{"id":44389,"date":"2018-06-13T08:40:25","date_gmt":"2018-06-13T06:40:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44389"},"modified":"2019-05-03T10:50:30","modified_gmt":"2019-05-03T08:50:30","slug":"die-schlacht-um-hodeida-die-letzte-lebensader-des-jemen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44389","title":{"rendered":"Die Schlacht um Hodeida &#8211; Die letzte Lebensader des Jemen"},"content":{"rendered":"<p>Seit mehr als drei Jahren bombardiert eine von Saudi-Arabien gef&uuml;hrte Koalition den Jemen mit dem Ziel, die Houthi-Rebellen, die gro&szlig;e Teile des Landes kontrollieren, zur&uuml;ckzuschlagen und den illegitimen Exil-Pr&auml;sidenten Abed Rabbo Mansur Hadi zur&uuml;ck an die Macht zu bringen. Mindestens <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-yemen-security\/pace-of-airstrikes-clashes-in-yemen-sharply-higher-in-2017-report-idUSKCN1AW1HK\">10.000 Menschen<\/a> wurden seit M&auml;rz 2015 get&ouml;tet, darunter &uuml;ber 8.000 Zivilisten, 45.000 weitere verletzt. Die UN <a href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/focus\/yemen\">spricht<\/a> von der &bdquo;schlimmsten humanit&auml;ren Katastrophe der Welt&ldquo;, denn neben Panzern und Raketen wird die Bev&ouml;lkerung von zwei weiteren Gei&szlig;eln geplagt: Der gr&ouml;&szlig;ten jemals dokumentierten Cholera-Epidemie mit <a href=\"https:\/\/reliefweb.int\/sites\/reliefweb.int\/files\/resources\/201800528_Humanitarian_Update_Final.pdf\">1,1 Millionen<\/a> Infizierten sowie der historischen Hungerkatastrophe mit &uuml;ber 8 Millionen Menschen am Rande des Hungertods. 22 Millionen Menschen sind auf humanit&auml;re Hilfe angewiesen &ndash; 75 Prozent der Bev&ouml;lkerung. <a href=\"https:\/\/www.unicef.ie\/stories\/yemen-child-dies-every-ten-minutes-preventable-causes\/\">Alle zehn Minuten<\/a> stirbt ein Kind an Hunger oder problemlos vermeidbaren Krankheiten. Von <strong>Jakob Reimann<\/strong>.<\/p><p><!--more--><\/p><p>Doch die aktuellen Ereignisse k&ouml;nnten dieses Elend noch dramatisch verschlimmern: Am Mittwochmorgen begann die Saudi-Koalition eine Gro&szlig;offensive auf die Stadt Hodeida am Roten Meer, durch deren Hafen drei Viertel aller Hilfslieferungen ins Land kommen. Die UN warnt vor 250.000 Toten.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/Hodeida-Map_XL.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/Hodeida-Map_XL-small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Die Seeblockade &ndash; ein Hafen als Kriegswaffe<\/strong><\/p><p>Noch vor Aden &ndash; dessen weltber&uuml;hmter Hafen im 19. Jahrhundert der zentrale Umschlagsort des British Empire auf dem Weg in die Kolonien war &ndash; ist Hodeida an der Rotmeerk&uuml;ste im Westen des Jemen die mit Abstand wichtigste Hafenstadt des Landes. Vor Kriegsbeginn im M&auml;rz 2015 importierte der Jemen 85 Prozent seiner Medikamente und 90 Prozent seiner Nahrungsmittel aus dem Ausland, wobei <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/articles\/u-s-weighs-expanding-military-role-in-yemen-war-1528064393\">80 Prozent<\/a> aller Importe &uuml;ber den Hodeida Port abgewickelt werden. Die Saudi-Koalition wusste nur zu gut um die strategische Bedeutung des Hafens und bombardierte diesen bereits <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-yemen-security\/saudi-led-warplanes-hit-yemeni-port-aid-group-sounds-alarm-idUSKCN0QN0HX20150818\">im August 2015<\/a>, wobei die vier Hauptkr&auml;ne zerst&ouml;rt wurden.