k&ouml;nnten ihre Preise sogar noch senken.<\/p><p><em><strong>Frage NDS:<\/strong> Aber die Hoteliers sagen doch, dass sie das Geld aus der Steuersenkung nicht weitergeben wollen, weil es der Branche nicht gut geht.<\/em><\/p><p><strong>Antwort Walter-Borjans:<\/strong> Klagen &uuml;ber zu geringe Gewinne h&ouml;rt man interessanter Weise erst, seitdem FDP und CDU in Erkl&auml;rungsnot f&uuml;r die schamlose Pl&uuml;nderung &ouml;ffentlicher Kassen zugunsten ihrer W&auml;hlerklientel geraten sind. Die Hotelpreise in den deutschen Gro&szlig;st&auml;dten sind geringer als in den meisten Metropolen des Auslands. Als einen Grund nennen die Hoteliers Preiswettbewerb wegen &Uuml;berkapazit&auml;t, weil in der Vergangenheit viele Immobilienfonds aufgrund von Steuervorteilen in den Bau von Hotels investiert h&auml;tten. Wenn das jetzt vom Steuerzahler mit Mehrwertsteuergeschenken ausgeglichen werden soll, ist das eine &auml;u&szlig;erst bedenkliche Reparatur. Warum dann nicht auch Verg&uuml;nstigungen f&uuml;r den Versandhandel (Quelle), Kaufh&auml;user (Karstadt) oder Automobile (Opel)? Denen ging bzw. geht es doch auch nicht gut. Den eigentlichen Grund f&uuml;r den abgesenkten Mehrwertsteuersatz, n&auml;mlich die Grundversorgung f&uuml;r die weniger Verm&ouml;genden zu entlasten, erf&uuml;llen diese Branchen eher als das Hotelgewerbe. Schon jetzt ist abzusehen: das Beispiel Hotels wird Schule machen &ndash; und die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler werden die Zeche zahlen.<\/p><p><em><strong>Frage NDS:<\/strong> Was passiert, wenn die Hoteliers das Steuergeschenk einsacken und die Kulturf&ouml;rderabgabe einfach obendrauf packen? Dann bezahlt sie ja doch der Tourist.<\/em><\/p><p><strong>Antwort Walter-Borjans:<\/strong> Wenn ein Hotelier sich das leisten kann, dann h&auml;tte er ja auch ohne Mehrwertsteuersenkung h&ouml;here Preise durchsetzen k&ouml;nnen. Ob mit oder ohne st&auml;dtische Abgabe: Die Preisgestaltung &ndash; erst recht nach einem so &uuml;ppigen Geschenk aus Berlin, unter anderem bezahlt von den K&ouml;lner Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern &ndash; liegt in der Verantwortung der Hoteliers. Wenn die Mehrwertsteuer 12 Prozentpunkte geringer ausf&auml;llt und die Stadt stattdessen eine Abgabe von 5 Prozent erhebt, spart das Hotel immer noch 7 Prozent vom Nettopreis. Wenn dann die Preise steigen, dann liegt das nicht an der Stadt, sondern am Hotel.<\/p><p><em><strong>Frage NDS:<\/strong> Nun haben die Hoteliers aber erkl&auml;rt, dass sie die Mehrwertsteuergewinne nicht weitergeben wollen. Mit der Kulturf&ouml;rderabgabe steigen dann nur in K&ouml;ln die Preise. Dann &uuml;bernachten die Touristen demn&auml;chst doch lieber im Umland oder entscheiden sich direkt f&uuml;r D&uuml;sseldorf, oder nicht?<\/em><\/p><p><strong>Antwort Walter-Borjans:<\/strong> Wenn jemand sein Reiseziel allein nach dem Hotelpreis aussucht, dann wird er schon heute lieber in H&uuml;rth, Frechen oder Pulheim &uuml;bernachten. Denn da ist es mit oder ohne Kulturf&ouml;rderabgabe im Durchschnitt billiger als in der K&ouml;lner Innenstadt. Glauben Sie aber wirklich, dass jemand den Wunsch, den K&ouml;lner Dom zu besuchen, zu den Akten legt und eine andere Stadt oder eine l&auml;ngere Anfahrt ausw&auml;hlt, weil der Hotelpreis als Teil der Gesamtkosten des Aufenthalts um f&uuml;nf Prozent h&ouml;her ausf&auml;llt? Der typische K&ouml;lner &Uuml;bernachtungsgast bleibt zwei N&auml;chte. Wir reden also anders als in Urlaubsgebieten, in denen man zwei oder drei Wochen bleibt, von durchschnittlich weniger als zehn Euro mehr. Noch einmal: Das w&auml;re auch nur dann der Fall, wenn der Hotelier sein Steuergeschenk ganz f&uuml;r sich beh&auml;lt.<\/p><p><em><strong>Frage NDS:<\/strong> Die Hoteliers sagen auch, dass sie gegen&uuml;ber den meisten anderen europ&auml;ischen Konkurrenten benachteiligt seien, weil in 21 von 27 EU-Mitgliedstaaten f&uuml;r Hotels der abgesenkte Steuersatz gelten w&uuml;rde.<\/em><\/p><p><strong>Antwort Walter-Borjans:<\/strong> Das stimmt. Aber in den gro&szlig;en St&auml;dten dieser Staaten gibt es daf&uuml;r auch eine st&auml;dtische Steuer, die dann &bdquo;City Tax&ldquo; oder &bdquo;Location Tax&ldquo; hei&szlig;t. Unsere Hoteliers m&ouml;chten die Mehrwertsteuer wie im Ausland, aber nicht die st&auml;dtischen Abgaben, die dort &uuml;blich sind.<\/p><p><em><strong>Frage NDS:<\/strong> Rund die H&auml;lfte der K&ouml;lner &Uuml;bernachtungsg&auml;ste sind dienstlich in der Stadt. Die k&ouml;nnten die Mehrwertsteuer mit ihrer Vorsteuer verrechnen. Mit der Kulturf&ouml;rderabgabe ginge das nicht.<\/em><\/p><p><strong>Antwort Walter-Borjans:<\/strong> Richtig. Wenn der Nettopreis das entscheidende Argument f&uuml;r die &Uuml;bernachtung in K&ouml;ln ist, dann m&uuml;ssten die Hotels aber auch den Nettopreis beibehalten und die gesamte Mehrwertsteuersenkung an die G&auml;ste weitergeben. Wenn sie die Ersparnis wie beabsichtigt nicht weitergeben und den Bruttopreis unver&auml;ndert lassen, dann macht es keinen Unterschied, ob der Steuergewinn an den Hotelier oder zum Teil auch an die Stadt geht.<\/p><p><em><strong>Frage NDS:<\/strong> Wenn Unternehmen die Preise erh&ouml;hen, weil die Kosten steigen, ist das immer noch etwas anderes als beim Staat. Da hat man ja keine M&ouml;glichkeit, auszuweichen.<\/em><\/p><p><strong>Antwort Walter-Borjans:<\/strong> Gerade bei einer st&auml;dtischen Kulturf&ouml;rderabgabe ist das ja nicht der Fall. Da gibt es ja Konkurrenz, weil Touristen bei einem zu gro&szlig;en Preisunterschied wegbleiben k&ouml;nnten. Das ist ja der Grund, warum Hotelpreise im Umland von K&ouml;ln niedriger sind und zwischen den St&auml;dten variieren. Abgesehen davon, dass wir lediglich ein nicht zu begr&uuml;ndendes Steuergeschenk teilweise f&uuml;r die Kulturf&ouml;rderung zur&uuml;ckholen, ist eine solche Abgabe ist der fairste, marktkonformste Weg st&auml;dtischer Abgabenerhebung. Die Hotels werden sich am Markt orientieren. Davon h&auml;ngt ab, wie viel sie auf ihre G&auml;ste abw&auml;lzen k&ouml;nnen. Mit Sicherheit werden andere St&auml;dte dem K&ouml;lner Beispiel folgen. (<em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Siehe z.B. <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/nachrichten\/im-westen\/Klamme-Staedte-wollen-Zwangsabgabe-vom-Buerger-id2282255.html\">Klamme St&auml;dte wollen Zwangsabgabe vom B&uuml;rger<\/a><\/em>)<br>\nDabei wird deren Wettbewerbsposition im Werben um &Uuml;bernachtungsg&auml;ste eine wichtige Rolle spielen. Die Wettbewerbsposition K&ouml;lns als touristisches Ziel ist unbestritten stark.