<\/p><p>Zur physischen Zerst&ouml;rung von Infrastruktur kommt eine <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2018-03-04\/zwischen-cholera-und-hungersnot\/\">umfassende Seeblockade<\/a>, die die Saudi-Koalition mit tatkr&auml;ftiger Unterst&uuml;tzung der USA seit dem Fr&uuml;hjahr 2015 gegen s&auml;mtliche H&auml;fen des Jemen verh&auml;ngt. Unter dem Vorwand, Waffenlieferungen an die Houthi-Rebellen zu unterbinden, wird ein Gro&szlig;teil ankommender Containerschiffe willk&uuml;rlich abgewiesen, mit dem Ergebnis, dass innerhalb weniger Wochen der Import in den Jemen um <a href=\"http:\/\/www.securitycouncilreport.org\/monthly-forecast\/2016-09\/the_story_of_the_un_verification_and_inspection_mechanism_in_yemen.php\">85 Prozent<\/a> einbrach; selbst UN-Hilfslieferungen werden abgewiesen. Durch die extreme Warenverknappung steigen <a href=\"http:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2017\/01\/yemen-children-starve-war-drags-170102172118666.html\">Nahrungsmittelpreise<\/a> dramatisch und die katastrophale Hungerkatstrophe versch&auml;rft sich weiter. Das UN-Menschenrechtskommissariat <a href=\"http:\/\/www.ohchr.org\/EN\/NewsEvents\/Pages\/DisplayNews.aspx?NewsID=21496&amp;LangID=E\">bezeichnet<\/a> die Blockade daher vollkommen zutreffend als v&ouml;lkerrechtswidrig und &bdquo;schwerwiegenden Bruch grundlegender Menschenrechtsnormen&ldquo;.<\/p><p>Nach einem <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/global-development\/2017\/nov\/07\/closure-of-yemen-borders-to-aid-deliveries-is-catastrophic-un-united-nations-warns\">Raketenangriff<\/a> der Houthi-Rebellen auf den Riyadh Airport im November letzten Jahres &ndash; der von den Saudis vereitelt wurde &ndash; wurde als Strafma&szlig;nahme die Blockade des Hodeida Port zu 100 Prozent implementiert, &uuml;ber Wochen lief kein einziges Schiff ein. UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock <a href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/news\/2017\/11\/09\/un-warns-worlds-largest-famine-yemen-saudi-does-not-end-blockade\/\">warnte<\/a> bei einem Anhalten der Blockade vor &bdquo;der gr&ouml;&szlig;ten Hungersnot, die die Welt seit vielen Jahrzehnten gesehen hat&ldquo;, mit potentiell &bdquo;Millionen von Opfern&ldquo;. Auf internationalen Druck hin hob die Saudi-Koalition unter strengen Auflagen die Hodeida-Blockade geringf&uuml;gig auf und <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2017\/dec\/21\/saudi-arabia-agrees-to-re-open-key-yemen-port-of-hodeidah\">gestattete<\/a> zumindest kleinen Schiffen das Anlegen, der Bann auf Containerschiffe blieb jedoch bestehen, <a href=\"https:\/\/reliefweb.int\/report\/yemen\/yemen-humanitarian-update-covering-22-28-may-2018-issue-17-enar\">das erste und einzige dieser Art<\/a> sollte erst ein halbes Jahr sp&auml;ter einlaufen.<\/p><p>Und genau hier liegt die strategische Brisanz der Stadt und des Hodeida Ports: Er wird von der Saudi-Koalition als Kriegswaffe instrumentalisiert. Durch Lockerung oder Versch&auml;rfung der Seeblockade reagiert die Koalition auf aktuelle Kriegsentwicklungen oder provoziert diese aktiv. Mittels v&ouml;lkerrechtswidriger Kollektivbestrafung wird die jemenitische Bev&ouml;lkerung vor Ort und in weiten Teilen des Landes somit als Faustpfand im Kampf gegen die Houthi-Rebellen missbraucht.