<\/p><p><em><strong>Frage NDS:<\/strong> Warum eine Kulturf&ouml;rderabgabe und nicht die Zuf&uuml;hrung zum st&auml;dtischen Haushalt ohne besonderen Verwendungszweck?<\/em><\/p><p><strong>Antwort Walter-Borjans:<\/strong> K&ouml;ln hat wie andere St&auml;dte auch unter den Folgen der Wirtschaftskrise zu leiden. Die Einnahmen aus der Gewerbe- und der Einkommensteuer sind dramatisch eingebrochen. Zugleich wachsen die Lasten aufgrund der Krise, etwa durch wachsende Arbeitslosigkeit. Nach den Berechnungen f&uuml;r 2010 betr&auml;gt die L&uuml;cke allein in K&ouml;ln zwischen Einnahmen und Ausgaben 540 Millionen Euro. In dieser Situation f&auml;llt der Bundesregierung nichts anderes ein, als Steuergeschenke an Besserverdienende zu verteilen, die den Bund, die L&auml;nder und die Gemeinden weiter ins Defizit treiben. Das werden wir und unsere Kinder bezahlen m&uuml;ssen. Wir k&ouml;nnen als Stadt nur gegensteuern, indem wir Leistungen senken und\/oder Einnahmen erh&ouml;hen. Mehr Schulden sind kein Ausweg. An der Leistungsk&uuml;rzung m&uuml;ssen sich alle Fachbereiche nach Kr&auml;ften beteiligen. Die Kultur ist besonders gef&auml;hrdet, weil sie anders als viele soziale Leistungen keine gesetzliche Pflichtaufgabe ist. Damit K&ouml;ln seine Rolle als Kulturstadt festigen kann, hat die K&ouml;lner SPD wir entschieden, mit der Notwehraktion gegen die Steuergeschenke der Bundesregierung den Beitrag der Kultur zum Ausgleich des st&auml;dtischen Haushalts abzufedern.<\/p><p><em><strong>Frage NDS:<\/strong> Der Hotel- und Gastst&auml;ttenverband DEHOGA wehrt sich mit H&auml;nden und F&uuml;&szlig;en. Vor allem die K&ouml;lner CDU nennt den Vorschlag &bdquo;abstrus&ldquo; und hat dem K&auml;mmerer attestiert, er sei &bdquo;reif f&uuml;r die Insel&ldquo;.<\/em><\/p><p><strong>Antwort Walter-Borjans:<\/strong> Dass sich diejenigen gegen die Korrektur dieses krassen Fehlers der Regierung wenden, die vom Erfolg ihrer Lobby mit einer Milliarde Euro profitieren, ist doch kein Wunder. Allein die K&ouml;lner Hoteliers zahlen &uuml;ber 40 Millionen Euro weniger Steuern. Die FDP argumentiert nur mit der Gebetsm&uuml;hle: Abgaben sind immer schlecht &ndash; Steuersenkungen vor allem f&uuml;r Besserverdienende immer gut. Das ist pure Steuersenkungsideologie ohne Sinn und Verstand, vor allem ohne R&uuml;cksicht darauf, wer die Folgen zu tragen hat. Bei der CDU gibt es eine interessante Arbeitsteilung: Die einen drucksen herum, sagen, bei Kompromissen (mit CSU und FDP) m&uuml;sse man eben auch Zugest&auml;ndnisse machen. Andere kommentieren das Ergebnis mit Ironie. F&uuml;r die, die den ganzen Schlamassel verursacht haben, ist das schon bemerkenswert. Bis zur K&ouml;lner CDU ist das aber noch nicht gedrungen. F&uuml;r die hat sich mit ihrem Vorsitzenden J&uuml;rgen Hollstein einer zu Wort gemeldet, von dem man sonst so gut wie nichts h&ouml;rt. Auch zum Thema &bdquo;st&auml;dtische &Uuml;bernachtungsabgabe&ldquo; ist ihm au&szlig;er ein paar pauschalen Beleidigungen kein ernst zu nehmendes Argument eingefallen. Nicht einmal die Kritik seiner Parteifreunde in Bund und L&auml;ndern scheint er zur Kenntnis genommen zu haben.<br>\nMein Fazit ist:<br>\nWer bislang noch Zweifel gehabt haben sollte, wei&szlig; nach dieser Lobby-Aktion f&uuml;r das Hotelgewerbe:<br>\nSchwarz-Gelb kann nicht mit Geld umgehen &ndash; schon gar nicht mit dem der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger! <\/p><p><strong>Zur Sache:<\/strong><\/p><p><strong>Hemmungslose Klientelpolitik von Schwarz-Gelb &ndash;<br>\nExperten sind entsetzt<\/strong><\/p><p>Angesichts der Lage der &ouml;ffentlichen Haushalte st&ouml;&szlig;t das Steuersenkungspaket der Bundesregierung auf nahezu einhellige Ablehnung. Au&szlig;er den unmittelbaren Profiteuren sind es (zum Teil nur sehr halbherzig) die gelb-schwarzen Verursacher, die dem Paket einen Sinn zuschreiben. <\/p><p>Zu den Kritikern geh&ouml;ren so unverd&auml;chtige Institutionen wie der Sachverst&auml;ndigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung (&bdquo;die Wirtschaftsweisen&ldquo;), der Bundesrechnungshof und der vor wenigen Tagen verstorbene Ehrenvorsitzende der FDP, Otto Graf Lambsdorff.  <\/p><p>Das Gesamtpaket hat ein Volumen von etwa 8,5 Milliarden Euro. Davon entf&auml;llt etwa eine Milliarde direkt auf die Gemeindehaushalte. F&uuml;r K&ouml;ln w&uuml;rde das allein nach dem Einwohneranteil eine Zusatzbelastung in H&ouml;he von 12,5 Millionen Euro (pro Jahr) bedeuten. Da die Steuerkraft der Stadt &uuml;ber dem bundesdeutschen Durchschnitt liegt, d&uuml;rfte der wahre Betrag deutlich h&ouml;her ausfallen. Die Bundesregierung macht wieder einmal ein Geschenk, f&uuml;r das andere die Rechnung bekommen.<\/p><p>Wie immer im Leben muss die Entlastung f&uuml;r &bdquo;die Steuerzahler&ldquo; mit einer Belastung in gleicher H&ouml;he bezahlt werden: in erster Linie &uuml;ber zus&auml;tzliche Schulden und damit von den n&auml;chsten Generationen oder &uuml;ber den Abbau von staatlichen Leistungen. An das M&auml;rchen vom beschleunigten Wachstum, das die Steuersenkung von selber refinanziert, glaubt kein vern&uuml;nftiger Mensch. <strong>Der Pr&auml;sident des Deutschen Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW), Professor Klaus Zimmermann, wird mit den Worten zitiert: <em>&bdquo;Dieses Gesetz hat weder mit Wachstum noch mit Beschleunigung zu tun.&ldquo;<\/em><\/strong> <\/p><p>Besonders in der Kritik steht die von Westerwelle und Seehofer durchgepeitschte Senkung der Mehrwertsteuer f&uuml;r das Beherbergungsgewerbe von 19 auf 7 Prozent. Noch einmal <strong>DIW-Pr&auml;sident Zimmermann: <em>&bdquo;Der erm&auml;&szlig;igte Mehrwertsteuer-Satz f&uuml;r die Hotels ist Klientelpolitik.&ldquo; Das habe nichts mit der Deckung des Grundbedarfs zu tun und habe &bdquo;einen Geschmack von Willk&uuml;r&ldquo;.<\/em> Zimmermann: <em>&bdquo;Die Steuersenkung wird nur die Branche subventionieren.