<\/p><p><strong>Der Angriff auf Hodeida beginnt<\/strong><\/p><p><a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2018-03-07\/die-houthis-und-das-haus-saud\/\">Der Feldzug der Houthi-Rebellen<\/a> begann im Sommer 2014. Ausgehend von ihrer Hochburg in Sa&rsquo;da im Norden des Landes zogen sie s&uuml;dw&auml;rts und eroberten innerhalb k&uuml;rzester Zeit nahezu alle urbanen Zentren im bev&ouml;lkerten Westen und S&uuml;den des Landes. Relativ unblutig wurde die Hauptstadt Sana&rsquo;a im September 2014 eingenommen, die Hafenstadt Hodeida im Monat darauf. Im Fr&uuml;hjahr 2015 marschierten die Houthis erfolgreich bis nach Aden, der ehemaligen Hauptstadt des S&uuml;djemen, und standen im M&auml;rz auf dem Zenit ihrer territorialen Ausdehnung. Daraufhin begann am 26. M&auml;rz 2015 das erbarmungslose Bombardement der Saudi-Koalition. Nach heftigen K&auml;mpfen wurden die Houthis im Juli aus Aden vertrieben und strichen auch in anderen Regionen Verluste ein. Es folgten Monate und Jahre erbitterter K&auml;mpfe ohne nennenswerte Verschiebung der Frontlinien, bis sich zur Jahreswende 2017\/18 die K&auml;mpfe um die zentralen Knotenpunkte dramatisch zuspitzten: in <a href=\"http:\/\/www.middleeasteye.net\/news\/military-campaign-break-siege-taiz-1155565272\">Ta&rsquo;iz<\/a>, der Hauptstadt <a href=\"http:\/\/www.arabnews.com\/node\/1254521\/middle-east\">Sana&rsquo;a<\/a> &ndash; und in der <a href=\"https:\/\/www.thetimes.co.uk\/article\/saudi-forces-begin-port-assault-with-new-yemeni-allies-n6s3zr652\">Hodeida<\/a>-Region.<\/p><p>In den letzten Wochen marschierten die Truppen der Koalition &ndash; ein B&uuml;ndnis aus jemenitischem Milit&auml;r, verschiedensten Hadi-treuen Milizen, Dschihadisten-Milizen und Truppen der Emirate am Boden, sowie Kampfjets der Saudi-Koalition und US-Drohnen in der Luft &ndash; auf Hodeida und <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-yemen-security\/saudi-led-coalition-closes-in-on-yemen-port-city-hodeidah-idUSKCN1IT21K\">eroberten<\/a> dabei einen knapp 100 Kilometer langen K&uuml;stenstreifen am Roten Meer. In den vergangenen Tagen <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/reuters\/2018\/06\/12\/world\/middleeast\/12reuters-yemen-security.html\">versammelte<\/a> die Koalition wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt &bdquo;Hunderte jemenitischer K&auml;mpfer sowie Panzer und Milit&auml;rger&auml;t der Emirate&ldquo;. Videos langer Konvois in die Region finden sich <a href=\"https:\/\/twitter.com\/RepublicanYemen\/status\/1006529664079355906\">im Netz<\/a>.<\/p><p>Nach Verstreichen einer von der Koalition gesetzten dreit&auml;gigen Frist an die Houthis, die Stadt bedingungslos zu verlassen, begann am <a href=\"https:\/\/www.rt.com\/news\/429550-saudi-coalition-hodeidah-attack\/\">Mittwochmorgen<\/a> schlie&szlig;lich die Gro&szlig;offensive.<\/p><p><strong>Bis zu 250.000 Menschen k&ouml;nnten ihr Leben lassen<\/strong><\/p><p>Derzeit leben rund 600.000 Menschen in der Hodeida-Region. Menschenrechtsorganisationen <a href=\"https:\/\/www.savethechildren.org\/us\/about-us\/media-and-news\/2018-press-releases\/attack-on-hodeida\">warnten<\/a> die Saudi-Koalition eindr&uuml;cklich vor einer Offensive, da diese zur gr&ouml;&szlig;ten Vertreibungswelle seit Beginn des Krieges im M&auml;rz 2015 f&uuml;hren w&uuml;rde. Bereits im Mai kam es zu ersten gr&ouml;&szlig;eren Fluchtbewegungen, als Hunderte Familien vor den sich zuspitzenden Gefechten aus den Randbezirken in von den Houthi-Rebellen kontrolliertes Gebiet flohen. Die UN rechnet bei der soeben begonnenen Gro&szlig;offensive auf Hodeida mit <a href=\"https:\/\/reliefweb.int\/sites\/reliefweb.int\/files\/resources\/201800528_Humanitarian_Update_Final.pdf\">340.000 Vertriebenen<\/a>, die zu den bereits 2 Millionen Binnenfl&uuml;chtlingen im Jemen hinzukommen w&uuml;rden (zu Peakzeiten waren es 3 Millionen).<\/p><p>Neben den direkten Folgen milit&auml;rischer Gewalt h&auml;tte eine Gro&szlig;offensive verheerende Sekund&auml;reffekte, die sich aus der strategischen Bedeutung des Hodeida Port ergeben, durch den rund 80 Prozent aller Hilfslieferungen ins Land kommen. &bdquo;Jede Unterbrechung dieser kritischen Lebensader k&ouml;nnte f&uuml;r Millionen von Jemeniten ein Todesurteil bedeuten&ldquo;, <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2018\/06\/07\/yemen-hodeidah-uae-saudi-arabia-houthis\/\">konstatiert<\/a> Abdi Mohamud, Jemen-Direktor von Mercy Corps, einer weltweit aktiven Hilfsorganisation. &bdquo;Die St&ouml;rung des Hodeida Port k&ouml;nnte jede Hoffnung zunichtemachen, eine noch gr&ouml;&szlig;ere humanit&auml;re Katastrophe abzuwenden.&ldquo; Und Lise Grande, die UN-Koordinatorin f&uuml;r humanit&auml;re Hilfe im Jemen, bef&uuml;rchtet, dass durch &bdquo;einen milit&auml;rischen Angriff oder die Belagerung von Hodeida&ldquo; bis zu <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-yemen-security\/u-n-says-assault-on-yemeni-port-could-cost-250000-civilian-lives-idUSKCN1J40Z5\">250.000 Menschen<\/a> ihr Leben verlieren k&ouml;nnten. Dies sind die m&ouml;glichen Dimensionen, die die Saudi-Koalition losgetreten hat.<\/p><p>Die jemenitischen Saba News <a href=\"http:\/\/www.saba.ye\/en\/news498754.htm\">berichteten<\/a> bereits in den letzten Tagen <a href=\"http:\/\/www.saba.ye\/en\/news498795.htm\">mehrfach<\/a> von Dutzenden <a href=\"http:\/\/www.saba.ye\/en\/news498752.htm\">Luftschl&auml;gen<\/a> der Saudi-Koalition auf die <a href=\"http:\/\/www.saba.ye\/en\/news498003.htm\">Hodeida-Region<\/a>, den <a href=\"http:\/\/www.saba.ye\/en\/news498065.htm\">Flughafen<\/a>, den <a href=\"http:\/\/www.saba.ye\/en\/news498574.htm\">Hodeida Port<\/a>, einen <a href=\"http:\/\/www.saba.ye\/en\/news498445.htm\">Viehmarkt<\/a>, eine <a href=\"http:\/\/www.saba.ye\/en\/news498368.htm\">Farm<\/a>, einen <a href=\"http:\/\/www.saba.ye\/en\/news498400.htm\">Marktplatz<\/a>, sowie auf ein <a href=\"http:\/\/www.saba.ye\/en\/news498086.htm\">Boot der UN<\/a>, wobei <a href=\"http:\/\/www.saba.ye\/en\/news498795.htm\">viele<\/a> Zivilisten <a href=\"http:\/\/www.saba.ye\/en\/news498566.htm\">get&ouml;tet<\/a> wurden. Auch wurden drei <a href=\"http:\/\/www.saba.ye\/en\/news498169.htm\">US-Drohnenangriffe<\/a> reportiert. Doch dies stellt nur das Vorgepl&auml;nkel der begonnenen Gro&szlig;offensive dar, die entscheidende Frage ist nun die nach dem tats&auml;chlichen Ausma&szlig; des Blutbads.<\/p><p><strong>Kein politisches Bauernopfer<\/strong><\/p><p>Das Narrativ der Saudi-Koalition lautet in etwa, dass eine Gro&szlig;offensive auf Hodeida die Houthis zum Einlenken bringe und so dem Frieden im kriegszerrissenen Jemen diene. &bdquo;Die Befreiung der Stadt und des Hafens w&uuml;rde eine neue Realit&auml;t erschaffen und die Houthis an den Verhandlungstisch bringen&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-yemen-security-emirates\/uae-says-yemens-houthis-must-evacuate-key-port-city-idUSKBN1J829V\">prophezeit<\/a> Anwar Gargash, der Au&szlig;enminister der Emirate. Es handelt sich hier jedoch schlicht um <a href=\"https:\/\/www.alaraby.co.uk\/english\/comment\/2018\/6\/7\/the-magical-thinking-behind-an-attack-on-hodeida\">weltfremdes Wunschdenken<\/a>, da sowohl die &ouml;konomisch-strategische Position der Houthis &ndash; sie halten noch immer das wirtschaftsst&auml;rkste Kernzentrum des Jemen, die Hauptstadt Sana&lsquo;a &ndash; als auch die Natur der Houthi-Rebellion generell dieses Narrativ dekonstruieren. Auch der neue Jemen-Sonderbeauftragte der UN, Martin Griffiths, <a href=\"https:\/\/reliefweb.int\/report\/yemen\/martin-griffiths-special-envoy-yemen-makes-his-first-briefing-security-council-enar\">warnt<\/a> daher in einer Rede vor dem UN-Sicherheitsrat unmissverst&auml;ndlich, ein Angriff auf Hodeida w&uuml;rde &bdquo;mit einem einzigen Handstreich den Frieden vom Tisch fegen&ldquo;.