&ldquo;<\/em><\/strong> Auch der <strong>Pr&auml;sident des Bundesrechnungshofes<\/strong> kritisiert die Steuersenkungspl&auml;ne heftig: <strong><em>&bdquo;Die von &bdquo;nachhallendem Wahlkampfget&ouml;se&ldquo; gepr&auml;gte Senkung des Mehrwertsteuersatzes f&uuml;r Hotel&uuml;bernachtungen sei konjunkturell unwirksam, verursache B&uuml;rokratie und mache das Steuersystem noch un&uuml;bersichtlicher&ldquo;<\/em><\/strong> (KStA 09.12.2009). <strong>Bundesfinanzminister Sch&auml;uble<\/strong> hat sich ebenfalls von der geplanten Mehrwertsteuersenkung f&uuml;r Hotel&uuml;bernachtungen distanziert. <em>Das sei <strong>nicht seine Idee<\/strong> gewesen<\/em>, sagte der CDU-Politiker der &lsquo;S&uuml;ddeutschen Zeitung&rsquo;. <strong>Der ehemalige CDU-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach: <em>&bdquo;Es handelt sich hierbei um eine klassische politische Entscheidung. Und den Begriff politische Entscheidung verwenden wir, wenn wir keine &uuml;berzeugenden Sachargumente haben&ldquo;<\/em> (Focus online 5.12.2009).<\/strong> Auch die CDU-Ministerpr&auml;sidenten von Schleswig-Holstein, Th&uuml;ringen und Sachsen haben das Vorhaben lange abgelehnt, bis sie vor der entscheidenden Bundesratssitzung am 18. Dezember von Kanzlerin Angela Merkel zur Raison gebracht wurden. <strong>NRW-Ministerpr&auml;sident J&uuml;rgen R&uuml;ttgers<\/strong> hatte nach der Entscheidung des Bundesrates erhebliche M&uuml;he, den von ihm mit beschlossenen Unsinn zu begr&uuml;nden. <strong><em>Es h&auml;tte gewiss Dinge mit gr&ouml;&szlig;erer Dringlichkeit gegeben, aber es sei eben ein Kompromiss<\/em><\/strong>, so R&uuml;ttgers in einem Radio-Interview unmittelbar nach der Sitzung. <\/p><p>Unabh&auml;ngig von der tats&auml;chlichen Lage der Hotels und Pensionen (die &ouml;ffentlich zumindest nie sonderlich wahrnehmbar beklagt wurde), macht der Ausstieg aus der Mehrwertsteuersystematik ein weiteres Fass auf. Die Mehrwertsteuer liegt in Deutschland laut Umsatzsteuergesetz bei grunds&auml;tzlich 19 Prozent (und damit niedriger als in vielen anderen Staaten). Weil die Mehrwertsteuer alle Menschen trifft, inklusive derer, die kein eigenes Einkommen haben, sind G&uuml;ter der Grundversorgung, also Nahrungsmittel, Hilfsmittel f&uuml;r Kranke und der &Ouml;PNV mit dem reduzierten Satz von 7 Prozent belegt, au&szlig;erdem Druckerzeugnisse. Jetzt sollen die Hotels einbezogen werden. Es ist abzusehen, welche Branchen schon bald die gleiche Behandlung erwarten. Warum sollten zum Beispiel in einer Gesellschaft, die sich mehr Kinder w&uuml;nscht, Babywindeln weiterhin mit 19 Prozent versteuert werden?<\/p><p>Der Deutsche Hotel- und Gastst&auml;ttenverband (DEHOGA) f&uuml;hrt als ein Argument f&uuml;r die Mehrwertsteuerentlastung seiner Branche die Praxis in anderen Staaten an. In 21 von 27 EU-Staaten gelte f&uuml;r Hotels der reduzierte Steuersatz. Verschwiegen wird allerdings, dass der Normalsatz in vielen Staaten h&ouml;her ist als in Deutschland und dass es in vielen Gro&szlig;st&auml;dten dieser Staaten &bdquo;City taxes&ldquo; f&uuml;r &Uuml;bernachtungen gibt. Gesch&auml;ftsleuten mit h&auml;ufigem Aufenthalt in wechselnden Stadt-Herbergen ist das eine sehr gel&auml;ufige Sache.<\/p><p>Der Preis f&uuml;r die Hotel-&Uuml;bernachtung ist &uuml;brigens vor allem in deutschen Gro&szlig;st&auml;dten zum Teil erheblich niedriger als in anderen Staaten.