<\/p><p>Die Vereinten Nationen arbeiten unabl&auml;ssig daran, den Sturm auf Hodeida abzuwenden und verfolgen dabei <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-yemen-security\/u-n-yemen-envoy-in-talks-with-houthis-to-cede-hodeidah-port-sources-idUSKCN1J02BE\">zwei Strategien<\/a>: Erstens intensivierte die UN k&uuml;rzlich die Inspektionen s&auml;mtlicher Schiffe, die in den Hodeida Port einlaufen, um so die Vorw&uuml;rfe der Koalition zu entkr&auml;ften, &uuml;ber den Hafen w&uuml;rde Kriegsmaterial an die Houthis geschmuggelt. Zweitens war der Jemen-Sonderbeauftragte Martin Griffiths in den vergangenen Tagen zwecks Vermittlungsgespr&auml;chen vor Ort. Hochrangigen Houthi-Funktion&auml;ren unterbreitete Griffiths den Vorschlag, den von ihnen kontrollierten Hodeida Port unter Kontrolle der UN zu stellen, sollten die Houthis sich aus der Stadt zur&uuml;ckziehen, und daraufhin umfassende Friedensgespr&auml;che einzuleiten. The Baghdad Post <a href=\"http:\/\/www.thebaghdadpost.com\/en\/story\/28026\/Houthis-offer-to-hand-over-Hodeidah-s-port-under-UN-supervision\">berichtet<\/a> unter Berufung auf &bdquo;politische Quellen im Jemen&ldquo;, dass die Houthi-F&uuml;hrung bereit sei, dem Vorschlag der UN zuzustimmen.<\/p><p>Dies w&auml;re in der Tat die bestm&ouml;gliche aller Optionen und muss auch nach Beginn der Gro&szlig;offensive weiterhin das Ziel bleiben. Die gr&ouml;&szlig;ten Gewinner w&auml;ren die Menschen in Hodeida und im Jemen insgesamt, da die Blockade des Hafens &ndash; der letzten Lebensader des Landes &ndash; unverz&uuml;glich aufgehoben w&uuml;rde. Denn die Saudi-Koalition kann die zerm&uuml;rbende Seeblockade gegen internationalen Druck zwar erzwingen, wenn der Hafen von den nicht unbedingt beliebten Houthi-Rebellen kontrolliert wird, w&auml;re jedoch die UN in der Verantwortung des Hafenbetriebs, w&uuml;rde die Saudi-Koalition ein Fortbestehen der Blockade politisch schlicht nicht &uuml;berleben. Hilfslieferungen sowie regul&auml;re kommerzielle Importe k&ouml;nnten in einem Ma&szlig;e ins Land gelangen wie seit &uuml;ber drei Jahren nicht. Erstmals g&auml;be es einen tats&auml;chlichen Hoffnungsschimmer zur &Uuml;berwindung der &bdquo;schlimmsten humanit&auml;ren Katastrophe der Welt&ldquo;.<\/p><p>Der einzige &bdquo;Verlierer&ldquo; dieses Szenarios w&auml;re die Saudi-Koalition. Denn so zynisch und menschenverachtend es auch klingen mag: Die Kontrolle &uuml;ber das bittere Elend der Zivilbev&ouml;lkerung &ndash; die Macht &uuml;ber das Daumen-Hoch oder Daumen-Runter &ndash; ist das gr&ouml;&szlig;te Faustpfand im Arsenal der Saudi-Koalition, die politisch sonst kaum etwas anderes anzubieten hat; ganz im Gegensatz zu den Houthi-Rebellen, die all die eroberten Territorien als &bdquo;Verhandlungsmasse&ldquo; zu Friedensgespr&auml;chen mitbringen k&ouml;nnen, allen voran die Hauptstadt Sana&rsquo;a.