<\/p><p>Wenn aus steuersystematischen Erw&auml;gungen auch die Beibehaltung des Normalsatzes f&uuml;r die Mehrwertsteuer richtig w&auml;re, liegt in der jetzt beschlossenen Senkung auch eine Chance f&uuml;r die Kommunen, die geschaffene L&uuml;cke je nach Wettbewerbsst&auml;rke als Tourismus- und Businessziel durch eine kommunale &Uuml;bernachtungsabgabe ganz oder teilweise zu f&uuml;llen. Dabei k&ouml;nnen tourismusschw&auml;chere Kommunen ihre Wettbewerbsposition durch Verzicht auf eine solche Abgabe erh&ouml;hen. Starken St&auml;dten wie K&ouml;ln bietet sich die Gelegenheit, auf diese Weise einen Teil der Belastung zu kompensieren, die ihnen die Bundesregierung zus&auml;tzlich aufhalst. <\/p><p>Eine &Uuml;bernachtungsabgabe w&uuml;rde die K&ouml;lner B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger nicht belasten. Bei f&uuml;nf Prozent auf den Nettopreis f&uuml;r eine &Uuml;bernachtung erbr&auml;chte sie rund 18 Millionen Euro.<\/p><p>Angesichts der ohnehin zwischen den St&auml;dten und zwischen St&auml;dten und Umland schwankenden &Uuml;bernachtungspreise w&auml;ren negative Wettbewerbswirkungen kaum zu erwarten. Bei einem Zimmerpreis von 70 Euro w&uuml;rde ein Hotelier durch die Mehrwertsteuersenkung 7 Euro sparen. Nach einer Umfrage des DEHOGA beabsichtigt der weit &uuml;berwiegende Teil der Branche nicht, diese Ersparnis an die G&auml;ste weiterzugeben. Selbst wenn die Hotels die Abgabe noch auf den Zimmerpreis aufschlagen w&uuml;rden, w&auml;re kaum zu erwarten, dass ein Gast, der im Durchschnitt zwei N&auml;chte in K&ouml;ln verweilt, f&uuml;r knapp sechs Euro in eine andere Stadt oder ins Umland geht. Allerdings ist die Frage, ob die Abgabe on top auf den Gast zu &uuml;berw&auml;lzen ist, Sache der Preisgestaltung der Hotels, die immerhin 10 Prozent eines Zimmerpreises (107 zu 119) weniger an Mehrwertsteuer zu zahlen h&auml;tten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der K&ouml;lner K&auml;mmerer <strong>Norbert Walter-Borjans<\/strong> hat vorgeschlagen, um die Steuerausf&auml;lle durch die Senkung der Mehrwertsteuer f&uuml;r Hoteliers auf 7 Prozent zu kompensieren, in K&ouml;ln eine Kurtaxe einzuf&uuml;hren. 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Die K&ouml;lner<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4423\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[209,127,137],"tags":[327,325,326],"class_list":["post-4423","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-steuern-und-abgaben","tag-kommunen","tag-staatsschulden","tag-walter-borjans-norbert"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4423","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4423"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4423\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":122781,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4423\/revisions\/122781"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4423"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4423"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4423"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}