<\/p><p>Die Schlacht um Hodeida hat begonnen, obwohl au&szlig;er der Saudi-Koalition sie niemand will &ndash; nicht einmal die normalerweise engsten und treuesten Komplizen in den <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2018-03-04\/zwischen-cholera-und-hungersnot\/\">Verbrechen der Saudi-Koalition<\/a>: die Regierungen <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2018-03-21\/die-blutspur-der-usa-im-jemen\/\">Trump<\/a> und May. Nicht dass die Schw&auml;chung der Houthis nicht auch passgenau ins geostrategische Konzept genannter Akteure passen oder die Abwendung menschlichen Leids eine allzu relevante Kategorie f&uuml;r diese darstellen w&uuml;rde, doch sind die absehbaren Konsequenzen einer Hodeida-Offensive derart katastrophal, dass sie nur ungern die politische Verantwortung mittragen w&uuml;rden. F&uuml;r die F&uuml;hrung in Riad und Abu Dhabi steht nach bald dreieinhalb Jahren eines m&ouml;rderischen, verlustreichen und teuren Krieges hingegen derart viel auf dem Spiel, dass der Sturz des so wichtigen Hodeida einfach zu verlockend ist.<\/p><p>Die UN sowie die m&auml;chtigsten Unterst&uuml;tzer der Saudi-Koalition &ndash; allen voran die USA, Gro&szlig;britannien, Deutschland, Frankreich, Kanada und Australien &ndash; m&uuml;ssen ihr gesamtes Gewicht in die Waagschale werfen, um ein sofortiges Ende der Hodeida-Offensive herbeizubringen und den absoluten Kollaps des Jemen noch abzuwenden. &bdquo;Hodeida ist kein politisches Bauernopfer, das verschachert und mit dem gehandelt werden kann&ldquo;, so Abdi Mohamud von Mercy Corps <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2018\/06\/07\/yemen-hodeidah-uae-saudi-arabia-houthis\/\">zornig<\/a>: &bdquo;Es ist die Lebensader f&uuml;r Millionen gew&ouml;hnlicher Jemeniten, deren blankes &Uuml;berleben davon abh&auml;ngt.&ldquo;<\/p><p><em>Mehr Infos zum Krieg in der <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2018-04-23\/krieg-im-jemen\/\">sechsteiligen Jemen-Reihe<\/a> von Jakob Reimann.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit mehr als drei Jahren bombardiert eine von Saudi-Arabien gef&uuml;hrte Koalition den Jemen mit dem Ziel, die Houthi-Rebellen, die gro&szlig;e Teile des Landes kontrollieren, zur&uuml;ckzuschlagen und den illegitimen Exil-Pr&auml;sidenten Abed Rabbo Mansur Hadi zur&uuml;ck an die Macht zu bringen. Mindestens <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-yemen-security\/pace-of-airstrikes-clashes-in-yemen-sharply-higher-in-2017-report-idUSKCN1AW1HK\">10.000 Menschen<\/a> wurden seit M&auml;rz 2015 get&ouml;tet, darunter &uuml;ber 8.000 Zivilisten, 45.000 weitere verletzt.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44389\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[171],"tags":[2637,1055,469,2222,1573,929,849,1054,639,1556,2068,1703,2360],"class_list":["post-44389","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-militaereinsaetzekriege","tag-embargo","tag-fluechtlinge","tag-grossbritannien","tag-humanitaere-hilfe","tag-jemen","tag-krankheiten","tag-nahrungsmittel","tag-saudi-arabien","tag-uno","tag-usa","tag-vae","tag-voelkerrecht","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44389","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=44389"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44389\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":51247,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44389\/revisions\/51247"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=44389"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=44389"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=44389"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}